Skip to main content

Full text of "Pückler Briefwechsel und Tagebücher 8"

See other formats


beä 



fnrftrn firrmiinii m iJrirhlrr ittnekan. 



herausgegeben von 



SubntiQa *4fftnß*©rimeM. 



mttx «Bant. 



Uerfin. 

SSebeftnb & ©djttrieger. 

1875. 



SRectyt bet UeBerfe^ung ins (StiflHfdie, gronjöfift^e unb onbere frembc ©pradjen 
ift öorbeljalten. 



$ntdt toon OSlar Seiner in ßeipaig. 



3ttl)aU. 



93riefroed>fel gwtfc^en ^üdlcr unb Slpottontuö von 9Raltifc. 

93riefroedjfel aroifdjen Sßücflev unb ber gürfttn Melanie t>on SRetteroid), 
nebft einem Briefe be§ dürften von 3Jletterntd>. 

33rtefroedjfel jtmfdjen ^üdtter unb ßonig griebrtdj 2Bilf)eIm bem 
Vierten. 

3n)ei Briefe ^ßücfler'g an bie ßatferin Slugufta. 
93riefroed)fel püfcfjen ^üdfler unb ber ®räfin 93ert^a von 3Rert)elbt. 
99riefroed>fel jnnfdjen ^ütfler unb einer ©djriftfteHerin. 
93riefn>ed&fel jaufdjen ^üefter unb ßueie. . 1833 — 1834. 
SBermifdjter Sriefroed&fel. 1833 — 1834. 



• 



jltrifdjen 



3tyottoniu3 t>on äRattifc, bcr ©oI)n be3 ruffifd^cn ®e** 
fanbten in SarlSruIje, mar bcn 11. Suni 1795 ju ©era ge- 
boren, unb ftarb in ber -Jtad&t t>om 1. auf ben 2. SRärj 1870 
in SBetmar. Sr ttmr $aifertidf> SRuffifd&cr SBirflidfjer Staate* 
ratt), unb lange 3af)re ruffifd&er @efdf)äftSträger am SBeimarer 
§ofe. 2113 finniger SMdfjter befannt, toar er eine ber liebend 
ttmrbigften ^erfönlid&feiten, bie man jtd) benfen fann. 3Rit 
einem $ärtfic§en, treuen $erjen, einem ttmrmen, poetifdfjen, jur 
©djtoermutlj geneigten ©emütl), Derbanb er einen gtücflidfjen, 
unb babei ftetg gutmütigen £umor, ber anregte unb erfreute, 
oljne jemafä ju tierle^en. SSoK SBotjtmoHen unb SSKtlbc 
empfanb er eine SSefriebigung in ber Stnerfennung Slnberer. 
@r fetbft befaß eine merfttmrbige Seid&tigfeit in ber bidj* 
terifdEjen ^robuftion, unb e§ verging faum ein Sag, an 
toejdfjem er nicf)t feiner Stimmung in einem ©ebid&t 2lu3brui 
gegeben Ijätte. Sin Summer, ber fidj oft für it)n ttriebertjofte, 
tt)ar, bajs man it)n mit jenem 2Mti£ fcertoed&fefte, toeldfjer 
f ,bie $ßfefferförner" gef daneben. 

@r toar mit 33arnf)agen befreunbet, ben er innigft Der* 
etyrte; 3Sarnf)agen bezeichnete it)n aU einen „guten, liebe* 
tootten SJienfcijen". ©eine t)erjftc§e Sejie^ung ju ^üdtter 
^eigt ber t)ier mitgeteilte Srieftoedjfel, ber teiber nidf)t Doß* 
ftänbig ift. 

Unter ben Dielen Bügen, bie ficf) barin fcon tfjm unb 
HJüdfler offenbaren, fcerbient ber (ieben^ttriirbige uneigennützige, 
rein aus 2Renfc§enfreunb(idf)feit unb Siebe jur ^Soefie ent* 

Rüfflet, »rüfrocdjfel unb lagcbüdjfr. VIII. 1 



2 



fprungene ©ifer tjertoorgetjoben ju toerben, mit bcm beibe ficfy 
bemühten, im SSerein mit SSarntjagen, einer ©idjterin einen 
Verleger $u t>erfd)affen. Sßie biete heutige angeljenbe ©djrift* 
fteffer unb @cf)riftfteHermnen mögen bebauern, baß e3 feinen 
Samtjagen, feinen ^Südtter unb feinen SKaltifc meljr giebt! 
3n ber %$at entf pradjen äffe brei bem, tva$ ©oet^e Verlangt: 
„£ülfreidf) fei ber ÜDtenfd), ebel unb gut". 

3n bem litterarifdjen -ftacfftciß üon 9Jta!tt£ befinbet fidj 
mandje^ Sntereffante, ba3 ber Deffentlicfjfeit übergeben 5U 
Serben fcerbient. 



1. 



2lpoIloniu3 t>on 9ftalti£ an 5J5ücfIer. 

2ßeimar, ben 9. Sunt 1851. 

©uer 2)urdjlaucf)t fenbe idj hiermit eine Slbfdfjrift meinet 
©efangeS „^um etoigen Suben", unb lege ein ©ebidjt 
bei, toelcfjeä mir ©oettje gleidjfam in bie §änbe lieferte. 3)ie 
©teile, au§ ber e3 entfprang, ift tuertf), t>on ©tt>. iDurdjtaucfyt 
nadjgelefen toerben. 

$n ber §offnung , @m. SJurdjtaudjt balb ttrieber in 
SBeimar ju fef>en, too 3ff)r @rfd)einen immer ein fo freubigeS 
©reignifc ift, Bitte i$ ©ie, mein Surft, bie £ulbigungen meiner 
unbegrenzten Ergebenheit §u empfangen. 



2. 

«polIoniuS öon SRaltife an ^ücfler. 

Weimar, ben 3. Dfto&er 1851. 

2Sie fefjr @uer 5)urdjlaudjt gütige Seiten midj ermutigt 
§aben, möge eine neue ©enbung gan§ anberer ©attung be= 
weifen. 8ie ift aus 3ßat)rt)eit unb 2)idf)tung jufammei^ 
gefegt, ber ©cfjluß ift teiber feine felbft erlebte SSirflic^feit 
„Stein im £mfe" ift fjiftorifcf) — fo audj „ber §intergrunb 
ber 9Keere3tt>effe", bie idj nodj braufen l)öre, „ber rafdje 
Sprung" ber Schönen öom $ferbe, unb bie „getäufdfjte $off* 
nung" ebenfalls, jebodj otjne ba§ fc^Iaue Sachen ber reisen* 

l* 



4 



t>en Slma^one, bte ftc§ ttad) Sohren nidfjt . einmal bcr ro* 
mantifd&en Situation entfinnen toollte. $)a§ Stnbere ift er* 
funben, ttmS fcieffeidjt f)ätte fein fönnen, unb lägt ftdfj in 
tiner gortfefcung weiter Rinnen; biefe gortfe^ung fdf>mebt in 
einigen ©tanjen nodj fc£)r im Stauen, ©ie müßte mit einer 
6rt)örung enben. ©toatb fcon Steift er^tte, er Ijabe einen 
toertiebten jungen §errn gefamtt, ber üerfidfjerte, er fei bei 
frönen grauen nie gtücftidfjer getoefeu, at3 toenn er fie über* 
raffte, toenn fie eben Dom ^Sferbe geftiegen roaren. $u einer 
SiebeSerftärung ift getüijs fein SDtoment günftiger, benn e3 
t)at ettoag ju ©efdjmacftofe§, fid) ju ^Sferbe ju ärgern, ober 
eine ©ittenprebigt mit ber SReitpeitfdfje in ber |>anb ju Ratten, 
©uer $)ufcdf)laud)t befifcen getoiß audfj t)ierin eine -Stenge ber 
gtücftidfjften Erfahrungen, bie einen ©tjcluä fo tjotber Stben* 
treuer berühren mürben, ©in ^Begleiter bon fdfjönen 2tma* 
jonen toaren Sie gettriß immer gern. 

'Sie gegenwärtigen ©trogen bitte idfj ©ie, mein gürft, 
für immer als anonym $u betrauten unb ju betjanbetn. ©3 
ift mir ein 9?igori£mu£ auferlegt, Don bem idj midf) 
nidfjt entfernen bar f. Sein toeibticfyeS Df)r t)at biefeö 
©ebid&t Don mir vernommen. ©3 fjat $eber feine ©enfur, 
t)or ber er fid) beugen muß, fetbft in feiner nädjften 9täl)e. — 

SBie gern begrüßte idf) ©uer ®urdfjlaud(jt ttrieber in 
SBeimar — mir toürbe über bietet „§er$, 2Runb unb 9tuge 
^ufget)en". — 

3Rit unbegränjter SSere^rung unb 2tnf)änglidf)feit 

©uer 2)urd(jtaud(jt 

ergebener 9t. öon äJlaltifc. 



5 



3. 

2lpoIIoniu3 t>oit aRaltifc an Sßücfler. 

Söeimar, bcn H. SWärj 1853. 

(Suer Durchlaucht ^aben auf bie fdjönfte unb ebelfte 
SBctfe ba3 jitternbe Vertrauen bcr Dichterin ber „SßinbeS* 
fttmmen" gered^tferttgt ; e3 mar mir fclbft eine rüljrenbe 
Sreube, $euge ber tiefgefühlten ®anf barfeit einer big je£t fa 
fchufclofen Sängerin ju fein, beren latent mich ju täglichen 
^ulbigungen aufforbert. $ch gebe £>eine'3 fämmtticfje ®e* 
bidfjte für bie „SBinbeSftimmen", mit benen itf) begeifternb 
DeutfchtanbS $aine burchbraufen möchte, ©in ©traljl öon 
©lütf, ein Sädjetn be3 Sebent — bie grüne @djote, bie man 
in §oßanb ben Serben im S'äftg giebt — biefeS Derfchafft, 
nrie ich fioffen barf, ein ^ö^erer Kenner, tote höherer ©ömter 
al3 id). |)ier empfangen @uer Durchlaucht jtoölf auSgefudjte 
©ebid^tc — ich lege noch bie „3EBinbe§ftimmen" gebrurft bei, 
obfcfjori ©ie, mein Srürft, biefe bereits mit bem „©djtoeigen" 
in bem 3$nen Don ber SSerfafferin übertaffenen S3ucfye be* 
fifcen. SRögen nun bie gtoolf ©ebid^te , tote 5it)ötf Slpoftel, 
5U einem t)ocf)ljerjigen SSerteger fpredjen, unb ein ungeheurer 
Donner in'3 $ubtifum ausgehen! — 

Empfangen ©uer Durchlaucht mit ben ©rüfjen meiner 
Srau bie SSerfidjerung meiner unbegrän^ten (Ergebenheit. 

9Mtifc. 



4. 

Sßücfler an SlpolIoniuS t>on SKattifc. 

SBerltn, ben 15. TOärj 1853. 

SSerehrtefter ©önner unb greunb, 

Sielen Danf für 3h ren ©rief, mit beffen Donner ich 
fogtetch Duncfer ju imponiren fu<f)en tt>erbe. 



6 



©ie munbern fich, bafc idf) bie ,,2Binbe3ftimmen'' nofy 
maU Derfangt — aber leiber ift mir 8h* S3ud^ auf eine 
unbegreiflicher SEBeife abljanben gefommen, nathbem e3 noch 
baju gebient hatte, £errn Don 9tabomi£ barau3 befagte 
„Sßinbeäftimmen" Dorjulefen. Unglücffichermetfe f)dbt \<fy 
auc^ nie *> en ^itet beS 33udje3 angefefjen, unb ba idf) e£ 
3h^n natürlich miebergeben muß, fo bitte ich inftänbig um 
ben genauen Xitel, unb jugleich um SJerjetlEjung e3 erft fo 
lange behalten, unb bann noch verloren ju fyahtn. 

9Rit 2)unfer h°ff e ©taube ju fommen, merbe 

i^m je£t bie „3ßinbe3ftimmen" nebft 3h rem S3 r ' e f öortefen, 
unb bann bie ^ßrobegebidfjte geben, bodfj biefe Dorher erft noch 
einmal abf dfjreiben laffen, benn in ihrer je^igen ©eftalt finb 
fte immer noch ^olprig ju entziffern , ma3 ftetS nachteilig 
mirft, fetbft auf SSuchhänbler. 

©eneral Sftabomifc fonnte fich perfönlich feinet 9taty)ort3 
mit gräutein Don Sornftebt erinnern. 2)effenungeadhtet mirb 
er beftimmt in ber ©ache thun ma3 er fann, ba er e3 Der* 
fprochen h a *> ^iexrirt feljr gemiffenhaft ift. -Kur mu% 
menn bie ©upplif an ben ®önig aufgefegt mirb, be3 SSaterS 
•mit biet 25i3fretion ermähnt, unb mehr bie jefcige faftifche 
Sftotf) ber £od£)ter in ben SSorbergrunb geftefffc merben. 9tuch 
mar ein §err Don SSornftebt unter ben ftreitenben S)emo* 
fraten in Saben, unb Stabomifc beforgt, e$ fei ein Sruber 
ber Dichterin gemefen, münfdjt aber {ebenfalls barüber 9tu3* 
fünft, um entmeber bie SSermanbtfdhaft beftreiten, ober beren 
©rmähnung mögtichft abmehren ju fönnen. ©uchen ©ie 
atfo bieä ju erfahren, ohne unfere arme Dichterin ju Der* 
lefeen. 

3h rer liebenSmürbigen grau ©emahtin bitte ich mich ju 
güfjen ju legen, unb im freunbfichen 9lnbenfen ju behalten 

Sfyxtn fehr ergebenen Verehrer 

$. *ßücfler. 



7 



5. 

^poIIoniuS oon SR.altifc an *ßücfler. 

Söeimar, bcn 18. 3Rärj 1853. 

Dljne bie ©uer 2)urdjlaud)t fo fc^r oerpffidjtete $)idj= 
terin ju beunruhigen, Ijabe id^ mir, lote au£ einer bon mir 
felbft fierrüljrenben Sürforge, gräulein öon 33o;nftebt um eine 
(Erläuterung tfyrer SSertoanbtfdjaft mit bem S)emof raten 83orn* 
ftebt erfudjt. ©ie f)at fte mir auf beigefügtem fettet ertljeift. 
©o führen ttrir, toa3 (Suer 2)urdjlaud)t it)r 8d)merjftdje3 
öorent^alten hofften, fdjonenb an iljr oorüber. SDtorgen toirb 
in einer beffamatorifdj*mufifalifdjen Stbenbuntertjaftung iljre 
föiufe taut werben. 

2)er ©etoinn, toeldjen fte au3 SBeimar mit ftcf) nimmt, 
wirb bie £f)etfnaf)me fein, meiere @uer £>urd£)taucf)t i^r fo 
ebel gelodert unb betoaljrt fjaben. 

SBieberum tanjt ©d)nee oor meinem genfter: 

2lu§ ber bämmerfjeHen ßlaufe 

Sltcf tdj in ba§ (Sdjneegebraufe, 

SBrüte, ftnne, träume f)in; 

SBtnter f Rüttelt feine Socfen; 

©mb'3 ©ebanfen, finb e§ glocfen? 

„2)er Sßinter fann nur bis jum grüljfing bauern !" fagt 
Slaupad). SBie SSiele tröftet er bamit! 
Sreu unb banfbar ergeben 

SRalttfc. 



6. 

Sßücfter an StpoIIontuS öon 3Raltife. 

Berlin, am ©Karfreitag früf). 
SSere^rtefter greunb unb ©önner, 

hierbei fenbe t<f) 3$nen bie offijieffe 2lntkoort ©uncfer'3, 
nebft einem Sänbdjen, tote er bie ©ebid)te bruefen toiff, er 
loünfdjt aber öor äffen Singen nid)t ju oiel, Womöglich nod) 



8 



meniger, aU bctS beifiegenbe 93ü$Iein enthält, unb Don ber 
ftrengften Stu$ioaf)l, ein ©efd^äft, ba3 bent Stutor nidfjt 
ju übertaffen märe, fottbero ba3 @uer £>odjh)of)lgeboren fd)ott 
aus greunbfdfjaft für bie SMdjterin ju übernehmen fo gütig, 
fein müßten. 

©o weit für gräulein Sornftebt, aber nun bitte id() 
I)immefl)ocI), mir ben litet be$ verlorenen Sucres ju melben, 
unb im t^aU ©ie eine ©utte mehrerer Steile batoon tjaben, 
mir einen batoon jujufenben, bamit ber ©inbonb gleichförmig 
bleibe. (£3 toürbe midf) in ber £t)at fränfen, wenn ©ie mir 
biefe fo gerechte Sitte öertoeigerten, unb mein ©etoiffen nodfj 
länger auf biefe Sßeife folterten. 

2)a3 Keine SSüdjeldjen t>on ©raf SRifd^ erfudje id£) $rän* 
lein Sornftebt behalten ju tooffen, bamit fte nidjt fcergi&t 
ba3 irrige banaeö ju falfutiren. 

$inftdjtfid) be3 Honorars unb übrigen SSebingungen bitte 
xd) Fräulein S3ornftebt mir auf ein befonbereS Statt bieS 
aufjufefcen, unb fogleidfj ^erjufenben, bamit id() mit S)uncfer 
untertjanbeln fann. Stuf ba3 Honorar im DorauS ju t>er* 
jid^ten, toie Sräulein t>on Sornftebt hoffte, ratfje idf) Dor* 
läufig nodf) nidfjt, obgletdf) idfj nodfj fein£ verbürgen fann, ba 
bie Herren 93udf)f)änbler bei neuen Tutoren immer fetjr 
Säl) ftnb. 

5ür %1)xt pbfd^en SSerfe fenbe idfj Sjjnen bie fotgenben 
aus bem „3Banb3becfer 33oten", bie mir Stabonrifc mitgeteilt, 
unb bie t>or fo Dielen Sauren gefdEjrieben, tvo bie allgemeinen 
Stnfidfjten nodf) fo berfdfjieben öon ben heutigen maren, merf* 
ttmrbig genug finb! 

„SBoliaire unb @E)afefpeare, 

£er ©ine ift roa§ ber Slnbere fdfjeint; 

Voltaire fagt: iti) weine, 

Unb 6f)afefpeare weint." 



Später t)at man oft in triefen 83änben nicht Diel mehr 
getagt 

$)er Gimmel mit 3^nen unb %f)xtx tiebenStoürbigen 
3rau ©emahfin. 3d) muß jefct in bie Sirdfje. 

£. ^ücfler. 



7. 

StpolloniuS Don SBlaUifc an Sßürfler. 

Söeintar, ben 29. aJlörj 1853. 

3cfj müßte ein feljr großer $)idhter fein, um ©uer 2)urch* 
lauert bie greube unb 2)anf barfeit, meiere 3$*e ©enbung 
Dom Karfreitage in uns erregte, auSbrüdfen ju fönnen, in 
un3, benn ich bin ja eine 9lrt Don Jrtatonifd£)er, reblicher 
poetifd&er ©tiefbater Ser Dichterin. 2Bir derben fogletch ju 
©id(jtung unb 2lu3tt)af)I ber ©ebidfjte freiten. 3$ h a & e 
mir £erm Don ©<ho6er, unferen auSgejeichnetften Sridjter unb 
Sritifer, jugefellt, unb hoffe noch auf ben Seiftanb eines 
trefflichen ©nglänberS, beS £ofratf)3 SRarf^aQ, ber felbft 
Sinter unb ein grünblicfjer Senner ber beutfdjen ©pradhe 
unb Sitteratur ift. Solche ShiSlänber höben, %umat in ®e* 
fif)macf3fachen, immer ein fetjr bebeutenbeS 9lnfe^en für mid). 

Sehr ttJünfcljenStoerth wäre, baß ffiuer Durchlaucht bei 
9(nfunft ber ©ebidhte noch in Sertin fein möchten. SOtan 
muß einen Verleger Dor bem Srucfe einer ©ebichtefammlung 
nie ganj allein laffen. 2)a3 Derirrte Such ^at ben Site!: 
SRheinifdfjeS Jahrbuch, herausgegeben Don %ttu 
ligrath, Simrocf unb 3Ka§eratf|. ®er Jahrgang ift 
ber $)idhterin, beren ©igentfjum biefeS Such ift, nicht er* 
innertidf). ©3 muß 1839, 40 ober 41 fein, Sie legt, 
junta!, gar feinen Sßerth barauf^ Ratten ©uer fturchlauch* v 
3h^m ©ettriffen bie ©utthat Dor, meldte ©ie einer fdfjufclofen 
Sängerin erliefen haben, unb toenn eS bann ni<f)t lächelt, 



10 



tücijs tdj nid)t, tvaä id) bon if)m Ratten foff. Souife fd&ret6t 
nädjftenS fetbft Syrern fjoljen ©önner. 

2)te SSerfe be3 alten EtaubiuS finb mir immer lieb ge* 
toefen. 2)iefer „ SßanbSbecfer 33ote" f)at biete SBanber^ 
berfe gemalt, tdj meine foldje, bie lange ober immer mit 
uns gefjen. SSon Berber ging feit 1848 ba3 2)iftidjon mit 
mir, toeldjeS feine Bettung unb fein Parlament citirt ^at: 

§ätte bie $a$e glügel, fein ©pafc roär' mefjr in ben £üften. 
§ätte roaS jeber begehrt, jeber, n>a3 ptte noef) roa§? — 

9ladj Souifen£ 33eredjnung toürbe it)re ©ebicfytefammlung 
ntcf)t über 130 (Seiten betragen, bie be3 ©rafen SRtfd^ Ijat 
beren 145. SSarnfjagen^ Stejeitfion ift für bie ©icfjterin eine 
jtüeite ©egen3f)anb, bie ber Gimmel ^eift: 

2lu3 ben Söolfen tnufj e3 fatfen, 
2Iu3 ber ©ötter ©djoog ba3 ©tücf, 
Unb ber Sötädjtigfte t>on alten 
§errfc§ern ift ber Slugenblitf. — 

(©Ritter.) 

Saffen midj Euer 2)urdjfaudfjt tief unter biefen -Kamen, 
in innigfter SSereljrung, Ergebenheit unb ®anf barfeit ben 
meinen fe^en. 

SOiattifc. 

Seilage. 

Söeitnar, ben 19. Sföärj 1853.*) 

S)ie Sammlungen für bie $)idjterbenfmate ©djiffer'3, 
©oetf)e'3 unb SBietanb^ ^u SBeimar, ^aben fid) in SBeimar 
•burdj eine beflamatorifd) * mufif alifdje ©oir6e eröffnet, tt>etcf)e 
granj SiSjt beranftattet unb in toeldjer nodj ungebruefte 
2)tc^tungen Don einer jefct bort antoefenben in ben teeren 
Greifen fefjr gefeierten Dichterin Souife bon Sornftebt (feine 
83ertt>anbte be3 beworbenen Stbatbert bon Sornftebt) bor* 
getragen mürben — bie feljr auftragen. S)ie ernfte, eble 

*) tiefer 3lrtifel fdjetnt t>on Wtaltty »erfaßt. 



11 



gärbung, toeldje ben Sßoefieen biefer befcljeibenen, noclj tt>emg 
befannten ©dfjitferin ber SJhtfen eigen ift, foroie bie originelle 
Sluffaffung ber ©egenftänbe fanben bie fcoßfte 2lnerfemtung ; 
f et)r gefiel ein Sogelmäljrdfjen — tt)ie toix bernommen , fott 
eine ©ammlung ber ©ebid^te biefer 25ame in einem S9änb» 
dfyen vorbereitet derben, Vorauf nur bie Sefertoelt gern auf* 
nterffam machen — aufcerbem jeidjnete fid) feljr fcortfieilljaft 
bo§ ^tatjierfptel eines jungen ®lat>iert)irtuofen §errn Stinb* 
toortf) au£, ©dritter Don 3ftanj SiSjt, ber eine Sßfjantafie 
feinet SReifterS über SRottoe aus bent 5ßropf)eten bortrug. 
SBenn ber Sunft überhaupt mal toieber ein achter 3früf)fing 
erblüht, fo finb iljm audf) gctoig Sorbeeren auf einer föünftler* 
baljn gepftanjt. 

©eroifj werben nun audf) an anberen Orten ficfy gleich* 
falls Gräfte einen, um baS Slnbenfen ber unfterblidfjen Siebter* 
£eroen aud? plaftifcfy ju fcerettngen, toorin baS §er$ unb 
ber SERutf) einer 2)ame mit fo loarmem (Sifer fo rütjmftdj 
ben erften Schritt getljan Ijat. SBie ttrir gehört, fottSingel* 
ftebt in 3Äündjen .bereits jloei Xtjeaterfcorftettungen ^ugefagt 
Ijaben. 



8. 

$ücfler an StpottoniuS öon SDtattifc. 

■äJlontag. 

SSere^rtefter greunb unb ©önner, 

£ier fenbe idj 3*)nen nodfjmafe ben örief an §errn 
Sttaire, ba mir baran liegt, bafr er nidfjtS erhält , ttmS ©ie 
nid^t entfpredfjenb glauben. 

3Kein einfameS S)iner Ijabe id) alfo feljr anmutig 
3ttufd)en 3>t)ren ©onnetten unb 3)aif^ öerje^rt. Sei ben 
Sluftern %f)x ettoaS benfelben ©toff berüt)renbeS 93or*@onnet, 
bann bie pbfcfjen stoei nädjften, unb bie brei an SRiemer, 
tüoüon mir befonberS ba3 jfoeite feljr tooljlgefiel. 



12 



hierauf mit ber |>au$mann3foft $)aifty, unb jum $)effert 
mit Sfyampaguer mieber %f)xt bon IBettina als Sieblinge be= 
§etd)nete ©onnette. 2)a3 ©anjc eine fdfjöne ®abe, bie midj 
nodj oft erfreuen foff. 

Tout ä vous 

#. $ücfler. 



9. 

Sßücfler an StyolIoniuS Don SRattifc. 

^Berlin, ben 16. Slprtf 1853. 
23erefjrtefter $err unb greunb, 

SBenn ©ie meine 33emüf)ungen für bie arme $>id)terut fo 
loben, mujs idj bieS Sob für Sie fetbft reftamiren, benn Don 
S^nen unb Syrern tätigen Sntereffe für biefelbe fommt ja alles 
l)er! 3ßa3 miefj an iljr intereffirte, mar juerft $l)re ©mpfe^ 
lung, jmeitenS bereu un^meifel^afteg latent, menn audj oljne 
eigenes red£)t gefunbeS Urt^cil , brittenS aber unb re.djt be* 
fonberä, bie fyarmlofe ftmbltdjfeit in if)rem Sttter, bie etmag 
9tüljrenbe3 Ijat. , 3>dj ermarte nun mit Ungebulb ba3 SWa- 
nuffript, burdj fo t>iele ©üte Don 8f)rer unb 3f)rer greunbe 
Seite geläutert — ma3 it)r fetbft aber fdjmer angefommen 
ift, mie e§ fdjeint, benn fte Dertangt Don mir peremptorifdj 
toenigftenS bie 3)rucf bogen jugefdjicft gu erhalten, „ba bie 
3)id)terin felbft bod) am 93eften roiffen müffe, mag fie gemeint, 
unb mie eS ju Derftefien fei", ein fet)r falfcfjer ©afc, meines 
SradjtenS nadj. 

©oll id) fte iljr nun fenben, toenn e3 fo meit ift? 

©ie f treibt mir auefy, baf$ Sie ©eneral 9labomifc ge* 
tyrodjen, unb t)ält bieS für einen günftigen 8ufatt- SRir f)at 
er Don biefer entrevue nodj fein SBort gefagt, unb id) Ijabe 
nidjt baDon anfangen motten, beforge aber, baf$ fte Dieffeidjt 
ju Diel gegen if)n gefprodjen, unb bafjer ber ©inbrud ntc^t 
ganj fo günftig gemefen, atö fte glaubt, mie audj bei m : r 



13 



bcr erfte ©inbrudf rtityt ben beften Sffeft madjtt. £)ocf} hrirb 
im äBefentlid&en bieg einen guten ©rfolg Ijoffenttidfj nidfjt 
fytnbern, toenn nur baS 93ud() erft Dom Stapel gelöffen ift, 
unb entfpridjt. 

SKtd^ Sutten unb Q^rer grau ©emafjlin fyerjlidf) em= 
pfe^Ienb 

@uer #od)toof)Igeboren 

geljorfamft ergebender 

^üefter. 

P. S. 9Son bem ®ro§^er^og Ijabe idfj einen fetjr freunb= 
Iic|en, aber über fein ITmuofrtfeiu Hagenben 33rief ermatten. 
@£ ift bodj nichts 93ebenflidE)e3 bei biefem Suftanbe? 

3$ bitte ba$ ÜDlamiffript al$ beifolgenb ju fenben, toeil 
e3, alä ©rief gefdfjicft, enormes $orto feit ber neuen $oft* 
einridjjtung madjt. 



10. 

SIpolloniuS bon SJialtt^ an Sßüdfter. . 

Söeunar, ben 25. 2lp*U 1853. 

@uer 3)urd£>Iaud(jt Werben ba£ SRanuffrtyt ber 93orn* 
ftebf fdfjen ©ebid^te t>on Bresben aus burefj bie 3)id&terin fettft 
ermatten. @rft Dorgeftern fonnte mir S)ireftor ©aupe bie 
§älfte biefer Sßoefieen in forgfättig öon iljm burdfjgefeljener 
9lbfd(jrift jufenben. Seiber ftnb bie meiften ber Don meinen 
greunben unb mir angeftridfjenen ©teilen bon ber 5)id^terin, 
als ©elbftfjerrfd&erin ifyrer SEBerfe, in ber alten Sefeart bei* 
btfyattm Horben; bie ^toeite §ätfte foff i$ übermorgen er* 
galten. !ftadj ©aupe'3 trefftid&em Statte , ben idj mit Dotter 
Ueberjeugung unterftüfct Jjabe, foffen äffe erjäfjlenben 
$ßoefteen wegfallen. £rieju gehört nun ber 2)id£)terirt au£= 
brüdftidfje ©enetymigung, bie \<fy nicfjt öorauSfefcen fann. 90?it= 



14 



f)in mirb and) bie ^meite £ätfte 3*)nen, mein gürft, Don 
SreSben au3 ^ugefenbet tt>erben. grembe ©ebidfjte finb für 
midE) „ber ßötoenmutter junge 33rut"; meine eigenen finb „bie ' 
jungen Stäben". ©ettfam, baß bie ©teile, too jeber unfterbtidj 
fein möchte, gerabe feine ft erb tiefte ift! Souife t>on 93orn= 
ftebt ift eine eben fo fyetbemnütljige SDtutter als Sßauline 
t>on ©d^lt)ar§enberg. 

Sei nochmaligem 2)urcf)tefen» biefer ©ebidjte trat mir 
ba3 große Xaknt ttrieberum entgegen, beffen ©rfdjeinen ©igen* 
liebe unb Unttriffenf)eit fo oft ftören; ®ireftor ©aupe, ein 
Äenner ber Sitten unb Uieuen, tf)eitt unb beftärfte meine 
SReimtng: SEBäre bie $)idjterin Ijter geblieben, tdj fyättz bie 
§erfute3arbeit nidfjt gefreut, jebeS ifyrer ©ebicf)te mit it)r 
burd^ufärnpfen, unb too möglicf) fte burclj meine anfprudf)* 
lofen SBorfd&täge , auf eigene, beffere ©ebanfen ju bringen. 
2tffein fte ttmr nid)t länger ju Rotten. $>ie ßufenbung ber 
$>ru<f bogen fdjeint mir je&t bebenflidfj. S)un(fer,^at genuß 
Dortrefflicfje @e§er unb gaftoren. 2)a3 SRanuffript ift beuttidf). 

S)ie ©efunbljeit be£ ©roßljer$og3 beffert ftcf) mit bem 
mitben SBetter. 

2)ie bre^enben 2tfd)e riffen äffe unfere Ueber^eugungen 
mit fidfj fort. %<fy erinnere midfj oft beffen, toaä ©uer 2)ur<f^ 
laucfjt in einer soir6e matinale ber grau D. 5ß. au§ Kairo 
er§äf)Iten >,§ier finbe ein quasi Impromptu" Sßtafc: 
©utadjjten ber Sängtinge über bie 'brefjenben 
Sifdje. 

3Jtan fann baoon bis jefct nur einen 33ortf)eü fpüren: 
Sen flehten Ringer ber (beliebten berühren. — 

3d) fdjließe mit einigen ©trogen an ®önig Subfoig, 
in melden ein Seufzer noef) Staudas ©ntttmrf ift; bodfj weit 
früher fommt nodfj ein banf barer ©ruß meiner Stau, mit 
ber 33erftcf)erung meiner unbegrenzten Ergebenheit unb 9tn= 
t)ängticf)feit. 

2t. Don Slaltifc. 



15 



11. 

SlpoHoniuS t>on SDialtifc an Sßücfter. 

SBkimar, am 12. 3Rat 1853. 

$)ie 3ettungen erf Breden ntidj burdj einen Unfall, foefdjen 
©uer 2)nrd)Iaudjt auf bem 93a^nf)ofe ju Sterfin betroffen 
fjabe, — obfdjon, natf) biefem 93eritf)te felbft, bte SSerrenfung 
beS 9hme3, bte leiber erfolgt ttmr, gfttcftid) befeitigt korben 
toar, finb nur — tdj nenne fo jafylreidje greunbe unb SSer= 
eljrer — boef) ungebuftig, eine toeitere Seruljigung ju 
empfangen. 9Jleine grau ttnß genannt Serben. 

Unbegrönjt ergeben 



12. 

$em (Spenber be3 SrjeS §ur ©oetlje*(3c§iner = 
Statue. 

Söann fttt) ber §immel färbt mit ^urpurfpuren, 

( @rroärmet fidfj ber 9Jlemnon§fäu(e ©tein, 
Sie weithin (trautet burd) bie Sflorgenfluren, 

Slttein erleuchtet in be3 Xageö ©cf)ein. 
$>a§ ©öttcrbtlb ber beutfdfjen Siosfuren 

©r^ettt ftcf) t)on"2luroren nidfjt atfein, 
Söirb leuchten in unfterMidfj fjeHem ©Limmer 

3n ©tutfjen, bie entjünbet finb für immer. 

Unb mächtiger, al§ mit £)obonen§ ©chatte, 

©rtönt o §err, burcij Golfer unb burdj 3 e *t 
2lu§ deiner ®abe lauterem 3JletaUe: 

„3n beutfdfjem Sfhifjm ift Seutfdfjlanbö ©tmgfett." 
Vernommen f)at e3 ©eine Sflu^meg^atte, 

2ßo längft für Sicij audfj roofmt UnfterMicf)feit, 
3a, nennen werben $>ic(j ber ©änger Sangen; 

2)en eblen $ömg ber Segeifterungen. 



2Mti£. 



16 



13. 

Sßücfter an atpotloniuä t>on 9Kalti&. 

SBertin, ben 20. SJlat 1853. 

33eref)rter greunb, 

äJlein f Stimmer f?aCf Ijat midf) fcerfjinbert, Stylten früher 
für bie mir fo gütig bewiefene 2tyeilnat)me §u banfen, Wa3 
id(j tytermit rcd^t tyerjlidj ttyue, leiber aber nodfj immer nur 
einen brauchbaren 2lrm unb fortgefe^ten ©tubenarreft tyabe. 

ÜRit ber 93ornftebt'f<f)en ©ad&e fd&eint alles gu fdfjeitern, 
wie ©ie au3 bem betttegenben Sriefe §errn 2)un<fer'3 er* 
fetyen Werben, unb e3 war nidjt üiet barauf ju fagen, weil 
man bodf) am @nbe be£ 9Ranne$ ©ctyaben nid)t Dedangen 
famt, ber fonft fic^ immer fefyr coutant gezeigt tyat. Slber in 
ber %$at, wie SSenige faufen ©ebicfyte einer unbefannten 
®ame, unb Diele ber Keinen Sammlung fteljen bocf) ben 
„SBinbeSftimmen" aucfy fetyr nacf). 

3dE) tyabe inbeffen nic^t nad&getaffen, unb e§ nun bodb 
fo Weit gebracht, bajs ÜDundfer 100 ©jemplare in ber ge= 
wünfd&ten Sorm brudfen laffen, aber fid£) burdfjauS $u feinem 
Honorar öerftefjen Witt. 

2)amit jebodfj bie arme Sornftebt baburdjj nidfjt gebe* 
müttyigt, unb if>r bie getyoffte Heine Unterftüfcung nid^t ent* 
^ogen werbe, fö tyabe id£) mit 2)und£er abg«rebet, bafj iä) jWei 
ßouteb'or für ben Sogen Honorar gut ttyun will (e§ werben 
circa 8 bis 9 Sogen werben), unb er ityr nun, bamit fie 
nichts batwn afjnen fann, biefe jwei SouiSb'or felbft bewtf* 
ligen , aucf) ityrem mir auSgebrücften SBunfdje nadj , gleidfj 
^atylen, unb vorläufig nad) $epli£ fcfyicfen Wirb, bie idj i£)m 
fofort eingetyänbigt. -Jlatürtidfj bleibt bieS für immer unter 
un3, aber jwei ©ebictyte (öon ben Segenben) verwirft 2)un<fer 
burcfyauS, unb idf) glaube, bafr er Dottfommen Siedet tyat, ba 
fie einer übetwottenben ©attyre ju (eidfjt 9Jaum geben motten. 
Sludj fann er feine 3)rucfbogen nadfj Defterreidfj f<f)icfen, unb 
meint überhaupt, bafc bieS $u t»tel Seit wegnehmen würbe. 



17 



Scf) {jabe if)r bie£ gefdjrieben, unb fie gebeten, ja md&t ju 
bifficite §u fein, ba Wunder gern einen 93ortt)anb benujjen 
ttmrbe, um öon ber ©adje to3$ufommen, bie er nur ä son 
corps (16fendant übernommen fjabe. 93itte, fdfjreiben ©ie 
bem grcurfein bodfj audf) in biefem Sinne, benn fte ift feljr 
fanguiitifcf), unb leidet $u etroüfe Uebermutf) geneigt, fo baft 
fie mir fdjon gefdfjrieben Ijat: ba idj alles fo gut burd^u* 
fe|en ttriffe, toerbe id) if)r gettrifj audj nodfj bef)ü(flid) fein, 
eine 9ieife nadfj Italien unternehmen $u fönnen, um meljr 
Stoff für ifjr £id)tertalent $u fammetn! 

grau t>on SDtaftifc meine 33eref)rung, et tout k vous. 

£. Sßüdler. 

14. 

Sßüdler an SlpoUoniuä Don SDlaÜifc. 

ßo&lenj, ben 3. Sanitär 1854. 
SSerefjrtefter greunb, 

Seim ßinpaden meiner ©ad£)en finbe id) nod) ein 33udj, 
tüaS ©ie mir in SBeimar geborgt, unb id(j fdfjmäfjlidj Der* 
geffen Ijabe, $fjnen lieber ^ufteHen. SßenigftenS giebt e3 
mir jefct ©efegenfjeit, midf) bamit in ©ebädjtnifj ^urüd* 
prüfen, unb miclj ${)rer ferneren ©eneigtfjeit eben fo bringenb 
als fjerafidj ^u empfehlen. 

3dfj fcerlaffe morgen ®ob(enj, too idj mit fo Diel ©üte 
unb ©nabe überfcpttet Horben bin, bafc idfj e3 mit eben fo 
triel 2)anfbarfeit aU wahrem regret üertaffe, ba midfj biefeS 
anmutige ©tillleben am §ofe faft mit lauter auSgejeid)* 
iteten *ßerfonen, ungemein anfprad), fetbft bis auf bie lange, 
tägliche SRegetmäjgigfeit be3 Sebent bereu icf) fonft ju toentg 
getoo^nt bin, unb bie mir aU eine SSeränberung fdfjon 
roofyttljat. * 

3d£) beforge nun nod£) einige ©efdjäfte in ®öftt, unb gelje 
bann enbüd), fo ©ott ttriß, über 93rüffe( nad) SßariS. 

$ ü cf 1 e r , 3Pricfroed?fel unb Ia$f bücket. VIII. 2 



18 



§öbcn ©ie ober 3h re liebenStoürbige grau ©emahtin, 
ber id) bie $änbe füffe, mir baf)iu tttoaä $u Befehlen, fo 
bitte idj e3 mir poste restante ju f d^rct6cn , unb auch, toie 
e3 im lieben SBeimar geht, unb ob ber ©roperjog einen 
eigenen SBiffen ju befommen anfangt, ben i<f) if»m, bei feinen 
übrigen fcfjönen ©igenfdfjaften, tyxßd) ttmnfdfje. ®enn t$ 
ift übet für einen ©ou&erain, groft ober Hein, toenn er ftch 
nicht felbft ju entfetteten toeifc — unb barin fdjdnt er mir 
mangelhaft. (Ceci soit dit entre nous, car je pense tout 
haut aveevous, etne suis pas du tout diplomate) 

2)er formibablen Sräulein bitte i<h h°$ unb Ijödjft 5U 
fchreiben, bajg ich affeS für ihre @adje getrau toaS möglich, 
unb nun, ef»c idj ihr fdjjriebe, ba3 Stefuftat abwarten fooffe 
— benn fonft befomme idj äffe SEBodfjen einen SSrief bon ihr. 
S)uncfer ^at mir enbltdj ba3 83uch gefd&idt, unb ba£ Honorar 
hat fte tjoffftönbig erhalten auf meine 2lntoeifung. 

2)a§ id^ Sh* 1 ^ jum neuen Safjr nicht nur, fonbern 311 
allen if)tn fotgenben, toon ganjem $erjen ©lüd unb greube 
wünfdfje, berftetjt fidj Don felbft, fo nrie ich wir bie gort* 
bauer $$tt$ SBohltooffenS oftrotjire. 

SDiit affbefannter SSere^rung 
@uer £ochtoof)Igeboren 

treu ergebenfter 

6. Sßüdler. 



15. 

StpotloniuS Don äKattifc an Sßüdler. 

Sßetmar, ben 4. 3>um 1854. 

ffiinem SSerlufte, h)ie bem gärigen, mein gürft, ftehen 
SBorte für lange fem, bod) bie gorm felbft entfdjulbigt fte, 
foenn eine treue Ergebenheit tote bie meine, fid) nicht ganj 
in Schweigen ju hüffen Vermag. 



19 



• 



©in ebleS, fetteneä S8cmb tjat ber Xob griffen, eine 
3uneigung, toelc^e *u jener leeren Sreunbfdjaft gebieten 
war, bie felbft ben reidjtftbegabten §erjen nodj ^beal bleibt. 
$)er ftrengfte, ber unfcerfemtbarfte SBitte @otte3 ift audfj 
ber rüljrenbfie feiner S3oten, wenn ein ßeben berfjaßet, beffen 
ebler Snljalt ßiebe war. 

Sßie [tili laufdfjet bie SQBelt um un£ Ijer einem folgen 
$inf<f)eiben ; bie Xljräne an einem folgen ©rabe enthält 
einen Zeitigen ^rieben für ben, weld&er eine3 eblen, nun 
berflärten 2Befen3 ßebenSgtücf War. 

Unfere ©ebanfen unb ©efüljte, teurer gürft, umgeben 
©ie oft. 3n ber geweiften ©title, wie Sie \i%t feiern, 
Werben ©ie mannen S)onner ber 3ett überhören. ©3 brtdjt 
nie ©ebirge pfammen. (Snglanb unb granfreidf) führen 
eine ©pradje, bie allen Kriegern burclj'S 3Rarf ge^en muß — - 
bodfc wie ftiHe wirb audf) biefeä fcerraufdfjen! 

SRödfjte 3^nen in jenem vielgeliebten ©rabe jebe felige 
2lt)nung werben, bie immer in 3l)rer reiben ©eele gewohnt 
fjaben muft. — 

,Saffen ©ie midfj aus tiefftem |>erjen ©mpfinbungen aus* 
fprecfjen, bie miclj für immer beleben werben. 

21. öon SRaltifc. 



16. 

Sßücfler an 2lpolloniu3 öon SKaltifc. 

Stuttgart ben 10. 3uli 1854. 

Sßeinen Ijerjlidjften S)anf für Sljre freunblid&en, frönen 
SQSorte ber Sljeilnaljme , tfjeuerfter Saron, bie erft geftern 
mid& erreichten, unb no<f) immer fränflidfj unb red^t traurig 
finben. 2)odfj taffen Wir bie lobten ruljen, benen otwebem 
watyrfdjeinticlj Wofyler ift, al3 allen Ijier 3urüdf gebliebenen, 
befonberS ben alten barunter, bie eben nidfjt meljr 3^tt t)aben, 



20 



fidj alle geprüfte greunbe unb greunbinnen $u ermerben, 
mie mir fett 35 Sauren bie Serftorbene eine mar. 

3f)r blüfft jefct, tüte tdE> fmffe, menigften§ eine neue 
Sugenb, monatf) fie fi<f) immer fefyr feinte, unb bie @rin= 
nerung an bie Vergangenheit plagt fie roo^I fcf)toerlidj me^r 

— benn t)ier erlebte fte julefct triel Seib unb Kummer in 
it)ren fjofjen stiren, mar audj be3 Sebent ^er^ttd^ mübe, unb 
faf) ben $ob fcfjon feit lange aU eine ©rtöfung an. S)ie3 
ift in ber %t}at ein Xroft für mief), unb trübere ^fjantafte^ 
bttber be£ ^enfett^ finb überhaupt meinem fcf)tt>acf)en Unter* 
tfjanenberftanbe .menig augänglicf), eben fo menig, mie fie e3 
bem ©lauben ber gürfttn maren. 

2)efto trüber aber mafjrlicf) , ma3 um uns f)er je£t in 
ber ©egenmart gefct)iet)t! befonberS, meil e§ fo unftnnig ift. 

©inb mofyl bie ÜDlenfdjen perfeftibel, finb fte minbeftenS, 
feit mir bie ©efdjidjte fennen, bis jefct flüger ober moralifd) 
beffer gemorben? be^eifle e£, mit einziger 2tu§naf)me 
berjentgen 2Biffenfct)aften, bie blo3 ©acf)e ber Seit unb ©r* 
fafpmng finb, unb ba3 2Befentficf)e im SKenfdjen nidjt be= 
rühren, ja, aU grüßte Dom Saum ber ©rfenntmfj, un3 oft 
met)r au3 bem $arabie§ f)inau§ aU hereinführen. 

@3 ift in ber ©efdfjicfyte mie im ®aleibo§cop: immer 
finb e3 nur biefetben bunten ©laSftücfcfjen Don t>erfcf)iebener 
©röfje unb garbe, bie aber bei jeber Drehung ein gan^ 
anbereS 93itb formiren, balb fchöner, balb unbebeutenber, balb 
glän^enber, balb matter, je nach ihrer feeränberten 3ufammen= 
fteüung; ba§ 93ilb, melcijeS fidf) un3 fjeute bar bietet, fdEjeint 
atterbingS ^u ben fdjmädjften unb sugteich ber^errteften ju 
gehören, unb mer metfj, mie lange ber liebe ©ott martet 

— ef>e er bon neuem bref)t! 

Stuf bie tragifomifd^en ®etai(£, über ba3, ma3 t>orget)t, 
miß ich mich inbeffen, befonberö einem Diplomaten gegen* 
über, nicht einlaffen, aber SBunberlichereS f)at mirflich faum 
je eine 3eit geliefert; alle ©ebirge freifen, unb gebären 



21 



überaß nur SDläufe. (SrfyabeneS rtrirb fdjtoer aus biefen ®e= 
burten fjerborgeljen , tüot)I nur langfam nagenbe, beftnitibe 
3erftörung be§ alt unb fdjmadj ©etoorbenen, bamit auf. bem 
2)ünger be3 Slbgeftorbenen lieber eine neue ©aat ertoacfjfen 
fann, bis aucf) biefe mteberum öergeljt. 

9tu3 Sob Seben, aus Seben £ob — ift unb bleibt -ja 
ba£ ettrige @efe|, fo lange e$ eine SBelt geben Wirb in &\t 
unb 9laum, eine 50laterie Don fdjaffenbem ©eift belebt, unb 
in unjäfyligen gormen forttoäf)renb burdjeinanberttrimmelnb. 

®arum liegt benn, genau betrachtet, aflerbingS nicfjt öiel 
am einzelnen Seben, unb noef) weniger am Xobe für ben, 
ber fief) im ©an^en §u benfen bermag, aber freilief) — benfeu 
unb füllen finb zweierlei, auf ^toei Derfdjiebenen ^?ofen 
rufjenb, ^ur Trennung ftet§ geneigt ttrie Sßaffer unb Del 

Sie, ber Sinter, fönnen fie beibe in fid) ju bleibenber 
©inljeit üerbinben, ber ®tcf)ter ift aflerbingS ein Sauberer, 
unb bem mag atteS möglicf) fein. 

SSorber $anb biefem 3<*uberer nebft 3^« 6 er in meinen 
atterbeften ©rufe. 



17. 

$ücfler an Stpoüoniuä uon SDtaltifc. 

SreSben, ben 10. Sluguft 1857. 

9Rein £)oc^t>ere^rter greunb unb ©önner, 

Senfen Sie fief), baß idj erft Ijier bei meiner 9lücffunft 
nac^ 2>re3ben 3ftr liebet Schreiben nebft „©oetfye'S ©Reiben 
üon 9tom" unb bem „ettrigen Suben" fcorfinbe! 

Xaufenb 2>anf für alles, unb ba3 Vergnügen, toa$ mir 
bie 2)urcf)tefung %1)xtx genialen Arbeit berfefjafft ^at. galjren 
@ie boefj fort in ben ©efängen biefe3 @po£, ba3 ©ie allein 
am S3eften ju öoüenben wiffen werben. SBie fdfjön ift ber 



22 



®ebcmfe, bafc bie ©ccle, bie nidjt fcer$eit)en fann, noclj länger 
leibet, aU bie fd&ulbige! 

2fa$ „©oetlje'S 9tbfd(jieb bon 9tom" Ijat mify feljr er= 
freut ; befonberä f)übfd(j finbe id(j bie SBenbung: 

/f @inem 2)ic§ter uerfd^ttefet fo oft ein Slnb'rer bie Sippen, 
• (Srotgen SRu§m $)ir Doib; 
©oetlje oerftummte oor $ir!" 

3$ tjaht fe^r bebauert, baß bie bamatigen ttmftänbe 
in ©reiben mir fo toenig 3^t unb Gelegenheit gaben, gljreä 
liebenStoürbigen beletjrenben Umgangs ju genießen, unb au$ 
meine Steife nad(j Düringen immer nod(j nid(jt reatifirt Werben 
fann, um 3fönen in SBeimar toterer einmal münblid^ fägen 
ju fönnen, tote fe^r iä) 6ie bereljre. 

SRit ber Sitte, miclj gljrer 3rau ®emat)lin ju güfcen 
ju legen, bereinige ' xä) bie, mir 3$r ferneres freunblidfjeS 
Slnbenfen ju behmtjren. 

$. $üdfler. 



18. 

StpotloniuS öon SRaltifc an Sßücfler. 

Sßeimar, am 12. ©eptember 1854. 

9ln ben dürften öon $ü efter* 2JluSf au. 

@r fam gefd&ritten burc§ beö partes *Pfabe, 
©in ©penber er ber ©djatten unb ber Sinter, 
©o rote ber Steinte ßönig ift ber $)id)ter; 
3fm grillt Sßajabe, SrpaS, Drcabe. 

@o mannen ©tamm oerbammet er als Stifter, 
©o manchem, fc§on oerurtljeilt, ruft er ©nabe, 
3u btefem SBege: „toanble 2)u gerabe", 
3u jenem aber: „fälängle nun $id)", \ priest er. 

£>te ©d)ön§eit f ermüden wollen, Reifet: @rbretften. 
£)od) tljre Soden orbnen barf bie Äunft, 
$ie SBlume wählen, bie iijr jiemt am Steiften. 



23 



<5o läfjt Statut t)on weifet §anb ficlj leiten, 
tlnb biefe £anb oerfäljrt nac§ 3Kufengunft, 
Söte feine, welche griff noc§ in bie ©aiten! 

2Kalti$. 



• 19. 

^ücfler an 8l^oI tottiu^ Don SKaltifc. 

Berlin, ben 28. (September 1857. 
SSere^rtefter 2Jlufenfürft, 

2Bie bebaute idfj e3, feföft feinen 33er3 machen ju 
fönnen, um S^re atterliebfte, ^ o etif d^=f arf aftt f d^e Kriftel mit 
gleicher ©rajie ju beantworten! 

©o roirb igtjnen fcon mir nur ganj profaifdfjer $)anf 
retd&Iidfjft bafür gcfpenbet, bafc Sie fid& audj nadfj meiner 
$Hrtt>efent>eit noclj mit mir befdjjäftigt, uub btefer ©üte einen 
fo anmutfjigen StuSbrudf gegeben ju I)aben — ber Slrme 
giebt in (£rttrieberung, tt>aS er Ijat, ba er nidfjt tnefyr toermag. 

3$ bergnüge midj bie£mal leiblich in SSerlin, |t>eil icf) 
lieber #of nod(j Sßrinjen ju nalje fomme, unb bafjer nadEj 
meiner Saune leben fann, {ebenfalls otjne alle ®6ne, bie im 
Alfter, ttrie id(j finbe, täglidfj immer läftiger mirb. S)a idjj 
gar feine Sefud^e gemalt (benn id(j öerfe^re nur mit 
ber fdfjönen -Jtatur, reprä[cnttrt burd(j eine Ijolbe, für ba£ 
Hilter nadfjfidfjtige -Jlacparin) fo fjabe id(j audfj SSarnfjagen 
nodfj nict)t gefefjen, unb felbft £utnbotbt nidfjt ju beffen ©eburtS* 
tag gratutirt, furj alte Slnjeid&en eines fetyr anjieljenben 
Interieur ober eines unüberttrinbtidfjen spieen gegeben — car 
les extremes se touchent. 2Iud(j eine 3trt öon ^eyenfd^ug. 

Sertin ift übrigens fo üott, bafc faum ein Unterfommen 
^u finben ift, benn bie boppeften SKanööer frtcblid^er 33er= 
gnügungSfrieger, unb für bie ebangetifdje Union in bunten 
SRebeüöungen fämpfenber SReligiöfen erregen bie SJfeugierbe 
rneljr als geroöljntidj. StuS beiben ttrirb jttwr, aller $8üfyx* 
fd)einttdE)fett nadfj, nidjt meijr IjerauSfommen, als feljr biet 



24 



freubige gefteffen, aber bie§ tf)ut bem Sßenfchenfreunbe too% 
unb ich fonnte nicht ofjne 9lührung einer table d'höte in 
meinem §otel beitoohnen, mo eine abmedtjfelnbe 9teit)e fcon 
©eiftlidfjen unb Offizieren mit gleich frommem ©ytn E^am= 
pagnerftöpfel um bie SBette gen Gimmel fliegen ließen! 

S)ie SBett ift ganj ergö^Itc^ 7 toenn man fie nur ein 
toenig au§ ber Sogelperfpeftibe ju beobachten fähig ift, unb 
babei ein fteineS bissen 9Kep^iftopfteIe^ in fidf) f)at, toobei 
mir immer bie gute £efter (nicht ©fther) ©tanhope einfällt, 
bie jebem SWenfdEjen, außer feinem ©tern, 33lume, ©tein u. f.to. 
auch ein fcertoanbteä, Heiner £eufeld)en oftrotyirte, unb babei 
behauptete: ba3 le^te fei bie nüpchfte 9?aturgabe, toeun 
fie gehörig getjanbhabt toerbe. $lm testen ©nbe ift freiließ 
ber Seufcl auch nur ein ©ngel, öon ber anbtxtn Seite, unb 
ber 2)icf)ter, ber bie gange Sßelt abfpiegetn fotl, muß auch 
nach allen ©eiten f)in ber Solerantefte fein. 

3^rer frönen unb liebenSroürbigen grau bitte ich mich 
5U güßen ju legen, unb um biefe immer beffer fennen ju 
lernen, lefe idtj fchon jum brittenmal Shre f)äu3ftcfjen @on* 
nette, ein gang neuer, vortrefflicher (Sinfaff mit feiner 93c= 
obachtung aufgeführt. £>at grau öon 9Raltifc nid^t mich ein 
toenig baran gearbeitet? 2lt(e beften SSüufche für Sie 93eibe, 
unb ^crjlic^ft ber 3^rige 

£>. pcfler. 



20. 

Sßücfler an StpolloniuS von SRaltifc. 

©djlofj »ranifc, ben 25. «Dejembet 1857. 

Storf ich, mein hochverehrter ©önner, 3^rcr unb Shrer 
grau ©emahlin ljulbbotten ^roteftion eine S)ame empfehlen, 
bie ein ungünftigeS ©efehief jttringt, eine Sauf bahn gu er* 
mähten, bie tfoax, glaube icf), ihrem Talent ttrie ihrem ®e* 
fdfjmacf unb ihrer litterarifchen Silbung jufagt, aber freilich 



25 



ihrem' 9fang unb früheren (Srttmrtungen bom ßeben toentger 
entflicht. 

©ie ift eine gute, angenehme unb nodfj junge, aber Dorn 
ttnglüdf tttoaä niebergebrücfte grau, t>erf)eirathet an einen 
©rafen SDterfelb in SBeftpfjaten , einen jüngeren ©ofjn, ber 
fein Vermögen h^te, unb nacfjbem er ba£ irrige (fte toar 
eine gräulein öon Steift) üerfchiuenbet, fte bann, tüte e£ fo 
oft in ber Sßelt gefjt, fdjtecht befjanbett hat, mo^u bie 9te* 
ligtön^berfchiebenheit, ba ber ©raf fathottfdf} ift, gehörig mit- 
geholfen fjat. 

©ie ift nun nach fatfjolifdfjer SBeife Don %x\d) unb 93ett 
gef Rieben, fann ober toeber ihr eingebrachte^ Vermögen, noch 
eine angemeffen if)r ^uftef^enbe 3tente erlangen, ba ber ©raf, 
audfj ohne ben üblen Sßißen, felbft faum mehr ju leben hat. 
Unter biefen Umftänben "hat ficf) bie ©räfin, toie fo manche 
SInbere in unferen 3^itert, entfcfjtoffen, ba3 Xale t nt, toa£ fte 
befi^t, 5U benufcen, um einen rechtlichen Unterhalt auf ber 
S3ühne 3U finben, too ttrir ©räfin 9lofft jum 93eifptel eben 
fo fciel auf bem Sweater als in ber ©efeßfchaft hoben gelten 
fehen. 

©iner unferer ebelften dichter unb zugleich vornehmer 
5£Rann, tote ©ie t§ finb, fann ber liebenSmürbigen Srau in 
ihrer eigentümlichen Sage, roenn er fich irgenb t>ortf)eiI^aft 
über fte äußert, unb fte in feinem |>aufe fieht, fd^on fehr 
tuet beim ^5ublifum nu^en, unb be^^alb nehme ich wir bie 
Freiheit, ber ©räfin biefe§ Sittfehreiben an ©ie, mein Der* 
ehrter greunb unb ©önner, mitzugeben. 

£err t>on S)ingelftebt intereffirt ftdfj bereite fehr für bie 
©räfin, bereu latent er fennt, unb hat ihr mehrere Stoßen 
jur ©inftubirung eingef df)i<f t , mit benen fie im S3eginn be£ 
neuen 3af)re§ in SSeimar bebütiren fofl. 

2ütch ©r. königlichen Roheit bem ©ro&h^jog, ©raf 
unb ©räfin Seuft, nebft anberen toohlrooßenben Sreunben, 
habe ich bie ©räfin empfohlen, ba ich w ^ er £h a * für 



26 



biefe vielgeprüfte grau, bie tdj fett längerer Bett fettne unb 
ifjr SooS bemitteibe, lebhaft intereffire. 

SRit ber Sitte, mxd) Stirer grau ©ematjlin $u güjsen 
m legen 

@uer ©yjettenj 

innigft ergebener 

$. 3. Sßüdfter. 



21. 

, 2lpoltoniu3 öon SDlaltifc an Sßücfler. 

Söetmar, ben 25. DItobcr 1858. 

3cfj fomme, mein teurer gürft, mit einem Summer ju 
Sfynen, ber uu3 gemdnfam ift, toie ju meiner greube nodfj 
fo 33iele§, bem ©djuterse um SJarnfjagen. 

SBie er felbft öor jh>ei SRonaten mit gemeinter Stimme 
Ijier öon ©oettye in ©oetlje'ä ©terbejimmer fagte, fo fage idj 
nun öon iljm, id), ber iljn ju ber gemeinten Statte begleitete: 
©efegnet fei fein 3lngebenfen. @r hrirb bieten ^erjen 
fehlen. — @r fear meinet Sebent mitbefte ©eftalt; nie 
fam aus feinem SRunbe ein entmuttjigenbeS SBort für einen 
greunb, er Jjielt ba§ panier be£ Sebent immer aufredjt. 
@r trat mir im ßeben um jefjn Saljre öorauS — icfj be= 
loehte iljn nicfjt tote ber ©reis ben ©reis, fonbern tüte ber 
Jüngling ben SKann. 

@in 93rief öon it>m fear mir eine SebenSfreube, ein 
SBieberfefjen mit itjm ein ©ntjücfen. ©ein legtet ©rief öom 
8. Dftober fear an mid) gerietet. 9lm 10. SlbenbS ttmr er 
nidjt meijr. — ©eine SWdjte, gan^ in feinem ©eifte unb in 
ber Siebe ju ifjm gebilbet, in einer Siebe, bie mir 93e* 
ttmnberung loar — tjat mir mehrere äRate toottftljuenb ge= 
fd&rieben. 

@ie toirb in feiner geiftigen 9lö^e fortleben. — SBie 
geljen fie ba^in! Siefer eble greunbeSfreiS, too bie Talente 



27 



nur neue Sanbe ber $tx jen toaren , Efjamtffo , I^eremin, 
SReumann, S3anrf)agen, — ber SHtoerfteljenbe, nichts 33er* 
lennenbe! 3d(j ttrie mit einer erften Siebe fein greunb. 

@£ ift ein ©d&merj meinet Sebent bafc feine SBirfung 
auf meine 3ugenb ungeftörter fein burfte. ®odj bin id& 
an feinem tSrabe ju alt, um SSerfcf^Itcö in meinem ©afein 
nodfj ju betoeinen; um untröftliclj ju fein, mufc man über= 
Ijaupt mefyr §orijont fjaben, als mir bleibt. 

3ßa3 ift audtj $$ntn, teurer Surft, mit SSarn^agen 
gum tüefjmüttjigen Sraumbilbe geworben! SBie innig fcfyäfcte 
er @ie! @o mannen 8ug 3t)re3 fdEjtoeigfamen ©belmutfjeS 
erfuhr idfj burd) if)n! SBie erfreute ifjn ber 93efudj, ben er 
S^nen in SBranifc gemalt ^atte! Stdfj, toie lobeüoH toar er 
nocf) ! Sfein £obe$fd(jauer fd^ien nodfj burdj fein grauet £aar 
gu ge^en! 

©r ift ber ©lüdKid&e, er t)at fcoflenbet. 

3Reine ©ebanfen umgeben Sie liebebott, teurer Sfürft, 
unfere Srauer ift mir eine ©egentoart, too idj 3f)nen fagen 
bürfte,-tt)ie fefjr idfj Sfynen angehöre — bi§ jum Sürften* 
#aufe. — 

äRattifc. 



22. 

$ücfler an SlpoIloniuS Don SRaltijj. 

Äoblenj, ben 29. Dfto&er 1858. 

3Rein fcereljrter greunb, 

@rft Ijeute erhalte id(j fpät SlbenbS Sljren 93rief bom 25., 
ber mid(j tooljltljuenb fefjr gerüfjrt t)at. %a, ber SSerluft 
• ift grojs, unb für un3 Seibe gettufc unerfefclidf), benn audj id& 
liebte, etyrte unb bettmnberte SSarn^agen atö SReifter, Seljrer, 
unb treuen, fict) immer gleidjjbteibenben greunb ! 2Bir unb fo 



28 



Diele "un£ ©leidfjgefinnte finb 311 bebauern, er nid^t, benn 
man fjätte ifjm feinen befferen Xob itmnfcf)en fönnen. Sn 
boHfter geiftiger Sraft, audj förperlirf) rüftiger, als id) ifjti 
feit aetjn Söhren gefcfjen, in Weiterer, faft mutwillig froher 
Saune, fjat ü)n ber Xob ofjne Seiben unb Sampf fo leidjt 
f)intt>eggenommen, toie eS SSenigen Vergönnt ttrirb. 2)artn 
fiube idj einen rec^t berufjigenben Xroft, unb für uns tüirb 
ber ©efcfjtebene ja of)nef)in ,nodj fo lange fortfeben, als 
mir felbft. 

gtoei Sage t)or beut t>erf)ängnifjöoHen 9tbenb loar er 
nod) mit feiner bortrefflicfjen -Kidtjte, Fräulein 2l{fing, bei 
mir, nnb blieb toof)I über eine ©tunbe in ber lebfjafteften, 
mannigfaltigften Unterhaltung. Sigen fommt eS mir je£t 
öor, baß rtnr aud) eine geraume Seit über ben %ob fpradfjen, 
unb autelt faft gan$ übereinfamen, bafe für alte Seüte toie 
mir (unfer Stfter bifferirt fef)r roenig) bie baS Seben burcf) 
äße ?ß$afen beffelben auSgefoftet, ber £ob felbft nichts VLb* 
fdfjrecfenbeS mef)r ^aben fönne, foubern nur baS heftige unb 
fdjtoere Seiben, tvaß ifjm fo oft boranginge, tüte ber (5djmer§ 
ber Trennung fcon geliebten ^Serfonen. 2)a nun beibeS bei 
einem fcfjnetlen, unerwarteten Sobe toegfiele, fo müfcte mau 
in ber Zfyat ein folcfyeS ©übe als baS glücfftdfjfte anfefjen, 
unb fönne eS fidf) itninfcfien. 

2(m brttten ÜDlorgen barauf mollte id) eben in ben 
SSaggon ber @ifenbaf)n fteigen, um micf) nad) Sranifc §u be* 
geben, a(S man mir fagte, Vergangene -Jtadjt fei Sßarnfyagen 
plö^Iid) toäfjrenb einer 5ßartf)ie Sdfjacf) geftorben. ©ie fönnen 
fidf) meine @rf Fütterung benfen, um fo mefyr, ba xd) fort 
mujste, ofjne metjr irgenb eine fidlere SRadfjricfit über baS 
Vorgefallene einteilen $u fönnen. 80 balb idtj fonnte, fdjrieb 
iä) an gräulein Stffing, erfuhr aber fdfjon leiber am felben 
Slbenb aus ben Bettungen bie öoffe Seftätigung ber fcfjmer^ 
liefen 93egebenf)eit. 



29 



2)a ftetjen mir nun triebet recf)t einbringticf) bor bem 
emigen 9tätf)fel, ba3 and) für 93arnf)agen ein fold^e^ im Seben 
mar unb blieb. — Stecht 1)tx%l\d) ^nen bie §anb t>on 
Soblenj nadj SBeimar tjerüberreidjenb, 3^r treuergebener 

$. ?ßfldler. 



23 

SlpoIIoniuS Don 3KaI 1 an ^ücfter. 

SBeimar, bcn 29. Siuguft 1859. 

trage, mein teurer gürft, gleicf)fam eine ©cfyulb 
ab, menn idj 3$nen ben britten Sfjeil einer X r i logt e 
$ufenbe, bon ben ^tjnen 9ir. 1 au3 bem „Statte in 
Setfje" unb s Jfr. 2 au3 bem „3?or bem SSerftummen " 
befannt finb. moßte fi<f), mie Sic mir fagten, fein 
anberer ©d)tuj3, al3 eine ©rf)örung finben {'offen, bie leiber 
nidjt unter meine unmitttetbaren SebenSerfafjrungen ge* 
J^ört! 

■Keimen ©ie ba3 gereimte Slbentljeuer meiner $f)antafie 
unb frember ßiebe3erfo(ge f)in. ©anj au£ fid) felbft, 
meine icfj, nehmen felbft grofje Siebter fefjr menig. 3n 
allem ift eine 93efrud£)tung notfjmenbig., — 3Be(d) ein 
©ommer, meld)' ein %al)xl meld) ein ®rieg! metcf) ein SSer= 
tuft in SBeimar! 

3n meniger aU einem 3at)re mußte idj SBarntjagen 
unb bie untoergleidtfidje ©ro^er^ogin^Sr oßf ürft in t>er* 
Heren! ©ie maren meinet Sebent milbefte ©eftalten! ©ie 
mar ba§ ^beal in feiner fdmnften SBirHidjfeit, fo gut, als 
groß, fo groß, aU gut. 

©3 mar ein furchtbarer SKoment, al3 3>f)r ® ar 9 un * cr 
Xrauergefängen in bie gürftengruft fjinabfanf. |>ier ift bie 
Sitte, über bie fid) fdjtiejsenbe SDlünbung be3 ®rabe3fd)Iunbe3 
ben 5ßurpur ju breiten, ber it>n öergeben^ ^u üertjefjlen fucf)t. 



30 



— Der ^er^og §at feine fyoty^Wluttex tote ein ebler ©oljn 
bemeint. 

Da3 längft SBort)ergefet)ene fjat iljn, faft oemichtenb, 
überrafcljt — worauf fann ber arme Sterbliche fidjj auch 
üorbereiten? SBaS ihn berührt, trifft ihn immer wie ber 93Kfc. 
Die 3cit fd^eint bei foldfjen ©reigniffen einige 2lugenbtidfe 
lange ftitt ju ftefjen, ja, ju ftufcen — bann beflügelt fie ihren 
Sauf, ©d(jon jwei SJlonate, feit fie nid&t mehr atfjmet! 
2Bie lange fcljon .ift fie nicht mehr bie jüngfte Sobteü SJleine 
SBehmuth ift ein Sraum, ben i$ nicht lieber ablegen Werbe. — 

©djon h<*t ber 2ob ihr 9Rand(je$ erfpart. Der griebe 
öon SSitlafranca fann, wie SBagram fchmeraen. Der 
fd^redltd^e Dritte in SßariS fammett nur Domterwolfen, 
man ^at ju jebem feiner grefcel 3a gefagt, Sßalmerfton 
wirb ©nglanb üerberben, wie Suot Defterreich, Deutfdfjlanb 
wirb Wieberum ©taub fdbtudfen! — Die 3ufunft bietet mir 
nur „Seiten unb Settter". — Der Dritte macht nur 
Stutlachen, aber eine eigentliche Drbnung fdfjafft er nie — 
im Orient, wie in Italien ift mehr SSerWirrung benn jemals. — 

3n einigen Sagen treten wir eine fleine Urlaubsreife 
an, um ein wenig in DeutfdEjtanb ^erumjufliegen, welches 
tro$ aller franjöfifchen ©eograpljie ein fo fdfjöneS Sanb ift i 

— SSier SBod&en finb eine t)übfd(je Spifobe. — 

3n alter Sreue unb Danf barfeit nenne ich mich, mein 
teurer Surft, gljr SSeretjrer 

ättattife. 

äReiner grau befte ©rüge. 

„83or bem SSerftummen" ift hoffentlich im üorigen Saljre 
in meinet Durchlauchtigen ©önnerS £änbe gelangt. 



31 



24. 

$üdfler an Slpotl oniuö oon 2Raltifc. 

33rani$, ben 17. ©eptember 1859. 
SRettt fjöcfjftbereljrter greunb unb ©önner, 

$)er ©djtufc Stires reijenben @ebid(jt3 Jjat micf), nodj 
immer ettoaS fünbfjaften Sitten, gart 5 befriebigt, unb »baß bie 
3)inge quasi alle Ijauptfädfjticlj ^ferbe toorgeljen, bog Ijeifet, 
bie Präliminarien, amüfirt mid) am meiften, toeil in ber 
Xt>at, bi§ auf ben <&d)taQbaum , eines ber füfjeften unb ju* 
gleich fpäteften ©reigniffe meinet Sebent ftdj faft auf biefelbe 
SBeife jutrug. @o errätfj ber infpirtrte $)idfjter immer bal 
SBaljre al$ vates, toenn anberS ba3 bor mir Siegenbe nidf)t 
audj ein ©tüdf aus Sfjren eigenen SKemoiren ift. 

9Son biefem @rfreuftcf)en aber nun sunt Sraurigften. 

®er 2ob ber unbergefjlidfjen ®rogfürftin*©roj5^erjogin, 
ben ©ie mit fo Diel Stecht besagen, Ijat aud(j midfj tief be* 
trübt, gür midfj fear (tote idj audj ber Sßrinjeffin Don 
Sßreujgen getrieben), bie SSerettrigte feit mebr atö fünfzig 
Sauren ftetS ba3 tooHenbete Sftufter, ttrie eine 3*au in 
Ijöd&fter Stellung erfd&einen unb leben foH, um Stile um fidf) 
l)er unioiberfteijtid) mit Siebe unb ©tjrfurdfjt an fidfj ju 
feffein. 

SBie riet ©nabe fjabe id(j nun aufterbem fetbft bon ber 
tjofjen gürftin genoffen, bie nie getrübt toorben ift — atfo 
mar mein @d(jmerj über biefen SScrluft fo innig, at3 fjätte 
id) ein tt)euerfte3 SRitgtieb meiner eigenen gamitie bertoren. 
2Iudj ttrirb fie meinem Slnbenfen für immer at§ eine ber 
tjeJjrften unb tooJjttfjuenbften ©eftalten verbleiben, bie mir 
auf meiner langen Seben3reife begegnet finb. 

2)od& genug tjierbon. SSergeffen ©ie nidf)t, mid) einem 
anberen ticbenSftmrbigen SBefen, bafc ©ie- felbft ju befifcen 
fo gtüdftidj finb, unb ba§ in ben ©fjeftanbSentJjüttungen fo 
anmutig mitfpielt, etjrerbietigft ju güfsen §u legen, unb er* 
galten ©ie mir immer frifd(j unb tebenbtg ^fte^ SBotjt* 
tooöen. £. %. Sßücfter. 



25. 



$ücf(er an Stpoltoniuö Don 9KaIttfc. 

©djlofj SBrantfc, ben 12. gebruar 1860. 

3?eref)rter greunb unb ®önner, 

3?rfj ging einmal mit Settina in ein Sondert, wo eine 
ber berühmten Stjm^onieen Seetfwben'3 aufgeführt würbe. 
Settina war in ©nt^ürfen aufgelöft, unb entwicfelte mit 
©ntf)ufia£mu§, wa§ aHe£ für @tefüt)Ie unb tiefe ©ebanfen 
au£ biefer SDtufif ficfy if)r mitgeteilt Ratten. 3$ mußte if)r 
gefteljen, baß idj biefem gtuge gar nicf)t $u folgen &ermödf)te 
bei bloßer Söhifif of)ne SBorte. S)af)er id> aucfj nur bei 
Dpern, bereu Sujet poetifd) fei, unb ba3 große, gleidfj poe= 
tifcfje, erhabene Sfomponiften burdfj iljre SKufif fcerffärt, in 
einen folgen (£ntf)ufia§mu£ berfe^t werben fönne, wie ^um 
Seifpiel Dpern Don ©lucf, ber „£on Suan," „ber greife^," 
„•Jtorma," §um Sfyeil 9loffini u. f, w., bloße SRufif ofjne 
SBorte aber immer nur ein ba3 Dt)r mefjr ober weniger er- 
regenber ©cfjaß bliebe , üon bem meine innere ©eele bafjer 
audfj nur fefjr untwßfommen berührt Werbe. 

®a3 beweift, erwieberte Settina entruftet, baß ber Sinn 
unb ba§ Serftänbniß ber ÜBtufif 3^rer -Jtatur gän^Iid^ Der- 
fagt ift. QdEj muß bieS eingeben, unb mief) fftit Sebauern 
al$ Slinbgeborener erfennen. 

SRun fjat mir überfdf)icfte3 -ftacfjtftücf eine ^Weite 
fatale SBatjrfyeit recfjt t>on neuem eingeprägt, nämlich , , baß 
audf) baS ©oc^poettfd^e mir ba öerfeftfoffen bleibt, wo e3 
meiner inbifcibuetten SRatur — wie fott id£) fagen? nid^t an- 
gemeffen, nidjt toerwanbt ift. 

S)enn tro£ ber Sewunberung, bie idf) einzelnen frönen 
Silbern unb ©ebanfen in Stirer 2)idE)tung joffe, t>at ba$ 
©an^e mief) bodf) nidf)t fo Warm ergriffen, ja, idf) f>abe e3 
beim erften Sefen faum ganj ftar ^u faffen Derftanben, Wotjl 
ben fefjr artigen ©ebanfen : wie ber Strat ba§ SranffyeitSgift 



33 



imrct) Schlangengift tjeiten ttritt, fo fcerfudjtmit gleidf) fdtjledjtem 
(Srfotgc ber ©eelenar^t be3 greunbeS ^erftörenben ©dfjmerj 
über ben SBerratf) einer ©eüebten mit bem ©ift einer 
niebrigen Seibenfdfjaft feilen, unb ber Patient ftirbt mo* 
ralifdfj mit ©djanbe — aber bie 9trt ber bidfjterifcfjen 93e* 
f)anblung biefeS ©toffe3, bie gemiß fcf)ön ift, toetl fie eben 
t)on einem eminenten ®td?ter tote @ie finb, fjerrüfjrt, fanb 
in mir nid)t gleich ben regten 2fnf(ang, toamm? toie bei 
ber SBeetfjofcen'f dfjen ©tymptjonie, trett icf) eben fefbft 
lein Stüter bin, nnb bocf) liegt toenigftenS fo Diel boöon in 
mir, nm meine ®df)rtmcf)e öollftönbig emjufefjen. 2>a£ ©anje 
Ijatte, für m i d) NB., eben megen meiner poetifcfyen Söiangek 
f>aftigfeit, etttmS SlbrupteS, nicfyt gan-* bie für mid£) ge= 
ttmnfcfyte f)et(e SMarfjeit nnb SSerbinbnng, beren id£) nur junt 
üoflen, ungeftörten ©enufj be£ ©ebidfjtä bebnrft f)ätte. 

2IHe§, tvaä itf) ^fjnen ba fage, ift ungeheuer nah), nnb 
tnetteidfjt albern. 2Iber icf) üerefjre Sie fo fet)r, nnb toa§ 
metjr ift, fiabe @ie fo fieb, baß idj mid£) aucf) gar nidtjt f cfjeue 
Offnen meine SRängef nnb @dfjttmcf)en aufjubecfen. 

@ie toerben lachen, nnb fagen: fann mir mof)I 

fcenfen, baß Sie bie ©df)Iagbaumat>enture, unb bie feinen, 
atterliebften ©fyeftanbsfeenen beffer öerftanben fjaben, aber 
niemanb barf über feinen Seiften fpringen, nnb baf$(^ie ba£ 
an fidfj felbft erfennen, fann idf) aucf) nur billigen''. 

@o bin idf) alfo abfolbirt, unb gefje nun ju %$xtm 
33rief über. Stuf ba§ Xrauerfpief „ 2fnna 93ofetyn " freue 
id) micf) fef)r, im -Jtacfjtftüd ift trieleS nur im Sapibarfptel 
angebeutet, raufet fdfjattenartig öorüber, ma3 t>ieHeidE)i eben 
fdjön unb redfjt bei biefem ©ujet fein mag, micf) aber ftörte, 
im Srauerfpiel fann ba£ nicfjt ftattfinben, unb idtj ftmnfdfje 
im fcoraul ©lüd ^u ben ^toei legten Slften, bie freilief) immer 
bie am fd£)toerften ^u überfteigenben flippen fein mögen. 
Sa3 gertige Reiten ©ie mir fjoffentlidj in SBeimar mit, too 
icf), ioenn e§ meine fdfjtoäcfjlidfje ©efunDljeit erlaubt, balb f)in* 

*P ü cf 1 e r t «Bnefwcc^fd unt iagebü^er. VIII. 3 



t 



34 



äufommen b'ettfe, unb fcbon fett lange f)iumoffte, meSfjatb ich 
auch mit meiner Sftttmort forttoährenb gezögert. 

SSarnhagen'S SSerluft bebaure ich auch täglich,, er hat 
aber eine -Wichte hinterlaffen, feine Erbin ßubmitta 2tffing, 
bie auch triel ©eiftigeS fcon ihm geerbt hat, nnter anberen 
auch täufdtjenb feine fdfjöne £>anbfdf)rift, unb Diel öon feinem 
fftejsenben ©t^I, ofjne je irgenb eine Sorreftur. Seit 33arn* 
hagen'3 %oi bin ich in forttoäfjrenber ßorrefponben^ mit 
ihr. 8ie muffen fie toof)I fennen, ba fte lange 33arnhagen'§ 
$au§ führte, unb ficfj auch fchon burdfj #ot\ fdjöne 93to= 
gra^^ieen aU Schriftftetterin ausgezeichnet ^ai, an benen, 
mie ich genug toeifc, 93am£)agen nicht im geringften geholfen 
hat. 5ft S^nen ber Ie|te Ztyxi öon «arnhagen'S „2)enf* 
toürbigfeiten", ben bic Stffing herausgegeben, nic^t aufgefallen? 
9Kidf) ^at er entlieft, meil er ben offenbar im öorauS als 
oeuvre posthume gefchrieben §at £ier allein ift er gan$ 
offen er fetbft, unb bie frühere etütg jurücf gehaltene biplo* 
matifdfje ßurücfhaltung gan§ bei ©eite gelaffen, bie oft un= 
behaglich unb mirftidE) peinlich in feinen Schriften mar*), 
gefct fommen ^jumboIbt'S Vertraute Sriefe an Sßarnhagen 
heraus, bie tuel Stuffehen machen merben, benn ^umbolbt 
erlaubte ftch münblich jebe Satire, auch bie beijsenbfte, gegen 
greunb unb geinb, lobte aber fchriftfidEj jeberman. 9lur 
gegen ©arnhagen genirte er ftd& nicht. 

gannty Settmlb ^at einen merfmürbig guten SRoman ge* 
fchrieben, eine 9lrt 2)orfgef deichte, bie an SBafjrheit unb gc= 

SCnmerfung ber §erau§geberin: 
*) *ßütfler oergtfct bei feiner ^Beurteilung Sarnljagen'S, baß 
biefer beinah fein gan$e§ Seben lang unter (Eenfur §at fc^reiben 
tnüffen. 2)ie heutige (Generation fann fid) laum mefyr üorftelten, roaS 
ba§ Reifet- ßein @d)riftfteller , ber frei unb unabhängig backte, 
fonnte bamafö fid) ungefyinbert auSfpredjen. <5o ift e3 gan§ natürlich, 
bafc SBarntyagen'S legten SBcrfe weniger „surücffjaltenb", roie ^ücfler 
e£ nennt, waren , als bie früheren. Unb bie „Tagebücher" ooUenbS 
f Riegelten feinen^ ©eift unb feine ©efmnungen ab! — 



35 



maier Schöpfung be£ £au})tfarafter3 Stuerbach, meines 
achtens, noch tuett überflügelt; „baS SRäbchen üon §ela". 
%<fy tiriinfchte, bag 3h re Stau ©emaftfitt, ber ich mid£) §u 
gügen }u legen bitte, bieS 23ud) lefe, unb mir ifj* Urtfjejl 
barüber mitteilte. 

SSon 5ßotitif fein SBort. $)ie3 Xfjema toirb §u traurig, 
^u fdjamöott für un§ ©eutfdje. 

. SBaS Sie über bie ©üangelien fagen, ift fefjr 'fchön, unb 
irf) freue mich, biefelbe Stnfid&t baüon ju ^aben. 9Jtit bem 
Serben mu{3 man ben fjoljen ©eift berfelben erfemten, toa§ 
fümmern bann bie einzelnen Sßiberfprüdje barin, ttrie bie 
hiftorifcfjen Ungewißheiten über baS @an$e. ©3 ift alles in 
ber SBelt immer nur menfchlich hergegangen. 

Safen @ie mohlRötf) unb 93raun? @3 ift ein Jammer, 
bafe 9iöth fo jung geftorben. @r ^ätte uns mit feinem 
enormen SBiffen e3 gan^ beutlich gemalt ttrie alle Religionen 
unb 5ß^iIofopi)ieen fo ganj folgerest unb naturgemäß eine 
au3 ber anberen geboren luorben finb. (Sine Reform beS 
S^riftent^um^ ift auch fcf)on unausbleiblich- SefuS ^at ja 
fetbft gefagt, bafc er toieber fommen toerbe, unb t<f) be^toeifle 
bann, bafc er unfere heutigen Pfaffen beffer beurteilen ttrirb, 
als tveilanb bie 5ßf>arifäer. Sefjrte er in Berlin, fäme er gemig 
in t)ier SBochen nach ©panbau. 

3Rit ^erjti^er Verehrung ber Sfyrige 

£. Sßücfler. 



26. 

$ücfler an 2(potIoniuS üon 3)laltt|. 

©d)tofj $8rani£, ben 5. Sttärj 1860. 
SJfein t>ere£)rtefter greunb, 

Sie finb nicht nur ein Vortrefflicher SDtann, fonbern 
auch ber liebenSttmrbigfte unb nachftchtigfte aller meiner 
fiorrefponbenten, unb bennod) bin ich im ftrafbaren SRüdfftanb 



'36 



einer Slnttoort auf einen fyerrlidfjen ©rief, ber mir fo t>tet 
greube gemalt fjat! Slber i$ miH Sfjnen nur gleich meine 
®d£)tüäd)e geftefjen, benn Sllter fdjüfct üor S^or^eit nidf)t, aber 
(Sie toerftefjen ja, bafc man aud) im Hilter nodfj jung bleiben 
fann — für*, ^um 33etoei3, bafc bie3 bei mir ftarf ber %aU 
ift, öertraue id) 3§ntn, bag t<f) toirfiidfj ettoaS öerliebt bin, unb 
baljer in biefer $u t>ict ellenlange SiebeSbriefe, ja Siebet* 
brief e fdjfcieb, um nodfj 3eit ju öernünf tigeren übrig ju beljal* 
ten! Sft ba§ nun eine gute ober fdfjledjte ©ntfcfjufbigung, 
gegenüber bem garten ©önger ber Siebe ? 3$ Tröffe ba§ erfte. 
. ©3 fear gleidfj eine auffaflenbe ©tjmpatf)ie jtoifdjen mir unb 
meiner ©cpnen, fdjon beim erften 3ufammenfein, aber fdfjrift* 
lict) f)at ftd) ba3 ©erfjältnif} erft ööffig au^gefponnen, unb 
jur SReife gefteigert, um nun toieber perfönlicf) $um Slbfd^tug 
ju fommen. Qui vivra verra. Sdfj fefje bie ©adfje jugleidfj 
als fdjriftftetterifdfje Hebung an, toenn idj nodfj ba$u fommen 
foffte, einen Vornan $u fdfyreiben. II faut faire fleche de 
tout bois. 

s 2lber nun genug ^i et) on. 2Ba§ fagen @ie §u §um= 
bolbt'3 ©riefen? (Stttmä gntereffantereä, unb tnetteidfjt f)ifto= 
rifdj folgenreicheres ift lange ni<f)t erfdfjienen, aber bie arme 
Submitta f)at ficfj gro§mütf)ig bamit geopfert, unb irfj table 
aU iljr freunb unb ber i^re§ Dnfete bie $u rürf f i df)t3 = 
lofe 5ßubli5trung ber Xagebücfyer 33arnf)agen r S. Stt 
#umboIbt'3 ©riefen burfte unb brauchte nidE)t3 geftridjen 
ju werben. 2)a§ 2fllerberfängtid£)fte ift bie Stelle, too fcon 
£umbolbt öon ber 5ßrin$effin ©ictoria gefagt toirb: ,,©ie fei 
^toar nidf) t hübf dfj, Ijabe aber ein gefälliges, einfaches SBefen, 
ein befeelteS 2tuge". SBeldje fürchterliche ©eleibigung! 3)tefe 
toirb getoifj am fdfjtoerften beziehen. 

3Jiich freut aber ba3 ©ud), unb bog alles barin ©efagte 
buchftäblich tt>af)r ift, toeifj id), abef man hätte an gon= 
teneüe benfen f ollen. 



N 



37 



SBeimar toirb and) nidfjt gut barauf $u fpredjett fein, 
nod) roeniger ber Dftpfyate. 

9lun 5U Briefe, ©rftenS beneibe tdj Sie um 

bie a3efanntfe^aft ber 3Je§ia, >unb Bebaute ungeheuer, fie 
nidjt aucfj gemacht §u fjaben, benn eine Sorette in ber 6r* 
Meinung eine3 fanften, tngenbfjaften ©ngelS, ift ba3 35er* 
fül)rerifd£)fte, roaS e3 giebt, NB. toenn fie ^ugleidj fdjön ift, 
t>erfte£»t fidj — ünb audfj mir fiel g(eid) babet Sfyre &d)\U 
berung be§ Spiels t>on trente et quarante unb ber Sftou* 
lette ein. 5$ roollte Sfjnen fdjon in meinem legten ©riefe 
jagen, tüte biefe Stelle mitf) am SReiften in Syrern ©ebicfjt , 
at$ ganj t)ortreff(idE) angef proben, öergag e3 aber im ghtfc 
be3 @d)retben3. Sie fef)en barau§, tüte roenig iä) ein 
@d)meid£)ter bin. 3$ fjabe übrigen^ narf) öfterer $)urd^ 
lefung be3 ®ebid£)t§ micf) öiet beffer fjineingefebt, unb immer 
mefjr ©euuft baburcf) gehabt, ©opfen unb SSKaf^ ift alfo 
noü) nicf)t an mir öertoren. 

Slber in 3$r: „SBir toiffen nur eine3 — fort mit un§" ' 
ftimme id), bei Stynen roenigften§, nid£)t im geringftcn mit 
ein, unb aucf) bei mir nid^t, feit irf) lieber öerltcbt bin. 

©ans tfjetfe id£) bagegen 3£)re fo richtige Semerfung 
über 33amf)agen, at$ roitflidfjen Infcfopf. ©r fonnte mandj* 
mal unglaublich leibenfdfyafttidfj roerben, unb ba e3 fpäter fo 
fetten gefdEjaf), fo toar id& ba3 erftentat bermajsen erftaunt 
barüber, ben fonft fo abgemeffenen SDtann in foldjer gurie 
ju fefjen, bafc id£) mit offenem SDtunbe babeiftanb, unb %u 
träumen glaubte. 

Sen Vornan %1)xt$ greunbeS über bie 3?eformation3= 
gefdf)td£)te mag idfj nid£)t fefen, roeil mir ba3 gan§e @üjet §u= 
it)iber ift. 2Ba3 finb ttrir baburdE) bi§ jefet geroorben — 
toeber gifd? nodj gteifdE). S)er fatfjolifdje Aufbau ift ba3 
(Sroftartigfte in ber ©efdf)idf)te. ©r mujg bennodf) altern unb 
fallen, rote alles, roa3 einen Sfnfang f)at, aber toa§ biefen 
prachtvollen organif dfjen SBud^ nad(j unb nad) jerftört, e^e 



38 



nodj ber neue §u feiner ©rfe^ung beftimmte redfjt in' 3 Seben 
getreten, gettmfjrt feinen fo genugreidfjen Slnbücf, obgleidfj 
beibe, 3lufttmdf)3 ttrie ßerftörnng, gleich naturberecfytigt tüte 
naturnotfjtoenbig finb. 3)rum liebe idjj ben ^atfiofi^iSmuS, 
unb erfreue micf) nocf) baran, unb füljle toenig ©tjmpatfjie 
mit einer ^Reformation, bie bisher nur ba§ $oetifd£>e im 
alten ©lauben reformtrt fyat, §ur Vernunft aber nodfj lange 
nicfjt gefommen ift. 

9(ber bitte, geigen ©ie biefe ^ärefte nidfjt bei unferem 
•äJlinifter be§ SuItuS, Setemannn = (bie erften §toet ©üben 
fran$öftf$) |>of)ftt)eg an, fonft fcerbammt micf) berfclbe am 
©übe, nadf) SSorfd^rift ber 9tegulatibe, gleidf) ben armen ge= 
plagten Sauerjungen, toöd^entltc^ 30 biblifd&e ©prüdfje unb 
jef)n @efangbud£)3lieber au§toenbig $u lernen — gettrift eine 
Strafe, benen SSiete bie rüfftfdfje ®nute tiorjiefien tnürben. 

9Kit X£)oma£ fönnte idf), glaube id), audf) gemeinfdfjaft* 
lidfje ©adje machen, toenn $efu£ ttneberfäme, unb fo toäre, 
wie id£) i^n mir öorfteKe. 3Kit i£)tn fterben au3 Siebe unb 
SSeretjrung, ©tauben aber etma3 toeniger prompt. 

©erüfjrt f)aben midf) 3f)re SSerfe über bie t)errlt<f)e 
©rofjfürftin, unb bereu fo toafjrfjaft unerfe|Iidfjen SSerluft! 
Unb boct) ift e3 eine greube, ifjr Slnbenfen fo fd£)ön gefeiert 
5U fefjen. 

3^ren tjödjften §errfd(jaften bitte idfj midE) $u güften $u 
legen, unb ©r. ©önigticben ^pofjeit bem ©ro^er^og meinen 
untert£)änigften S)anf für beffen gnäbigeS 9lnbenfen au3|u= 
fpredjen, unb 5ttmr mit ber grage: ob ber Sefuit fid^ nodj) 
afleri>ödf)fter Slnerfennung erfreue ? . 63 ift ni$t3 SSerfäng- 
lidjeS babei. 

Jaufenb SdfjöneS an ^f)tt grau ©ematjtin unb liebend 
ttmrbige grau ©<f)ft)ägerin, bie ftdfj fo gütig meiner erinnert, 
©uer (Spellens gan^ ergebener 

$>. «ßfldlcr. 



39 



9lod) etttS! %m ©dtfuf* 3$reg 93riefe3 Jagen ©ie: „©ine 
fernere @int£)eihing ber äRenfdjen ift eine fotdje, bie Xx'mh 
gelber nehmen, nnb foldje, bie feine nehmen". 

5)ie3 üerftelje i$; aber nun fe£en ©ie i}inju: ,,2)od) 
fönnten fie jufamntenfd^me^en". 

Pardonnez ma betise, aber toie ift ba3 mögtidj? 3$ 
fann mir e§ ^ödfjften^ nur fo bentm, bajg man bem 9?id)t= 
neunter ba3 Srinfgetb felbft Verborgen in bie Xafdje ftecft, 
ob er fidj öieHeidjt bann §u §aufe notfj eines Sefferen be= 
finnt, in toetöjer Sftanipulation SSiete eine grofce Sertigfeit 
befi^en f ollen. 

9hm feien ©ie nidjt fo fdjfimm, mir mit SSottaire $u 
anttoorten: 

„Rien de plus triste qu'un bon mot 
Qui se perd dans Poreille d'un sot", 

fonbem anttoorten Sie mir mitteibig toie bem befannten 
armen naiüen jungen, ber toein£nb geftanb, bafc er bie SSeft 
gefdjaffen, e3 aber nimmer toieber tf)un motte, unb e^fi^iren 
Sie mir mit ebter ©ebutb Sfyre toatjre SReinung. 

Unb bamit füffe id) Sonett bie £mnb, öeretjrter SDleifter, 
unb tiebe (Sie fefyr, tüte einft meinen anberen SSKetfter SSarn- 
Ijagen, oon bem ©ie ja gerabe geträumt, toie er in SBir^ 
licftfeit geftorben. 3ßuf$ten ©ie benn ba§ nidjt, ober ift e3 
nur eine 2tnft>ielung? 

27. 

SßücHer an SlpoIloniuS oon SGlalttfe. 

©cftfofc »tanty, ben 11. Max* 1860. 
SSeretjrtefter greunb, 

2luf ba3, toaS firf) mit Stynen angetragen, bin idfj fefjr 
begierig — befonberS, ba ©ie e3 nicfjt f d^riftlid^ mitreiten 
wollen. S)ajg mir aber überaß toon SBunbern umgeben, bie 
un3 nur -$u atttägtidj getoorben finb, um fie al$ foldje an* 



40 



jufef)en, füllte idfj immer lebhaft. $)at)er ift ba3 SBort Aber* 
glauben mir gan$ junriber. ( ©3 giebt nur ©tauben unb Un* 
glauben. Sein ©taube in ber SBett, ber nidf)t Anbere finbet, 
bie if)n nur für einen Aberglauben anfet)en, toeil fte eben 
einen anberen ©tauben t)aben. hingegen ift lieber jeber 
ttrirfttd)e ©taube audfj bie gefunbene SBatirfjeit für ben, 
ber if)n t)at, fotgtidj giebt e£ feinen Aberglauben. £)er Un= 
gtaube entftef)t 'au3 ber Ueber^eugung, ba§ bie abfotute 
2ßat)rljeit un3 nidjt augängtid) fei, unb bie retatifce eben 
taufenbfact) tped^felt, fotgtidfj nirgenbS eine binbenbe Autorität 
befi^en fann. Atfo befinitiö aucf) ein ©taube nur ein nega* 
tiber, ber anbere $ot. $)od) nid)t gan^ ber ©eift, „ber ftet§ 
öerneint". S)enn an ettoaS - glaubt bod) audj gan§ fpe^iett 
ein igeber, ber ©etefjrte jum 93eifpiet an fein SBiffen, unb 
fagt: „gdj gtaube bieg nur be§f)atb, toeit id) e<§ meifc". Hut 
am anberen Sage ttrirft eine neue ©ntbedung fein SBiffen 
um tüte ein Sartenf)au§. SSie tuet 3rrtt)ümer ttrirb nadf) 
taufenb %a1)vm fetbft be3 grofjen |mmbolbt'3 „So3mo3" tnU 
Ratten! — Ad), biefe divina commedia ber SBett! 

$)af)in gehört aud) Ste^ia, bie mir immer intereffanter 
roirb. ©rinnern ©ie ftdj nidjt aud£) ifjrer teibticfyen Abreffe, 
ba bie bloß bicfyterifcfye mir $u itjrer Auffinbung bocf) nid)t£ 
Reifen fann? — 

3f)re SSorlüürfe toegen „@df)tagbaum" finb mir fefjr füft, 
unb id) benfe t\ur auf neue 33erfüf)rung, mo mögtid). 

2)te3 Sfjema bringt mid) auf bie arme ©räfin SSKeröetbt. 
Sie fagen gmar mitteibig, aber bodE> fefjr f)art öon if)r „SSer* 
morfene, tüett fie ba3 ©tüd öermarf". — 2) er £>err mar 
mitber in ^eurt^eitung fotdjer Singe! 

©ine SSertoorfene mar fie nid£)t. Audj fjat fte ba3 ©tütf 
nidfjt üertoorfen, fonbern ba3 ©tüd nur fte — benn fte tjat 
e^^nie auf ityrem 2Beg gefunben. Sie mar ba§ Opfer 
eines fd£)ted)ten ©fiemannS, bei einem %u imprefftonabten 
^er^en, unb einem $u feurigen Temperament. 



41 



t)abe fie in früher $eit fcfjön unb gut tüte ein 
(Sngel gefannt, unb midE) anty fpäter be^alb if)rer lebhaft 
angenommen ©3 mar 5U fpät für biefeä Seben. 

Sie f)at mir an i £> r em SobeStage btefett felbft in 
einem öierfeitigen, mit fefter §anb gefcfjriebenen ^Briefe ange= 
gemelbet, toe^fialb idfj glaube, ba§ fie , ofjnebem üon bem 
erften 2lnfang einer fdjauerbotten Sranfljeit ergriffen, felbft 
itjrem Seben ein @nbe gemacht f)at. 3$ fjfllte bie3 in 
foldjer Sage nidjt für unredjt, überhaupt ben (Selbftmorb an 
fi<$ nidfjt, obmof)! er meiften§ eine Sfjorfjeit, aufteilen eine 
(Sitetfeit, mie bei ®ato, unb in ben fettenften gälten tnoljl 
aud(j eine geigtjeit fein mag. 

3d£) behalte eine eben fo mofjttfyuenbe ate tt)e£)mütf)ige 
(Srinnerung bon iljr, unb fannte fjunbert ang : ^ene, fe£)r ge= 
e^rte Samen, bie si tabula vera, am jüngften Sage fd£)Iedjter 
tuegfommen merben, at£ Diefe „SBertoorfene". |jätte biefe 
arme (Seele nur eine SJlißion SReöenüen jäfyrticf) gehabt, bie 
SBelt toürbe itjr gern jeben Sag einen neuen Siebfjaber ge= 
gönnt, unb fidj bei ifyrem Iieben3tt>ürbige:i, freigebigen unb 
aüem 2up§ fef)r ^uget^anen Sarafter, fcon oben bi£ unten, 
nadf) ber @f)re unb bem Vergnügen ifyrer Sefanntfcfjaft ge* 
brängt f)aben. s 

2113 id£), üom Orient §urüdfet)renb, mit meiner braunen 
SDtaitreffe nadj SBien fam, bie icf) für ein im Srieg geraubtes 
abt)ffinifc!)e3 gürftenfinb, unb jetjt öon mir angenommene 
2:otf)ter öorfteffte, glaubte fein SRenfcf) bie£ 5Dläf)rcf)en , aber 
3ttte traten fo, um i£)re SWeugierbe beliebigen ju fönnen, 
unb meü idj felbft bamalS ber temporaire Sötte be§ SageS 
roar. SSKinifter unb ©roge luben fie mit mir ^u lafet, bie 
üornef)tnften Samen befugten fie im $ötel, too icf) toofinte, 
unter benen bie Dberfjofmeifterin ber ©r^er^ogin $alatin 
gar feinen Stnftog iaxan naf)m, bafc in SJtacbbuba^ ©cf)faf= 
nimmer, toofjin fie au3 $erfet)en geführt mürbe, jtüei SSetten 
ftaitben. 



42 



3mmer divina Commedia! 

jftun aber fcon biefer gu gfjrer Xragöbie, öon ber tcf), 
tnenn atteg bem mir überfenbeten 93rudf)ftücf gleicht, bic 
fc^önften (Srtuartungen £)ege. SBürbtge Sprache, feine 2Ben= 
bungen, nid^t ^u biet, uidjt §u wenig im Dialog, an§ie^enb 
burdjau£. 

3)arf idj mitf) nun nodfj unterftefjen, §tüei unborgreiflidfje 
Semerfungen im ©in^elnen ju machen? 

1) «lifo ©arbtner fagt: 

„$)te eble Xod)ter 5lrragonten3 
©leicf) einer SBu^Ierin ift fie üerftofjen, 
Unb tute bie grucf)t be£ @f)e&rucf)3 ift 
Sßeit von bem $E>ron -JJlarta roegüerroiefen. 
2Ba§ binbet unfere $ird)e balb an 9tom?" 

Siefen leiste fdfjeint mir nidjt präzis genug, unb ettoa3 
unbeutlid) beim raffen (Sprechen für ben 3ut>örer. S)er 
©inn ift of)ne Steife!: 2Ba3 tuirb balb nodj unfere Sirene 
an 9iom binben? SBie e3 aud? bie Sofge näfjjer bejeugt. 

SBSäre t§ nun nidjt flarer $u fagen: 

„2Ba§ binbet unfere $ircf)e noef) an 9tom?" 

2) arin tuäre ba3 ba Ib fdjon f)infängttdE) auSgebrücft, be* 
fonber3 in Serbinbung mit ber golge. 

2) Srommell fagt: 

,,§einrid) ift fterblicf), rote ein $önig, fcfyroad), 
SBie ein ©terblidjer, boef) ftarf ift er 
@Ieirf) einem Söerf jeug ©otteö — " 

3) ie3 fd^etnt mir eine 2lrt Sßiberfprudf} ju enthalten, 
£>einridfj ift ftfinmdfj tute ein (Sterblicher, unb bann aud^ 
lieber ftarf gfeidf) einem SBerf^eug @otte3. SBürbe ber 
fd£)öne ©ebanfe nidfjt togifc^er auSgebrücft fein, toenn Sie 
fagten: $)od£) ftarf ift er, SBo er ein SSerfjeug @otte§ 
— ber SftfjtytmuS Ktte audj tooty nidfjt barunter? tvaä idfj 
freilidfj nid£)t öerftelje. 



/ 



43 



aSerjei^en Sic meine ®üf)ttt>eit; fie fjat i£)ren ©runb 
nur in bem grofjen Sutereffe, bafi tcf) an öftren Schöpfungen 
neunte. 

3>te jtDet Kommata hinter fterblidf) unb hinter fätoad) 
fdfjeinen wir aud£) $u triel, unb finb tnetteicfjt nur toom 916= 
fd^retber $ugefe|t. Sretlid^ beftetjen über bie ^nterpunftationen 
ober gnterpunftion feine red^t feften Siegeln, meit fie aud^ 
Bei ben beften ©dfjriftftellern fo öerfdjieben ift. 2)a id£) toiel 
in meinem ßeben üorgetefen, fo beurteile \<fy fie meift bar= 
nadE). 2Ba3 barin ftört, fe^e id) für ju triel an. 

35Ba3 bie ©inngebicfjte betrifft, fo finb 800 fretfidj etmaS 
tuet, unb fönnen einen SSerteger abfd£)redfen, befonberS in 
unferer unfinnigen 3eit. Steilen @ie mir bod£) aud(j ettoaS 
baöon mit. 

(Sie finb atfo nod£) nid^t SOtinifter? SBofjl, meit (Sie fein 
JRuffe finb. — 3$ glaubte, Sie mären e3 nad? bem in 
©reiben üerftorbenenen Sfteftor, auf beffen -Kamen id£) midf) 
mdfjt befinnen fann, geworben. S)er ©efanbte in SBeimar 
märe übrigens immer ba§ äBenigfte an 3f) neu. SSergeffen 
©ie nie, mid(j Qf^rer liebenStuürbigen grau ©ema^Iin $u 
empf etilen, unb Reifen ©ie ifjr um'§ £immel3tt>itten meine 
Äefcereien nid^t mit; benn man f)at mir gefagt, fie fei fei>r 
fromm, toa$ an grauen fo fd^ön ift, benn felbft ber arme 
Äofcebue fagt: 

„2Benn aud) ber 3Jtann baö <2c§n>ert beö 3w>eifelg 

fdjnringen mag, 
©ejiemt bem 2öeib ba§ Scfjitb beö (5ttauben3". 

3i>r feljr ergebener 

$. Ptflcr. 



44 



28. 

$ücfler an SlpoIIoniuS öon SRaltifc. 

©c^lofc 8ram|, ben 19. TOfcj 1860. 
•Stein tfjeuerfter SKeifter, 

SBettn ©ie mir bie 500 fdjiden, legen Sie bocf) auch 
noch etttm3 aus „Anna 93oIet)n" bei. 2)ie3 intereffirt mich 
am -Steiften. 

!gcf) fcfjicfe S^nen eine ©rHärüng öon Submiffa Stffing, 
bie mir fefjr gut fcheint. SSon aller weiteren Sßolemif t)abe 
ich ihr jebo«f) abgeraten. Sa£ 23ucf) macht übrigen^, tüte 
e3 ben 2Infdjein §at, einen wahren Sßelteffeft. 3m falten 
3)eutfchlanb ift, in meiner (Erinnerung, ein foldjer ©rfotg 
noch gar nicht bagewefen. Schon nach fedj£ Sßocfjen ift man 
bei ber britten Auflage, jebe gu 2000 @;remplaren. 

5)er ©fanbal Wirb balb öergeffen fein, unb mehr noch 
als in politifdjer §inficht Wirb e3, namentlich in 2)eutfchlanb, 
glaube ich, in religiöfer |)inficht mirfen. hierin Wirb e3 ben 
gortfchritt fef)r befchleunigen, ben bodj feine -Stacht mehr auf- 
halten fann. 

»eften ®anf für: „2Ber liebt ben 93aum?" 

gür mich ift ein alter, fcf)öner Saum fyil\$tT, a ^ 
triele§, ma3 ben SDtenfchen fy'iliQ bünft. Auch meine ich 
über ben Sobtfdjlag an SBeimar, Wenn er ungefcfyicft getrof* 
fett §aL &3 giebt aber gätle, wo man ba3 fcfwnfte, ja efjr= 
Würbigfte ©inline bem SSort^eil be3 Allgemeinen opfern 
muß. 2)od£) t^at idf) e3 nie ohne langet 9tadf)benfen, unb 
lange Abwägung be3 pour et contre. ^dj weif* einen 
galt biefer Art in SDtuSfau, wo ich mich neun 3at)re befann, 
unb bann, tro£ meiner gegenteiligen Ueber^eugung, bodj nicht 
ben SRuth fanb, fo eble§ 23lut §u öergiegen, ein fo ftot§e§ 
§aupt ju fällen. 

SBie, ibeentoS barin gewöhnliche SanbfchaftSgärtner öer= 
fahren, h a & e i$ oft mit wahrem ©Räuber angefef)en, unb 



45 



bo$ einmal felbft, um eine Sanbfcf)aft f)ert>orjubringen 
tüo nur ein monotoner SBalb fear, über 3000 ©tücf, mit* 
unter prächtige Stiefen, geopfert, unb baS mit bem glücftidjften 
©rfotg. £)ie großen SBeltumtoanbler machen es fo mit 
•äKenfcfjen, unb öor ber 9?atur fommt beibeS fo jiemlid^ auf 
ein§ IjerauS, nur baf$ bie Säume toafjrfdfjeinlidE) tueniger 
leiben. 

©ie fefjen, idfj bin f)eute in einer ganj neronifdfjen Saune, 
tüctt idfj an Napoleon benfe, ber uns balb freffen ttrirb. 

Um SRücffenbung ber Setlage bitte idj ergebenft. (Sc* 
mai>lin unb ©dfjtoefter füffe idj bie £änbe. 
2)er 3>t)rige 

£. ^ücfler. 



29. 

$ücHer an SlpoüoniuS öon 9JiaItifc. 

©d&Iojj SBranifc, ben 13. 2(pril 1860. 
SKein öerefjrter greunb unb ©önner, 

9Reine 9lnttt)ort auf gfjren lieben 93rief fommt red&t 
fpät, aber idf) fjabe in ber ßmif^en^eit ein redjt fatale^ Un- 
gtüd gehabt, t)on bem \i) nodf) feibe. 

©ine triel Weniger angenehm auSgeljenbe $ferbegefdf)id£)te 
Iiis bie bewußte — trielleidjt eine Strafe meiner ©ünben, 
unb baS märe eigentlich ein £roft. ^lergerlidj bleibt eS aber 
bodj, toemt man ttrie id) fo tuet faft Unglaubliches ju Sßferbe 
unb im SBagen burdf)gemact)t, unb babei feinen Körper faft 
jungfräulich intaft bis in'S h<>h c 2llter ermatten ^at nun bei 
einer SIeinigfeit fo übel toeggefommen #u fein, baß idf) ^eit* 
lebenS bie Solgen mit mir herumtragen muß. 9Rit ben 
S)etaitS toitt ich Sie nicht langtneiten, nur fo feiet, baß ich 
jiemlidf) tuet leiben mußte, unb noch baS 93ett nur toenig 
öerlaffen fann. 



40 



©Riefen Sie mir nun balb 3$re poetifd^en Slrbeiten 
pr grliolung. Unter ben ©inngebid£)ten gefällt mir befon* 
ber3: „Buftirucf)", „bie 93af)nf)öfe", „Bittern unb ©eufjen" 
„bie SBitttoe", „Teilung", „ber Seufet", „grage", „Segel". 

2luc§ bem ©onnett ftimme idj ganj bei, unb felbft ofjne 
2)idj)ter ju fein, f)at man ©elegenfyeit, bergleic^en im Seben 
SU lernen. 

$dfj f)abe midj) ber gräulein Slffing mögtidjft angenom- 
men, obgleidfj itfy ii>r SSortoürfe gemadfjt, unb anti) geioünfdjjt, 
bag fie mid) Dörfer befragt; benn mandj'e§ fonnte toegfaßen, 
otyne bem gntereffe be§ 93ud()3 ju fd^aben. @ie f)at aber 
ttrirflidf) au§ ^ietät gefyanbeft, tote bie SReligtöfen au£ gröm* 
migfeit. 

$)odf) nun genug für einen Staufen. Jaufenb @dfjöne£ 
S^ren S)amen. 
Tout ä vous 

^üefter. 

2)em ©rogljergog meine anf)änglidf)fte Seretjrung. ©eine 
SBartburg ift eine eble, große XfyaL 



30. 

SlpolIoniuS t)on äRaltif; an $ücfler. 

Söeimar, ben 16. 2tpril 1860. 

äJlein teurer gürft, 

9Kit toeldjer 93efümmerni§ Ijabe id) üernommen, bag 
Sie leibenb finb, unb mit melcfjem ©d£) redten benfe idfj ber 
©efai>r, in loetd^er Sie fdjmebten. Sßie gerne fe^te idfj midj 
an Igfjr Sager, unb nafdfjte 3i>nen einige (Btunbtn toeg! Sdf) 
Ijabe in f örp erlid^jen Seiben noef) fefyr toentg geleiftet, aber 
einige $I)änomena hierin erlebt, bie mid£) überzeugten, ba& 
unfere monnigen ©mpfinbungen oft gan$ nalje am ©dfjmerae 
beginnen. 



47 



5$ hatte ein homöopathifcheS äßittef bei einem Schmerle 
in ber ©eite eingenommen, tüeld&er mir efne leibenbe 91a c^t 
erregte. 3$ ^atte mich au3 bem 93ette auf ein Sopfja ge* 
flüchtet, aU biefe3 SDltttet ^u mirfen begann. 3ch mar ein 
franfer 33ogeI, ber fich fchmerslich in ber Suft ummenbete, 
auf einmal fiel e§ toon oben mie ein 2inberung£t£jau auf 
mich, unb ich felbft fanf, unauSfpredjlich monnigKch, mit bem 
SSemufttfein einer nieberfteigenben 2er<f)e jur ©rbe, unb 
entfchtief mie ein Seliger. 21m SKorgen mar ich mieber* 
fjergeftellt. — ftvautn fagten mir, bie erften ©mpfinbungen * 
nach bem ©ebären mären ein 83orgefdjma<f be3 $arabiefe§. — 
93ei Unfällen mit $f erben finb meine Leitungen freilidE) 
immer meniger poetifch gemefen. StidjtS gehet fo lange nach 
tüte biefe Unfälle. — 33ietteidjt finb 83äber ba3 SRathfamfte. 
gin SSort öon 3f)tten, mein teurer ©önner, ift mir jebeS* 
mal ein 93alfam — ach e3 wirb einfam um midf); einem 
meiblichen ©emütfje öertraut man ntrf)t gern bie Debe, bie 
eines SDtanneS ©ruft befchleidjt — mo ber ©taube nur ein* 
fefjret, aber nicht fcermeilet, nicht mohnet. 

©in 93li<f in bie neuefte S^eologie ift gefährlicher al$ 
alle Scherte 33oftaire3. $eute enbigte tdE> mieberum bie 
Slpoftelgef dfjidfjte — mit mie üielen Kommentaren eilen ihr 
bie Seute ju |mlfe, um Süden ju füllen unb SBiberfprüdfje 
ju öerfö^nen! SBarum fjätten fich bie ©egner be§ ©htiften* 
t£)nm3 miberfe|t, memt bie SBunber mirMich fo §anb* 
g reiflich gemefen mären? SBaren fie etma mahnfinnig, ober 
hätte jemals ein römifcher ©olbat, menn er mir flieh bie 
©ttgel h^rabfteigen gefehen, 1)ättt er für ein Srinfgelb einen 
©ott beleibigt, ber ihm in feiner ©jlorie erfdfjienen märe, 
biefen ©ott fein ganjeS übriges Seben hwburdf) geläugnet? 
So ift e£ mit aüen SBunbern! hätten ®aip1)a$ unb bie 
Ruberen im ©rufte mit ©ott fämpfen motten? — SKan mirb 
freilich f)i crau f auc *) e * ne gelehrte Slntmort finben — unb fie 
nicht ummerfen fönnen, allein ber 3 ^ e tf et bleibt, ©r 



48 



mehret fid) jcme^r man in bie jtoeite Hälfte be3 neuen 
£eftament3 fjineinfommt, too bte rüfjrenbe Spraye ber 
©bangetten ber SÖtenfdjen ben Jüngern toeidjt. 

hoffen fotC ber äftenfcf), anfragen ntct)t. (Siebge.) 

$)ie Diplomatie ber Seute meines ©djlageS, mein 
teurer Surft, ift ein tt>at)re3 delirium tremens — eine 
permanente 9lengftfid)feit. 3$ fanb bie äfteinung einer ge* 
ttriffen ©ängertn fo fomifcJ), bafc idj fd^toerttd^ mir ber- 
fagt £)ätte, fie laut toerben ju laffen — toenn fidO eine ©e- 
legenfjeit geboten — unb tote bor mir felbft erfd^redfenb 
t)erfannte idfj eine 33erfdf)ttriegenljeit, auf bie idj rennen fonnte 

Sie fagen bortrefflidj, Submiffa ^abe au3 SReligiofität 
ge^anbelt 2lbfd(jeulid& finbe idf) bie Singriffe gegen fie. SKöge 
fie nur fünftig mit ifirem 9liebeIungent}orte toeiter f galten. 

S)ie ^Sotitif ift nur eine ©efpenftergalerie tängft f>e= 
gangener geiler — fie fommen alle ttrieber. Sd£) füllte midfj 
fd^recflicf) um ein f>afbe3 3af)rf)unbert berjüngt. (Seit ^efjn 
Sauren ift für midj ber ®rnft ber 2BettgefdE)idf)te untere 
gegangen, man empfinbet immer erniebrigenbere formen für 
ben betrug. 3e$t ift e§ bie 93rocI)ürenmetf)obe. — 
©oettje fagte einmal: 

„©oll man bie 3Jlenf d>en belügen? 
3dj fagc nein, 

2)ocf) roillft 3)u fie Betrügen, 
@o mad)' e§ nur nidjt fein!" 

@o benft -Kummer III. — 

grauen fagen, „bei SRcmnern fei bie stumpfte Sofetterie 
immer bie tüirffamfte". — 2Ba§ ift bie 2Beltgcfd(jidf)te eigene 
lidf) immer getoefen? 9tur le roulis des choses, et erreurs 
humaines. 

•äKein Jrauerfpiel gellet $u @nbe. #ier einige ©inn= 
gebiete : 

Slmneftie. 
§a, 2lmneftie, rote göttlicf) baö! 
3Ber nrirb begnabigt? §8arraba§. 



49 
Setta. 

ßein cinjig Ijübfd) ©efidjt, ma)t Sitten, nic^t föofen! 
,,©'tft um nidjt ju jerftreun bic §erren ©tubiofen". 

®runb. 

Söarum bcm 2lffcn ©ott bic ©praaje nid^t »erliefjn, 
SBarum? er wollte nicf)t jum Sügner machen tlm. 

»et ©ofe. 

3$, bie td) fonft mit XrennungSfeenen eile, 
Sftaljm breimal 3Xbfc^icb tyier aus Sangerroeile. 
(Sie 3bee gehört meiner grau.) 

S)ie ©d^lü eftern grüben mit tüärmfter ^eitna^me. 
— ©enefung unb SBieberfeljen. 
3für immer treu 

SKaltifc. 

S*oc§ ettoaS ©ebrudfteS über SBetmar. 



31. 

Sßücfler an 2Ipo üoniuS toon äRaltijj. 

granffurt, ben 27. Sanuar 1861. 
9Retn bereiter greunb unb ©önner, 

Sie fammeln feurige ^oljlcn auf mein $aupt! S)ie3 
rufe idfj bei ©mpfang 3f)rer Sragöbie, bie id) erft geftern 
Ijier — too idfj au3 ber ©djtoeij fommenb, naä) 93erlin 
fteuerte, aber franf toerbenb, feit bem 1. Januar meine ©tube 
nidfjt metyr öertaffen fonnte — ermatten Ijabe. 

Stuf biefer, im @tt)I be§ eitrigen $uben immer öon Ort 
Drt tuanbernb ^ugebradöten SRcifc I)abe id^ alle, audfj bie 
Itebften Sorrefponbenjen, aufgegeben, unb mid) bloS ber 5ßä= 
bagogif gettribmet — benn Sie ttriffen, bafc idfj auf meine 
alten Sage bie lefcte £anb an bie ®r§ie^ung einer adjjtjefjn* 
jätjrigen -Jtidfjte %u legen f>abe, toaä mit ben unfcermetbtidfjen 

*P ü <f l e r , Sriefroecbfel unb £aaet>ü$er. VIII. 4 



50 



Berftreuungen bcr Steife meine $tit feljr in 8lnfprud£j nimmt, 
aber ganj beloljnenb ift. 3Reine ttrilbe Stifte reitet and), 
unb fo mujs idfj fie toor ©d£)Iagbäumen bewahren, toaS and) 
©orge verlangt, fur#, mein Didjter, folgen @ie mir in 
banfen, unb Sie »erben mir mein langes ©tittfdfjroeigen 
§utbreid£)ft üerjei^en. 

Sn biefem Stugenblicf bin idfj jebodj allein, unb ljabe 
mein $ffegefinb in einer $enfion in Saufanne gelaffen, um 
bort ©nglifdfj $u lernen, unb fid£j im granjöfifdfjen ju toertootU 
fommnen. Stur einige Sage gebenfe idfj in Serlin ju toer* 
bleiben, unb ben neuen äJlajeftäten meine (£our ju machen, 
bann fdf)nett nadf) Saufanne jurüdjufe^ren, unb im grütjjat)r 
nadf) ben Brenden ju reifen, and) biet(eicf}t nadf) Spanien, 
bog icfj nodj nicfjt fenne, unb too tt>ir, toie man bem armen 
3?abotoi£ nadfjfagte, „ben S)on üuijote in ber Urfpracfje 
ftubiren fönnen". 

©terbe idfj bort, fo laffe icfj miefj am gufi ber Slfljambra 
begraben, unb fd^irfe !gfjrer liebenStuürbigen grau (Semafjlin, 
ber idfj midj ju güfcen lege, aus 2)anf batfeit für bie mir 
einft überfanbte f oftbare Reliquie*) öon ber ^eiligen ©panifdfj* 
SBaierifdfjen 9Bärtt)rerin, irgenb etwas toon ber Königin öon 
Spanien, als SanbSmänntn ber erften. 

SKorgen beginne \d) Sljre 2lnna %n genießen; tmrb fie 
aber nicfjt and) in SBeimar aufgeführt werben? ober fott fie 
nur gebrueft bleiben. SBarum? Sein fdfjönerer Sriumpl) als 
ber auf ber 33üf)ne, glaube idfj. 

Saufenb Siebes unb ®uteS toon Syrern 

treuergebenen Sßüdfter. 

2lnmerfung von ^ücfler: 

*) @in ge^en mit Äotlj befprüfct Dom ©eroembe ber berüchtigten 
Sota Pontes bei bem Slufftanbe, ber tfyretroegen in 3Künd)en ftatt? 
fanb, abgertffen unb mir atö fielen Sertfyetbtger ber armen ©eele 
jugefdjtcft. 



51 



32. 

StpoHontitS öon SDiattifc an $ücfler. 

SBetmar, ben 9. SßoDemfcer 1861. 

3^ erlaube mir, mein gürft, @uer 5)urdfjlaudf)t bie 
©dfjrift eineg mir befreunbeten SSeteranen SßeimarS jujufenben. 
@ie enthält tfieteS über eine SSergangenljett, bie Sonett 
treuer ift. 

SSor einigen Sauren Wollte fie ber SSerfaffer a hoary 
headed swain tjier in Sßeimar an ©ie gelangen laffen j 
leidet mag fein SBerf in einem ungünftigen 8lugen6ticfe ober 
gar nidE>t fein Birf erreicht fjaben. 3Rand)e3 ttrirb 3Ijre 
22)eitnal)me erregen. ©d)itm, ©eite 346, §atte bem 6e* 
rühmten Jammer Sßurgftatt auSnefimenb gefallen. Bufäßig 
f daläge idf) ba3 fleine reijenbe (Sebidfjt auf „ber 33ufdE>", 
Seite 168; boefj @ie ttriffen 31t finben. 

D^eim unb ÜHidjte ljaben uns SBeimaranern feljr 
toofyfgetfjan. Dljehn unb -Jiid&te galt mir immer aU bie 
anmutljigfte 3$ertt>anbtfd)aft, afe eine ber jarteften ©rajien 
ber 9?atur; bei 3$nen, mein Surft, fottte feine ©f}ari§ aus* 
bleiben. Seiben meine §ulbigung. Steine grau grüjgt 33eibe, 
befannt unb unbefannt. 

3n treuer banfbarer ©rgeben^eit 

» " äMtifc. 

/ ~T~ 

/ Der franfe äßann. 

/25er franle SJlann! $)a3 6rädjt' eudj in geuer, 
j3$r Sürlendjrtften, tfyr frommet ©efdjlec^t; 
/ 2lud£> mir ift biefer 9tome ntdjt redjt: 
I S)a3 fterbenbe Ungeheuer. 



i 

i 

f 

/ 



52 



34. 

Der untoerbef ferlicfje ^agcftol^. 

Süngft fagt er mir mit bleiben Sippen: 
greunb, lafj.mtd) md)t entfälummern, bleib! 
<3onft nimmt ©ort eine meiner Slippen, 
Unb madfjt mir brauä ein SBetb. 



35. 

Sin Säcitie ©räfin Succ^efint. 
\j0lit meiner ^^otograp^te. 

3Ba3 liejje^ti^l ber ©d&önfjeit fidfj öerfagen? 
©te nennet beä. ©eraäfyrenS ©ci)üdjternf)eit 
©ar oft bie SBeigerung ber ©itclf ett ; 
©o tritt id) überroinbtn benn mein 3agen. 

Sie Sa^re mufet' id) oft cor ^ir auflagen, 
©te p Ultxmtn, mar idjj ftefe^bereit, 
©ief)', wie mif^anbelt uns bie at$t faxt, 
SSiel beffer nmr'ä nid£>t in ber ^ugenb Sagen. 

<5Jern fjätt' t$ midfj al§ ©Ratten ®tr gefenbet 
$)em Seine §u(b ein Slngebenfen fpenbet, 
$a3 SUter roagt at§ Sid^ t b ttb aufzutreten? 
$)odfj ba§, roaä 2)u üerlangft, fenb' id) S)i» ju; 
Unb gelten fott e§ uns, als ptteft 2)u j 
Um eine roetfje Socfe mtdfj gebeten. j 

— ■ 1 

36. \ 

©inngebicf) te. \ 

©ngtanbS $olitif. • 

§err ®ott, eä fommt ber jüngfte Xag gerbet! ' 
3§r ßinber, fpringt ju §ülfe — - ber Surfet. 

9Jtoltt$. 



53 



37. 

2lpoItoniu3 oon SRaltife an $ücfler. 

SBetmar, bcn 15. Oftober 1862. 

Sic erhalten f)ier, mein Surft, bic tageSfdfjeuen 
©trogen, bie auf ber ©ifenbat)n jmif^en 3$nen unb Slrioft 
entftanben, unb mir furdfjtbar, tüte natürliche Äinber finb. 
SBtödjten Sie nie t)on mir, toie ©djtegel öon Solebue'S 
®inb bcr Siebe fagte: „mit geuer unb ©dEjtoert SSätertic^fett 
verlangen". 3$ fäme ju fetjr in'3 ©ebränge ; mit gefallenen 
©ngeln t)at bie SBelt einer Keinen ©tabt fein ©r6armen, 
mal, toenn fie nid£)t jung ftnb. . 

Sielen Sauf für fo Diele gütige, mir ungemo^nte @r* 
munterungen ! 

SReine grau bebauert unenblid) für „Dljeim unb 
9lidfjte" faft unfid£)tbar geblieben gu fein. Severe fjabe idfj 
itft gefd£)ilbett, unb iljr Seiben roefentlidE) berboppelt. Seiben 
rufe idEj £>eit! 

gür immer ber 3$rige 

äMtifc. 

38. 

Dljeim unb SRidjte. 

■ftatur f)at ©rajien unb Sbeale; 
2öa§ ©Iterntyerj unb ßinbeSbruft Bewegt 
Unb toaä ®efd)roifier eint im (Srbenttyale, 
§at fie atö ©ränge fid) ntdfjt auferlegt. 
(§& feimt au§ tfjr im anmut^igften ©traute 
9tod) mandfj ©efütyl, ba§ metyr bie garbe trägt 
S)er freien Söa^l, unb bodfj au§ ifjrer ©dfjale 
£)en Sauber fdfjöpft, ben ^eiUg Sieben fyegt. 
Dfjeim unb -ftidfjte — tarnen, bie tdfj meine, 
2Bte SSater unb nrie £ ödster rü^rt if)r mid&, 
©djön fpiegeln im @efüf)l ®efüf)te fid&. 
©ie werben jarter nur im 2Bieberfd(jetne. — 
3Ber in be§ Sebenä Stetdfjtljum burfte wählen, 
$)em tonnte, gürft, nidfjt biefe @f)ari3 fehlen! — 

_____ 9Jtalti|. 



54 



39. 

Sßücfler an 9lpoItoniu3 öon SDlaltifc. 

©d&lofc Sranifc, ben 15. 9hn)em&er 1862. 
SKcin öerefjrter greunb unb ©önner, 

SBcnn ©ie mcf>t fdfjon lange einen Srief mit Ijeifjem 
®anf für alle Öftre ©üte üon mir erhalten Mafien, fo toar 
ber erftc ©runb babon ein fc^r anmutiger, nämlicfj juerft 
bie mir gefdfjenften intereffanten ©Triften meinet eben fo 
geiftreidfjen als :pt)antafiet)otten 5)idf)ter§ lefen, efje icl) 
fdfjriebe — ber jtoeite ©runb aber ein fef>r fataler, unb mit 
gerben ©c^mer^en midj nidjt toenig plagenber Unfjolb, bie 
fogenannte fliegenbe ©idfjt, toeldfje mit einer 3?ofe unb ©e= 
fdfjttmlft im ©efidEjt anfing, bann in ein 9ietoma in ben Seinen 
überging, unb jule^t in eine 9trt $obogra auslief, an bem 
icl) nodE) immer im S3ett liege, unb nidjt ge^en fann, bodfj 
feit toorgeftern (too idE) Öftre fdfjalffyaften SSerfe auf meine 
9?id£jte unb miä) empfing) ©ott Sob nur mit geringen 
©d&merjen. S)iefe reläche §abe icfj nun gletdfj benu^t, 
meiner fo lange unterbrochenen Äorrcfaonbenj lieber geredjt 
ju toerben, unb mit Oftnen, SSere^rtefter, tt)ie bittig anju* 
fangen. 

$df) bin übrigens bei allen Seiben feljr gebutbig, toctl 
idE> fie als tuoljfoerbiente ©träfe meiner ©ünben anfelje, toaS 
immer eine Slrt Sroft ift. 3Jlan toeifc bodfj ttrie unb toarum, 
unb ftnbet bie ©ad£)e toenigfteS ganj biflig. @o erfennt man 
burdfj bie SBetSljeit ber -Katur aud£) in ben fdE>fimmften fingen 
immer nodE) ettoaS ©ute§, felbft in ber ©ünbe, als SSujse. 

•Kun aber genug toon mir, unb %u 3^nen, ber, toenn er 
je gefünbigt t)at, baS SSorredfjt ber 2tu3ertoät)Iten beftjjt, btefe 
©ünben, tüte auä) Summer, burdE> 2)idE>tung3ftröme öon ftd^ 
abjulöfen. 

$n „33or bem Serftummen" tjabe idE> reid&Iid&e Sefe in 
@rnft unb ©dEjerj gehalten. §er#tidEj gelabt tjabe tdj über 



55 



ben £elegra#)en, üortreffltd^ mar bie äRetamorpfjofe ge* 
funben, fomie fc^r fcpn „beim ©in^ug in ©oettje'S 
£au3. . ." 2)odfj id) müßte mehrere Sogen üollf dfjreiben, 
menn idfj altes ermähnen fottte, ma3 mir in S^ren foftbaren 
2Wittt)eitungen gefallen, $rädf)tig lafonifdfj aucf> ift: „@f)e = 
malS", „Si^t unb ©taube", „Sefet", „2)amtf unb 
Schrauben". $>od(j bin idE) gerabe mit biefem nidjt gan^ ein* 
öerftanben. ®anj märe id£j eS, menn e3 feigen fönute : ©fjr' 
unb ©taube ^- benn Sidjt f)aben mir offenbar me^r at£ ba= 
mafe. @§ mirb nur Don ber 3Renge fatfdfj angemanbt, meit 
e§ biefe , ftatt 31t erleuchten , nur blenbet. 5)od£) einige 
Schritte mefjr $ur 2Bat)rt)eit ^aben mir gemiß getrau, aber 
freiließ — nicf>t affe^ 2idf)t ermärmt, nicfjt jebe 2Bal)rt)eit ift 
toofjtttjätig, unb icij glaube in ber %$at r baß fanatifdjer 3rr* 
ttjum meit mefjr ermärmt, als bie ruhige ©rfenntniß. 3Jlan 
muß babei immer an gontenette'S StuSfprucfj benfen. 

S)en ^rin^en, ber ein ©djtoß anfteeft, um fiefj eine 
@d£)äferftunbe ju toerf d£)affen , liebe icfj audf) fetjr, unb baS 
(Snbe ber ©efd£jid£)te ift ganj mie eS fein fott — poetifeije 
©träfe unb praftifcfje 9lotf>menbigfeit. 

UebrigenS finb Sljre ©Triften ju gebanfenreidfj, um fie 
jo fdjnett abttjun ju fönnen, als ba3 frtoole ©efd^mäfe, baS 
unfereinS probuairt, icf) meine Seute meiner geringeren 2lrt. . 
Sttfo bleibt mir nodfj öiet ^u tefen übrig, morüber ein anbereS 
mat nodj einige SBorte, menn fie mir vergönnt finb. 

£>offentticf) ift 3fjre grau ©emafjlin tängft mieber fjer* 
gefteltt öon bem Unmofjtfein, ba3 mir bie greube raubte, fie 
nodj einmal bor meiner Stbreife ju fetjen. Mettez-moi k 
ses pieds, et les respects de ma niöce. S)ie Severe 
t)at fid£) ber uns betreffenben SSerfe bemäcfjtigt, unb fütjtt fidf) 
fdjr gefd)mei$ett, banfbar beS tiebenSmürbigen 2>idfjterS ge= 
benfenb. 

2tm 6nbe öftres SriefeS fdf)reiben Sie tmn ber ©d&rift 
eines Veteranen SBeimar'S, bie ©ie mir fdf)icfen. gdfj fjabe 



56 



aber- bcr Strt nichts erhalten, ober toäljrenb meiner, nutt 
fd£)ott toier SBocfjen anbauernben ®ranfljeit ift e§ öerlegt 
toorben, unb id£j fann e3 bt§ jefct nicht finben. ^ft e£ 2)rucf 
ober 3Kanuffrtyt, unb öon toem? 

SDleine Stifte ift fehr aufrichtig eiferfüdjtig auf ©räfin 
Succhefini, baß @ie biefer $$xt Photographie fcfjenfen, unb 
ihr nicht. Senfen Sie fid£) nun erft, toie ich mich über biefen 
Sftangel 3^rer ©unft beflage! 

^öffentlich fomnten nächftenS jtoei biefer tiebenStoürbigen 
@rinnerung§bitber fytx an für un£, unb toenn Sie @r* 
roieberung toünfchen, laffe ich mid£j ticpiffc für ©ie abfonter* 
feien, meine Stifte aber (bie t»on S^nen befupgene) f)at SSor^ 
ratl). SBenn @ie meine Stielte näher fennen gelernt fyätkn, 
toürbe fie ein gan^ unterhattenbeS ©tubium für @ie ab* 
geben. @ie ift noch fehr natürlich, unb be3t)ofb originell, 
fo fetten heute. 

2ll£ ttrir ^um 33efuch bei 3h nen fuhren, ^offtrten toiv 
ba£ Sötonument. „3ßa3 bebeutet benn ba3 ?" frug fie. 9Kein 
©ott, ertoieberte id£j mit Salbung: „@cf)it(er unb ©oett)e". 
„2lh . . ich glaubte 3Rüller unb ©djulje !" Siefer gotteS* 
läfterticfje SBifc ^atte für midh ettoa3 fefjr ®omifche3, unb 
ich badete mir, toie fich ber arme SRietfdfjel im ©rabe babei 
umbre^en toürbe, unb feinen ßobhubtern ber 3Runb offen 
fteljen bleiben, aber ich mußte laut lachen, benn ber ©tich 
faß toirftich. @3 ift ein lächerliche^ äRonument. 9lber um be£ 
^immetö toiHen, berratljen @ie mich nicht in ber 9tefibenj. 
3cf> barf mich fonft nie toieber bort fehen laffen, aber SRaudfj 
hätte e3 beffer gemacht. @o tuet ift gemiß. 9?un ein freunb* 
lid£je3 Sebetooht unb £änbebrucf öon %l)xtm treuergebenen 
Srennb 

$. ^ücfler. 

P. S. S)en 16. S)a ich toieber ettoaS umherf gleichen 
fann, fudfjte ich nach ber Srodfjüre, unb fanb einen biefen 



57 



93anb (brei jufammengebunbene Steile) mit bem Site! „3>er 
Sefcte au3 9ttt*3Betmar". 3ft bieS ba3 bon Sljnen mir 
gütigft Ueberfanbte ? 3$ öermutt)e e§, tüttt e$ ober bod^ nidf)t 
auff<f)neiben taffen, bis id) e3 gemiß toeiß. ©3 lag unter 
mehreren mir öom 93ud(jf|änbler pgefdEjicften ©adEjen. 



40. 

9lpoHoniu3 toon äRattifc an ^ücfler. 

2Beimar, ben 26. s Jiot>ember 1862. 

3^re QtiUn, mein teurer gürft «nb ©ömter, finb mir 
toieberum ftärfenbe SebenStropfen getoefen. 9Kit jtoei 
Sefern, ttrie @ie, toottte idE) bie SBett ero6ern ! Sdfj fann nidEjt 
fagen, toie mid(j bie 2lufmerffamfeit, mit toetdfjer Sie meine 
Siebenfachen beehren, rü^rt unb ermuntert. @onft bin irfj 
oft DerfudEjt ju toäfyten, bie einfache §öflicf)feit fei, tote 
Slfträa, gen Gimmel geflogen. — S)ie böfe ©icijt, bie oft 
in unferen armen ©Hebern bert ©cfjmetterling äfft, möge bon 
Sfjnen, lieber gürft, jur $ötte fafjren, tooljer fie fömmt. 

@id(jt fommt fef)r f)äufig nidjt bon ©ünben. SRan muß 
oft mit Salberon fragen: 

„SBeftrafeft ®u am üötenfdfjen nur fo f>art 
$te fd)n>ere 8d&ulb, baf$ er geboren warb"? 

SSorgeftern roarb bie ©rabfapeHe ber Saif er liefen Xante 
unfereS ©ebieterS eingeteert, ba3 Reißet be§ 9B einen. ©3 
toar eine rüfjrenbe, erfdjütternbe geier; bie neue gried)ifdE)e 
Capelle berührt bie gürftengruft fo, baß, of)ne Sasttufdjen* 
fünft einer 9Jlauer, ber ©arg ber ®aifertidfjen $ofjeit neben 
bem S^e^ ©emaftfeS fielet, welker in feiner eigenen ©rab* 
fapette geblieben ift. S)ie neue ©rabftätte fie^t man Don 
fern. $n einem meiner Seridfjte fagte idj: „C est ainsi que 
sa tombe est devenue un saint ornement de cette ville 
qu'elle a si long-temps combläe de ses bienfaits". 



58 



2Ber tüeifj, ob nicfjt einft franjöfifdfje Ingeln auf biefeS 
£eüigtl)um fliegen ! ! Slber \va$ ift etoig? ©elbft in unferem 
furjen ßeben fommt eine 3eit, too bie 3Rogie ber ©r* 
innerungen fid^ toie 9tofenöI, aber bennoefj ju bertyaudjen be* 
ginnt, greitief) ift e§ audj fcfjroer, ju fagen, toie oftfidf) ber 
■äftenfdj oerjüngt; bei mir bebarf e3 nur eines 93udfje§. ©o 
labe irfj mief) jefet an einem alten polnifdjen ©(ementarbuc^e, 
ttmrum? roeit in Äartebab fo biete getfen polnifdje ,3n= 
fdfyriften tragen, bie idj in meiner erften Sugenb nidf)t toer= 
ftanb, unb auefy je|t unöoßfommen. 

®ie ©d&rift eines Veteranen: „2)e3 Seiten tarn 2tlt= 
SBeimar", ift ein gebrudfteS £>ud(j. 3Röge eS fidfj roieber* 
finben! ©in SEBort toon Sorten tüirb l)ter begfiiefen. 

Sie S)ioSfurenfäuIe 9JlüIIer unb ©dfjulje gab mir, 
ba3 ^eigt, ba3 3 ufj gefielt, be3 ®tftidjon ein. 

3ur beutfdjen Snfd^rift fpradjj ber -Jftarmor ftolj: 
Söenn $)u mid) nur berüljrft, roerb' t$ ju §o!j. — 

gnbem id) ^fjren 93rief roieber lefe, felje xä) mit §reu= 
ben, ba§ ber bewußte „9nt=Sßeimaraner" fidfj gefun- 
ben Ijat. — 

9Kit auSbrücfticfj bebingter ©egenfeitigfeit §ier 
jtoei $fjotogra£f)teen für Dfjeim unb SKidfjte. 3d& fiegle, 
toegen ber 2i<f)tbilber, mit einer Dblate. 

©ie fennen meinen ganatiSmuS für ©dritter. %<fy trage 
it)n toie ein Xaf<f)enter$erot mit mir. SKeuItdE) fiel mir fein 
©ebidfjt: „Pompeji unb §erculanum" in bie #mtbe, 
toeldfjeS man faft nie citirt. SBeldf) ein äReifterftücf !! SBie 
groß, tr)ie jart, tok ernft, tüte liebebott, ttne toeJjmütfjtg, 
manchmal großartig fdjatftiaft! 

„Sang entbehrte ber ©Ott! 
Qünbet bie Opfer iE)m an!" 

SSarn^agen, einft ein großer Sreöler an iljm, t^ut i^nt 
(Seite 155 erften 33anbe3 ber £agebüd(jer eine mir unfd)ä£ = 
bare Slbbitte. — Unenbfidf) geiftreiefj fagt er in bemfelben 



59 



erften Steife: „Ein Urteil ift eine Sanbung, unb idj) treibe 
auf offenem 3Keere". — 9Jiein £erj ttrirb nie aufhören, an 
itjm fangen. 2Bir finb Sterin toottf einig. 

Unb nun entlaffen ©ie mir ben -Jioöember ja balb, mit 
feinem ttribrigen Gimmel, ©3 finb befdfjnittene Sage, ttrie 
e£ befdjnittene 2>ufaten giebt. 2)a3 ©dfjicffal rennet fie uns 
als toottgettrid&tige an. 3ft ba3 reblidj? — 

•Keine grau ttueberijolt ftrenge © egenfei tigfeit 
toon Seiten D^eimS unb Stifte, ber icfj mid) ju Süßen lege, 
at$ fo ein armer SDlann, „toie £amlet ift", ba£ Ijeifjt als 
ein unenblicfj ärmerer, junta! an ©efang. 

3fn treuer, banfbarer Ergebenheit 

SRaÜife. 

®ie ©rabfapette §at nur 14,000 Später gefoftet, toor= 
über 9ttle^ ftaunet. ©onft baut man t)ier feljr treuer. 
SSom SRufeum nid£)t3 Ijörbar! 



41. 

SlpotloniuS bon Sölattifc an Sßücfter. 

SBeimar, ben 5. Sanuar 1864. 

S^re gütigen Beilen toom 27. -ftobember, mein teurer 
SJürft, finb uns ein freubiger ©rufe be§ neugeborenen SaljreS 
gettefen, 'unb brauten uns für @ie bie Hoffnung einer bat 
bigen völligen ©enefung, bie bodfj fdjon begonnen fdjeint. 
3fd) muß befennen, baß mir bie Erinnerung be3 -Jteujafjr^ 
tageS immer toeniger feierlich öorfömmt, ba§ geierücfje 
ift überhaupt tooty ganj SRenfdjentoerf, nrir laffen ni<f)t 
öoit ©int^eilungen ab, unbaffe£, atte3 ift bodj tooljt 
nur ein Sßapier of)ne ©nbe, ttrie e3 ^eute fabrijirt ttrirb. 
(Sin SBitte nur ift flar: baß e3 fo fortgebe audj oljne uns. 
3Me SÖlenfc^en, bie mit ftdj felbft im klaren finb, §abe idj 
nie begreifen fönnen. — 



60 



3d£j fpredje mel lieber bon meiner ßeftüre, at$ toon 
mir fetbft. S)en gewaltigen „SacitnS" Ijabe idfj wieberum 
ganj burcfjtefen. @r ift groß wie ein Imperator, ber 9?utjm, 
ber @to lj unb ber ©ieg Werben immer 3tömer bleiben, 
unb bie 3ßunberlaufbaf)n be3 erften 9?apoIeon3 mar bodE) nur 
ein Sraum be3 &äfar3. £>abe tdj Sljnen, mein gürft, 
meinen ©pajrtacuS gefdjicft, Wo idf), fo ju fagen, bie Phy- 
siologie de la gloire Wie fie bie 9lömer allein befajgen, fo 
auSgebrücf t : 

60 lang bie 9Kenfd)E)ett atf)tnet, 
Sßirb %\x bem Äapitole jtefyn ber $u§m, 
Unb eroig roetße Stoffe nrirb ber ©ieg 
2ln golbne Xriump^atorroagen fpannen. 

3d£j erlaube mir Sljnen fjier eine bramatifdje Äteinigfett 
ju fenben, Worin idj ein ridicule litteraire des Allemands 
geigele. 

SReine grau fagt 3>f)nen affe§ greunbfdjaftticlje. 3m 
vergangenen #erbfte befugten mir in SKeiningen Gräfin 
*ßücfter, meine Schwägerin. SKeiningen gefiel mir feljr. 
Söenig aber gut. 3m $arfe finb ^Wei 3nfdf)riften Don 
Sean Sßaul ljerrüf)renb , Wenn icf) nidjt irre. @<f)on eine 
ntdjt mef)r lesbar! — 3ean $aut fetbft?!! Immortalia ne 
speres fagt ^oraj. 3ean $aul, ein fo großer SSere^rer 
be§ ©erbautet, mar bodfj fein größter ©egenfü&ter. SÖiir 
immer. unerKäriid^ gemefenü SWeben SacituS lag ic§ ben 
„5)on Ouijote" mieber. ®iefer majeftätifdje |mmor, fo Wenig 
bem SSottaire'fdfjen äfinlicfj, biefeS nie unfertige unb boä) oft 
mutwillige Säbeln, biefeä ©ntfatten bon alten Heus com- 
muns be3 2Bi|e3, btefe ${)antafie, inbem bie Sßfjantafie per= 
fiftirt wirb!! — 3dj wollte, ©oetfje, ber allein Sir t oft 
Würbig lobte, Ijätte auü) SerbanteS gepriefen. — 

SBeimar ift eine griebenSftätte geblieben, ber ©rofcljerjog 
unb bie ©roj^erjogin gewinnen immer me^r §erjen. S)tc 
Sölaler bringen biet SdjöneS ju Sage. — ©upow, heißt e§, 



61 



öerläßt uns. — SäKan tjat $u bie! SBertl) barauf gelegt, baß 
ber SSorort ber ©df)itterftiftung in SBeimar bleibe. Der 
©rof^erjog f)at fid) fetjr toürbig benommen, inbem er er* 
Hört : fein Sntereffe für bie Stiftung toerbe ftdfj gteicfj bleiben, 
toetdfjen Drt man audfj i^rem f>auptfi|e erfläre! — 

©mpfangen Sie, mein Sürft, bie SBünfcfje unb ©e* 
finnungen, bie id(j Sljnen aus bem toärmften £>er$en barbringe. 



42. 

SlpoItoniuS oon SJlaltifc an $ücfler. 

2Büf)eIm§t§al, ben 30. ©eptember 1864. 
SDlein teurer gürft, 

$d£) füt)Ie baS Sebürfniß', S^nen naef) länger $tit nnb 
einem langen ©cijtoeigen, lieber einmal ju^urufen, unb jtoar 
öon ben Ufern eines ©ee'S, inbem Sie fief) audj gesiegelt 
Ijaben, unter Säumen, unter roeldfjen audj Sie ruhten, unb 
in ber 9?äl)e eines eblen gürftenpaareS , bem Sie ergeben 
finb, unb meines (Sie immer ju feinen tiebften ©äften jä^Ite. 
— 33or einigen ©tunben ftanb id) unter ben genftern be£ 
falben SöionbeS in ©ifenadf), too icf> SSarn^agen am SKorgen 
beS SageS, too tt)ir auf immer f Reiben fottten, fal). S3alb 
fedfjS Sfafjre, feit er nidfjt mefjr, bie $eit roßt über bie ©räber 
baljin, als tDären fte nid£)t £ügell 3n Sßeimar bin icfj nun 
faft ber ältefte Stamm; ber gute ©eneral Seulttrifc ! t)at bie 
©üte, neun 3a^re älter $u fein/ aU id); idj) fiatte oft mit 
tljm ©efprädje ber Dämmerung. Xiebge, ber feit lange 
für feinen Siebter gelten barf, fingt fo ttmnberfdfjön in 
feinem rüfjrenben ©ebidfjte S^aranb: 

SGßaö längft bie 3eit üerfd&hmgen, 
©e§t tnorgenröt^Ud) auf, 
Unb au§ ©rinnerungen 
$etmt neueö Seben auf, 



62 



93Iüf)t auf ju ^arabiefen, 
2Bo milbre Süfte mfyn, 
Unb ü6er Seildjemmefen 
beliebte 2ttenfdjen geljn. — 

@d£)tüerlidj giebt e3 für uns eine anberc 9SerfIärung, 
atö bie ber Erinnerungen: 

„$)a§ SKonbUdjt ber Erinnerungen, 
$)a3 füll üon feiner Sonne fyridjt" 

tüte auc!) Siebge am ©rabe feiner greunbin @tife fang. 
2)er äftenfdfj tüitt immer ein ^J5arabie§ berloren l)aben. ©3 
giebt nur eine füge ptatonifdfje Siebe, bie für ba3, tüa§ 
nidE>t me^r ift. ' Sine ©egentoart fann ^öd^ften^ Slnfprudj 
auf ein Srinflieb madfjen. — 3d(j laure Ijier auf ein 
ebleS SBilb — auf einen ©rofcfürften, jtüciten ©ofnt be§ 
ÄaiferS. Seine SDtajeftät unb ber Xfjronf olger erf feinen mir 
tüte 2itu3 unb fein ©oljn. — 9ln ber ©eite Sifcf 3, alfo 
auf glügeln be3 ©enieS, eilte idE) geftern Ijiefjer. Sifst^ 
■äJläfjne ift ettoaS tüeifcer getüorben. ©r ift fefyr anfprud(j3lo8 
liebenötüürbig. 9Som Steftar be3 3tuljme§ Ijaben SBenige 
gefoftet, tüte er, er burfte tüot)I trunfen tüerben, unb ift e8 
tüeniger getüorben, aU äRißionen an feiner ©teile. 

SBeimar öerfc^önt ftdE>. Unfer SDlufeum ift fdEjon jiemlidO 
Ijodf) au§ ber @rbe. 9lud^ mit neuen Käufern bereichert fidfj 
bie ©tabt. 2>ie S3 er faer* ©trage münbet je|t ju SSermei* 
bung einer ju jä^en ©teile, in bie 33etüeböre=9lttee, toa3 mir 
ben caractfcre Imperial et Royal btefer prächtigen 9Wee 
ju beeinträchtigen fdfjetnt. SEBie oft begegnete ich bort bem 
unüergegtichen Surften ! ! S)ie Slu^el 3^rer gried£jifd)en ©rab* 
fapette tüinfet tüeit bem Sta^enben $u. Der ©rojs^erjog ge* 
tüinnt, meiner Söleinung nad£j, alle Sage mehr, ©eine Se= 
Itebtheit ift fehr im Bunehmen. S)ie ©roß^er^ogin jeigt fid) 
immer ljerrtid()er. S)er ©rbgrofjljerjog enttoicfelt fich günftig. 
geh fagte einmal üon biefem £ofe, tua§ £oraj üom |>aufe 
be§ SRäcenS „non est domus purior ista." — SSon allen 



63 



Seiten bringt in SBeimar 3fagenb unb -fteuljeit ein — mit 
9lecf>t — mit balb fiebjtg 3faljren liebt man aber nur bie 
erftere toon §er jen. — SBir ^aben eine 9?id§te, <&opf)k toon 
93otfjmer, an ben @nfet be3 tjortrefflid^en ^an^IerS SDtüHer Ver- 
heiratet, ben man einen Setter SBetmarS nennen fonnte. 
©ie tft fdhön, er ift ein btlbfiübfcher, ^erjenöguter $unge, 
and) ^ermöglich- 2lt§ ©ratübatf fränfelt unfere ältefte 
Stifte immer, ©in Seiben für meine Srau, eine Prüfung 
für mid). ®ufcfoh> unb ®ingelftebt fielen anber©pifce 
unferer Sitteratoren. ©3 giebt aucf) in ber Sitteratur große 
Herren, mit betten nicht gut Sirfdfjen fpeifen ift. 3df) 
hafte mich ba^er toon beiben ehrfurchtsvoll entfernt. Ser 
|)ifttmet mag e3 mir berjeihen, tuemt ich lieber frembe 
Spraken lefe, aU beutfdfj. 8d£j finbc, baß in fpäten fahren 
bte SKutterfprache fo ausgetreten erfdjeint, unb man fid(j 
in frfotben jünger toähnt, tüte meinem 3nftinft nach ein 
Sopf)a älter macht, als ein ©tuht, gerabe toeit es 
fo bequem ift. — -Jleulicfj entjücfte mich Satberon, obfdjon 
idj tfjn $iemli<f) mühfam fpanifdfj lag. „S)a3 Seben ein 
Xraum", toar mir im Original längft bertraut. SBie mot)!- 
tfjätig finb biefe füblicfjen großen Dichter, beren Sieben immer 
ritterlich, beren 2Bi£ nie gottlos ift! daneben ber 
majeftätifd&e SeidEjtfinn ber römifchen ©tegienbidfjter mie ber 
Sßvoptx%, ber felbft (Stoetze beljerrfcht hat! Sludj SacituS 
fjat mich ttrieberum gefaßt. 3fn feiner Germania" fiel mir 
auf, tirie fd&arf bie aften ®eutfdfjen, ben grauen gegenüber, 
Verehrung öon Vergötterung trennten, h>aS fpäter beim 
SJuItuS ber ^eiligen Jungfrau öon fo bieten ®atf)oIifen 
überfein mürbe, tooburch Anbetung entftanb, mogegen 
eigentlich fein §er§ etttrnS einmenben fottte. SEBte hat man 
anberentljettö überfein, baß bie alten ®eutfdfjen, fo balb fie 
einen Seinb erlegt Ratten, ben Sart] ablegten, ber ihnen 
feineStoegS als Symbol ber SKannheit, nur ber Uner* 
fa^ren^eit galt. — 3<h feit ^a^ren bietet mehr §in* 



64 



gefdfjrieben, als gebietet. 3c|t bringe ich einen S^eil meiner 
brafitiantfchen ©rlebniffe jn Rapier. SBiefletdjt bilbet fich 
barauS toon fetbft ettoaS Did&terifdfjeS. ©o langfam ich 
fdfjreibe, feffelt mich biefeä Unternehmen bo$. Sßemt man, 
toaä gefdfjehen, einfach auffcfjreibt, fommt plö|lid& uns in ben 
©imt, toa£ ^ätte gefdfjehenfönnen, nnb in ber SKitte ift ein 
©ebi d)t. — ^d) feße ein ©onnett bei, e§ entftanb fjier ttor 
einigen Sagen. Sen ©toff gab mir ein SSorttmrf, ben man 
©oet^e madjte, feine 2lbe%ib im „@oe& Don 33erttchmgen" 
burdfj einen Slbgefanbten be3 ^eimlicf)en ©erid&tl umfommen 
jn laffem — 

2ln 130 ungebrndfte ©onnette liegen in meinem poe= 
tifdjen ©chtoeißtudje. 3Rögen fie toermobern tüte SDlarqute 
*ßofa'3 Sßünfche! Stach einem Verleger ju angeln, bin ich 
alt nnb gu faul. 3dj fcermadEje fie einmal einer guten Seele, 
bie nicht Riffen toirb, toaS fie bamit anfangen fotK — 
SßithelmSthal ift fchön. ©3 fdjtoebt ettoa^ StöfterlicheS 
über bem §ofleben. ©in Keiner 2) ad) reit er ruft mit 
einer J)eßen ©lode tt)ie jum ©ebete; bie ©infamfeit ift immer 
bor ber £f)üre; in biefen glutf)en muß fich einmal ein Softer 
gesiegelt haben. ©oethe'3 ©arten in ber ©tabt h a * für 
mich ganj bie Sß^fionomie eines ©artend ber ®apujiner. 

^ßrin^effin Stnna ruhet nun in ber fürftlicfjen ©rab= 
fapeße SßeimarS. ©ie hatte, fur$ t)or ihrem ©nbe, einen 
Sraum, too ihrer äRutter bie ^er^ogin SSernharb erfdjien, unb 
fagte: „2)u mirft noch t» i e I leiben, aber batb fterben 
unb jumir fommen". ©oethe'3 ehemaliger 2tr$t, Staate 
rath SS o gel, ift aud& nid)t mehr, ©r hätte ein trefflichem 
SBerf über ©oethe liefern fönnen; ift aber nicht fd£)on genug 
über ©oethe gef ^rieben toorben? Äaum fommt man bajU' 
il^n felbft ^u tefen ! S)em SBerbienfte feine Srone, aber ©nabe 
auch btx ausgepreßten ©itrone! 

©eftern 2t6enb trug mir ber ©ro&h^iog, öl3 i$ ih m 
fagte, baß ich Sh^n, vxtin Sürft, fd&reibe, auf, ©ie tyxiliä) 



65 



ju grüßen, mit ber Sitte, iljn biefen £erbft ju befudjen. 
3n einigen Sagen öerläßt ber £of 2Bif£)eIm£tljal, bann tritt 
tjier eine ©iufamfeit ein, bie ber ©egeub fo feljr entfpridjjt. 
(Sine munberbare gierte am £auptyat)ilIon, bie 3^r Kenner- 
ilid erfannt Ijaben toirb, mag bann unter bem ©cfjnee 
großartig fdjjauerlidjj ausnehmen. 3)ie 9Mancf)oIie ber -ftatur 
$at einen großen ©inn, ben bie Irauei be3 9Renfcf)en, bie 
fidj tooljl, toenn er ganj ermübet ift, mit einem ©rabe be= 
gnügt, nidjt t)at; bie Sßelandfjolie ber Slatur ift bie ©treffe, 
bie be8 aRenfd^en ber Xljräneutoeibe, bie, toemt fie nidfjt 
an ©etoäffern ftet)t, für midO ba£ Symbol ber93erjtoeiflung 
ift; ber SWenfcf) mag bie Sftatur in manchem fügen Xraum 
ftören, feine (Siöilifation ift üjr getoiß öerljaßt. SEBic Ijat 
man mein *ßarabie8 ®arl£bab mit Saffeeljäufern unb 
Iffieg^eigenummern entfteöt! 2Bie öiele ßauber ftnb jerftört! 
"SBaS ift au3 bem SBege nadfj Garant geworben. — SQBie triel 
toerfdfjftnnbet, bie Beiten fragen tuie bie ©tetf^er; bie 3eit 
ift toie ein getbljerr, ber immer neue Gruppen fann anrüden 
laffen — 3Riffolongf)i — ©ebaftopol müf f en fallen ! SS am* 
fjagen meinte, unfere 33ücf)er toürben toiel f djnetter jerf allen, 
als bie Stollen ber Sitten. Unb marum toar bie SSergöng* 
lidjfeit ba£ SiebltngStfjema aller großen Siebter? SBie 
fdt)tt)elgte ©fyafefpeare barin! 

®er 3$rtge, teurer gürft, bis ber fernere ^an^er jum 
glügelfleibe toirb. 

9Reiu ©onett ift auf ber folgenben ©eite. 

SWaltife. 

S)ie SSe^me. 

• @in ftreng ©erid&t beftanb in beutfd&en ©auen, 
3u ftrafen ber ©eroaltigen ©rfred&en, 
Verborgen felbft, verborgne ,<Scf)utb ju rächen, 
©ef)üttt in SRedjt unb in be§ 2t&grunb3 ©rauen. 
Db immer biefer ©ül>ne mar ju trauen, 
Ob immer fie erreicht nur ba3 33erbrecf)en? 
darüber möge bie ©efd&id&te fprectyen; 

tp ü cf 1 1 x , Sricfn>e$fel unt> lagebüc&er. VIII. 5 



66 



2)odj bie£ ©crtd^t »erfolgte ntdjt bie grauen, 
©o jart empfanben einjig bie ©ermatten, 
2)ie grauen ehrten fte, roie if)re Sinnen 
2113 §eiligtfyum beö §eerbe§ unb ber gatynen — 
©ie fottten von bem Sööfen ab uns mahnen, 
Unb fallen fte: lagt if)ren ©ngel »einen, 
ftoä) tyre ®<j)ulb fott nur t)or ©ott erf feinen. 



43. 

Sßücfler an 2lpolloniu£ toon 9ßalti$. 

©cftfof; Sranifc, ben 15. Dftober 1864. 

ÜRein Ijodfj&ereljrter unb tiebenättmrbiger greunb, ©ie 
fammeln feurige ®o!jteu auf mein #au:pt, ba ©ie mir lieber 
einen reijenben 93rief fcf)ret ben, trofcbem idfj Sljnen fo lauge 
eine 2lnttoort fdjutbig geblieben, ein 93etoei£, ba§ ©ie midf) 
fennen, unb mir baljer vertrauen. 3df) meine bamit, bafc 
©ie genau toiffen, tüte idE), fdfjreibenb ober f dfjtoeigenb , bodj 
immer 3$r fjerjlid&er 33eref)rer bin. 2lud^ fear idfj oft im 
Segriff, einen 93rief an ©ie $u rieten, unb begann iljn, 
aber immer legte ic§ bie Seber hrieber Jjin, inbem idfj mir 
fagte: toaä fann teij biefem au^gejeid^neten 9Rann, biefem, 
mir armen Ignoranten fo toeit überlegenen SBeifen, fo 
freubig fcon mir betounberteu $)idf)ter, ber biefe SBelt unb 
ttm§ fidf) in iljr begiebt, burdE) ©enie unb burdfj Erfahrung 
je^nmal beffer fennt als idfj, au§ meiner ftetS abgefdfjiebener 
toerbenben Sinfamfeit, au3 meinem audf) immer fdE)toäcf)er 
toerbenbeu Sopfe toof)t mitteilen, ba3 il)n toaljrljaft interef* 
firen fönnte — benn für midO ift in Sßaljrtyeit bie ©podfje 
eingetreten, too Sdfjtoeigen ©olb ift. 

9lun fann id() aber bod^ Syrern fo liebevollen, gemütfc 
liefen 93riefe nid^t ttnberfteljen, unb antiPorte, fo gut idf) fann, 
mag freiließ feljr toenig bebeutet. 

Buerft 5)anf für f)übfcf)e3 ©omtet, au3 bem ic§ 
jugleidfj lerne, baß bie SSe^me nie grauen bor iljr arrogantes 



67 



Tribunal forberte. 63 mar bieg immer ein fdjöneS Seiten 
ber Stittertidjfeit jener 3^tt. 

SBag ©ie mir öon Sifeuach fdfjreiben, ttrie toou SBeimar, 
hat mich recht tief gerührt, meit ich atte§ bort tiebe unb 
ehre, triel ebte unb ^ertoorragenbe SDtenfchen, Ijotje Sr* 
innerungeu aug ber SSergangenheit, unb bie mannichfachen 
Silber einer §errlicf)en Stfatur, meldte bie berühmtefte 83urg 
ber SBelt umgiebt. 

SBenn fidfj in SBeimar eine paffenbe Gelegenheit bar* 
bietet, bitte ich ©ie, bem fo gnäbig meiner gebenfenben 
^errfdjetpaar meine banfbarfte ^utbigung ju Süften legen ju 
motten, unb menn Sie bag ©rab ber unvergeßlichen ©rofc 
fürftin befugen, bie mir jeitlebeng atg bag Sbeal mahrfter 
£otjeit unb ebetfter 2Beibtidf)feit öorfchtoebt, fo f daliegen Sie 
audf) rnid^, atg ©teichgefimtten in bag ©ebet ber Verehrung 
mit ein, mag Sie für bie erhabene Sobte §um Gimmel 
richten. 

©rügen ©ie auch recht herzlich toon mir ben brafcen SSeteranen, 
©eneral 93eulmi^, ber „bie ©üte hat, neun %af)x älter atg 
©ie ju fein", mobei ich mir jebodfj bie S3emerfung erlaube, 
bafc ich in biefer §inftd(jt mich rühmen barf, noch um einige 
^a^r gütiger für ©ie §u fein. 

33ortrefftich auggemähft öon $$ntn fanb ich bie frönen 
SEBorte, bie ©ie öon Xiebge citiren, ben ich gefteljen muß, 
fonft atg dichter auch nidfjt fehr h°$ b n fteffen , aber biefe 
hier angeführten Beilen finb in ber ££>at recht ergreifenb, 
unb eben fo fchön finbe ich ^xt nachfolgenben SB orte: „©g 
giebt nur eine füge pIatonif<he Siebe, bie, für bag mag 
nicht mehr ift". 2)ieg ^at mein $erj um fo tiefer berührt, 
tüeil ich felbft eine ptatonifche Siebe biefer 2lrt (meldte eg 
im Seben nidjjt mar, unb eben begljalb °h^ e S^ücifcl je§t 
ift, mo ber Xob fie platonifdfj gemalt — ) im tiefften $n* 
neren trage, big ich aufhöre ju fein, nur biefe eine, unb 
tüeiter feine. 

5* 



68 



empfehlen ©ie midfj audfj Si&t, bcffcn ©ie ertoäljnen, 
öon bem idfj nidfjt ganj 3$r entfjufiaftifcf)e3 2ob unterfd&reibeu 
möd^te, fo feljr idf) feine SSirtuofität unb fein ©eiftreidfjtljum 
fd&äfce. ©ro&eS latent barf man an iljm bettmnbern. 

SSon ©ufcfom f)at mir „3<>Pf unb ©dfjtoert" gefallen. 

— 8d() glaube an bie 3teafttät ber SiebeStränf e , ttrie 
fdfjon einmal bei meinem alten ©djttriegertoater, unb feiner 
Ijorriblen ©eliebten, ber er bis an fein ©nbe ju güfcen tag. 

®ie ©teile, tvo ©ie toon 3Bit£>eIm3tf)aI fpretfjeu, mad&t 
mitf) ganj ftol}, mit Sljnen fo gut ^u ftympatfjifiren — benn 
immer f)abe iä) bem ©ro^erjog gefagt: bajg er feine bortigen 
$8auIidE)fetten, bie einer £>errn!jutifcf)en Kolonie gleichen, 
fämmtlidf) abreißen taffen foffe, um eine alte Slbtei im eng* 
lifcf)=gotIjiftf)eu @tt)I bafür tyinjubauen, toeil ftdfj feine ©egenb 
beffer unb IjarmonifdOer $u einem SHofter fdfjicfen fönne, unb 
Ijier boppett afe pendant ber SSartburg — benn ju dürften 
unb SUttern auf ber einen ©eite paffen 3Röndfje auf ber 
anberen, Tonnen am ©nbe audf). 

SBarum ©ie bie Sljränentoeibe aU ba§ ©tymbol ber 
SSer^meiftung anfeljen tootten, öerftef)e idfj ntdfjt. 5)er Saum 
tft Diel ju anmutig baju, unb in SKefjemeb WS reigenben 
©arten üon ©<f)ubra ftanb eine (nidf)t am SSaffer) bie toer* 
möge feinfter Stögen an allen ifjren Sleften, fo rei^enb 
feinte, tute bie gefd&icftefte ®ofette. 

Slber barin t)aben ©ie tDa^rltd^ redE)t, baß ber Statur 
unfere Stoilifation, befonberS bie jefcige inbuftrieße, fd^auber^ 
Ijaft jutoiber fein mag. ifjr treufter ©oljn, glaube e§ 

gerabe jefct an allen Säumen, ^flanjen unb 33lumen 
beuttidf) malzunehmen, wie fie trauern unb midE) um £ülfe 
anzurufen fd&einen gegen eine 9totte englif^er ©pefulanten, 
bie eine ©ifenbaljn mitten burdO meinen $arf führen rooflen, 
nalje am ©cfylofc Vorüber, ba3 itf) betoofjne, unb too fie miefj 
Jag unb Stadfjt mit ber angenehmen SRufif be§ SßfeifenS ber 
Sofomottoe ju regaliren Ijoffen. S)od^ bie§ leitete nrirb 



n VT - 



69 

feiuenfattS ftattfinben, ba td) im gaff be£ Unterliegend gegen 
bie 33anbalen, augenblicflidfj mein ganjeS £)ieftge§ Seftfctljum 
toerpadOte (ba id^ e3 nid()t toerfauffcn fann), unb im Scmbe ber 
Sonne einen 2tufent£>att futfje, too bie Slatur am reichten unb 
üppigften, unb SWenfdjen am toenigften ju finben finb. 

$>te Seiten fragen ttrie bie @letfcf)er, fagen ©ie fd^ön 
unb toatjr! Slber toer mad)t btefc Seiten, als toir fel6ft? 3»n 
taufenb Safjren finb toir trielletcf)t getiefter barin, unb idfj 
freue midj täglich, alt genug ju fein, balb öon ben jefcigeu 
ausrufen ju fönnen, too? Allah Kerim! 

Sljr treuergebener 

Sßücfler. . 

©in 93ortt>urf. 

Sljre grau ©emapn ^at mid& mit bem ©efd^enf iljrer 
Sßljotograpljie beglüeft. 2)iefe ruljt nun fd&on feit anbertljal6 
Sauren in meinem ^otogra^ieen* 2llbum mit einem leeren 
Slatt baneben, toeld()e3 mit Ungebulb ba§ 33itb be§ §errn 
©emaljlS erwartet! 

SBie lange fott biefe ©raufamfeit nodfj bauern. — lieber* 
jeugen ©ie fidfj burdfj einen 33licf auf bie Seilage, mit 
tuetdfjem betrübten ©eftdfjt id(), burdj biefen ftetS unerfüllten 
SBunfdfj, fetbft in ber Seftüre eines SiebtingSbudfjeS „$or 
bem SSerftummen" gebanfenfcoH unterbrochen toerbe. 



44. 

StpoltoniuS toou SRattifc an Sßücfler. 

Sßeimar, ben 1. 5Rooember 1864. 

SBie feljr, mein teurer Sürft, ljat 3br ©(^reiben mir 
tt)0^lget^an. toax mir, afö Ijätte fidf) mir eine magne* 
tifd&e $>anb auf 3 £erj gelegt. 8« Sfcen fdjöuften ©aben 



70 

gehört bie, un3 fcor uns felbft berebt mad^cn unb jum 
Stießen bringen, toaä fonft @cf)toeigen ober, um tte SDle* 
ta^er richtig ju fdjtiefcen, ®rj ober ©i§ fein toürbe, bleiben 
müßte, ©ie tt)ären ein ©lücflicfjer , toenn ©ie fidj felbft fo 
n>ot)( tfjun fönnten toie 2tnberen, toenn e3 fief) in 3$nen fo 
fdjüd&tete, tote in benen, $u benen ©ie fpredfjen! 3Jlan Ijat 
©oetf^e biefe ©igenfdfjaft jugef^ro^en. 

3fd(j tefe je|t mit unferem rufftfdfjeu ©eiftlidfjen, ber 2)eutfdfj 
lernt, aße SRorgen ein Kapitel im neuen Xeftament, natür* 
Ittf) in Sutfyer'S Ueberfe|ung, bie ttrir mit ber oft ge- 
naueren ruffifdjen dergleichen. SBer fönnte biefe ©Triften 
ofjne Slü^rung lefen? 3umat ergreift e§ midE) im Xiefften, 
toenn StefuS jebe£mal, mann er bie große SRenge fielet, 
fie in feinem ^er^en bebauert unb fte tröften ttriß, toenn 
er fagt: „9lrme roerbet ifyx immer fyaben, aber nicljt 
m i dfj." S)iefe§ SSort fottte ben Kommunismus entmutigen. 

— Stouffeau'S vicaire Savoyard — nie unterfdfjreibe xä) 
btefeS ©taubenSbefenntniß ober öielmeljr 9Reinung3$ugeftänb* 
niß, — 9tenan'§ Sßerf f)at eine grtoolität, &or ber man 
erfd&recfen muß. ©3 ift bie alte Strategie, ben (Sott ju 
einem eblen SDtenfdjen, unb aßmäfjlidf) ben eblen äßen* 
fdfjen ju einem 93 e trüger ju erftören SBie Ictypifdfj er* 
fennt er SefuS ein fomifd()e3 Salent §u, toeldfjeS mit bem 
3Jtoli6re*3 ftreiten fönnte!! SBie fabe bie SCnfpielungeu : 
Marie plaisait k Jesus par une certaine langueur. S)aS 
33utf) ift in Seipjig in einer ruffifd&eu Ueberfe^ung erfd&ienen. 

— ®ie rufftfdfje Sprache fträubt fidfj nodfj gegen foldfje Sßro* 
buftionen. ©ie toirb nodfj feljr jugeritten toerben! — Sleulidf) 
falj id) Sörfter aus S3erlin fjier toieber, tüir fpradfjen t)on 
X^eobor Börner, ben er fallen falj. Sßeldfjer beutfd^c 
Jüngling glühet notf) für Börner? - Unb feine 2)i(fjtungen? 
%nv bie Stuftf be8 ^ßrinjen SoutS gerbinanb in 
„Setjer unb ©cfjtoert" gebe ic§ alle ©ebid^tc feine'S, ©ein 
©onnet, atö e3 Ijieß, ber König fei in ber ©dtfadfjt bei 



71 



Sauden gefallen, ent^ürfte Eljateaubrianb in einer profaifdjen 
* franaöfifdjen Ueberfefcung ! — SSor einigen Sagen mar 33 et* 
tina'S 9lrnim* Sodjter ©ifela §ier, je|t grau (Srimm. 
©ie entjüdte midO burdf) üjre SiebenSwürbigfeit. ©ie ^at 
feljr gewonnen. Sludj iljr 9Rann gefiel mir. Seiber waren 
fic nur einen Stugenblicf Ijier. Sie wären für SEBeimarS 
©efeöigfeit ein unenbticfyer ©ewinn gewefen. 3$ jielje fie 
bei Weitem iljrer SKutter öor. ffiir Ijaben f)ier metjr SS er eine 
als @ef ettf df)aft, Wa3 mir nidfjt unlieb ift. 3n 33er* 
einen barf man faul fein, an einem Xljeetifcfje nidfjt. 
©ifela Ijört fiel) Ijerrlidfj an, bodE) mag auef) fie nidfjt allein 
unb immer fpredfjen. 3d£) fjabe auef) lange nicfjt fo biet ge* 
fprodjen, aU mit iljr. * unb ** Raffen fid£) wie SDtonitor 
unb 3R.ermior. 9Jlan fagt, baß bie ®eutfdjen feine Seiben* 
fdjaften fjaben. Sine „2)rucferei" muß aber in ber -ftäl)e fein, 
bann Ijaßt man öuffanifd(). 

@£ freut miefj, baß meine ©itation SiebgeS ^Ijnen ge* 
fallen. $df) liebe bie meiften feiner Äebidfjte, bie nidjt fcer* 
bienen, fcergeffen ju werben, ©eine Plegie an bie 9t oft* 
trappe weiß idf) auSWenbig. ©rtauben ©ie mir, Ijier eine 
©tro^e nieber^uf ^reiben, bie tief in meiner Seele ftefjet. 
„Unb naljm öießeidjjt bie Ijeljre Statur uns barum bloß, 
baß fie uu3 bitbern teljre, wie Sinber auf ben ©dfjooß, bie 
fctbft in f)öt)ern Räumen, ba3 Urbilb nidf)t erfeljn, fo laßt 
un3 ©ott nur träumen, es träumt fidO ja fo fd()ön!" — Sdfj 
§abe iljn feit meiner Sinbt)eit gefannt unb mit Siebe um* 
faßt. 3)a§ %a$x bor feinem Xobe beftieg er ben 2)rei* 
freu^berg in ®arl3bab, unb fanbte mir ein Statt, wetdfjeä 
er für miä) gepflürft t)atte! — SBie UnauSfpredfjtidjjeS ift 
ber 2Jtenfd) beftimmt ju empfinben! — ©ewefeu unb nid()t mef>r ! 

Sieben unb mobern! 

— $ie @rbe mobert, 
* $ie (Sonne lobert, 
2)ie alle garben toieber fobert. 



72 



Skrnhagen nun feit fedjS S^ren nicht mehr ! ®ie platte 
an feiner Zfyüxt, vorauf fein Warnt ftehet, bot ich mir aus. * 
Sie ruhet ju meiner Siebten. SSBic oft, teurer ©önner, 
haben auch ©ie baöor geftanben! SSer tabelt Reliquien? — 
•Kur toer ba§ menfehliche #erj md^t fennt! 93etuahre ich 
bod) 93tätter t)om 33amn, unter toelchem Dor elf Sahreu ber 
Sobtentoagen be3 guten ©rofcherjogS Sari griebridfj ^ielt. — 
Sßeldfj eine grofce SBetjmutf) ift ba§ Seben! — 3$ befuge 
nicht bie Nuheftätte ber dürften 3ßeimar§, ohne meine Sippen 
auf bie unerbittliche %f)üxt $u brüden, über beren ©chtoeße 
fo biel ®ro§e§ unb Sbte§ für immer einging! SEBie freut 
e£ mic^, ba§ auch 3$re ©ebanfen gern bort tDcilen. — 

Nationalerem unb fo toeiter finb fleinlaut getoorben, 
feitbem bie Kanonen gebrüllt ^aben. ©3 finb Sröfdje, bie 
nur mit ber ©dfjnauje jum SBaffer ^inau^fe^en. %rt ber 
SBeltgefdEjichte betoeifen nur ©ch ladeten etftm3. sßreuj&nS 
«Stege finb unenblicfj triet tvtxfy. ^öffentlich feine 2tnne£ionen, 
e3 ftmrbe ber Seufetrbaju lachen. — 2Ba3 fidE) in Italien 
vorbereitet, ift leidet ju erraten. Sd) toeiß nicht, too e§ 
ju toertoenben ift. @eit nur granfreidj ben 93efi|ftanb aller 
ajtonardfjen beftimmt, unb alle bie bebroljt, toeldEje einen S^adj* 
bar bei bem ©einigen erhalten wollen; toer ift ber Ut)r in 
feiner Safdje getoifj? 3ft nicht granfreidfjS S)eöife iKationa* 
tität unb (Stoitifation — too man bie Nationalität mit 
Süfcen tritt, ift ein Sntereffe ber Kibitifation im ©piete. 
S)iefe ift aber jute|t immer gegen ©eutfdfjlanb gerietet, 
toelcheS nadfj engtifd^en Stnfidfjten hinter ber Sürfei aurürf* 
ftehet. 

Offen geftanben, glaube ich an eine Stüdfehr ber erften 
napoleonifdjen S^t. ©dfjtoerlich unb hoffentlich erlebe ich fie 
nicht. — 8u meinen Sreuben gehöret ein tägliches Kapitel 
be3 „®on Duiyotte". Diefe§ 3Berf ift ein unfterbtidfjeS 
Sögeln be§ ©enie'3. @3 ift bie befte SBiberlegung be$ 
Soltaire'S, nicht eine gottlofe, „nicht eine bittre, nid)t eine 



73 



unritterltdfje geile gegen grauen". Unb gab e£ Jemals ein 
nri£igere3 Such? ®ie Ueberfefcung be§ 33t ar bot fann ba§ 
Original erfefcen. Sie ift ein SKeifterftücf unb ber 6efte 
Kommentar be3 Suchet ; „pour traduire Don Quixotte", fagt 
er, ,j'ai relu Montaigne". 3$ finbe in alten lagen fcer* 
jüngt nichts beffer aU Seftüre in fremben ©prägen, bie 
SKutterfprachc ift bann toie ein ausgetretener ©djulj. Sieb* 
lijtg^bichter ber Sugenb toeifc man au^toenbig, aber bie ^Srofa 
ber SDlütterfprache lieft man mit Ungebulb. $cf) fyabt felbft 
in'§ Sßolnifche toieber ^tneingeblidt. 

Sin SBiener Äicfjter fdjenfte mir einen 33anb SJiofcetten, 
bie vortrefflich finb. Site! lautet: „21 u 3 ber ©äffe" 
nämlich au£ bem ©hetto öok Sßrag; ber Serfaffer, er Reißet 
Sompert, ift ein Qube. S)ie ^uben fyahen in ihrem ©ttyl 
für mich ettt>a§ öon ber ©luttj beS 9htben3. ®ompert ift 
gettrifc ein hochbegabter Sinter, ©eine testen Lobelien §at 
er bem ©rofcherjoge getoibmet. S)iefer ift je£t in 93erlin. 
Sh re Erinnerung erftriebert er mit toärmfter greunbfchaft. 
SBie feljr toünfcfjet er — ©ie hier toieberjufehen. S)ie grau 
©ro&hetiogin , bie einen Ruften unb ©chnupfen nicht lo3 
tuerben fann, fyaht ich feit mehreren SBocfjen nicht gefehen. 
@ie jeigt einen immer höheren SBerth- — 8df) erlaube mir 
Shnen ritten ©dfjerj ju fenben, ber auf einem SSorfall be* 
ruhet, berftdf) ju gontainebleau ereignete. probu^ire 
mehr, at3 ich tooHte — hunbertadfitunbätoanaig ©on* 
nette jählte ich geftern in meinem poetifdjjen ©chtoeifctuche ; 
bie Sßelt totff bielleicht nicht etn 5)u|enb mehr. 2>ic SSerfe 
tanjen aber fcor meinen Slugen, unb oft möchte ich f a 9 e n, fth 
habe ihnen nur jugefehen. Natürlich führen fie ju feinem 
ßorbeer, aber bie Sßoefte ift nicht nur auf bem Sapitol. — 
Sie toerttjeibigen bie Shränentoeibe beffer at§ ich fie angriff, 
tcf) trete ihr ben fdEjtoarjen ©dfjtoau ab, ber toeijge bleibe 
ber ©treffe/ aber eben fällt mir ein, toie reijenb ber ©chtoan 
ift, tuenn er ftdj erhebt unb nach ben Steigen ber Xljränen* 



74 



toeibe langt. Sdfj faf) biefeö einmal, ttrie ein 3unge£ jttrifdfjen 
feinen gewölbten klügeln faß. SSor einigen Sagen ergöfcte 
id) mief) baran, burdfj tt?elfe§ Saub in ba3 Himmelsblau Ijin* 
aufeufeljen. — ©in fanfter SBtnb betoegte ben 93aum, bie 
SSlätter, fie ftmren nur golben, mdjjt gelb unb toelf, unb 
fdjtoammen fo toonnig in Suft unb Sl^ur! ©3 ift gehriß, bie 
erfte ber ©ragien ift bie Statur. SBie ljolb ift baS Sßljitoo* 
tuen, baß bie breiten Slätter fidj im §erbft auf bfe Stab*! * 
bäume flüchten, unb qft big ^um 3uniu3 bort als flüchtige 
©äfte bleiben ! 2>odf) tu er ift biefer ©ra^ie Vertrauter als Sie? 

©ie Ijaben 83aron Sourgoing getoiß gefannt. ©eine 
SJlemoiren finb erfdjienen. @r toar ein ebter SWenfdO, audf) 
ein bortrefflidfjer 2)idfjter. ©in ©dfjaufpiel, metd()e£ bie @e= 
fdfjidfjte eines in SSerruf gefallenen unb ttrieber $u ©Ijren 
fommenben ^Regiments enthielt, toar feljr originell unb poetifdj. 
3$ weiß nicfyt, rtmS aus bem SJlanuffript geworben. 

Unb nun muß icf) tvofyl f daließen; eS ift Sibenb, unb nun 
ruljen bereite alle SBälber! -Steine grau trägt mir nodjj 
bie freunbfdfjafttidOften ©rüße für unferen Ijoljen greunb auf. 
©ie ift nidfjt bie 2e£te, bie tf)n in SBeimar toieberfeljen 
möchte. — Unfete mit bem ©nfel beS ÄanjlerS -Stull er 
Vermählte Stufte fielet fttjj naef) einer SBiege um; bie Un* 
Vermählte fränfett leiber immer. — £>erstidjften S)anf Von 
meiner grau unb mir für baS öietttrillfommene 33latt, bem 
idj ein Von 3$neu fo gütig <jetoünfdjte$, ju feinem 3tad(jtljeile 
entgegenftellen muß. 2tttein fd&on toeil ©ie e£ begetjren, ift 
eS'ein gef dfjmeidfjel teS S3ilb. 

Sn 33ere£>rung, Sreue unb ®anf 

3Ratti|. 



75 



45. 

sßiitfler an SlpotloniuS t>ott SRaltifc. 

Sranifc, ben 27. Stejember 1864. 

9Reinc 6eftcn SSSünfc^e jum neuen Safjr, unb meinen 
beften 5)anf för bie überfanbte Sßljotograjrfjte, bie itf) äljnftcf) 
unb gut aufgefaßt finbe. ©ie tft mir alfo eine fc^r liebe 
(Srinnerung. 

§eute nur biefe ioenigen Beilen als S^^en, bajg id) 
nod) leber obgleich idj fdjon feit trierjetjn Sagen ©tube unb 
$8ttt hüten muß, redjt franf. 

SRit ben tyerjlidjften ©rüfcen an mein bereljrteS ©ön* 
nerpaar 

beffen treuergebener 

Sreunb unb S)iener 

* $. ^ütfter. 



46. 

SlpottoniuS bon 3RaIti| an *ßücfter. 

SBeimar, ben 21. gebruar 1865. 

8$ bringe 3$nen, mein teurer Sürft, ©efänge eines 
mir befreunbeten DidjterS bar/ ber ein SDtitfämpfer in jenen 
großen 3*üen <*uS benen audj ©ie fo glorreiche ®r* 
innerungen ernteten. Sßerfönlicf) Ijat er uicfjt ba£ ©lücf, S^nen 
befannt $u fein, allein aus feiner #anb fommt biefe $ul* 
bigung. SBolIen ©ie biefen ©efängen eine Ztyitnafym, eine 
©rtoäljnung getoäfjren, fo tüirb es bem Didjter in feiner 
Dämmerung ein greubenftral)! fein, unb bie Verbreitung 
feines uneigennützigen SBerfeS beförberu. 

3n aufrichtiger Verehrung unb 5)anfbarfeit 

, SRaltifc. 



76 



47. 

Sßücfler an 9lpoIloniu£ öon 3KaItifc. 

SBranifc, ben 8. SJlärj 1865. 

SKein bereiter Sreunb, 

Saufenb ®anf für bie Ijübfdjen SSctcrancnticber gljreä 
greunbeS. 9lber idfj bin leiber toirftidO feljr franf an einer 
neuen 33roudfjiti3, feit brei SJlonaten nicfjt aus ber ©tube ge- 
fommen, faum be§ Schreibens fäljig. Sttfo fpäter einen 
längeren ©rief, ober mid) felbft in SBeimar; bod) t>or ättai 
ober Smti laffen midj bie gebauten öon 2terjten nidfjt fort. 
® eftern ftarb t)ier ein fräftiger, rüftiger, guter Sreunb bon 
mir an berfelben Äranffjett, aber ganj angenehm an einent 
Sungenfd&tag, toie SSarn^agen. 2Ba3 alles t)on jüngeren 93c= 
fannten um midfj t)er ftirbt, ift ttrirHidfj ttmnberbar, tirie mir 
überhaupt bie SBett immer furiofer öorfömmt, je länger 
id) lebe. 

laufenb ©dfjöneS an Stjre Ijolbe grau ©ema^lin, unb 
toenn idfj Anfang be§ ©ommerS nodfj e^iftire, unb toieber 
mobil toerbe, feljen ttrir uns getoifj im lieben SBeimar. 

3$r treuergebener 

Sßücfler. 



pdürc ntib kt fiirftin iUdanir mn Ifttrrniil) 

nebft einem «Briefe bei 

fnrftpn mu Ifttrrniil). 



s 



1. 



(1840). 

gürftin SDtelanie toon äRetternidf) an Sßücfter. 

ßieber gürft , idfj Ijabe eben S^r ©etoäfdfj ermatten, 
unb glaube ©ie feljr franf, ba ©ie fo fdfjrecfltcf) bumm 
finb — dn reste je suis toujours prete h vous tout par- 
donner. Je vous ai pr6par6 une chambre, et plus vous 
en profiterez, plus vous me ferez plaisir. 

Melanie. 



2. 

9$ücfler an bic gürftin äRelanic fcon SWetter nid(). 

SBien 1840. 
Sienftag 2lbenb. 

»ereljrtefte gürftht, 

©rfefjen ©ie, i bitf, au3 intiegenbem Bettelein roie bic ' 
Sßreußifdfje ©taatSjeitung mir ein SeibeS anttjut! tyoffe, 
©ie f elbft eine eble Ungarin, werben midj öor bemböfen alten 
Ungar de la haute volöe (am ©nbe gar ber formibable 
t$ogaf$) gnäbiglid) befd&üfcen öerfudfjen, unb wegen ber 
trielen mir bro^enben S)ueHe midE) unter bie Sßroteftion 
meines fjocfybereljrteu ©rafen ©eblnifcft) fteHen. S)ie ©efafjr 
fdjeint mir fo bringenb, baß, im Satt idfj morgen lofen fott, 
id) um eine Sebectung bi3 §ur ©taatgfan^tei bitte, au§ 3urtf)t 
bem fcfyrecftidfjen alten Ungar de la haute volße ju be* 
gegnen, bem außer ben getoöljntidfjen SEßaffen nodO anbere ju 



80 



©ebot ju fteljen f djetnen, car ce diable d'homme pourrait 
bien avoir lintention de me faire crever de rire ou 
d'ennui, gtüci SobeSarten, gegen bie felbft ein 83eitftorbener ^ 
fid& nicht 3U toertheibigen toermag. 

Unb bie Sache tuirb um fo gefährlicher, ba bie ?ßrcu§ifd^c 
©taatöjeitung mit ihm im 93unbe fteljt, gegen bie idf) felbft 
SDlaljjan'S £ülfe nicht mehr anjurufen im ©tanbe bin. 

9tie §ättc ich geglaubt, im frieblichen lieben SBien , 
folgen töbtlid^cn Verlegenheiten auSgefejjt ju werben, tr&fte 
mich aber über alles, fo lange ich ^offen barf, unter bem 
©chufce meiner gnäbtgen gürftin ju öerbleiben al§ 
3h r treuge^orfarnfter 

$. ^ücfler. 

3. 

gürftin SDtelanie toon SOtetteutich an Sßücfler. 

fann 3h nen me * ne tfteube beim Slnblicf 3h reg 
93ilbes nicht befchreiben, lieber gürft. Ce n'est pasparfait 
ä la v6rit6, niais c'est une bonne r6miniscence. Mon 
petit Paul s'est 6cri6 tout de suite: „c'est le prince 
Pückler!" fage Shnen hunbertmal S)an! bafür. 

SEBarum finb Sie benn franf ? 2)a3 ift im haften ®rab 
langweilig ! 3<h ^attc bem greunb SRalfcan aufgetragen, mid) 
in 3h r ©ebäcf)tnif$ ^urüdE^urufen, (toemt ich nicht bie befte 
$erfon ber SBelt toäre, mürbe ich fagen: nein, ich f ö 9 e & 
nicht — ich f) a &e toergeffen, unb glaube ©ie feit 3)ienftag 
unfähig, mich au toergeffen), alfo i$ tooöte ©ie an 3h* SScr* 
fprechen erinnern, mir felbft ben „83ergnügling" Dorjulefen, 
unb Wollte ©ie fytuit erwarten. 3<h f e *) e mich in meinen 
Hoffnungen getäufcht, unb ärgere mich barüber. 3dj bebaure 
©ie nicht — unb glaube, ©ie finb über 3h*e leichte ftranf« 
heit fehr glüdflich, weil ©ie gut gepflegt Werben, unb babei 



81 



imS tooljttfjätige SEBcr! ausüben', ein unfdjutbigeS 2Räbcf>en 
nädjft bem Sefcn audj ba3 Pflegen teuren! Sciber famt 
idf) ntdjt jeid&nen, jonft würbe idj fjier eine gro&e SßeSpe 
aufgejetdjnet Ijaben. 

3Rr3. Srottope ift eine gemeine ©eete, tuclc^c bie ©e* 
f eltfd^aft burrf) bie offene %1)üx ber ®üd£je beobachtet f>at. Je 
lui en veux de trop m'aimer, car un sot anii est 
pire qu'un franc ennemi — comme vous ne saurez jamais 
£tre le premier, jurez-moi de ne pas Stre le dernier, 
car vous §tes diablement mächant quand vous nous 
en voulez. Bon soir, et j'espöre ä revoir bien-töt. 

Melanie de Metternich. 



4. 

gürftin Melanie öon Stetternich an Sßücfler. 

Merci, mon eher Prince, de la visite du charmant 
petit groom. Je suis au däsespoir de ne pouvoir lui 
parier moi-m&ne, cependant j'ai appris par interpröte 
qu'il n'avait pas trop froid, _ce qui m'inqutetait. Merci 
de m'avoir envoy6 le livre. Nous vous demandons, le 
Comte Maltzan et moi, de venir nous lire vos pSchäs. 
II y aurait un double charme k vous faire tout de 
suite les reproches m6rit6s, et nous nous promettons 
bien de Commander silence k notre enthusiasme, afin 
de ne pas trop augmenter votre vanite, Sie ntdjt 
gänzlich ju toerberben. 

Melanie de Metternich. 



y ü & U t , *öriefn>ed?fc( unb lagebü^r. VIII. 



6 



82 

5. 

gürftin SRelanie fron äRetternidfj an ^üdrter. 

2)a idlj groJ$mütf)ig bin, unb eine Stiriftin int ttxrfjren 
©imte be£ SBorteS ^u fein Ijoffe, fo t>eraeil)e idf) 3f)nen öon 
^erjen, lieber gürft, ober tief gefränft bin id&, (2ottd(jen 
würbe fagen berieft), bafc Sie eine§ ®ammerbiener3 be* 
bütfen, um fief) meiner ju erinnern. 3cf) ljoffe, .ba]3 bie 
©urfabung weniger ßinbruef auf ©ie machte, Weil i<# ©ie 
nur bat, Sort) 3rudE)3, bie alte Sfreunbin, Ijier ^u begrüben, 
unb baß idfj babei nur Siebenfache war. ©in anbereSmal 
werbe ix!) ©ie bitten, ju mir ^u fommen, o^ne eine alte 
Sreunbin, trietteid£)t toergeffen ©ie e3 bann nid^t wieber. 

SDtelanie üRetternidf). 



6. 

gürftin SRelanie öon SKetternid^ an ^ücfler. 

Sieber gürft, morgen ift e3 Sonnerftag, le soir oü je 
ne puis rester chez moi excepte si j'6tais malade. Si 
votre affaire ne prend pas toute la matin6e, je ne de- 
mande pas mieux que de vous voir ä, 1 heure x / % ou 
2 heures. Nous pourrions au moins lire une bonne 
heure. Si vous ne pouvez, il faudra remettre k di- 
manehe, ce qui m'est trös-p6nible. Ne me röpondez 
pas; comme je ne sors pas, je vous attendrai, sll est 
possible sans m'impatienter. Bon soir. 



7. 

?ßücfler an bie ^ürftin SKelanie fron Sftettemidj.. 

Lundi. 

3$ ^abe, gütigfte gürftin, gljr liebliches, ju lieblid)e3 
SBittet leiber erft bei ber 3^aufebtnft fron einem furjen 



83 



Spazierritt in ber ©onne (bemt fo pflege ich mich manchmal 
ju feilen) toorgefunben, fonft wäre tdf) augenblicffich erfchienen, 
um meinen 2)anf baffir perfönfich abstatten. SDtorgen 
ober bitte ich um Erlaubnis mein Stmt als lecteur de la 
Reine anjutreten — car celui d'Scran de la Reine 
dont parlait le Prince, comme celui d'Otahaiti, ne 
sont malheuresement pas vacants — ober bei äße bem 
be[ürd)te i<h, guäbigfte Sürftin, Sie Werben e§ balb in 
eine 8inelure verfallen (äffen, unb id) bin noch nicht träge 
genug geroorben, um biefe ju lieben. Sous ce rapport lä 
je commence 4 me croire incorrigible ! Slnbertljalb 
Sdjttmbenätter toaren nicht hinlänglich $u biefer Sur. 

Mais mille pardons de vous parier tant de moi-mßme. 
J'y reviens ponr la derniöre fois en vous disant combien 
je suis p6n6tr£ pour vous de reconnaissance, d'admi- 
ration, et de dävouement k toute 6preuve. — 



8. 

grürftin SRelanie toon -Stetternich an $ücfler. 

J'ai fait une bßtise hier, mon eher Prince, en vous 
priant de venir chez moi ce soir, javais oublte un en- 
gagement qui m'oblige ä sortir avant 7 heures, et me 
voir obligöe de vous demander pardon de ma distraction. 

Voici le manuscrit. Je vous remercie d'avoir eu 
un peu de patience et de m'avoir livr6 ce töme pendant 
quelques heures. Je Tai entterement parcouru et ce 
que j'en ai lu m'a fait regretter de devoir passer leg6- 
rement sur toutes vos admirables descriptions. J'espöre 
que vous me laisserez plus de temps pour le numero 2, 
3 que je commencerai demain, et que je serais bien 
heureuse de Hre avec vous. %<fy f)oftt, Sit haben fi<f) 
auggeruht, unb toerben heute Stbenb aufgetoeefter unb liebend 
mürbiger fein toie geftern. SManie -Stetternich. 

6* 



84 



9. 

gürftin SDtelonie toon ÜRettemidf) on Sßüdfler. 

Sdfj fjabe leiber ba3 9ted£>t, nidfjt mid^ eine 3Serftor = 
bene ju nennen, muf$ alfo einen Sßlafe unter ben ßebenben 
äu behaupten fud£>en. 3d) mar öorgeftern überjeugt, einer 
großen Sronf^eit nid&t entgegen ju fönnen, mar geftern 
ttnrflicf) franf — nidjt ttrie ©ie e3 manchmal fütb, fonbern 
ernftlidfj — Ijeute bin id£) jtt)ar beffer, bodf) ttmrbe mir 
große SRulje toerorbnet. ÜRorgen »erbe idfj tooljl nodj 
Sette liegen, et je dois rassembler tout exprös im congrös 
de fämille pour savoir si le lecteur peut (sans honte) 
s'6tablir dans une chambre k coucher. ©ine Snglönberin 
ttmrbe über btefen ©ebanfen fd&aubern — id^ neunte e3 nidfjt 
fo genau. ÜReine fernere ®ranfljeit tturb tooljl biefc 
©dfjrift, unb ben o^ne^in fcfytoatifjen ©tt)l entfdjulbigen 

SRelanie. 



10. 

gürftin SDtelanie Don 2Retternidfj an ?ßücfler. 

2Bien, ben 31. äRftrj. 

S)ie Sterjte verbieten t>or allem biet ju fdfjreiben, unb 
triele billet-doux ju befommen, be§ljalb gebraute id£) eine 
frembe £anb, um Sljnen jü banfen. — Que je plaiderai 
chaudement la cause du lecteur, ift nidfjt ju bejtoeifeln, 
inbem id^ in bem nun beginnenbeh 93anbe bie Solution ber 
®efd£)icf>te erfahren muß, toeldfje fidler ^u meiner Äranfljett 
betgetragen Ijat; morgen früf) toerbe idfj Sljnen bei SageS* 
anbruefy fagen laffen, ob mein SteSfulap mit ber ßectüre ein* 
öerftanben ift, nnb bann bitte idf) ©ie, e$ auf feine SBeife 
als einen poisson d'avril anjufeljen, fonbern fidf) nadfj bem 
93ud&ftaben ber ©dfjrift ju galten. S)en ffinbern geljt e§ 
©ottlob tooljl, ju einer guten ©tunbe fei e3 gefagt. 



85 



n. 

Sßücfler an bic gürfttn SRelanie toon SRetter ntclj. 

Au premier Avril 1840. 

©näbigfte gürftin, 

Sdfj tyabe bcn tjier jurücferfolgenben poisson davril 
erhalten. gür eine Sranfe finb ©ie jiemlidfj mutwillig, für* 
ttmljr! 2)enn ba id& ba$ SBort „©eeteneigner", baS id) bem 
befannten „Seibeigner" nadfjgebilbet, nie gebraucht §abt, alä 
einmal in .einem 93illete an ©ie, gürftin, fo fann bie Wltftu 
fifation nur toon Pforten tyerrüljren. 

3$ tnufc S^nen inbefc aufrichtig fagen, bafc idj, aU 
ädjter 2)eutfdfjer, ben ©pafi nur bis auf einen genriffen ©rab 
öerftelje, unb mid) burdfj bie Slrt be£ tjier an mir auggeübten 
gefränft füljte. Sdfj flnbe ü)n Weber fo fein nodj fo ge* 
mütljlidj, atö idjj iljn erwartet Ijätte, unb laffe mief) tt>ot)t ge s 
bulbig im Keinen Greife an ben gefettfdjaftlidjen Oranger 
ftetten, aber nidfjt gern t>or bem ganjen ?ßublifum*). 

*) Anmerfung ber §erau§gebertn. £>te3 begießt fid^ auf 
einen ©d)er$, ben bie gürftin oon attetternttt) mit Setljülfe be§ 
©eneralö oon Tettenborn oerübte, ©ie fajicfte nämlidf) $ücfler ein 
Slatt ber Sßiener „Allgemeinen X^eaterjeitung" oon Slbolf 33äuerle, 
batirt oom l. April, in toeldjem folgenber 33rief gebrueft ju lefen 
mar: ,/®er grofje SBerftorbene)" f>at burtt) natt)ftef)enbe§ @tt)ret* 
ben an grau Regina grotyberg, biefer gefeierten oaterlänbifajen -Kos 
t>ellenbicf)terin, eine eben fo tool)loerbiente als rüfnnlidje Anerfenmmg 
ju $f)eil werben laffen: 
. „SSerefjrtefte ! 

3d) Ijabe Sfjre lefcte 9looeUe: „SBergangenfjeit unb 3«' 
fünft", mit gro&em Sntereffe unb getoiffenfjafter Slufmerffamfeit, 
ja, toie icf) nic^t läugnen fann, mit magrem ©ntjücfen gelefen. 
liegt in 3§rer geber ein 3auber, ber fid) nitt)t mit ^Borten be* 
fdfjretben läfst, bem aber niemanb ju entgegen oermag. SJlan roeifc 
in ber %§at nicf)t, worüber man fiel) me^r tounbern unb freuen foll, 
über bie ©leganj ber £)iftion, ober über bie gein^eit ^>er ßarafter* 
jeirfjmmg, ober über bie SJlaffe oon eblen unb lieblid&en ©enttmentö, 
bie ©ie in fo großer SJlenge bem Sefer mit liebenStoürbiger ^ßro* 



86 



Ceci, Princesse, n'a pas la Prätention d'6tre un 
billet-doux, mais tout ce que j'6cris est toujours sincöre 
- c'est un petit mörite, mais il est rare. 

Agröez, je vous prie, l'expression r6it6ree de mon 
plus respectueux d^vouement. 

H. Pückler. 



12. 

sßücfler an Stbolf Säueric. 

$en l. SÄprü 1840. 

@uer 2Bol}lgeboren 

muf$ idj bitten, auf einen in Qljrer Bettung abgebrucften, 
unb mit meinem S?omen unterzeichneten Srief bie ljier bei* 
gelegte ^Berichtigung in Syrern nädjften Statte folgen' $u 
laffen. 2luf bem ©djauplafc be3 9lngriff3 mufc audj bie S3er* 
tljeibigung ftattfinben. 

3Rit toottfommener #od£)adjtung 

@uer SBoljlgeboren 
ergebender 

gürft $ü<fler*9Ru3fau. 

bigalität sunt heften geben. 3$ nriK mic§ f)ier nid)t in weitere Sob= 
fprüdje ©ergeben, weil idj fürchten müfcte, 3hr litter arifc$e3 Qavi* 
gefüfjl oerte|en. -ftur fo Diel: 3^re „Vergangenheit unb Sulunft" 
braute in mir bie boppelte ©mpfinbung be§ 33ebauern£ unb ber @r= 
Wartung tyeroor, be§ Sebauernö, bajj biefe retjenbe Seftüre, nadj 
if)rer VoHenbung bereits ber Vergangenheit angehörte, unb ber 
©rroartung, ba& <Sie in einer redjt nahen 3nfunft mit einem 
ähnlichen ©rjeugniffe beglücfen möchten 

ben treuergebensten 3h rcr Verehrer unb (Seeleneigner 
^ermann, gürft oon Sßücf ler". 
S)iefer Vrtef war erfunben, unb ba§ Vlatt, worin er ftanb, nur 
in t>ier Slbbrütfen oorhanben, bat>on einer ^ßüd ler am frühen borgen 
wie burdj gufatt in bie §änbe tarn. 



87 



13. 

gürfttn 9Relante öon äRetterntdj an $ücfler. 

1» April 1840. 

Nc croyez pas, mon Prince, que j'ai la Prätention 
<ie vous 6crire un billet-doux, tout ce que j'äcrirai sera 
«ific^re — c'est un petit m6rite — mais quoiquil soit 
rare, je le possede au plus haut degrö. 

Mettons un peu en ligne de comparaison nos con. 
duites räciproques. 

J'6tais souffrante le 21 mars — mais je m'occupais 
bien innocemment de vous jouer un petit tour k la 
mantere de Döbler — bien innocent en v6rit6, et qui 
me donnait la douce distraction de penser k vous. — 
Est-ce un crime? 

Je compose un billet charmant, et qui me donne 
une haute id6e de mes talents äpistolaires — un 
billet jusqu'aussi parfaitement eon$u, que s'il sortait 
de votre plame. — Est-ce un crime? 

Je fais insärer un billet dans 4 exemplaires de la 
gazette de thöatre, qui sortent de mes mains pour entrer 
dans les vötres par le seul canal de deux amis 6ga- 
lement attachäs k vous et k moi. — Est-ce un crime? 

Je saisis la premiöre occasion possible pour vous 
prier de venir chez moi pour vous expliquer tous les 
dätails de cette histoire, qui auraient pu vous amuser 
et terminer l'affaire en vous donnant les 4 exemplaires 
de la dite gazette. — Est-ce un crime? 

Finalement je me röjouis infiniment de voir, bog 
©ie fo bottfommen auf^ufaffeti finb, toaS beifiegenber ©rief 
an ben armen, unb fo öoöfommen unfdjutbigen S3äuerlc be* 
toetft — 3a, toettn bte3 ein SBerbredjen tft, fo erfenne tdj 
midj beffen im tooüften äRafje fdjulbig. 

«Ö ©egenfafc tootten toix $ljre &anbfang&oeife be* 
trauten. 



88 



(SrftenS: am 31. SDtära fd&rteben ©ie mir — tooljt um 
bie, ©etooljnljeit beizubehalten, im gafle Sie in fünftigen Sfto* 
manen jorte 93riefe bereit l>aben muffen, jtoei charmante 
©dfjantiffonS berfelben — unb an bem lag, too idj bie barin 
betriebenen ©efüftfe auf bie *ßrobe fefeen null — tpoüen 
©ie midfj nidjt einmal mit einem Sefudfje beehren, um ben 
icfl ©ie Ijöflidj bat. — 3ft ba$ fd&ön? 

3toeiten§: glauben ©ie micf) fäf)ig, bor einem ganjen 
^ublifum einen albernen ©d£)er j $u machen, tßfui, toaS giebt 
Sljnen ba3 SRedjt, midEj albern $u freiten? 3ft ba8 fd&ön? 

Sßarbon — albern, ja tueffeidfjt bumm — bin in biefer 
©elegenljeit nidjt 34> getoefen. 916er bie gefdfjeuteften Seute 
^aben }d£)tt>ad£)e ©tunben im Seben — unb ©ie, tieber 
SSerftorbener, fdjeinen einen fdfjttmdljen Sag — nämlidE) ben 
1. Styrit ju Ijaben. — D, glauben ©ie mir, lieber Sftofen* 
berg, fdjeuen ©ie toor allem ben 1. Styril — er ift gefäfjr* 
lieber, als ber ganj getoöljnlidtje fo banale greitag! — 

drittens : f treiben ©ie einer grau — einer an ©cfimei* 
djetei getüö^nten grau — ber grau eines ©taatgfanalerS ' — 
einer tiebenStoürbigen grau — einer gleid£)fam europäifdfjen 
grau (comme disait 616gamment une pergonne peu vers6 
dans la langue fran^aise) k une femme publique 
— einer leibenben grau — einer garten grau — einer im* 
preffionablen grau — einen unpfllid^en, ja tout bonnement 
einen faefgroben 93rief — ift ba§ fd£)ön? 

£ier ift biefer 93rief, lefen ©ie iljn toieber, fcf)ämen ©ie 
fid£), jerreifeen, verbrennen ©ie if)U; unb mi^anbeln ©ie nodj 
bie Ueberrefte ber SXfcfje; toenn nodf) ein Sropfen beutfdtjen 
931ute3 in Sljren Slbern fließt, fo ttyun @ie bieS getoiß. 

3d£) bin fo matt unb angegriffen, baß idfj bie Weiteren 
©ünben nid£)t meljr auf^ä^len vermag — tuenn ©ie midE> 
um 83erjeif)ung bitten toollen. 3d£) glaube bieS füglidE) forbern 
$u bürfen, unb ba ©ie nichts 93effere3 gu tljun Ijaben, t fo 
fommen ©ie im SSorabenb noef) ju mir, aber nidfjt fpäter 



89 



afä 8, Ijalb 9, beim idj bin nocfj fo fcf>toadj, bafe icfj bicfe^ 
nid&t ju Icfcnbc ©efd&mier nur mit SDtüfje ju ©nbe bringen 
fonnte. 

Sa ©ie nun aber fompromittirenbe groben be3 omi* 
neufen 1. Sfyritö befifcen, fo t>offe N id£), baft ©ie mir ben 2. 
uidfjtS nad&tragen Serben. 5)ie3 wäre nid?t fcf)ön. 



14. 

$ü<fter an b i c- gürftin ÜDtelanie toon -äRettemidfj. 

(12. SCpril 1840.) 

£{>euerfte gürftin, 

3$ tyabe f)eute frülj !ßrofefd^ gratuftrt, bafj ©ie iljm 
geftem ben Sopf gewafdjen, unb barauf bie beiliegenbe 2lnt* 
Wort erhalten. 

3^ jweifle nicfjt, bog er gewünfcf)t, Sie ntödjten fie 
tefen, aber icf) gebe Stinen jugteiclj mein ernftfidfjfteS ©Ijren* 
Wort, bafj id£), nad£) allem, Wa3 id£) früher öon itjm gehört, 
bie fefte Ueberjeugung fjege, ber ©rief enthalte nur SBatyrtjeit. 
Sßrofef$ f)at feine geiler wie wir Sitte, aber ©ie f)aben iljn 
nicfjt burd&auS rid)tig beurteilt. 

SKun aber, Sürftin, Wenn ©ie mid(j ein bi3d£)en lieb 
Ijaben, unb idfj oerbiene e$, fo aljmen ©ie nid&t wieber ber 
faffd£>en Srompete im Drd&efter nadtj, unb laffen ©ie WenigftenS 
biefe 93riefe unter un3 bleiben. 

3f>r ©eeleneigner. 



15. 

^ücfler an bie gürftin 3Jielanie öon SKetternid). 

Marienbad, le 30 Aoüt J840. 

Chöre et bonne Princesse, 

J'apprends en m&ne temps que vous etes fächle 
contre moi, et que vous partez lundi — Dieu, que 



90 



ces deux nouvelles quadreet mal ensemble, car si vous 
partiez, toujours fäch6e t — j'en serai au dösespoir. 

„Saß bic (Sonne nidfjt unter — unb wieber aufgeben, 
über deinen ßorn/ fogte unfer §err — unb: „öergieb 
un« unfere Sdfjulb, ttue toxx oergeben unfern ©d£)ulbigern". 

Suivez ces deux beaux pröceptes, et pardonnez 
moi aussi, si j'ai eu tort, et si j'ai commis une faute. 

D'ailleurs je suis si jeune, si malade, si fou quelque 
fois — et m&ne si je voulais disputer je pourrai peut- 
etre prouver ä autant de personnes que j'ai parfaite- 
ment raison, qu'il y en a qui me condamnent. Mais 
loin de moi ces id6es. Si d'autres m'apergoivent 
quelquefois söus les traits de la böte fauve — devant 
vous, Princesse, je serai toujours mouton, et c'est dans 
cette qualitö que je me mets fort gracieusemeut. ä vos 
pieds, pour implorer votre pardon, si j'ai encouru votre 
möcontentement. 

3ugletdj t>erfprecf)e id) midj $u beffern, benn gan^ ift 
£o£fen unb Wlat% nocf) nidjt an mir öerloren. 

Je n'ai pas encore cent ans. 

Si tout cela ne vous touche pas, vous avez un 
coeur de tigre, millefois plus cruel que le mien, qui 
vous pardonnerait tout, meme le p6ch6 contre le St. 
Esprit. 

Rafraichessez-donc monäme, en Princesse demente 
et en bonne et mis&icordieuse chr&ienne par quelques 
douces paroles d'oubli du pass6, et de gräces rendues 
pour 1'avenir. 

Oh croyez-moi, cela ne sera pas si mal adressö — 
car s'il fallait payer de sa personne pour vous servir, 
sans pouvoir gratifier aucun int6r§t mondain, bien de 
gens qui vous paraissent aujourd'hui les plus d6vou6s. 
re^teront peut-etre trös loin en arriere de votre pauvre 
6cervel6 de H. Pückler. 



91 



16. 

gürftitt Melanie fcon SKettertticf) an 5ßücfter. 

Je ne sais pas, mcn eher prince, qui peut vous 
avoir dit que j'etais fäch6e contre vous. En tout cas 
on a eu parfaitement tort. II y a des choses qui ne 
me fächent pas, nein, qui m'affligent, et je suis affligöe 
quand une personne de mes amis fait une sottise. Je 
vous compte au nombre de mes amis, et je regrette 
profond&nent que vous ayez fait une sottise. Ici il 
n'y a que des personnes qui vous aiment et vous por- 
tent interet, et nous nous sommes dit : „Mon dieu, comme 
il doit 6tre malade^ pour se donner un aussigrand tort 
envers tout un public !" et nous n'avons pas 6t6 fäch6s, 
mais afflig6s. Du reste, mon eher Prince, si vraiment 
je pnis compter plus sur votre coeur que sur celui de 
ceux qui me paraissent d6vou6s, je compte avec cer- 
titude qu'ä l'avenir vous n'accablerez pas d'injures aux 
yeux du public une personne qui nous app^rtient, et que 
je suis appetee ä voir et ä proteger : (par devoir), n'est-ce 
pas ? Maintenant ne parlons plus de cette affaire, qui me 
tombe peut-6tre sur la conscience, parceque je me suis 
permis vis-ä-vis de vous une plaisanterie que je croyais 
devoir 6tre prise comme eile avait 6te dites, c'est-ä, dire 
innocemment. J'espöre vous donner une bonne 
nouvelle en vous disant que notre däpart est remis, que 
nous passerons encore quinze jours ici, et que j'espfere 
que pendant ce temps je pourrai vous soigner et vous 
voir un peu aprös avoir 6t6 si longteuips priv£e de ce 
plaisir quoique prös de vous. Je n'ai malheureusement 
rien k vous pardonner, mais en tout cas je ne vous 
en veux et ne vous en voudrais jamais que quand vous 
vous ferez du mal ä vous-m&ne, moralement et phy- 
siquement. Melanie. 



92 



17. 

gürfttn 3ReIanie5t>on Stetternich an Sßücfler. 

' $)en 7. 9toDetnber 1840. 

3ch toax fc^r gtücftidj, bie ©id&erljeit ju erhalten, ba§ 
©ie, Keber gürft, mirflich noch unter bic Sebenben $u jaulen 
finb, obfdfjon 3h* langet ©tittfehmeigen nicht jmeifeln liefe, 
bafe Sie fcf>on längft ju 3h**n 2lf>nen heimgegangen mären. 
— 3h* erfter Srief au3 9Ru3fau, ben idfj ^gleich mit bem 
etmaS biffigen au3 93erlin befam, rührte mich fc^r. — 

3$ banfe im Sßorhinein für alle bie intereffanten (Segen* 
ftänbe, bie ©ie fo gütig finb, mir ju geben, unb bie einen 
er^ö^ten SBerth Ijaben, ba icf> fie au£ 3h rer berühmten 
£anb erhalten. 3$ fön Q uch entfdfjtoffen, bem SönigS* 
marther Äabinet eines biefer ©d&äfce aufzuopfern, bamit 
unfere Sinber unb ®inbe3finber 3^ren unb meinem Stamen 
vereint in bem cattalogum be£ ®abinet3 finben. — SBann 
ich bog ©tüdf ^aben merbe, biefe @cf)ä£e ^u erhalten, meife 
id) nidjt, benn ber breimal feftfechte ©raf üon SKalt^an J>at bie 
Sifte, bie fie enthält, ju grofe gefunben, unb be^^alb jurücf* 
gelaffen. — 3<h märe bei biefer Nachricht t>ox $orn um* 
gefommen, menn mich ber aller liebfie ©ebanfe, bafc e3 
eine Solge feiner ©iferfudjt mar, nid^t lieber erhalten ^ätte. 
Vous voyez qu'il y a toujours de la ressource dans les 
femmes et qu'elles ne meurent pas meme de colöre. — 

Sftun ge^en lüir ju bem Reiten, etmaä fauren 93rief 
über, ben ich au£ Sfyttt fonft fo fanften $anb befam. 
Sie thaten mir entfefclich Unrecht. — ($3 mürben toier ber 
öerhängnifeöotten Beitungen gebrueft. t — Sie, lieber Surft, 
befamen ein ©jem^Iar. — dasjenige, meldte! id& in Rauben 
hatte, unb ba3, meld&e§ ©raf üon SRaltjan befam, muffen Sie 
gleichfalls befifeen. — Sie mußten eben fo gut afä ich, bafe 
33aron Tettenborn allein ba3 bierte fyabtn fonnte, ba er e£ 
3hnen an bem eben fo toerhängnifftoffen 1. Steril braute. 
3ft e$ meine ©chulb, baß ©ie biefeS 33Iatt nicht jurücf* 



93 



geforbert Ijaben, ober ift e§ gljre? 5)ie£ lag id& ©ie felbft 
beurteilen. — Tettenborn ljatfidj abfd(jeulicf| gegen mtd& be* 
nommen, nid^t gegen ©ie, inbem e3 3$nen toaljrlicfj nid&t 
fdfjaben fonnte, felbft mit Syrern greunb SJarnljagen über 
biefen Ijöcljft unfdfjulbtgen ©d^erj $u Indien, benn am Snbe 
muft idjj fragen, tt> a 3 babei beleibigenb mar. — Sein SDtenfdfj 
fonnte glauben, baß bie 3rol)berg Sie entjüdft fjätte — unb 
©ie fonnten über biefe Bumutljung nur lachen. — 3ft e$ 
,ba£ SBort be3 ©eeleneigenen, Welches @ie beleibigte? 
Pourquoi ne me vanterai-je de vous lavoir, inspirö? 
et certainement je le c6derais ni a Mad. Frohberg ni ä 
une autre. — Sllfo fd^weigen ttrir über biefe ©ad(je, Der* 
jeiljen ©ie mir ben unfd&ulbigen ©pag; unb legen ©ie nie 
meljr ein bittere^, ©efüf)l hinein. S)a icfj böfer bin als ber 
©eeleneigene, fo null id& über bie grofce 9Racf)t, bie rnora- 
lifd&e unb materielle Straft $f)re§ armen greunbeS SDtefjemeb 
2lli nid^t fpredfjen, um 31jnen nid£)t ^u fagen, baß ©ie fid& 
auf eine fd&tntpflidje Slrt an biefem gelben geirrt Ijaben; 
benn feljen ©ie, bie ©rofcmutlj mujs man bei mir lernen, 
unb idE) flotte nid&t, toenn mein ©egner ftarf gefcf)lagen ift; 
nehmen ©ie ftd£| baran ein Seifpiet. — 3$ fjabe Ijeute ben 
Tob ber armen SRacljbuba gehört, unb mitf) barüber betrübt. 
— 3$ ^offe, baß ©ie bie arme Kleine ernftlidfj beweinen, 
bafc fte iljr furjeS, freies Seben mit bem einjigen ©efül)Ie 
ber Siebe ju S^nen füllte, ift tooljl . fefjr poetifd^ — fottte 
bieg 33ettmf$tfein aber, aöein 3^rer ©itelfeit fcljmeidfjetn, fo 
würben ©ie feljr fträflid£> fein. — 3>dj bete ju ©ott, bajs 
bie 3^it/ bie bie arme Kleine Ijier Verloren Ijat, iljr bort 
nidfjt angerechnet werbe , ©ie l>aben ©ott lob ! nodEj 3^it 
9teue unb ßeib barüber ju ertoecfeh. — 3)ie arme SDtadfjbuba 
aber nid^t meljr. — 

©ie Ratten mir ein (Somplar be£ „33ergnügling§" toer* 
fprod&en. Je ne vous en fais pas gräce , c'est un bien 
nouveau livre, n6an moins hier mais je tiens k Pavoir, 



94 



et sign6 de votre main. 9lbieu, oer<jeffen ©ie midj nidjt 
ganj in bem Saumet ber SSotfäliebe $u SRuSfau. SBir toiffen 
jebeS genau, baß ©ie meljr Seufel atö ©nget finb, aber 
toir ftnb fdfjtoadj genug, nur bie Seufet Sljrer Slrt tteben^ 
toürbig ju finben. 9Retame. 



18. 

Sßücfter an bie gurftin äftetanie t>on 3Jietternidj. 

$en 20. SRooember 1840. 

D gürftin! SBie tuiffen ©ie fern unb na!) ba3 $er$ 
ber SRenfdjen ju regieren. 3$r lieber ©rief Ijat mid^ fo* 
innig erfreut, fo tief gerührt, unb bei ber ©teile, bie meine 
arme 3Racfjbuba betrifft, Ijabe jd) getoeint tote ein ®inb. 
Stdfj, Ratten ©ie bieg tiebeöoße, fanfte SBefen fo gefannt toie 
id£), fo toürben ©ie feinen 9lugenbti<f baran gejtoeifelt Ijaben, 
baß toenig SSertufte in ber SEBelt einen heftigeren ©djmerj 
in mir jurüdlaffen fonnten, unb bog itfj lange 3^* öD« 
©tanbljaftigfeit, bie bem SRanne ^iemt, jufammenneljmen 
mußte, um meinen Summer nur einigermaßen ju mäßigen, 
ber bennodj nie ganj in mir erfterben ttrirb. Sittel, toaS 
ebel unb fromm ift, Ijerrfdjte in einfacher ©röße fo mitb unb 
bejaubernb in biefem ädjten Staturfütbe toor, baß jeber Sag 
meine reinfte Sie6e unb oft meine fjödjfte Setounberung für 
fte üermeljren mußte. 3?ac§ S^em ©tauben, tfjeure gürftin, 
nrirb eg l^nen tnetteidjt angenehm fein $u Ijören, baß 9Rad£)* 
buba bor i^rem Sobe bie fettige Saufe empfing, unb als 
fte t>on meinen Bergleuten mit gaefetjug, faft t>on ber ganzen 
©intoo^nerf^aft 3Ru3fau'S umgeben, ju ©rabe getragen 
ttmrbe, ba3 Sreuj be3 ©rtöferS auf it>rem ©arge lag. Sludj 
toarb iljr Slnbenfen am nädjften Sonntage burdj eine SRebe 
beg Ijiefigen ©uperintenbenten, bie SSiete au 2t>ränen rührte 
— benn 3eber toar ifjr audfj fjier nad) furjem Slufentljatt 



95 



mit Siebe jugetfjan — als (öjriftin geehrt ©iebt e$ eine 
perftmlidfje Sortbauer, fo bin id) feft überzeugt, baß biefer 
eble ©eift, bie£ tief fä^Ienbe $erj je|t feine fdjjttmrje irbif($e 
£ütte fdfjon mit bem @tral)lenglan§ eines fetigen Engeld Der* 
taufet fyat. 

9iuf)e ifjrer Stfcf^e, unb ©Ott mit i§r mie mit un3! 

Unb nun möge ba3 Seben ftin SRed^t üben, unb lieber 
frum Srbifdjen jurücf führen. %<fy mußte tt)of)I, baß ©raf 
SKa^an abfd&eulid) genng gclücfctt, $f)re Äifte ju groß für 
ben £ran£port in feinem SBagen ju finben. 3$ fyatte fie 
alfo mit einem $aß unb ßhnpfeijlungSfd&reiben ber öftere 
reidjtfdjen ©efanbtfdfjaft ge^arnifd^t, fd^ott öor öier 2Bodf>en 
bitrdfj Stoulatje nadf) SBien abgefenbet; totö nun weiter barattS 
tt>irb, muß ben ©d&icffatömädEjten unb öftrer graufamen 
5)0Juane überfaffen bleiben. Slber fefyr entrüftet bin tdj barüber, 
bafe ©ie einen Sfjeil iljreS Snfyiltä bem Shmofitätenfabinet 
in ®önig3toart übermalen tooöen. ©eftatten ©ie mir bodj, 
fdfjonungSlofe gürftin, $f)nen baju etmaS SßaffenbereS ju 
überfenben, too idfj raiefy benn freiließ fe^r gefd^meid^elt 
fifjlen toerbe, tt>enn biefer Seitrag in ben Sönigättmrter Än* 
nalen at$ öon mir geraeinfdjaftlidfj mit ber fd&önften unb 
ftebenStoürbigfien Srrau ifjreS 3fafyrt>wnbert3 bargebradjt, auf* 
geführt mirb. 

©cljehnifdfj unb liftig genug ift, ma£ ©ie über bie ffiifer* 
fwfjt be£ Derfüfjrertfd&en ©rafen fagen. 9ldj ©ott, tote 
glüdKicf} mürbe icfy mid& fd>ä|en, n?enn er audfj nur ein Sttom 
Urf adfje bajn §ätte. H61as, je sais trop bim ce qull 
faut en penser, mais vous avez parfaitement raison 
de dire qu'il y a toujours de la ressource dans les 
femmes, car elles finissent toujours par avoir raison 
d'une mantere ou de Tautre, et pour nous faire faire 
ce qn'elles veulent. 

©o getjt e§ Sfjnen audjj mit bem befiegten 3D?ef)emeb 
Stli. Stitn bin idf) aber einer tum ben toenig toeltftugen 



96 



SJtettfdjett, bie Weber ihre greunbe bloS beShatb attcin ber* 
taffen, Weit fte in -Kotf) ftnb, noch nach bcra 3IuSgange ridj- 
tenb, einen großen SKann, ben fie bisher berefjrt, blog beS* 
halb, Weil er ungtücftich ift, fofort für einen ganj orbinairen 
Sterblichen erflären. Stuc^ fe^c ich bis jefct bnrdjauS nicht 
ein, inwiefern ich mich auf eine fchimpflidje SBeife in biefem 
meinem gelben geirrt haben foH. 3cf) ^abe nie behauptet, 
baß er unbefiegbar, noch baß Sbrafjim 5ßafdf)a ein großer 
getbherr fei, (fonbern gerabe baS ©egentheit*, aber fetbft 
ber befte getbherr würbe nichts mehr ausrichten fönnen als 
^brahim, wenn feine ©olbaten ju Saufenben babon taufen. 
9?och weniger aber ftanb bieS in ber 9Radjt SDtehemeb 9tü'S 
bon fern her ju berf)inbern, unb barüber, baß eS gefchefjen, 
ließe fich noch fehr biel fagen, WaS ich au $ nädjftenS ju 
thun gebenfe. Ratten bie granjofen jeitig gethan, WaS 
Snglanb unb Defterreid) aöerbingS mit feltener Energie 
plöfclidj ausgeführt, fo mürben bie ägtjptifchen Iruppen bon 
fran^öfifchen Offizieren angeführt, unb bie ägtjptifche glotte 
in granfreichS Rauben ben ©ngtänbern bielleicht ein noch 
übleres Spiel in Serien unb bem äRittetmeere bereitet höben, 
als jefct äRehemeb 9lli trifft. 

Stber beWunbern muß ich, geftetje eS freubig, bie 
tieffehenbe Sßotitif unfereS dürften, ber bie granjofen unb 
ihren ganfaron*äRinifter fo richtig beurtheitenb, borher fdjon 
wußte, baß jene überragt unb unter fid) uneinS, nidht 
fähig fein würben, bem Unerwarteten einen noch fühneren 
Sntfchtuß entgegengehen. S)ennoch t^ut eS mir, bem Saien 
in ber Sßotitif, um unferen frönen grieben unb unferen ge* 
Wältigen gortfchritt unb #anbet leib, bem fchon jefct burd) 
baS ©efchehene ein ftarfer £emmfchuh angelegt worben ift. 
Unb WaS gewinnen Wir bamit? Peut-6tre le jeu ne valait 
pas la chandelle, unb ich möchte ©ie bitten, unpartheiifche 
gürftin, barüber nadjjulefen, WaS fetbft ber engtifdje „@£a* 
miner" über biefeS %$tma fagt, wobon Sie eine genaue 



97 



Heber fefcung in ber 93etfage jur „Sittgemeinen Beiiung" bom 
11. SKobembcr, Seite 2514 finben toerben. 

©efyen ©ie e§ aU eine ©träfe 3$re3 ungrofjmütfyigen 
1£riumpf)e3 über bie decomfiture meines noble friend an, bafe 
idfj Sie fo lange 3eü mit Sßolitif §eimgefudf)t, oü selon vous, je 
döraisonne toujours. $tber nodj meljr Unrecht tt)un Sie mir 
an, toenn ©ie glauben, bog mein „bif figer" 33rief au§ ^Berlin 
ettt>a§ anbereä aU ©df^er^ getuefen fei, nnb idj je in irg^nb 
ettoa3 einem bitteren ©efüfyl gegen Sie 9?anm geben 
fönnte, toenn Sie midj auä) jebeS %äf)v in ben Stpril fdfjidften, 
um fo weniger, ba e§ 3tf)nen, hrie Sie toiffen, bafc erftemal 
fo ganj mtb gar mißlang, unb Sie, gute gürfttn, felbfi ein 
roenig in bie ©rube fielen, bte ©ie mir gegraben. ®te$ ift 
ein ljiftorifd(je3 gaftum, ba3 niemanb mefyr bejtoeifeft, aU 
au3 ßourtoifie 3f)nen gegenüber. „2lIfo fdjtoeigen toir ba=- 
bon", mais gare au premier avril 1841. 

2)a3 Somplar be§ „©ergnüglingg", tteldjeä ©ie mir 
tieblid) fcfymeidjelnb bedangen bie ©nabe f)aben, fenbe id), 
fobalb td) fetbft ba§ 33udj f)abe, benn ber nadfjlftffige £>att* 
berger f)at mir bon ben 25 greiey ewplaren , bie er mir 
fdjulbig ift, nocf) fein einziges gcfcf)idft. S)ie erften SBänbe, 
toeldje anfommen, erhalten fogleid) ©ie unb 9Rab. grofyberg 
mit ber Unterfcfjrift be3 ©eeleneigenen. 

Slber tt)at)rlid)! SRein 93rief tütrb ein 33udj! C'est in- 
däcent! SSer^ei^ung! 3Rit 3f)nen bergigt man nur §u leidet 
3eit unb SRaum, les anges comme les diables, unter tt)eldf)e 
lefctere ©ie midj Wog um meiner beften ßigenf duften toiHen 
rangiren, ju biefen aber rechne idj borjüglidE} bie gäfyigfeit 
<Sie %u ttriirbigen, unb bie liebebotte 8Seref>rung, mit ber id) 
ctoig fein toerbe 

3$r treuergebener 

£. Hüffler. 

P. S. 2tyropo3! 3c£) bergag nodj taufenb S)anf für 
bie gnabenretcfye SSeforgung be§ frönen ®ronIeudE}ter£ aus 

Würflet, SrWnxc&fel unb lagebücber. VIII. 7 



98 



©nglanb 5U fagen, ber jefct bic ^Berliner entjücft. 2Iudfj Ijabe 
idfj, obgleich Sic midj in metner ©igenfdfjaft ate obligater 
2lbanturier für einen eben fo fd^edjten Qafjltc Ratten, als 
©djjißer'S Sfolant, bieSmal ate etjrlidjjer 9Rann bie 3af)tong 
fogleidfj beim grofcen SKottjfdfjilb angetüiefen, bleibe aber nod) 
in 3$rer ©dfjutb für ©Sbouquet nnb hair water. ©nblidfj 
bitte id) nocf}, baß ©ie unferem geliebten dürften an*3 £erj 
legen, bafj er mir immer gnäbig gefinnt Heiben möge. 



19. 

Sßücfler an bie gürftin Sülelanie öon 9Retternid). 

Sßalbfcfjlofj (n>o ber ^afcfja umgebt), 
ben 27. 9tot)ember 1840. 

9Reme gnäbigfte gürftin unb £errin, 

©ie {jaben fid^ immer aU eine fo gütige ©önnerin für 
wirf) g^igt, bafc idE) tjoffe, ©ie werben e3 mir nicbt übel 
nehmen, wenn iä) mid) unterftetje, ©ie nm bie Ueberna^me 
einer Reinen Sommiffion für mid) $u erfudfjen. ©3 Hegt 
mir fetjr ötet baran, baß grau öon Sßrofefd) ben beöoteft 
beigelegten 93ricf nebft bem Keinen ifyn begleitenben $aquet 
auf fixere unb fdjnette SBeife ermatte, ©ie tjaben bie beften 
SKittet baju in Rauben, unb id) bitte bafyer um %f)u freunb* 
Iidf)e Sßroteftion in biefer SIngelegenfyeit. 

SSon £erjen gratulire id§ Stjnen jugleid), fiegreid^e 
gürftin, §u ber ©inna^me öon St. Jean d'Acre unb ber 
glorreidjen 2lrt, mit ber fidfj 3$r IjoffnungSöotter junger 
©rj^er^og öon neuem fo glänjenb babei ausgezeichnet I?at. 
Studf} gebe idfj midE) nun, nadj bem fo öoöftänbig erfolgten 
©otteSurtljeit, bem gürften gegenüber, gönjtid^ gefangen. 
betounbere feine Sehergabe unb fein ©tücf, in ber freubigen 
3uöerfidjt, bafj biefer beifpieflofe ©rfolg, ber feinen 9?utjm 
ondfj immer T^ö^er aufbaut, if)n toenigftenS um ^eljn $af)re 



99 



verjüngen mufj. 3)enn e£ ift t^m nidfjt nur gelungen, granl* 
reidfj ju entnertoen, ja, e£ gettriffermafjen an ben pranget ju 
ftellen, unb juberftdfjtlidj beffen Slötanj mit ©nglanb auf 
lange 3eit, too nidfjt auf immer ju bredfjen, fonbern audj 
9tuf$Ianb faft eben fo fef)r tüte granfreidfj toon ber ©nt= 
f Reibung ber orientalifdjen grage ju ifoKren, unb bem lieber* 
getoid^t feinem ©influffeS in Äonftantinopel ein @nbe $u 
madfjen. 2)ie3 ift toaljrlidf) ein grofjeS, ein enorme^ 9tefultat 
für einen fo teilten ßrieg. 

S)a Sie midO nun fo in ber Sßolitif belehrt fjaben, ftefje 
id) nidfjt bafür, bafj Sie midf) auefj nodf) ent.fefcern fönnten, 
tpenn Sie fid^ l)inlchtglidfje SDtülje barum geben lüofften. 3Rit 
einem SBort, td) überzeuge mtdE) tägtidj tiefer, bafj ©ie in 
jeber ^infid^t untpiberfte^tid^ finb. Unb mit biefem, f)alb 
traurigen, Ijalb freubigen 33ef emttnifj , unterjeidfjne idjj miety 
eifriger alä je, aU %f)x treuer ©eeleneigner 

^ermann ^ßücflcr. 



20. 

^ücfler an bie gürftin SDtetanie toon 3Ketternid&. 

2ttu§fau, ben 1. ge&ruar 1841. 

©näbigfte gürftin, 

Dbgleic!) mein testet S3rief toon Sljnen unbeantwortet 
geblieben üft, unb idf) ba^er faum roeifj, ob „ber ©ultan 
aJiu^fot)" luie mid& Sfjr ^atterma^er nennt (ben idf) aber 
geheiligt nidfjt anzugreifen toage) ob, fage idE), benannter 
©ultan nidfjt eine SnbiSfretion begebt, inbem er ©ie toon neuem 
mit feiner ©Treiberei beläftigt, fo fyabe id? bodfj ein SDtotiü, 
ba§ midfj entfdfjulbigen mufi. 

®3 ift lieber 3$re ^roteftion, bie id) für einen guten 
greunb anrufe, ben 2lutor ber beifotgenben Xragöbie, beren 
§eft> frettidfj nur ein glänjenber „Stöanturier" ift, aber mir 



100 



bemtod) Qfjreä gntereffeS toertf) fcf)eint. 5>er $lutor roarb 
bereite in Sßrobuttionen anberer 9lrt günfttg üom ^ßuBIifum 
aufgenommen, ttriß aber öor ber |)anb notf) unbefannt bleiben, 
imb tuünfdjt fef)nü<f) fein ©tücf in SSien §ur Sluffüfjrung $u 
bringen, fid? im fcorauS jeber für nöttjig erachteten 33e= 
fcfyneibung untertoerfenb , jeigte fidE) SSien in biefer f>infidfjt 
aucf) eben fo ejigeant al£ ^onftantinppeL 

|>at alfo „3ftonatbe3d£)i" ba3 ©lücf, ®nabe öor Sfjren 
fingen -$u finben, fo bitte tcf) nm gnäbige SSermenbung, 
tljeure gürftin, e3 nodf) in biefem 3Sinter $ur 2luffüf)rung 
bringen, nnb $u biefem SBetynf einem %1)xtv ©ffaben jur 33e* 
f orgung biefer Slngefegen^eit übergeben $u laffen. 

SSon mir tft ba§ ©tücf ni(f)t, aber id£) interefftre midj 
faft ebenfo lebhaft bafür, nnb tjabe e£ audfj Ijie unb ba, 
mit ©rlaubnifj be3 33erfaffer£, ein tuenig forrigirt. §at e3 
©uccefj, fo roirb fidj ber SSerfaffer nennen, wirb e3 au3= 
gepfiffen, fo bleibt er in ber toerftfjttriegenen SftadEjt. 

9licf)t ein SBort mefyr, um Sie nidfjt mefjr at§ nötf)ig 
ju ennutyiren. ®a3 Syemplar be$ 33überfonb3 t)abe id^ nodO 
nidE)t gefanbt, toeil id(j e§ erft in S3ertin ^tjnen ttmrbig ein* 
binben laffen hriß. ©inftmeilen empfefjle id(j micfj Ig^rer 
SRad^ftd^t unb ©nabe, ttrie immer aU Sfyr (Seeleneigner, ber 
aber nodf) t>iel lieber %f)x Seibeigner toäre! 

3$r untertfyänigfter 

§. $ücfter. 



2L 

$ücf(er an bie gürftin SKelanie bon 9Ketternicf). 

©rf)Io6 HJlusfau, ben 16. .ftebruar 1841. 

gürftin ! Sie finb fromm, Sie finb Stjriftin mit Seiben* 
fdfjaft, Sie finb ^oc^gefteHt. — gürftin ooü Siebe unb Äraft! 



101 



Reifen Sic ba3 ©rab be§ (SrlöferS befreien. — SBeld^ ein 
SBerf, tueld) ein SSerbienft, meld) eine 33etof)nung im §im* 
mel einft! 

2)ie3mat mit emfter SRafjnung, mit brünftigem gfefien 

3$r ©eetenetgner. 



22. 

ftürftin 9JI e la nie öon SDletternicf) an $ü<ffer. 

$en 9, 9Mr5 1841. 

©ie finb n>ol)I redjt böfe, lieber gürft ? unb fyaben audj 
ba3 Siecht, böfe $u fein. — 3*1 erfdEjeine audj £)eute nitfjt 
als £errin, fonbern als bemütf)ig Sittenbe. Serben 
Sie mir, idj bitte ©ie, unb glauben ©ie meinen SBorten, bie 
nie trügen. — $cf) bin nicf)t unbanfbar — aber gefjejjt * 
bin idfj; unb obfdjon icf) nadfj meinem Sobe für unnü| t»er= 
torene Seit tterbe fernere 9lecf)enfcf)aft geben müffen, fo finbe 
icf) boef) feinen Slugenblicf, um bie 5ßflidE)ten ber geroöf)nlidf)en 
£>öflid(jfeit ju erfüllen, unb auf empfangene Briefe ju ant= 
tu orten. — 9?ocfj einmal, jeigen ©ie fidf) gr ofcmütfyig, unb 
öerjei^en Sie aU ©eeleneigner gfjrer ci-devant §errin. 

gdfj bin mit ben fdf)önften Seppen umgeben, einer 
liegt $u meinen güßen, ein Reiter beeft meinen Sifdfj — 
ein einfaches ^öl^erne^ ®rcu-$, ein gaefimife be3 fjeifigen 
@rabe§ ftef)en tior meinen 2lugen, unb fo oft be3 XagS benfe 
id) mit 2)anfbarfeit an ben großmütigen ©penber fo vieler 
fdjöner ©oben. SWein, unbanfbar bin icf) nidjt, unb fann idfj nie 
fein. — ©ie, lieber gürft, finb ein SKann ofyne SBort — Sie 
üerfpracfjen jurüdpfommen, unb f)aben e3 nicf)t getfjan, unb 
f djetnen entfcfjloffen, g^rc frönen SRofen unb Sfyre ©runb= 
fcirnen felbft §u pflegen. 2)ie3 mag redf)t f cbön unb poetifdf) 
fein, für 3f)re greunbe ift eS aber f)öd)ft langtoeilig. — 3d) 
ratfje gfjnen übrigeng nidfjt ju lange in ber ©infamfeit ^u 
bleiben. Vous ne vous faites pas une id6e combien on 



102 



se gäte facilement — on voit tont avec les couleurs du 
fait qu'on a vu dans le raoment oü formait son juge- 
ment. 

2)a3 ©etüöfjnlidjfte unb oft ba3 ©d&Iedfjtefte erfdfjeint 
fd^ön unter einem fetteren Gimmel, blü^enben ©hinten, unb 
buftenben ©efträudf^en. — 2)a§ @<f)önfte unb $immltfd)fte 
tDtrb bem (£ tttf te bler aber eben fo leidet §ur dual nadj 
einer fdE)iecf)ten 3)igeftion, nadfj einem ftarfen Stegen zc. zc. — 
©agen Sie mir, lieber Surft, toetdfjeS SBetter ttrnr tnotyt in 
•BtuSfau, ate Sie „9Ronaft>e3d(ji" gelefen unb beurteilt 
Ijaben? Sei un£ ipar ber SEBinter abfcfjeulidj. 

®rft feit geftern geljt ber ©djnee auf, unb nrirb bie 
£uft milber. ©eit geftern erft f)offen mir einft lieber ba3 
griHjja^r ju feljen; et comme je suis la plus dßvouße de 
vos amies, je veux attendre le premier beau jour de 
printemps pour relire une brochure que Vous m'a- 
vais envoye, et qui pendant l'hiver doit avoir perdu 
beaucop de son charme. Stuf jeben gatt glaube idj, bafj 
@ie ben jungen Slutor nityt ju fef)r encouragiren foöten. 
II y a quelque chose en moi qui me dit, bafe er e£ nie 
ioeit bringen itrirb, unb toix traben ja ©dfjledjte unb 9RitteI= 
mäfjige genug. — ©rfticfen Sie ben Seim in biefer jungen 
Sruft. S)er SKann fann fo trielleicf)t irgenb ein $anbtotxt 
toortrefftidf) lernen, unb al§ Stutor ttrirb er fidf), fürchte idtj, 
feinen SKamen machen — befonberS tnenn bieg fein erfter 
SSerfud^ ift. Le premier jet est presque toujours em- 
preient du göttlicher gunfe! N'est-ce pas?*) 

Sagen ©ie mir balb, bafe Sie mir berjieljen Ijaben, 
unb bafi idfj nodfj StnfprudE) auf 3$re ©eele Ijabe. 

ÜManie. 

Slnmerfung ber §erauSgefcerin: 2öir ttyeilen biefeS llr* 
iljeü ber gürftin mit, ba e§ einem ©d&rtftftetter von bem latent unb 
ben ©rfotgen ^einridj Saube'3 nicf)t fdjaben fann, unb weil ber 
ungerechte $abel ^ßütfler Slnlaf; jur ©rroieberung gab. 



103 



23. 

tßücfler an bic gürftin SDtelante t>on äKetternid). 

Chdteau Muskau, le 24 Mars 1841. 

Vous m'avez rendu la vie, chöre et bonne Princesse, 
par votre aimable lettre. Efelas, vous le savez aussi 
bien que moi, que dös le premier moment oü je vous ai 
vu, ma pauvre äme damnöe a 6t6 k vous pour la vie, et 
si je me suis fait une sage violence pour ne pas trop 
m'abandonner k ce culte involontaire , c'est que j'avais 
honte de mon age et de mon peu de mörite vis-ä-vis 
d'un pareil ange ! Voilä, la vöritö, et c'est mon privilöge 
de la dire aux grands comme aux petits. 

Vous me donnez de bien bons conseils dans votre 
charmant sermon, et je vous prouverai bientöt, bafj bet 
©amen auf ein frudjtbareS gelb gefallen ift. Aü reste, un 
peu de solitude ne fait pas mal, pourvu qu'elle ne soit 
pas trop prolongöe. Aussi je ne m'amuse pas seule- 
ment k planter des choux et des pommes de terre, je 
plante bien autre chose, je vous assure, et quand je 
suis dans ma chambre k lire, ou k donner audience k 
mes pensöes, je suis mollement ötendu dans un patent 
chair, et j'ai devant mes yeux votre litographie anglaise, 
qui ne vous rend pas justice k la vörite, mais qui a 
cependent une douce ressemblance, qui me fait du bien. 

Savez- vous comme je vous ai placö? 

Au dessus de vous il-y-a une excellente gravure 
reprösentent Faust et Möphistophele, promettant k son 
disciple toutes les voluptes de la terre, et au-dessous 
de vous une nonne presqu' aussi belle que vous, tour- 
nant ses yeux humides vers le ciel, en priant devant 
une image du Christ. 

Je prötends que c'est bien imaginö. 

Que vous 6tes bonne, chere Princesse, davoir k 
votre tour si g6n6reusement plac6e mes modestes 



104 



offrandes. J'envis surtout le tapis, et je frissonne en 
songeant pue les pieds les plus divins que je connaisse, 
le presseilt tous les jours de leur attouchement 16ger et 
gracieux. Mon äme, puisqu' eile vous appartient, r6- 
clame le droit de se prosterner devant ces jolies pieds 
pour les remercier*). 

II n-y-a qu'une seule chose dans votre lettre, qui 
m'afflige, c'est que vous dites, en parlant de vous 
meme: „3#* e ci- devant £errin". Oh par exemple, je 
proteste avec fnreur contre cette phrase inhumaine. 
Je suis comme ce serviteur, qui r£pondit ä son maitre r 
quand celuici voulait le chasser, parcequ'il n'avait pas 
besoin de lui: „Mais, Monseigneur, moi j'ai besoin de 
vous'*. Ainsi plus de ces mauvaises plaisanteries, qui 
me font trembler, mais pas reculer. äReine ^crriit 
f in b unb bleiben Sie bt3 in ©ttigfeit hinten. 

,,9Konafbe£<f)t" t)at alfo feine ©nabe tior S^ten fritifd)en 
klugen gefunben? ®3 tfjut mir leib. £a§ Stücf ift tion 
einem unferer gefeiertften norbifdjen, mobernen Tutoren, öon 
£einridf) Saube, nnb ift, mie idj työre, fd)on auf einigen 
Sühnen mit großem SeifaH aufgenommen. ®ie Sragöbie 
Ijät if)re gelter, aber id) geftef)e, ba£ fie midj bei ber Seftüre 
lebhaft intereffirt f)at. ©3 toäre bod), loenn nidjt politifdje 
©rünbe entgegenftetjen, be3 8Serfucf)3 tnertf), fie in SBien auf- 
führen ^u laffen. Mais comme il vous plaira. Que 
Votre volonte se fasse toujours, et en tout. 

Avez-vous re§u mon dernier petit billet? J'espöre 
au moins que le contenu d^ celui-lä vous tiendra a 
coeur. C'est pour vous w^e täche grande ^pt sublime ! 
et il me semble voir 1^-^oigt ' dp Dieu dans ce sin- 

*) Je n'ose pas les baiser möme par distance, cat Je* connais 
votre rigidite, and like the Gods of old, I fear You not less than 
I love You. 



105 



gulier hazard qui a plac6 le facsimile du saint s6- 
pulcre constamment devant vos yeux. Vous avez 6t6 
£lue. Agissez. !gf)r tyx$\ä) untertäniger 

^ermann $üdfer. 

J'espöre que cette fois-ci vous aurez la g6nerosit6 
de me räpondre. Cela me reud si heureux, et cela vous 
coute si peu! 



24. 

gürft öon SDletternidf) an $ücfler. 

33rigl)ton, ben 25. Sejember 1848. 

Sieber gürft, 

93aron Sari |)ügel fjat mir 3^r ©djreiben üom 12. £)f* 
tober $ur Jfenntnig gebraut. $)ie ©efütyle, tüdd^e ber 93er* 
ftorbene bem Serftorbenen fdjenft, haben midfj erfreut, ©ie 
gehören $u ben Sebenbigen, unb e3 bürfte am ©nbe toofy 
möglidEj fein, ba& in unferer umgefüllten 3eit 'in ben 33er* 
ftorbenen metjr Seben läge, al§ in ben fidf) be§ Sebent 
9?üfjmenben, in einer fo gearteten Stit. 

©ie irren fid) nicf)t, wenn Sie auf meinen ©Ieidf)mutfj 
bauen. 5)iefer äftutfj^ gehört aßen benfenigen an, meldte 
Hüffen, toaä fte tooßen, toeil fie ttuffen, toa$ SRed^t ift. %n 
%fem ©efüf)Ie liegt eine Sraft, meldte fidf) aU 9?u^c mitten 
in be? S3emegung geigt. 3)ie ©efd£)idf)te, biefe gro&e Surt), 
grünbet feine Slufprüdfje nur auf gtoei ©runblagen, auf bie 
Vergangenheit unb bie 3ufunft, auf bie 2(u3gang3* unb bie 
2htfunft3punfte. Die ©egentoart bilbet nur eine 93rärfe fcon 
bem einen jum anberen Ufer. 3)a§ Seben Verläuft auf ben 
Ufern, unb ntdjt auf ben 93rücfen, unb bafc idEj mein Sager 
mdfjt auf bem UebergangSpunfte auffd^üig, bieS toirb bie @e= 
fdjidfjte mir bejeugen. ©ine anbere — eine toeit wichtigere 
fiefjre lüirb bie @efcf)id(jte bieten. ®3 ift bie, bafc grei^eit 



106 

nur auf ber ©runbfage be$ 3?ed)t3, tt>eld£)e3 ftetS bie ber 
Drbnung ift, §u murjeln toermag. 3$ für bie Drbtmng 
gelebt, unb fonadf) bie greifyeit getoottt, nid^t bie fdjjitternbe, 
fonbern bie toaljre, bie ermärmenbe unb belebenbe. £abe idfj 
midjj geirrt, fo ift bieS nidfjt meinem ©tllen, fonbern meiner 
©eifte3f<f)tt)äd)e ju^uf ^reiben. 3)ie le^töerftoffenen neun 3Jlo* 
nate fdjeinen mir ber Stnftage nidjt günftig ju fein; meine 
moralifdje Stulpe Ijaben fie menigftenä fd^manfenb $u machen 
nidfjt fcermodjt! Chi vivrä, verrä! 3u ben lefctcren gehöre 
idt) nid^t; bie @efdE)idE)te mirb aber (eben, unb it)rem SSerbift 
fetye idj getroft entgegen. 

ÜReine grau banft 3^nen Ijer ilidfj für bie fie betreffenbe 
Srinnerung. @3 mirb fie mte mid£) freuen, toemt mir uns 
im Seben nod) treffen. 2)a$ mann unb too lägt bie ©egen- 
mart nid^t beftimmen. 33) fenne in ber SEBelt nur jmei 
Sßläfce, ben auf ber SBüfjne, ober ben in einer Soge. SSon 
ber S3ü^ne abgetreten, Ijabe idj bie Soge belogen. %n ben 
Souliffen meifj idEj nidfjt ju fielen ; im parterre finbe idj 
bie ©efeflfd&aft ju gemifdjt, unb ba$ *ßarabie£ fudtje id& in 
ber anberen unb nidfjt in biefer SBelt! ©ie miffen fonadfj 
too idfj ju finben bin! 

Smpfangen ©ie bie SJerftdfjerung meiner 3§nen be~ 
fannten ©eftnnung. 

äRetternidfj. 



pAlfr unö iottig frirtaty Plljflm betn Herta* 



\ 



1. 

ffönig Srjebricfy SStl^cIm bev Vierte t>on Sßreujsen 
an dürftet. 

33onn, bcn 26. gebruar 1851. 

Stieuerfter gürft, 

3$ Bin 3$nen fe^r banfbar für 3f)re freunblidje 
natjme! 

9litf)t genug fömten toxx ©otte§ ©nabe greifen, bic 
mid) tior einer fo großen ©efat)r betoaljrte, unb einen fdjtoeren 
Unfall in einer folgen SBeife toorübergefyen ließ. 

S)ie Strt unb SBeife, tüte @ie jenes ©reignifj afö $or= 
bebeutung für mein fünftigeS Seben anfe^en, freute midj fe^r 
unb id) tyoffe auf ©otteS £ülfe, baß e£ atfo gefc^e^en möge! 

©eien Sie überzeugt, tfjeuerfter gürft, burc§ $$xt XJjeil* 
nannte innig erfreut ju Ijaben 

S^ren 

banfbar ergebenen 



griebridj SBiftjelm. 



110 



2. 

®önig 3frtebrid& SBitfjelm bcr SStcrtc bon ^reufcen 
an ^ücfler. 

$otöbam, ben 23. Dftober 1853. 

©mpfangen ©ic ben beften ®anf für freunblidjen 
©lücftoünfd&e, tljeuerfter gürft, unb für bic in jenen Stiltn 
auSgefprod&enen ©efinnungen. ©3 freut mid& feljr, bajs ©tc 
meiner, afä eines alten 33efannten, gebaut, unb id& tarnt 
nur nod& ben 2Bunfd& ^injufügen, redjt fiatb mein SSer* 
fpredjen löfen, unb Sic in 93ranifc befugen ju fönnen. SBte 
immer 

fefjr ergebener 

griebrid) SBitljetm. 



3. 

Sßücfler an ffiönig griebridf) SBilljelm ben SSierten 

ßoblenj, ben 8. Dftober 1854. 

8ttterburc^Iau(^tigfter ®önig, 
2lttergnöbigfter ffönig unb £err, 

Soeben bon ®öln Ijier in Äoblenj eingetroffen, finbc id& 
einen 93rtcf bor, ber mir melbet, bajs ©tu. SRajeftät bie große 
©nabe gehabt Ijaben, mein tänblid^e^ 33ranij}, mein einfameS 
parva domus magna quies, mit SlHcr^öd^ft 2)ero 93efud) 
- ju beehren. 

(Srtauben @to. SRajeftät, baf? icf) für biefe fo uner* 
wartete ©Ijre unb SKu^eidfjnung, fo tute für bie mir mit* 
geseilten ljutbbotlen Steuerungen ©tu. SRaj. fdjriftlidj meinen 
innigften, untertfjänigften S)anf abftatten barf, toenn audj 
bie auf$erorbenttid)e greube, bie idj) barüber empftnbe, ba* 



111 



burdfj getrübt toirb, bafc e3 mir nidfjt vergönnt ttmr, biefen 
®anf perfönlidf) auSjufpred&en, unb @m. SRaj. toenigftenä 
ettoaS toürbiger ju bettrirtljen, afä, tüte idj) fürchte, bieg in 
meiner 9l6tt>cfcn^cit möglid) getoefen fein toirb. 

©eftatten mir ©tu. 9Raj. jugleicfj, ba ber 15. Dftober 
fo nalje ift — ber audj in mir immer bie berjeiljtidEje ©itel* 
fett ertoeeft, in ein unb bemfelben SJtonat mit meinem £errn 
unb Könige geboren ju fein — ju biefem froren Sage @m. 
äftaj. meinen IjerilidOften (StücfttmnfdE) ju güßen ju legen. 

3Köge bie allgemeine Seier biefeS SKationatfefteS immer 
für Sit). SRaj. mit ©tücf, greube unb griebe ttrieberfeljren, 
t>erfd)önt burd) Siebe, ®anfbarfeit unb SSere^rung eine3 
treuen 3?olfe3, bem auef) id& öon benfelben ©eftnnungen für 
@tt>. 9Raj. befeelt, anjugeljören mid) ftolj unb glücflid^ fü^te. 

Sn tieffter ©IjrfurdEjt erftrebenb aU ©to. SJtaj. aller* 
untertijänigft treu gejfjorfamfter 

£. g. Hüffler. 



4. 

ßönig griebridf) SBilljelm ber Vierte öon Greußen 
an Sßücfler. 

©anäfouci, ben 10. Dttober 1854. 

S^re freunblidfjen 'geilen öom 8. b. SRtS. fjaben mir 
eine grojse greube gemalt, unb e§ ift mir angenehm, ba§ 
(Sie, lieber gürft, mir bie Skranlaffung geben, 3$nen er* 
neuert meine SBetounberung über bie Ijolje ®unft auSju* 
fpredjjen, mit toeldOer Sie unbebeutenben Sagen ben 3?ei§ 
fdfjöner (Segenben, ja: oben, traurigen gelbern, liebliche äBoljn* 
lidfjfeit ju fcerfeifjen berfteljen. Sie fefjen, lieber gürft, bafc 
id) unter bem frifdfjen ©inbruef öon 3Ku3fau unb Sranifc 
fdjreibe. SBören Sie $u 93rani§ getoefen, fo mürbe id§ burefj 
Anleitung be§ SDleifterS nodf) toeit meljr ent^üeft toorben fein. 
@o aber ift mein Urteil ganj unbeftocfjen, unb muß 3f)nen, 



112 



falte ©ie überhaupt SBertl) auf frembe Ginbrüde legen, mein 
©nt^üden noef) toeit fdfjmeicfjenjafter fein. 

gür $f)re ©lütfroünfdje meinem ©eburtStag fage id> 
meinen fdjönften 2)anf, unb ermiebere fie für ben 3$rigen, 
ber am ©nbe biefeS SDtonatä eintritt, unb fo enbige idj biefe 
©giftet, unb berbleibe, lieber gürft, 
S^r toofylgenetgter 

griebridj SBilljelm. 



5. 

^üdler an ®önig griebrief) 3ßilf)elm ben SSierten. 

ßoblena, ben 18. Ofteber 1854. 

Sltterburcfylaudjtigfter Sönig, 
2lßergnäbigfter Sönig unb $err, 

2luf bie ©efaf)r fyin, gegen alle ©tifette *u toerftojsen, 
inbem idf) nod) einmal ©uer SDtajeftät mit einem Schreiben 
in btojs midE) betreffenber Slngetegen^eit behellige, ift e3 boc§ 
meinem ^er^en gerabe^u unmöglich, ben fo toofjlmoßenben 
©mpfinbungen, mit benen ©tu. SDtajeftät gnäbiger ©rief mid) 
erfüllt l)at, fein banfbare^ SBort folgen ju taffen. 

3a, ba3 ift eine 83eIoljnung! Unb bie£ um fo metjr, 
ba fie gerabe ba3 S3efte an mir trifft, eine midj befeelenbe 
reine Siebe §ur Sunft. unb $u unferem eigenen SSorbilbe, 
ber Statur, ©inb e£ bod) audj biefe beibe — bie eine burdf) 
bie liebenb ftaunenbe 93ettmnberung ber unbefdjreiblidfjen 
§errfidE)feit ber SBorte ©otteS, bie anbere burdf) ben frommen 
S)rang bem unenbli djeu ©dfjöpfer felbft audj na<J)$uf Raffen, 
fo toeit e£ unferen Keinen Gräften Vergönnt unb innerlich 
geboten ift — ftnb e3 nidfjt, fage idj, biefe beibe, auf toeldfje, 
al3 bie fefteften, unmittelbar öon ©ott ber SJienfd^eit er* 
feilten ©tü^en aßer Religionen gelten bürfen? SBenigftenS 
ftnb fie getuifj göttlichen SBefenS, tt>otoon ber befte 93ett)ei3: 



113 



ba§ bcm tiefen ©eelengenufc, ben Siebe jur Statur unb ernfte 
Uebung ber ®unft getoäljren, biefem ^eiligen ©otte^bienft nie, 
tote es bei aßen anbeten, aud) ben unfdjutbigften, bloß finn* 
ticken greuben ber galt ift, einen bitteren Stadfjgefd^macf unb 
bie Ueberfättigung folgen taffen, nie biefen feiigen ©efüfyten 
ber ©goi£mu§ in eigener Ueberfd^ä^ung^unb gemeinem 3n* 
lereffe nat)t. 

SBte öoUftänbig mxä) baljer bie beifällige SInerffhnung 
beffen, tvaä mir in biefer 3lidjtung %u meiner unb Slnberer 
greube, unb icf) barf Ijoffen ©rljebung, au3jufüf)ren gelungen, 
fcon ©eiten (Surer SRajeftät, bem funftliebenbften unb fünft- 
iibenbften §errfd(jer, ben Sßreufeen je gehabt, begtüden unb 
rühren mujste — brause icf) tooljt nacf) bem ©efagten eben 
fo toenig ttrie bie SBärme meines innigften Saufet toeiter 
nod) @uer SRajeftät betljeuren ju bürfen. 

3n tieffter ©Ijrfurdfjt 

©uer ®öniglidfjen SDiajeftät 

aßeruntertt)änigft treuget)orfamfter 

^ermann gürft Sßüdfter. 



6. 

Äönig griebrid) 955 il£>elm ber SSierte öon Sßreußen 
an Sßücfler. 

SBerlin, ben 24. Oftober 1854. 

»efter Sürft, 

(Smpfangen ©ie meinen S)anf für 3$re freunblid^en 
SBorte ju meinem ©eburtstage. ©3 toar fef)r gütig toon 
Sutten, bajs (Sie meiner fo gebaut f)aben, unb Styre toofyU 
befannte ©eftnnung für uns auSfpredjen. 

♦JJütfler» ©riefwcdjfel unb tagcfcüdjer. VIII. 8 



114 

©ebe ber £immel, bajs bic Brunft ficf) nid^t atfju* 
fc^tüarg für uns färbe; toenn e§ aber fd^ttjarj toirb, ba§ 
feiner toerjage, unb jeber auf feinem Soften fei, unb tuenn 
audfj toon ©efaljren umbräut, bem ©türm entgegenäujieljett 
ttriffe. ©ine ©ntfcfjeibung in bem ©ange ber 5)inge fc^eint 
fidj bor^ubereiten. # 

3Jteinen SJanf ttneberljolenb, verbleibe idj ftetS, befter 
Sürft, 

fef)r ergebener 

griebridf) äBilfjelm. 



Stwt Briefe QPöcßfcr'ö 

an bic 

$at(enn JUgufta. 



1. 

$ücfler an bie ffiatferin Slugufta, 
bamalä ^rinjeffin Don ^reufcen. 

(1858.) 

Madame, 

Je sens le besoin d'implorer votre pardon, et je 
vous supplie ä cet effet de me permettre un seul instant 
— de ne pas m'adresser uniquement k la Princesse, 
mais de prßförence ä la femme, si supärieure aux 
autres, que, je Tai toujours r6v6r6e comme une demie 
divinit6 parmia les hommes, depuis que je la connais 
sortie de Tenfance. 

Votre Altesse Royale a trop d'esprit, pour ne pas 
lire au fond de mon äme, et vous n'y trouverez jamais 
rien qui puisse effleurer une nature aussi elev6e, bonne 
et juste comme la vötre — cependant je dois m'accuser 
d'un brin de folie en action durant ces derniers jours. 
A tout pechß involontaire mis^ricorde! Veuillez donc 
m'accorder la satisfaction de vous expliquer en toute 
sinc6rit6 ce que je puis allöguer pour mon excuse. 

Je me sentais si content de me retrouver auprös 
de Votre Altesse Royale, (metner tüa^ren Rettin) k Co- 
blence, au lieu de ce triste Berlin, et je m'6tais fait 
particuliörement une teile joie d'occuper derechef, comme 
autrefois presque tous les jours, cette place aupres de 



118 



vous k table, oü magn6tis6 de prös de cette atmosphäre 
suave et bienfaisante , qui emane de vous partout oft 
vous paraissez, si heureux de contempler cette sßduisante 
expression de bienveillance dans vos yeux, qui raffrai- 
chit Tarne d r un vieillard aussi bien que celle d'un 
enfant, que j'en ressentais une v£ritable Emotion de 
pi&6 inspiröe — lorsque par votre ordre je fus brus- 
quement rel6gu6 loin de vous. 

D'abord je restais couime atterrö ä ma nouvelle 
place, ne pouvant men expliquer la raison, et puis je 
Tavoue (et voilä, le commencement de ma folie) je me 
sentis envahi d'un ressentiment profond contre vous, 
mon Dieu! donc je ne m'aurais jamais cru capable, et 
qui a dur6 longtemps, je m'en confesse. 

Ne vous voyant presque jamais seule, je ne trou- 
vais d'autre moyen pour donner une expression ouverte 
ä ma folle coläre, que de mettre sur le tapis cette 
ridicule discussion de rang l£z6 avec le Comte Boos, 
qui n'y a vu que du feu, mais que Votre Altesse aura 
sans doute tr^s-bien comprise, et pourtant re§ue avec 
cette angelique bonte et cette superiorite de sagesse, 
qui m'a enfin ramen6 ä la raison et au repentir de ma 
sottise. J en suis devenu malade, et j'espäre que votre 
bon coeur se contentera de cette punition, en m'accor- 
dant mon pardon sans arriöre-pens^e. 

Cependant je vous pr6viens, Madame, qu'il y a 
maintenant une chose plus forte que moi Si Votre 
Altesse Royale n'a pas la g6n6rosit6 de me rendre 
cette place auprös de vous, doitf; le refus m'a tellement 
boulevers6, que je n'ai jamais rien ressenti de semblable 
de ma vie, au moins les premteres fois que je pourrais 
avoir cet honneur, je prie Votre Altesse de me dispenser 
däsormais de tout ordre de parattre au chateau, et de 



119 



me permettre de partir pour affaires urgentes, aussit6t 
que l'6tat de ma sante m'en laissera la faculte. 

J'accepterais alors le malheur d'une disgräce com- 
plete avec r6signation, sans perdre tout-ä -fait l'espoir 
qu'il plaira jpeut - etre un jour ä Votre Altesse Royale de 
me rappeler. D'ailleurs, il y a en moi, depuis long- 
temps, une persuasion bien triste. C'est que Votre 
Altesse Royale n'a jamais voulu m'accorder une veri- 
table confiance, ötendue aux choses s6rieuses et impor 
tantes. Le fait est qu'Elle ne me croit capable et utile 
qu'ä planter des arbres — et pourtant une vois in- 
törieure me dit peremtoirement, que si je poss6dais 
cette confiance que je regrette, mon coeur et mon esprit, 
ainsi que ma franchise tout-ä-fait d6sint6ress6e, dös que 
vous demanderiez en faire usage , pourraient peut - etre 
mieux vous servir que vous ne pensez. 

, Dois-je encore demander pardon de cette lettre? 
Je ne le crois pas. Vous etes trop grande et moi trop 
dövoue pour cela. En tout cas je suis et serais tou- 
jours avec la plus profonde v6n6ration de Votre Altesse 
Royale 

le trös-humble et trfes-soumis serviteur 

Hl Prince de Pückler. 



2. 

gürft Sßüdler an bic ®atfertn Slugufta, 
bamaU Königin bon $reuf$en. 

SBerltn, bcn 3. Slpril 1861. 

21. 3X 
91. ©. 

@2 Ijajt mid^ fc^r betrübt, baß \§ ©tu. -äRajeftät nidf)t 
einmal, nadE) meinem fdEjmadEjen SSermögen, ben fieinen SJienft 
in lobten j leiften !onnte, ben @m. Sötajeftät früher ju 



120 



toünfdfjen {dienen. 2)enn burdj) bie Bujiehung be3 Jperrtt 
2)ireftor8 Senn£, unb beffcn Steigerung £errn äßeter nach 
®obtenj gehen ju laffen, ben einzigen 3Kann, auf beffen 2üd^ 
tigfeit idf) mich toerlaffen fonnte, mürben letber $ehn Soge 
verloren, meldje bei bem fo ungemöhnlidf) früh eintretenben 
grühKngSmetter, befonberS in bem füblicher gelegenen ®ob* 
lenj burdfjauS nötljig gemefen mären, noch mit Hoffnung auf 
Erfolg große Säume loSgraben laffen $u fönnen. 5)iefe 
ftnb aber ba3 -Kothtoenbigfte für bie ®obten$er neue $ro- 
menabe, um ihr ein ftattlidjereS, fo ju fagen, ermatyfenereS 
2fnfet)en $u geben, mäf)renb fie jefct nur ben ©ffeft einer 
jungen 93aumfdf)ute macht metdfje erft ben Äinbern ber jefcigen 
©eneration foliben ©Ratten ju geben öerfprtdfjt. S?or bem 
$erbft ift alfo hierin nichts mehr ju tljuu. @ben fo bei 
einer noch mistigeren Slnlage für ba£ unmittelbare 2Igr6ment 
@m. 3Jiajeftät, mo idfj ^offte, nach gehöriger 33erathung mit 
§errn Söleier, ©m. SDtajeftät burch einen betaittirt aufgeführten 
Sßlan ju überrafdfjen, tüte ber immenfe fahle ©dfjloßhof in 
einen reijenben ©arten umjubilben fei, beffen menig foft* 
fpielige 2lu3führung bei bem unentgeltlich $u h°& en k en 
äRaterial 

1) bie unerträglich leere SInficht ber monotonen langen 
©chloßlinie $medfmäßig unterbrechen, 

2) bie noch troftlofere StuSfidfjt toom Schloß fetbft auf 
eine menfchenleere ©trage, gerabe auSgerecft mie ein Stiel, 
unb o^ne aften lanbfchaftttchen ^intergrunb, mohltljättg t>er^ 
bergen, 

3) enblicf), bem in feiner 3lrt recht majeftätifchen ©dfjIoß, 
ba3 jefct nur eine fcfjmale Sorbüre aU ©arten befijjt, ber 
nirgenbg öon Stufjen gefeiert mirb, ma3 at$ private garden 
fehr jmecf mäßig ift, aber ba3 ©dfjloß nicht $iert — biefem 
nun auf ber anberen ©eite, ber ©tabt jugefehrt, einen 
jmeiten, mehr alä fecf)3mal größeren, lanbfcfjaf Hieben plea- 
sureground berfdEjaffen mürbe, melcher tneßeicht an ©onn* 



121 



unb geiertagen geöffnet, bein *ßubtifum, unb tägltd) ben 
Sdjlojsbetuoljnern bie anmutljigften ^romenaben, wie au3 
ben genfteru bie inanntgfalttgften 93Iirfe anf ba3 frifdjefte 
(Srün, anf laubreidje fjotje ©anmgruppen, unb auf blenbenbe 
SDtaffen in allen , garben fpielenber Stumen unb Mütjenber 
©traucf^artfyieen bieten müjste, audj feicfjt üom 9W)ein au3 
burd) Springbrunnen gegiert werben fönnte. UeberbteS ein 
Sofal für Illuminationen, ba3 faum reicher ju finben tüäre, 
unb nur einiger @a3rö!)ren bebürfte — furj, bem länblidfjen 
2tufentfjalt einer großen Königin mürbig, mit öerfjäftuifc 
mäfjig geringen Soften, ba feine Sauten bamit öerbunben finb. 

hierbei, benfe id), ift meine Sroagination, über bereu 
Umfang ftd) ©to. SKajeftät ^umeiteh luftig ju machen ge= 
ruljen, nid)t ju fjodj geflogen, ba jeber tootjltjabenbe Sßrtoat* 
mann einen ©arten biefer 9(rt fef)r toofjl fjerauftetten Der* 
möd)te, tua3 idfj ja au3 eigener aefjnfadjer ßrfaljrung be* 
urteilen fann. 

@d)Iief$licf) toage id) nochmals, nur im ^ntereffe ®urer 
betberfeitigen SDtajeftäten, für alle 93erfd)önerifngen in Sobten^, 
tüie für bie enblicfje Sottenbung be3 33abef3berge3 — menn 
biefer nid£)t immer bem unt)ottenbeten £f)urm ju Säbel 
gleichen f II — $Hert)öd)ftbiefeIben ben §ofgärtner SCßeier 
je|t angeftellt bei ben ©arten ber grieben£firc§e, nid)t im 
SKarmorpalaiS, toie tdj irrtfjümlicfy c^laubk, tt>eil ein anberer 
SReier bort angeftefft ift, auf ba3 angelegentliche $u empfel)* 
Icn, toeil er, meiner Ueberjeugung nadf), ber einzige unter 
ben Wienern @tü. SJKajeftäten in feinem gacfje ift, ber t)off= 
fommen $u genügen Vermag, al§ ein SRann öon eben fo un= 
ermübltdjem gteift unb ßifer, als öon grünblidfoen ffenut* 
niffen in aßen Singen, bie fein gad) berühren, batjer auef) 
ber S3aufunft nid^t fremb,*bie fo tuefentlicf) jur Sanbfd)aft§= 
görtnerei gehört, unb babei — toa£ bie £>auptfacf)e ift — mit 
bem begabt, toeld&eä nie $u erlernen ift, fonbern angeboren 
fein mujs — mit gutem, gefunben ©efdfjmacf. Sollte, ttm3 



122 



ber £>immel öerffüten möge, Greußen einft baS Unglücf^aben, 
beit großen unb berühmten $ünftter, öon bem ber fyocfyfelige 
Sönig mir etnft fagte: „2>aS ift ber Napoleon ber ©arten* 
fünft" — ©tu. SOlaj. erraten, bag I)ier nur öon bem £errn 
©eneralbireftor Sennä bie Siebe fein fonnte — foffte, fage 
id), biefer auf$erorbentfid)e Söiann md^t mef)r fein, fo tuüfjte 
idj feinen unter beffen Septem, ber ifjn, tuenn aud) nur 
annäf>ernb, beffer $u erfe^en toermöd)te, als ber §ofgärtner 
SReier, um fo me^r, ba ber Kennerblid beS funbigen 3)ireftorS 
§errn Söieier fetjon oft als alter ego für bie fc^tuerften 
Slufgoben ausmäste. 

3n tieffter ©fjrfurdjt erfterbenb 

©m. König!. SRaj. 

aKeruntertfyänigfter 

§. 2f. $üd(er. 

(Sin Stftenftüd als Seilage.) 

©eftatten mir ©tu. 3ftaj. meinem untertfjänigften ©d)rei6en 
als Settage bie 2tuSfunft 5U unterbreiten, tuoöon 2fller{)öd)ft= 
biefeI6en im 2)etail ju unterrichten, Sic mir bie gnäbige ©r* 
laubniß $u gemäßen geruhten. 

Sene Details enthält baS tjier eingeführte Sßromemoria, ' 
tueldjeS fdjon toor toier Sauren ©r. SRaj. bem Könige, nod) 
als $ßr inj* Regenten, borgelegt tuurbe, unb meines \ä) ©tu. 
9Kaj. fubmiffeft bitten mujs, tuegen befferen 33erftänbnij3 ber 
@ad)e gnäbigft fogleid) lefen §u tuotten, etje 2ltterf)öd)ft= 
biefeI6en ju bem feiten Statte biefeS SegleitfdjreibenS ü6er* 
5ugef)en gerufen. 



I 



j teilen 



pifelrr unii kr (Grötin IJertlja Kon Pfroeürt. 



1. 

Sßücfler an ®räfin 93ertf)a bon SJlerüelbt. 

©d&Iofj öranifc, bcn 26. Sanuar 1858. 

93efte ©räfm, 

— 2)afs ©ie fo biet Stngft t>or Syrern £)ebüt fjaben, 
f>öre itf) ungern unb ©ie müffen ba§ bcfiegen. $d£) f)offe in* 
beffen, e3 mirb 3^nen bamit gef)en ttrie mir. 

2113 icfj fed^^eftn Saljr erft alt mar, mein erfteS 3)ueH 
auf ber Uniöerfität fiatte, faum bafeI6ft angelangt unb mein 
©egner baju al3 ein £änbelmad£)er befand mar, mar id^ 
audfj nici)t3 Weniger aU unbefangen, unb in manchen 9Ro= 
menten fiel mir bie ©orge bor bem Ausgang ferner auf § 
£erj, nocfj meit mef)r aber bie gurd&t, mid£) bietteicfjt nicfjt fo 
üor ben Bufdfjauern ju benehmen, ttrie e§ meine Slmbition 
unb mein regeä @f)rgefül)l etfjeifdfjte. SIber in bem SRo* 
mcnt, too icf) auf bem $Ia£e mar, unb meinen geinb im 
Sluge Ijatte, füllte id) in boUfter £eiterfeit unb Seelenruhe 
nur bie Suft §um ®ampf, unb ba id^ früher fdfyon gan$ gut 
festen gelernt, blieb iä) and) ber ©ieger in biefem erften 
ernfteren SBaffenfpiel. 

3)enfen @te baran, Wenn ©ie auf bie Fretter ' treten. 

ift and) ein S)ueH, in bem S^nen ber @ieg gettrifc ift, 
toenn äRutt) unb 3uberfic^t Sljre »ruft $ebt. Unb mag ift 
e$ am @nbe — eine 9Kaffe SKenfcijen, bon benen tt>at)r* 
fdfjeinlidfj feiner einzeln ©ie einflüstern mürbe, bafe e§ aber 



126 



Rimberte jufammcn finb, gereift nur öftrem Sortiert, 
ba immer bie SReiften §u ©unften einer Debütantin geftimmt 
finb, befonber3 toemt fte unter fo eigentljümlidfjeit Umftänben, 
unb mit fo biet natürlichen Sorjügen erfd^etttt aU ©ie. Sttfo : 
9lur nidfjt ängftlic^ ! 
Die befte Detrife für'3 Seben. 

@mpfef)Ien ©ie miä) beftenS meinen unb 3>f)ren ©ömtern 
im §oteI SÖlafti^ unb ^toeifeln ©ie nie an ber lebhaften 
£t>eilnal)me %f)tt§ ergebenen alten greunbeS 

§. Sßücfler. 



2. 

93 er a, ©räfin t>on SReröelbt an ^ücfler. 

2Beimar, ben 1. gebruar 1858. 
SOtein geehrter gürft, 

3$r gütige^ ©dfjreiben erlieft idfj am S^eitag, „am SSor* 
abenb großer ©seigmffe", gerabe jur redjten Seit, meinen 
burdf) bie groben feljr gefundenen 9Rutfj ju erfrifdjen unb 
ju beteben. gdfj t)abe in ber £l)at 3{)te Iieben£itmrbtgen 
fRat^fd^lägc be^er^igt, unb bie „ gtamina " ift oljne jebeS 
Ungefähr am 30. (©onnabenb) über bie fjiefigen Fretter ge* 
gangen, gür ein erfte§ Auftreten fott meine Setftung eine 
ungetoöljnticfje getoefen fein, bod) idfj, bie idj, bem. Gimmel 
fei Danf, frei öon eitler Unbefc^eiben^eit unb aud£) öon ber 
üßatur mit ettoaS fritifdfjem ©inn begabt bin, t)abe redfjt gut 
ba§ SinfifdEje, ©e^toungene unb befangene ber Darftetfung 
^erau§gefüf)It. Die fftofte ift fef>r ferner, befonber§, toetl 
fte bie Aufgabe fjat, ba§ ftumme ©piel, bie innerlichen 
©eetenfämpfe hervorheben , unb idfj, bie erftenmale 
bie Sketter betreten, toar frot), in bem 2leuf$eren nidfjt fteefen 
5U bleiöen, unb feine groben ge^er gegen bie @efe|e ber 
Sunft ju begeben. 



127 



gcf) banftc meinem guten ©eniuS, baß Sie, mein gürft, 
nicht amoefenb maren, benn ®te ttriffen e£ ja, baß ich Slngft 
unb Befangenheit bor 3h nen t)a6e, unb baS ift toof)l natür* 
Iid£j, benn roie 3h* Urtljeil, 3h r SluSfpruch für alles in ber 
2BeIt maaßgebenb ift, toürbe biefer erfte SSerfuch auf ben 
Brettern auch bor %$xtx Slntorität gebebt ^aben. — $)a3 
©türf ^atte nur brei groben gehabt, unb in biefen fyaht ich 
©ehen, Steden, Betoegen, baS Snfemble beS ©tücfS, furj, 
affc§ lernen muffen, ba£ toar ju biet, unb idj fyaht mich 
übermenfcfilidj angeftrengt unb aufregt gehalten. 

$)ie große ffätte bei ben groben §at meiner ohnehin 
fcfjtoachen ©efunbfjeit fdfjon fet)r gefdfjabet. Ruften unb Bruft= 
fchmerj toaren bie unausbleiblichen folgen, unb fo trat ich 
auch auf, franf unb hinfällig. Slber toaS bermag ber SBiffe 
nicht! 3ch badete an 3h ren 9? a H)> fah 9 ar nicht in'S Sßublifum, 
unb trat h^auS, als gefcfjähe eS feit jef)n fahren, ©o 
lange meine fRoffe fich in ber ffonberfation in ruhiger 2)ar* 
ftctfung belegte, toar aHeS fehr gut, fo balb aber baS £ra* 
gifche, baS Seibenfchaftliche herbortrat, fam bie Befangenheit, 
benn bie ©etoanbheit beS ©pielS fehlte mir natürlicher SBeife 
unbbaS mußte bie fehr gut gebrochene Stoße getoalttg 
beeinträchtigen. $och alter Stnfang ift fchtoer, unb bie 
SDIenfchen müßten berrüeft fein, moßten fie Don einer erften 
(fo fchwierigen) 9toHe mehr berlangen, als ich geleiftet. 

®S ttmr brüdtenb boll, benn einige 3eitung§annoncen 
Ratten baS *ßublifum gekannt gemacht. ®er ganje 9lbe( 
roar zugegen, aud£j ber $of, unb ber ©roßher^og foCC be= 
fonberS fehr applaubirt h^en. SMngelftebt ttmr aufrieben, 
unb ermutigte mich ätoifchen jebem 5lfte. 

2HS baS ©tüdt ju ©nbe fear, beglürfmünf^te man mid) 
uon aßen ©eiten, ich fear aber fo franf, baß ich nichts fah, 
nichts hörte, unb geftern fonnte ich btn ganzen Sag nicht 
Dorn Bette aufftehen. $aS ift auch ber ©runb, meShplb 
ich er f* *j cute au & xt ' Verehrter gürft, fchreibe, unb Shnen 



128 



meinen 3)anf für ba3 Schreiben an Sifct anspreche, toetcfjeä 
ich felbigen Xage3 an ihn abfdfjicfte. Sijst unb bie grau 
gürftin ^aben mir Empfehlungen an ©ie, eher prince, auf* 
getragen. — £>err toon ®tnge(ftebt unb Siebern rieben mir 
uor meinem 3)ebut bie gürftin ju befugen. S)a nun mög= 
licfjerroeife 3h*e Empfehlung an biefelbe fich öerjögern fonnte, 
fo jog ich e3 &or, auf bie ©efat)r abgetoiefen $u »erben, 
ber gürftin eine SSiftte ju machen. Sie nahm mich nicht 
allein an, fonbern toax bie ©üte unb ^uborfornmenheit felbft 
gegen mich. Ueber eine ©tunbe ttmr ich 6ei ihr, unb ging 
Wahrhaft bezaubert öon biefer reijenben, geiftreichen grau 
nach- £aufe. 3"* ßntfdjulbigung, bag ich noch nicht bei ihr 
getoefen, fagte ich, bajs ich ©te, wein gürft, gebeten, mich 
ihr entmeber perfönlicfj ober fchriftltch ju empfehlen, baf$ ich 
aber, angetrieben öon Ungebulb, bit liebenSroürbigfte ber 
grauen fennen $u lernen, %1)xt £mlb ntd^t abgekartet, unb 
ben 93efuch im Vertrauen auf ber gürftin gütige -ftachficht 
> gewagt habe. ©ie nahm ba3 fehr gut auf, unb bot mir ihre 
®ienfte — toorin e3 auch fei — auf ba§ ^utböoKfte an. — 
Ruberen £ag§ fam ßifet jtoei 9Ra( ju mir, traf mich aber 
nicht, ba ich jebe£ SRal in ber Sßrobe toar. 

9luf Sh r ^ S3ricf fam er fofort ju mir, unb toax 
bie greunblicfjfeit unb bie SiebenSttriirbigfeit felbft; er machte 
mir SKuth, unb fcerfprach (mir fchcraenb eine grojge SIaque 
mit in'$ parterre ju nehmen, £eute hörte ich, bafc bieS 
toirflich ber gaff foff getoefen fein. — ©ie fchen, eher 
prince, bafc 3h re ^roteftionen toie eleftrifcheS geuer tüirfen. 
|>offentfich fehe ich ©te & a ft> w SBcimar, um meinen unter- 
thänigften 2)anf für fo toiel £mlb unb ©nabe in ben toärmften 
SBorten 3$nen aussprechen $u fönnen. — 

' SSon SCRattt^ habe ich nichts toieber gehört, gräutein 
toon Berber, bie heute bei mir itmr, fagte mir übrigens 
£>err öon äRaltifc fei fehr aufrieben mit meiner Seiftun'g am 



129 



©onnabenb getoefen. %<fy t)abe als grau gelbem auf bem 
S^eaterjettel figurirt. 

Sfjr ©efolge, eher prince, ftef)t abermals im ©rb* 
prinjen angefünbigt, unb alle SBelt $erbrid)t fidf) ben ®opf, 
too ber |>err unb ©ebieter biefe§ ®tenerfdjaft3troffe£ bleibt. 

9?eulid() fagte mau neben meiner Soge: ber gürft % 
ift Ijier, er foll im Sweater fein! gudtte mir bie Slugen 
au§ nadj 3$rer grojgen Sßerfon, mais en vain! — 

Um uod^ einmal auf bie „giamina" 5U fommen: e3 
ftmr fdE)abe, ba§ baS ©tücf fo miferabel befefct fear, idf) fjatte 
meber §ülfe nodfj .©tü|e auf irgenb einer Seite; befonberS 
ber junge ÜBtann, toeld£)er ben @of>n fptelt, toar fo f)öljern, 
bafc idf) if)tn nodfj mujgte §ülfe geben. S)a$ ©cfyaufpiel ift 
in ber Xf)at übel befteüt f)ier. — 3f)rer geftrengen SBeifung 
eingeben!, tyabe icf) als „giamina" nur bie fd^marjen perlen 
toon 3$nen getragen. 

S)od^ id^ Ijabe Sie, gnäbigfter Surft, fdfjon lange genug 
mit meinen 2^eater=@rääftfungeu, morauf ©ie ot)nef)in btafirt 
ftnb, ennutytrt. Serben Sie mir, aber ©ie J>aben mir 
mit ben ^utböollen SBorten SljreS legten 93riefe3, bafj (Sie 
fidfj für Q^ren armen ©d^ü^Iing nodj interef firen , toieber 
©ourage gemalt. 3nbem idfj redfyt bemütfjig um bie 
5) au er biefeS SntereffeS bitte, füffe id^ in ©ebanfen bie 
fdfjöne §anb meinet fyofjen ©önner'3, unb bleibe in eitriger 
SDanfbarfeit unb ©ere^rung 
Stjre ergebene 

93. t>. SKertjelbt. 

3. 

^üefter an ©räfin S3er tl) a öon SKerbelbt. 

©cf)lo& 33ranifc, ben 6. $ebruar 1858. 

3e£t tüirb man toofyt meine 93riefe an 2)icfy nidjt meljr 
fefen, unb idj brause S)ir feine ttyeatraftfcfjen 93riefe metyr 
f ^reiben, aufjer, too ein offizieller nötljig toäre. Sllfo, 

Sudler, ©ricfrocdjftl unb tagebucfyer. VIII. 9 



130 



eS f)at micfj aufcerorbentfidj gefreut, bajs £ein S)ebüt teiblid) 
borübergegangen ift, nidjt au§ Btoeifet an ©einem Xalent, 
aber toegen $cine3 völligen SÖlangete an Uebung unb 93üf)nen* 
fenntnifs, ttm§ bodj fo «ötfjig ift, erft ganj mite ju fjoben, 
beüor man gefallen, ja fein latent nur bemerfbar machen fann. 

SEBenn idj nad) Sßeimar fomme, tooffen toir fleißig 
Ifjeaterprobe auf ©einer ©tube galten, idj glaube 3)ir barin 
fcon bebeutenbem SWufcen fein §u fönnen, unb S)u bift nidjt 
bie erfte ©djaufpielerin , bie itf) ju ifjrem SSort^cit untere 
richtet fjabe. 

SOtad^e 3)idj bor allem redjt beliebt bei äffen Samera^ 
binnen, unb äffen Sünftlern überhaupt. 

ÜDa id) halb felbft nadj SBeimar fomme, fage idj je^t 
nidjtS weiter; fei nur bis bafjin red^t beljutfam unb überlegt. 

93iffty unb Slenndjen legen fid) ju Sülsen, §arbi fenbet 
5ärtfidje Siffe, unb idj 9RoraI. Slbieu. 



$)ie unglüdttdje Stau, nad) bergebüdjen Serfudjen fidj 
ein Engagement aU ©cfyaufpieterin ju öerf Raffen, Vergiftete, 
fidj mit Dpium in ber Watyt Dom 29. auf ben 30. ©eaember 
1859 in 93aben> SBaben, unb fdjrieb Wenige 9tugenb(icfe t>t>r 
ifjrem Xobe einen rnfjrenben Srief an Spcfler, ber mit ben 
SBorten f fliegt: „9Kögen ©ie nodj lange fidj ^fjrer frönen 
©efunbfjeit erfreuen, mein lefcter Segen gilt ^xtn SBofy^ 
traten, kommen Sie maf {jierfjer, fo befugen Sie mein 
®rab, ba3 ®rab 3f)rer armen fterbenben greunbin 93., ©räfin 
üon SJleröetbt, geb. Don 93i3marf. 2(men!!" — 



JMIer unb Huer $il|riftjtfllfritt. 



9 



,28er bie 2Beftöerf)ältniffe femtt, ttnrb leidjt begreifen, 
bag $ü<f ler nidEjt blofc ba, too er fid£) mit bem £er§en liebe- 
öott Ijingab, oft materiellen S^tereffen unb ©Refutation be= 
geguete, fonbern audfj ptoeilen ba, too er t>on feinem ftetS 
regen Verlangen nad£) geiftiger Anregung getrieben, Sin* 
fnüpfungen in ber Sitteratur fucfjte, um ©etbt)ülfe fo öietfeitig 
angegangen tourbe, baß audj toeit größere SOtittel aU bie 
feintgen nid^t ausgereicht Ratten. SBie liebenStoürbig er aud^ 
in folgen hätten, too er ber Slnforberung nidfjt entfpred^en 
fonnte, ficf) benahm, unb mit ©utmütt)igfeit unb ©ra$ie, ge* 
paart mit freunbfdEjaftttcfjer 9tufrid(jtigfeit, ba§ geiftige 33er* 
Ijältnifc aufrecht §u ermatten fudfjte, trofc ber ganj ungerechten 
unb unöerbienten Auflagen, bie er erfuhr, ba3 möge ber 
folgenbe 33rieftoed(jfet betoeifen. 



134 



l. 

* an Sßücfler. 

£>en 15. gebruar 1864. 
©to. Surd^Iaud^t " 

erlaube icfj mir anbei ba§ SBudfy %u fenben, öon toelcljem ttrir 
neuttdE) fyradjen, bie „2)alila", bon geuiUet, toeldjeS S)urd^= 
Iaud)t §u lefen toünfd&ten. Sßenn Sie midf) toieber ber ©t)re 
3$re3 S3efucfje3 ttriirbigen, toerbe idf) mir aucf) erlauben, 
©ft). ^urd^Iaud^t bie Slntmort ber Königin t>on audj in 
33ejug auf SDurdfjlaudfjt, mit^ut^eilen. 

SBenn i<f) übrigens an bie neulidje fd&öne ©tunbe uttfereS 
BufammenfeinS prüdbenfe, fo füftfe id) midf) felber immer 
mieber erftaunt unb überrafdfjt, unb idj frage micf), toie 
fonnte e3 nur fein, baß meine ©eele fid£j 3$nen fo rafdj 
auftrat in Vertrauen unb ©tyntyatfjie? Slber e§ fam eben 
baf>er, bafj ein ftympatfjifcljer 33licf Sfyrer Singen meine ©eele 
traf, unb mid^ fpredfjen machte, roaS fonft toerfd&hnegen mirb. 
Saffen Sie midj hoffen, SJurd&Iaucfit, bafj biefe ©tympaifjie 
nidfjt Mof} einfeitig bei mir getoefen, unb gönnen Sie mir 
balb lieber bie ©fjre 3>I)re3 S3efud^e§. 

Söiit ausgezeichneter 93eret)rung l^)dE)a<f)tung£t)olI unb 
ergebenft *. 



2. 

^Sücfler an * 

@3>Io§ SBranifc, bcn 18. Suli 1864. 

— Ueber ben $roteftanti3mu3 aU Sieligion l)abe id£) midj 
tuof)l nid&t geäußert, parceque il ne laisse guöres de Sou- 
venirs (toie grau öon ©tael öon Serlin fagt), toeber für' 3 
©efüfjl, nocfj ben ©erftanb, mit einziger 2lu3nal)me ber aller* 
bingä geiftreicfjen unb fonfequenten , natürlichen golge unb 
toaljrer Erfüllung beffelben, nämüd^ in ©traufj, äRotefdfjott 
unb übrigen Staturpljilofophen. fintier bagegen bettmnbere 



135 



ich, ber toar ein §elb, aber — bic ^B^antafte für Sora ab- 
abrechnet — ein gläubiger, guter ®atf)olif bi£ an fein ©übe, 
oer nur aflifjbräudje Vertilgen rooßte, aber feineSroegS ba§ 
SSefen feiner ^Religion, tuie bie anberen Reformer, meldte ein 
beffereS S^riftent^um f Raffen moHten, als ba£ fatholifche 
— tt)ie fiefj Ijeute genugfam $eigt, ein ettt)a£ gefährliches 
@£periment, mag bie fran^öfifche Devolution , all feiten 
$lft ber SBeltreöolution hervorgerufen, toobon ber erfte bie 
Deformation. 3um Sefferen muß jebodj am ©nbe alles 
führen, unb £ob toie ©eburt, jebenfaHS ^um ©uten ber 23 er* 
änberung, toaS bie SQienfd^en nach einiger $eit ftetS als 
Sortfcfjritt bezeichnen. SdE) aber halte bie SBelt jeberjeit für 
fcollfommen, fonft beftünbe fie nid&t, toaä auch bie 2lnftd;t 
ber ^ilofo^en Seibnifc unb Sßauglojs toar. 



3. 

^ßücfler an * 

»rantfc, ben 11. Oftober 1864. 

3)ie£mut mar ©cf)toeigen feineStoegeS ©oft, fonbmt 
2$lei; benn e3 entftanb au£ Ueberbefdjäftigung unb tiefem 
SWifemutf), aus Urfadj biefer toibertoärtigjen 93efcf)äftigung3art ! 

fprecfje t>on ber unglücflichen $artnäcfigfeit ber englifchen 
Unternehmer ber ©ifenbahn Don 93ertin nach ©örtifc, mit 
einem beutfd^en S5oftor an ber ©pifee, meiere burchauS biefe 
SSa^n burch meinen $arf, unb fetbft nahe am ©chlojs bor* 
beiführen tooHen. SaS SRinifterium nimmt toie immer bie 
Marthel ber ^nbuftrießen, mährenb bie meiften ber eigentlichen 
gaifeurS, ba£ Reifet bie Unterbeamten, fidE) um äfthetifdfje 
®inge toenig befümmern, unb tjoffenbl ba, too e£ fi(h nur 
um grüne Sanbfd^aften hobelt, bie gnfpirationen if)re£ grünen 
XifcheS für toeit intereff anter, wichtiger unb anmutiger 
halten, als alle 9?aturf<hönheiten, bie ihnen nichts einbringen, 
xinb au(h ben übrigen SDtenfchen ja gar feinen materiellen 



136 



■ftufcen gewähren, im ©egeutljett bem ©toate fdfjaben, tuetf 
Anlagen, tote 93eifpiel bcr Sranifcer $arf, taufenbe bgn 
SRorgen bem rentirenben gelbbau ent$ief)t. 9ld), e3 ift eine 
tranrige 2BaI)rf)eit : gegen getnbe $u fämpfen fyat immer nodj 
etroaS @rl)ebenbe£, aber gegen Summfjeit fid£) mehren ju 
muffen, ift troftloS, unb lange Steigen öoit/^a^r^unberten 
erliegen, Wie uiiä bie ©efd£)i<f)te Ui)xt, in biefem Streite b£r 
Vernunft mit bem Unfinn, ber, beiläufig gefagt, nie fräftiger 
geblüht f)at, atä in unferer bemitleibungSroertljen ^eriobe be§ 
UebergangS. 

Unfere beiberfeitigen SKajeftäten münfc^en lebhaft in ber 
f)iefigen Slngelegenfjeit baS $u retten, toa§ idj \vof)l ein ®unft= 
tüerf nennen barf, bog überbem Jaufeuben 93rob gegeben, 
unb fortroäljrenb giebt, foitne anberen laufenben ba3 un* 
f^ulbigfte unb moftffeilfte Vergnügen, ja ben .geringeren klaffen, 
roie idj midj feit einem falben ©acutum überzeugt, fogar 
einen bebeutenben gortfdjritt an 93i(bung t>erfrf)afft. — Unfere 
$önigfi<f)en §errfd£)aften alfo, fage icf>, fefyen bieg ein, ber ®öntg 
miß auct) interöentren , unb f)at e3 aucf) fdjon getrau, aber 
bennod) bleibe" idj, ber ben ©erlauf ber 3)inge bei un£ feit 
fo lange fennt, im 3toeifel, ob bie engftfdje ©pefulatton, mit 
bem SRinifterium bereinigt, nidfjt am @nbe Sieger fein ttrirb; 
benn bie 93af)nbireftion profitirt afferbing^ ein paar taufenb 
Später, Wenn fie ifjre 93af)n, ftatt fie um ben $arf ju führen, 
mitten f)inburdjfüf)rt, unb in bem Zeitalter ber Anbetung be§ 
golbenen Salbei ift ba3 toa^rfd^etnttd^ übertoiegenb. Sie 
meljr at* 400,000 Xljtr., toelcfje miä) feit 18 Sauren biefe 
gemeinnüjjtgen 9tnlagen gefoftet, fommen babei natürlich nid)t 
in Setradfjt, toeil fie ber Vergangenheit angehören, unb folg* 
Kirf) feinen Profit mef)r bringen fönnen für ©peftrfanten. 
©te, SSerefjrte, mögen fid£) übrigens (eicf)t benfen, baf$ öon 
bem ^ugenbftcf an, too ber 93anbafi3mu3 biefer Unternehmung 
genehmigt ift, idfj ba3 agräment einer täglichen unb näcljt* 
liefen Sftufif beS $feifen3 ber Sofomottoe fo au§ erfter §anb, 



137 



nidjt abwarten Werbe, fonbem fofort Sranifc öerlaffe, ba3 
ganje ®ut toerpadjte, ben 5ßarf unb bie ©arten ber $orft* 
nufcung nnb bem ©emüfeöerfauf übergebe, für ben Sntyatt 
be§ ©d)Ioffe3 aber Waljrfcf)einlicf) eine große Stnftion anorbne, 
unb ba3 ©dfjloß felbft $u einer ©pinnfabrif öermietfie, um 
bem 3eitgeift bocf) and) einmal §u ljulbigen. 

3dj Werbe bei biefer ©etegenfjeit eine fjübfdje Summe 
©elb äufammenfdjlagen , Wie e3 im Jargon biefer ©orte 
3Kenfcf>en Ijeißt, unb jäl)r(idj WenigftenS 20,000 %tyx. an 
9lu3gaben erfparen, unb Wer Weife, ob SSRand^e midf) nidfjt 
nocf) barum beneiben werben. S)a idj ba3 ©tüd Ijabe, fef)r 
teicfjtfinnig ju fein, fo werbe id£) midj Wemgften3 audfj fet)r 
fdjnett in ba3 Unbermeiblicfye finben, aber bei einem fe^r 
großen Sßublifum, glaube icf), wirb biefer untoward event 
eine tiefe Unjufriebenfjeit auf feljr lange S^it jurüdttaffen. 

2)ie3 mußte idE) $f)nen notfjgebrungen Don mir mit* 
tfjeilen. 



4. 

$ücfler an * 

©dtfofj SBrant^, ben 11. Sejember 1864. 

— 3dj glaube faft, bie 3^it ber Steinmäcfjte naf)t ftfion 
üjrem ©nbe. SBenn e3 in S^nft nod£) ein politifcfjeS 
®eutfd#anb geben lann, fo muß e3 Dörfer in Greußen unb 
Ccfterreid; aufgeben, ober burcfj eine Sieboüitton mit irgenb 
einem großen 9Kanne an ber ©pi£e, fpäter Vereint Werben. 
3)a3 Se^te würbe aber wafjrfctjeinlidfj nocf) mef)r 93fut foften, 
aU bie erfte franjöftftfje SRebolution, unb audf) auf biefclbe 
SBeife enben. 

UebrigenS redjne icfj auf Greußens ©tern, ber nad) 
langer SSerbunHung in eine neue 2lera getreten ift. 



138 



5. 

$ücfler an * 

©cfjlofi SBranifc, ben 2. 3Kärj 1865. 
Unbarmherzige greunbin ! 

©nblicf), ja iüofjl enblich, ermatte ich bon 3^nen bie fo 
lang erfehnte Slntroort. @£ ift ttrirfüch ftrafbar, einen armen 
Uranien, ber feit brei SKonaten Don einer chronifch geworbenen 
©rtppe aUe^ SKögtiche leibenb, tüörtlid^ feine ©tuben, bie 
©ie, Siebenäroürbigfte, fennen, feinen 2lugenblicf hat öerlaffen 
bürfen, gänzlich öergeffen, unb nicht einmal anf bem Sorribor 
feinen treuen unb gefprädjigen Safabu befugen, beffen ©ie fich 
hoffentlich auch noch erinnern. 

Sich, unb bie erhabene 2)ame, bereu ^immttfdje Stugen 
mich jefct au3 bem zierlichen Gahmen fo be^aubernb anblicfen, 
muß über SSereinfamung unb ßangeroeile flogen! £ätte ich 
boch in SBahrheit emige Sugenb, unb bürfte, öon biefer um- 
ftra^It, bem ^tah meiner mirflich noch jungen $h att * a ft e > 
bie£ traurig einfame Seben ettt>a3 ju erheitern fudfjen, U)ie 
glücflidfj mürbe ich fein! @3 beglücft mich aber fchon öon 
Sh n ^n ju hören, bajg fie ftd) meiner noch erinnert, unb mich 
gütig beurteilt. 

S5a§ fie fich in * eine 3eü fang >jerftreut, ^abc ich mit 
greuben gelefen, unb baß ©ie fich tü0 ^t nnb angenehm 
befunben, berftet)t fich öon fetbft ; benn ich f enne feine 5Ut>or= 
fommenberen SBirthe, als bie bortigen §errfchaften. 3)ie 
^er^ogin toerehre ich 9 an 5 befonberS, meit fie ba3 ttmhre 
Söhtfter einer bortrefflichen grau, unb ber ^er^og ift wenig* 
ftenS ein fchöner, liebenStoürbiger unb ftattticher £>err, Wenn 
er auch ein fchmacher ^Sotitifcr unb ettoaS t>on bem ift, n>a3 
bie granjofen un hableur nennen. 2)ie3 lejjtere ift aber 
eher amüfant als läftig, unb erfcheint bei ihm mir unter 
anmuthigen gormen. 3)eutfcf)lanb3 ®aifer Wirb er bennodj 
fchtoerlidj Werben, aber at£ einen charmanten £>erjog Don * 



139 



erfenne id) xtyn bottfommen an. Unb bamit fömten ©ie aud), 
Wenn er ^Ijnen noä) fo fe^r bie ßour gemalt Ijaben foüte, 
aufrieben fein. 

6. 

* an Sßücfler 

$)en 27. ftejember 1866. 
S3eref)rter gürft unb greunb! 

3!)re lieben unb güteöoüen geilen trafen mief) in großen 
©orgen unb ©djuter^en, unb fielen mitten in biefelben hinein 
wie ein Sidjtftrafjl , ber meine (Seele erquiefte. %<fy Ijabe 
SKiggefd^icf erfahren, bie Wenigen Kapitalien, bie id£) mir 
erfpart fjatte, finb burdfj ien unerwarteten 93anferott be£ 
*fdfjen 33anquierljaufe3 , bei bem icfj fte, aU meinen SSer* 
wanbten, bepomrt fjatte, berloren gegangen. 2)ie3 ift bie 
Jhntbe, lüctd^e id) \tait ber erwarteten 9?euja^röjinfen ermatte. 
3dj war ein paar Sage ganj in 2>e3peratton — in ftiHer, 
fdjweigenber. grajs meinen ©ram in midj hinein, unb „surfte 
in Dual brei lange tange -ftädjte lang". SSon ©eftangelegen* 
Reiten ^u reben, ift mir abfdjeuticf), id) tfjue e§ ju niemanbem 
auf ber Sßeft. leibe, e3 betrübt mtdfj unfägfid&, baß idfj 
e3 jefct ju S^nen tljue. Unb bod£) finb ©ie, 2)urd&(audfjt, 
ber einige 3Kenfc§ auf ber SBelt, ^u bem id) e§ öermag. 
3$ Ijabe ©ertrauen ju S^nen, idfj baue auf S^re greunb* 
ftfjaft. 2Ba3 ijilft e$ mel Steden, unb t>iel SBorte machen: 

$urd£)laudfjt , id) bitte ©ie inftänbigft unb bringenb, 
letzen ©ie mir gütigft auf ein Saljr, ein einziges %af)x 
600 Xfiater. Sdfj Ijabe nid)t nöt^ig ju fagen, baß e£ für 
mid£) eine S^renfd^utb ift, bie idfj pünfttid^ wieber bejahen 
Werbe; 3d£) bin bereit, fofort öier SlnWeifuugen aus juftetten, 
bie im Saufe eineä SafjreS S^nen bie Summe jurütferftatten. 
2)urcf)Iaud£)t, icfj leibe, idj ängftige miefj, benn bieg unerwartete 
ättijggefdjicf fjat mxä) in bie äufcerfte S3erlegenfjeit gebraut, 



140 



unb idj f)abe fo tnele 2tu3gaben SKeujaljr becfen. Seien 
©ie gütig, unb t^un Sie ba3, toa£ auf @rben fo feiten ge= 
fdfjieljt — beweif en ©ie mir $f)xt greunbfdjaft! ©ie fennen 
micfj, unb in Syrern ebten, ftoljen unb garten bergen roerben 
©ie begreifen, roa3 biefe§ SBort ber Sitte midj foftete, unb 
toie tief idj midfj gebemütffigt füljte! Unb id? muß lächeln, 
unb Reiter fdjeinen, benn meine Softer ift auf ein paar 
Sage t)ter, unb idj miß burd) feine Klage iljr bie gefte^freube 
trüben ! 

2)urcfjlaucfjt, idfj leibe, unb idj fjoffe auf 3$re greunbfdjaft. 
©in trauriger JieujatjrSgrufj ! S)od? ber SBunfd? für 3^r 
3Bot)t liegt tief in meinem £er$en. 



liefen Srief lege icfj augleidfj bem greunbe unb bem 
Saüalier in bie $änbe, unb tt»ci§ , bafj idfj üon beiben ber 
ftrengften 2)iSfretion geroifs fein barf. 



23eref)rter gürft unb greunb! 

Stiren SSrief üom 2. Januar *) t>abe idfj richtig ermatten, 
unb mit tiefer SBefymutf) getefen. 9?id)t fo fcftr um meinet- 
mitten, ate um Styrer ©elbft ttriffen. ©ie, ben bie Jiatur fo 
ebel, fo grofjmütljig unb prächtig angelegt Ijat, ©ie finb burd) 
ba3 Seben unb bie SBelt alfo toirflicf) ju ber traurigen @r- 
fenntnifj gefommen, bafc man „ben ©eboten ber SSernunft 
meljr folgen muß, ate ber SBeife be£ ©efütjlS" , unb biefe 
traurige SSernunft madfjt e§ Sfynen möglich, einer ?$rau, 
toeld^e ©ie einft geliebt {jaben, unb meiere Sfjnen fo tjer^ 

•) tiefer »rief ^üdler'ä fe^lt letber. 



S^re 



treu ergebene * 



7. 

* an ^ürfler. 




141 



jerreifjenbe SBorte fcffreibt, tt>ie ©ie mir mitteilen, i^rc 93ittCv 
ob auf dfjlagen? Surdjlaudfjt, ©ie tjaben ben fürdfjterlidjen 3Rut^ 
gehabt, biefer. grau ba3 ©etb, um toeldjeS fie bat, nid£)t 
fdfjiden? 

3ürnen ©ie mir nid£)t, 2)urdjlaudfjt, ober e§ liegt eine 
grage in meinem §er$en, unb idf) muß fie au^fpredfjen. 
SBenn jene grau, toetdfje ©ie einft geliebt Ijaben, aus ber 
fjofjen ariftofratifc^en ©efellfdf)aft toäre, mürben ©ie il)r bann 
aud& nur mit ©djtoeigen geantwortet fjaben ? 

SBenn idf), bie id) micö $u ber Sitte eines $)arlet)ne§ 
bemütf|igeft mußte, toenn tdj nicf)t bloß bie grau *, fonbern 
bie gürftin ober ©räfin toäre, unb id) Ijätte ©ie aus ber 
äußeren glänjenben Situation IjerauS, bie eben fo oft innere 
■Wotl) unb Sorge fennt, um ein fotdfjeS 2)arlef)en gebeten, 
mürben ©ie bann audj mit 9?ein geantwortet traben ? SBürben 
6ie nidjt trielmeljr, gefdjmeid)elt üon ber Sitte, atte§ in S3e= 
toegung gefegt traben,, um bie Sitte ber gürftin ju erfüllen, 
mürben ©ie uidE)t, toenn e§ %$ntn <*n baarem ©etbe fehlte, 
irgenb einen ©d£)tnud Veräußert f)aben, um bie gürftin, bie 
fidf) bemüßigte, au8 ber Serlegenljeit ju bringen ? 3dE) fpredje 
nidjt mef)r für mid), — id) fpredfje nur üon jener grau, 
meldfje ber gürft ^üdler geliebt t)at, unb bie biefer fonft fo 
großmütige, eble unb gute SJiann je£t in ber SRifere ofjne 
§ülfe unb Seiftanb lägt! Stein üeret)rter greunb, ttjun ©ie 
ba§ nidfjt, benn ©ie finb ju gut ba^u, unb e3 fönnte Sfynen 
einft, — mag e3 nodfj lange bauern bis batjin, aber fie wirb 
bodj einft fommen, biefe.SobeSftunbe, — e£ fönnte Affinen 
in Sljrer £obe£ftunbe bod) ferner auf ba£ §er$ fallen, baß 
©ie biefer grau für fdjöne ©tunben, weldfje ©ie iljr banfen, 
fo graufam gelohnt f)aben. SBenn ©ie ttrirflidf) fein ©elb 
für fie ^aben, 3)urdjlaud£)t, nun fo fenben ©ie it)r bie fcpnen 
3lrmbänber Stirer ^ferbe, ober irgenb einen anberen elenben 
©djmud, bamit fie ifjn üerfaufe. 



142 



©ie fragen $)urd)taud)t, marum id) in metner Seriegen* 
fjeit mid) nidtjt an meinen Sreunb *, ober an bie Königin 
* gettmnbt? 2)eSl)alb nicf>t, meil mir biefe beiben, ber eine 
5U nafje, bie anbere f)o$ ftefjen, um öon it)nen ©elb $u 
teilen. ®ie Königin um 600 Spater bitten, Ijieße öon if)r 
ein ©efdjenf erbetteln, meinen greunb * um ein 2)arlefyen 
bitten, Ijiefce baffetbe. SSon einem äRann, ben man liebt 
efjrbar unb feufcf) unb rein liebt, nimmt man fein ©elb als 
©efdfjenf an, unb fann fidj audj öon it)m nichts leiten. Sie 
mit Syrern jartfü^lenben ©imte merben mir baS nadf)füf|ten 
unb öerftetjen. SSon bem ebten greunbe, ben id) fo fjodjj' 
adjtete, ttrie faum einen anberen SDtenfdjen, bem id) Vertraute 
mie man einem SBelttoeifen, einem t)ol>en ®arafter Vertraute, 
öon bem dürften enbticfy, öer mir uicf^t ju nafje ftet)t, fonbern 
genug über mir, um baß idj offne ®emüt^igung ifjn um eine 
grofte ©efäüigf eit bitten fonnte, ntd^t §u £>odt> über mir, als 
bafc id) nid)t ein 2)arleljen öon ifjm erbitten fonnte, oljne 
ein ©efetyenf ju präfumiren, öon 3>f)nen, 2)urdE) lauert, fonnte 
id; al)o, roetm and) mit ©d^mer^ unb Trauer, ben großen 
ftreunbfdfjaftsbienft erroarten, baß ©ie mir auf ein Satjr bie 
eröetene Summe leiten möchten. Unb benfen Sie, id) bin 
nod) fo pfyantaftifcfy, alfo toenig meltflug, baß id) feinen 
Slugenblicf jmeifelte, ©ie mürben aus 3>t)rem ebten ©elbft 
IjerauS ermeffen, ttrie furdjtbar ferner mir biefe S3itte ge= 
roorben, unb mürben fie bafjer erfüllen müffen. ©S mar ein 
3rrtf|um; idjj fcfyäme mid) nid)t, bajg idfj ifjn gefjegt! ©ie 
fragen, roaS id) je£t tfiun merbe? SBeber öer^foeifeln, nod) 
mid) unglüdtidf) nennen, fonbern tapfer unb mit erhobenem 
Raupte bem ©djidfal trogen, unb bie SRifere unter meine 
Süße treten! 2tuf feinen gaH mid) fo bemütt)igen, bafc id), 
mie ©ie mir ratfjen „öon einem meiner Dielen anberen greunbe" 
biefe ©efäßigfeit beS ©elbborgenS erbitte. Jiein, id) toerbe 
mid) niemals ^um aroeitenmal ber 2)emütt)igung einer ab* 
fdjlägigen ^tntmort ausfegen, unb es giebt unter allen meinen 



143 



anbeten greunben feinen, ben idj fo Ijocfj eljre, baß \ti) tf)m 
ba§ Stecht augeftelje, midj öerpflid£)ten fönnen, feinen, bem 
idj $ugeftefjen toüxbt, baß idf) in ©elbüerlegenljeit bin. 50leine 
fogenannten greunbe finb gewohnt, fidfj bei mir ju amüfiren, 
bei mir gaftlidfje 9lufnaf)me finben, fie ärgern fiel) üietteidjt 
oftmals in ber ©titte, ces chers amis ennemis, baß e§ bei 
mir fjeiter. unb beffer Ijergef)t tüte bei it)nen, unb wie Witt* 
formnen* würbe e3 ifjnen fein, Wenn fie müßten, baß icf) in 
®elböerlegenf)eit bin. „SWiemanb freut fidf) mefjr über unfer 
Unglüd, als unfere greunbe", fagt Sfjamfort, unb waljrlicfj, 
er fjat Stecht. ©3 fällt mir nidjt ein, meinen lieben greunben 
eine folcfje greube ju bereiten ! — Waifybtm ©ie, $)urdfjlaudf)t, 
meinen 93rief in fedf)§ Sagen nidjt beantwortet Ratten, begriff 
id) !gf)re Antwort, unb faßte mid) in Shaft unb ©ebulb. 
©enug, idjj Ijabe Don einem SBudjerer auf f)of>e Binfen unb 
Auflieferung einer Police über eintauf enb Später meiner 
SebenSüerfidjerung mir bie Summe öon trierfjunbert Ifjatern 
auf ein %af)x geliehen. $m Uebrigen Werbe id) nodfj fleißiger 
fein, noä) mef)r arbeiten Wie fonft, mid) ganj in ber ©titte, 
unb ot)ne baß bie „lieben greunbe" e3 merfen unb fefjen, 
redjt fefjr einfdfjränfen , unb mir ben 2Baf)lfprud) nehmen: 
„Smmer tapfer unb un^er^agt". @3 ift ein guter SBafjtfprucf), 
unb er fott mid) freubig unb ftarf madfjen in mir felber. 

Unb nun genug unb übergenug üon biefer SERifere. 
®ef)en wir jur SageSorbnung über, unb üergeffen wir, baß 
ntdjt affeS ©oft) ift, Wa§ ba glänzt. ©Ott, an meinem ©e= 
burtStag, wie t»iet liebe Sreunbe famen ba, wie öiel fjer^idje 
2Bünfdf)e, wie Diel SSIumen unb SBouquetS, unb wie f)eiter 
War idf), unb wie afjnte niemanb, wa§ idf) gelitten t)atte 
aefft Jage lang mit lad^enbem SKunbe! ©ott, e3 ift über* 
wunben! S)ie SBudjerer finb bodf) Hebe, wofjltljätige Seute! 
— äReine Softer War mer^efin Sage bei mir, unb (aßt ficf> 
Sfjnen, ®urd)IaudE)t, auf ba§ angefegenttidjfte empfehlen. Sie 
war fefjr fjeiter unb burdfjauS befriebigt. -äftan Ijat fie f)ier 



144 

in bcm Steife meiner ftreunbe fe^r geefjrt, unb e3 gab tag* 
tidf) SBätte unb ©efefff djaften, bie mi<$ töbtlicfj langweilten, 
unb fie fef)r ergöfcten. — — 

2)aj3 Sie leibenb finb, mein öereljrter 3rürft, bebaure 
icfj aufrichtig, aber e3 ift wenigftenS ein £roft ju Wiffen, bafe 
Sie in SJranifc Sfyre gewohnte $8equemlidf)f eit f)aben, unb 
nidfjt tote t)ier als gargon, fonbern wie fidj'3 gebührt, als 
Prince leben! Sie nennen bie 9leujat)r3Wünfdfje abgefd^marft! 
SDtir aber fommt e3 aus bem £>erjen, wenn idf) 3^nen für 
bag neue ga^r öor allen fingen ©efunbfjeit unb ^eiterfeit 
be3 (Seiftet wünfdfje, unb ßrfüttung altes beffen, toaä ©ie 
fi$ f elber wünfdfjen. 

SJlit innigen ©rüften 

Sfyre ergebene greunbin 



8. 

$üdter an * 

SBranifc, ben 11. Sanuar 1867. 

SSerefjrte greunbin! 

3d) bin toieber fet)r franf an ber ©rippe, unb jugleidfj 
am Sßobagra, unb fonnte bafjer öor ©d^mer^en nidfjt eljer 
antworten, liege aud) nodf) im 93ette. 

©3 fd;eint, baft in öftrem Sriefe ein Slatt fetjlt. Sie 
finb böfe, baß idE) S?f)ren 3Bunf$ nid)t erfüllt. @S fjat mir 
fel>r leib gettyan, aber i$ fonnte e3 nid)t, oljne mid) fetbft 
in SSerlegenljeit ju bringen, unb ©ie würben e$ in meiner 
Sage audf) nidf)t getfjan tjaben. 

2Ba3 aber ben SWebenbrief betrifft, Welver eine befonbere 
SKoralprebigt, wegen ber S)ame bie mit SBeinen broljt, enthält, 
gef)en ©ie biegmal öon einer unr tätigen 33orau3fe&ung aus. 

©ie bebauern erftenS, baß bei mir Hilter unb Erfahrung 
mid) bereite fo weit gebracht, metjr ber Vernunft als bem 
^ergen $u folgen. $)ie§ ift nun leiber nod) gar nidfjt immer 



145 



ber gatt / benn ich bin in biefer £mficht, memt ich irgenb 
fann, noch immer oft unvernünftig. Stber ©ie fefcen noch 
fjinju: wäre bie Same, toelc&e idf) fo gefühllos abgettriefen, 
ttorneljm getoefen, fo toürbe ich gehrifi bereu SBuufch erfüllt 
§afcen. 2)a thun Sie mir nun ttnrflidfj ein fdjreienbeS Un* 
recht, unb trofc meiner Seiben unb eines bo^elten tiefen 
Summet, höbe idf) bodfj beinah barüber tacken müffen, toie 
Jpoffirltc^ Sie, meine berühmte unb geiftreidfje greunbin, fidf) 
hier in meinem Karafter, roie in alten .obmaltenben Um* 
ftäuben, «trren. Sllfo hören Sie: bie S)ame, öon ber bie Siebe, 
ift eine ©räfin öon fetjr angef ebener, alter gamilie, if)r 
älterer SKann öon ijotym militairifdjem Slang unb großem 
9lnfehen bei feinem |>ofe, fie felbft eine liebenSttmrbige, gute, 
unb früher eine feljr ^übfd^e Srau, unb in guten SSertjält* 
niffen öon jeher, aber gugleich f)öd^ft leichtfinnig in ihren 
SluSgaben, unb panier perc6 ohne Siücfficht, too fie fidf) baS 
©elb baju öerfdjaffen fann. Sie ^at mich in biefer |)infid)t 
feit langer Seit Vielfach gur SSernunft gebraut, bie idf) nun 
an if)x ausübe, unb mich burdf) ihr SBeinen nicht mehr rühren 
Iaffe, obgleich fie noch immer reigenb ift, unb id) ihr immer 
auch noch gut bin, benn alte Siebe roftet fcfjtoer bei mir, fo 
ba§ in ttrirflidfjer -ftoth idf) toofjt noch für fie thun mürbe, 
toa$ idb Vermöchte, burdf) ein Dpfer, bodf) ohne mi<fj felbft ju 
ruiniren, benn ba3 ift eben fo atbern, als fidfj au3 Siebe 
tobt gu fließen , tuenn man noch nidfjt baS ©djtoabenalter 
erreicht hat. 

Unb aufrichtig gefagt, 3h r eignet Seben fommt mir 
auch fef)r leichtfinnig vor. ©ie leben hauj)tfädfjlich Don S^rer 
5trbeit, fennen genau, toa$ 3h re fogenannten greunbe unb 
«Schmeichler fiub, unb motten bodf) au3 ©itelfeit unb Sorg* 
lopgfeit nidf)t aufhören fie gu traftiren unb gu befdjertfen, 
roenn ©ie gleid) VorauSfetjen müffen, baß bieg feljr gefährlich 
für ©ie merben fann. $ch tounbre mich, bajs 3h r gefdfjeibter 
2)oltor, 3h r e *f* er Sreunb in ber SBelt, unb ttrie idf) glaube, 

*JJücflet, 2}rü|'n>ed)fel unb lagebüdjer. VIII. 10 



146 



ein aufrichtiger unb Völlig vertrautet, biefe ©d^toäd^c juläßt, 
ofjne ©ie ju marnen. Unb bafc ©ie fidfj lieber an midfr 
guerft manbten in 3t)rer momentanen SSerlegenljeit, finbe i<$ 
alg alter SJlenfdfjenfenner, gar nidfjt fdfjmeidEjelljaft für midfj. — 
SBenn idfj Sljnen ferner geäußert: bafc eg mir natürlidjjer 
gefdfjienen, menn ©ie ficty an Styre intime befreunbete Königin 
gemenbet, fo ttjat idfj bieg nur aug bem ©runbe, meil ©ie 
mir gefagt: bafj ©ie fetbft bie Königin audfj mit ©elb unter* 
ftüfct, unb tjiernadfj mit größter S3ittig!eit in geänberten 23er* 
fjältniffen bag ©teidfje von if)r erhalten fonnten. 

Sdfj tjabp über mein tjatbeg Vermögen Verloren , unb 
midfj Ijiernadfj fomeit eingefdfjränf t, nodfj ju redfjter 3eit f 
um nid£)t meine S«fludbt meber ju ädfjten nodfj ju folfc^crt 
Sreunben nehmen ju müffen, nidfjt aug ©tolj nodfj 93löbigfeit, 
fonbern meit idf) mir fagte: nadfj fo Diel Sljorljeiten be$ 
2eid)tfinneg unb beg ©efüljlg, bie ®u felbft verfdjulbet, mu§t 
5)u enblidfj vernünftig werben, unb atteg Vergnügen ber 
SJjortjeit fjerjljaft entbehren, um nicf)t elenb ju enben. ©o 
lebe idfj jefet fdE>on feit geraumer 3eit, unb I)abe freiließ ben 
SSorttjeil vor Sfjnen Voraug, nur nodfj Ijödfjfteng ein paar 
Saljre biefe ©träfe $u erleiben, unb Ijanble babei bennod) 
audfj aug bem $erjen, loeil idf) nun Ijoffen fann, fo viel nodj 
übrig ju behalten, um nadfj meinem Xobe nidfjt btog mein 
SRajorat, fonbern audfj 9lnberen, bie idf) liebe, nodf) eine un* 
verljoffte greube madfjen ju fönnen, mag audfj ber „Sßeinen* 
ben" miberfafiren fott. 9?ef)men ©ie fidfj baran ein Seiftuet, 
toenn 3I)r ffarafter eg erlaubt, ju 3$rem eigenen unb 3t)rer 
lieben Sö^ter SBoIjt. 

©ie finb fefjr begabt, ljödfjft Hebengmürbig, Ijödfjft ange* 
nefim, tfjeilneljmenb unb gutmütig, aber merben ©ie vott= 
fommen, b. Ij. audfj nodfj vernünftig. 

®ag fagt 

greunb. 



147 



9. 

sßücHer an * 

SBranifc, ben 20. Sanuar 1867. 

SScre^rtc greunbin! 
SBenn Sic böfc auf midf) finb, fo Ijaben ©ie fc^r unredfjt, 
beim idfj Ijabe in jeber §inficijt, meiner Ueberjeugung nad), 
Sfjnen nur bie SBaljrljeit gefagt, mie \i) fie mir benfe, unb 
ba3 finb fid£) greunbe fcfjulbig ; bann bleibt immer für weitere 
S)i3hiffionen bie Sa^n noef) offen. 

hierbei muß aber fcernünftigertoeife alle Reinliche @m* 
pfmbttdjfett roegbleiben, unb jeber, mitgreunbfdjaft eben 
&otßommen mafjr bleiben gegen ben Ruberen. 3t)re 33or* 
tofirfe Ijaben mid£) nidfjt im minbeften gereift, obgteiif) fie 
öiet angreifenber toaren al§ bie meinigen, roeil fie meinem 
moratifd£)en Äarafter galten, unb nodfj obenbrein in ber 
$auptfadfje auf einem totalen faftifdjen Qrrt^um berufen, 
tüäljrenb idfj, Sljren frönen mie glänjenben ©tgenfdjjaften äffe 
©eredfjtigfeit ttriberfafiren laffenb, 3fönen S ur SSermeibung 
eigenen ©dfjabenS nur anrate (nidfjtö öortoerfe) etmaS foeifer 
ju fein, b. I). ber söernunft ein toenig mefyr nachgeben. 
Sdj felbft Ijabe ja nidE)t ba$ minbefte Qntereffe babei, als 
meinen SBunfdfj, ba{T e§ Stjnen toofjlgefie. Jßieffeidjt falle 
idj mit biefem SBunfdfj aber audjj (mie ©ie mit meiner 
S)ame) in einen totalen ^rrtljum; benn menn ©ie, außer 
toa$ gf)re bidfjterifcije geber Sfjnen einbringt, noef) ein anbereä 
anfeljnlidf)e3 , fidf)re$ Vermögen befifcen, fo Ijat mein 3?att> 
feinen ©runb mefjr, unb ift bloS ein gutgemeinter Srrt^um. 
©inb aber 3$re 93erf)ältniffe fo, ttrie id£) e$ glaubte — fo 
wäre e§ bodj offenbar für bie Brunft fe^r gefätjrfidf), nur 
• 3§rer großmütigen ©efinnung, mie 3$rer großen Neigung 
jur ©aftfreunbfdfjaft SRaum gebenb, btoä bom Kapital 
g^reS ©eifteS leben ju motten, anftatt bon ben Binfen fc e g s 
felben. Sreilidfj barf man Slnbere nidfjt nadfj fidE> beurteilen. 
9Wir 8« toäre & je^t grabeju faft unerträglidfj, ein £au3 

10* 



148 



tüte bag 3f)rigc $u macfjen, unb fortmätjrenb Seute $u feljen, 
unb mefjr ober menig foftfpielig ju bemirtljen, oon benen 
Sie felbft eine gan$ #jitofopf)ifdE)e, melterfatjrne 2lnfi$t aus* 
fpredjen. ©eneröfe ©efdjenfe Ijie unb ba gehören aud) nod) 
$u folgern Seben, unb gefallen Sljrer Neigung, mag alleg 
fyödfjft liebenSmürbig , ober, menn tef) $$xt pefuniaire 
Sage richtig beurteile , nidjt meife ift. $eber rnufc \xä) für 
feine ©jtftenj juerft felbft ber Stapfte fein, in jmeiter 3n= 
ftan$ fommt er erft ba^u audf) ber Stapfte Slnberer fein $u 
fönnen. SSerfäumt er bieg, fo bleibt er balb meber fidj 
nodf) 2lnberen ber 9?äd£)fte. £ag ift meine eigene @rf abrang; 
benn id? mar lange $?it, gleich Sutten, ^örb leiber öiel fpäter 
als bie ©dEjmaben ftug, unb bin bamit fomeit gefommen, baß 
idj mid) nidjt nur oft fdfjmeratid) einfcfyränfen mufj, fonbern, 
mie id) eg nur ber bigfreten greunbin fagen fann — menn 
idj noef) 5 big 6 3>af)re lebe, mag nidjt ma^rfdjeinlicij, aber 
bodj möglidfj ift — biefe ©infdfjränfung öerbreifac^en, ober 
Don geborgtem (Selbe, menn id) eg befommen fann, ju leben 
gejmungen fein mürbe, unb niemanben etmag jurürflaffen 
fönnte. 

£>af)er, urtb megen öftrer perfönlidfjen Siebejtgmürbigleit 
unb §er$enggüte, menn audfj mit aiemlid) ötel Seicfytfinn unb 
etmag ©tetfeit gepaart, intereffire id) mid) fo feljr für ©ie, 
ber eg balb eben fo gelten fann alg mir, unb fürdjte midfj 
felbft nid)t 3f)nen lieber unbefdjeiben ju erfdjeinen, aö Sfljnen 
fcorjuentfialten mag nü£lid) für ©ie fein fann. 

3ebenf affg motten mir gute greunbe bleiben, unb fort* 
mäfjrenb mafjr gegen einanber fein 

®eine ©dfjonung, meni^fteng für mid), benn mer auf* 
richtig ben gortfdjritt liebt, mirb mefjr befriebigt burdj ge* 
regten Säbel, alg burd) geredjteg, ober gar übertriebenes 
Sob. 3^ felfeft finbe, ganj aufrichtig gefagt, gar nichts an 
mir loben, unb menn id? öor ®ott treten mufj, fo toerbe 
idj nidfjtg meiter üor^ubringen fjaben, alg: „SBarum fjaft $)u 



149 



midf) fo mangelhaft gemalt, $)u toirft e3 ttriffen, aber idf) 
fonnte e£ nidfjt abänbem". Unb ba ber liebe ©ott {ebenfalls 
ein fc^r gütiger $err fein mufj, fo toirb er mir nidfjt jürnen, 
ttrie einer feiner irbifdfjen Siener, fonbern midfj freunblidfj 
aufffären. 

Sdfj leibe feljr an ber ©idjt, unb fyabt brei Sage ge* 
brauet biefen Srief fd^reiben. 

63 mirb midfj freuen, menn ©ie ifjn beantworten. 

£. S. ^ücfler. 



10. 

* an Sßütfler. 

$en 21. Samiar 1867. 

SSere^rter gürft unb greunb, 
Obgleich meine ©d)reibefäf|igfeit jefct fefjr öon meinen 
Arbeiten in Slnfprudfj genommen wirb, toitt icf) ^f)ntn bod^ 
gern einen ©ruß ftfjreiben, unb öor aßen fingen ben ©mpfang 
3^re§ legten 93riefe§ Dorn 10. Januar melben. 9Ba3 ber* 
felbe SreunbtidfjeS enthält, neunte ic£) mit S)anf an, tr>a§ Un* 
freunblidjeS unb |>erbe3 übergebe ic£) mit ©tittfcfjtoeigen, unb 
netjme e§ tyn mit bemjenigen Slefpeft, ben mir 3^re langen 
2eben£erf afjrungen , 3^r ßarafter unb %t)Tt Stellung ein* 
flögen. 9?ur über einen $unft mögen Sie mir nodf) einige 
redfjtfertigenbe SBorte erlauben. Sie ermahnen midE) jur 
SSeruunft, ba3 Reifet, ©ie meinen, idfj folle aßen gefelligen 
SSerfetjr aufgeben, feine greunbe unb Sefannte meljr be= 
ttrirttjen, unb Sie meinen, idjj tljäte bieg au£ ©itelf eit ober 
©orgtof igf et t. 2)ie3 ift ein Srrtljum, $urdf)laucf)t. Sei 
meinen öielen unb anftrengenben geiftigen Arbeiten bebarf 
idfj ber ©rtjolung, ber Anregung, be§ 2tu§rut)en3 bei Weiterer 
Unterhaltung, bebarf icfj mit einem SBorte ber ©efeffigfeit. 
3dfj fönnte nun $u anberen Seuten get)en, benn an Stuf'- 
forberungen unb ©intabungen fef)lt e3 mir nicf)t; aber idfj 
jielje e£ üor, bie ©efettigfeit bei mir ju finben, unb meine 



150 



greunbe bei mir $u empfangen, menn eS mir beliebt, ftatt 
t>on iljnen empfangen ju toerben, menn e3 iljnen beliebt. !gdj 
J>abe baburdfj eine beffere $ofition, eine freiere nnb unab* 
gängigere jn meinen greunben, unb biefe ju traben, nnb mir 
$u bewahren, tft nnr immer mein Streben getoefen. 3u 
S^nen, Surdjtaudjt, bin idfj nun augenblidflidjj in eine fatfd^e 
Sßofitton gekommen, unb idf) bitte ©ie mir gütigft ju Reifen, 
bajs biefelbe aufhöre. 3$ *) a be bie bävue begangen in 
augenbtidKid&er unb ungewohnter ©elbüertegenljeit mid) an 
Sie, 2)urdfjtaudE)t, su toenben, mit ber Sitte, mir 3före Sreunb- 
fdfjaft baburdE) ju betoäfjren, bafc ©ie mir etliche Ijunbert 
Spater auf ein ga^r tiefen, ©ie fjaben e§ mir abfdfjtagen 
müffen, id6 fjabe fofort mir anbertteitig SRatlf) gefd&afft, unb 
bie ©etbfrifiS, bie bei mir nod) lange nicfjt fo grofc mar, 
mie bei Defterreicf), ift überftanben. bitte ©ie nun, öer* 
geffen ©ie bie ganje ©adfje, unb laffen ©ie biefelbe in'3 
Sodj ber ©efdfjirf)te fallen, too fie ju ©taub öerfatten möge. 

■ftodfj ein§ mufc idf) 3tf)nen erjagten! Sie gute Königin 
* §at f elber fetjr ju fämpfen mit pefuniairen ©orgen, mefjr 
ju fämpfen aU je, benn fie Ijat für if)re näc^ften SSertoanbten 
©Bulben gu jaulen, unb SSorfdfjüffe gu leiften. ©ie fd^reibt 
mir, bie * Ijabe mit üjrer 33eil)ütfe it)re 93riC(anten toerfauft 
unb üerfefct, um itjren £au3ftanb aufredet ju ermatten. 

SDtit {jerjtidjem ©rufe, unb bem aufnötigen SBünfdj, 
ba§ 3$re ©efunbfieit fidfj gebeffert tjabe, unb ©ie öon ©dfjm*r$en 
jeber 9trt befreit feien. 

3f)re treu ergebene 



f 



151 
11. 

Sßüdfter an * 

$ranifc, ben 24. Sanuar 1867. 

Verehrte Srcunbtn! 

S^re Slntwort auf meinen 93rtef öom 10. Ijabe ich erft 
geftern erhalten, unb finbe fte ebenfo gut unb tiebenS würbig 
wie immer. Sie l)at ftch übrigens mit einem jweiten 33rief 
toon mir fcom 21. gefreust. 

3)a ich teiber an ber ®idfjt im 93ett liege, eine fetjr 
gefunbe ®ranfljeit, wie man fagt, aber unangenehm fdfjmerj- 
haft, fo barf ich nicht ju fciel fcljreiben. 

©oweit rnufc ich jeboch 3^rcn 93rief beantworten, bajs 
Sie fehr unredfjt haben ju glauben, ©ie feien feitbem mit 
mir in eine falfdfje Stellung geraden. Sötern ©efaffen an 
S^rer Snbtoibuafität $at fidf) burch ba3 Vergangene nur 
noc^ m *h r gefteigert — ju gofge ber Sehre be3 Striftotctc^ : 
bag ein bramatifcher £>etb ober £elbin burch ifyxt gef)Ier 
ober ©rfmlb, eben fo fc^r intereffiren müßten, al§ burdf) ihre 
gtänjenben ßigenfdfjaften. %n fotdfjer 2trt liebe tdfj ©ie alfo 
boppelt, unb wenn ich e ^ wä) nicht fdfjmeichethaft fanb, bajs 
©ie mich, ber ftch einbilbet ein praftifcher $hiI°f°Ph * m Seien 
fein ju wollen, nur bejs^atb juerft wägten, ihm 3h ren 
SSuttfdh öorjutragen, tt>eit ©ie mich für eben fo Wenig über* 
legt unb leichtfinnig aU gutmütig fytlttn, ad exemplum 

unb ba^ war eben fo gemütlich, ja rührenb 

liebenS Würbig für midf), bafj ich biet lieber bem ©efühl aU 
ber Vernunft gefolgt wäre, Wenn nicht ju bringenbe Umftänbe 
mich $um ©egentheil gezwungen hatten. @3 ift aber auch 
Unglüd ju nennen, bafj ©ie eine Königin unb einen für reich 
pafftrenben dürften $u greunben haben, bie Veibe fo große 
Saften tragen müffen, bie fte fcerhältnijsmäßig ju fyatbtn 
Vettlern machen. 916er fo geht e£ nur ju oft in ber SBelt/ 
unb wie Viele werben beneibet, bie gern mit tief unter ihnen 
©tehenben tauften würben. 



152 



lieber ©ie aber, meine anmutige greunbin, fteljt meine 
2Inftd^t jejjt gan§ feft. ©te gehören ju ben glüdlidfjft ©e^ 
borenen, weil ©ie fcon ber -Katur bie grofce ©abe ber ©org* 
lofigfeit mit leidjtem, felbft in frönen nodfj Weiteren, immer 
finblidjen ©tun erhalten fyaben. ©ie werben beider aud£) ficf> 
nie änbern, fonbern immer btefelbe bleiben, nnb fofdje gefeite 
•Jlaturen, fdjont unb bewahrt auef) baS @d£)i<ffal üor $u grofeent 
Setb. 2l(fo ©lüefauf ! unb nidE>t§ weiter. 3dj fomme mir 
felbft, je£t faft tädfjerlidfj üor, bie Stolle eines pebantifd&en 
SBeiSfjeitSprebigerS bei Sljnen gezielt $u I)aben. (Sine wal)re 
Äarifatur, aber idfj tröfte mief) über biefe§ giaSfo, benn idj 
I)abe nidjt nur Wieber etwas gelernt, fonbern füf)Ie mid) Don 
Sfjnen nodfj mef)r angezogen aU früher, unb Witt mief) ofjne 
©ritten unb' blue devils %f)xt$ ©lürfeS freuen. 

®er 3$rige 

£. ?ßfi<Her. 



gtvifd^en 



1888. 



1. 

$ücfter an Sucie. . 

3Jtuäfau, ben 9. Samtar 1833. 

Siebfte ©dfjnucfe, 

©3 ift eine matjre ©raufamfeit, jefct öon mir ju Der* 
langen, bajs idj 2)ir lange SSriefe fdfjreiben fott, ba fein 
Äattälcibüffel mit meljr ©efdfjtreibe befeuert fein fann, aU 
id), ber, außer Sorrefponbena unb currenten ©efdfjäften, äloei 
83üdjer auf einmal ift bie SScIt fdfjicfen fott. Sdfj effe jefet 
um 8 Uf)r ju -Wittag. Um SDlitternadfjt fange iä) an ju 
arbeiten, bis 5, 6, audtj 7 Ufjr früf). S)ann gefje idfj ju 
33ett, unb tefe nodfj eine ©tunbe. Um 3 Uf)r ftelje td(j auf/ 
trürfe eine Saffe Xljee, unb gelje, reite ober faljre bann bis 
5 Utjr fpajieren. SSon 5 bis 8 beforge iä) meine ®orre= 
fpottbenj unb ©efdtjäfte. Sdfj unterhatte midtj aber gut babei, 
unb befinbe midtj audfj toof)t. 2)emoIjngeadfjtet ginge idfj je|t 
redfjt gern nadfj 93ertin, mais comment faire? Je n'ai pas 
le sou. — 

— S)u fefceft midfj in SBertegenljeit baburdtj, bajs 2>u 
mir meine SDiemoireS ni$t fdtjtcfft. @S tirirb S)eine ©dtjutb 
fein, toenn bie entftettenben geiler ber erften jloei Steile im 
britten nidtjt bemerft toerben fönnen, ber fdfjon unter ber 



156 



treffe ift. 3<h fdfjicfe $)ir mit, toa$ barin über mich gefagt 
ift. «Schreibe mir, tüte e§ 2)ir gefällt, unb beruhe, baß 
mit bcr unbefannte Slutor jvjei 3<*h re abgenommen, unb 
Str jugelcgt ^at. 

$)ie SBadfj^ichter fpare ich fo öiel als möglich, gönne 
ober meinen 9lugen ba§ Sicht — fo lange fie noch offen finb. 

9Mit umgefienber Sßoft ertoarte ich bie fran^öfifdEjen $robe= 
bogen jurüdf, fomie bie SRemoiren unb bie Sifte ber Sachen, 
bie S)u nodfj mit bem SSagen ^aben toiüft. 3ch Wfje 2)ich 

Stein Sou. 



2. 

Sucie an 5ßü efter. 

3anuar 1833. 

2lIfo eine ©raufamfeit, bafj ich 3)i<h $u f cfjreiben bitte, 
3n ben langen nicht unterbrochenen Sagen, too S)u immer 
aHein bift, toenigftenS e3 immer fein fannft, nicht bie geit 
mehr 5U einigen SBorten, bie deiner geber fo leidet entfliegen ! 

S)u armer Sou! 

3)enn nun fängft S)u e3 an, e3 mirflich &u loerben. 3fa 
bem unüberfchioänglichen SReidfjthum, morin 2)u Sich fetbft, 
©ich a ^ e ^ Kod) betradfjtenb, finbeft. 

SBelch ein anberer läJtenfdj, toetch ein anbereä £er$ 
fjatteft Su inbeffen, ba noch fein Scfjriftfteßer aus Sir ent* 
ftanben mar — ba bie Sopirmafchme nicht, aber bie tief fte 
gerüßrtefte ©mpfinbung in meiner Sruft jebeS SB ort auf* 
nahm, ba§ bon Sir fommenb mi<h befeeligte. 

Sßie lange bodfj nun fdjon, ba§ Su ein Slnberer bift. 
Siebe ich btnn Sßirftichfeit noch, ober bie (Erinnerung, btc 
©eftalt ober ihr Spiegetbilb? 

6§ toirb trübe bor meinen 2lugen — tä friert mich- 

SBelche 9teidfjtf)ümer au£ ber Vergangenheit Ia§ ich e ^n : 
unb bann ba£ bürftige SBIättdfjen, ba§ mie ein ©tücf 216* 



157 



jeljrung öor mir liegt, fo Mag, fo fpifc öon Bügen, fo red^t 
mie bie 5ßofttag3*9tbfertigung nur im ©otteämillen , ba£ ge= 
too^nte Stlmofen noty: bie Sßenfion nacf) Slbbanfung nadj 
taut befannter unb längft erfonnter Unbraudfjbarfeit 

D, f treibe lieber gar ttid^t mef)r, £)u fönnteft ja einen 
Sropfen §u öiet ®eift für midf) öerfdjtoenben, unb überhaupt 
an mir öerf d^tüenben; über bie S)u 2)idf) fo tjodfj erhoben 
^aft , feit ber litteratfdtje Seifall ®idfj frönt, unb alte $t\U 
btätter 3>einen Sßamen jubeln. 

2)arum lebe mof)t! 

Unb e3 ift je^ntaufenbmal beffer, baß öon bem Sempel 
lein ©tetn übereinanber bleibe, mo S)u bie ©ottfjeit ttmrft, 
als bajs bie Zeitige Stätte entmeif)t, bem ®ultu§ eines ge* 
fpenftifd&en SrafeenbübeS biene, toaS ju lieben Verlernte, unb 
nur meljr $u bemütljigen öermag. 



3. 

^Surfte r an Sucie. 

3Jlue>!au, ben 13. Januar 1833. 

Söleine ^er^Iiebe ©d^nude, 

fdfjicfe 3)ir ein Statt ber ßitteratur^eitung jur 
@taat3$eitung mit, ba§ micf) fel)r frappirt Ijat. 2)iefe3 Statt, 
in bem SSarn^agen fdEjreibt, mar fonft, mi'e nodtj tßtjilipsborn 
bie ©taatSjeitung rebigirte, immer fet)r partfpineljmenb für 
mtcfj, unb biefer Strtifet, obgteicfj ungefd^itft, ift fo tiämifdj 
als mögtidfj. 

Qdfj merbe itjm $tt>ar in „£utti grutti" ju bienen miffen, 
aber e£ beunruhigt midf) megen Sarnf)agen. ©ottte biefer 
umgefattelt §aben? 3)a§ märe feljr übel, ©udfje bodO, mit 
bem Statte in ber £anb, bei if)m auf ben ©traudfj $u fdfjtagen, 
unb ra^ortire mir, mie S)u iljn gef unben. ©dtjicf e mir aber 
ba3 Statt mieber. 



158 



2lud> bin idf) in ber größten Verlegenheit, bajs ©d()infel 
immer nidjt antwortet. Sitte, prefftre if)n bod(j, ©djinfet'3 
©tittfdfjfoeigen ift rätfjfetfjaft. 9Kan fonn iljn ober natürlich 
nidfjt fragen. 

Stbefljeib foge eine SWittion ©cijöneS. 

@o balb idj mit meinen bermalebeiten 33üd^em fertig 
bin, car ce Gartenbuch est la mer k boire, fomme ic§. 

Stbieu, ©dfjnucfe, fdjreibenb ober nidjt, immer 

S)ein e^rlid^er alter ßou. 



4. 

$ücfler an Sucie. 

SWuöfau, ben 16. Scmuar 1833. 

D ©dfjnucfe! 2)u fieljft mid) in Socriffe'3 gräjstidtjfter 9Ser* 
§tt>etffang! $df} muß midf), mie er, mit Sljampagner ber* 
Vergiften, ober id(j toerbe tt>at)nfinnig! £öre! 3)u erinnerft 
3)tdf), ba§ id(j ein ©efprädfj attrifdjen bem ffammerljerm £unb 
unb S3aron Sretygang gef dfjrieben " t)atte. $)ie§ Ijabe idtj in 
bier langen 9täcfjten jn 100 ©eiten au^gebeljnt, ganj um= 
gearbeitet, unb meiner Ueber^eugung nadf) etttrnS SßifcigereS 
geliefert aU je. ©eftern frülj, fiatb fdfjläfrig, toitt idfj ben 
unbrauchbaren 33rouitton bei @artenbud(j3 Verbrennen, ergreife 
in ber 3^rftrenung bie barunter tiegenbe trierte ©eite meines 
©efprädjS mit, toerfe fie in'$ ®amin, unb inbem idfj mid) 
nodj an ber luftigen flamme freue, bemerfe idO mit einem 
Slicf be3 @ntfe|en§ auf ben Sifdfj, toa$ gefd^e^en. 3<f) 
ftür^e mid(j mit feltenem $elbenmutf) in bie Stammen, aber 
e3 foar ju fpät — atoei meiner beften Sreunbe, bie id(j Hebte 
ttrie miety felbft — fie maren nidfjt mef)r, ein £äufdjen Slfdfje 
tag an i^rer ©teile! 3d& frage, ob bie§ nidfjt genug ift, um 
fidfj tt>te (£J)aff6 in bie ßuft fprengen — su motten. $)odj 
lägt man'S nad^^er bleiben, unb tf>ut tuo^I baran. 



159 



©inen geiftreidfjen 33rief giebji $)u mir an bic Soufine 
3?an$cm auf? Stber, gute ßueie, glaubft $)u, baß id) ben 
©eift nur au§ ben 3termeln ju f Rütteln brause? SBadtjbem v 
fooiet baoon berbrannt ift. Ijabe idf) gan^ Sanferott bamit 
gemalt,- bodj ift ber 93efe(jt befolgt ioorben, fo tt>cit e3 mir 
möglidj mar, unb Seiner Sreunbin audj barin gebadet mit 
einem Keinen unfdfjulbigen ©dfjlangenringe. 

$ier ift atteS beim Sitten, auger baß idfj nun ntdfjt 
metjr btoS mit brei £unben, fonbern aud(j nodfj mit brei 
#irfdfjen Öaju im 5ßarf fta^iren gef)e, atteS biefeS Sief) luftig 
burdfjeinanber fpringenb. S)ie -Jtadjridjt oom ©tabfiolj ift 
mir lieb. $)a§ SBorrätljige Ijaben ioir aber leiber f$on au3 
9?otf) fetjr bittig öerfaufen müffen. $)a§ $oIj fing an gut 
jU gelten. §ält aber ba3 Sljautoetter an, fo ift e§ tirieber 
bamit §u ©nbe. S)ie gorftteute bmüljten fidfj feljr um 9tb* 
fafc. ©dfmuefe, ba§ Äopirbudfj ift ganj alle; idfj muß f daließen. 

Stein 2)idf) ^erjinnig ftebenber ßou. 

5. 

Sßücfler an Sucie. 

SDlusfau, ben 18. Januar 1833. 

©dfjnucfe, S)u bift eine ber eiferfüd&tigften Stauen, bie 
e3 giebt. Sdfj fdfjreibe S)ir jeben Sßofttag ein bis §toeimal. 
SRein Sopirbudfj enbigt mit S)ir, unb fängt mit S)ir an; 
bemo^ngead^tet befomme id) nidfjtS aU SSormürfe, unb 2>u 
bift eiferfüdfjtig — unb auf toen? auf meine ffopirmafdfjine 
unb „Sutti grutti?" 

©treibe mir nun, ob idO in adfjt Sagen ober toann, 
barauf rennen fann, enttoeber eine große ©tube mit Dielen 
Xifdfjen im Slbter ober im Sarotattj'fdjen §aufe ju er= 
£>a(ten ? Sänger aU fedfjg SBod^en bleibe iä) nidfjt in ^Berlin. 
3>ann muß idfj äRitte 9Jlärj fpäteftenS toie&er Ijier fein, um 
bie Pflanzungen ju beforgen, unb ben jtoeiten X^eil ber 



160 



„£utti grutti" $u beenbigen. äRitte 2Rai benfe i<f) bann bie 
3teife anzutreten, menn iä) nur notdürftig ©elb ba§u J)abe. 
■Steine Sßferbe roiü idf) in Serlin öerfaufen, nebft bem Keinen 
SSagen. 

2)a3 finb fe^r vernünftige, unb bie einzig möglichen 
<ßtäne. 

S)ein ßou. 



6. 

Sßücfter an Sucie. 

3Rusfau, öen 19. Januar 1833. 

SieHeidjt amüftrt e§ 2)id(j, ben beiliegenben Srtef au£ 
Äonftantinopet ju lefen, ben id£) mir aber mit umgefjenber 
$oft lieber jurücf erbitte; SSißft S)u einen Sadfjemire 
laufen, fo toäre e3 bie befte ©elegen^eit i^n fdfjön unb bie^ 
leidet bebeutenb roo^lfctter al§ §kx §u befommen. 

Qteftern f)at midf) mein ©taffmeifter tandem fatjrenb, 
mit bem Keinen englifdfjen SSagen lieber einmal umge* 
Dorfen. 3ßaf)rfd(jeitttfd(j toar e§ auf ber (Seite feinet ©lag* 
auge§. ©r fiel inbeffen juerft tyxauä, unb idfj auf tfin, fo 
bajg idf) mir nidfjt im ©eringften toet) tfiat. 9ludf) ift ber 
SSagen nidfjt aerbrodfjen, unb bie guten 93räundfjen blieben 
gebulbig fielen. 

©etjr begierig bin idfj auf deinen näd£)ften 93rief toegen 
be3 2lrtifel3 im Sitteraturbtatt ber ©taat3$eitung. S)u toirft 
über meine ^Beantwortung beffelben lachen. Db SlnciUou auf 
midfj ungehalten ift, möchte idfj audO nriffen. 9Rit it)tn toerbe 
idfy rnid^ fdfjon toieber öerföljnen. SSon ©dOirmer erwarte icfj 
mit toaf)ren ©d^mer^en enblidfj eine Sfattoort. 

$en 20. 

Eben fyabt idfj Steinen S3rief mit ber galjrpoft erhalten. 
3df) glaubte fdfjon, S)u Imtteft ba3 große SooS gemonnen, 
unb fdtjicfteft mir eine ^albe äRittion, ba er mit fünf großen 



161 



(Siegeln zugemacht mar. 6r enthielt ober außer lieben Bügen 
unb liebevollen SBorten toenig ©ute3, benn biefe ©a(fje mit 
SSarn^ogen ift mir höcfjft unangenehm, unb ganj gettrifc nichts 
als eine Slatfdfjerei ber 9lrnim im £intergrunbe. ©S tüäre 
gut, tt)enn Su gelegentlich einmal SSam^agen erjä^Iteft, toie 
fte Sir bie ©chinfel'S als nicht gut geftnnt gegen uns bar= 
gefteüt ^atte. Sei mir hat fte fich ja fortmährenb bemüht, 
mir bie SJarn^agen gerabeju als meine geinbin barjuftetten. 
Su erinnerft Sich beS berühmten propos. ©S tf)äte mir 
tüirflich au&erorb,.ittic^ leib, mit Samtigen in -äRifchetligfeit 
£U geraten, ba ich ihm ttnrfiidfj San! fchulbig bin, unb ba* 
burd) entwaffnet, audfj fein litter arifcher geinb fdfjon ohne 
bieg gefährlicher Wäre. ^abe ihm fogletdfj gefdfjrieben 
t>on Sir erfahren ju fyabtn, bafc er fidE} gan^ falt, ja gereijt 
gegen mich geäußert, toaS Sidfj fehr bttxübt u. f. to., ein 
93rief, ber ihn jurücf führen rnuft, menn meine SSermuthung 
gegrünbet ift. -Keinen ©dEjerj gegen bie ©taat^eitung fann 
SSarnhagen nicht übel genommen fyabtn, benn eS ift feine 
eigene äReinung, unb Dom ßitteraturbtatt h a & e i$ i a 9 ar 
riityt gefprodfjen. 

Sein treuefter Sou. 



7. 

$ücf,ler an ßucie. 

SRuSfau, bcn 28. Sanuar 1833. 

■Steine gute ©chnucfe, 

Sch bin noch immer im S3ette. @S geht jebodfj ettoaS 
beffer, aber nur äujgerft langfam. 

Sie Sache mit SSarnhagen ^at fich burch meinen 93rief 
fel)r gut apptanirt. 6r hat mir einen fehr hübfcfjen 93rief 
gefdfjrieben, ber midfj gan^ in meinem erften ©lauben beftärft, 
bajg er feinen Ztyit an bem SluSfatt in ber Sitteraturjeitung 

üdlcr, »n'cirocdjfel unt> laöfbüdjcr. VIII. 11 



162 



tjat, fonbem baft tiefer öon SfitctUon Ijerfommt. Stein üRotib, 
bajs nämlidfj nur SSarn^agen totffen fönne, baft mein Srief 
an gournier in ben britten %f)tii ber SDtemotren fommen 
foHe, ift audj nidf)t richtig, benn ba3 fte^t ja in bem 
33riefe fetbft. 93arnl>agen tjat im ©egentfjeil einen fet)r 
f)übf<$en, ttriemoljl natürlich furjen, SIrtifet über midfj ja 
33rocfljaufen3 ®ont>erfatton3le£ifon geliefert. (£$ ift mir feljr 
lieb, baft e§ fo ift, ba idf) SSarnljagen bodj hrirflidtj aufcer* 
orbentlicf) öiel S)anf in litterar ifdfier £infi<$t fdfmlbig bhv, 
unb baburdf) fe^r gefeffelt märe, menn er fidf) je gegen midj 
menbete. 3ßal)rfcljeinlidfj mirb er $)ir nun einige freunb- 
fdljaftlidje Sortoürfe madfjen, mir ben 2lHarm gegeben ju 
f)aben, too S)u bann mofyl ftugertoeife ©etegenljeit nehmen 
mirft, ifjm artigermeife §n ertoiebern, bafc man nur, meil man 
fo biel 9Bertl) auf feine ©eftnnnng lege, audf) öom geringften 
Sdfjein be£ ©egentf)eil3 fidf) beunnrufygt füljle. 

„LeRoi s'amuse" l)ätte iä) meit lieber gehabt al§ ben 
langmeiligen Cfjateaubriant, ber meine Slnttyatljie ift, unb 
beffen großer Sftuf gemijs bie größte ©attjre beS 3eitatter§ 
ift. 3« Soltairc'« $eit märe ein fotcljer Serl nie baf)in ge* 
fommen, au3 feiner pompeufen SBafferfuppe meljr als bie 
•ftafenftnfce ju ftecfen. ©dfjicfe mir alfo „Le Roi s'amuse", 
unb aud) ba3 33udfj öon Saljac, ma§ S)ir gefaßt. 

£)ein esprit insociable Sou. 



8. 

sßü.cfler an Sucie. 

SJhiSfau, ben 30. Januar 1833. 

— 2tuf 2)idj, gute ©dfjnudfe, freue idf) midEj gemifc gar 
fetjr, aber auf meiter aud) nifytä in ber SBelt, unb 3>u 
amüfirft 5)idf) aucfj redfjt gut allein, malgrä les airs que 
vous vous donnez. ift mir audft öußerft angenehm, bafj 
®u bie ©efeHfdfjaft ethmS frequentirft, benn S)u bebarfft ifjrer. 



163 



unb bift ganj für fie gemalt, idfj aber in feiner Slrt unb 
SBeife. Je la d&este, et eile me le rend comme de 
raison. On me flatte seulement quand on a peur de 
moi, et dest un triste succäs. SRetne Beit ift überhaupt 
au%> unb idj toünfd^e burcfjauS nichts mefjr als 9lufje unb 
Unabljängigfeit. Sdfj merbe aber xotfyl fterben, ofjne fie je 
gefoftet }u Ijaben. 

®ute ©d&nude, biefer ©rief ift fefjr lang für meine 
Umftänbe. StJj muß ju 93ett. Sebe too^I unb munter. 

Stein treuer ßou. 



9. 

^üdter an Sucie. 

3ttu3fau, ben 4. gebruar 1833. 
^erjliebfte ©dtjnude, 

„Le Roi* s'amuse" f)at mid) fefjr intereffirt. 3dfj toeijgr 
tjicfjt, nm3 S)u 2tbfd()eutidje§ baran finbeft. 2)a§ ©nbe ift 
tttdtjt glütflicfj arrangirt. ©3 bef)nt, unb toirb ftatt graufen* 
Ijaft, fjalb lädfjerlicfj — bie erften bier 2lfte aber fhtbe id) 
ttortrefftidfj, unb bodtj ein ganj anberer Sern barin, at§ in 
unferen bramatifdtjen ©albabereien. 3)a§ 33udfj &on Elja* 
teaubriant fjabe id) audtjgetefen , unb beffer gefunben als id) 
erwartete. @§ finb einige fdfjöne Stetten barin, unb aud) 
einige 3Bal)rIjeiten, obgleich meiftenS, ttrie gefoöljnlidf) , leere 
unb pomphafte S)eftamationen. 

(Sin S3ud), toa$ id) SDir fe^r empfehle, ift „©tetfo", 
oon 9tlfreb be 33igntj, bem SSerfaffer öon „Cinq-Mars". @& 
tft feljr originell, unb mitunter tief. 2)ie granjofen über* 
flügetn un£ in ber Sitteratur, fie lebt bei iljnen neu auf, 
unb bei un§ ftirbt fie ab. Scfj fürdfjte, ttnr f)aben unfer 
SefteS barin weg. dagegen fielen toir inetteidfjt fünftig eine 
potitifdje Stoffe. 

n* 



164 

3um ©tabtprocejs f ommt einmal toieber eine Sommiffion 
f)er. 3cf) fjabe bie SfteguttrungSfoften jefct, fett je^n Satyren, 
bie fie bauert, aufteilen laffen, unb ba finbet fi$ big je|t, 
too bon 45 Dörfern, 3Ru3fau unb 33rani&, erft 10 tljetfroeife 
fertig finb (feinet ganj), fdjon an Soften 

17,000 £fy(r. für bie Sauern, 

17,000 * für ba$ dominium, 

36,000 = 9tegulirung3bauten für'3 dominium 

©umma 70,000 Sljlr. für 10 Dörfer. 

Sann babet jemanb befteljen bleiben? ©3 ift fdfjänbtidfj ! 
©el)t e$ nun für bie nodfj fe^enben 35 2)örfer nad& eben 
bem 3Kaf$ftabe, fo foftet bie ganje §errfdjaft SDZuSfau unb 
Sramfc ü6er 300,000 Sljlr. Sd> bitte $id(), 9lo%r ba3 
ju jeigen, unb itjn ju fragen, ob eine foldfje, nicf)t Xtyrannei, 
fonbern ©djinberei ju ertragen märe? 

2)ein armer ßou. M 



10. 

$ü<fler an Sucie. 

SKuöfau, ben 8. ge&ruar 1833. 

Chärc Schnucke, vous 6tes une petite folle de 15 
ans. fomme aber jefct, 2)icfj ttneber bernünftig ju machen. 
SReme 5ßferbe gelten übermorgen ab, unb idf) folge ifynen 
balb. — 3<f) muß nun nadf) ^Berlin toegen meinem 93udje 
unb ben ©efcljäften. 

9Kit meiner ©efunb^eit geljt e3 nun ttrieber, xä) bin 
aber öer^meifelt bünn unb runjtig geworben. 3)er ?lnfaH 
Ijat midf) fefir gealtert, toerbe midO aber tooU ttneber er= 
tyoten. ©dEjtoara bin td£) feit fjeute auä) ttneber, unb bie 
garren fangen an $u fdtjmecfen. ©ans ift ber Ruften nodfj 
nityt öotbei, aber feljr leibtidf). 



165 



Sßag 3)u über greunbe unb geinbe fagft, tft fe^r öer* 
nünftig, idfj aber bin teiber fein fluger -Wann, unb Werbe 
e3 nie werben, baljer bleibt e3 bocf) bei beut, ma§ idf) fagte, 
obgleidfj e§ meine ©dEjulb, ober öietmef)r bie meiner 9tatur 
tft. Nous ne la changeons pas. C'est une illusion de 
le croire. 



11. 

Sßücfter an Sucie. 

Subnugsluft, 
©onnabenb, ben 12. ge&ruar 1833. 

ßiebfte ©dEjnucfe, 

3dj bin in acfjtjefin ©tunben, aber fet)r franf, f)ier an- 
gefommen, fo bafc iä) mid) gleich %u S3ett legen mujste. 3dj 
bin aber immer nodj nicfjtS Weniger als Wof)I, muß jebod) 
2lbenb§ lieber fort, ba bie legten fedf)3 -Weiten öor |>am* 
bürg feine Sfjauffee ift,- unb ber SSeg fefjr fdE)tedjt, fo bafc 
iä) iljn Wenigftenä bei Sage jurüd^utegen fudfjen Witt. 

25ie ©jene, gute SdEjnucfe, mit ber S)u micf) fortgefdjicft, 
t)at mir befonberS be^olb tozfy getrau, toeil 2>u nicfjt tüte 
fonft 3teue unb ein bringenbe§ SBebürfntjg ber 9lu3föf)mmg 
füljtteft, Wobei id) 2)idf) fonft immer fo liebenSWürbig fanb. 

SSor bem ©ffen bin idf) ein wenig ausgegangen, unb 
ljabe mir ben 5ßarf unb bie Stätte angefefjen. 5)er erfte ift 
erbärmtidj, ba£ ©cttfog nidfjt übel, unb ber SSafferfatt baöor 
recfjt fcf)ön. S)ie ©tätte finb audfj fefjenSWertf), für Sieb* 
tjaber, an ben $ferben fdfjien aber nidfjt öiel ju fein. Le 
tout est bien loin de la magnificence et de l'616gance d'un 
nobleman en Angleterre, et c'est une chose Strange que 
nos grands seigneurs et souverains ne savent pas m&ne 
encore vivre en Gentlemen! 

©dfjreibe mir einen fet)r aärtticfjen unb guten ©rief, um 
5)eine unglaubliche rudesse unb $ärte be$ legten £age£ 



166 



lieber gut §u machen, ou je me jette dans FElbe pour 
en finir. Sdfj bin in einer öortrefflidjen Stimmung baju, 
tout-ä-fait las d'une vie sans plaisir, sans repos et sans 
säcurite. 

Seine liebevolle, järttidfje Sreunbfdfjaft toax ba3 einjige 
©ut in bicfer SBüfte, ober aucfy bieg tt)irb fdjttmnfenb, unb' 
bte 2lu3brüd)e $)eine§ 3oxn§ entfalten ju beutlidfj, iuomit 
fi$ Seine ©ebanfen im Suftanb ber SRulje befd)äftigen, unb 
ä mesure baß 3)u 3)id> änberft, fupponirft S)u bei 
mir SSeränberung. @3 ift bfe§ fein SBorttmrf, benn e£ tft 
bieö bie -Jiaturgefdfjidfjte ber Sßeiber, beren Sernunft i^nen 
nur in ber garbe t§re§ ©efüfjte erf feinen unb bienen fonn. 
3Rit bem lieben ©ott aber, ber e3 fo getoottt, barf man nidfit 
regten. 2Hfo eine 3rau, bie liebt fie^t alles mit ber rofen* 
rotten 93ritte, foenn fie nidfjt met)r liebt mit ber fdjiüarjen 
— man fann fidfj benfen, toie öerf Rieben bann baffetbe 
SBefen erfdOeint, mel$e§ burdfj ba3 einfadfje ©las betrachtet, 
nur ein juste milieu comme tant lautres abgegeben ^aben 
tüürbe. 

S)od& genug. @3 ift unmögtidfj, mefancfjolifdtjer ju fein 
aU idfj, et cela me rend vieux et hideux. C'est un peu 
votre faute, mais bien plus celle de mes 47 ans, qu'on 
devrait ecrire anes apres la 25 iöme. 
Adieu, ma bonne Schnucke de jadis. 

Lou, toujours le meme du coeur*), 
mais bien changä du reste. 
Ayez pitiö de lui. 

# ) Ten ai bien peu peut-6tre, mais ce qui en existe est pour toi, 
ma bonne Schnucke, si tu en veux. II faut pourtant me traiter 
avec douceur, car je me sens trop malheureux um §ärte §u er= 
tragen. SGßenn idj meine Xage abfilmte , eä würbe SHr bodj fefjr 
raelj tljun, unb ber ©ebanfe oerfolgt midj fett einiger 3*it gar oft 
unb ernftUdj. 2>te Sßage ftel)t fdjon faft gleid). 



167 



12. 

Sßücfter an ßucie. 

§am&urg, ben 25. gebruar 1833. 

ßtebfte ©chnutfe, 

Seine gmet lieben SBriefe §abt idfj §ter borgefunben, 
unb fie ^aben mir fef)r tootjtgetljan. * SBir finb $m\ arme 
@eeten, benen e£ auf ber SBeft nidfjt fo gut geht, aU fie e3 
t>och toofy im Vergleich mit anberen öerbtenten, unb hrir 
müffen gegenfeitig mit uns SRitteib unb 9tachficht haben. 

SKeine Steife tt>ar fe^r ttnberftdj, franf, fürchterliches 
UBetter unb ^um %fyü fürchterlicher SBeg. Hamburg aber 
gefällt mir ungemein. ©3 ,ift audfj einiger 2lnWang mit ©ng= 
lanb, ttnetooht nicht ötel. Ser ®afthof, alte ©tabt ßonbon, 
Seine SRefornmanbation, ift oortreffli<h , auch ein englifdtjer 
fjfrifeur h^r, ber meine £>aare feit ßonbon jum erftenmal 
tnteber in ba3 redete ©efdfjicf gebraut fyat, toaä mein ©efi<ht 
fehr beränbert fyat 3<h bin je|t toieber ziemlich tooht, ba 
ich a ^er öon ber SRetfe fehr angegriffen mar, auch malen 
mujs, fo höbe ich meine 93riefe noch nicht abgegeben, unb nur 
£äntein befugt, ber mit mir in bemfelben ©afthof toohnt, 
unb fehr artig mar. ©r wollte mich h^te auf einen großen 
33att führen, toaS ich aber abgelehnt. Sötorgen toerbe ich 
anfangen, mich ju lanciren, unb äße Seine guten ßehren be= 
folgen, obgleich ich fehr itueifle, bajg ich toaä baöon fyabtn 
tüerbe. Snbeffen höben bie guten StnerS unb ber gute SBein, 
t>en ich ^ er gefunben, midEj h^* ein toenig ttneber auf* 
gemuntert. 

3>dfj mohne im jtoeiten ©toef, unb bie SluSfidfjt au£ 
meinem genfter ift fehr fdjön. Unten fteht auf ber $ro= 
menabe eine S3anf, too fich öorgeftern ein preu&ifcher Dffijier 
mit SRamen SBenbt am fyUtn Sage 'mitten burdfj'3 £>erj ge* 
fchoffen h°t- ®* KM feh* (jut gefleibet, in feinen Saften 



168 



fcmb man ober nur nocfy einige Kupfermünzen. C'est peut- 
6tre une läebete, mais eile est bien pardonable. 

3$ bin bis jefct nur einmal ausgegangen, unb bin 
gteidj einem ßeid^en^ug begegnet, unb mein 2ot)nbebienter 
Reifet audj Seiche, fieljt aber aus toie ein SSiermalbftäbter 
gröberer, fo rott) unb bicf bagegen ift baS ©tubenmäbdtjen, 
bie mein 93ett mad)t, eines ber fdjönften ©efdjöpfe, bie idf) 
in meinem Seben gefetjen Ijabe, eine complete ©cfyönljeit öont 
©djeitel bis jur unb nidjt graufam. II n'y a pas 

moyen de resister ä cela, ce serait vj aiment une ho»te y 
cette cröature est trop magnifique, et cela ne peut faire 
aucun tort ä mes entreprises commerciales , gräce k 
Dieu. Demain je vais voir Mr. Oswald, que Rother 
m'a recommandö, et nous verrons, toaS mit 2Tßaun unb 
©tab^otj unb ^Sotafd^e §u machen ift. 

£en 26. ftity. 

$)ie äRaleret ift gtütffidfj öon <&tatttn gegangen, meine 
gute $erjenSfdfjnude, aber ein geftern genommenes 53ab ift 
mir ttrieber nidfjt gut befommen. SDteine 93rtcfe t)abe idj 
fjeute abgeben laffen, unb toerbe in meinem nädjften ©^reiben 
toeiter berieten, ©djmäle midf) nur nicf)t, unb fei au<f) nidjt 
traurig. Sajg uns, mie S)u fagft, alle fdfjledfjten Stimmungen 
t>era<f)ten, um fte toSjutoerben, bie Sßenfd^en aber nidjt, benn 
bieS ^toingt otjnfefjlbar gule|t and) fefbft mii ju öer* 
adjten, maS fein Unbequemes t)at. 

OTeS im £>aufe ift äußerft fomfortable, unb meine Seiche 
ein vortrefflicher 2of)nlafai. 9tur ein Uebelftanb, ber Dfen 
raucht fo abfdfjeultdj, bafc id) in einigen Sagen in fdf>mad* 
IjafteS Hamburger fRaud^fleifd^ öertoanbeft toorben gu fein 
alle Hoffnung t)abe. 

®er £änlein t)at mir eine fo ungeheuer lange SSifitc 
gemalt, baft idj nid&tS toeiter fdEjreiben fann. SKorgen alfo 
met)r. liebe ®idfj, meine gute alte ©djnucfe öon ganjem 
$erjen, unb bin eitrig S)ein treufter Son. 



1G9 



13. 

$ücffer an Sucie. 

Hamburg, ben 28. gebruar 1833. 

Siebe ©djmtcfe, 

$)u beurt^etlft mich in deinem testen 93riefe nur fyalb 
richtig, benn meine (Stimmung ttrirb jtuar ^ie unb ba leidet 
auf furje $t\t iuieber herauf gefdfjraubt, fällt aber noch 
fc^neüer in ihr altes 33ett %uxM, unb biel rollt fchtuarje 
Stutzen. 

3>ch toerbe ^ter fe^r fetirt, unb mit ©inlabungen über= 
fluttet, abet auch baß brüeft mich nur unb ennutjirt mich, 
©eftern fear ein grofjeS 9Kännerbiner. 3»ch fafc beim §erjog 
®art öon SDtecflenburg, ber mir biet SntereffanteS bom ®atfer 
^Jaul erzählte. ®en Senator Senifcfj lernte ich ^ier auch 
f ernten, ein redfjt artiger SRamt, unb meinen greunb 9toth 
fanb ich in bem fran^öftfehen ©efanbten ttneber. (Sine ©in* 
labung bei ber frönen äftab. S^ntfd^, bie ich noch nidfjt ge- 
fehen, muftte ich aulf dalagen, toeil id) fdfjon anberS engagirt 
mar, unb heute, fürchte ich, tuirb meine äRigraine, bie ich 
re<f)t heftig ^abe, mid£j auch f)tnbern, einem fetjr angenehmen 
unb guten S)iner beim Senator ©chtoarj beizuwohnen — 
benn fett meiner testen 2Ru3fauer Sranf^eit fann ich m ^ 
gar nicht erholen, unb bin immerfort fränftiefj. 

gür $otafd£je §a6e ich ^ud^ burch §erru DStoalb $off= 
nung $u einem fehr guten ©efdfjäft, vielleicht auch einen 
«Haunbebit nach 9?eto*?)orf, unb 2000 fRinge ©tabhotj 
roerben luoht jährlich fytx ab$ufe|en fein, toenn ttrir bie 25imen* 
fionen fo liefern fömten, tüte fte fie fytx brauchen. §err 
DStoalb ift ungemein gefällig. 

3m Uebrigen lasciate ogni speranza, et l'impossibilite 
git en moi-meme. On ne peut pas aller contre nature, 
et Thomme le plus fier et le plus haut ne peut pas 
flatter la eanaille, ni encore moins solliciter de qui que 



170 



cela soit sans la plus grande rßpugnance, et avec la 
rage dans le coeur. 

@3 ift nur eine äftögltd&fett für fold&e ©efdjäfte, ttrie 
tdj 2)ir fcfjon gefagt — fie einen ©ritten ganj allein ab* 
machen jn laffen. ginbet fid) eine folcfje ©elegenljeit, gut, 
tt>o nidjt, mujg nran baran gar nidjt benfen. 

®efunb, im grü^ja^r, unb mit eigenen $ßferben, möchte 
id) tooty einige SRonate Ijier jubringen. $efct betft fort* 
ttJä^renb Siebet alles 5U. 

3$ bin ju franf, gute ©djnutfe, morgen me^r. 

®ein treuer Sou. 

14. 

Sßüdler an ßucte. 

Hamburg, ben 3 3Äärj 1833. 

©eftern Ijabe icfj $um erftenmal bie berühmte SKamfett 
Senifdj gefe^en. — 

Au re«te, on m'a regu ici comme un personnage, 
non seulement les Hambourgeois , mais tout le corps' 
diplomatique, le Duc Charles de Mecklenbourg, et tout 
le monde me comblent de politesses, et je puis'dire, 
d'attentions. Cependant — je ne sais pourquoi — rien 
ne me flatte plus. Je me sens toujours trop peu, trop 
insignificant dans le monde, trop pauvre trop införieur 
au röle, que j'aurai pu jouer sous l'influence d'un astre 
plus prQpice. II est impossible que je vive encore 
long-temps avec cettq disposition d'esprit, et je crois 
qu'elle m'iudique clairemeut le commencement de la fin. 
Je ne veux pas Famener, mais je ne serais pas fache 
de la rencontrer naturellement Mais parlons d'autre 
chose. 

g£ gtebt fe^r fjübfdje äRäbdjen in ber ^iefigen ®efeH= 
fdjaft unb einige feljr mo^lerjogene. 2lud) SDtab. Senifd) tft 



171 



eine feJjr angenehme grau. 3ln äRamfetl 3enifdfj ^abe idf) 
mich gar nid^t borftetten laffen, pour couper court k tous 
les propos. — 

Sein ©ruber tviU mich herleiten, mit ihm nadj Sopen* 
hagen §u gehen, unb bietet mir Quartier in feinem £>aufe 
an. C'est assez tentant. Qu'en dites-vous, ch6re Schnucke? 

muß aber fooht nach Sertin jurüd. 3$ ^in ja fein 
freier Sftann, fonbern ein armer ©Haue an ber ®ette, bie er 
forttüät)renb hinter fidf) flirren hört, unb idf) toerbe fie nicht 
anber§ als mit bem Seben loStoerben. ©ei nur ja rcd£)t 
gut unb fanft für mich, menn ich aurüdfomme, benn ber 
lefcte lag unfereS 3ufammenfein§ in 93erlin h°* tPtrfltd^ 
einen füneften ©inbrud auf mich gemalt. Sßicht, bafc ich 
Sich weniger be^alb liebte , ober Sir gram toäre, aber id£) 
felbft toerbe fcaburdf) gefnidt unb grätenlos l^erabgeftimmt. 
3Rein (Seift, ber franf ift, bebarf aber jefct großer Schonung. 

©ine SDtab. ©gröber, eine recht artige grau, fpradfj mit 
fef)r biet (£nthufia£mu3 öon Sir, unb fragte angelegentlich 
nach Slbelljeib unb £>etmine. Sie fdjeint einmal fehr tjübfdj 
getoefen ju fein, unb geftanb offenherzig fich in ber granjofen* 
jeit beffer al£ jefet amäfirt ju 1)abtn. SBo^l benen, bie fid) 
amüftren ! 

Schreibe mir batb unb auSfühtich, toaä Su in 93erlin 
tnadfjft, Su toeifct, e3 unterhält mich alles, ©ratutire 2Ibel= 
^eib für mid£) $u ihrem ©eburtstag. Vielleicht fchide idfj if>r 
noch ettoaS öon f)kv baju. 

Sebe toohl unb höbe lieb 

Seinen treuen Sou. 



172 



15. 

$ßüdler an ßucie. 

Hamburg, ben 6. Hflärj 1833. 

ßiebfte ©djnude, 

3Ba3 fagft Su ber Äataftropfje ber armen Sudjeffe 
be 33errt)? Pauvre femme. 3$ ttrihtfdjte, xd) toäre in 
Italien getoefen, um mid) t^r aU SKann in ber 9totfj.an= 
bieten $u fönnen.. 

$ier f)abe idj taglid) SinerS unb ©oiräeS, unb toürbe 
mid) im ©runbe fetjr gut amüfiren, toenn id) amüfable iüäre. 
$eute effe id) bei 3tenifcfj mit Seinem $erw 83ruber en 
famille, toaS idj gern bermieben Ijätte, toemt e3 mit 2lnftanb 
möglich getoefen toäre, mais quelquefois on reussit mieux 
ä maltraiter les gens quä les flatter, et en gänäral 
toutes les fois qu'on ne s'en soucie pas. Sa3 ift Seine 
ßeJjre, bie SKenfdjen gering §u adjten, um fie ju feffetn. 

Les jolies femmes du corps diplomatique me trai- 
tent trös-bien aussi, et lä j'en- suis bien aise. @§ tljut 
mir cmjgerorbentfidj leib, baß Su, gute ©djnude, nidf)t mit 
{jergefommen bift, unb fomme idj im grütjjaljr lieber l)er, 
mußt Su midj begleiten, benn Siele erinnern fid) Seiner Ijier 
mit großem ^ntereffe. ©ottlob 33üIoh) unb feine fixem legen 
fid) Sir $u Süßen. 

3$ bin fel)r in Sil, toeif §err Startes Sßarift) midj 
abholt, um nad) Slltona $u fahren, batjer morgen me^r. 

@ben fommt §err $arifl). Stbieu unb taufenb ffiüffe. 

Sein treuer ßou. 



173 



16. 

Sßüdler an ßucie. 

§am&urg, ben 7. SHärj 1833. 

Stebfte <Bd)tiudt, 

bin jefct gar nidfjt melandjolifdj , tteil idfj midf) 
etourbire, unb aufeerorbentltd^ n?of)t gefalle. Seit idj Ijier 
bin, ajs td) erft einmal $u |>au§, nnb bin bis Sonntag über 
ad)t Sage für jeben Sag engagirt. De ma vie je n'ai 
6t6 nulle part si bien re§u et si distinguö. Toutes les 
femmes et tous les hommes me fönt la cour ä un point 
6tonnant. Quelquefois cela me fait rire, mais aussi je 
faia Paimable k mon mieux. 9lm öertiebteften bin tdfj in 
ben alten £>errn t>on Sogt, ber mir alle feine SJlanuffripte 
mitteilt, Ijimmtifdfje 93riefe t>on ber ©tael, 3?ecamier u. f. lo. 
S)ie öon ber ©tael fjaben midfj $u S^ränen gerührt, benn 
id) füllte mit Ueber^eugung, bajs bie grau eine Sßaffion für 
tnidfj befommen Ijaben mürbe ttrie meine ©djnucfe, unb id) 
für fie, benn ein liebenStoürbigereS $erj' als fidj in biefen 
üertranten Briefen auSfpridjt, mit* einem riefenmäfjigen (Seift 
imb be^aubernben SSerftanb gehaart, fann nidfjt übertroffen 
toerbett. Unb ici) fjätte fie fennen fönnen, nur meine ZU 
mibität toar ©dfjutb, baß id) fie ntd^t in ©ojxpet befugte, 
aU id) in ber ©djtoeis ttmr. Sdfj ttmr ju jung unb albern. 

93i3 jum 17. bleibe id) alfo nodj Ijier, toeil id) mid) 
angenehm tjier befinbe, bann getje idfj ttrie au§ einem leisten 
Sraum ttrieber in baS fdfjtuere 3od) ber Sßirfiid&feit jurüd, 
ba3 S)u allein mit (Süte unb Siebe mir öerfüjsen fannft. 

S)a man oljne Steifet in SJerlin fupponiren ttrirb, baß 
id) ber Sölamfett * loegen hergegangen bin, fo bitte id& 2)id(j, 
bod^ ju fagen, ba§ id), pour couper court au propos ganj 
üjre Sefanntfd^aft bermieben, unb midj xf)x abfid(jtlid£) gar 
nicfyt Ijabe öorfteHen laffen, mag fyier, tt)o man ttmljrfcfyeinliclj 
baffelbe glaubte, biet (Sffeft gemalt l)at. 



174 



Je suis de dix ans plus jeune ici qu'ä, Berlin. 
Adieu, Schnucke, je vous aime de tout mon coeur. 

Sein treuer Sou. 

17. * 

Sßücfter an Cucie. 

Hamburg, bcn 9. Sölärj 1833. 

916er, gutes Sucerte, ma3 ift ba3? $)u, bie borfidfjtigfte 
ber ©Knuden, fdjretbt mir, einem reiben SKanne ^te^cr ganj 
öffentlich id£) foKe nidfjt lange in Hamburg bleiben, toeil 
e£ ^icr ju treuer fei. Mais vous vous moquez de moi. 
Qu'est-ce que cela me fait k moi, qu'un endroit soit 
eher ou non? UebrigenS irrft Su ®idfj überbieS. Hamburg 
ift Diel tooljlfeiter als Serlin. 3<fj tooljne, ttrie S)u tuetBt, 
im erften ©afttiof, unb Ijabe bort einen ©oton, SSorjimmer, 
©dfjtafftube, @tube unb Sommer für meine Seute, toofür 
idj täglich jmei Spater Sßreujgifdfj jaljle. gür ein feljr retd^Iidje^ 
2)iner (idf) Ijabe inbeg erft breimal ju §aufe gegeffen), einen 
^aIerad^t©rof(^enpreul3if^ für eine 3flafd(jee£jellenten 33or* 
beauj baffelbe, ben SBagen bie ©tunbe jtüet äftarf, ben ganzen 
lag aeljn. SIHeS ba3 ift toeit tuoljlfetfer aU in 93erfin. 

S)er armen SSarn^agen 2ob t^ut mir f eljr leib ; je lui 
öcrirais demain. 

® eftern fcfjidfte idj S)ir einige ©riefe, nadfj beren Sntjaft 
2)u 2)idfj ttmnbern hrirft, baf$ idfj finalement bodE) au§ gaul* 
f>eit ju.^aufe blieb, unb nidfjt Einging, roo ify ben gan§en 
lag Don frülj an eingelaben unb erttmrtet tt)urbe, mais 
comme je suis d6cid6 ä ne rien entrependre de ce cöte, 
il vaut mieux m'en retirer autant que possible. II y a 
des idyosincrasies invincibles, et je ne suis plus assez 
jeune, um mir eine unerträgliche SRutlje aufjubinben. S'il 
faut etre fustigö , que cela soit plutöt par ma bonne 
Schnucke, ä laquelle je suis aecoutumä. 



175 



II y a une femme tr&s spirituelle, fort jolie et un 
peu mächante ici, la femme du Ministre d' *, qui m T a- 
muse, et oü je passe quelquefois mes soiröes. Les 
pauvres Hambourgeois y sont horriblement traites saus 
que je m'en mSle, car moi, qui suis simple et bon en- 
fant, je les aime avec leurs bons diners et leurs moeurs 
franches. La seule chose qui me döplait, c'est qu'ä 
onze heures toutes les maisons sout fermäes. C'est 
ici d'autant plus etonnant, qu'on ne dine qu'ä six 
heures. 

Le temps continue horrible, et nous n'avons pas 
eu un seul beau jour depuis mon arrivöe, ce qui me 
contrarie fort. 3Bo ^aft Su beittt in Stttona getootmt, gute 
©djmtcfe? 3$ toiU bie§ $au3 befugen. @3 muß im ©ommer 
bort ein fetyr angenehmer Aufenthalt fein, obgleidfj Su nicht 
glauben mußt, baß bie b ortigen Sitten im geringften mit 
ben engtifdfjen ju Dergleichen finb. 

gür trierje^n Sage fonfecutiö bin idj ju SinerS ein-- 
gefaben, tooöon ich noch 6 bi§ 7 einnehme, unb bann nach 
ber traurigen §eimatlj jurüdftehren toerbe. Sein Ie|ter 93rief 
tüax fehr aimable, fchreibe mir nur- mehr. 

Sein Sou. 



18. 

$ßücffer an ßueie. 

Hamburg, ben 13. SKärg 1833. . 
3Keine ^er^enSfchnucfe, 

— 3Ba3 meinen Ijiefigen Aufenthalt betrifft, fo fönnte 
mir bie (Sitetfeit ttrirflidfj ben ®opf öerbrehen. „SBenn t nur 
tva§ b'bon IfitfV äftünblich barüber mehr, unb toieteS 
fdfjrifttich belegt, ©onntag reife ich ob, bleibe einen Sag in 
SubttrigStuft ober ^mei, unb benfe alfo äftitttooch ohngefähr 



176 



bei S)ir einzutreffen, too icfj mein ßogiä in Drbnung ju finbeit 
tjoffe. äBir tootten bann über bie 3u!unft toeiter fpredjen, 
nur fei red^t fanft unb gut. 

Sin SSarnfjagen fjabe i<f) gefdjrieben, unb ber Slrnint fage 
biet ©djöne3, unb man äjge fjier fo Diel, baj$ icf) mtfytö ®ei= 
ftigeS Quffinben fönnte, i^r ju f treiben 

©ctynucfe, icf) bin fo befdjäftigt, bajs Su nidfjtS toeiter 
befommft. 

®ein ßou. 



19. 

$ücfler an ßucie. 

Hamburg, ben 16. 2Här& 1833. 

Chöre Schnucke, 

Tu me connais bien, ou mon destin — car j'ai eu 
en vöritö une diversion avec les Hambourgeois. Ima- 
giaez que le Consul de Prusse, Mr. Godefroi, donne un 
diaer, et voyant Henckel avec trois döcorations, croit 
lui devoir donnez le rang. Le petit-fils de Werther 
en devient furieux, fait une scöne, dit tout haut des 
choses trös-fortes k Mr. de Hänlein, qui se confond 
pour excuser le Consul, et quitte la maison avec fracas. 
N'est-ce pas, c'est dröle? Cela a fait un trös bon eflfet 
cependant, et Mr. Goidefroi est venu me faire des ex- 
cuses, et au diner d'aujourd'hui on s'est bien gardö de 
ne pas me donner le premier rang. Je suis fou, 
n'est-ce pas? Mais que voulez-vous, c'est comme cela. 

Les Jenisch sont en adoration avec moi, et la 
femme en vöritable exstase. J'y ai lu deux-fois avecla 
condition expresse que Fheritiöre n'y soit pas, ayant 
döclarö ä Mad. Jenisch que pour öviter les caquets, je 
ne voulais pas lui etre präsente. Iis sont stupefaits 



177 



d'une teile conduite, et m'admirent comme quelque chose 
d'extraordinaire. — 

C, qui nie comble de politesse, vous envoye le 
Portrait inclus, coupä par le fameux Girardin. C'est 
d'un cötö Napoleon, et si vous le culbutez Louis XVIII, 
tous les deux 6tonnemnient ressemblants. 

II dit que le Roi de Suede me ferait Taccueil le 
plus gracieux, si je voulais y aller, et je le voudrais 
bien. — En gönöral, je quitte Hambourg bien ä regret, 
mais il le faut. Je vous dirais mes plans pour Tavenir 
ä Berlin, et puis nous verrons, car il faut bien prendre 
un parti. 

$en 15. 

L'esclandre que j'ai fait a porte son fruit, et au 
grand diner d'aujourd'hui Mr. de Henckel a dü trotter 
derrtere moi comme de raison. C'est-ä-dire que j'ai 
conduit la maitresse de la maison, le Ministre Russe 
la premiere dame, et Henckel la seconde. Mais main- 
tenant je vous dirais bien d'une autre. — Imaginez 
que la belle, dont je vous ai envoy6 une lettre, veut 
se faire — non, mais ce serait trop imprudent de 
T6crire. Enfin, donnez carrtere ä votre imagination, 

C'est une affaire sörieuse, car eile est träs-riche 
d'elle m&ne. II est certain que je n'ai jamais pousse 
l'effronterie ä un tel point, et avec un tel succäs en si 
peu de jours. J'agirais toujours avec beaucoup de cir- 
conspection, et si j'en suivais mon coeur, je planterai 
tout le monde, pour recommencer ailleurs. Car il n'y 
a que les commencements qui m'amusent. 

Adieu Schnucke, je ne sais en v6rit6 comment tout 
cela finira. En tout cas, attendez-moi bientöt; unb 
immer ®eüt 

treuefter ergebender Sou. 



tBüdler, »riefwedrfel unb lagefeüdjer. VIII. 



12 



178 



20. 

sßüdffer an Sucte. 

Ludwigslust, 19. mars 1833. 

Bonne Schnucke, deux mots seulement pour vous 
mettre au courant. J'ai eu des aventures bien dröles, 
etonnantes meme. — J'6tais absolument le mattre des 
eirconstances , mais j'ai rösiste ä la tentation , et j'en 
suis bien aise apresent Je suis libre, bien portant et 
content — mais pas plus riche. äftünbtidj alles. Je 
resterais deux jours ici, parceque on m'y a invitö si 
cordialement et d'une mantere si aimable. Alors tont 
droit ä Berlin en dormant pour me reveiller dans les 
bras de ma bonne et chöre Schnucke.' 

Lou. 

©eftern Slbenb bin idj mit bem fdfjiüerbepacften SBagen 
in ben abfdfjeutidfjen SBegen üor Sauenburg über unb über 
geworfen morben. Sine 93eule ant Sopf, einige leiste 93e= 
fd&äbigung be§ 3ßagen3, einige SSerfältung unb fedfjS ©tunben 
SUtfenttjalt toaren glücftid&ertoeife bie einzigen üblen Solgen. 



21. 

Sucte an ^ücfler. 
2lnatl?em, 

ausgebrochen fcon ber ©d^nude gegen tfjren Sou. 

Safc wenn ber grüf)ltng weilt in btefen ®rünben 

Wit ifjrem Sieb nur feufje ^ßf)ilomele — 

Unb $8lütf)en, bie um Seinen gufj fid^ nrinben, 

3n iljrer ©pradje fcfmxacfjüolt eä üerfünben, 

2öte Su üerfagt ber attertreuften (Seele 

HuS Seinem ^arf ben 2lbfd)iebäfran$ binben. 



179 



22. 

^ßücfter an ßucie. 

SRuSfau, ben 10. 2ttai 1833. 

^cr^tebfte ©djnucfe, 

SBir finb Ijier alle in ber größten SScrjtt)ciflung, benn 
nadfj ber langen ®ätte ift pU$Ii$ eine fürchterliche <Sommer= 
Ijifce mit einer folgen 2)ürre eingetreten, baß alles ba£ Stedden 
^Pflan^ung, tva$ mir $u SBege gebradfjt, größtenteils fdfjon 
geftorben unb üertrocfnet ift. @3 ift ein Sßtmner, bie bürren 
93efen fetjen, unb im ©dfjtoßbtumengarten erleibe id) einen 
faft unerjefctidfjen SSerluft, ba bort bie große ^Sart^ie 9?ljobo* 
benbron unb Sorbeer, lauter große ©yemplare, bie nur toäf)* 
renb fedjS 3af)ren ^u biefem 93efjuf auferjogen, burdfj fein 
©ießen fjaben gerettet toerben fönnen. $)ie3 ift baS erftemat, 
baß id& beim $ßflan$en ein fotcf)e§ Unglücf erlebe, unb muß 
e3 tootjt bie golge Seines 2lnatf)ema'S fein, meldfjeS, ba eS 
ent ungerechtes ttmr, ber Seufel ftatt beS lieben ©otteS er= 
Ijört l)at. D ©dfjnucfe, tt>aS fjaft ÜDu getfjan gegen Sein 
eigen Sleifcfj unb SSluttü! Sftljeber ift feit geftern, too er be= 
fttmmt, aber bemtodE) öergeblidfj , auf ein @ett>itter regnete, 
Sltfjeift geworben, unb ttrifl nidfjt meljr in bie ®ird&e geljen, 
idj aber bleibe fromm unb bemüttjig. 

2tuf bem $agbl)auS, too idfj einige Xage gekauft, f)at eS 
ettoaS geregnet, unb fiefjt frifd^er aus, bodjj ift, toenn es 
nicfjt berber fommt, aucfj bort Diel für bie neuen, in bloßen 
@anb gepflan^ten Sirfen, $u fürdjten. Sie 33lumen= 
beete Ijabe idfj Seinen richtigen ©efcfjmacf anerfennenb, auf* 
gegeben, unb foKen fie im £>erbft burd) ©trauter erfe|t 
toerben. 

Sein liebes Sriefdfjen burcf) |j. Ijat mid(j fe^r gefreut 
tuegen beS lieben (SnbeS, benn meiner alten ©djmufe in= 
nigfte Siebe ift mir fo nötfjig als mein täglicfy 99rot. 2lud(j 
ber folgenbe ©rief ift fefjr ^übfd^ unb gut, enthält audfj biete 

12* 



180 

SBeiSfjeit. 5$ totcbt in allem folgen,. ba idj Sir bieSmat 
überall 9lecfjt gebe. 

Sein Urteil über 8iibeaüpterre tfjeile idfj, unb Su fannft 
eS immer anbringen, bafc id& gefagt, id(j gratulirte ben 83er= 
linern, baf$ fie enblicf) einmal ju fetten befämen, ttne ba$ 
§auS eines grand Seigneur bef Raffen fein müffe, unb toie 
er bie §onneur§ beffelben machen müffe. 8dj toerbe iljn, 
toemt idfj jurüdffomme, möglidfjft fulttoiren, ba er mir fo 
artig entgegenfommt. 

Sag Su üon Seinem ©arten unb Seinem ©rabe 511= 
gleidfj f^rid^ft, tft fein gutes äftittet, mir ben erfteren ange* 
netjm 5U machen. Sag biefe $9po$onbrifd)en ©ebanfen. 
SBtr motten im ©egentljeil ^offen, baS tiebe ßeben nod^ red&t 
vernünftig, unb aucf) einmal o^ne 9?ott) unb ©orgen ju ge= 
niejsen. So immerroäfjrenbe dual ^aben toir ja audfj mol)l 
nicfjt üerbient. Su bift meine ©d(jnu<fe. SludE) iä) ctüig 

Sein Sou. 

21. 

^ücfler an Sucie. 

SagbljauS, ben 1. 3uni 1833. 

©ute ©dfjmufe, 

@in ^eut erhaltenes offizielles ©dfjreiben beS ©eneralS 
SBi|Ieben fünbigt mir an, baf$ ©e. SDtaj. mir nur ben ®a= 
rafter als ©eneral beilegen fömtten, loenn idfj zugteidfj ben 
STbfdfjieb erhielte, unb fragt an, ob eS mein Sßujtfdfj fei?!!!! 

SDtit bem Slbfd^ieb einen leeren ©rab als Sitel ju be* 
f ommen, ift nun eine ©adfje, bie gar feine ©unft tft, fonbern 
jebem ttriberfäfyrt, ber ni(f)t faffirt, ober bodfj eines 3eljler3 
roegen tterabf Riebet wirb. 3ubem finb bie öerabf gebeten 
©enerate burdfj einen fcfjtoarzen ©tridfj ausgezeichnet, ber in 
unferer STrmee ein prbentlid&eS Sftibtcute auf fie wirft. Ue6cr= 
bem hat man bie neuen (SpautetteS bei mir gefeljen, baS ®c= 



181 



rüdjt be§ ©eneralS Ijat fidfj audf) öon anbeten Seiten Ijer, 
(Sott tueig ttrie, üerbreitet, unb idfj toerbe bottfommen locker* 
lief) baburdfj. C/est 6gal, je quitterai ce fou pays, pour 
n'y jamais revenir. 2Ba§ ift borin ju finben, al§ Slngft 
unb Sßotfj, Sangetoeite unb dissappointment aller 2lrt ! 3$ 
fd&äme mtdj orbenttidfj üor ben SKenfdfjen, unb fi&e jefct ganj 
ntutterfeelen allein l)ier, meinen Slerger iüieberfäuenb. 3dfj 
§abe nun nod& einmal an SB. gefdfjrieben, unb ba3 üDtöglidfje 
berfudfjt, bin aber auf atteS Unangenefjmfte gefaßt. SRetire 
aber ©ufe nidfjt meljr barein, unb fpridf) gar nidfjt mit iljm 
babon, benn e£ ift ju albern öon ber ©eneratin eine fotdfje 
SRactjridfjt ju geben, otjne ju miffen, baß fie gettnß ift. @£ 
ift bodj ttmljrlid), als toenn mir jeber greubentranf , ttrie id(j 
ifjn an bie Sippen fefcen null, gleidf) $u Sßermutf) derben 
müßte, unb id) fdfjtoöre 2)ir, ber 33erbruß, ben S)u bafcon 
Ijaben ttrirft, meine gute Sitte, befümmert midfj nodfj mefjr 
ttrie ber eigene; benn 3)u Ijatteft £)idfj aud& nodfj tt>eit met)r 
afö idfj über bie fatfdje SRadfjridfjt gefreut. 

2)ein treuer, ettoaS betrübter, aber bodfj feineSiuegS ju 
SJoben gefdfjlagener Sou. 



24. 

5ßüdler an Sucie. 

3agb^au§, ben 5. 3uni 1833. 

©ute ©dfjnucfe, 

2)ein liebeöotler 93rief t)at midf) feljr geftärft, benn in 
ber tejjteren &it Ijaft 3)u manchmal $)inge übel aufgenom* 
men, too idj e§ nidfjt begreifen fonnte, unb ba^er toax icf) 
aud) bieSmat ängftlidfj, S)u mödfjteft übel neunten, baß idfj 
ber SDteinung mar, S)ein ^erfommen (toaS mid^ unter anberen 
Utnftänben fo feljr tröften mürbe), fei jefct nidjt paffenb. 

SEBaS 99ertin betrifft, fo toerbe idfj, tuenn idf) nur mit 
bem ©enerattitel üerabf Riebet tuerbe ttrie ein gnöatibe, gar 



182 



nicht mehr nach $ofe gehen, unb genrif} ben fchtparsen ©trich 
in ^Berlin nicht tragen, fo fern bin ich bann Dieter 6tene 
Io3, nnb werbe mich Weit freier unb beffer bort amüfiren. 
©o ^at affeS auch ttrieber feine gute ©eite. 

Sein Sou. 



25 

5ßütfter an Sucte. 

Sauden, ben 23. 3uni 1833. 

Siebfte ©dfjnucfe, 

Um gene unb Soften ju öermetben , unb bie Sir be= 
fannten Stadjf orf jungen ' an^uftellen, bin ich geftern 9£ac£}t 
bei Stilen unb ©turnt, unter einer fchttmraen SBolfenfappe, 
bie in ©eftalt einer fur^tbaren Sröte ben SRonb öerfchlang, 
unb ben falben Sternhimmel beberfte, faft mit 2eben3gefctf)r 
in ben fcfjfedjten SBegen ^tehergefa^ren . Sie Sßerfon, bie 
ich ^ier fuchte, mar unglücffidjertpetfe fcfjon loieber üor einigen 
Sagen abgereift, id) fyabt aber üerfdfjiebene ©rfunbigungen 
eingebogen, bie ju brausen finb. SSor ber £>anb ^atte id^ 
mich nun nidfjt länger auf, fonbern eile nad) Seidig, bie 
anbere ©adf)e $u beleuchten. %d) fyabt bort ^mei gute alte 
greunbe, bie mir fetyr nü|Kch fein fönnen, unb bie gerabe 
5u fo etftm3 Raffen. 2Bie mijsmutbig ich an °tte§ ba§ get)e, 
ift faum ju befchreiben! 5lber id) fühle, e3 mufj nun fein, 
unb barum ejefutire ich mich ohne weitere Mage. _%d) be* 
fchtoöre Sich, gute ©cfjnucfe, an biefer geftigfeit Sir ein 
Seifpiel §u nehmen, ba Seine traurige ©timmung auf bie 
meinige immer öon allen Singen am meiften jurüdtoirft, 
unb ich fnfäe ©eefenfräfte Jährlich fe^r nöthig $abz, um 
ju fjonbeln. 

3ft e3 in Seipjig auch nichts, fo fehre ich O^ich juriief, 
unb beginne bie größere 9?eife, benn ohne ju fuchen, fann 
ich nicht finben. 2ln meine 5ßarifer greunbin h<*be ich &ud) 
gefchrieben, unb bin auf ihre 2lnttoort fehr begierig. 



183 



£etpjig, bcn 27. 

deinen Srief, meine geliebte ©chnudfe, tjabe id) auch 
hier ermatten. SBenn Su mid^ aber nicht öötlig §ur 33er= 
Sroeiflung, bringen ttrittft, fo führe nicht fotcfje Sieben, ttrie: 
id) berbannte Sich Don SJluSfau. Sich, ttrie gtüdttich, toenn 
ttrir beibe %Jlu$tau nie toiebcr jn feljen brausten! Saft aber 
bei ben jefcigen nothgebrungenen planen e§ richtig ift, bafc 
Su in biefer Setf nicht Ijmfonunft, ift nur eine Don ben 
traurigen 9lott)tt>enbigfeiten, unb öon ben traurigen Opfern 
mehr, bie ttrir bem unerbittlichen ©dfjicffal bringen muffen. 

©ine fdfjöne Sleife, bie Sich jerftreut, gönne ich Sir 
öon bergen, bie meinige ift traurig, aber auf biefe 9lrt mit 
Srofdljfe unb (Schimmeln fetjr toohtfeil. 3dfj mürbe Dir auch 
mit eigenen Sßf erben §u reifen ratzen, unb öerfdfjaffe Sir 
boch trielleicht einen fixeren SKenfd^en baju, ba Su Sernbt 
nicht ttrirft ^aben toollen, ttrietooftf er auf ber Steife gut ift. 

3n gtt)ei Sagen feljre ich ttrieber jurüdf, too id) weitere 
Sßachridfjt öon Sir #x finben t)offe, mein ©dfjnüdttein, bafj 
ic^ b n öerftogen toeit entfernt, immer mich noch nicht für 
ganj unglüdftich galten tottbt, fo lange e§ fetbft mich nidfjt 
üerftöjgt. 

Sa§ beitiegenbe Statt be§ SRobejournalS ift eine gute 
Satire auf bie betrübte SBirftichf eit. 2lcfj, ttrie ift boch fo 
toenig in ber SBeft ©oft toaä glänzt! 

Sein armer, Sich ftetS t>on £erjen liebenber Sou. 



26. 

Sucie an Sßücfler. 

©onntag um 2 Utyr. 

SRein theurer Sou, 

$eute SKorgen erhielt ich Seinen 93rief. — Wad) retf= 
Kchem Uebertegen in ber tütrflid^ Jjöchft betifaten ©adf)e fomme 
id) ju bem Sntfchlufc, Sir ben alten S3är entgegen ju fenben, 



184 



umdirju proponiren, juaHererft in einem unbefannten 
orbinoiren ©afttjof abzutreten (in ber SHtftabt). 
Sorten fomme icfj benn augenblidttidfj, ba e$ ttrirflidEj ^öd^ft 
nöttjig unb ertoünfdfjt ift, toenn ttrir un3 öor jeber 
Weiteren demardfje erft redfjt ausführlich befpredfjen, 
unb genau über ba£ durchreifen im gänzlichen 
cognito ober f)alb Sncognito ttrie über ba§ SBeglaffen 
beffetben öerftänbigen ! 2lHe ©rünbe feJjr borfidfjtig er* 
toägen, bie ba3 dafür unb dagegen unterftü|en: unb ^ter= 
nadEj nur unferen 5ß(an machen. 

ift, get)ft du nicht gleich ab, fyxnad) toeiter 
nichts 2luffat(enbe§ babei: inbem bieS roegcn deiner SBohmmg 
fidfj präteftirt. — Sleibft du Jjier, bann ^aft du bie SBafyt 
mit bem 2lbter unb SouiS feinem SogiS ! da3 (Sine ift ohn* 
fehlbar balb $u haben, unb ba3 ^ier im £aufe ift bi& 
äRorgen juredjt gemalt. — 

da ich aber deine Slnfunft, nämlich bie heutige 91 ad)* 
rieht, ntemanb gemelbet Ijabe, unb du nid^t anber£ 
at£ ben ganzen SBinter erwartet ttrirft, alfo ^öd^ft ungettnfc, 
unb tüte in einer 2lrt SSergeffenheit bift, fo ^abe ich mich 
hurf>I gehütet, bei bem Un fidfjeren überhaupt, tod§t% 
deine 2lnhmft feitfjer begleitete, irgenb jemanb mitjut^eilen, 
ba§ ich 3Dic§ ertoarte, unb SSorbereitungen btfyatb einleiten! 

Slber ich eile meinen ®nbot)6 Suftaub abjufenben, unb 
bitte dich nur mit aller Siebe unb ©orge für dein SBoljl 
bie SBicfjtigfeit unfereS f)eimtidfjen SRenbejöouS tooht 
5U erfennen, unb mir fotcfjeS nicht abjufchtagen, ba ich ba£ 
derrain, namentlich gulc^t auch, am legten beobachtete. 

deine dreue. 



185 



27. 

2ucie an Sßüdler. 

(1833.) 

2BaS Sein licbeö anmutf)tge3 Sriefdjen fagt, n>tll idf) 
frcubig unb {joffnungSöott al£ £roft unb ©rquicfung an* 
nehmen, e3 in Slnbcnfen betoaljren, mit alte bem, toa3 Su 
mir je an ©üte gegeben, fo biet, fo Stjeureä — fo 
Unöergej3lidf)e3, fo Sebenbebingenbeä, bergreun* 
bin bie nur in Sir ©yiftenj unb Safein f)atte. 

Süljre Sidj ©ott mir gefunb unb Weiteren ^er^enS Ijeim. 
— 3dj erioarte Sidfj, toie toir'3 öerabrebet, unb toerbe Sid(), 
unb roenn fie Sir felbft toertlj unb toittfommen ift — bie 
Stunbe Seines Eingangs feg neu. 

Seiber ift ba3 SBetter trübe! ®omijte baljer nidEjt ^u 
ftmt, unb faljre, toie e£ beftimmt tourbe. 3*$ bitte £)idfj 
fel)r. — Ser Strjt fommt — unb Ijier ftnb ©riefe ju * 
©einer SDlorgenunterunterljaltung unb 3^tungen. 

•Jlodfj innigen Sanf für bie liebe 2lbfi<f)t unb für bie 
ßabung Seiner SBorte. 

28. 

Sßücfler an Sucie. 

SagbfjauS, ben 8. 3uli 1833. 
9Reine gute, IjerjenSliebe ©dfjnucfe, 

Sraurig unb niebergefdfjlagen fam idfj §ier an, unb fanb 
Seine lieben, aber fdEjmeratid&en ©riefe t>or, nadfjbem idf) bie 
ganje Steife über meljr mit Sir, meine ^eraenSfdfjnutfe, als 
mit irgenb etttmS anberem befdfjäftigt getoefen mar. Seine 
S3riefe gaben mir öottenbS ben 3?eft, unb id) Ijabe red&t 
bitterlich barüber gemeint, benn unfer ©dfjicffal ift toirflidf) 
traurig! Sdfj tjabe redete 9Rülje, mid^ aufredet ^u erhalten, 
unb felbft bie fdfjöne SKatur (benn tdj ging, um tnidfj ein 
wenig ju ^erftreuen, über bie fäd&ftfdfje ©df)toeiä nad^ §aufe), 



186 



bie midj fonft immer unb unfehlbar tröftete, l)at bieSmal 
nicljtS über midfj öermodfjt. ®o lebenSmatt fear itf) nodfj nie; 
idj fämpfe aber bagegen, fo gut idfj fann 

fmtfe idj nidf)t bis unumftößlidfje Ueber^eugung, baß 
of)ne frembe #ülfe nnfer ferneres 93eftef)en nur nodf) fur^e 
$eit möglidfj ift, fo toürbe idfj gern alte übrigen SiebtingS- 
plane opfern, aber e£ ift nidf)t Ijinreidfjenb. 

2)aß idfj ben ^rin^en nidjt abgekartet, Derweil) mir. 
toar alles fo meSquin, unb idf) felbft fo fdfjrecfbar f)erab= 
geftimmt. ©3 toar mir la lettre unmöglich. 2Ba3 Ijätte 
eS audj Reifen fönnen ! 3$ ^atte ni<f)t einmal eine Uniform, 
unb Ijätte itjm nur etnmS SittereS über ben mir erteilten 
2ibfdfjieb fagen fönnen, ber, glaube eS mir, tüatjrtjaft bis* 
graziös ift. 

333er eS anberS finbet, beneibet enttoeber uKeS, au# einen 
Fußtritt ©ereniffimi, ober benft, baß alles gut genug, unb 
ju gut für midfj ift. 3)aß ber ®önig midfj im Srieg lieber 
aufteilen uriH, ift toafjrtjaftig feine SSergünftigung ; benn er 
ttnrb trielleidjt ©ott banfen, toenn toieber eine ernfte 3eit 
fommt, 2eute üon ffiopf unb ffllutf) ^u finben, bie itjm bienen 
tuotlen. 

Äönnteft Su nur roenigftenS burdj ©ufe (wenn er fo 
üiet Einfluß tjat, als er öorgiebt) ermitteln, ob eS nidfjt §u 
erlangen ift, toenigftenS bie ©pautetten oljne ben fdfjroar$en 
©tridfj tragen ju bürfen; benn biefe, meiere einem tobten 
Srofdfje gleiten, trage idfj nidfjt. 

|>eute erhielt idf) einen ©rief toon ber 2luftin, bie mir 
Doller Sriumpfj f djreibt, baß meine ©riefe in ben bereinigten 
Staaten ein foldfjeS beifjrieltofeS Surore gemalt tjaben, baß 
bereits bie 8. 2luSgabe bort erf cfjienen ift Qu'en dites 
vous? C'est dröle. ©age es bodfj ein bissen umljer in 
Berlin. 

3ld(j, meine ©dfjnucfe, eben als idfj ben SSoten abfdfjidfen 
toiU, befomme idf) nodfj deinen 93rief, ber mir Seine ®xanU 



187 



fjett tnelbet, unb einen fo ernften Einfall! ©r I)at tnttf) ent* 
fe|lidfj beftürjt — ja midfj gemiff ermaßen über bie je^ige 
Not!) getröftet, h>emt idö bebenfe, toie biet, tüte unenbtidfj 
fdjrecftidfjer e3 nodfj fein fönnte, tuemt idf) Sief), meinen einzigen 
Slnljalt im Seben, verlöre. Sann märe alles für mitf) öor* 
bei, idf) tt)ürbe midfj nie barüber beruhigen fönnen. 3a, 
toemt ttrir einft beibe ba£ Seben auSgefoftet l)aben, 9tul)e unb 
SBofjtfein erft einmal genoffen, unb feine 2lnfprüdf)e mefjr an 
biefe ©jiften^ ^u madf)en f)aben, bann magft Su mir um 
einige 3a^re,t)orau§ge^ett, bamit tdfj Sidfj bort ttrieber lieblidf) 
unb jung Ijeiratfjen fann, aber jefct, meine ©dfjnudfe, berlafc 
mid) nicfjt, ober jeber ©enujs ift mir ferner unmöglich, jebe 
83lume, bie idf) pflüdfen fönnte, mürbe toom 9Re!jttf)au eines 
emigen Summers nur toertoelft mir erfdfjeinen. 

Su toeifct eS ja, id) fann mof)l lange Seiten öon Sir 
ab toefenb leben, aber Sidf) entbehren, ben mir toa^aft 
für<3}terlidE)en ©ebanfen Su fei'ft nidfjt mc|r! ben fann 
tdj bei ©ott nidfjt ertragen. 

Seine (Spielerei, feine ftnbttd^e ^reube märe meljr ba 
für mid&. 34 ^äre toörtlid) in eine SBüfte geftofcen, aus 
ber nur ber Sob, bie fdfjttadje Hoffnung, Sidf) t>erflärter 
toiebersufinben, tSrlöfung braute. 

34 befdjtoöre Si4, meine liebe, liebe ©4nudfe, menn 
Su Si4 HodE) einmal bebenfli4 unmotjt finben foffteft, mi4 
eS augenbtidtti4 Riffen §u laffen, bamit i4 $u Sir eilen, 
Si4 felbft pflegen, unb toenn Su ba£ nic|t ttriKft (benn Su 
btft immer bös, toenn Su franf bift) bodf) menigftenS in 
Seiner 9Jä^e weniger Slngft unb SSeforgnifc füllen mürbe, 
als f)ier im Ungetoiffen. 

Stimm Si4 atfo hoppelt in 2ldf)t; Seine Sftatur ift fefr 
unb üerfpridjt ein langet Seben, toie alle Sierße fagen, 
menn Su £)ba4t auf Sein SSIut giebft, t>on bem alle Seine 
Uebel l)erfommen, tok au4 Seine fleinen gtfjler. SRetfen 
unb uiel SDtotion märe Sir eigentlich am beften, unb gemalt* 



188 



fame§ Bu^dbrängcn be3 Summers, fotoeit e§ nur möglidj 
ift. Sldfj ©ott toären mir nur einmal au§ biefem Sabtyrintf} 
tyerauä. ©eelenrulje, 2lbmefenljeit ber Sorge, unb bie lieber^ 
^eugung, bafc Sein Sou, fo lange ein 9ttf)emjug in itjm ift, 
nur Sir mirflicb angehören mirb, mürben Sidfj unb mid) 
geifttg unb förperlidf) gefunben machen 

©treibe mir, meine ©dfjnudfe, gleid), tüte e£ geljt, unb 
münfdfjef* ®« «3, fo fomme idj fofort nadfj 93erlin, ba3 idj 
nur megen ber borttgen ©djutben fd^eue, bte \<f) nun bellen 
mufe, menn idj mieber Ijinfomme. 

$räge Sir nur feft ein, baß Sein Seben ba3 Softbarfte 
ift, toaä idfj befi|e, ja ba3 Unentbehrliche. 

SWit bem aärtlidfjften, met)mütf>tgften ^er^en umarme idj 
Stdj, mit Xtyränen im 2luge unb imtigfter Siebe in meiner 
Seele 

Sein treuer, ganj Sein eigener, 
ergebener Sou. 



29. 

5ßü<fler an Sucte. 

. 3agbf)au§, ben 9. Suli 1833. 

Jperaen^fdfjnucfe! 

SBarum fagft Su, idf) mürbe Seine ^Berliner ©inridfjtung 
nid&t Reiten? Sa e3 nidjt maljrfdfjeinlidj ift, bafc idfj eine 
anbere 5ßart!jie machen fann, atö eine fotdfje, bie idfj lieber 
im ©djatten ^alte, atö fie an'S SageSlidjt bringe, audj nidjt 
eine fo reiche, bajs idfj im geringften troffen bürfte, toorneljmer 
leben ju fönnen aU je£t, fonbern ©ott innigft banfen, menn 
nur bieg ermatten merben fann, fo toerbe idf) gemifc bie 
neue Same nid^t nadj ©erttn bringen; unb eS märe nidfjt 
nur pdEjft fd^mer^Iicl für uns, fonbern nad) meiner Ueber* 
jeugung unflug vis-ä-vis bem Sßublifum, h>enn mir niti)t 
unter allen Umftänben unfer 33er!jäftmf$, mie mir e£ einmal 



189 



öff entfiel) ausgebrochen unb if)m Sldfjtung berfdjafft ^aben, 
auch für immer aufrichtig unb öffentlich aufregt erhielten. 
Sei meiner beften mütterfidfjen greunbin fann ich immer 
motten, nnb menn ich wü) ein Sürfe mürbe, ber jehn grauen 
haben barf. 

2)en Suthefini fenne ich fetjr gut. ©r ift feljr aimable 
unb ftug, meSfjalb er nicht preujsifdfjer ©efanbter merben fann. 
C'est en rägle. 

214 märft $)u, ©ehnuefe, nur nicht fo gar trübe ge* 
ftimmt! ^nbem ich Seinen legten Srief lieber burchtefe, 
jerreifet er mir toon. neuem baS ^er^. 

2luf meinen SBunfdf), fagft 2)u, trennen mir uns. 
2)aS ift beim §immel $u fyaxt unb ungerecht. Sebenfe nur 
baS: Sicher fyattt ich immer noch eine leife Hoffnung, baß 
mir burdfjfommen fönnten jur SWott), auch ohne ^eirath mit 
einer Ruberen, menigftenS noch mehrere Safjre, unb ich 9™9 
jmar, um vernünftig ju hanbetn, biefem ^rojeft nach, aber lau. 

(Seit ber $uffünbigung beS 9llaunfontraftS, unb fyaupU 
faßlich ber Sonjunftur biefeS §anbelS ift aber bie 
©emijsfjeit eingetreten, bafc feine anbere §ülfe mehr für 
uns ift. ©etbft meun ®u gar nichts aus SJluSfau §ögeft, 
unb ich wegginge, unb m ^ 2000 Spatem iu ber $)unfelf)eit 
lebte, märe eS noch h^d^ft jmeifelhaft, ob fidfj bie £errfcf)aft 
halten fönnte, fobalb irgenb ungünftige Umftänbe einträten. 
©S bleibt mir alfo nun feine Sßafjl mehr, unb auch feine 
lauge 3dt. 

©S ift aber auSgema<f)t, bafc fo lange mir in SRuSfau 
gemeinfehaftlich leben, eine neue §eirath baburch hödfjft fchmierig 
gemacht mirb, ja bielleicht alle SBerfudfje baran fcheitern 
mürben, ba fich grembe nicht an unferem freunbfdfjaftlichen SSer= 
hältnifc, aber moht an ber gemeinfehaftfichen Haushaltung 
infofern ftogen, als fte glauben, mir feien noch auf irgenb 
eine unlösliche 2lrt toerbunben, ober S)u feift bie eigentliche 
S3eft£erin, unb ich f e & c mit Don ®ir. — 



190 



duale mich nun nicht, ©djnucfe, wühle nicht in meinem 
tief §erriffenen ^er^en ohne Noti). %<fy liebe £>idj mehr wie 
irgenb etfoaS unb bin etoig 

$)ein Sinb. 



30. 

^? ü die r an Sucie. 

3agbf>au3, ben 10. 3ult 1833. 

©einen testen 93rief t)om 8. habe ich heute auch empfangen, 
unb freue mich barauS ^u fehen, baf$ ®u wieber wohl bift, 
obgleich ich allerbingS bei feinem Sntjalt bie Sippen etwas 
äufammengefniffen {jabe. 2)odf) will ich nichts Weiter barüber 
fagen, ba -S)u ohne Smcifcl jefct ben 93rief fdfjon mehrmals 
bereut haben wirft, ©onberbar ift ber SSorwurf, 2)ir feinen 
Slati) erteilt ju fyabtn, ba S)u bocf) feinen Verlangt. üDtein 
3tatf) ift, bafc 3)u je&t üor allem einen jerftreuenben SlbfdEjnitt 
burdfj eine Steife machen follft, um 3)id(j förperlidf) wotj!er ju 
befinben, bei melier Gelegenheit wir uns, wo ®u rotECft, 
treffen fönnen, wenn eS nicht in SSerlin fein mufj. 2>ann 
follft $u, im gall aus ben f)iefigen, <£)ir -bekannten planen 
nichts wirb, unb ich junt Reifen gejWungen werbe, nach 
SDhtSfau gehen, bort alle ®ir beliebigen SlrrangementS treffen, 
unb grabeju erftären, ba§ 3)u Sich in 95erlin je£t einrichten, 
unb SJluSfau berlaffen mürbeft, bamit bie ©adfje offiziell unter 
bie Seute fommt, unb baS ©egent^eil nt<ht meine 5ßläne 
hinbert, an beren Erfüllung unfere nur teibltdfje ©yiftenj 
jefct leiber Ijäugt. 

©obalb bieS in Drbnung ift, werbe ich burdj Sethe 
alle 9tebuftionen anorbnen taffen, bie ich für mich erforber* 
lidf) finbe / benn gegenwärtig mag ich nid^t fein, maS 
auch unnötig ift. 2)ieS ift mein 9?att) unb meine Sitte, 
Weil mir ohnebem gan^ gewifc nie §um Qiüt fommen, wohl 



191 



aber jum (Snbe. ©in gute§ ©cfjaf brauchft $)u ju bem 
3toecfe auch ntdf)t $u fein, fonbern nur eine gute, liebebolle 
unb treue greunbin, bie ben, welchen fie ^unbertntal über 
aKe§ unb mehr aU fidfj fetbft §u lieben toerfidEjert fyat, nicht 
hinopfern will, um einen 3**ftanb ber 2)inge aufregt ju 
erhalten, ber nicht mehr aufregt §u erhalten ift Sdj ^abe 
bieg (ängft eingefehen, aber ba alle Steuerungen btcfer $lrt 
feinen Slnflang bei ®ir fanben, £>eräen3fdf)nucfe, unb bie 
Stott) noch nicht immebiat öor ber %i)ixxt ftanb, fo lieg ich 
btefc SSorfäfce aus Seforgnifc, 3)ich ju fränfen immer Wieber 
fallen, aber je|t ift nicfjt mehr bamit ju faafcen, unb S)u 
mufct gütig unb liebenb bie £ftnbe bieten ^u bem, Wa3 ohne 
brtngenbe ©efaljr nidf)t mehr aufgehoben werben barf. 

Su Wirft be§t>alb immer meine SBotjltfjäterin, ja meine 
©r^atterin bleiben, unb babei boch felbft am @nbe noch 
mit bem, Wa3 S)u felbft noch ^aft, forglof er leben als je|t, 
wo, wie 3)u fagft, ich 3)idfj am ©eile ber Slngft unb be§ 
Summers mit mir f)erumge)dE)Ieift ^abe. ©ute ©df)nu<fe, 
wenn wir 2f)ort)eiten gemalt h?ben, was ich nod£j faum ju= 
geben fann, ba fein SJlenfch in bie ßufunft fetjen, noch fo 
fein Seben ein Juristen fcermag, bajs er jef)n 3>ah re nachher 
e3 nicht beffer anzufangen wüfcte — fo feilen Wir uns 
ehrlich in biefe Sf)or{)eiten, t% fommen gewiß auf jeben egal 
tuet. 9ßfo barüber wollen wir un3 nicht grämen, über biefe 
entfd^wunbene -JladEjtigaff. SBir bürfen nur Vorwärts feigen, 
unb nach biefen grforberniffen ber 3*tfunft müffen Wir 
Rubeln, ©ben erhalte ich bie unangenehme Nachricht, bafc 
ber 3ufammenfunft, üon ber ich S)ir getrieben, ein neues 
^inbernif} in bie Duere gekommen ift. 3)ie3 fyalt bie Sache, 
bie gut eingeleitet war, wieber tuer^ehn Sage auf. Uebrtgcn3 
follte ich S)ir eigentlich nichts batwn f ^reiben, außer mit 
93oten, benn tieft man unfere 93riefe, fo merft man boch halb 
mit aller SSerfteibung, woöon bie Siebe ift, unb fontrefarrirt 
meine Richte. 



192 



2luf Seilte SRofe fällt audfj ein SI)ränd)en öon Seinem 
ßinb, unb beibe mifdEjen fidEj We^mütfjig. Obgleich ein Wenig 
erzürnt fann id) bodfj biefen ©rief nidf)t fdfjlie&en, ofjne Sid) 
Ijeralidj) unb fummertwtt in ©ebanfen §u umarmen, unb an 
mein Sidf) gewift innig tiebenbeS |>er$ $u brücfen. ©faubte 
id) nidfjt an. eine notf) einmal einfef)renbe beffere 3u fünft 
für uns beibe, fo Würbe tc6 untröftlidf) fein. $a, meine 
ttjeure ©dfjnucfe, WaS idf) Sir gefagt, liegt tief Waljr in 
meiner ©eele. -BtuSfau tuirb mir ofyne Sief) feine greube 
me^r madfjen, benn meine Slnlagen finb audj wie idj felbft 
mit Sir öerWacfifen. ©etange id£) nodfj $u einer glüdttidfjen 
|>etratl), fo wirb bie gufünftige, wenn fie $ur ©iferfudjt ge* 
neigt ift, feine geringe Urfadfje finben, auf Sidfj, meine ©dfjmufe, 
eiferfüdfjtig ju fein; unb ba iä) fie jebenfaßS t)on allem 2ln= 
tfyeil an meinen 2lnlagen auSf daliegen werbe, WaS üon $aufe 
aus fe^r leidet ift, fo werben bod) wir fie nur fortfefcen. 
9lur fei bann nidjt eigenfinnig, unb öerbittre mir aus Kaprice 
bie bann gewonnene ©idjerfyeit. 

SS ift einmal fo mit uns. ©dfjrcibft Su bös, fo werbe 
idfj eS gteid^ audfj; fdfjreibft Su gut, fo §erfcf)met$e id? in 
Siebe, uhb Su mad)ft eS audfj nidEjt t»tet anberS, WaS jcbod^ 
ftrafbarer ift, weit Su als WetblidEjeS ^Jrinjip ftetS bie flügere 
unb fanftere $art£)ei bleiben follteft. 

SBenn unfere -Jladjfommenben einft unfere ^orrefponben^ 
in ber 93tblto%f finben, Werben fie fie nidfjt fo unintereffant 
wie Wir bie Sattenbergifdfjen finben, aber fcerwunbert oft 
ausrufen: SaS waren fonberbare, leibenfdfjaftlidfje £jedfjte, 
aber bodfj eine 2lrt ^itemon unb SSauciS! 

Seinen SSrief mit SSer^altungSregeln Ijabe idf) ^war fefjr 
gut im ®opfe, Werbe iljn aber nodf) einmal nadjjlefen; benn 
Sein fftat^ ift oft nidfjt §u toeradfjten, alte ©cfjnude, baS 
gebe id) §u. 

SBaS SSernbt betrifft, fo gäbe idfj ifjm gern 100 Spater 
unb ben Slbfdfjieb, wenn idfj tfjn bamit loS Werben fönnte. 



193 



Sldfj, fönnte idfj bodfj mit 2)ir, ©dfjnucfe, nadfj Salzburg 
mtb Xixol, otjne ben ©offer Sorgen tjinten aufjupaefen! @3 
ift ein Sanb, nadfj bent idf) midj oft recfjt gefeint, toetl t$ 
mir öon einem ffteunbe, ber e3 berftanb, immer at3 ba3 
fd&önfte in $)eutfdE)tanb gefdfjilbert hmrbe. ©in @tü<f toenig* 
ftenS begleite idfj 2)idfj, toemt 2)u biefen SBeg ntmmft. 

S)ie ©aty ift feineStoegS herunter. 3f>re Xodfjter Ijat ja 
ben 2Rarqui3 ©irarbin, Sefifcer öon ©rmenontnlle, getjeiratfjet, 
nnb fie ift eine fet>r tätige unb gefreite grau, adfj, unb e3 
U)äre bodfj ein ©tütf, nidfjtS mit ben Sfraeliten ju tf)un 
fjaben! Unb toegen 2Hter finft man nidEjt in 5ßariS, ioenn 
man ©eift Ijat. 

S)ie ©adfje mit bem ©eneral bleibt ein Dbiofum — 
meinem ©dfjitffate gteidfj, too man ben fdfjtoarjen (StridE) audfj 
nidfjt feljen foD. ©r ift aber bodf) ba. 

Stbieu 

S)ein atteS ßinb. 



31. 

5ßücfter an Sucie. 

• Sagb^auS, ben 15. Suti 1833. 

Sldfj, meine gute, tfjeure @df)nu<fe, toeldfjen lieben, treuen 
unb ergebenen Srief tjaft S)u mir burdfj ben Soten gefdfjitft! 
<5r fanb midfj Ijödfjft mifcmutljig, niebergef dalagen , unb fe^r 
untootjt ; aber bie fügen, guten, fo ädfjt liebevollen SBorte, an 
benen idfj meine ©dfjnucfe, fo hrie idf) fie toiö unb etjre, 
unb tote fie fidfj ganj ^in^ugeben nie bereuen tütrb — benn 
fie giebt fidf) feinem Uneblen Ijin — biefe SBorte einer 
frönen unb großen ©eele, h>etd|je, gteidfj allen ©terblidfjen, 
fraufeg ©etoölf jutoeiten, aber t)ier nur momentan, öerfeftfeiert, 
!jaben midfj hmnberbar getröftet unb geftärft. 3a, meine 
©dfjnucfe, ganj einig unb ein3 toerben hur audfj nie ganj 

«PüdUr, »wfwe^fel unb lagefrücfcer. VIII. 13 



194 



bem Unglücf $ur 93eutc fallen — aber Sremtung burdfj %ob 
ober nod) fdf)limmer, ©ott 2ob aber unmöglich, burdfj (SnU 
frembung h>äre getoifj felbft bei äußeren günftigen Umftänben 
für beibe ein tiefet unb fdfjrecflid&eg Ungtücf. 

3$ banfe barum ©ott, baft Du imeber ganj Ijergeftellt, 
unb bafc Du fo gut bift. 

Sßemt idf) Dir nun, unb mir felbft fjart erfcfjeinen mu§, 
inbem idfj bie -Jlotfjtoenbigfeit auffteße, bafc Du $ur ©etingung 
beg teiber unöermeibtid^en Sßlang einer neuen #eiratlj vor 
ben Seuten eg beutlidEj f)eraugfjeben foffft, bafc Du HJluäfau 
jefct verläßt, fo glaube mir nur, baß bieg ein £au}>tgrunb 
ift, toarum mir SRugfau felbft toibertoärtig getoorben ift, unb 
idfj nie bort jefct nodfj ettvag felje, über beffen ©etungenfem 
idfj jufrieben bin, otjne mit tiefem ©d&merje baran ju benfen, 
baf? idfj Didfj, bie eg mit mir mit gleicher Siebe gef dfjaffen, 
bie geiftig unb materiell fo Diel ba^u beigetragen, gettriffer- 
maßen ftavon vertreiben muß. 916er, gute ©dfjnucfe, Du 
meißt felbft gleich mir, baß toir bodfj beibe bavon oljnfef)lbar 
vertrieben toerben würben, ober toenigfteng unter Umftönben 
nur bleiben f önnten, bie i d(j unter feiner Sebingung, unb aud) 
Du ioofjl fdjtvertidj , ertragen fönnteft. ^tlfo beffer ift eg, 
eg toirb jefct mir toenigfteng gerettet, bann bleibt eg ja aud^ 
immer Dein, unb immer fagt mir audfj eine geheime, bunfle 
Stimme, idf) toerbe eg bodj nodfj einmal toieber ungeftört unb 
reidfjer unb fdfjöner mit meiner ©dEjnudfe genießen. 

<&px\ü) mir alfo nidfjt von Deiner (Srbfdfjaft; benn bieg 
ift, verjeilj mir, ein fompleter Unfinn; benn felbft atg 3n* 
bifferenter fann id(j nid^t reid^ baburdO derben, alg einen 
Xljeil meiner felbft fann id) aber 3Mdf) nid^t entbehren, unb 
jebe Sluggabe, bie für Didj gemalt mirb, tjat ttmfjrljaftig, 
toenn fie nur gefdfjafft werben fann, nidf)tg Unangeneljmeg; idf) 
neunte an bem, toag Did? freut, ja ben tebljafteften Slntljeil; 
unb idfj toürbe, toenn eg ganj fdfjled(jt ginge, ben eigenen 
SRangel immer eljer atg ben Deinigen ertragen fönnen. 



195 



SSon ber Stwtm, ber tollen, Ijabe id|j toieber rinen langen 
93rief, too fic mir brotjt, naä) 2Ru£fau $u fommen. DaS 
fehlte mir nodfj; idEj bitte Didf) um ©ottegtoillen, bieg p 
fontrefarriren. 3d(j Vergreife midf) fonft an ifjr. 

2Bie fannft 5Du beuten, baß id& fortreifen toürbe, oljne 
DidO gu- feljen! Unb toie fannft Du überhaupt forttoäljrenb 
fo tljun, als toemt idj DidO gern Ijier entbehrte! Da Du 
bodf) felbft fo beutlidfj nrie bie ©omte am Sage einfefjen mußt, 
bafe in biefem Slugenbtitf für bie notljgebrungenen 5ßtäne 
Dein ©ierfein fic fd&eitern madfjen müßte. 

©d(jnucfe, idf) bin mit Dir fo öertoadfjfen ttrie mit einem 
meiner ©lieber. 3ft einmal ba$ Ski erreicht, fo Ijoffe idj 
gu ©ott, baß mir beibe e3 genießen ioollen, unb bann fann 
öieHeidfjt ba3 9RuSfauer <ßarabie3, ba3 mir jejjt eine £ölle 
ift, mir nodfj toaljrtiaften ©enuß, otjne bie furienarttge ©orge 
gewähren, bie jefct i^re StfebermauSfittige aller Drten über 
mt$ tjätt, unb mit einer Sobtenfrafce uns anftarrt. 

8ldf) ©dfjnude, fei öernünftig, fei tiebet>oll, tjabe SRttteib 
mit uns beiben, fonft geljen toir $u ©runbe. 

Daß idf) Dir nidfjt triel fdjreibe gegen fonft — barüber 
fdjmäte nidfjt. 2lud(j mein Sagebud^ ift leer. S3ebenF , baß 
juerft meine ©timmung fo ift unb fein muß, baß grabe an 
3)ic§ ju fdjreiben, ba£ Ijetßt, midfj mit mir felbft ju befdfjäftigen, 
baS fd^mer^aftefte für midj ift, jtoeitenS baß idf) ein ©dfjrift* 
fteller für ©etb geworben bin (bie 100 SouiSb'or, bie idf) 
$>ir geben ioollte, Ijaben feit 2 SDtonaten alle meine 3lu3= 
gaben beftritten, unb bie 200, bie idf) nodfj befommen foH, 
würben midf), toenn fie ausblieben, in bie größte 33ertegenljeit 
fe|en), unb außer meiner nid)t fleinen Äorrefponbenj eine 
ungeheure 2lrbeit tjabe, bie 2 £tjeite „Xutti Smtti" sunt DrudE 
toerbeffern unb ju feilen, audfj fdjon an ben beiben anberen 
feilen arbeiten muß, um Srü^ja^r lieber 200 SouiSb'or 
ju ermatten. Unb gebe idf) mir nidfjt unfägtidfje äRülje, fo 
wirb eS fdfjledfjt, unb eine Quelle öerfiegt, bie mir trielleidfjt 

13* 



196 



yax @£tften$ nöt^tg wirb! 93ebenfe ba$ atteg, Schnucfe, unb 
quäle mich nicht. Sitte, bitte, mein $erj% für Dich ift unb 
bleibt ewig baffelbe, unb nie tt)irft Du deinen 2ou einen 
anberen für Dich Werben feljen — eher bieKeicht fein früh* 
jeitigeS @nbe betrauern. 

muf$ Siot^er fpredjen, in 33ertin ober v in SartSbab. 
SBäre e£ am teueren Drte, fo fönnten Wir un£ in DreSben 
feljen, unb in ©chanbau, einem reijenben Aufenthalte, ein 
paar Xage jubringen, ober auch in Sartöbab felbft, wiewohl 
e£, glaube ich, am erften Orte, angenehmer, unb auch unferen 
planen angemeffener wäre. — Sich Schunde, ich entbehre 
DidEj tuet fdfjwerer, als Du glaubft. SBie oft gäbe ich in 
trüben Stunben alles barum, an meiner beften greunbin 
treuem £erjen mir Iroft unb Stärfe ju Ijolen — jefct mehr 
wie je, unb noch tneljr befümmert mich oft Deine eigene 
Sraurigfeit, unb baft Du ohne mich bift, weil ich weift, bog 
S)u meiner bebarfft. 2lber finb wir nur einmal burdj ben 
üblen ^unft hinburdfj, fo wirb auch ba$ alles wieber fommen' 
meine {jerjenStiebe Schnutfe, unb bann gebe ©ott, baft Du 
rnid^ nid|jt eben fo jubringtich finbeft, als Du je|t wäljnft 
idf) wolle mich Dir entgehen. 3dj füffe meine Schnudfc auf 
ihr weif$e$ Sdfjwebenfityfchen mit heißer Siebe. 

Dein 2ou. 



32. 

Sucie an Sßücfler. 

Berlin, 3Hontag, ben 15. Suli 1833. 

Sötern lieber ßou! 9113 idf) bie entfcheibenben Schritte 
tljat, unfere @h e aufjulöfen, f)abt idf) lange unb wieberholt 
aufs atterempfinbtichfte gelitten — bodfj ich trug meinen 
Schmer^ in beut 2Jtaf$e ftanbhaft, wie ber SBitte ernft unb 
träftig in meiner Seele war, Deinem ®tücf ba$ meinige 
unterjuorbnen. 3df) ^atte ba$ Sewufttfein, baft, Wenn gleich 



197 



öon ber SBett getrennt, baS Ijeiligfte 93anb, Don ber ebelften 
©efinnung unb reinften Sreue uns nur nod£) fefter öerbinben 
fönne. 

SttS Su Stdfj fcon mir in Saugen entfernteft, utn Seine 
SReife anjutreten, toon ber i<f) mit ©ettnßtjeit ein anbereS 
SRefuItat erwartete — ba Ijabe id? mit bem lob toor innerem 
28el| gerungen! SDtidE) rettete jener ©taube; unb burdj fo 
unenblidj tljeure, rütjrenbe Setoeife Seiner Siebe unb Seines 
83ertrauenS genährt, geftärft, erhoben, ^fanb idfj neue Haltung 
im Seben. Sittel ttjeilenb, toaS idj früher an Seiner Seite 
genoß, in berfelben #äuSlidfjfeit unb ©emeinfdjaft jebeS S3e= 
fifceS, ber fcfjon baburdj SBerilj erlangt, bauerten bie neun* 
lidfjen 93e$ieljungen unb SSer^ältniffe audfj fort. SBeldfje innige 
SSer^ttJeigung, unb h>ie Diel gäben reiften fid) an biefe Sanben, 
tüäijrenb faft fiebje^n $al)re, bie uns Vereinten. 

©o ftanb eS, unb toaS für midfj, fidf) mir unbewußt, 
ober bodfj nur bunfel betoußt, entrütft Ijatte, \ä) fjiett eS für 
mein, unb mid£) bamit für öernmdOfen unb feft öertooben 
immer. 

!Jhm nidfjt meljr; benn Sein lefcter 93rtef, ber ift ber 
eigentli<f)e, ber toafjre ©dEjeibebrief ! Sticht, baß idEj um ein 
Haarbreit Weniger Seine greunbin toäre, nein, immer gleid^ 
liebenb — banfbar, Eingegeben; aber baß unfere SBege jloei 
öerfdfjiebene fortan finb, baS erfenne id(j, unb empftnbe, toaS 
öcrloren, h>aS getoefen, toaS gebrochen ift! 3d& empftnbe es, 
ber Statur meiner Siebe $u Sir, nadfj ; unb fannft Su genug 
barein eingeben, um Sir baS richtige SSitb barüber ju tnU 
werfen, fo hnrft Su nidfjt oljne tjerjliclje 3ßetymutf) biefer 
©rabtegung, id& mödfjte fagen, meines beften Slnt^eitS am 
©rbengtücf unb greube beitootjnen! SKieberfdfjlagen unb ent- 
mutigen mag fie Sid|j jebodfj feineStoegS , ba eS nichts, als 
bie ßrreid^ung Seiner eigenen Slbfidfjt ift, unb toie idj mid(j 
felbft überjeuge, baS unumgängliche S3ebürfniß Seiner 3« s 
fünft, trne baS Seiner gegenwärtigen 9tidjtung. 



198 



9?ad& btcfctn fannft Su Sidfj tooljt ganj feft barauf öer= 
laffen, baf$ idfj Seinen 3tatlj genau befolgen ioerbe, 
ber betläufig, toon Sir fdfjon Seinem ©utbefinben gemäfj aU 
eine beftimmte ©adfje mag mitgeteilt ober audj öerfdfjnriegen 
bleiben. 

Slbieu, mein Sou. 93i3 fic baljingegangen fein toirb, 
too il)r am tooljtften möge fein, mit järtlidfjftem, treueftem 
£erjen 

* Seine ©df)nudfe. 



33. 

dürftet an ßueie. 

Sein SBrief t>om SJtontag, bemfelben Xag, an bem idj 
Sir fo tiebeüott fdfjrieb, Ijat mir fo ungeheuer toelj getljan, 
bafc idf) midf) nie eines ät)ntidf)en ©eetenfdfjmerjeS erinnere! 
3<f) tjabe toie eine fiebenbe £ri|e batoon im ©e^irn gefüllt, 
unb feitbem eine 2lbtyamtung unb Äopffdfjmerj, bie mid(j 
quälen mürben, toenn Sein Srtef midfj nidf)t toeit mef)r quälte. 

Sldfj ©dfjnucfe, muf$t Su benn immer ba3 Biel 
10,000 -Steilen toeit überfliegen? ©oll idf), tnetl unfereUm* 
ftänbe enblidfj öon ber Slrt toerben, bafc fie mid£) nun fingen, 
bie einzig mögliche Slbptfe mit allen Gräften ju fudEjen, unb 
baljer audfj alle SDtafjregeln ju ergreifen, bie baju führen — 
foll \<fy be^alb nun audE) ba3 etnjige ©ut, ba§ idj im Seben 
fanb, Sein unbebingteS 3utrauen, Sein mir eigenes §erj 
Verlieren? Sie Xfjräne, bie meinem 2luge je|t entfällt, ift 
bie bitterfte meinet Sebent; benn Su t>erftef)ft unb fennft 
midfj nidf)t meljr. Ser toatjre ©dfjeibebrief \ SßetdEjer StuSbrudf ! 
2lufgebradfjt mar idfj ettoaS über anbere Ijarte StuSbrütfe, als 
idfj meinen S3rief fcfjrteb, aber Su Ijaft bod£) alles barin l)öd(jft 
öerfetjrt angefeljen. 9td&, Su foHteft baS nidfjt; benn idf) bin 
in einer Sage unb einer ©emüttjSftimmung , bie nid&t mel)r 
öiel Vertragen fann! 2Ba3 toirb mein SooS fein, enttoeber 



199 



IjinauSgeftofcen aus bctn ©arten, ben id|j betooljnte, in bic 
SBüfte bcr 2lrmut!j, ober genötigt, fetbft ben ©arten in einen 
©umpf ber ©emeinljeit §u Derrtmnbefa ; benn toaä toirb am 
6nbe eine folcfje $eiratf) anberS fein? 93ei biefer fummer* 
Dollen SllternatiDe tjatte idfj einen Sroft, eine treue greunbin, 
ein anbereS 3<f), bie mit mir leibet, mit mir Ijofft — adfj, 
unb ein paar 3*üeit, öon SSerbrufj unb Sommer fc^roff ge* 
madjt, Don ber 9loti) . ausgepreßt, fönnen Sir als ber toaljre 
©dfjeibebrief folgen SunbeS crf feinen? ©S ift blutig traurig! 
S3ef)üte Sein ©ettriffen, meine gute ©dfjnucfe; benn fo fönnteft 
Su mic§ leidet umtoerfen, unb bie 9leue fäme ju fpät, toie* 
tooljl eS DieHeidfjt am beften toäre, toenn idf), ber alle biefe 
Unruhe anftiftet, nid^t mefjr toäre. 3df) beftrafte midfj, ttrie 
id&'ä Dielfadfj Derbiene, unb befreite 2lnbere. 

ßebe tooljl. Seinen Srief fjabe idfj Derbrannt, benn fein 
Slnblid ttjat mir toet), unb bur<f)bo!jrte mir baS §er$. 

©ott fei mein 3euge! ©dfjaffe uns nur 12,000 Spater 
iätyrlidfjen fidleren UeberfdEjujs, otjne toetdjen toir, tüte toir 
unb bie Umftänbe einmal finb, bort nidfrt ejiftiren fönnen, 
unb tcf) toiU mit Subel mc ine alte ©djnucfe ttrieber Ijeiratljen, 
unb atte Siiefenpfäne meines Sebent aufgeben, in Seinem 
©tütfe aud£) baS meinige finbenb. Slber in (SIenb unb 3loti), 
toaS fann eS uns ba frommen! 

2)en 17. 

3$ bin f)ödf)ft elenb unb franf. 33iS idfj ttrieber einen 
lieben SSrief Don Sir f)abe, fann idj an nidEjftS Sljeil nehmen. 
£at Sicij in bem meinigen ettoaS Derlefct, fo bebenfe, ttrie oft 
Su midf) Deriefet Ijaft, unb id£) §abe es Sir bodfj nie nadfj* 
getragen. SCber jcfet bin id(j bis in ben Xob betrübt, toeit 
id(j Sidf) ju feljr liebe, um im ©rufte audfj nur ein |>aar 
breit Don Sir laffen ju fönnen. Saljer tljut eS mir audf) 
immer fo tootjl, toenn Su Seinen SBrief anföngft mit 

, SWein über aKeS geliebter 2ou. 



200 

•Kein, idfj fönnte Seinen 93rtcf bodfj nidjt verbrennen. 
Sdfj tyabe mit ber. attergetoaltfamften ©elbftbetyerrfdfjung midEj 
gelungen i^n nodj einmal $u lefen, nnb felbft ba§ Steuer 
an mir nagen gefüllt, ba§ i^n Verbrennen fotttc. £ätteft 
2)u ben unenbüdfjen ©djmerj gefeljen, ben idj litt, bie unauf* 
fjaltfamen Sfjränen, mit benen icfj ftunbenlang mein einfameS 
93ett angefeuchtet, unb bie aud) nidfjt eine füge Seimifdfjung 
Ratten, icfj ttmrbe $)idj gebauert tyaben. 

Sd^ glaube, e£ ift ber Stnfang be3 ©nbe§. Senn fo . 
troftloS, fo gebrochen toar icfj nodj nie, unb mein Sopf 
fd^merjt midfj fo fef)r! Sein 95rief ift fdfjön unb audj ebef, 
aber liebevoll ift er bodfj nidfjt. @r ift graufam. 

SBie fann je, nicfjt nur unfer efenbeS ©tgentfjum, fonbern 
unfer ganzes SBefen aufhören, gemeinfdjaftlidfj ju fein! 2ld(j, 
meine ©dfjnucfe, mein @efüf)I ift fo feltfam aufgeregt, bafc icf) 
barüber verrüeft »erben fönnte. Sftadfj jeber Seilt muß idj 
midj) toegtoenben, um in ein tautet ©dfjludjjäen auSjubredfjen, 
ba§ icfj nidfjt ftitfen fann. 3Ba3 toürbe es fein, toenn idE> 
®idfj Verlöre ! ©ettrifs, idfj überlebte e3 nidfjt, toenn babei nur 
ein ©chatten be3 UnredfjtS auf meiner Seite toäre — Unb 
ift nidfjt meine Sage fo, bafs aße§, toaS idfj jejjt tfjue, unredfjt 
unb egoiftifcfj S)ir erfdfjeinen toirb ? 2ldj ©ott . adfj ©Ott, 
erlöfe mtdfj Von biefer Sßein! ©dfjon feit fo lange Ijabe idfj 
bttyatb feinen freubigen 2lugenbli<f mefjr ! Unb tljue idfj nid^t 
öietteid^t Unredfjt? ©taube mir, meine gute ©dfjnucfe, icfj 
fprecfje of)ne äiüdffjalt, unb gan$ efjrlidfj. SBenn idfj S)ir ba* 
burdfj vergelten fönnte, tt>a3 S)u an mir gettyan, idfj toottte 
gern fterben; toirft S)u nun glauben, bafc idfj für fo viel 
Siebe S)ir mit Unbanf lohnen fönnte, fo toirft S)u midfj 
töbten. £)u fennft midj nidfjt, unb idfj füfjle je£t, bafc icfj 
midfj felbft nidfjt fenne. @3 ift viel ei3falte§ Sfrtyftatt um 
um midfj f)er frtyftattifirt, aber im tiefften ÜDlittefyunfte tiegt 
ein fjimmlifdfjeS $euer, ba3 tver ep ju (Öfen verfielt, bie 
fjärteften äünben hrie flocfigen ©dfjnee jerfdfjmiljt. ®ie£ 



201 



geiter JU Sage ju bringen, tyat Seine Siebe gearbeitet; aber 
ber (efcte ©rief, ber ©rief fear eine ju fchmerjliche ©onbe. 
3ch fü^tc jefct erft fo recht eigentlich, toa§ Su mir oft öon 
Seinem Kummer unb Schmer^ fagteft unb bebaure Sich 
unb mich- 

Sn fotöjer Stimmung mich um bie Säbin ju bewerben, 
ift ein Sing ber Unmögfidjfeit. ®omme alfo nach 9Ru§fau, 
meine ©dfjnucfe, lag un§ bort ba§ Seben nodEj einmal in 
reiner 3ärtlidjfeit genießen, fo lange e§ toährt, unb alle trüben 
©ebanfen in bie Bnfunft getoaltfam öerfcheudjen. Sa3 ©lüdf 
liebt eigentlich bie Unbeforgten, unb tuetteicht erbarmt fidfj 
ein ©ott unferer treuen £erjen. 3$ tonn nicht mehr, benn 
mein ®opf jerf^ringt; ach, toelch ein tiefes Seiben babei in 
meiner ©ruft! 

$en 18. 

3<h toeiß in ber Zfyat balb nicht meljr, ob e§ Äranfljett, 
©ott gebe nur, feine unbettmjgte Slljnung ift, toa£ mich mit 
einer fo fürchterlichen, feinen Slugenblicf auffjörenben 3Re= 
lancholie übersieht. SBad^e ich nicht forttoährenb über 
mich, fo laufen mir bie Streuten toie einem ®inbe über bie 
©aefen, unb in meinem ®opfe brennt e3 forttoährenb. 

2ldf}, bie bielfache Duat ber testen Seit mag mich lang* 
fam unterminirt unb Sein ©rief mich afö lefcter ©trom über* 
wältigt ^aben. Ser toa^re ©dfjeibungSbrief — ein 
gräf$Iidfje§ SBort ! SDtit tf>m ift mir, toie mit einem Bauberfdfjlüffel, 
erft aH Sein ©d^merj flar getoorben, unb meiner ihm ge- 
folgt. SBiS jefct fyabt iä) etgcntltd^ mit ber ©ad(je gefpielt, 
ober trielmehr, ich ^be fie in fo fern aU bloße gorm gering 
geartet, toeit ich btä SBefcntltd^cn in uns mich für unum* 
ftögltch bergetoiffert hielt. 

3>cf) toeifc nidf)t, ttmS in Seinem ©riefe ober meinem 
leibenben Sopfe ift, toaS mir biefe ©etoißheit raubt, unb 
barüber fann ich mich nidfjt aufrieben geben, unb barüber 
jammere ich fortwährend, feit ich jenen 93rief erhielt, ber 



202 

mich ttt'S £erj gebrannt tüte glühenbe Sorten. Dafj Du 
mich fo mt&berftehenfonnteft! ©lauben, ich toottte mich ttrirflich 
bon Dir trennen, toährenb ich bodfj nie einen onberen @e* 
banfen gehabt, aU Dufottteft jefct bor ber 333 et t affidjiren, 
3Ru3fau ju berlaffen, bamit unfer 3to«f leidster erreicht 
»erbe, unb toährenb ich reifte, um ihn ju berfolgen, Dich 
mit ber $älfte Deiner Stente fo lange too anberä begnügen, 
bis eine fixere Brunft erreicht fei. Ueber biefe fonnte ich 
im borau§ feine glätte machen, ba atte3 bon ben Umftänben 
unb Sßerfonen abhängen mußte — aber 3Dtu3fau §at bartn 
nur SBertf) für mich, in fo fern e§ mit Dir in SSerbinbung 
bleibt, benn Du bift ja bamit bertoachfen ttrie mit mir; unb 
gehörte e§ Dir au<h nidfjt mehr toie jefct, bem tarnen nach, 
fo toürbe e£ bodfj immer ber ©adjje nach fein, fo lange ich 
e3 befifce. 3a, toenn ich eine grau fönbe, bie e§ gar mdf)t 
liebte, fo Ijatte ich mir oft fdfjon ben Sßlan gemalt,- Dir, 
tote padjjttoeife, ©cf)lof$ unb Sßarf ju überlaffen, um bort 
meine Richte für mich anzuführen, unb Dich, fo oft td) 
fönnte, bafelbft ju befugen. 

2lber, baf$ Due3 jefct berliefjeft, ^abe ich, toenn ich an 
unfere fnappen ©etbmittel unb £eirath3pläne batytt, immer 
fdfjon lange für faft unumgänglich gehalten, bodj immer nur 
mit Sagen, eben aus ber fefjr natürlichen gurdfjt mifjberftanben 
ju »erben, babon ju Dir gefprodfjen. 

Damit ift ja nicht eine ©pur bon berringerter Siebe ju 
Dir berbunben, meine über aKeS ' geliebte ©dfjnudfe, beren 
^örtliche Xtyilnafymt mir ja nicht allein SDtuSfau, fonbern 
ba§ ganje Seben nur toerth machen fann. 

3ch toeifc nichts mehr ju fagen, unb fann e8 auch bor 
Sßerbenbrucf auf ben ®opf, gerabe ttne Du ihn mir befcfjrte* 
ben, nicht mehr aushalten. 

Sebe too% ber Gimmel fegne Dich. 

Dein treuer Sou. 



203 



•Kur bte Sitte ttrieberljole idfj, fomme jefct fjer, unb tröfte 
midfj ; bcnn bcr Sßrojefte benfe idfj jejjt nidjt. SRctnc ©tanb* 
Ijaftigfeit in biefcr #infidfjt ift gebrochen. 

2tbenb§. 

@£ ift ttrirftid) mein fefjnlicfrfter SEBunfdf), bafc S)u !)er* 
fömmft, meine ©dfjnucfe; benn ofjne 2)idj ju feljen, toürbe 
mein tief angeregter ©dfjmerj ftdj gar nidfjt mefjr beruhigen 
fötftten , unb jbie Sübin fjabe idfj aufgegeben, ja, idfj glaube 
faft, jebeS Sßrojeft biefer Slrt hrirb bei uns an inneren 
©rünben fdfjeitem. ©o tue! foenigftenS ift unumftöfjlicf) bei 
unferer 3uneigung jueinanber, unb unferem Sarafter, bafs, 
ttm§ toir audj) in ber golge nodfj befd^Iiejgen mögen, bodfj nur 
ba§ jenige, toaä nur gemeinfdfjaftlidfj ju ttyun ü6ereinfommen, 
unb toirftidfj ot)ne SiiidE^alt ausführen tooffen unb fönnen, 
uns toaf)re§ §etl bringen ttrirb. 

SDteine gute ©dfjnucfe, glaube nur, baf$ nie ein greunb 
2)idf) gärtlidtjer unb uneigennütziger geliebt Ijat, bajg idf) 25id(j 
liebe unb et)re, tüte ein ©oljn nur feiner 9Rutter leibenfdfjaft* 
lidj anhängen fann, toenn gletdfj unfer Hilter $u biefem 23er* 
Ijäftnijg ju na^e fte^t, unb bajg idfj midfj S)ir für'3 Seben, 
loo e§ fei/ Ijier ober bort, für Seine treue ©efinnung für 
etoig toerpflidfjtet Jjalte. S)abei f>alte audfj S)u feft, unb fränfe 
midfj nidfjt toteber fo fdfjredfltcl) als bie^mal, too idfj trietteidjjt 
jum erftenmal empfunben, bafj ber ©dfjmera einer auf ben 
Sob oertounbeten Seele ba3 fürdjterlidfjfte aÖer Uebet fei. 

2Ba§ aber nidfjt mögftdfj ift, looHen toix nidfjt $u er= 
jtoingm fudfjen. ©0 lange idfj 2)icf) bei Verfolgung ober gar 
(gelingen eine§ nur unferen äußeren Umftänben betreffenben 
9tettung3plane3 mir gramerfüHt benfen miifs, bin unb bteibe 
idfj gelähmt, je|t metyr ftrie je, feitbem idj fo tief empfunben 
fjabe, toa$ ba3 $erj leiben fann, befonberS, toenn audfj nur 
ber leifefte SSornmrf fief) bamit oerbinbet. Stein, idfj toiH an 
feinem Summer meiner ©dfjnucfe mefjr fdfjulb fein, ber $immet 
mag unfere 93arfe lenfen, ttrie e3 i^m gefällt. 2Ba3 ift am 



204 



@nbe ba$ ganje Seben? Sanb! Stur ba§ innere ift etttmä 
SBirftidfjeS. SBte gänjlidjj tobt mar für micf) bie Statur, 
alle meine Siebling§ft)ie(ereten in biefen fcfjmeren Sagen! @3 
§atte alles aufgehört etma3 ju fein, tuet! mein ©inn, ber e§ 
aHein belebt, abgeftorben mar unb e§ nodfj ift. 

SBeldje fdfjredttidje ©jiftenj muß e§ fein, menn bie ©eele 
üon einem folgen Äummer erft gan$ gefättigt unb burdfj= 
brungen ift, mie e§ mir gegangen fein mürbe, menn icf) xtad) 
einem fotöjen ©riefe Seinen £ob erfahren, unb and) Sir 
tuefleidfjt, mären biefe meine festen feilen. 

2ldfj ! , ba$ Seben §at fcfjaurigere ©eljeimniffe aU bie 
Sßljantafie fie auffinben fann! SDtancfjeS ge^t öorüber, manches 
meHeidjt nie. 

Stur an ber Siebe, an ber mafjren, barf man nidfjt 
fünbigen. Sittel anbere miegt gar leicht, jenes fann nie* 
manb öerjei^en, fidj felbft nidfjt, menn e£ jum SBiebergut* 
machen $u ffcät ift. 

Sa§ idj midfj gegen Siel) fo auSgef einrieben, fyat meinen 
Buftanb, ber früfjer faft unerträglich mar, um meleS ge* 
linbert. Semtodfj bin idj) an Seele unb Sörper ^öd^ft fdfjmadfj 
unb matt. mar ^art in biefer SSerfaffung nad) ÜDtu3fau 
fahren ju müffen, um $mei Sibe ju leiften. @3 mar jebodj 
nidfjt $u umgeben, ba iriele Seute ba^u öon mehreren Drten 
beftettt maren. SSerfjältnifjmägig mar mir mieber motyl, ate 
idfj midfj fytx meiner ©infamfeit jurüdfgegeben fanb, unb Sir 
mieber in 3tu^e fdjreiben fonnte. 

©rft menn idfj mieber tefen merbe, mein über aHe§ ge= 
liebter Sou, merbe idfj auch mieber meines Sebent froher 
merben. 93i3 ba^in bleibe i<h 

Sein tiefbetrübter Sou, 
unb Sich fefjr KebenbeS Sinb. 

©laubft Su mottf, bajg ich ben Ort, mo Sein ©rief 
liegt, nod^ immer nidfjt ofjne bie ^efttgftc unb fdjjmerjlichfte 



205 



©etoegung anfefjen fonn? D ©djnucfe, fcfjone 2)ein armes 
Sittb. 2)en ©rief ttriÖ idjj aufgeben, unb toenn je mein |jerj 
erhärtet, toid idfj tf>n lefen, unb e3 ttrirb tüieber fo toeidf) 
toerben, lote ba3 eines SngelS im Gimmel. 



34. 

Sßücfler arn Sucie. 

3agbljau§, bcn 21. Suli 1833. 

SDteine ©dfjnucfe, 

9lun §abe idj ttrieber gute unb tiebeöoHe ©riefe öon 
$ir, unb eine brücfenb fernere gentnerlaft ift mir Dom 
ttmnben ©er^en gefallen. 3a, meine ©djjnudfe, e§ ift xoofyx, 
unb toenn Dodfjmutf) unb aufteilen bei mir eintretenber 
©eetenfroft eS audfj mir felbft jum Xljeil manchmal t>er= 
Kütten fonnte, fo ift e3 bocf) im innerften §erjen toaty: 3dj 
fann meine ©cljnucfe eben fo toenig entbehren, 
als fie midjj. 2)ie3 ift nun unfer ©tmngeltum für etoige 
Reiten; ttrir gtauben baran fo feft, alä an ein JjödjjfteS SBefen 
über un§, e§ ift unfere anbere Sftatur getoorben, unb nur in 
biefer fönnen mir frei leben unb attjmen. 

©erfdjjiebener SKeinung fein, ja uns ein toenig janfen 
unb ftrciten , baS tütrb fdfjon immer nodf) möglich fein, aber 
uns öerfennen, aneinanber ^toeifeln, baS ift, ©ott fei ehrig 
gebanft, n i djj t möglidfj. 9lcf), toeldfje 3iut)e unb ©efrtebigung 
giebt ein foldjeS @efüt)I, unb toeldfjer ©alfam ift e§ \t%i für 
mid(j, beffen §er§ in biefen Sagen mef)r aU je im Seben ge* 
litten Ijat! ©dfjnucfe, ttrir Ratten bie Stoßen umgetaufdjjt — 
£)u toarft bie §arte getoorben, unb idfj ba3 toeidjje, blutenbe 
Samm. ©S ift aber aller ©djjmerj jefet Vorüber, unb meine 
©eele [nur toofjltfjätig burdfj Siebe geflärt toie nadjj einem 
^eilbringenben unb bod& furdfjtbaren ©enritter. 3ejjt attjme 
idj) nodfj einmal rectjt Ijocf) auf, unb nun fann idjj lieber 
Sßunft für $unft antworten. 



206 



2>en 22. 

3dj Würbe geftcrn unterbrodjen, unb alä idj wieber be* 
ginnen Wollte, fömmt bcr ^Berliner 93ote. -Steine gute, ge= 
liebte ©djjnucfe, mein $er$ tyaft 3)u nun wieber ganj geseilt; 
ba§ S)ir audfj nidfjt ben ©djmer$ fcerbadfjt l)at; benn tote 
Wäre ber für uns beibe $u entfernen! Stber nur, wenn Du 
mid^ beSljalb, bafs id) unfdfjulbig bor an fd^utb bin, weniger 
ju tieben fdjjeinft. 2Hfo biefeg Sapitel fei mit einem Ijer^ 
lidfjen Suffe befiegelt, unb toor ber §anb, fo Diel mir fönnen, 
ganj bei Seite geftetft, um ju überbenfen, wa£ wir nun tf>un 
fotten. 

Die 3eü KS- ju Seiner Slntwort »erbe xd) arbeiten 
wie ein Sßferb, um mit bem SSudfje fertig ju werben. Uebrigen3 
braudjjft Du Did) nidfjt ju fürdjjten; SSarn^agen #at e3 ja 
gelefen, unb Wa3 er ju ftarf gefunben, ift geftridjjen. UebrigenS 
fefje idj) waljrlidfj nidjt ein, Wa3 id) nadfj ber legten Se^anb* 
tung feljr §u fc^onfen Jjätte. ©djjaben tfjut man mir bodfj, fo 
Diel man fann, audfj wenn idjj fdfjweige, ja bie Demutl) träte 
man noef) fdfjlimmer mit güfjen. 



35. 

Sßücfler an ßueie. 

Sttuäfau, ben 22. 3ult 1833. 

Sßüdfler fdjreibt mir: ©r Ijätte mit Seibwefen gefeljen, 
baß id& aus ber Slrmee au§gefdfjieben, unb beforgte, ber Sönig 
würbe bie£ fefjr ungern gefe^en Jjaben. Du erfie^ft barau£, 
wie Wenig man in ber 9lrmee bie @ad&e als eine ©unft anfielt. 
©lüdttidfjerWeife glaubt ieberman, idjj felbft Jjabe meinen 2tb* 
fd^ieb geforbert, benn ba3 idfj it)n befommen, glaubt feiner, 
unb ti ift audj Wirfttdf) feljr ftarf. Je m'en vengerai, si 
je puis. A präsent je Toublie. 

Datoon bin idfj miljr at§ je überzeugt, Wenn idfj ©elb 
Ijätte unb eine Sefifcung in fd&öner ©egenb, Wo idf) f Raffen 



\ 



207 



f (tonte, tdj toütbe 9Ru3fau'3 nie metjr gebenfen, unb e3 mit 
berfetben ©leidfjgültigfeit toie einen ölten 8tod ablegen» 216er 
ettoaS ju fdfjaffen mufc idfj ^^en Ä gtanbe tdj, ein btofieS finn* 
li^eS (Senu&leben ober fentimentaler äRüfciggang toürbe mir 
nidjt genügen. 



1884 



1. 

Sßücfter an Sucie. 

2Jht8fau, ben 15. gebruar 1834. 

Siebe ©djjnurfe, 

SSon SBarntjagen l)abe id(j eben einen affertiebften SBrief 
befontmen. ©age ifjm atfo ja nidfjtg, ba& bie Slmim l)iel>er* 
gefdfjrieben, fte fei bronöirt mit ifjrn. 

Sie gute Slrnim f)at fe^r traurig an mid) gefd&rieben 
tpegen ©djjteiermadfjer'S £obe. @3 ift toofjl ©d^abe um biefen 
3J?ann, unb e3 t^ut mir fefjr leib, if)n nidfjt prebigen gehört 
ju Ijaben; SSandjagen fagt ütbefj, er fei ein Sßfaff n>te atte 
üBrigen getoefen. 



2. 

$ü<fler an Sucie. 

9totf)en6urg, ben 25. Wlax 1834. 
Sfjeure §eräen3fdfjnu<fe, 

Site idfj Don Sir 2lbfd&ieb na!)m, badete idf) an nidfjtS 
als an unfere gegenfeitige Siebe, bie fidfj in ben bieten Safjren 
treuer änfjängtidjfeit ju einem Sljeil unfereS ©elbft öer* 
roanbelt t)at, unb be3l)atb unauflöslich ift. ©eitbem bafyt 
tdj nod& bietet burdj, unb bor allem an Seine ©efunbl)eit, 



208 



bie ich Sich, aU meutert ljetligftett ©djafc, auf ba$ forgfäl* 
tigfte ju betoahren bitte. 

©galten ttrir beibe biefe, fo mirb fidfj ba3 Uebrige mit 
©otte£ #ülfe fd&on finben unb geftalten, bafs man e3 au3= 
galten fann. 

$ch fdjreibe S)ir biefe flüchtigen Beilen nur mährenb 
bem Umfpannen, unb bei bem Keinen grühftücf, toa$ ich burdh 
J)eine freunblidfje Sorgfalt mit großem 3)anf im SBagen 
fanb. 2)en unbänbigen Siegen, ber mir ben Staub töf cht, 
nehme ich als ein gutes Dmen an. 3)er Gimmel fegne 3)idj, 
unb fei Reiter. 

Sein elütg treuer 

Sou. 



3. 

Sßücfler an Sucie. 

• ßartöbab, ben 30. 2Rai 1834. 

$erjen3fchnu<fe, 

©ben ift fftot^cr angefommen, unb e3 ift leiber jdfjon 
fo öott, bog er fein SogiS (gutes toenigftenS) finbet. S)ic 
Königin öon SSBürtemberg, Sßrina griebridfj, duchesse d'An- 
goulßme, £>erjog öon Stltenburg, tnele ©nglänber u. f. to. 
Sfteben mir tooljnt eine ©räfin $oto<fa, beren £ödf)ter ben 
ganjen SJlorgen ju meinem grüt)ftücf rei^enb unb tok 33u> 
tuofinnen Plattier gefpieft ^aben. 

3<h gefje je&t aus. Slbieu. SDtetne feaaxt finb feljr 
gut in 3)re§ben gef dritten Horben, unb mein Sart gut ge= 
färbt. 3ch fehe baber weniger fdfjtecht aus aU in SRuSfau, 
nur ein rotheS ^ärd^en ift am ©dfjnurbart geblieben. 

9ßad)mtttag. 

%<f) ^abe 3iother, ber bei mir mar, feljr gut unb freunblid^ 
auch leiblich gefunb gefunben. Sluch SBifcteben, ber hie* if 



209 



s 

habe ich befugt, unb bin fe^r gut fcon ihm unb ihr aufge* 
nommen toorben. 3$on üblichen fingen haben ttrir ober noch 
nicht gefarodfjen. 

8tott)er giebt triel Hoffnung jur Efjauffee, h a * auch 
einige Vergebliche SBerfudfje jum SSerfauf toon SRuStau ge* 
macht 8Kan fttefc ftch an bie fchledfjte ©egenb. 3$ tofirbe 
e§ afc<h thun, aber mit Sfjauffee toirb biefem Uebelftanb fefjt 
abgeholfen »erben. 



4. 

Sßüdfler an Sncie. 

$en 2. 3uni. 

3>d) befugte h cu te 2° r & unb % a ty ©hretoSburt), fc^r 
vornehme unb reiche ©nglänber, bie in ©nglanb artig gegen 
mich toaren, unb ftdj nidtjt geänbert haben, toaS mich freute, 
ba e§ bie erften englifcfjen Striftofraten toaren, bie ich feitbem 
» roieber gefehen. 3dj brachte faft jtoei Stunben fehr ange* 
nehm bort $u. 

$en 3. früh- 

ÜDiefen Slbenb höbe ich e *ue Slubienj bei ber ©auphiue, 
tooüon ich morgen erjagen toerbe. 

£)ie. 9lubienj bei ber Jtauphiue toar affurat ttrie eine 
2ttu3fauer ©oiräe, alles eben fo gauche unb fteif. £)ie 
ÜDauphiue h öt e ^e merftoürbige tounmre, geht tüte eine 
gute, ganj bäurifdjj in Sprache unb Gattung, bammelt, toenn 
fie fifct, fortttmhrenb mit ben güfcen — ich ftaunte! £)ie 
alte b'SIgout fieht auch aus toie eine gute afte ©eutfdjje, unb 
bie Heine 9JlabemoifeHe be 3io3nlj nichts Weniger aU be* 
ftinguirt. 

(£3 famen nach unb nach ein £)ufcenb Sßerfonen, fotoie 
Damen unb sperren. QebeSmal ftanb aHeS auf, auch bie 
jDauphine, unb befomplimenttrte fich toie in ®räh*uiufel. Die 

«Püdler, »tiefwe^fel unb lagebü^er. VIII. 14 



210 



eine ©ante, eine öfterreiÄjifdjje ©räfin, blieb (ba bic ©tube 
fc^r niebrig mar) mit intern Äopftmfc am Sronleudfjter Rängen, 
unb fomtte gar nidfjt lüiebcr bafcon loStommen. Sludfj bie 
Sßrmjefj t>on ^o^en^otlem madjjte i^rc ®our , bic ' ein ffleib 
öon ®rötenfarbe anfyattt, unb fetbft einer ausgegrabenen 
2etd0e gtidfj. 9lad) einer Stunde enbigte ba§ @anje*mit 
einer ©eneratebition öon ®ni£en unb Südftingen oljne @nbe. 
Uebermorgen bin idjj jur Königin öon SBürtemberg befdjieben, 
unb morgen ju i^rer ©cfjtoefter, ber @rbprin$ef$ öon Sitten* 
bürg, bann loiH idf) meinen Stab toeiter fefcen. 5d& liebe 
©id(j fjerilidjj, unb loünfdfjte, idfj ttmre bei ©ir. 

©ein 2ou. 



5. 

$ü<fler an Sucie. 

ßartöbab, ben 4. 3um 1834. 

§er$liebfte ©dfmuefe, 

©er junge ©raf $aumgarten, ber nadfj 9Ru3fau geljt, 
befugte midfj, unb erjä^tte mir ben tragifdjen £ob feinet 
93ater3, ber in einem alten gamitienfdfjloß, too bie %ttppe 
eingebrochen, fid^ Vorigen SDtonat in befter ©efunbfjeit unb 
SebenSluft tobtgefaßen. ©onberbar, bafc be3 SSerunglüdten 
SSater in bemfelben Sitter am gufc beffetben ©dfjtoffeS t)on 
ber Sagb iurücffetjrenb, in bem öorbeiftrömenben fjluffe 
ertranf. 

Sdfj tourbe heute ber (£xhpv'm%z% Don Sittenburg, @cf)tt>efter 
ber Königin Don SBürtemberg, öorgeftellt, eine looljlbeteibte, 
fe^r gut fonferoirte unb JfeJjr artige ^rinjeg, bie fief) über 
einige ©päfce, bie icf) machte, fyalb tobttad^en toottte. ©er 
©ema^t bagegen fafj nrie ein Nürnberger -ftujsfnadfer aus, 
unb freien ein gutmütiger, aber entfdjiebener gebaut ju fein. 

9luf ber $romenabe begegnete iä) Sabty ©fjretoSburty, 
bie mic^ eintub, ben %f)tt bei it)r ju trinfen, too idj midt> 



211 



bte fpät SlbenbS fc^r gut unterhielt, bo bie jungen Damen 
ttrirfltdj SSirtuofinnen auf bem SÜatner ftnb. ÜDlan madjjte 
mir öiete Stögen über meine SBriefe, unb Sabt) ©. fagte, fie 
bätte nie ettoaS treffenb 3Bat)rere§ gelefen, obgleich -mandfje 
SBatyrljeit Ijerbe fei. Sie t)at einen aKerfiebften ganj Keinen 
SRop^ ber gaöorit be3 SßabfteS Seo be3 Btuölften toar, unb 
feinen -Kamen fü^rt, audj mit bem fdfjtoaraen ©d^näu^en 
gratritätifdfj hrie ein Sßabft ausfielt, ©r madjt allerlei Sünfte 
junt Hüffen poffirtidj), unb toax mir ber liebfte in ber 
feflfdjaft. 

SRit meiner $efunbt)eit ge^t e§ nodfj immer fefjr fdjjledfjt; 
id) !ann gar nidfjtö effen, unb bin elenb, matt unb unbe= 
Ijagttdj untooljl. 

3n ber SJlitte meinet UntoottffeinS mufste id& jur Königin 
t»on SBürtemberg, bie äufjerft Iieben£toürbig , natürlich, nodj 
redEjt pbfdfj unb t)om beften Slnftanb ift, babei ettoaS beutfclj 
!Qtx$\d)tä unb 93iebere3, toaä feljr gewinnt. Elle me fit 
asseoir ä c6t6 d'elle, me donna toujours r Altesse, et fut 
extremement aimable. 3ulefct tüünfd^te fie mir alles m% 
Itdje ©lud unb 2Bof)Ierget)en auf meinen Sieifen, unb idj er= 
ttrieberte, que S. M. avait trop de bontö, que je m'en 
rappellerais partout avec reconnaissanoe , et que cela 
me porterait bonheur. 



6. 

Sucie an Sßüdfter. 

(Sarolatf), ben 5. Suni 1834. 
■Stein Sou, mein heißgeliebter Sreunb, 

<3djmer$belaben fucfjt 2)id() unb toenbet fidfj mein £>erj 
ju 3)ir! Sticht um $id) ju betrüben — aber um Sroft in 
bem ©eban!en Deirter Xljeilnalpne $u finben. SBie fönnte 
tcfj bie Trennung leicht tragen, unb namentlich ba§ Un^ 
gettriffe, toeldfjeS über S)idjj unb mtdfj barin fdfjtoebt. Du 

14* 



212 



bift ja mein 9lt(e3, mein theuerfteä Sebingnifc faft allem, ju 
SebenStoerth unb greube! ßaffe mich alfo $)tch betrauern, 
bie ©tunben unb Sage, bie mir fo jtoedftoS 31t Vergehen 
flehten, ,toeil fie fidfj eigentlich an fo toentg mehr öerbinben 
toaS ®ich betrifft! ßaffe mir auch ba3 Siecht ber SHage, unb 
baß $)u ben ©ram, ber mich beugt, mit SBehmuth theilft: 
tote bie emsige Öffnung, toelche mich ftärft, nährt. ©3 ift 
bie meiner ©eele, toieber mit S)ir vereint ju toerbenf 
Sßelche järtlidhe, rü^renbe SBorte §aft 3)u mir noch in 
ber legten SDtinute gefagt — toie ttritt ich mich bar an Ratten. 
Sludj ®ein Sriefchen aus Rothenburg enthält nur, toaä 33al* 
fam fein lonnte auf meine SBunben. ®och biefe SBunben 
finb alle ju frifdfj, unb mein SBiHe ftanbtjaft ju fein, ^ält 
nid^t ber Sraft baju ba$ ©leidfjgenridfjt: benn eben ich fü^te 
mich %u fchtoach, unb gar oft bon meinen ©mpf inbuugen 
überwältigt. So ging e£ aud^ bei meiner eigenen Slbreife 
öon 9Ru3fau. ©ie berfefcte mich bei allem tt>a3 mir noch }u 
beforgen oblag, in eine Slrt Xaumel, bie heftige Slnftrengung 
bann in einen ermatteten Buftanb. @ jf am ^ f>ierfjer, 
unb ganj erfdfjöpft, muf$ ich fdfjon toieber an bie Slbreife 
nad^ 33re3lau benfen! 9Rit 8lbefi)eib fafjrenb, unterhielt fie 
mid& lebhaft, bis toir anlangten, boch faum in'3 Limmer ge* 
treten, befiel mich eine fo fd&redfliche Sfuttoallung, baß mir 
§ören unb ©ehen Berging. 3df) fear bon biefer SDtinute an 
franf — unb h<*be mich feitbem nicht erholt. 2luf bin ich 
jtoar geblieben, unb auch * n ununterbrochener Unruhe, allein 
immer im haften ©rabe elenb. 3ulefct ift noch eine hef s 
©rfäftung baju gelommen. 3)en einen Sag, roo e3 ertrag* 
lidfjer ging, rnuftte idh auf 3 SBettrennen, roo bie SreSlauer 
elegante SBelt, unb toahrf<heMi<h fehr mittelmäßige Sßferbe 
fcerfammelt toaren. S)ann befudfjte ich £>etmine; bort glaubte 
ich, f^i mein ßefcteS. 3« ber Stacht befiel mich ein heftiger 
©tieffrautpf — mein S^ftcinb üerfchlimmerte fich fehr. 2)ie 
SBohnung ift feucht, in ber Keinen befdfjränften SKenage ge* 



213 



bradfj e8 mir on ben getooljnten Stequemlidjfeiten, fürs, id(j 
beregnete, bafc id(j alles anftrengen mfiffe, um nur lieber 
Earolatt) ju erreichen — too idj) nun audj bin — bod(j in 
einem geiftigen unb förperlid&en ßwftonb öon $>erabftim= 
mu ng, toie id& i^n bisher nodjj nie lonnte. 

SQSie oft in frönen gebctbet, Sou, toenn idfj nur an 
Did(j benfe, ettoaS fc^e , toa3 Oon Dir ift ober 83ejug auf 
Di<§ f)at Unb fo ift e3 orbentlid}, afä toenn äße ber 
©d^merj, bem idjj in ben erften ©tunben unb lagen ben 
freien Sauf Ijemmte, fein Stecht behaupten unb in eht5elnen 
SOtomenten fommen mujs, midO öerftärft ju ergreifen unb ju 
überwältigen. 

©ott gebe, baß eS Dir nur gut getyt, mein @tn* 
äigeö, baf* Du Reiter, frolj bift, baß angenehme ©inbrüde 
unb ©mpfinbungen um Deine ©dfjtäfe toie fanfte, garte 
Säfte fäufeln. $'öxt id& bieS, fo toirb mir beftimmt leidster 
unb toofjler, aber big je^t", mein Sou, bin id& auger be£ 
©örlifcer SSriefdfjenS toegen bem SBagen ganj otyne 9?ad&ric!)t, 
unb e3 finb feitbem f$on jtoötf Sage, bie für midfj tote 
ängftlidjjer fernerer Draum vergingen, unb fonberbar mir 
oorfommen, ate toäre id& in biefem Zeiträume oon SSerftanb 
getoefen, ober im tyifcigen lieber gelegen. 

Die fatale ©efdfjicfjte mit bem §rn. bon Sorf treibt mir 
audfj unaufhörlich im ®opfe Ijerum, torfd&eS toirHid(j nur 
meine ©dfjtoädfje in förperlidfjer £tnftdfjt oeranlafct, benn biefe 
madfjt gerabe, baß man bie Sbeen nidfjt Io§ toirb. 3$ fdfjidfte 
3)ir auf jloei SBegen, nadj Dürnberg nämlidf) uttb SRündjjen 
poste restante bie Details, bie idf) in ^Breslau erfuhr, 
©eitbem ift toirffidfj ein red^t abfd&euttdfjer 9lu§fatf gegen ben 
SSerfaffer Don „Sutti grutti" gerietet, in ber 83re3lauer 
Seitung IjerauSgefommen — unb idj) geftelje, bafc biefer 2tn* 
griff mir aHeS 3DtitIeib3gefüf)I gegen biefe bumme gamilie 
geraubt. finbe, bafc, ba fie ntdjjt genannt toorben finb, 
ba Du oon einem #errn Oon Sorf, nityt oon Sierfdd tyrid&ft, 



214 



fte ttrirfltdj, beöor fic ftdj fo geäufjert, bom Slutor öffentfidj 
eine ©rflärung tyätte forbern müffen, ob feine 8tngaben 2Bat)r= 
Ijeit ober giftion, ober jemanb toon itynen roirffid) barunter 
gemeint fei. Unb nur nadj bem toäre e3 ju entfdjulbigett 
getoefen, fo §u läftem, int gatt jener Slutor fjartnäcfig ge~ 
fdjnriegen, ober bie @ad)e für autfjentifdj ausgegeben. S)u 
Ijafi fo öiel ffierftanb, mein Sou, bafs 2)u rooljl ba3 Siidjtigfte 
in ©rtoieberung bringen toirft, unb e3 ift in fo fem roidjtig, 
baß bie <3adje fo öiel 2luffef)en madjte! 3dj Ijabe manche 
Slrt meine§tljeite bebaut. Später me^r barüber. 2lbell)eib 
unb ©arolatlj finb feljr freunbfid) für midj! 

SEBenn id) alles treiben auf ©rben anfelje, fällt mir ein 
toaä SStctor £ugo fagt: „Quelle inqutetude, quel trouble 
ici sur terre, et ä quelques pieds plus bas, quel silence 
si profond!" Cf)ne $idj, mein Sinb, für ba3 idj bie järt- 
lidjfte Siebe etne3 SDtutter^erjenS füljle, otyne 2)idj — ttrie 
toäre mir bodj fo tooljl ba, too e§ fo ftill ift! — 



7. 

5ßücfler an Sucie. 

@ger, ben 9. 3uni 1834. . 

^erjen^fd^nuefe, 

Sein SRatlj, nadj ßarl^bab ju geljen, war feljr gut; 
benn Ijier bin idj erft mit Slotljer auf einen redjt toertrauftdj 
Ijer jltc^en gufs gefommen. ©ott erhalte üjn uns ! Sludj bie 
3)idj beunru^igenbe ©adje mit bem Dberften au3 Slawen 
Ijat fidj burd) i§n feljr frieblid), aber aud) fonberbar genug, 
aufgeflärt 

2)iefer 3Rann l)at ein gräulein 2ieljr3 jur grau, unb 
ber netfenbe 3ufaH ^at getooüt, bajg ber SSater ßiebrS (too* 
öon id) nie ein SBort gehört) tmrflidj fein ®ut im ©piel 
verloren, toeldjea bie ®ien$burg ift, ja nod) meljr — ba ber 



* 215 



©oljn toirflidE) ein Ijödfjft mauvais sujet geworben unb Der* 
f Rotten ift. 

2)er Dberft glaubte nun, bie gan^e ©efdf)id£)te, bie id£) 
erjagte, fei toaljr, unb fein ©djttmger totrflid^ SRäubertiaupt* 
mann geworben, vorüber er ängfttidE) genaue 9tu3funft fudE)t. 
@r ift ein gugenbfreunb 3iotf)er%'unb ein feljr unoffenfitoer 
9Kann. 3$ t)abe midf) alfo beeilt, burdE) SRot^er iljm alle 
mögliche S3erut)iguug be3t)alb ^ufommen §u laffen, unb mid) 
aud) angeboten, etwas ©rtäutembeS barüber im brttten Steile 
ber „Xutti Srutti" em^uf galten. 

Sft biefeS $ufammentreffeu aber nicfjt ettoaS äRerf* 
toürbige^ ? Sdj mufj eine ®iöination3gabe befi|en, sans m'en 
douter. 

©eftern fcertiefc idj ®art3bab, nadjbem id) noefj ber 
^er^ogm 2oui3 fcon SSürtemberg toorgefteßt Horben War, 
unb nodfj einige angenehme unb intereffante S3efanntfd)aften 
gemacht. 9Jleine ©djriftftetterei bereitet mir überall einen 
feljr biftinguirten ©mpfang. @3 ift ganj anberS nrie et)e= 
matS. Je suis devenu un personnage. 2)r. äßeifjner 
rätf) mir fe^r, ®iffingen öor ©aftein ju nehmen. SRodf) bin 
idfj unbeftimmt, toaä id£) t^un foH. 

©eftern fd£)Iudte icf) toiet ©taub, wetbete midE) aber an 
bem frönen, romanttfdfjen $tnblid be3 ©djKoffeS ©ttenbogen 
an ber @ger unb bem Softer SDtaria Sülm am fernen §ori* 
^ont, einft ber @ife einer fRäuberbanbe. (53 War fdjon Statut, 
alä iü) in ©ger auf am. %<fy ge^e jefct au3. Slbieu. 

2lbenb3. 

SSom ©dtfoffe wo 3II0, SinSft) u. f. w. erftodjen 
ttmrben, fte^en nur nodj einzelne Stauern, unb aus ber 
©tube im ©tabttiaufe, too SBaÖenftein fein ®nbe fanb, ift 
ein toermalebeiteS moberneS S3ouboir mit Sßapiertapeten ge= 
madjt Worben. 3n einem S3ilbe auf bem 9tatl$aufe, ba3 bie 



216 



©rmorbung be$ £erjog$ borfteßt, fietyt SBaflenftein auä, aU 
ob er ein 33aÖet im §embe tanjte. 

3ch fuhr auch nach SranaenSbrunn, beffen SBaffer mir 
fe^r gut fchmecfte. ©onft ift hier nichts ©rtoähnungS* 
toürbipe^. S)a ich fetjr an ®opftoeh leibe, bleibe ich heute ^ier. 

SUeEanberSbab, ben 10. 

#ier ein Heiner SBouquet, meine ©chnucfe, ba$ ich auf 
angenehmer, einfamer 5ßromenabe mit ^er^tid^er ©etjnfud&t 
nach S)ir gepflüeft. SiefeS S3ab gefaßt mir fe^r gut, um fo 
mehr, ba ich ber einjige Sabegaft bafetßft bin. 3ßan mirb 
übrigens fe^r gut bebient, unb ber Snfpeftor, un vieux 
grognard de la vieille garde de Napoleon, ift feljr unter* 
haltenb. 



8. 

ßueie an 5ßücfler. 

©arolatE), am 14. Sunt 1834. 

2Bo iuetje ic^ S)id) nur auf, mein tljeureS §erj! ©eit 
©einem erften S3rief aü$ ®arl§bab toeifc idf) nichts mef>r! 
Unb S)u fdjienft bamals ganj unentfehtoffen. 3)od> fyättt idh 
gern gefeljen, 3)u toäreft geblieben, ©inmal, toeil e$ ber 
gute Sßrinj toünfchte, mit bem S)u nie bie Gelegenheit ge* 
funben haben toürbeft, näher unb intimer jufammenjufommen, 
unb toeil eS gelüife Seiner ©efunbljeit toohfthätig getoefen 
tpäre! ©rinnere ich tnidh nur, toelche gertigfeit unb entfdE)ie* 
bene Neigung mein ttjeureS ®tnb tjöt, bie (Gelegenheiten, bie 
eigentlichen, ju bergeffen, beutfeh Qefagt, toon fich ju toeifen, 
bann bürfte mir tooht fein Btoeifet bleiben, bafj S)u längft 
auf ber ©trage nach S3aiern bift, tvo $)u für Seinen $errn 
©chtüager bermuthtich ju fpät eintriffft, unb tflätjrenb 5)u 
ihn ju feinem dösespoir in Röhenberg h^fudhft, nodj 



217 



fdjfiefcttdj ba3 SogiS unb bie $tit toerfäumft, too 3)u ©aftein 
brausen, unb 2)ich bort getoifj redf)t ftärfen fönnteft. 

SRir geht e$ nicht fchlimm, nicht gut, bodfj fo fchtimm 
md^t mehr, tute in ben erften Sagen nach unferer Trennung. 
3$ bin fcon ber ©rt^pe hergeftettt, unb bie förderliche ®raft 
ift bodfj toieber eingetreten, auch beut ©eift ben äßeg ju 
toeifen! 2lber traurig — ernft — Bin ich feljr. 

©ich refigniren ift boch tooht im eigentlichen ©tnne 
abfterben, ba3 Reifst über einen SBunfdj, eine Hoffnung, 
irgenb ein SBertjäÜnifc baS Sobegurtheil fprechen, vielmehr 
e$ fd^on toottftrerft haben. 

916er tüte SJieleS machen bie $aljre, baß man fiefj re* 
fignirt, ber £ortjont ber ©rtoartung Verengt fidfj täglich, 
unb ber Kirchhof, toorin bie öieten Sobten toerfenft finb, mit 
ben Silbern be3 ©rtebten, ber toirb immer auSgebetjnter l 
<£$ finb freijKdfj barauf feljr, fefjr toertlje S)enfmäler, bie ju* 
mal, too ber 2ou «tit feiner ©djnucfe umging. 

8Ba£ babon beschließt toohl noch ba$ ©eheimniß ber 
fommenbeu Sage! 2)a3 ift noch bie hohe Srage! 

SDlein tljeureS, ttjeure£ £er}, unb ttrie e£ fommen mag, 
fo jähle idf) auf Seine Siebe — unb bie raeiuige erhebt 
mich auch über jebe3 (Sreignifj, außer ba3, 3)icfj ju Der* 
Heren. 

©chone S)ich baher, unb toahre mir bie ©rljattung aßeS 
beSjenigen, tt>a3 mir lebenS tp er th ift 

S)ie Sache ift mir noch ganj bunfel, ob ich bie Steife 
mitmache, ober nicht. Sm ©onjen $abt ich feinen rechten 
3ug nach 3Ru3fau; unb fönnte ich unter ruhigen unb er* 
heiternben SSerhättniffen anbere ©egenben, anbere 5ßh9ft^ 
nomieen überhaupt, ber Kreaturen, ber (Sitte unb ber Sanb* 
fdfjaft fehen, e£ ttmrbe mir äußerft mphlthötig fein — aber — 
aber bie Elemente meiner SReifegefeßfchqft finb feltfom fom* 
ponirt. 

9lbieu, ßou. 



218 

9. 

Sucie an Sßücfler. 

(Sarolatfj, ben 17. 3uni 1834. 
3Kein Sou, e3 finb in Steinen Briefen, bie k§ eben 
Wieber überlefen, fet)r tiebetooöe 2lnf länge, unb baf$ £>u 5)icfj 
naä) mir fetynft, gleist bem ©ruß aus p^eren Spören 
diejenige, worin icf) gegenwärtig lebe, ift trübe nnb bebeeft! 
bin in einer feljr tiefen, bod£) fe^r ruhigen Stimmung. — 
©3 ift f onberbar, wie in ber ^iefigen ©egenb toeit meljr 
alz in 3Jiu3fau ba§ Saub- bunfel unb bie ganje ©egenb 
etwas Wlatttä ^at, Wa3 idf) miefj nie erinnere im f üblichen 
2)eutfd£)tanb, aud) nid^t in bem fruchtbaren ^otftein gefeiten 
jaben. 

ein UnterfdE)ieb fein, ben ber fran-$öfifdfje 
5ßrofeffor Slm^&n^udj empfunben! Zone dunord, Royaume 
de Prusse, avec le^toert ä son entr6e, sables et sapins, 
plaines ä perte de vue%riel grisätre,- d6p6rissement, et 
pauverte, s6cher6sse de s<?K et de coeur! ®a wo ®ein 
©enie biefer Sftatur in allen biefkt entgegengetreten, foö leiber 
bieS 3a^r SRangel an Stegen and) nachteilig Wtrfen. @el)r 
t>erfdf)mad()tet fte^en Seine Saubgefcölbe unb Seine Sßiefen* 
grünbe. 

Siebenftein Werben gar SSielc ^ufammenfommen, bie 
Königin bringt toier SorbS unb toier £aty£ mit, barunter 
SKabemoifeae ®'©fte, eine Softer beS £erjog3 öon ©uffcj 
— bon einer irlänbifdfjen ober fdfjottifcfjen $aireffe. <3ie foö 
nac§ »belfjeib'* SluSfage bie Stügfte unb SiebenSWürbigfte 
fein! aKan traut ber Königin ju, baß fie ben ©buarb (£. 
eine £eiratf) mit il)r will machen (äffen, Welver reid) unb 
beim Sönig feljr in ©unft fein fott. ©ie f)at ein eigen £au3 
in ßonbon unb ben fd&önften @cf)mucf. SSieUefd^t will fie 
nur ^rinjeffin Werben unb einen tarnen erlangeii wag t)ixttt 
fie an biefem ©emaf)t, ber Wie ein borftiger afyer Saffer 
ausfielt ! \^ 




Su nimmft SidE) gettrifj aöerliebft in Seinem neuen 
. ©djjlafrocf aus, unb enchantee bin idfj, bafj enblidfj Seine 
liebe, eble ©eftalt ftrieber unter gefcf)icfte £anb geraden, um, 
hrie id) fjoffe, alle Seine 9lnjüge ju renobtren. Sie Sänge 
ber 3eü ^atte gormen unb Farben ganj abfedt gemacht. 

©onberbar ift e£, id) f)öre gar nichts öon Seinem 
©artentoerf. Ueberfyaupt lebt man fyier, roie faft überaß, 
auf bem Sanbe, mit einigen befdfjränften Sntereffen nur be- 
fdfjäftigt. Sie 9teife, bie SBettrennen, galten nacb ber (£ot= 
tage — baS ©eftüt — beS SaronS Unfoerfal^SBerbtenft, bie 
Sinber unb ganj Keine .©taubintriguen, — als politifdjjeS 
ganat bie @taat3*3ßüung ! 

Sarum audj tt)unbere Sidfj nicfyt über meine ©infettigfeit, 
ober tnelmeljr meine ©intönigfeit. Sdf) f% fyoXbt Sage unb 
fpredfje fein Sßort; 'Sannt) fdfjläft jeber SRarmotte jum Sro$, 
unb fo rinnt ein ©anbföwdEjen in'3 anbere, im ©tunben* 
glaS ber langfam fcergeljenben unb fcfjnett fidf) toerlieren* 
ben $eit! 

gür Ijeute Slbieu! 

2lm 22. Suni, 

2Rit ber immer getoöljnlidfjen bodf) immer an fidfj neuen 
greube, erhielt idj, Sou, Seine f)übfcf)en Sriefe aus ©ger 
unb SllejanberSbab , tt>o am legten Drt idj tt>ot)I getoünfcfjt, 
bafj ein ©eift ber SSorjeit Sir erfdf)ienen! Uiämlidj Seine 
©d^nutfe toon adfjtjeljn Saljren, toeifj gefteibet unb gefdfjmücft 
mit Kornblumen. 

©inem Rimmels = ©ngel gleidjj, fagte mir, als i«i) öor= 
überging, eine grau, bie mid£) bat, Der iljr nodj ju toertoeilen, 
bamit fie midf) red£)t fe^en fönne unb nie öergeffe. Sie Brau 
war öon geringem Staube, fie faf$ in einem Sorribor, too 
tdfj. burdEjfam, unb fügte ben ©aum meines SIeibeS nadf) ifyrem 
2tu3ruf, toinfte bann mit ber £>anb, ,,id) fönne nun toeiter 
geljen!" SETte^r gefdjmeicfyelt l)at mid£) nie ein Sob. Unb icf) 
lebte feitbem in bem Sßaljne, bamalS toenigftenS, lieblicf) ge* 



220 



mefen ju fein. Stun benfe, nrie gern idfj hätte, 5)u müßteft 
mein Sou, toaä eigentlich be£ #er$en3 äußere gorm getoefen 
ift, hrie fie noch unjerftört hrnr ! 2lffe Drte, bie ®u befcfjreibft, 
fah ich bamalS. Su meinem Sebauew nnb meiner Slngft 
flagft ®u ja feljr biet über 2)eine ©efunbljeit — unb ttriöft 
nach Ufingen! !!! Sein angenehmer Ort! @in ^ägtid^eS ©alj= 
toaffer! S)u ttrirft e$ fdjtoerlid) lange auslüften! Sefucfje 
SJocIet unb bie malbbelaub ten §öhen bort! S)a toar 
auch i<h jung — unb fe^r Reiter. Sefct bin ich ölt, unb 
außer meiner 3tnhängfidf)feit ju 5)ir, ba3 Unfterblichfte in 
meiner 93ruft: lebend * enttäufdjjt unb mübe, tt>enigften§ 
recht matt. 

SReine (Sefunbljeit ift noch eine nicht üble, aHein ich 
bin oft ©tunben unb Sage in einem Suftanbe oon fo großer 
Slbfpamtung, baß mir totrb, als brächte ein einziger £auch 
mich hinüber! 

D Sou, ich ^enfe t>iet an 3)ich, unb verlange boch, 3)tch 
noch toieberjufehen — aber ohne ®ich bamit quälen ju 
tooKen! S)u fprichft Don Siffingen — ba fäme ich nur un* 
gern hin — ober too anberS: nrie gern. 



10. 

Sucie an Sßücfler. 

Gatoiaty, Sunt 1834. 

9?ur toenig Sßorte, geliebter einjiger greunb. S)em toer* 
laffenen, trofttofen §erjen foflen fie ©tärfung geben — bie 
ich f uc *je, ach, unb nirgenbS erfenne: benn be3 Sebent Suft 
unb greube ift berlöfcht unb fern, unb eine bunfte Stacht 
umhüllt nun alles. 

SRochmafä ©egen, S)anf ettnger Siebe treuste SBibmung: 
3n einer h^ben ©tunbe fahre ich fort. SBelche ©e§n* 
fudf)t liegt bor mir, unb toetcheS geringe SDtaaß öon ®tücf 



221 



— beim mein eigentliches ©fitdf ba£ hat fidf) ^ente toon 
meinem #erjen loSgeriffen. 

Strote ©dfjnucfe, armes SDluSfau! Sludj für biefe jtoei 
ift ber SSerluft unerfejjbar. 

Sebe too% reife glüdlid^. Sittel ©ute fei mit 3)tr unb 
um 2)idj. 

Staats 11 Utjr am ©cheibe*£age. 

S^eurer Sou in biefer SRinute erhalte idfj Steinen SSrtef. 
SEBie gut, mit taufenb Stjränen au$ tiefer Sruft antworte ich : 
5)anf, 2>anf. 



11. 

5ßücfler an Sucie. 

Samberg, ben 18. Suni 1834. 

|>er$Iiebfte, 

(Seit geftern bin ich ^ier in einem fetjr guten ©afthof, 
too ein e^eöenter ®o<fy, ehemals beim dürften %a$ü, meinen 
SRagen toieber ettt>a§ in Drbnung bringt. 3)u fannft benfen, 
tote angenehm ich überrafcht ttmrbe, als er midfj fragte, ob 
id^ petita pois k l'anglaise ober au sucre befehle? 
2)a erfannte ich gleich ben Sßrofeffeur, unb umarmte ben Er* 
ffaunteh järttich En effet, le petit diner 6tait d&icieux. 
$ier gefällt mir'£ aufjerorbentlich , unb tt»ie iriet lieber lebte 
ich fy* x m ^ *> er ©chnurfe als in Sertin. 3)a3 Sheater toäre 
bie einjige Entbehrung; benn toeldfje tyxxlifyt ©egenb ift 
hier, ttrie intereffaut bie alte ©tabt, toie Vortrefflich aßeS 
jutn Seben, unb ttrie leidet, fidft alles Entferntere ju toer* 
fdfjaffen! 

3m uralten S)om unb auf bem aßidfjelsberg ^obe ich 
recht gefctjtoetgt, in ber 9teftbenj bie fdfjöne SluSficht bettmn* 
bert an bem genfter, aus bem ftdfj ber alberne Serthier f^*' 
unterftürjte, unb ein SRaturalienf abinet h^* gefunben, baß 
burch bie ßeibenfehaft, mit ber eS fein Stifter unb Erhalter 



222 



bettmdjt, ba3 beftunterhattene ift r ba§ ich \t gefeljen. 
hätte ©ich amüfirt (um fo mehr, ba auch nid^t ber minbefte 
üble ©eruch fytx herrfdjt), einen Soge! ©traufc toon jtüölf 
gufj §öhe, unb baneben einen SPofibri, ber noch nidfjt fo 
groß ttrie eine ^orniffe ift, ju fehen, einen rabenfdfjtoarsen 
Äafabu mit gelber Srone unb ©dfjtoeif, atte^ toie lebenb 
auSgeftopft, Stetten, fo groß toie $afen, unb onbere liebliche 
Ungeheuer. 2)a§ Sljor, burch ba$ man eintritt, ift bie ffiinn= 
labe eineg SßallfifcheS u. f. to. 3toei Schmetterlinge mafjen 
über einen gufc mit ausgebreiteten glügeln, unb Serben mit 
S)unft gefdfjoffen ttrie Sögel, um fte §u fangen. 

Seiber regnet e3 beute, unb ich fann nicht ^erau§; benn 
eg bleibt mir noch fet)r t)iel hier ju fehen, unb ba ich fo 
gut aufgehoben bin, unb nidfjtS ju toerfäumen höbe, tt>erbe idj 
mich auch nicht übereilen. geh muß oljnebieS leiber fjier 
färben, c^e ich nadfj Sifftngen gehe. SBenn bodfj nur 3$uber 
ttneber SOtobe toürbe! tt>oÖte oteidfj eine SBattfaljrt be§= 
^alb unternehmen, benn biefe gärbeoperation chtyotirt mid) 
fdfjrecflich. 



S)er gute ®odfj $kx thut meiner ©efunbheit in ber 
%f)at mehr Sorfdfjub al§ bie Bt^^erigen S)oftoren unb äJte* 
bifamente. Sdfj ritt heute auf einem unenblich langen, un= 
enblidfj magern Stapfen, ber leibhaften 9tofinante, fünf ©funben 
taug fpajieren. 3uerft auf bie fyxxlifyt Slltenburg, gum 
%f)t\l noch betoohnbar, bie im fiebenten galjrhunbert gebaut 
mürbe, unb mit bem ganjen Serg unb einem Sortoerf öor 
jehn fahren für 8000 fl. fcerfauft ttmrbe. S)ie SluSftcht ift 
ttmnbertoott, ttrie überhaupt bie ^iefige ©egenb. 2)och 3)u 
mußt fte ja fennen. geh irrte nachher noch lange in Sßalb 
unb Sergen herum, ganj glüdftich in ber romantifdfjen Um* 
gebung, avec un excellent diner en perspective. S)u 
fiehft, ich fyaht feine @ile, toarum aber auch? 3ch toitt mich 
eine SEBeile tt>enigften3 gehen taffen, unb hingeben bem Schiefe 



©en 20. 




223 



fatgfjaudje, too er mity Ijinbtäft ober jurücft)ält. 3)ie raftlofe 
Xljätigfeit unb ©orge I)at ja aud) ju tuenig geholfen ! biet* 
leidet fä^rt beffer, tt>er fidfj forgloS bem gatum in bie 
2(rme ttrirft. 

Stein Sou 



12. 

Sßücfler an Sucie. 

^Bamberg, ben 26. guni 1834. 

Senfe Sir, baß ber amerifanifdEje Sonfut in baiern, 
ber tjier tt>ol)nt, midj mit §öftid^fcitcn überhäuft, unb mir 
fagt, in ben bereinigten Staaten fei fein Sinb, ba§ mid) nicf)t 
f ernte, unb tuenn idfj Einginge, toürbe idfj bort empfangen 
iuerben tüte Safatjette. C'est vraiment drole. SSier Sage 
lang Ijabe idfj auf einer ©£furfion in ber ©egenb toon SRug- 
genborf jugebradfjt,' unb midj biefe $eit über fe^r gtücftidfj in 
ber fdjönen SRatur befunben. Sort finb tounberöoße 9tuinen 
mit bem ganjen betoalbeten berg nodfj für einige ^unbert 
©uföen ju faufen, unb fein äRenfcfj t)at ^ier einen begriff 
baöon, ttrie fo ettoaS benufct Werben fönnte. 3dfj befudjte 
bie nodfj betüofynte bürg ©reifenftein, bie einem ber reidjften 
Herren in baiern, §errn öon ©tauffenberg, gehört unb einem 
©djtt>einftatt ät)nlid£) falj. gurdfjtbar ttmr ber engtifdEje 
©arten, unb überaß atte^ £errtjdfje£ jerftört, um toafyn* 
finnigem unb fteinlidfjem bleuen 5ßlafc matten. 

Snt ©efdfjmacf unb Somfort ift man Ijier nod£) triel 
toeiter $urüdf, dlä bei uns. SBaS aber götttidfj ift, ift ba3 
bier, frifd) aus ben geffenfettern \ 

©cf>nucfe, idf) bin nun audfj eine biertonne geworben, in 
ber ftedft 

Sein treuer Sou. 

Sine fctjredftidje Unannehmlichkeit für midfj ift mein 
3äger; fürt erfte ift er unjutoerläffig mit meinen ©adjen, 



224 



unb of>ne eine Spur bon Slttadfjement für feinett §errn, ober 
ben Sßunfcfy, e§ tf>m redjt $u magert. 3)a3 ©dfjftmmfte aber 
ift, baß feine ©efunbfjeit fo fdjlecf)t ift. «He Stugenbficf 
tütrb er untoot)!, unb feit fedfjg Sagen liege icf> nun feinet- 
toegen in Samberg feft, oljne Sebienung, unb er im Sette 
am gieber. 



13. 

Sucte an Sßücfler. 

SBerttn, ben 28. guni 1834. 

Xljeurer 2ou, 

— 93erlin ift neuigfeitStoS im Ijödjften ©rabe. S)te 
9teife be3 Äronpiinjen nadfj Petersburg, too er empfangen 
toirb tote ein ^atbgott, beim ba3 finb eigentlich bie Segittmen, 
ba3 ift nädfjft ber §ifce, Worüber man Kagt, ba3 fteljenbe 
©efprädj. Unferem bereiten Äönig feine Uljr ift aufgejogen 
nadE) Xeptife $u reifen. SRorgen ift eine g&e df)ampetre ju 
®^ren toon $rin$ ®arf§ ©eburtStag in ©tienife, baS fo 
oertroefnet ausfielt toie ein Xljeit ber großen SBüfte. 2lucfj 
auf ber 3foIa Päon6 ift e3 troefen, aber feljr tjübfdfje 
Sauben falj id(j, tounberfdfjöue SRofenbäume (bie ©idjen toaren 
nodfj IjerrlidEjer), unb SRebenantagen in Sogengängen, toie 
einen SHumpg bloß in grünen ©d&attirungen, mit 5ßflanjen 
oon einem rotten 93Iatt ; bieg toar oortrefftidfj. 

•Kein ©arteten ift jtoar fetjr nieblidfj, allein ber 33Iumen* 
fd&mucf feljlt gan$, unb noclj Ijabe iä) toentg baöon profttirt. 
Sreffon reift auef) toeg, befugt ben SRtjein, um feine ©Itern 
ju feljen. SRinto fommt, toie man behauptet, in'S englifdje 
SKinifterium. 9lipeaupierre finbeft S)u in Äiffingen. — 

2tbieu, mein liebet, liebet #erj! — ©ott fegne unb 
©Ott fütjre ®id(j. ©ern fügte ict) nod£> mant^eg bei, allem 
ba$ Ungetoiffe läljmt midfj. ©taube inbeffen, baß xä) mit 



225 



£erj unb ®ebanfcn jroar unaufhörlich ©ein bin; bic Sraucr 
aber mich bon ©ir leiblich getrennt ju fetjen, ber SBurm ift, 
ber an meinem Seben nagt. 9(Ifo nicht ju lange! — 
©eine treue Sreunbin 

s. y.m., 

ober ©chnucferle. 



14. 

Sßücflcr an Sucie. 

Bamberg, ben 30. Sunt 1834. 

5Run ^abe idf), mein gutes ©dEjnücfchen, ©eine ©riefe 
galten unb Verfehlungen. @3 freut mich fehr, bafc ©u 
tt>ohl bift, unb ©eine Stimmung leiblich toenigftenS! 3ch 
fürchte faft, mehr werben toxx beibe auf biefer SBelt nicht 
erlangen. SRefignation ift freilich ein f ataleg SBort, aber 
tvo nid£)tg anbereS übrig bleibt, ift e3 frcilid^ toeife anju* 
toenben. Schhobejefct auch neue gute Urfadfc baju, benn meine 
3Rauuffripte finb nicht angekommen, unb ich toeife burchauS 
nicht tüaö aus ihnen geworben ift. ©inb fie berunglüeft, fa 
fi ub bie 3000 %§akx mit ihnen $um Seufet: 

©ein S3ilb in 2tte£anber£bab mit Kornblumen ift fehr 
lieblich, unb brum f)at e§ mir bort fo gut gefallen, überaß, 
ich toufcte fdbft nicht marum! 



15. 

5ßücfler an Sucie. 

Samberg, ben l. Suli. 

Siebfte ©ehnuefe, 

3Kit bem unglücffetigen Qäger bleibt eS immer beim 
Eliten, er liegt im Sett, flagt über ©d&toäche unb ©dfjttmtbel, 
fann nichts effen, unb ich f c he ber ©ad&e fein @nbe ab. 

qjücfl^r, 33Ttcftt>ed?fcl unb lagebüdjcr. VIII. 15 



226 



Slbenbö. 

@3 ift nun, ba i(f) fo lange ^ter aufgehalten mürbe, in 
$if fingen fein 2ogi£ befommen fann, auch burch ba3, toa£ 
$u fagft fotüot)t, al$ tvaä ich fyöxt, bie bortige SSabefur auf- 
gebe (um fo mehr, ba ich jefct gefunb bin), unnüfc für mich, 
nach SDtünchen ju gehen. ®a£ Steifen mit öier Sßferben :c. 
foftet 5U Diel für meine SBörfe. S<h toerbe alfo öon SSür^ 
bürg aus, tt>o idfj mein SJianuffrt^t erwarte, tt>a3 in toenig 
Sagen bodfj anfommen muf$, toenn e3 nicht gan§ toerloren 
gegangen ift, ben Säger jurücffdfjicfen, unb bie Sßagen auch, 
ober ihn bort fielen laffen, unb atiein mit ber Siligence 
bireft nach $ari3 gehen. 9tbrefftre alfo Seine ©riefe öon 
nun an borten an unferen ©efanbten ober poste restante. 

3um grühiahr fpäteftenS bin ich getoijg lieber in 
3Ku3fau ober bodtj 2Infang3 ©ommer. 33i3 ba^in mufjt Su 
Sief) fcfjon gebulben, ©chnütflein, benn e^c ich tooHe 50 bin, 
mufj ich nod^ ettoaS öon ber SBelt fe|en, fonft habe ich fpäter 
gar feine 9tuhe mehr. 9ltfo barin ftöre mich nicht! Sefto 
freubiger Serben ttrir un3 bann hneberfinben, unb beftomehr 
toerbe ich Sir §u erzählen höben. 

3Ba3 Seilte eigene Steife betrifft, fo jerftreue Sich ein 
toenig bamit, ba§ ift bie £>au£tfad(je, unb öon großem (Sitt* 
flufc auf Seine ttrie meine ©efunbheit, toie ich oft bemerft. 
SSon mir erhältft Su balb Weitere Stacfjricht; hrnre ich nur 
erft mit bem unerträglichen Säger in'3 Steine, ber tt)te ein 
SBIeigetoicht an mir hängt! SSon SSür^burg aus f treibe ich 
ausführlicher, toenn ich mich erft felbft orbentfidj befinnen 
fann; benn bie SSertegenheit mit biefem fefct aHe3 in'3 Un- 
getoiffe. 

Sch füffe Sich her^li^. 

Sein treuer Sou. 



227 



16. 

dürftet an Sucie. 

Samberg, bcn 4. 3ult 1834. 

£erjtiebfte ©dfjnucfe, 

2Bie Ijängt bodfj alles in ber SBelt an Älcintgf etten ! ! 
®ie ungtüdffetige ®ranff)eit meinet $äger£ unb bie Unmög* 
ftdjfeit iljn tjier (einem großen 3)orfe) ^u remptaciren, fo tote 
ebenfalls bie Unt^unlic^feit bei meinen £aarbebürfniffen, 
meiner SRenge ©adfjen u. f. to. mi<$ ot>ne einen Liener in 
bie üornefjme SBelt nadf) JHffingen ju begeben, tjaben midf) 
nm bie gtänjenbfte (Megentjeit gebraut, bie mir nodE) je toor= 
gefommen tt>ar, unferen £auptytan enbftcf) erreichen. 
3rreilic!j War ber 2lu3gang ungetoifj, ja toieHeicf)t untoafjr* 
fcfjeinlicf), aber bie Umftänbe bennodfj Ijödfjft günftig, nnb aßeS 
t>on mir fe^r gefdfjeibt angelegt. Seiber fann idfj mid£) fdjjrift* 
lidfj nidfjt barüber auSlaffen, münbtidj einmal ba£ Stöbere. 
@3 fott Ijatt nidfjt fein, unb biefer 3ufafl ift be3 böfen 
©eifteS SBerf, ber mid) Verfolgt! 9iun ift e3 ju faät, et il 
faut Toublier. 



17. 

^ütfler an Sucie. 

Samberg, ben 5. Suli 1834. 

StttmS @ute3 f)at ba3 ©glimme bocf) immer — fo 
£jabe idfj lieber gelernt, midfj felbft §u bebienen, unb nodfj 
metjr ba§u, nämlidEj meine ©tiefein ju lacfiren, unb mir 
bie $aare felbft 'ju färben. 2>ie£ finb jtt)ei große fünfte, 
bie mid£) fet)r unabhängig machen. SBtit ber ©efunb^eit gefjt 
e3 and) nod^ immer redjt gut, toiemo^t nidjt meljr ganj fo 
gut, roeit mid) ber lange 9lufentf)alt Ijier ju langweilen 
anfängt. 



15* 



228 



18. 

Sßücfler an Sucie. 

Samberg, ben 12. 3uli 1834, 
frity 9 Uljr. 

Siebfte Sucic, 

SDlittagS jielje idf) enblid£> ab, nid&t otjne einige Samen* 
titionen, midj öon fo mancher getonter 93eqnemlict}feit, unb 
felbft ber eines 3)iener3 trennen ju müffen. Snt 49. %afyx 
ift man bodfj nidfjt mefjr 25 ; aber man muß eS bennod) fein 
fönnen, unb id£j roerbe es alfo fd&on burd&fefcen. 

3)a3 83oIf3feft tjatte eine große äRenge grembe tjer* 
gejogen, unb idEj tjabe bie Eroberung eines ber fdtjönften 
3Räbd(jen t)ier gemalt, malgrä tonte ma vieillesse, einer 
gräulein au£ 9tegen£burg, bie fomptett toerliebt in midfj 
ift. C'ätait un trös agröable passetemps. Sludf) meinen 
Setter garrenbadf) Simburg tjabe idfj mit feiner grau, Softer 
meiner alten SBotljmer fennen gelernt. ©in feljr artiger, 
KebenStoürbiger SRann, qui rappelle beaueoup Tettenborn 
dans ses maniöres. II m'a comblö d'ägards et d'hon- 
n&etes comme tout le monde ici. Mais avec tout cela 
c'6tait un bien triste säjour, quatre semaines ä Bamberg 
k ne rien faire et k perdre tant de belles occasions, 
oljne e3 önbern #u fönnenü 

®inen $errn gri| bon aßündfjtjaufen au3 33raunfdfjtt>eic| 
lernte idfj fennen, ber mir gar üiel bon Seiner ©rajte 
unb Siebtidfjfeit erjä^It t>at. 

2luf bem 83oIföfeft führte idj feine junge Softer, unb 
ttrir berforen i^n fo tompUt, baß idfj ben ganjen Slbenb ba§ 
äRäbdEjen in £)ba<fyt nehmen mußte, oljne ben SSater je roieber* 
gefeljen ju tjaben. ©lücflidfjerroeife fanb idf) am ©nbe be§ 
©dfjaufpielS, rooljin idj mit iljr gegangen, eine Xante bon ifjr, 
ber iclj fie überlieferte, unb bort mar e£ audfj, roo id£) bie 
93efanntfdfjaft ber frönen Xtjerefe ^uerft madfjte. 



229 



@in §err bon Sßambolb, Storniert aus äKainj, ttmr 
audfj aufterorbentlidjj artig für midf), ein alter biefer JBoniri* 
fcant, ber midj ungemein in Stffeftion genommen. 3$ toar 
aber audfj felbft fetjr artig in Samberg, feljr Ijerablaffenb, 
ofjne 2lntt>anblung bon beleibigtem $odjmutf), toeil midj alles 
f§ttrte. 

9Rit ber ©efunbljeit getjt e$ leiblict), oljngeadfjtet ber 
fd&recflidf)en #i|e. 

Qefet muf$ idf) 3)ir aber fagen, bafj idj eine ganj fcor* 
trefflidfje $erfon fjier gefunben Ijabe, beffer al3 alles, toaS 
nur je bejahen, nämlidf) eine auSgejeidjnete Äödjin unb Sn* 
fpef torin , bie neun ga^re bei ®raf ®effetftabt, t)ier Saljre 
bei ©raf ©tabion unb brei bei bem berühmten ©ourmanb, 
3Rinifter £aaf, ber julejjt t)ier pribatifirte, unb jefet an einer 
Snbigeftion geftorben ift, gebient tjat, burdj toeldjen 2ob fie 
frei ttmrbe. ©ie ift jtoar fd&on toieber engagirt, toiH aber 
ju un§ fommen, unb toenn fie e$ gettnfj toeifj, auffagen; 
lOO ©ulben pour tout potage jäljrtidfj, 2Beit)nadfjten u. f. to. 
atteS eingefdfjloffen, toäre ber $rei3. münfdfje fie fe^r 
für äJhtSfau, unb t% ift eine eyjeKente *ßerfon für Drbnung 
im #aufe. 9lHe3 t)ier ttriö fie ^aben, unb bie ®elegent)eit 
barf nidfjt toerfäumt toerben. ©ut, fanft, orbentfidf), fleifng, 
fläfjlidfj, unb confommirte feine ®ödf)in ift fie. 

engagire fie ttrie ßouiS auf SebenSjeit für midfj, 
unb S)u betjälft bie alte. 

äCbieu, ©dOnucfe. 



19. 

^ütfler an Sucie. 

Söürj&urg, ben 4. 3uli 1834. 
•Keine tjerjtiebe ©dfjnucfe, 

3d£) Ijabe mid& öor bem heutigen Sriefe immer ein 
rpenig gefürchtet , abereS tjilft bodfj rixfytä, idfj muß i^n 



230 



fd&reiben, unb toenn 2)u nur ein bisdjen Vernünftig unb 
ftanbljaft fein toittft, fo fann er 3)idj meber ängftigen nodfj 
betrüben. 

5)u toeijst e§ of>n* Bmeifet fdfjon burd) bie nimmer 
rutjenbe gama, bajs ber Dberft Surfet, toafjrfdEjeinlidfj bon 
Uebelintentionirten aufgebt unb fdjtoadj am ©elfte, einen 
2trttfet in bie Stilgemeine Bettung Ijat fefcen laffen, ben iä) 
mir Ijinfidjtlidj ber 9llbern^eit nidfjt beffer toünfdjen tonnte, 
ber mtdfj aber boef) gelungen Ijat (benn ba§ Sein Sou 
alä ein $ottron in ber SBelt angefeljen merbe, fannft Su 
bodfj oljnmögftd) tüüufd^en) fo ju antworten, toie idfj geant= 
toortet. 

63 ift bamit nodfj feine^megS gefagt, bafj ein Suell 
ättnfdfjen uns unbermeiblidfo fei; aber e3 ift atterbingS jefet 
leidet möglidfj. gdfj fetbft gelje ba^u toie ^um Sanje, unb 
fjabe gar feine Qlbee, bafc e§ fcfjted&t für midfj ablaufen fönnte. 
Su giebft biet auf 2It)nungen, affo tfjue e3 audfj biegmal. 
UebrigenS ift e3 Stjortjeit, fidfj über Singe ju grämen, bie 
erftenS ungettrifj, unb sloeitenS nod) gar nid^t einmal ba finb. 
SSenbe alte Seine Siebe für mid) an, mir gutes ©tüd gu 
toünfdjen, unb mein betragen ju billigen, toie e3 t)erbient — 
tötS toirb mir ein größerer 93ett>et^ Seiner Siebe fein, aU 
nufctofeS unb eitles klagen unb Sammern. 

Ser ^toeite Sßunft, liebes £ers, ift 2tmertfa. 

Sebenfe, bafj e§ mir ein toaljreg 93ebürfnif$ ift, etje idfj 
ju alt toerbe, nodfj frembe Sänber 31t fetjen, unb baß, tfjue tetj 
eS nidfjt, nur SDtijsüergnügen ju $aufe midfj erwartet. 28ie 
reidfj merbe iclj baburet} in ber Srinnerung jurüdfommen, unb 
Su, mein ©dfjnüdtein, toirft biefen 9teid£)t!jum aud) teilen. 

UebrigenS ift e£ bei bem SSerf olgungSgeift , ber jefct an 
einigen Drten gegen müf) ljerrfdfjt, üießeid^t red&t gut, i^nen 
eine SBeile au£ ben 9lugen ju geljen. Schreiben aber toerbe 
idfj tjäufig, unb aud) üon Sir ertoarte id) jeben SÖtonat einen 
83rief in SJieto^ort ben JRot^er beforgen mirb. 



231 



tSitt fernerer 9leifeplan fann nicf)t eyiftiren aU ber . 
mehttge, unb ^um £>erbft 1835 bin icfy lieber in 2Ku3fau. 
3)a idfj aHein oljne 5)iener reife, toerben auef) bie Soften nur 
fetjr mäfcig fein. $urücf gefje id£) über Teneriffa unb 9Ra= 
beira, Siffabon, äRabrib, SSalencia, SRarfeiße ober SßariS. 

Sei atfo gut* lieb unb üernünftig. 3$ &tn je£t moljt, 
rüftig unb in befter Stimmung. SJerbirb fie mir nirfjt, 
fonbern erfjötye fie aefjnfadfj, benn nur 2>u fannft bog eine 
unb ba3 onbere. 

Sdf) füffe ©icfj öon ganzer (Seele, mein anbereS 
bleibe mir treu, fei Reiter, benn ber 9Kenfdfj fann biel burefj 
ben feften SBißen, fiel) ba3 2fngene^me ftatt ba§ liebele, ^offc 
ftatt §u fürdfjten, unb benfe, bajg ödster Siebe feine @nt^ 
fernung, ja felbft bießeidfjt ber £ob nid£)t — ettoa3 an= 
I)aben fann. 

2>ein Sou. 



20. 

Sßücffer an Sucie. 
* granffurt, ben 17. Suli 1834. 

ßiebeS |>era, 

Seinen biefen, guten Scfjnucfenbrief bom 6. Ijabe id£) noefj 
gtüdftidfj ^ie^er nadfjgefenbet erhalten, unb e3 t^ut mir jefct 
fefjr leib, 2)ir meinen legten gefd&rieben #x tjaben, ba S)u 
am @nbe barau§ ^uerft erfä^rft, toa% aße SSelt fängft toeifc, 
nämlidfj bie Annonce be3 Dberft Surfet nebft meiner 9lnt- 
toort barauf. 

£art tft e§ für midfj, bafj idf) nun mein äRanuffript, 
toetdEjeS gar nidfjt naclj -Btündjen gefommen, gemattet) 
im Sti$ laffett mufc! 

S)ie^ t)ier SBodEjen in Samberg toareu aflerbingS ominös 
für miefy: 



232 



1) 2)a3 Scheitern eines planes, bcr alles ©ctoünfd^te 
überflügelte, burch bie elenbe Äranf^cit biefeö Sägers, 

2) bie Jiot^tpenbigfeit, midfj mm allein $u bebienen, 

3) bie noch immer ettoaS genante ©efdfjichte mit bem 
Surfet 

4) ber unglücffetige SSerluft aller bier Steile meiner 
SJlanuffripte. 

5) a3 erfte unb te|te ift tief empfinblich, bie anberen 
beiben toenig, unb ^aben überbieS beibe eine eben fo gute 
als fdjlimme ©eite, fo bafc idfj, toenn mir h^te angeboten 
mürbe, beibe ungefdfjetjen ^u machen, feljr ungelmfc fein toürbe, 
ob td) eS annähme, ja, midj allein berüdftchtigenb, gettufc nicht 

geht feljr gut of>ne 93ebienten, unb ba3 anbere nrirb 
auch gut gehen 

Sdfj bitte ®idfj nun nur alles, toaä S)u fannft, ju t^un 
um ba$ SRanuffript toieberjubefommen, too eS bann fogteich 
an £allberger gefdfjidt toerben mu&, ber abertirt ift. 

3dj ^atte in SJluSfau eine bunfle Sl^nung bon biefem 
Unglüd, ttrie t)on bem Säger. ©3 ift meine ©djutb, nicht 
barauf gehört ju haben. 

S)u fiehft nun hoffentlich, bafc ich nicht erttmrten 
lonnte, S)ich in Siebenftein $u fetjen, unb fdfjon in ber 
Hoffnung, bie berbammten 9Kanuffripte noch h°^°ft 5 U 
Serben, in ben ^tcfigen (Segenben noch länger bertoeilt fyofot, 
als ich & nach meiner Srflärung in ber Beitung berant* 
toorten fann. 

UebrigenS, gute ©dfjnutfe, hätte ein fo erneuerter furjer 
Slbfchieb mehr ©chmer^ un§ toie greube bereitet, fröhlicher 
ttnrb ba3 SBieberfehen über'3 Sahr in SJluSfau fein. SBenn 
ich au f a ^ e ^ antworte, toaS in Steinen ©riefen fteht, 
fo ift baS fein 33etoei3, bafc ich fie nicht gelefen, e3 fömmt 
bie 9lnttt>ort nach unb nach, unb ich §att e bit 3^tt über biet 
im Äopfe. 2tlfo feine SSorlmirfe, fie fchmerjen mich. 



233 



Sie Strnint fjat mir meine Sriefe nodfj nidf)t mieber 
jurüdfgefdfjicft, unb e§ ift bie SftöQe, 06 fte'3 c^rlid^ meint. 

Sei ber fdjrecfttdjen #i£e, bie aud) t)ier wie in 93erlin 
ift, Wirb mir jWar ber eigene Sebtentenbienft bo^elt ferner; 
idfj banfe aber bem trimmet, bafc idf) bog fatale ©eftdjt nidfjt 
mef)r felje, unb nadfj 9lmerifa ift auf feinen gatt ein beutfd&er 
Liener etwaä nüfce. 3df) bringe im ©egenttjeit t>on bort 
einen -Wegerfftaben mit, ©dfjnucfe. ©eljr freue idf) midf} auf 
biefe 5Retfe ; fjätte idj nur borf>er meine „Sutti grutti" gehörig 
unter bie |>aube bringen fönnen. 6£ ift biet bamit Der* 
toren, 3000 Spater unb einiget SRenomm^e. 

SBenn Su gefunben, bafc idfj etwas an 9l$tung berloren, 
fo ift e§ työdjftwaljrfdfjeinlidj be§wegen, Weit i<$ bie efjren* 
rührige Annonce be3 Dberft Surfei einen SDlottat unbeant* 
Wortet liefe , au§ bem natürlichen ©runbe, weil id£) fie nidfjt 
fannte. ©elbft ein 93rtef 9totf)er% burdj ben idfj e3 jugleicl) 
mit einem ©riefe ©dfjefer'3 erfuhr, War in biefer $infidf)t 
feltfam abgefaßt. 3<f) tjoffe aber, meine Slntwort Wirb ge* 
nügt unb audfj Sidfj gefreut fjaben. 

Sein 2ou. 



21. 

Sßücfler an Sucie. 

gtanffurt, ben 18. 3ult 1834. 
3Keine ^ersenSfdfjnucfe, 

9ßa§ Würbeft Su fagen, Wenn Su midfj jefct fäfjeft, Wie 
tcf> jeben SKorgen um fünf Ut)r atö ®ammerbiener aufftetje, 
um meinem £errn alles wof)( juredfjt #\ machen, au^upatfen 
unb aufjufteßen, bamit er um fieben ober adfjt Ut)r feine 
Toilette machen fann, bann mit bem tauberer auflabe unb 
im Schritt ben ganzen Xacj in ber glü^enben (Sonne faf)re, 
2lbenb§ angefommen, Wieber erft ben Siener, bann ben £>errn 



234 



mache, fur$ ein tvaijxeä Slrbeit^leben führe geh bin etma§ 
braun geworben, befinbe mich aber toot)t. 

geh tuuß mich einen Sag Ijier aufhalten, um t)on Slotfj* 
fdfjilb ettoaS ©etb ^u nehmen; benn ba3 roenige fcon SäRuSfau 
mitgenommene ift nun fo toeit alle, baß ich mich nicht fidler 
getraue, bamit nach 5ßari3 #x fommen, loo^in ich morgen 
mit ber S)iligence abreife, unb meinet immer noch großen 
©epadfö toegen für jtoei bejahten muß. gn Samberg, too 
meiu IjäuSticljeS 3Kat^eur mit ber (bieffeicht fingirten) Sranf* 
heit be3 gägerS anfing, tjabe ich meinen SSagen unb ben 
größten Ztyil meiner ©ffeften bei einem fe^r orbentlichen unb 
fiebern äRanne, bem Satttermeifter Schmauk, ^urüdfgelaffen, 
toofür icf) ihm monatlich jtoei ©utben gebe, bis ber SBagen 
nebft Sachen abgeholt toirb. 

gm gaff 2>u bieffeicht babon ©ebraudf) machen fönnteft, 
fd£)idfe ich S)tr ^ier eine 9lntoeifung; benn er barf oljne 
SSorjeigung biefer (um fidler ^u gehen) nidfjtä berabfolgen 
taffen. 

SW^ine ©efunbheit alfo ift tro£ ber (Strapazen redjt 
leiblich, unb ich ^abe feinen Summer, al3 nur balb nad} 
$ari3 §u fommen, unb über mein 9Kanuffript, toetdfjeS mir 
äff biefen 9lufentt)alt (unb boch umfonft!) berurfacfjt hat, 2lu§= 
fünft §u erhalten. 

gnbeffen finb meine 2lrrangement3 affer Orten h* n 
forgfältig fo getroffen, baß e3 balb in §aäberger'£ £änben 
fein muß. ®a3 Unangene^mfte ift nur, baß ich noch biele§ 
änbern moßte, tva$ nun nicht mehr möglich ift. II faut se 
rösigner. 

3d£) mohne ^ier im Schttmn in ber |)interftube, tüett 
nirgenbs $Ia£ ^u finben mar, aber recht ^eimtid^ nach bem 
§ofe t)inau3, unb bis je|t auch gtüdftidh infognito. 

8d(jnucfe, ich ^abe fürchterlich biet ju tl)un, unb mufj 
S)icf) bertaffen. SImüfire $>ich gut in Siebenftein, unb fte§ 
in bie ßufunft, loenn nicht rofenfarben, boch noch toeniger 



235 



fdjwars. Cela ne vaut vraiment pas la peine für btefe 
precaire unb ftetS Wanbetbare gjiftenj, bie am Snbe bodfj 
nur eine lebhaftere 9trt Sraum ift. 2U3 xd) buxd) Offenbar 
fuhr, fa^ ich bort eine wunbert)übfche ®alefdfje, bie ganj für 
Sich paffen mürbe. $iefe Seute f)aben enorme gortf dritte 
gemalt, unb ihre SBagen finb jefct faft ben engtifdjen gleich, 
ben SBienern fef)r überlegen. SDie E^aife ift oltoenbraun 
(eine SDtobefarbe) mit einem fehr ^übfd^en blaubraunen 
©eiben^euge auSgef plagen, gelbe Seiften unb foftet 140 $a= 
roiinen. 



22. 

$ücfler an Sucie. 

granffurt, ben 18. 

3n ©le. 

9lun üerftefje ich erft, toaä S)u bamit meinft, baß ich 
S)ir nicht antworte, benn ich befomme eben jefct erft brei 
©einer erften 93riefe mit ben roichtigften Sftadjrichten (ba£ 
^eißt, Wenn ich f* e S ur ted&ten $eit ermatten hätte). Bugteich 
befomme id) bie Sriefe SBarnhagen'S Welche bie „Sutti grutti" 
begleiteten, aber ohne biefe! Sitto einen Abrief bon 
5ßücfler (Shoma^loalbein) mit ben tyxxlidjcn Sßiftolen, bie 
mir jefct fo fchäpar Wären, aber feine Sßiftolen baju. 
3ft ba§ nicht, um ungebulbig ju werben? Slber ich werbe 
e§ nicht; benn idj h ö & c mir feft Vorgenommen, überzeugt ju 
fein, baß e3 gar nichts Unangenehmes giebt, unb in ber 
%fyat, ich fyabt im ©eifte eine ©chnellfraft, ber alles möglich 
ift. 3)ie Dftafcen meiner Seele höben einen ungeheuren Um* 
fang. Sie fann bie fchmächften unb bie ftärfften, bie tiefften 
unb bie haften £öne angeben. 

2Iu3 93arnt)agen'£ Briefen fehe ich, baß er mit ben brei 
testen Steilen ber „£utti grutti," überrafdfjt aufrieben 
ift unb ber 9?oöeße ba§ h ö $f* e ertheitt. Qu'en dites 
vous, Schnucke, qui trouvait tout pitoyable? 



236 



Pour comble de malheur ift feilte bag färben total 
mißlungen. Je recommencerai ä Paris. 

gcttal ift e3, baß iclj Seine 9tadfjricl)t über SierS 
unb Komp, ttidjt früher erhielt; bemt baß in ber 33re3* 
lauer $eitung etmaS geftanben, mußte id£j nidfjt. ge^t ift 
e3 moljt $u fpät, bodEj fenbe iclj {ebenfalls ein Somplar ber 
Slllgemeinen mit. ginbeft Su es für gut, fo lag e£ nod) 
f)ineinfe§en. #ier fagt man, „Sutti grutti" fei in Greußen 
verboten. 3>ft bie£ ttmljr ? ©treibe e3 mir gteidfj nadfj SßartS. 

ginbe idfj in Slmerifa (toie idfj bermutt)e) einen ganj 
frönen Drt, fo Ijole idfj Sidfj nadfj, unb wir üergeffen ©uropa 
unb feine SKetand^oIie. 



könnte moljt anberS' ba§ §erj, ba3 Sein ift unb $)id) 
liebt, als tiefgebeugt fein, unb in ©dfjmerj aufgelöft. Senn 
toaS ift biefe Trennung, außer ein falber £ob! 
Saju bie anbere 33eforgniß! 

©3 fjat baljer Sein S3rtef au§ SBürjburg midfj in ben 
un&ermeibtidfjen S^ftanb t>erfe£t, ber oft ein fted^enbeS SBe^ 
ift, oft bumpf mein inneres ^ernagt; bodj bei allen SDlög* 
lidtfeiten, öon Unglüdf, fcon SKißgefdfjidf für Sief), o mein 
Sou, midEj jerftören, unb für mein £f)eil nur mir benlroft 
ankeift/ bem ba£ fidfj für mein Seib balb $u öffnenbe ©rab 
gemäßen, ja fidler gettmljren mürbe. Soct} idfj liebe 2)icfj 
aud^ barin $u ^ärtticlj, um Siel) nidfjt %u fronen; ju fronen, 
inbem iclj bon bem fd£)lt>eige, ma3 eigenttidf) in mir öorge^t! 
Sa, icfj tviU Sir nur üon ber Hoffnung fagen — bie midj 
nidfjt öertaffen foß, baß, ttmS Su unternimmt, $u 
Seinem £eüe ift, baß bieS ©erlangen nadfj ber Serne 



Sein ßou. 



23. 

ßueie an Sßüefler. 



SBerlin, ben 20. Suti 1834. 




237 



öon 2lttem toa$ Sir t)icr toertf) fein fonnte, bieg 2luffudfjen 
eines anbeten SBetttljeileS, ber Stuf ift, ben Sein ©tüdS* 
ftem an Siel) ergeben Ii e § ! äRöge bie SBage tjier ftdf) 
neigen, Ijier mit reichlichem äRaafte. — 

©ott empfehle ich es an, mit jebem *ßul$fchlage, mit 
fjeijsen Spänen ber unenbltchften 3ärtlichfeit, ber SBürbigung 
©einer — ber Sroftlofigteit, bafcid&SidE) Verloren, Sich- 

83in fefjr franf in meiner ganjen ©emüthSberfaffung. 
SBohl ^aft Su e$ gut gemeint, mir Seine Sßläne nicht 
mitjutheiten, aber erfrort, berminbert Ijaft Su nichts, 
im ©egentljeit, tt>aS Seine liebebolle UeberrebungSgabe be* 
fdjttridjtigt, befänftigt hätte, eS fällt mit bo^elt neuer ©tärle 
um über mich ©infame! SBohin eS mich führt, tote i<$ 
miö) barin finbe, baS toeiß ich nicht ju beurteilen, benn 
nodj bauert baS lieber, bafc ber erfte ©Breden, baS gange 
Betrübte Scheiben, au<$ bie Seforgnife roegen ber ßljren* 
fache in mir aufgeregt! Sefinnung fyabt id£) nur eigentlich 
mit großer 9lnftrengung. 

©age nur, baft, als Su bon mir gingft, Su, Su felbft 
mirftich bie glätte ber Weiteren SReife aufgegeben ^atteft. 
@S gehört zu ber ©rhattung meinet Sutrauen^, meines 
©laubenS anSidE)! Senn bisher lebte ich ber unttmnbelbaren, 
ungefiörten Ueberjeugung, bafc, toenn Su mir audfj nicht 
gerabe alles gefagt, boch Su mir nie ettoaS gefagt Ijaft/ 
toaS Sir nicht SBahrheit toar. 3n Seinem 9lbfd^ieb lag 
jtoar ein fcfjtoereS Sofcretjsen tton 3KuSfau unb bon mix, 
bennodfj fanb idfj in Seinen Set^eurungen ber balbigen 
SRüdfe^r, in ber Bufage, bafc Su felbft bie ßuft an großen 
©ntfernungen unb längerem Ausbleiben berloren, ben ffiarafter 
ber treueften SBirftichleit! £ätteft Su mich fo täufdjen fönnen, 
fo tauften mögen! Sann Sou toäre jttrifchen uns ein 9Rifc 
berftänbnift ber ©eelen eingetreten, baS tote ein trübes -3^^en 
erfdfjiene! 



238 

SSor aßen fingen aber Beantworte meine Srage hierauf 
genau unb Mar, benn ein SDlißberftanb nodfj läßt fidl? töfen. 
2Ba3 fidj aber ^hufc^en %m\, wie nur, eimftat oerroirrt, ba3 
fäet ben ©ob be§ ganzen SSerfjältniffeS au§! Unb Sou, fterbe 
idf), fterbe ©u, ba3 wirb tommen. ©in anbereS 2lbfterben, 
baS üertjüte ber Snimädj tige unb bie emigeSiebe 
an bie idfj glaube, inbem ®u mir ifjr fidfjtbare§ 
Beiden warft im Seben. 

©ie Stugen ftnb fo t>crfd^Ietert, baß fte bie SBorte öer= 
f d&wimmen machen ; ©f)ränen aber beuten metyr nodfj oft an ! 
Sie benenn ©idfj ftrommeiS im ©eift, ©eine $änbe, ©ein 
£aupt* ba£ t^eure, ©eine ganje ©eftalt! 

Sdfj fegne ©idfj mit bem ©egen ber frommften «Su&er^ 
ftdfjt! 93el)üte ©ott ©einen Singang unb SluSgang, ©ein 
#er j, ©ein ©emütf), ©einen Körper, ©eine 6I)re, ©ein ganzes 
irbifdfje§ 2BoI)tfein, benn bie Sftatur ift Uebergang — 2eib 
unb ©d&merj, unb ber ©ob bie eigentliche SS o n n e. ©a§ 
Seben töbtet. 

S3in idfj, War id£), o mein lüber alles geliebter unb ge= 
fd^äfeter greunb, bin idfj, mar idfj ©ein anbere§ 3df), fo 
laß midf)^ bleiben, unb ©u glaube, Wo e§ ©ir gut gel? 
an bie ©reue, Wo bie ©onne über ©id^ fdfjeinen mag, 
an fie, Wie audfj, baß nidjt umfonft ©ein ^Weites ©elbft 
ötljmet; märe e3 nicfjt um mit ©ir $u t feilen, innig $u 
t feilen Wag ©idj trifft o ©u liebet, Ijoljeä, einziges 
SBefen. . 



24. 

Sucie an Sßücfter. 

Serltn, ben 24. 3uli 1834. 
fott ©id£) nidfjt betrüben, mein Sou, unb ©ir nidfjt 
anberS al§ ein auSfteljenbeS Kapital t)on Siebe borfommen, 
ba§ ©u Wert!) ad&teft, unb ©ir unüerbrüdjlidf) gehört — 
ber Kummer nämlic^, ben mein §er^ um ©idfj I)at! 



239 

3Ba§ fonnteft Du Don mir fetten, ttmre ich gleichgültig ober 
fo gefaßt, ats gingft Du auf einen Spazierritt au3. 2(tfo, 
wenn ich and) feineStoegS beitragen nrifl, Dir e3 fdjmer zu 
machen, unb mirftich audjmandje3 @d£)öne unb ©elungene 
bon deiner Steife ^offe : f o werbe ich barum nicht roieber froh, 
bi£ ich Dein Slngeficfjt ttneberfehe, unb Deine tfjeure tebenbige 
©eftalt! Da3 lieber, toobon ich neulief) fpradj, tann auch 
noch nicht bor üb er fein! 3u neu ift bie SSunbe. Dft, oft 
möchte ich bor SBeh bergehen, bann benfe ich an meinen 
Dob, unb — ba§, toa$ and) fomnte, biefer ja bodfj nicht fo 
fern mehr ift. D, mein 2ou, mein Sou! fotehe oft ganz 
fcfjmere SBeßen ober bielmehr fotehe tiefe 3tad)t fannte id) 
bitytx nidfjt. 

Der ©ebante, bä§ Du noch bis z unt 8. Stuguft in 
©uropa bift, befchttnebtigt mich noch ettt)a3. Slber, Wenn id) 
Dich auf bem SBettmeer toeifc, biete SBochen auf bem immer 
Dtd^ weiter führenben <Sd£)iff, auf beffen Srettern nichts alz 
tobte ©införmigfeit, unb ba3 grunbtofe ©lement Dich umgiebt, 
fetfranf, in aflerfjanb ©ntbeljrungen ganz einfam, ba fdfjttnflt 
mir ba§ £erz htmmerboll; ich meine, ^ätteft Du Deine Sreun* 
bin lieb, Du toürbeft fte gleich mitgenommen fyabtnl Doch 
ach', ach Wozu Reifen meine klagen. — Sßögen meine 
Sßünfche zu befferem 3iel führen! 

9?un höre: idfj weiß nidfjt, ob äkrnhagen ganz b xl 
trauen ift, ober ob e3 fein ganzer ®arafter fo mit ftch 
bringt, benn er ift nicht ©efüht*, nur fehr abgefdjjfoffener $er* 
ftanbeSmenfcf). @r meinte ober äußerte mir gerabe 1)txan$, 
„Dutti gruttt" fyabt Dir freilich biete geinbe gemacht, unt> 
nicht ben guten, angenehmen ©inbruef, tute ba3 frühere SSerf • 
t% fei barin oft eine fehr toitbe Saune, aber Dich barin zu 
rezenftren, würbe Dir Deine Snbibibuatität leicht rauben! 
®arum höbe er ftch ber Sritif enthatten. ©r meinte auch, 
3)u Würbeft beffer thun, mir ober fonft wem bie Sriefe ober 
9luffä|e zu Wibmen. Denn eben ba£ oft £arte unb fRüdf= 



240 



fidfjtötofe toerbe fidfj mitbern. Sumult genug toürbfen bic 
legten Steile geben, unb tt>a$ met)r bergleidfjen. Db er nur 
aUe^ lieft, toa3 S)u fd&idfft, unb ob er'$ recfjt am £erjen Ijat, 
bafc Sein 3tuljm beftelje, fotoie ein greunb nämlidE), auf ben 
fidf) ganj ju t)crlaffett ift? — SBaS midO anbelangt/ fo finbe 
ity ttrirffief) in ben ©riefen ganj ba£ £ers, ttmS S)u mir 
mirfliclj offenbarteft in ben „Sutti", S)eine eigentliche ®e- 
fimtung gegen bie SBett unb bie 3Kenfdf)en! ^Ifo boefy biet 
©eringfd^ö^ung itjrer, #oljn audj, unb eine heftige S^onie. 
SRein treufter 9tat§ ift alfo, ba£ 2>u nact) biefer fdf)arfen 
Sauge bodf) ettoaS ©erfötjnenbeS ber Sßett übertief erft, unb 
too mirft ®u mef)r ©toff finben, als toof)in ®u gefift, unb 
mef)r ®elegenf)eit baS Somifdfje toaä 3)ir begegnet jtoar mit* 
5utl)eilen, boefy nie perföntidf) ju machen, ©erjeif) biefen 
SBinf, unb toenn id£> fage, f dfjreibe mir, fo toill id£) bamit 
meiner ©itelfeit fein Dpfer Ijaben. 3)enfe nur an midfj babei, 
unb aU toenn ®u mir fdfjriebft, benn id) bin ttrirfluf) eine 
SluSnafjme, unb $)u für midfj immer eyemptarifd^ gut, milbe, 
tieblict), üoß ©emütf), S'raft unb ©rajie, bift gegen Slnbere 
oft fatt, ftedjenb, nrie mit einer ©iSrinbe überwogen, ©itte, 
mein Sou, nidfjt böfe fein, nid&t jürnen, bafc idf) ja bie §anb 
unb ifjren 3)rudf fü^Ie, ben Drud beS gnäbig tiebenb 
fein. — 

SJtodf) eine unb anbere Stimmen prte ict} gegen „Sutti 
grutti", bie alle etyrlidj e3 fo faft toie idj au3fprect)en Unter 
anberen SBinbifdj, ber eine Steife nadfj SRügen gemadjjt, unb 
öiele Urteile gehört, too freilidjj bem ©erftanbe ein grofe 
Sob gegeben, bo<f) ba3 ©anje nicfjt fo entljufiaftifdj als bie ©riefe. 
S)ie gran$ofen f)aben eine Ueberfe^ung angefünbigt, toorin 
fie ben Site! baljin abänbern, baf$ fie baS ©udfj „De tout 
un peu" nennen. Sdfj Kwß ntd^t, ift e3 ©ruft ober nur 
fatyrifet}. 6§ ift auefj ein $iemlid) tooljlgetr offner Steina 
brudE öon ©ropiuä Ijier ju Sauf gebracht, worunter ftet)t 
„gürft $ücfIer*äRu$fau, ©erfaffer ber ©riefe eines ©er- 



241 



ftorbenen in ©toil". -JleulidE) tooUtc jemanb Don ber fiel) 
meljr unb metjr äufcernben ffultur in bcr Surfet unb 
<Sried(jentanb reben. @r führte ^um SeWeiS an, er t>abe bie 
^Briefe bort in einem ©aftfjof gefunben. s 2ld), 2ou, idj fdfjwa^e 
Wofyl fdf)on tue! ju UnbebeutenbeS für SßariS. Sßie Werbe 
iclj midfj nod) weit me£)r für Steutjorf befd&ränfen müffen! 
Unb wie fürchte icf) micf) t)or ben langen, langen 8toif$en= 
räumen, wo idj ganj ofjne 9tad(jricf)t fein Werbe. Denn, 
Wenn adf)t Sage toergeljen, unb id) fjabe feinen 33rief, ift 
eS mir, als wenn id& mid) fcon einer ©eelenfranffjeit befallen 
f änbe ! 

©treibe mir bodfj ja redjt urnftcinblidEj, unb fo baS gan^e 
33Iatt auSfüllenb. 3Re^r tobt al£ lebenbig Werbe idf) @onn= 
abenb fortreifen. 

Die 2lrnim u>ar Wieber Ijier, unb entjürft über 93 e ttina 
unb Deine Steife, ©ie fenbet Dir bie jWei erften Steile 
ifjreS 33udfjeS, benn iclj f)abe bafür reponbirt, Du Würbeft bor 
2Beit)nadjten eS niemanb mitteilen, Wofür fte fiel} eibtidfj ber s 
bürgt §at. SSiel ©c^öneS ift unfehlbar barin, Dein 9tame 
auf bem erften Statte fdfjon. 

Scfj reife Sonntag; in ©ifenadf) finbe idf) GfaroIatfj'S, unb 
$el}e nidfjt Weiter, wenn mid) baS Steifen ju fetjr angreift, 
al§ bis Siebenftein. 83on t)ier weif* id) nidjtS ju fagen: eS 
ift fo Wie idf) mir Kairo üorfteße. 9tunbum SSüfte, unb 
immer ©tut§. 

„Sutti gruttt" ift §ier nidjt verboten, aber bon allen 
$opff)ängern berpönt. 

SBenn Du fagft, Du willft, um ju froren, oljne Diener 
reifen, möchte idfj bezweifeln! 3n 9KuSfau §at jeber Deiner 
Seamten Diener. Sßie Diele tjaft Du bort nodf}, unb id)! 
Steber troden Srob effen, als Didfj in einer folgen ©6ne 
Wiffen! $dj fdfjftejse nun t^eureS £>erj. 8ld), WaS möchte 
tdj Dir nodfj alles Siebes fagen! SßaS für #ulbigung bringen! 
— Dir greube, Sroft, Hoffnung jufpredf)en! ©in -fte^ über 

$ü£f,ler, ©riefroedjfel unb lagebücfrer. VIII. 16 



242 



3)idj fpannen, ba$ alles 93öfe, ©glimme abhält. Den 9ting, 
ben £)u nod& öon mir trägft, idfj tüet^e iljn jum SattSman. 
©o oft 5)u iljn mit Erinnerung an midj anfielt, fo oft 
flöge er 2)ir SDtutl), ©etbftbertrauen ein, milbere aber Steinen 
f leinen Uebermutlj, foHte er meit gelten, unb 3)ir Schaben 
bringen. 

Stein 2ou, mein greunb, mein geliebter ©oljn, fei ge= 
fegnet, gefegnet, gefegnet! Stuf midf) jäfjle im $)afein, unb 
birgt midj bereinft ba3 ®rab, fo fd)reibe ®tr barauf: ©ie 
Jjat midfj geliebt, ©ie tjat midj gefegnet. Sie f)abe \<fy be* 
gtücft. — S)ie Sljränen foffen audfj babei fein. Sebe mof|t. 



25. 

cf ler an Sucie. 

<ßari§, ben 26. ^uli 1834. 
•Steine aßerbefte unb attertiebfte ©ctjnucfe, 

2) af$ idfj nodf) eine ytä)t Statur Ijabfc, ift mir Don neuem 
baburdfj beriefen korben, baf$ idfj bon granffurt ^icl;cr mit ber 
großen S)iligence in brei Sagen unb üier Städten t)ergereift 
bin, o^ne »in biefer $eit miefj toeber auSgejogen ju tjaben, 
no<$ auf ein Sett gefommen ju fein. £>ie fürchterliche $tfce 
babei, unb bennodfj mar idfj nidf)t mübe, aU idf) anfam. £>en 
anberen Sag ffltigraine, unb tyeute munter unb frifdf). 

3) af$ idfj unter ben öieten SSriefen leinen öon T)ir fanb, 
betrübte midj fe^r, um fo meljr, ba ein ®iftdfjen mit ber 
Slaffeemafdfjine (für bie idfj feljr baute, unb fie bereits benufce) 
ba mar, aber otjne Schreiben. 

$ari3 Ijat unglaublich berloren, unb toirb, toenn eS fo 
fortgebt, balb SBien unb SSerlin nadjfteljen. Stämme man 
if)m bie 3teftaurant3 unb bie Saffee'S, fo märe eS ein $)orf, 
unb nodj ba^u eins ber fdfjmufcigften, bie eS giebt. 



243 



3$ fabe nocfj niemanb gefetjen als $errn öon Staffier 
unb SJlajor Äter (©efanbtfdfjaftSperfonal) unb SJlecftenburg, 
benn SBertljer ift fcerreift, um bem Sulifcftc aus bem S33cgc 
ju getjen. Sogirt bin id) redfjt gut unb ftitt, Hötel du 
Danube, Eue Richepense, boulevard de la Madelaine, 
mo^in Du Deine 9lntroort abreffiren fannft, benn trierjefjn 
Soge üon bato toerbe idfj nod) öermeilen müffen. 

Slenfitge Dicf) öor allem nicljt toegen ber ^Iffatre mit 
bem Dberftert. @3 ift feljr möglich, bafc fie ganj friebtid) 
beigelegt toirb, unb too nicfjt, fo fjaben fiefj jefct enbficf) fo~ 
toof)t bie mir t)on Sßüdtter übertaffenen Sßiftoten wie bie 
Sftanuffripte gefunben, unb too? 33et Sauffircf), ber über fein 
^otjenburg atte3 bergeffen tjat. Die äRanuffripte finb nun 
(freilief) unforrigirt) an £attberger abgegangen, unb bie 5ßi= 
ftoten ermarte idfj tägtidfj. @£ mirb aber maljrfdfjeinlicfj ju 
nidjtS ©rnfttidjem fommen, natürlich fo, ba§ feinet @r;re 
barunter leibet, roa§ Du bodf) felbft nidfjt toünfdjtn fönnteft. 

Stt ber großen Dper tjabe id(j ,,©uftat>e" gefetjen, ba£ 
aflerbingS ein fcIjöneS ©d^auf^tcl ift, aber au$ ba3 einzige 
Xtjeater, ba3 nidfjt üertoren, fonbern burdE) einen genialen 
Kntrepreneur nodj gehoben mürbe. 93et bem SRa^lenbaö 
brennen 2000 2Bacr)3lidfjter auf bem Sweater. Die gute 
Südfje im Caf6 de Paris ift audfj eine erfrifdfjenbe <SadE)e, 
fonft aber ift menig S^ftteuung, unb id£) münfdfjte, id£) toäre 
mit Dir, meine <Scr)nu<fe, unb Du mobil genug, midEj überaß 
f>in ju begleiten. Dann fehlte mir nidfjtS. Steine §aare 
unb Doilette finb in gutem Staube, unb bie ©efunbfjeit aud), 
$ur guten ©tunbe fei'§ gefagt, atfo fei auef) Du (über mid)) 
Reiter unb öernünftig. 9Rit größter ©etwfudf)t ertoarte idf) 
Deine Slnttoort. tüffe Didfj fcon ganzer ©eele. SRorgen 
mefir. SSraffier fömmt. 

Dein ettrig treuer Sou. 



16 



244 



26. 

Sucie an Sßücfler. 
Z$eurer über alles geliebter ßou, 
SRit toetchen Schmerlen — fchreibe ich biefe legten 
Seiten, bie 2)idE) erretten fotten, toährenb $>u noch auf biefem 
SBelttfjetl bift! (£3 ift ein Stbfchiebnehmen, ba£ mich bte auf § 
Snnerfte meiner Smpfinbung ergreift, unb 2>od£) ttrillft £>u 
©tanbhaftigfeit, bodj trnUft ®u «eine ®tage! SBürbeft £>u 
aber, ba 2)ir meine Siebe, meine Sreue, Slnhänglichfeit toertl) 
ift, nicht felbft Dich unbefriebigt füllen, fcermöchte ich leicht 
ju tragen, toaS ber Statur meiner ©efinnungen nach mtdfj 
töbtlidfj trifft. $)enn, o mein Sou, mein heißgeliebter 
greunb, mein ©injiger, baS ©ettridfjt biefer Trennung, nrie 
fcljtoer, toie übertoiegenb ift eS, allem, toaS id) bisher er* 
fahren! SBo^t fagft 2)u, e3 fömmt immer anberS toie man 
e3 badete; unb nur, toa£ mir befcorfteht, bieS fann faum 
meiner 33orau3fid(jt auf ber einen ober anberen SBeife festen, 
bie unter uns auftöfenb, abbred^enb, ben Umgang ftört unb 
aufgebt, ber ber ^öd^fte ©enufc meinet ganjen Sebent getoefen! 
Sa, mich ttrirft ®ein ©ntfchtufj bodj in Stacht jurütf. <£r* 
innerungen jtoar bleiben, fie finb glän^enbe Sterne, ad), bie 
man gern betrachtet, nie aber ju erreichen öermag. 
@o toirb e£ aud) mit mir tommen, unb, ioie gefagt, auger 
baf$ e3 2)idEj tuetteidjt 3)einen SBünfchen näher bringt — unb 
überhaupt ®ein Beben bereichert, toa£ meine freubigfte £>off= 
nung ift — fo aber lägt e£ mich in ber traurigften Verarmung 
in allen toaS mid) perföntich biäljet reid^ unb glücffelig 
gemalt! Sßeiner Saljre %a$l, mein batb gefdjloffeneS 2>a= 
fein, barin nur fann ich nod) Xroft fudfjen! Sroft! nein, bie3 
SBort pafet nicht. ®ie 9teftgnation, baS 2lbfterben, ba3 ift 
ber rechte 2lu3brudf! Unb bie Sßehmuth, deiche biefe 
Ueberjeugung ®ir geben tt)irb, bie lann ich 2)ir 
nicht erfparen! 9Kehr foßft 3)u auch nid^t fcon mir 
hören. Seine ungeftörte £>eiterfeit, ®ein ungeftörter SDlutl), 



245 



finb ©ir ju allem ju nottjtoenbig, unb idf) itriö, baß mein 
S3ilb jltmr mit bem unbermeiblidfjen Xrauerfdfjleier berljüllt 
in ©einer ©eele ftetje, bodf) gefaßt; in ©einem SBttten er* 
geben, ©ir mit einer fidfj berläugenben namenlofen Siebe 
unb Xreue Eingegeben, nid^t aber aU laftenber ©dfjmerj ber 
Erinnerung ! 

©iefeS 33itb, mein Sou, baS ©ilb ©einer greun* 
bin, ber äftutter deiner 28at)l, ber grau, bie ©idfj 
erfannte, bie ba£ Siebfte, ©ütigfte, £ulbreid)fte 
bon ©ir erfahren, an bie ©u nie benfen fannft, 
oljne e3 ju füllen, baf$ ©u geliebt toürbeft, bie£ 
SBilb öon itjr umfdfjtoebe unb geleite ©icfj. @3 
ftrömt ©egen au£ über all ©ein ©tjun, unb batjin, 
lt)o ba3 #ödf)fte ttjronf, ba bringt audfj ba§ ©ebet 
be3 ©eifteä, toobon be3 ©ilbeS Sorm bie irbifdje 
#ütle umgeben. 

©eftern toar idfj ju franf burdf) SBeinen unb heftige 
innere ©etoegung — unb bodj ift nodj 3Ret)rere§, toa$ mir 
ein fo großes Slnliegen ift, ba3 ©u beadfjteft! SWämtidfj: ©ein 
Buftanb oljne Sebienung. ©3 ift unb muß für ©idj) uner* 
trägtidf) fein — e3 raubt ©ir foftbare 3 ei*; & erfdfjeint 
mir auefj unfdfjicflicfj, furj, idfj öngftige midfj entfefelid? be8* 
fjatb, unb namentlich, toeil idfj burdfj eine Srau, bie längere 
Seit in -Jlorbamertfa mar, ©etails erhielt, bie ©u tnelleidfjt 
gar nidfjt fo toeifjt. ©3 ift eine reiche SBremer SaufmannS* 
frau, bie t)ier im #aufe toofjnt ! Sittel l)at ba3 Sanb im bor* 
jüglicljften -üKafje, ®lima, ©ebenen, 9?eidfjtf)um — nur ein§ 
mangelt ganj: 2Kenfcfjen, bie bie klaffe ber ©ienen* 
ben bilben, unb toer fidj) nic^t borfiet)t burefj ®ontrafte, 
mit Seuten, bie man Einbringt, ober woran man ganj fidfjer 
ift, ber ift im aHertjödfjften ©rabe übel baran, ja, er erfährt 
Unanneljmticfjfeiten unb Unbequemlichkeiten, bie über äße SBe* 
griffe finb. ©arum, tljeurer greunb, fiel) ©idfj bor, ge^e nidfjt 



246 



oljne ©uropäer t)in, mafyt Sontraft mit üjm, ben er tttd&i, 
aber Su aufWfen fannft. 

©o toeit toar idD gefommen, atö idjj, mein ßou, Seinen 
93rtef aus granffurt $ugleidf) mit ber guten 9la$xiä)t empfing, 
baß Sein äRanuffript gefunben ! 3n Xaufffirdj'S £änben be* 
.mat)rt, unb maljrfdfieinlicfj audjj bort aBe meine ©riefe, babon 
Su nur einen £t)eit erhalten. — Sie große äRobilität aller 
Seiner Sßtäne machte biefe SRücfftänbe jeber Stadjjridfjt, auef) 
ber ber fatalen! ©ott leite in biefer @ad(je afle3 $um Seften. 
Ser Sßunft ber ß^re ftefjt ja über bem ßeben nodfj, unb idfj 
beuge fyier mein ^aupt-in @otte3 aBmäcfytigen SBiBen. @r 
fei mit Sir, unb mit Seiner mutfyöoBen, genriß großen ©eele. 
SBaS Su mir fagft, baß man Sid(j über hie Bögerung Seiner 
2lnttoort minber hätte ad&ten fönnen, fo toar e3 fern, baß 
midf) irgenb jemanb barüber ettoaS merfen ließ. Siber freilid^r 
mein Sou, Sein 90lutl)toifle, fo laß e3 mid(j nennen, in 
„XuttiSrutti" tjat Sir üiel geinbe angezogen, unb toenigftenS 
fotdEje, bie Sir nidfjt unb nie günftig toaren, audfj Sidfj be= 
neibeten um fo titele SSor^üge, bie 33a§n freier gemalt, 
Siel) anzugreifen, unb bie äRaSfen über il)re eigentliche Senf* 
art $u Ijeben. Ser Sßräfibent SRottjer, mit bem idf) nodj Qtit 
Ijatte, über bie Angelegenheit be£ Surffei ein fd)riftfic§e§ 
SBort gu toed&fefa, glaubt nidfjt an baS SueB au£ ©rünben, 
Wie er fidj auSbrüdft — bodfj id£) finbe für gut, Sir ben 
ganjen ©rief bon i^m mit juf djjicfen : benn idf) fd&rieb in 
meiner größten #er jenSangft an i^n. Sttid^t freunbfd^aftlic^er 
fann man gegen midf) als er fein. 

SSarntjagen toar fefjr beforgt, unb ift in jeber |>infidf)t 
ganj freunbfdfjaftfid), fyrid&t mir bon Sir mit Segeifterung. 
2BoI)er meinft Su, baß Sief) aBeS Verfolgt? SBeld^e trübe 
SSorfteßung! Saß idf) fagte, Su läfeft meine ©riefe nidljt, 
toar fein SSortourf. Siefe macfje idf) nie, toieber blofj 
Slnmerfungen. 



247 



$ldfj nein, nidfjtS mit ©ornmrf, nichts ba3 lt>e§tf>un 
fönnte. 9We§ milb unb ünb unb berutyigenb, fo Ijaud&t e3 
meine tieffte, mächtige ©mpfinbung au3; ©idj beruhigen, 
©idfj ju erweitern, ©ir jebe fd&toere ©tunbe überfielen 31t 
machen: alles in deiner ©ruft ju füllen, ©einen ©eift §u 
befreien, ©einen ©tauben ju ftärfen, an ®ott, an Siebe, an 
©eine greunbin, an 3) ein ©lud. 

33 on mir toeifc idfj ©ir nidf)t§ $u fagen, als ba§ idj 
©idj auäfdfjliejglicfj in ©ebanfen unb im ©ebet fyabe. 2Ba§ 
meine ©efinnungen betrifft Jjinftd&tlidfj meiner geftigfeit unb 
Haltung, fo leibe ic§; bodfj ©u toirft midfj immerfort auf 
bem SBege ber SSernunft finben, unb toeifct, bafe i<$ ©eine 
@^re über atleS ^rbifd^e ftelle. Db id^ reife ober 
bleibe, id£) toeife e3 nicfjt. — gür'3 erfte toarte idfj mitSlngft 
unb ©ef>nfud()t ©eine ©riefe ab. fdfjreibe, fdfjreibe. ©3 
ift ja atteS ©ein, toaS ©u mir fd^reibft, unb toie ©u toißft, 
fannft ©u e3 fünftig benufcen. 2Bie reidfj nun ©eine 3our= 
nale toerben, toa3 frommt e3? Slber mir ift jebe Beile Seben 
©alfam! Unb ber ©uft, ber auf ben ©riefen liegt, toeit fie 
an ein tebenbigeä, füt)tenbe3 §er$ gerietet tourben, ben be* 
nimmft ©u ©einen SBerfen, benn f al t unb tobt ift ber 
©udfjftabe, ber nur ber treffe ju fliegt! Sßodfj einmal: 
®ott fegne ©idfj. SReine Sörtlid^feit für ©id& ift unfterblid^. 
hierauf lebe icfj, unb gebe meinen ©eift bereinft auf. 

©eine ©. 

©ott idfj ber Slrnim üjre ©riefe toieberforbern, unb toie? 
©ir naefoufenben ettoa? Stämlidj iljr e£ fagen. ©ie grau 
Ijat f öiet ©afiS toie ba3 SBaffer einer gontaine ; toa£ oben 
IjerauSfprubelt, macljt ben neuen Kröpfen Pafc. 

D fdfjtoereä Seben, fd&toereS brennen! liege auf* 
geldft in Ifjränen, in Siebe, in Srpuer $u ©einen $üf*en. 



248 



27. 

Sßücfler an Sucie. 

<ßari3, ben 29. 3ult 1834. 

SDtetne $>erjen3fcljnucfe, 

Deine beiben großen 93rtcfe Ijabe tdfj t)eute erf)atten r 
unb fie Ijaben mid) tt>afjrl)aft geftärft, ba fie in jeber Beile 
eben fo t»teX Siebe aU SJernunft entgolten, unb mir in ber 
testen £infid(jt etttmS bange itmr. -Jladfj bem järtfid&ften ßuffe 
erroiebere idfj alfo juerft, baf$ idfj Bei meiner streife Don 
3Ru$f au ben amerifanifdfjen $Ian nodj nidfjt ^atte , fonbern 
itjn erft in Samberg gefaxt. 3Ba3 idfj Dir alfo in btefer 
£>inftdfjt gefagt, tt>ar bie t» o I Ic SBaljrljeit. ©ott toeifj 
audfj, ob noef) (biefeä %a$x toenigftenS) ettoaS barau§ toirb; 
benn ber Dberft ®. ift nidfjt fjergefommen, fonbern citirt midfj 
\t%i too anberS I)tn. SBaljrfdEjeinlicf) toirb bie ©efdjidfjte beU 
gelegt, aber idf) fjabe barüber meine Bei* berforen, unb fpäter 
at£ im Sluguft lägt fidfj bie ©adfje nidfjt meljr ausführen. 
Uebrigenä nimmft Du bodfj eine Seife nacij Slmerifa öott 
adfjt äRonaten für ettoaS ju ©ruftet unb SBidfjtigeS, <jute 
©dfjnucfe, unb ängftigft midfj mit biefer ju großen ©mpfäng^ 
lidEjfeit für ©eforgmffe alter 9lrt, bie bodfj genug gar nidfjt 
ju befürchten ftnb. 

2Kit bem Sebienten aber Ijaft Du redfjt. 

3dfj fann iljn nid£)t metjr entbehren, unb fjätte aßerbingg 
ben ©dfjmibt gern gehabt, unb gut brausen fönnen. Stber 
fo lange Du leinen anberen tjaft, getjt e3 bodfj ntdjt. Sinft* 
toeüen nat)m idf) einen 3Jiu§fauer t^ier an, ber bei £emt 
bon S3ourgoing brei Satire aU Säger gebient, unb gute 
Bengniffe fcon itjm fjat, audf) fieben Satyr epreufjifdfj er fdfjtoar§er 
$mfar ttmr. SBenn er efjrtidfj ift, fo gefällt er mir fonft 
nidfjt übet, aber man ift bodfj immer nidfjt fo ftdfjer at§ mit 
unferen Seuten. @r ift ber ©otjn ber Seberljänblerin ©dfjltmbe 
in SöiuSfau, unb giebt fidfj ba3 Slnfetyen eine£ großen 



x 



249 



attachments für midfj. @in btedfjen itrinbtg fdjeint er, fcnnt 
ober SßariS fefyr gut, unb ift eifrig, aud) mit aßen £unben 
gefjefct. Um üjm ju trauen, fenne tdj if)n noü) ju toenig. 

©d&nucfe, idfj fdfjrieb 3)ir jtoei ©riefe nadfj Siebenftein, 
§aft 3)u fie erhalten? 

SSie feljr rüljrt mtdfj ber Peinige, ben id£) fdfjon zweimal 
burdfjlefen — aber, gute ©d^nude, fei ftanbljaft, unb laß 
3>eine 5ßt)antafie nidfjt fo inctt ü6er ba3 Biel fjinauSgetjen. 
3)u ftettft 3Mr immer aßeS öiel fdfjtimmer bor, ate e3 ift, 
unb 2>u toeifct, idf) fürdjte ba3 boppett, einmal, roeil e3 
3)id(j quätt, unb jtoeitenS, roeil ba3 ©djicffat tjämifcf) gegen 
bie ift, tt>elcf)e fdfjon über ©eringeS fo tief fragen, uub iljnen 
bann erft oft ba£ toirftidtje, ba3 un&ermeiblidfje Uebel \d)idt. 
2>a idfj nun felbft leidfjt in biefen Segler öerfaße, fo toünfdjte 
idj fetjnlicfyft, 2)u t)ätteft Ujn mcf)t. ©o bleibe id) immer 
unruhig unb beängftigt über 3)id(j, obgleich S)u bieSmat bie 
©fjrenfad^e $u meinem magren Somfort fetyr Vernünftig 
nimmft, aber nid&t ganj fo bie Seife, au$ ber $u guterlefct 
benn toat)rfcf)einlirf) nid£)t einmal ettuaä toirb. |>enne unb 
@nte! 3)abei bleibt e3. 

©ofl idfj £>ir redfjt bie 23af>rt)eit fagen, fo foäre idfj, tüte 
jefct geftimmt bin, lieber im ©artete bei 3Mr in SKuSfau, 
afä irgenbtoo. Je me fais vieux, je le sens, unb bodfj 
toifl id) nod) ettoaS erleben; audj), ganj genau überlegt, ift 
e§ nidfjt 5Dlu3fau, fonbern, toie idfj immer gefagt, granfreicfy, 
too idj mit 2>ir fein, unb 3)idfj Hein unb niebltdfj etablirt 
feljen mödfjte. 

|>ier allein unb ifotirt füf)Ie id) midfj gar nid£)t ange* 
net)m. 5Iud£) ift biefe 9lrt Seben ungeheuer treuer. SRein 
fefjr mitlelmä&igeS SogiS foftet 65 gr. joö<i)enttidf), unb mein 
Äabriolet 100. Sffen, Sweater, nötige Soiletten — SReno* 
ötrung, tont celamange diablementd'argent sans aucun but 
ni profit. ©laube mir, afleS märe immerfort gut, Ratten tvix 



250 



nur ©elb. $rofaifd£)e, traurige 2Baf>rf>eit! 9?ädjften3 eine 
ganje üölenge mefyr. ©et munter unb Hebe mid). S)ann tröftet 
fidfj über aßeS anbere immer (eidfjt 

S)ein treuer 2ou. 



28. 

^JSüdler an Sucie. 

"parte, ben 2. Sluguft 1834. 

■Steine ^er^enSfdjnucfe, 

9todf) immer ift bie ©efdfjidjjte mit bem Dberften in 
suspenso, unb idj $ur Sertängerung meinet ^arifer Stuf* 
enthalte genötigt. Unterbeffen bin icfj bem Könige borge* 
fteöt roorben unb feiner gamilie, wo idj auf ba3 artigfte 
empfangen mürbe. 2)a3 Sofat ber Suilerieen ift pröd&tiger 
al§ je, bie 9lrt bei ©mpfangeS aber jiemtidfj bürgerlidf). 
Sitte fagten mir etttrnS Strtigel meine ©riefe betreffenb, unb 
ber König unterhielt fid) jmeimal fefyr lange mit mir. S)er 
^rinjefe Slbelaibe er^ä^fte icfj bom ©arolat^er perpetuum 
mobile. Elle serait aussi femme pour Tapr6cier. %<fy 
mar ba3 erftemal in meiner ©enerateunif orm , unb fie tiejs 
mir fo gut, bajs id? ben Slbenb t>ieX assurance ^atte. ®en 
anberen &ag füllte idf) micfj bei SDtab. ©aty unb SJlab. 
be ©irarbin iljrer Softer, bei esprit, triel Verlegener, unb 
toirfticfj albern, roäfjrenb fec^S bi3 fieben gran^öfinnen midj 
mit einer SSolubilität t>on Komplimenten unb trafen über* 
fdfjmemmten, auf bie id) nidfjts $u ermiebern mußte. Stm 
©djreibtifdj ^ätte icfj e3 leidet gefunben, an Ort unb ©teile 
lähmte miefj bie beutfcfje SSerlegentjeit. C'est bien bete, 
mais je ne serais jamais autrement. 3$ fyänge gan$ 
bon Stimmungen unb momentanen gmpreffionen ab. 



251 



$en 3. 

£eute a§ id) beim ©rafen $0550 (nid&t bcr ruffifdje @e* 
fanbte), eine alte Sonboner 33efanntfd(jaft, ber eine reicfie 
©nglänberm gefietratfjet, unb ein fetjr gutes $>au£ l)ier mad&t. 
$5ort ttmr idfj nun toieber, id) toeiß fetbft nid£)t toarum, unter 
fe^r Ijübfdfjen grauen ttrie ju £aufe, unb amüfirte mid£) fe^r 
gut. SefonberS toax eine ©räfin ®t. 9Ubain IjübfdE), bereu 
alter 9ftann, einft Slbjutant öon Sernabotte, als biefer fr an* 
äöfifdfjer ®rieg3minifter ttmr, eine berühmte ©emälbefammtung 
befi|t, unb feljr Aug fpracfj. ©r citirte ettoaS fcon @t. .ffibre* 
mont über Eäfar, toa$ mid) aufjerorbentlidfj fratynrte, unb 
mir beutf id? bettrieS, baß idj in biefem Seben nie !jätte 
ettoaS ©roßeS Serben fönnen. II 6tait toujours, fagt ®t. 
©bremont bon Eäfar, le plus actif et le moins emu. gm 
legten tiegt'3. 

®ine SSenetianerin fang göttlidj), unb bie ®onberfation 
war oft fe^r anmutig. @rft fyät fam idfj nad) £aufe, unb 
fanb eine ©inlabung ju beim Sönig, toa3 f>ier in ber 
Siegel nidEjt übtidj), unb eine große SfuSjeicfjming ift; benn 
gemeine granjofen öon ber garde nationale fieljt ber ®önig 
5toar bei fic§, aber grembe nur f)öd)ft feiten. ®er ®önig 
tyatte aucfy bie Slrtigfeit gehabt, mir eine ©rlaubniß ju fdEjiden, 
Sfteuittty ju feigen, ba3 für bie etegantefter Kampagne in 
granfreid? angefef>en ttrirb. Ser $arf unb pleasure ground 
fömmt 9Ru3fau nidfjt gleidfj, aber ba$ ©dtfoß, Stätte u. f. to. 
finb atterliebft. 

3n ben Keinen SfypartementS finb alle Limmer otjne 
StuSnafyme mit toeißem 9ltla3J>apier mit rotten S3orbüren 
tapejtrt, ba3 ganj bie <Seibe nadjatjmt, unb 33ort)änge unb 
Sraperieen atte öon buntem geblümten ober einfadj) gefärbten 
SSaumtoottenjeuge. ®upferftidf)e unb neuere ©emätbe finb 
öielfacfj angebracht. 2)ie SDleubfeS finb 3Ra(>agom, einfache 
formen, aber fe^r t)übfdfj, befonber3 Causeuses et chaiöes 
longues. gcfj t)abe mir bie Stbreffe be3 XapejiererS geben 



252 



Ictffett, bcn tdjj jur 93eforgung Seiner Äommiffionen Benufeen 
tottt, fobctlb idf) nur ein toenig 3eit gewinne. 

Seine ©riefe neBft 9ladjfcf)rift f>abe idjj erhalten, unb 
baute 3)tr tjerstidj für bie ©orge meiner ©tyre in ben Bettungen. 
9liemanb anberS benft fonft baran, unb idfj fdfjäfce tä tjier 
bop^elt fjodj, baf$ Su bieS hierbei ttjuft. Sa3 jeigt Sein 
abeliges ©emütf). Steibe babei nur immer feftf, unb foffe 
überhaupt meljr ©tärfe gegen ba£ ©dfjicffal SBir ^aben ja 
feine onbere SBaffe bagegen. Vous descendez de hauts 
barons, ma mie. Dans ma lignöe on note d'infamie 
femme qui pleure, et ce par la raison, qu'il en put 
naltre un lache en ma maison. 

©ben öerlägt midf) ber ©raf @t. SRaurice, l'introducteur 
des ambassadeurs , ber mir eine ©rtaubniB gebracht t)at, 
ba3 innere be£ Palais royal $u fetjen. 

Sludf) in ber „Gazette de France l( unb anberen 
tungen ftefjen fdfjon Slrtifet über midfj, et quoique cela me 
flatte , je suis un peu 6pouvant6 de cette reputation k 
soutenir, bottenbS f)ier in frember ©pradfje, benn in Seutfclj* 
lanb helfe idfj mir fd£)on. 

2Rit ber ©efunbfjeit geljt e£ leiblid^ , nur bie -JKigraine 
t)at midj \ä)on jtoeimal berb t)eimgefudf)t. 

Ser Gimmel fegne unb behüte Sid), morgen meljr. 
2)a)3 Su am gufje leibeft, toirb balb vorübergehen, bie £ifce 
audfj ; icfj banfe ©ott, baf$ Su untertoegS bift, benn ba3 toirb 
Sief) jerftreuen. 

Sein ctüig treuer, liebenber Sou. 



253 



29. 

^ßüdler an Sucie. 

$arte, ben 7. Sluguft 1834. 

Siebet #erj, 

@S tt>ar ein großes Siner beim König, unb fehr comme 
il faut. Sie Königin gab mir ben 2trm fte £ifch jn 
führen, unb id) faß jnrifdfjen ihr unb ber fetten ^ßrin^effin, 
beibe bon fe^r angenehmer Unterhaltung. -Wad) £ifd) begab 
man fidfj auf bie Serraffe mit bem herrlichen ©arten bor 
fid), too ber König fich ttueber über eine tjalbe ©tunbe mit 
mir über polittfche ©egenftönbe mit großer Offenheit unter* 
hielt. 9Kef)rere S)amen öom $ofe famen nachher an mich 
heran, unb machten mir Diel Komplimente. Je m'en tirais 
assez bien, benn ich ttrnr heute in feiner 9lrt berlegen, unb 
befonb mich angenehm in biefer ©efettfcfjaft, bereu 2on fc^r 
natürlich, einfach anfpruchStoS ift. 

@3 läßt fich hier fchon leben, nur bie Xtyxittltxi ift 
fehr groß, unb §at gegen fonft noch außerorbentlich äuge* 
nommen. @3 ift faum ein Unterfchieb mit Sonbon. 93efucht 
man bie ©efettfdfjaft «nicht, unb ift unbefannt, fo fann man 
toohffeil leben, aber in meiner Sage nicht; unb ich toünfdjte 
baher fehr, ich fönnte fort, um mein ©elb nicht en pure 
perte baraufgehen ju fehen. 

$en 8. 

Le Roi me comble d'honnetetes. Neulich h a üe ich 
ihm gefagt, baß mich feine neuen Stätte in -fteuitttj außer* 
orbentlid) intereffirt hatten, toeil ich felbft toelche biefer 9lrt 
ju bauen im ©inne hätte, unb heute erfdjeint auf Sefeftf 
beS Königs #err Fontanes, ber erfte 2lrd)iteft in granfreidfj, 
bei mir, um mir jebe 9lu3hmft barüber ju geben, unb bie 
Peine mitjutheilen. Nons ne sommes pas gätes k ce 
point \k chez nous. 

©eftem höbe ich SRabame be ©irarbin, bereu Sölann 
Sejmtirter ift, unb ein atterliebfteS £auS 1)at, befugt, unb 



254 



War beffer en train. Stucf) bic ©räfin Stegnant be ©t. $ean 
Slngelt) unb bte ©räftn @t. Sttbain, too icf) merfttmrbige 
^tftorifd^e SßortraitS falj, unter anberen Litton, 25 %af)tt 
alt bon SRignarb, unb biefelbe 80 $af)tt att, öon einem 
anbeten Söletfter. gerner SRobeSpierre , öon 25atrib gentalt 
unb SouiS ber 2lcf)t3ef>nte aU ©an^fülotte gefteibet, Wie er 
in ben ^atoUntxtlnb ging. 

@tn S)iner bei SDtecftenburg berfammelte uns 2lbenb3, 
mehrere Diplomaten unb aucf) ben l)ier attadjirten SRajor 
KI6r, einen fetjr liebenStoürbigen 3Rann, ber mi$ fefunbiren 
fott, unb je|t nodf) in frieblid)en Unter^anblungen mit ber 
©egenpartfjei begriffen ift. S)enn SurfeH fann feinen Urlaub 
tjiefjer befommen, unb fömmt e3 ba$u, mu§ e3 in ber 9t(U)e 
feiner ©arnifon öor fidjj gelten. @3 wirb aber toaljrfcf)einlid(} 
eine 9tüdna^me feiner Slnnonce erfolgen, unb bann natürlich 
audfj ber meinen. 3$ ö^je f^j* be^utfam unb nur k mon 
corps d6fendant in bem 2(u3föf)mmg§l>ro$ej3 ju SBerfe. 
©ei S)u aber barüber ganj unbeforgt. 

9Rit meinem SCagebud) bin tdj gräfjftd(j im SHxdflanb; 
benn bi§ \t%i blieb mir gar feine $t\\ jum ©dfjreiben, unb id) 
fdfjaubere t>or allem, lt)a3 id£) nadf)§uf)oIen fjabe, Weil idfj micij 
ju gut Ijier amüfire, unb fcljretflidj faul bin. $n folgen 
Stimmungen aber ift mir ba3 ©dfjreiben eine toaljre Dual. 
ÜKur mein @d)nücferle befömmt je|t ©riefe. 

Slbieu, idjj bin Worauf, unb fjoffe feljnliclj, S)u audfj. 

S)ein {jer^Iidj liebeöotler, treuer fiou. 

. $cf) f)a&e Sir ben ©rafen bei $0550 (bei bem icf) 
neulidfj aß) nebft feiner ©emapn empfohlen, benn er fömmt 
nadfj 33 erlin. 



255 



30. 

Sßücfler an ßucic. 

^ariö, ben 10. 2luguft 1834. 
SÖteine liebe SdEjnucfe, 

• ©eftern lernte i$ in ber Dper SBaljac fennen , unb 
fanb ifjn gan$ anber§, aU idfj mir ifjn gebaut. Un petit 
gros r6joui avec une grande t6te et une face d'enfant 
ayant Fair d'avoir 20 ans tout au plus. Pas tr£s bon 
ton et rien de distingu6 dans toute sa personne , mais 
d'une conversation assez amüsante, toute naturelle, et 
sans aucune Prätention. 

A propos, Sölab. Konstant, bie biet jünger unb 
fyübfdjer ausfielt als ehemals (ein Äompliment, ba£ fic 
mir jurüdfgiebt) ift Don Sonbon aurüdgefommen, unb grüßt 
2)idj auf 3 fjer$Itdfjfte. 3$ ertuarte ftünblid^ einen 95rief für 
2)idj. Sie ift feljr end&antirt bon itjrer englifc^en Sfteife, unb 
ber 2lufnat)me öon Seiten be3 $ofe3. £ier aber ift fie, toie 
audf) ber $ixM ber ©at), ein luenig in ber Dppofition. . 

(>abe 2)tr, glaube idfj, gefdjrieben, baß ber ®önig 
mir $errn Fontanes gefdfjicft, ber mir jefct aße genauen 
$(äne ber ©täfle fopiren läßt. @r er^tte mir öiel öon 
■ftapoleon unb feinen 9tiefen^fänen. ©eine ftefjenbe ^^rafe 
toar: Mon eher Fontanes, quand nous aurons la paix, 
nous bätirons, mais bätir et faire la gu£rre en meme 
temps, c'est impossible. SBom jefcigen ®önig fpradf) er 
mit bem größten ©ntfjuftaSmuS, unb er erjäljlte mir öiel 
intereffante 5)etail§ über bie gulitage. 

2(fle3 ba§ ift redjt fd£)ön; id£) aber lebte in 5ßari3 am 
glüdfticfyften gan$ unbefannt, ttrie bamafä, als id() bon ©ng* 
lanb fam. S)ie SBett genirt mief), unb toäre idf) Ijier etablirt, 
idj bräche geluiß aße gefeflfd&aftlidfjen SBertjältniffe gänjlidf) ab, 
poar filer ma douce vie entre de bons diners, d'amu- 
sants spectacles, de jolies filles etc. Avec cela encore 



2b r 



un appartement bien 616gant, un bon remise le soir, et 
3 beaux chevaux pour le matin, et il ne nie resterait 
plus neu k däsirer. 

3d£) wunbere mich etwas, bafc ich feine 93riefe befomme, 
benn mit Stmerifa, fürchte ich, wirb e3 bieSmal nichts f wtb 
2)u fannft noch tjierje^n Soge hardiment nach Sßarte f<hrei6en. 

$en 11. 

@ben erhalte ich Seine jmei ©riefe au3 Siebenftem, bie 
mich betrü6en unb ärgern — unb Seine StntWort ift biet 
ju fchwach, gute ©dfjnutfe, obgleich fehr gut. Sich, Wäre 
ich bocf) bagewefen, fic Sir ju machen! SBir müffen 
ber Königin bieg a6er noch eintränfen, unb bie ©etegenfjeut 
wirb ftdE) finben. 5)u aber, meine @cf)nucfe, bift ju gefreut, 
um eine foXd^e SHbernheit anberS als tadjenb aufzunehmen, 
©treibe mir bodj, ob bie natürliche SodEjter be£ $errn 
öon ©uffey mit ber Königin War, um btefc Snfonfequenj fyx* 
auszuheben. 

Safe 2)u abgereift unb niemanb ttorgetaffen haft ift fc^r 
Vernünftig. ©3 finb Sßiberwärtigfeiten , über bie man ftdj 
hinwegfegen mufc, tt)ie ich eS thue; benn wir finb nicht jum 
©lütf beftimmt! $ier fehlt e£ auch b^ran. SRein 

Srifeur, ber mich täglich rafirt unb frifirt, fam heute nicht, 
unb warum? Sßeil er biefen SRorgen an ber ßfwlera ge* 
ftorben ift, bie wieber ju Wüthen anfängt, Wenngleich nod) 
im Sunfeln. 

3fch bin burch ben Dberften noch gefeffelt an SßariS. 
Sn acht Sagen mu§ fich tnbefc afleS entfchetben. 9iad^ biefer 
©ntfcheibung fdjiffe ich mich entweber ein in |mt)re, ober 
reife nach ber ®rän$e. 5m teueren gaHe WiB ich fykx eine 
®alefdf)e für 2)idfj faufen, unb fie ju meiner Steife gleich be* 
nufcen,, benn ba3 Sittgencefaljren Sag unb Stacht greift mid) 
5U fehr an, unb ich mufe mit 3tuhe unb SBequemlidfjfeit bort 
anfommmen. 



257 



5)a 5)u einmal um bie ©adfje Weifct, fo f greifte idfj S)ir 
audfj baöon, um fo mefyr, ba idfj bie fixere Slfjnung Ijabe, 
baß entWeber ein Vergleich ju ©tonbe fömmt, ober idfj ob* 
fiege. $)a£ teuere wäre tnetteidfjt nidfjt übel, um ben Seuten 
rabifal ba3 SKaul ^u ftopfen. 

S)a§ id) über meine Steife nidfjt tue! f treibe, laß ge* 
fc^e^en; benn ba§ 2oo§ ber ©riefe, in folcfjer Entfernung 
befonber3, ift bod(j fef)r unftdfjer, unb rdfj fdfjretbe S)ir in 
meinem £agebu<$. $u lieft e3 bann gebrudft mit befto met)r 
SSergnügeu. 



31. 

Sßüdfler an Sucie. 

$arte, ben 12. Sluguft 1834. 
■Steine gute ©d&nucfe, 

S)u bift alfo je§t im frönen Salzburg unb atfjmeft 
würdige Sergluft, wäljrenb id£) in ber (Spolera* unb iSttnfluft 
t)on $ari3 Dbeurä für $)idfj nadfj ^Berlin padt. 

®er Gimmel gebe, baß Sir bie Steife fredfjt Wof)I be= 
fomme, unb S)u Ijeiter jurürffe^ren mögeft. 2Ba3 midj be= 
trifft, liebte id(j bie ©efettfcljaft, id£) müßte aufrieben fein; 
benn e3 ift unglaublich, wie idfj überall empfangen Werbe. 

- ©eftern mar id£) in ben Suiterieen, unb ,'fanb bie 
nigin mit ben $rin§efftnnen unb ttjren 2)amen ganj attein 
um if>ren runben Sifdf) öerfammelt. üDtan nähert fidj ber 
Königin, Verbeugt fidf);, unb bie Sfonfcerfation, an ber jeber 
Xtjeit nimmt, beginnt oljne Weitere ©tifette, aU baß man 
fidfj ni$t fefcen barf. Stadfj einer ^atben ©tunbe erfcljien 
ber ®önig im großen ®oftüm mit einer Deputation bon 
*ßatr3, um fte ber Königin tjorgufteßen. 3dj Wollte micf) 
jurürfjie^en; ber ®tfnig fagte mir aber im Vorbeigehen, fidfj 
öerbinbtidfj neigenb: „Ah bon soir. Prince, vous n'avez 

«pücfler, »riefwe^fel unb lage&ü^ct. VIII. 17 



258 

pas du tout besoin de vous döranger pour nous. Restez r 
je reviendrai k vous tout-ä-Pheure". 

SKachbem fidf) nun bie 5ßair3 ein toenig ecoulirt Raiten, 
tarn er ttrirflich $urücf, bte abgebrochene Unterhaltung lieber 
anjufnitpfen. S)u fannft benfen, baß ich mich in Sauf* 
fagungen unb einigen Komplimenten de bon goüt nach Gräften 
erfdfjityfte. 9113 nun im SSerlouf ber Konöerfation ich äußerte, 
bafc ich mich freue, £errn ®ui-$ot unb Supin fennen 511 
lernen, unb ben ©eneral Slthalin auffudfjen ttmrbe, um ihn 
$u Bitten, mich ihnen ju präfentiren, fagte ber König: 
„Permettez - moi de vous rendre ce Service" unb rief 
beibe, um un3 miteinanber befannt ju machen. Qch fprad^ 
nachher noch ^ an 9 e mit 2)amen, nnb blieb itrieber ber 
Ie£te. Slngenehm toar mir bie Sefanntfchaft be3 ©eneratö 
©ourgaub, ber mir fagte: Vous n'etes pas 6tranger pour 
moiT car nous vous connaissons comme un ami z616 de 
l'Empereur. 

3dfj befugte nachher SBerther, ber e6en öon 93reft ju- 
rücfgefommen lt)ar, unb mich aufcerorbenttich jutjorfommenb 
empfing, nnb brachte ben Sfteft be3 2(benb3, ba3 Reifet ber 
3?acht eigenttidj, bei grau öon 5)elmar ju, bie in ber creme 
ber Striftofratie f)kx lebt, tt>o ich $o^o fanb, unb ben 
dürften 93utera, ben napoleonifcfjen 2lmbaff abeur , fennen 
lernte, ber, ttrie ®u roeifct, ein armer ^annööerfd^er Bürger^ 
lieber Lieutenant, ein fo grofceS ©lärf burch feine grau 
gemalt hat. @r erzählte uns SSunberbinge öon ben 
bortigen 3to9ben, unter anberen, bafc ber alte König einmal 
120 Schnepfen an einem Sage gefdfjoffen, unb in 50 Soup£ 
nicht einmal gefehlt. Stuf anberen Sagben tjabe man oft 
800 ©irfche in einem Sage gefdfjoffen. Voilä des chasses r 
qui en valent la peine. 

3)en 12. 

$eute früh befugte mich $>err öon Sßerther, unb roirb- 
mich nun ein roenig in bie SSelt lanciren. SDein Sou. 



259 



32. 

Quäler an Sucie. 

$ari3, ben 18. Sluguft 1834. 
•Steine ^erjen^fc^nucfc, 

Sdf) mache je|t täglich diners de beaux esprits, unb 
werbe unglaublich f&irt. Je m'en tire tant bien que mal. 
SineS ber hübfdfjeften 3)iner3 toax bei ber Konftant mit 93e* 
ranger, 93al^ac unb S^erminier (ber in Serlin toax), nebft 
mehreren Slnberen. 

S)etne ®ommiffionen machen mir t>iel baneben ju fd^affen, 
unb bie ©efcf)i<f)te mit bem Dberften erforbert auch noch 
immer Sforrefponbenjen unb jeitraubenbe ^Ibfdfjriften. (Sie 
ift öon einer Statur, unb babei fo publif, bafc ich mit ber 
größten SSorfid^t barin ^uSSerfe gehen muß, tfyiU, um mir 
aud) nic^t baS ©eringfte $u hergeben, theilS um auch auf 
ber anberen ©eite jebe mögliche -Btäfjigung §u jeigen, bamit 
tdfj im Söll be§ Duetts mich beim Könige legittmiren fann, 
tuenn e3 ungünftig für ben Dberften ausfällt. @§ roirb 
aber toaljrfdfjeintitf) gütlich ausgeglichen tnerben. Stur fürchte 
ich, um meine amerifanifche Steife baburd) $u fommen, wenn 
fidf) bie Unterhaltungen noch länger hingehen. 

(Sine ®ifte mit DbeurS unb ShofotabeecfjantiBonS ift 
na<f) ^Berlin an 2)i<f) abgegangen. 

©chnucfe, ich *) a &e furchtbar t>iel ju tf)un, liebe aber 
nur ®ic!j. $)er SBett bin ich fatt, felbft roenn ich tote 
meine (SiteWeit üöttig barin gefchmeichelt finbe. 

Sebe toohl, unb fchreibe mir, roie e§ SDir geht in Salz- 
burgs fdfjönen 2fuen. 

®ein treufter 2ou. 



17* 



260 



38. 

*ßücfler an Sucie. 

$art3, bett 21. Sluguft 1834. 

•Steine £>er5en£fc§nucfe, 

©djnucfe, idj bin ber befte Sommifftonair in ber SBelt ! 
SRtt allen meinen ©efdjäften §ier, savoir: gefettfd^af tlid^e 
$flid)ten o^ne @nbe, ©inrid^tnng meiner eigenen Toilette, 
nnb ein ÜDuett mit einer Steife nacf) Stmerifa anf bem £alfe, 
Ijabe idf) bemtod) Seine Aufträge auf'3 fdjönfte beforgt. 

$en 24. Sluguft 

2)u glanbft midf) mof)l fd^on in Stmerifa, tteil 2)u mir 
gar nidjt mel>r fdfjreibft. -ftodf) finb mir nidjt fo tteit, ttrie- 
tuoljl idj'3 münzte. 



34. 

Sncie an ^ßücfler. 

3Mnd)en, am 23. Sluguft 1834. 

Um ein 93itjö meines inneren ßuftanbe§ §n t)aben, benfe 
S)ir jemanb, ber an einer langwierigen öietteid^t nidjt mel)r 
fyeilenben ®ranft)eit barnieberliegt. Slodf) ift öage leben* 
bige £t>eilnaijme an ber Slujsentoelt ba, bodf) Hoffnung, bamtt 
jemals ttieber in SBerütjrung §n fteben — biefe fei) It. 
2tudj icf), geiftig, liege matt nnb entfräftet nadf) langer öer= 
geblidjer ©rtoartung. Siefignation, ®ebulb, baS ift t§ noct) 
allein, unb ben SreiS ber äBünfdje- eng unb befd&ränft $u= 
fammensiefjen, roof>t bie einzige nodj anttenbbare Sieget, um 
'nid^t allen 9Kutf) §u toerlieren. 2)od), nrie lägt fidf)3 au3= 
führen, ^nmat tuo 2)u, mein Sou, auftrittst, 2)u, ben idj me^r 
liebe ttrie midf) felbft, unb ben feine $f>antafie, feine inneren 



261 



Spiegel, immer unb immer in'3 Unermeßliche, in'3 Unerreidh* 
bare führen. SBie balb unter anberen mürbeft Su be3 Sebent 
fatt werben, meldf)e3 Su mir als baS Sir einzig jufagenbe 
fd&ilberft! ©inrnat, mein ©tabliffement mit %)ir in einer 
Keinen fran^öfifc^en ^rotun^ialftabt, bann Seine ©ar^on* 
©fiftenj in $ari£ ohne mich unb mit 5tu3fd)Iuf$ alter 
guten ©efeflfchaft ! D Sou! ich fenne Sich beffer, unb toenn 
idf) Sich gleich in ber ettoaS fatiguanten ^ofition Seiner 
Stenomenee unb ber Obligation btefe ju fouteniren beflage, 
f o . tpären beibe erfte Situationen , boch auf bie Sänge Sir 
bie Unerträglichen. 

SKidf) führt meine bermalige Steife ju mancher ©rfennt* 
niß. ©o unter anbtxen mirb mir Kar, baf$ Su noch fur^e 
3eit nur übrig Ijaft, too Su auf bem äJteer beS 3ufälligen 
unb Ungetoiffen $u f djiffen • f>aft. Senfe ein nun balb — 
nun baS $ofitiöe mehr ju ergreifen, treibt Sich ber fo 
günftige SBinb an ein Sanb, too'Su burdf) §tymenS SSer- 
mittelung ju einem gilial menigftenS aus ©otconba'S Sfteich 
getangft, gut, ober maS ich oft auch benfe, glüdft eS mit 
bem jtoeiten 5ßlan, ber Sich t) ölt ig unabhängig machen 
mürbe, noch beffer, fonft aber liebes, liebes unb mein ffinb, 
mache Sir einSilb eines magren ^S^tlof op^en. Sief er 
toerbe; genieße Sein ^exrxrtid^e^ 9KuSfau, unb Sich fetbft. 
SKöge bann mir, toenn ber §immel toitt, mir biefer Stnblicf 
noch gegönt fein , unb 91 u h e. 9Idf) Stühe, bie mein einziges 
3iel nur ift. SBo bin ich ^ittgeratt)eix ! Unb toie mirb Sir 
nur biefer lange 8tof$feuf§er, faft jur Sithanei ausgeartet, 
gefallen. ÜRögtidf) bocf), uub jebenfattS als treufte 9Keinung 
liebeöott aufzunehmen. 

Sou! ich &i n begriffen auf meiner $rüf ungreife ; melch 
SBünbelchen Su jum ©eleite mitgegeben, bieS fuche bei Sir 
fetbft $u erforfdfjen. Sinftfoeilen erblidte mich auf ber erften 
Station öon Dürnberg in ber fürftlidf) Sarolatfj'fchen Serline. 
@S jog aber brin unb mar mir $u f)ti%, i$ flüchtete balb 



262 



totcber in meine atten Salefdje — an ber Seite meines 
fammer^ofigen Ungetf)ümS. Unb in btefer tranigen ©efeff* 
fd&aft fuf)r idfj buref) ade bie (Segenben, mo idf) einft jung- 
unb blüljenb, f)offmmgSt>ofl unb §errlid& gemefen bis an bie 
©rän^e bet ©raffdfjaft Sßappenljeim. 

S)a mürbe mir'S aber tüte idj bie alten Serge unb 
2f)äler, bie Dörfer unb ®ird£)tf)ürme erbttefte), ben gtfujs ber 
Sfltmüljl in f)ettfter, ftitter SBottmonbSnad^t, bis auf S ^nnerfte 
ber Seele mef) unb immer mef>er ! $mei meiner ®inber liegen 
bort in ber ©ruft t>on bieten Streuten bebeeft, bie auf if>re 
Meinen ©ngelSgeftalten fielen, unb bon noc§ meit meljr be* 
tljaut, bie idf) aus fernen, fremben ©egenben ifjnen nadf)fenbete. 
2)iefe tropfen naf)m ber Gimmel auf, unb ne^te fie 
bamit, menn Rubere, aber bie SRutter nidf)t lieber bie 
fülle Stätte befugten. SEie biet fonft bort begraben liegt 
an greunben unb au- greuben fannft 2)u benfen, ber baS 
jugenbtid&e immer nur ' §u tief empftnbenbe §erj Seiner 
greunbin fetutt. 

Slngefommen auf ber Station, benn burdf) Sßappentieim 
fetbft fommt man-ni<f)t, mürben bie manfenben ©ntfd^lüffe 
bon Slbetljeib unb it)rem SDtann auf ber ©tjauffee im freien 
geregelt', benn ber SSater fjatte gefdEjrieben, er ermarte fie 
nur bis sunt 3. Slugufi, unb bodj mar fein nodfj anbauernber 
Slufentfjalt in $appenf)eim beftätigt. 3d) gab carte blanche, 
fidj meinetmegen nidjt ju geniren, unb fe|te meine Steife fdfjneH 
über Augsburg l)iert)er fort. S)aS Slefuttat für ©arotattj'S 
mar ein 93efudf) beS ©rafen auf ber nämlichen Station, unb 
ben anberen Sag famen fie Ijier an. ÜKein gu§ ift injmifdfjen 
fef)r f<f)timm gemorben, unb meinem alten äBagen berfagten 
feine bier 9täber ferneren J)ienft. 

$)aS ©ute unter fo biet Statamitäten mar bie @r* 
fdEjeinung beS ©rafen bon lauffirc^en, ber bon feiner reiben* 
ben £ot>enburg tjer einen StuSflug gemalt. (Sr mar fet)r 
artig, mieS mir einen guten 2lr$t ^u, einen SBagenbauer, 



263 



führte tnicf) geftern im engtifcfyen ©arten in'3 Sweater, unb 
fjat midf) bringenb ja Ijeratidj nadj feinem ©dfjtoffe eingetaben, 
ttot>tn id) auc§ $u getjen benfe, toetm pied et roues tnieber 
laufen fömten. S)ie 9teifegefettfc§aft ift inbeffen t>orau§ naefj 
Oaftetn. 



35. 

ßueie an Sßücfter. 

2Mncf)en, öen 24. Sluguft 1834. 

©o gtücfticij bin' idf), mein £ou, toieber einen 93rief Don 
*$)ix, ben fcom 18. 2luguft, $u tjaben. 9Jiörf)te bod& ba$ troft* 
lofe Stmerifa in biefem ungtüdftidfjen $anbet mit bem rafen* 
ben Surfet, ju ©runbe getjen ; bann fannft S)u ttrirftidf) nid&tS 
33effere3 tf>un, aU midf) in ©aftein aufeufudfjen. 

93efdf)tt>oren fei Sou, mir gteidf) ju f ^reiben, unb fottteft 
bleffirt derben, fo rufe midf) — of)ne Stuffd&ub. Srage 
deinem bermaligen Liener für biefen 3fall auf, ober bitte 
©einen ©efunbanten nur gleidf), gleich 9lad£)ridf)t ju geben. 
Sdj lebe faum, toeun idf) an ben ©ruft biefer Slngetegen^eit 
benfe, in jeber ^infid^t! — 



36. 

$ücfter an Sucie. 

2>en 26. Sluguft 1834. 

Le prestige fait tout dans le monde. 3$ 6in nie 
toeniger geiftreid^ getoefen als tjier, unb bemtodf) toerbe idf) 
überall auSgejeidjnet aU' fo. |>eute tiefe SRab. Stecamier 
förmlidf) ©f)ateaubrianb fommen, um midf) $u fefyen, unb mit 
ifym befannt ju madfjen. ©r mar fetjr amiabte. 2>ie Sour* 



264 



nale fpredfjen oft toon mir, unb in ben ©efeüfd^aftcn , fa 
menige e3 jefet im ©ommer giebt, emprefftrt matt ftcf) um 
mtdf) f)er, unb alles Va£ uniquement megen ber vogue 
metner ©riefe. 

©etbft SRab. 2Bt)fe, bie idj bei ber ©räftn SRenaub 
traf, machte mir nur SSorlüürfe mit aärtlidjen ©liefen. Sie 
ift bie einzige Don ber napoteonifdjen gamilie, bie fief) bie 
Grlaubnifc in granfreic^ $u bleiben, Dieu sait, comment, 
öerfdfjafft f>at. „On fait toujours ce qu'on veut bien' c 
jagte fte. „Oui", ertoieberte icf), „avec des yeux comme 
les vötres 4 ' -— bie in ber %$at aujserorbentlicl) fdjön finb. 

£en 27. 

|>eute naljm ic§ 2lbfdf)ieb in ©t. Sloub, too idf), ttrie 
immer, fet>r freunbtid) aufgenommen tuurbe. 3$ f>abe ber 
Königin ju guteriefet eine neue 3bee für bie Suiterieen ge* 
geben, bie mir 2Kab. Slbetaibe auftrug mit Fontanes nodj ju 
befpredfjen. -äJtan ftmr, unter jun£ gefagt, juöorfommenber 
gegen mid) als gegen bie ©efanbten, mit benen iclj jufammen 
ba ttmr. 2)er König Ijat mir nodf) eine Spenge gute 9lot^= 
f daläge für Stmerifa mit auf ben SBeg gegeben, tooljtn eä 
nun balb gef)en foH. 

SlpropoS, äJtardfjat unb feine grau finb auf bem Sanbe, 
unb Sucien ift Dberft in brafitianifcfjen ©teuften, bie 33ou* 
rienne tobt. S)er alte 93ratyer tuirb öon. ben alten 2tn* 
Rangern -JiapoleonS feljr öeracf)tet unb gefaßt. 

©er Gimmel behüte unb bettaljre 3)idj, unb fd&enfe 3Mr 
eine frof)e fReife. [3tt>ei Kiften [für ®idf) finb untertoegS. 
Slbieu, jusqu'ä demain. 

©ein ßou. 



265 



37. 

ßucie an $ücfler. 

§ol)enburg, am 31. Sluguft 1834. 
Sieber, tfjeurer Sou, 

9Rit fehr fernerem §er^en entfernte id) mich tion 
SKündjen — benn idf) hoffte erft noch einen 93rief öon $ir 
ermatten, unb S3eruf)igung barauS fchöpfen. — SMefe 
über bie mich fo öngftenbe Sache — bann über Seine 
9leife, tnctc^e bo$ bieS ^a^r $u toeit hinauSgefchoben, 2)ich 
großen ©efahren unb mich ber bängften ©orge über 2)ich 
auSfefcen tuürbe! Seiber brachte mir bie le^te *ßoft nichts, 
unb ertoartungSöott fet)e id) bem ntorgenben Sag nun ent* 
gegen. 

SReine alte Sarete geriet!) in eine gewaltige 2)eroute 
unb ift in bie Sur gefommen, benn alles an 'if)r fanb ftd) 
befect. 2Kit einiger ßutoerfidjt reifte id) bemtocf) ab, bod£) 
faum eine Station toeit, fo brach fdjon bie 9l$e, unb tüte 
ein 93lefftrter toarb baS gebrechliche SBerf toeiter gefchafft. 
Snbeffen burd) toelche ©egenben. %n geringer Entfernung 
toon äftünchen entttricfelte ftd) immer beutlicher unb granbiofer 
baS fyxttityt Panorama ber ©ebtrge, bie ftd) in ben fd^önften 
gönnen ttölbenb, in allen Dichtungen betadfjirten. Smmer 
eine SRaffe hinter ber anberen, batb bemalbet, balb felfig, 
balb grüne glächen ausbreitend StHe toie fcon magifchem - 
S)uft ;umtooben. 2Belcf)e SDtatten, ben ©maragb fpiegetnb! 
$)od) bem eigentlichen Staube Sorain in ber SanbfchaftS* 
fdjilberung, toaS ftammelt ihm feine ©chnucfe fcor! ffiur^ 
Sou, burd) treffliche, rei^enbe fünfte f am ich bis nach bem 
©täbtchen öor Hohenburg. v Dann tourbe eS Dacht, unb ich 
gewahrte nur ein engeres $h°t ^he Richten, gelfenabhänge 
unb ttmS fidf) bem $ittoreSquen mehr naht, ©nbltct) fam ich 
an, unb fteige bor einem magnifiquen ©chtofe ab, too 93ianca, 
Jauffirchen unb ber tolle SouiS mich am portal empfingen. 



266 



3dj mürbe fef)r freunbtidj aufgenommen, unb ber ( änUid 
otte^ beffen, \va$ i<f) faf), fonnte ntdjt anber3 al£ mir anwerft 
gefallen! 3>od) ben anberen 9Rorgen — toeldfje SluSfidjt er- 
öffnete fid) mir. 

3teijenb f)immlifcf}. 9Ritten in ben Sergen bodj nur 
auf bem ert)öf)ten Xfyat bie ^ax in iljrer Dpalfärbung mit 
breitem Strombette, ben gu§ ber gegenüberliegenben 9llpen 
befpülenb. Ztppityt mie ©ammet, ein tiefblauer Gimmel 
fjodf) unb ftar, ber bie präcfjtigften grünen garben nrie in 
fidf) aufnimmt, unb mit fidfj Dermalst, 33auerljütten, bie ben 
lieblid&ften Sffeft machen. 3?ing§ mit Altanen umgeben, 
toeijs aHe, mit grünen Saben unb Spüren, fd£)ön geformte 
S)äd)er, Capellen, ®irdf)tf)ürme, Äreu^e romantifdj aufgeteilt, 
unb bie3 rei(f)C, überfüllte 93i(b, burdjtoeljt fcon einer Suft, 
bie batfamifd) unb ftärfenb in iljrer Steinzeit, idj möchte 
fagen, etoige* Sugenb unb ®raft auSftrömt. -3)a$ nenne tdj 
gefegnete Sauber, unb gefegnet, bie barin geboren, breimal 
gefegnet, bie if)re tyolje @df)önf)eit fügten. ©laubft 
S)u, midE) f)at mancher 2lnbli<f in ber größten 2tnmutf), in 
ber §errlid£)feit feiner ©rfdjeinung tief, ja big ^u einer Sfjräne 
gerührt, bie getoifc nicfyt öerloren ging, fonbern ben fudfjte 
unb fanb, ber ©d£)öpfer einer folgen Statur, einer folgen 
SBelt ift! £ier f)at Sauf firmen ba3 ©lücf gehabt, ein mag* 
nifique§ ©äjlojs einer Verarmten großen gamilie abkaufen. 
SKtdfjt mit Unrecht, fagte er, unb tjörte idf), e£ fei eine ber 
atterfdjönften Sefi^ungen in Sqiern. 

SöftUcf) finb bie gewölbten, ba3 gan^e ©ebäube burd^* 
laufenben ©alerieen, überall 3Jiarmor, fdjöneg ©benmag in 
ben 3immern, unb jebe§ genfter ein Sableau. ffomm f>er! 
gür mitfj finb bie SBemotjner, man fann nid()t lieben^toürbiger 
fein, nnb feit meiner grrfaljrt f)abe idf) jum erfteumal lieber 
j)f)t)fifd)e§ SBo^Ifein fjier empfunben. Dein üfticfjtfommen f)at 
betrübt, unb ben |>ertn be3 §aufe§, Wie mir fcfjeint, nadfj 
fo langer öergeblicfyer Srmartung t)erle|t. 



267 



SBetm ich nun gleich glaube, baß Sfjr eigentlich nicht 
füreinanber ganj gaffen würbet — fo müffen bodf) in biefen 
^Regionen roenn auch nicht Sdf)löffer, anbere ebenfo belicieufe 
©egenben fein, toorin man ^o^en ©enufj be3 Sebent fänbe! 
S?omm f>er, o Sou, bag h^fft adf) märeft S)u hier, ach hätte 
ich, um 2)ich ^u beliebigen, ^ier eine f leine, eine föftliche 
©teile nur! Unb toelche frönen, freunblichen äRenfchen. 

Slber bie blühenbe, fdjöne Sianca — feljr fceränbert! 
SKoch immer bie ©eftalt, fonft leiber nur Erinnerungen mehr, 
unb tuet gänzlich fcerlöfchteä unb üertoanbetteS ! $)ie Ülinber 
finb fefjr gefunb. S)ie Softer ^at eine ^übfc^e tenue, fieht 
auch ber SKutter ähnlich, toirb aber jebenfaflS biefer nach* 
fielen! 5)er Sohn — jtoer toeifj, je|t ein ^übfd^er ®nabe, 
unb mir noch ^ufagenber! SouiS mit mefjr SSerftanb unb 
Untoerftanb at3 je. — @r ttritt mit mir nach ©aftein reifen, 
unb fjaf S)ir heute gef ^rieben! 

2)od) hrie ^räd^tig unb lebensfroh aßeS ift; oft fällt e3 
tt)ie fehlerer Xraum au£, benn ich ermache nur auf §er^ 
unb Sinne. SBo bift S)u? ®u mein Siebet Stuf 
toetchem SBege? SBaS toirb toerben mit S)ir, @ngel, liebet 
Stnb, mein Sou, mein einziger greunb! SSietteid^t in ärgfter 
©efafjr, in h e fÜ9f* er ©emüthSbetoegung. 3)enn toie ohne 
biefe, toenngleich ber £>öd^fte SKuth S)ich befeelt. Unb feine, 
leine Nachrichten h<*be ich 2Iermfte feit brei^n langen Sagen ! 
üßorgen fommt bie Sßoft. 3Ea£ toirb fie bringen,, unb bringt 
fie Beruhigung über eine Sache, toaä toirb mit ber Steife, 
mit ber traurigen Steife, triel $u f^ät fchon! 3<*> namenlog 
finb meine Sorgen, unb toak foflet mir $)eine Unruhe erft, 
mein, mein Sou. 3Ba3 fann ich barüber fagen! — Unb too 
ich Stärfung unb Sroft mir fndfjen miß, ba ift e3 mir bei 
biefer Trennung, als tnenn ein f alter Stebel alles Der* 
hüßte. Sticht ein einziger ^ßunft, nicht eine Hoffnung, an 
bie ich mich »ahrhaft hotten fönnte, außer ©einer Siebe unb 
greunbfehaft. 



268 



Seb moljt, leb taufenbmal tvofy, mein Hebfteä, mein einzig 
tt)irflicf)e§ ©ut auf ©rben, unb ©ott gebe Sir überfdfjttenglidfj, 
mir getoäfjre er griebe, um Sidf), um midj, unb balb foldje 
9lctd)rid)ten, bie SEunben fd^merjftißen. Senn bis e3 anber§ 
tautet, toie fönnte id) ba3 $et^ nt<f)t fcott SSunben füllen. 

Slpdf) $ule|t meinen Segen, ben ber järtlidiften SKutter- 
liebe be3 Sir befannten eigene $ugetoanbten ^er^enä ber 
treuften, aüertreuften greunbin. 

Somme bodf) nad& ©aftetn, nadfj ©aljburg, rufe midf) %u 
Sir. 8td&, toa* mittft Su über'S fflteer! 

93redf)en ftdf) bie SBetten be£ enbtofen nid£)t fcfjon an 
meinet Sebent Ufer? 

Senn enblofe unb tiefe Stacht. ift ba3 9Reer be£ £obe3, 
unb toie balb fann e3 mic§ aufnehmen in feine unburdfj* 
bringlid^e SRadfjt, worauf Su mtdf) nid)t abrufft, toenn meine 
ßeit bagetoefen. 

Sodfj idj fcfjließe, unb Ijoffe unb bete, ba§ Sir ©Ott 
burdf) ba3 Littel Seines f)of)en ©eifteS ba3 93efte, ba§ S3or= 
trefftidjfte für Sidf) eingebe! Seb tooljl, leb tooljl. 

©ebenfe Seiner treueften freuen ©. 



38. 

5ßücfler an Sucie. 

$ari3, ben 1. (September 1834. . 
SReine ^er^en^fd^nude, 

3d& f)abt fo öiel ju ttjun unb ju fdfjaffen, baß S)u 
mit bem Schreiben fdfjon ein bi3d£)en 9?ac§ftdf)t ;f>aben mußt 
9ted&t mel toerbe id£> bafür §u erjagten l^aben, ba idf) fo 



269 



manche intereffante unb berühmte SRenfchen §kx fcnnen lerne. 
SDtab. ®aty behauptet, qu'on me gätait ä Paris, äRab. 
SRecamier lieg mir Sfjateaubrtattb förmlich fommen, um mich 
mit ifjm befannt ju machen, bie 2)ücheffe b'StbranteS bat 
mich um einen 93efud) unb ber SRarquiä ©uftine/ber ftdf) 
®ir, Slbelhetb uijb $etmine fefjr angelegentlich empfehlen 
lägt, gab mir ein tt>ahre£, Heines geft in ber valläe de 
Montmorency, ber ®önig aber fjat mir bie Beidhnungen 
feiner ©tätte unb ein SBerf über alle feine $alai£ gefd^ettft. 
Tout cela est bien aimable, unb e§ ift gut, baf$ e3 nicht 
5U lange mit meinem Aufenthalt tpä^rt, benn fonft möchte 
fiel) bie Saite tvofyt balb abfpannen. 

SSom ffönig fyaht ich in ©t. ©loub Slbfdjieb genommen, 
unb reife nun, ba bie ©ntfdjeibung meinet 2Bege3 balb ein- 
treffen muß, jebenfatt3 in einigen Sagen ab. ©eftern erft 
erhielt idf) mit groger greube ©einen Srief fcom 23. mit 
öieten frönen 93efdhreibungen -BtünchenS, unb idf) fann S)ir 
nicht fagen, ttrie tooty e3 mir that, Sich fo Vernünftig über 
mein Suett fprechen §u fehen. Senn, ba idf) toeifj, mie ferner 
e£ Sir, biefe ©djnucfe, anfömmt, öerifcinftig ^u fein, fo banfe 
tdh Sir bie§, unb rechne e§ Sir an toeit §ö1)tx/:aU alte 
mögliche Sentimentalität, bie fid) in ben fdfjönften 5ß^r,afen 
ausbräche. 

@3 t>erftef)t fidfj, ba§, fömmt e3 ba^u, toaS noch feljr un* 
gctüig ift, tdf) im Salle einer Sleffur Sich gleich rufen taffe, 
benn toer toürbe mich beffer pflegen. Stur t>erf)inbere mich 
nicht, ©dfjnücferle, nachher an Slmerifa, auf ba3 nun einmal 
mein ©inn geftettt ift. Stadler motten nur $htf°f°pf) en 
werben, tüte Su eS ttmnfdfjeft, toenn toir fönnen, tooran idf) 
einige befcheibene ßmeifel ^ege. effe heute bei Selmar, 
beffen £au3 ba3 fchönfte in $ari§ ift, .unb mirabile dictu! 
ba^jenige, mo fich bie ^ot>e 2lriftofratie am reinften ber* 
fammelt. C'est la maison la plus fashionable et la plus 
comme il faut de Paris. SDtab. Selmar, bie mir fetjr toohl 



270 



miß, giebt baS heutige $)iner meinetmegen, um mir JRoffint^ 
93efanntfd£)aft $u beschaffen, et c'est moi, qui ai fix6 le 
jour. Vous voyez, Schnucke, qu'on n'est pas prophöte 
dans 8on pays, mais qu'on Test ailleurs. 

$)ein treuer 3)ich gar tyxjliü) liebenber Sou. 



39. 

$ücfter au Sucie. 
(SSor bem 2)uett gefcfjrieben, im Satt feines £obe3. S)er 
93rief hmrbe nicht abgefanbt.) 

•Steine gute, alte, treue, ttebe ®df)nucfe, 

SBenn S)u btefen 93rief erhältft, bitte ich $ich, immer 
uub mit bem tiebenbften ^erjen Vernünftig ju fein. — Sdj 
fage eS S)ir vorher, ber 33rief enthält eine fehr f stimme 
•Jiadjricht, eine, bie -Dich fef)r tief erf füttern mirb, aber 
tt)o§u Ratten mir bie SSernunft, menn mir fie nicht gerabe in 
jenen Äugenbticfen gebrochen mottten, mo toir fie am nötf)igften 
haben, unb glaube mir, baS ©d^Iimmfte fefbft f>at bocfj audf) 
noch feine vorteilhaften (Seiten, nur eins madf)t eine fcfjrecf* 
Iidf)e SluSnahme — memt ber, ben mir lieben, feine ©eele 
ober feine ©hre gebranbmarft f)al — ©elbft menn td& 
jum 93 cif ^ iel jc^n 3a^rc früher mie2)u verfterben müfcte, 
fo benfe, gutes ©chnüdftein, baf$ bei unferem ©lauben an 
©eelenmanberung bieS baS einzige SRittet ift, mie, entmeber 
^ier auf ber ©rbe noch ober in einem anberen ©tern, baS 
umgefehrte S3er£)ältni§ maS uns in biefem Seben'an einem 
dottfommenen ®Iücfe ge^inbert fyat, in'S Siebte gerücft 
merben, unb ich bann erft bie mahre, gan$ glücfliche (Sfyt 
mit $)ir führen fann. — gerner mürben auch für *>ie $t\i f 
bie S)ir fytx übrig bleibt, unfere Stffatren ftdj für 3)idf) allein 
mit $ülfe eines treuen greunbeS unb burdfj baS allgemeine 



271 



Qntereffe, tva$ £u einflößen mußt, nebft ben Erinnerungen 
ber 3)anfbarfeit für Steinen $ater ^u enblidfjer 9*ut)e unb 
Sicfjerljeit beffer geftalten, als e£ ütettetd^t je£t möglidf) tft- 
®u aber toürbeft eine fanft tröftenbe 93efd£)äftigung barin 
finben, meine ^Släne, bie 5)u äße fennft, toeiter fuhren, 
unb für bie Ermattung beffen $u forgen, tt>a3 bereits ge* 
fc&efjen. 3)ie Ueberjeugung baneben, baß niemanb fiel) untere 
einanber treuer geliebt als ttrir, niemanb fidj gegenfeitig in- 
niger unb rücfftc£)tSlofer öertraut — baß i<$ biefeS Sebeu 
nur mit feigem 2)anf unb tieffter Siebe für 2)idfj öerlaffen 
fjabe, müßte felbft deinem größten ©cfimerj nodf) eine füße 
93eimifd)uttg geben. ®ann benfe: per aspera ad astra, 
jene 2)et>ife aus deinem alten ©udfje: $urd) Unglücf gel)t 
man in ben Gimmel ein. .©ei alfo, meine treue Seele, ge= 
faßt, toemt baS ©cfyicffal eine große Trauer über 3>idf) &er= 
Rängen follte. ©S ift möglich — id& barf eS 5)ir nidjt fcer* 
bergen, märe eS aber nidjt fjunbertmat fdfjlimmer, toenn idj 
aufgehört t)ätte, ®idj ju lieben, ober ®u midj fceradjten 
müßteft ! — S)er £ob felbft ift ttrie jene Steife nadj 2lmerifa 
ober bem Orient — ift für ©eelen, bie ftdj einmal toal)rt)aft 
gefunben, nur eine jeitlid^e, feine etuige Trennung. ©mig 
aber ift bie @tjmt>att)ie, bie ot>ne irbifd&eS ^ntereffe 
bie ©eifter binbet. — 2)er meinige ttrirb 2)idfj umfdjtoeben, 
unb ein ®uß 2)id£) rufen, toenn S)u mir folgen fottft. 

®ein bis im £obe treuer Sou. 
Sergiß mein nic£)t! 

. ©S ift meine fefte Ueberjeugung im 9Roment beS XobeS 
augenblicflirf) toieber in ben ®eim eines neuen Sebent über* 
jugeljen, unb toer würbe nid£)t gern tüieber jung, toern gönnte 
e3 ein liebenbeS §erj nid£)t mit greuben! So fiel) eS an, 
meine ©cfynucfe, unb füljle in ©einem eigenen $er^en bie 
©ettrißfjett beS SBieberfinbenS. SBer toeiß, tuie oft mir uns 
fcfjon fo getrennt f)aben, ofjne eine Sttjnbung baüon -$u be* 



272 



fjalten. 9locf) einen Äug im ©eifte, unb Slbe für bieämaL 
— SBir fefjen uns mieber, big baf)in lebe in ber (Erinnerung, 
aud& biefe ift füg, unb banne tljöricfjten ©c^merj. Sticht meljr 
aU redfjt ift. 

9?odfj ein SBort, mein ^erj: 

1) |>eiratt)e nie lieber, ©o abfurb S)ir bieg öietteid£)t 
jefct Hingt, eg fönnte boc§ eine ßeit fommen, too S)u anberg 
barüber bäd£)teft, bann benfe meinet SBunfd&eg. 

2) trage Beitfebeng eine fjalbe Srauer für mid&. 3df) 
{>abe eg öerbient, unb bieg fei bog Beiden Seiner uner= 
fdf)ütterlidf)en Sreue für ben lobten, ber %xx triettetdfjt liebenb 
jefct fdfjon nafjen barf. 

S)ein Sou. 

%<S) füffe unb fegne 2)idf). 



40. 

Sßücfler an ßucie. 

33ermer3, ben 9. ©eptember 1834. 

•Steine fef)r gute ©d^nucfe, 

Moä) fear eg %\x nidjt beftimmt, SBittme ju toerben, 
benn idf) .fatin %\x nun bie gute 9tad£)ridf)t geben, bag icf) 
heute alg ©ieger aug bem an ber preugifcfjen ®rön^e ftatt* 
gefunbenen ®uett mit bem Dberften ffurfett hervorgegangen 
bin, unb toag eben fo gut ift, bie Steffur beg Dberften bietet 
feine, toenigfteng feine immebiate ®efaf)r, obgleich §»ei 
ßinien tiefer nadf) ber 2lugfage beg Slr^teg ber lob unfcer* 
meibticf) mar. 

SBir fcfjofferi ung im Slöanciren, ttmg jiemtidf) fd^toierig 
ift, unb burcf) ßufatt beibe faft ju gleicher $eit. S)er Dberft 
fehlte, unb idf) traf if)n am ^atfe.J 

S)a er fich für üottfommen befriebigt erflärte, unb 5U= 
gleich bereit, biejenigen ©rflärungen nun $u unterfchreiben, 



273 

bic ihm fcon $ari3 au§ jugefdhicft morben maren, um ba$ 
SDuett fcermeiben, unb bic er früher öermeigerte, me^halb 
c3 ftattftnbctt mußte — fo fotmte ich nur aufrieben fein, unb 
mir finb als gute greunbe gefchieben, mährenb er am Krampf* 
brechen bon feiner SEunbe litt. 

Gr tjat fidf) übrigens fefyr gut benommen, unb mir maren 
fo fjöflicf) miteinanber, baß ein gtentber geglaubt ^aben 
müßte, e3 fei eine bloße gegenfeitige Schießübung, ©eltfam 
mar e£ atterbingS, baß mir uns erft in bem Slugenblicf 
fennen lernten, mo mir unfere Sßiftolen aufeinanber lo£* 
brüeften. 

Sfch ^atte übrigens an bemfet&en SJlorgen fcljon eine 
anbere unb meit größere Agitation auSftehen müffen, nämlich 
mir meinen legten SBeiSheü^ahn aufnehmen $u laffen, meit 
er mir feit einiger 3ei* sumeilen meh ttjat, unb ich fürchtete, 
er fönnte mich gerabe mährenb beS 2)uet(S quälen. XieDpera* 
tion mar fdjmierig, unb fonnte nur nach breimaltgem 2tn* 
fefcen beenbigt merben, meil man ihn nicht anfaffen fnnnte. 
3df) fenbe beiliegenb benfetben 3oh n * n natura. 

©ine ©orge bift J)n nun log, gute $emte, aber mie 
lange mirb eS bauern, fo fliegt bie ci devant junge ©nte 
mieber in eine anbere ®efahr! 2lrme ©dfjnucfe, S)u fömmft 
nicht jur 3luhe! 

SßaS ich jefct thue, meiß idf) felbft noch nicht ganj genau, 
mahrfcheinlich fetjre ich nach $ari£ jurücf, pour jouir un 
peu de mon petit triomphe. 

SOtein ©chmager Sanffircf) mirb ben Sopf barüber 
fdjütteln, baß ich ben Dberft Surf eil ni d&t tobtgef hoffen höbe, 
aber fage ihm, baß ich crftenS nicht mit meinen guten ^ßiftolen 
fließen burfte, jmeitenS baS ©gießen im ®ehen immer, 
felbft bei bem beften Schüben, fehr unfidfjer bleibt, ©nblich 
muß ich ehrlich bef ennen , baß mir ber bejahrte SJiann f o 
frei unb ohne alle SBorftcfjt entgegenfehritt, baß ich midf) ju 
feinem mörberifchen genauen Skhn entfchließen fonnte, 

Hüffler, <8n<fn>f$ffl unt> Sagebucb«. VIII. 18 



274 



f ottbern fcf)tteH nur in ber Sinie lo^brücfte. C'est peut-etre 
une b£tise, mais le bon coeur me joue de ces tours-lä, 
et vous le savez bien, que c'est comme cela. 

©ett ba£ S)uett öorbei ift, füljle id£) ttrieber eine redete 
Seere, unb idf) bebaure faft biefe leiste Aufregung meiner 
SebenSgeifter öerloren $u t>aben; benn e3 befdjäftigte mid£). 
Se^t f)abe idf) nicfjtö mef)r bon gteidfjem Sntereffe, et je suis 
m6content $)u ttrirft befto §ttfriebener fein, unb ba3 freut 
midfj ant meiften. Stnttoorte, toie gemöf)nlid&, an 3?otl)f<$ilb. 

S)ein treuer Sou. 

3m gatte idf) geblieben ttmre, fjätteft S)u einen fetjr 
rü^renben 93rief Don mir befommen, ber jefct in meinem 
Portefeuille bleibt ©cfjnucfe. 



41. 

^ücfler an Sucie. 

Siegel, ben 11. ©eptem&er 1834. 

S)a idj, &eref)rte ©d&nucfe, öergeffen f)abe, in meinem 
testen ©riefe ben ertoälinten $at)n einzulegen, fo fdjidfe tdj 
2)ir ben feljr abfdfjeulicfjen je^t, nebft einem 9*inge mit einer 
pens6e unb bem Saturn be3 <£age£, roo befagter le^ter 
3BetSf)eit3jaf)n ausgesogen tourbe. 

$)a3 tyiefige Sanb ift fo Ijübfdfj, ®egenb unb SBetter fa 
angenehm, baf$ idf) 9Jtüf)e Ijabe, es ju üerlaffen. |>eute er* 
fd£)ien ber Sßirtfj be§ gang guten Rotels bei mir, um ftdj 
fet)r reöerentiite eine ©nabe au^pbitten. ,,Eh bien", fagte 
idf), „qu'y a-t-il ä votre Service?" 



275 



„Je vous prie, mon Prince, quand vous Gcrirez sur 
la Belgique, de faire l'61oge de mon Hdtel." 

2) ie3 ift mir fdfjon an mehreren Drten begegnet. 

3) a bte§ nur eine 93egleitung£abreffe be3 SlingeS ift, 
fdE)reibe idf) weiter nidf)t3. 

S)ein alter Sou. 



42. 

^ücfter an Sncie. 

©t. D-uentin, ben 15. (September 1834. 
Siebfte ©dfjnucfe, 

SdEj fd^irfe S)ir hierbei ein Statt be3 erften Sournate 
au3 Srüffel, bamit S)u fief)ft, wie man in Selgien über 
©einen Sou urteilt, unb bitte 2)idj, e§ für SDluSfau auf* 
^u^eben. 

Uebrigen3 melbe idb S)ir, bafj ®u mefjr ©lücf tjaft al§ 
idfj; benn natf) aßen eingebogenen ©rfunbigungen ift e3 für 
btefe§ $al)r $u fpät für 9lmerifa, unb idEj Werbe ba^er eine 
anbere weniger entfernte Xour einfdEjlagen müffen. 

@et)r übel ift e§ für midf), feinen früheren SDtuSfauer 
3)iener mit mir $u fyaben, ber jugteid) etwas gewanbt ift. 
S)er ©dtjwabe ift ju t)erwöf)nt, unb aucf) etwa3 §u teidfjt* 
finnig. C'est un excellent Figaro, pour un homme, qui 
a plusieurs domestiques, mais pas un serviteur, comme 
il m'en faut. En partant de Paris, je compte le ren- 
voyer, et. m'embarquer de nouveau seul et en diligence. 
L'affaire du duel m'a eoüte au moins mille 6cus, et il 
faut tächer de Sparer cette breche ä ma bourse durant 
Phiver, on si cela n'est pas possible, au moins ne pas con- 
tinuer sur ce pied, trop dispendieux pour mes moyens. 

3dEj bin red^t begierig auf ^Briefe Don 2)ir, bie idfj üon 
fRot^fc^ilb erwarte, um audfj ju Wiffen, ob idf) ferner nadj 
SDiündjen abrefftren foß. 

18* 



276 



9fyro£o§, mein Aberglaube hätte balb einen Reinen @to6 
erlitten. 2)u mirft gemifj fchmälen, menn idj 3)ir fage, bajs 
ich, einem 33iner bei ber frönen £)etmar Siebe, am 
greitag Don $ari3 meiner gefährlichen ©jpebition ab* 
reifte. ©3 ging auch im Slnfang fd^led^t genug. 3n ber 
2Rorgenbämmerung begegneten mir am %$oxt linfS einer 
Seiche, bie man ju ©rabe trug, unb balb barauf auf ber* 
felben Seite einer beerbe ®ochenit(en, ohne bafc idj eine 
Sftabel ^croit^^ixtnerfert ^atte. 3meimal brach mir bie in 
SßariS ^ur SReife gemietete ®alef<f)e, unb mir nahmen äu3 
Srrthum eine falfdje fe^r fchlechte ©trage, auf ber mir brei 
Soften umfuhren. ©nblicf) f)attt ich untermeg§ eine ber 
fürcf)terlicf)ften SRtgrainen, bie ich feit lange erlitten, unb bie 
ich in fyatbtx SSerjmeiflung auf bem fchänbtichften pav6 ab^ 
marten muffte, meit $um Siegenbleiben feine ßeit mehr mar. 
Aber ma3 gefchah — fur^ öor bem Orte be§ 9tenbea ~ üou§ 
begegnete id) einer fchönen £eerbe @djafe rechte, unb meinem 
laut gerufenen bon jour, bon jour, Schnucke, f^be icf) e§ 
allein ju banfen, bafc bie früheren böfen Omina gän$lidj tnU 
fräftet mürben. 2luch h a # e ^ Steine mir einmal gegebene 
9tofe, bie mein Portefeuille nie fcerläfjt, auf ber ©ruft. 

£eute befah ich bti Sampenfchein ben munberbaren h^ 
figen Sanal 9?a£oleon§, ber 1% Steuer unter ben Sergen 
hinführi. Der gufcmeg an feinem Staube ift glitfdjerig unb 
gefährlidj. SSor brei Sßodjen ertranf §kx bie grau unb 
Sodjter be3 ©eputirten f^lrabie. Un seul faux pas les 
entrainaient dans Fahime. 



2lbieu für bieSmal. 



©ein treuer Sou. 



277 



43. 

$ücfter an ßucie. 

$ari3, ben 18. ©eptcmber 1834. 

Stete ©dfjnucfe, 

3fdfj bin eben angefommen, unb noifj infognito fjier, unb 
finbe jmei ^Briefe big sunt 3. (September üon 2>ir öor, mit 
öerfdfjiebenen SSorttmrfen, bafc id) £)ir -nichts bom $)uett 
f dfjreibe. 

%d) xoiU ®ir bieg erflören. 

S)a idfj aus berfd^iebenen tnünbtid^ mitäutf)eilenben ©rün* 
ben bon |>auf£ aus (ba§ Reifet, üon bem SRoment an, tt>o id) 
bie Slad&rid&t ber ÄurfelPfd&en $roftamation erhielt) ent* 
f Stoffen ttmr, baf$ e3 sunt ®ueH fommen foltte, auf ber 
anberen Seite aber, int gaß id) ben Dberft tobtfdfjöffe, bie 
größte SSorftdfjt antnenben mufjte, um nidf)t afä 9lgreffeur 
beim ^rojefj ju erfdjeinen, fo sog ftd& baburdf) bie ©acf)e 
fc^r in bie Sänge, unb id) fudEjte, um 2)idf) nid&t ju beun* 
ruhigen, fq foenig at§ mögtidf) baüon ju fpredfjen, unb ®ir 
bie Hoffnung ber friebli(fjen 2(u3gIeidEjung ^u laffen. Sdfj 
glaube, bafc bie3 vernünftig mar, unb S)u, e§ je|t billigen mirft. 

Uebrigen3 meifct S)u, baf$ idEj ben Dberft ganj anber§ 
gefunben, (fd£)on aus feinen Briefen naifj $ari§) aU id) iJrrt 
erft erwartet, nämlidf) dfje&alere^f unb ein braber 3Rann, aber 
bornirt. ©ein 93ene^men fyat ifjrn ba£ Seben gerettet; benn 
menn id) feinblidf) jielte, mar er bei ber ©efdjidfticf)feit , bie 
id) jefet burcfj aiemlidf) biet Uebung erlangt , ' ein $inb be§ 
XobeS, unb mag bie 9tuf)e betrifft, fo fann icfj Dir mein 
©tyrenmort gebeu, baft meine §anb nie auf bem ©dfjiefft>I<$ 
fo feft ift, al3 fie beim S)ucß mar. 3df) ttmr fo boßfommen 
* gleichgültig, al3 id) es nur immer fein fann, unb Ijatte unter 
anberen beim S^nau^ne^men früt) je^nmal mef)r Agitation; 
ba3 Iebt)aftefte meiner ©efü^Ie mar äRitleib mit bem Dberften, 
unb eine generöfe Stbneigung, i^m auf ben ßeib ju jielen. 



278 

C'est dröle, mais c'est vrai. 3>nbeffen miff idj nidfjt läug* 
neu, baß idfj in ber langen 3ett öorljer mandjmat, aber 
feiten, eine Slnmanbtung fcon 93efiemmung füllte; bodfj nie 
au3 Surdfjt imr bem 2)ueff, ba£ idfj im ©egentfjeil münfdfjte, 
unb baS midfj bie ganje 3*it angenehm unterhalten Ijat, 
fonbern au3 Surdfjt, man möge mein ^Betragen aU fotd^e 
interpretiren. 3<ij mar immer fo, unb ba idfj fo leidet blaß 
unb rot!) merbe, oft faft o^ne äffe Seranlaffung, ober eine 
unbegreifliche, fo bin idfj be3f)atb nur beforgt. 

Seim S)ueff mar idE), tüte mir bie S cu 9^ n gefagt # feljr 
jugenblidfj unb rotlj auöfe^enb. ©onberbar ift e§, baß, ob* 
gteidfj idfj, tute 3)u meißt, immer üiel träume, nie einen Sraum 
gehabt ^abe, ber audfj nur im ©eringften auf etmaS beut 
$)ueff 2lef>nlid£)e§ angefpielt Ijätte. 

Steine ©dfjitberungen finb ja füperbe, idfj merbe balb bei 
S)ir in bie ©dfjule gefjen müffen, um fo mefjr, ba idfj felbft 
ganj Verlernt ^abe, ©egenben ju befdfjreiben. 

3ur meggejagten ®ammerjungfer gratutire idfj; idfj 
münfdfjte, .tdfj märe meinen gigaro audfj fd^on toß, unb ge* 
ftelje, baß idfj e3 ferner empfinbe, feinen aus ber 2Ru3fauer 
Schule bei mir ju ^aben. S)em ©dfjmibt merbe idfj e3 nie 
berjeitjen, baß er midfj fo rücffidfjt§Io§ unb in ber -ftotf) mie 
in ber ©efafjr berließ, unb icf) bin fetbft auf 2>idfj ein biSdjen 
unmirfdfj, baß ®u erftenä baran fdfjulb bift, unb ameitenS e£ 
fo teidjt genommen. 3ur Strafe merbe idj 2)ir ben anberen 
©dfjmibt abnehmen, ber einzige, ben idf) brausen fann. Sfttt* 
morte mir beg^alb, mie gemöf)nlidfj an 9iotf)fdfjiIb. ©3 ift 
eine f djlimme ©adje in ber grembe fo äff ein ^u ftet)en, menn 
man, mie S)u gan^ redfjt Ijaft, alt unb üermöfjnt ift. 

3dj gef)e, ba idfj Stmerifa aufgeben mußte, in brei Sagen 
nadf) Sorbeauj unb ben 5ß^renäen. 9Son ba nadj Xouloufe, 
über Sllef nadfj SDtarfeiffe unb Souton, mo idj. midfj nadj 
Sltgier einfdjiffe, ba§ man in jmei Sagen erreicht. S)ort 



279 



toerbe idfj eine 3eü lang toeiten, um ben crften X^eil meinet 
neuen Sßerfe3 ju fdfjreiben. 

SSBißft 2>u mir ben ©dEjmibt fdjicfen, fo müßte e§ naef) 
Xoulon fein, boef) erwarte idfj erft Seine Stnttoort, unb £>u 
meine Sfteplif mit beftimmter Drbre; benn uicHeid^t finbe id) 
etttmS $affenbe§ untertoegS. 93on SßariS reife id) tüieber 
mit ber 2)iligence unb folo ab. 

Sftodfj em§. -KirgenbS madfjt man \t%t bie ®atefd)en 
beffer als in $art3, felbft in Sonbon nidEjt, unb jtt)ar gerabe 
fo, ftrie S5u fie ^aben toittft, nämlich, baß fie, toemt e3 regnet, 
faft tuie eine Serline mit ©ra^toänben. auSfefjen, unb bod) 
leidet für $toei $ferbe finb, unb fet)r elegant, audEj fef)r fo= 
libe unb bequem. Sine folcfje Satefdje foftet 4000 gfranfen; 
eljer ettoaS mefjr als tueniger, ift aber für immer, unb toenn 
2)u eine fjaben mittft, ratfje idfj unbebingt baju. 

3>d) füffe £)idf) fjeralidf), unb bin immer 3)ein gnäbiger, 
feljr öerefyrtidjer Sou. 

©d^nude, 2)u bift ein Sgoift, §aft midEj ;in 9iotf) unb 
Xob geljen laffen, uub mir nidfjt einmal ben ©dfjmtbt gefcfyicft. 
£) ©dEjnude! 



44. 

Sucie an $ücfler. 

$en 20. ©eptember 1834. 

3>dfj tooßte, baß id) nidEjt fdjreiben müßte, benn nodj ift 
mein $erj ju üoff, idj Ijabe audj feine SB orte, aber toenn 
5S)u toeißt, tvaä Siebe, unb meine Siebe ift, bann füljte 
meine ©mpfinbungen nadfj. Unb bodj, 2)u toirft nie ba3 
(San^e meiner ©dfjmeraen, meiner Stngft ermeffen, benn idj 
tjabe freiließ nur ftanbfyaft gef Lienen, unb bie unfägüdjfte 
£lual fjat mid) üerfolgt, ber idE) toirflidf) nur ben Sroft ettt* 
gegenfe|te, baß, müßte idfj $td) üertieren, mein Sou, ber 
£ob mief) balb erföfen toürbe. SSon bem 9lngenbticfe aber, 



280 



mo \ü) deinen legten 33rief erhielt, muf$te ich, bafc ba§ Duett 
ftattfjaben mürbe. @3 ift ber üom 1. September, mo Du 
mir bemfft, baf$ ich Dich burdEj unnötige ®tage nicht be* 
ftürmt, unb Dir $erj unb ©eift baburdfj frei erhalten. SKun 
benfe, ma$ ich befürchtet, unb mie ein 93ilb, immer entfefclidjer, 
ba§ tefcte in meiner fcermunbeten 5ßf)antafie gefiebert. Den 
10. erhielt ich biefen Srief! ©nblicf) geftern. ©ott, tote ich 
nur bie^emb erbltefte, Deine, Sngel, ba§ SEBort Steger 
gleich juerft taäl ©taube mir, afle ©üter ber SBett mären 
mir nicht mehr gemefen, unb eine greube, eine f)immlifc!)e 
greube, aber fo ernft unb ergreifenb burdfjbebte midh. 
Sitte meine Stbern fdf)lugen, unb freuten, fo redete Sfjränen, 
bie ba3 £>erj meinte, floffen tyxab. 9ftit ©ott, ber Dich ge~ 
rettet, mein 2ltteg, füllte ich mich in ^Berührung, erhoben 
ju ihm mit bem fjeitigften, liebebottften Danf. ©r meift 
allein, ma§ Du mir bift, mie ich mich Dir gemeint 
habe. Unb feine £anb §at hier gemaltet gan$ befrtebigenb 
für meine ^örtlich tiebenbfte Seforgnijg. 3a, für jebe, benn 
nach aßem, mag vorgefallen — gereichte e3 jufagenb für Dein 
hohes, mat)re3 @^rgefü^l, baft bie Sache t)or fich ging. Unb 
nie hätte ich anberen s Äu3gang münfcfjen fönnen. 2tber, 
ba§ Du gefiegt, bafc Du unberfehrt geblieben, melier Segen 
barin, unb baf$ Dein (Sbetmuth ben ©reis nicht töbtlicf) ju 
üermunben trachtete, für biefeS 2lufbti£en Deinem guten 
§erjen§, ba3 idh gan§ ergrünbe, ganj fchä^e, ganj mieber^ 
finbe, SßreiS unb Siebe Dir unb bem 2lßmäcf)tigen , beffen 
®inb Du bift, ber mich merben machte, Deine hingegebene, 
treuefte, mütterliche greunbin. 

D 2ou, noch torine id(j, noch bin ich üott tieffter Führung. 
Die Äugel, bie auf Dich gerichtet mar, ich erlebte öiele 
hunbertmat bie $ein biefeS ©ebanfen, unb — ma§ mürbe 
aus mir, fam eS fo. Den ©rief »erlange idh bon Dir, idh 
befchmöre Dich, mir ihn nicht vorzuenthalten. 3a, ich bebarf 
3U miffen, mie e£ um Deine Siebe für mich fteht. 2Bie 



281 



feljr bin idfj beg 3«ff ru$e3, nadf) betn ma§ idfj auSgeftanben, 
adf), ftadfj bem, mag idfj boifj nocf) bor mir tja&e — bcr 
Xröftung ber ftärfenben ©emif$f)eit bebürftig! 

SBie Diel Ijabe id) ©ir nocfy, mein Sou, ju fagen über 
©einen SDhttf), ©eine Sfaltblütigfeit. — ©ie ©adje mit bem 
3at)n ift merfmürbtg, fie gleist ©ir nur. ©odj ber Sou* 
jafin ift nidfjt ba. ©dfjide ifjn. ©3 ift mir taufenbmal lieb 
©einer geinbe megen, baß ©u trtum£f)irteft, audfj ©ein 
SDir burdE) ^mei fo ausgezeichnete SDtänner zugegebene ©e* 
funbant. 

©u fdjreibft mir aber ju menig ©etaifä. SBarüm fiel 
ber $reuf$e abv SSermut^Kd) Ijaft Du au3 ©djonung für 
feine ©jiftenj ben ©ienft ntcf)t mefyr »erlangt. ©ie $t)eil* 
ttaf)tne in ©aftcin mar feljr groft; idj ^abe burd(jau3 nidfjt 
meinen ©dfjmerz unb meine 9lngft ^ur ©dfjau gefteflt. ©3 
mar mir afleS ju mistig unb bebeutenb; faum barüber ge* 
fprodfjeu. SJlan fannte inbeffen ©eine Slbreife nadj ber 
preuf$ifdE)en ©rän^e, unb bie Slbftdjt burdj bie „Allgemeine 
ßeitung". grüljer £)atte 3Rufdf)mifc, ber jurüdgeblieben, nidfjtö 
mentger als ©einen %ob, Serfiegelung in äWuSfau unb ber* 
gleichen me^r gemetbet, meldfjeS aber afle§ mir üon ber 
ganjen ©efeflfdfjaft forgfältig üerfdjmiegen mürbe. 2lbelt)eib 
f)at fidfj fo tfjeitnefymenb als liebetioß für ©idfj benommen. 
8(udj bie Sinber. ©r foß tä feljr gemefen fein, Ijat aber 
nidEjtS üerrattjen. Seberman mar erfreut geftem. ©3 mar 
©ine ©timme, ©in ©lüdmünf $en ; bafc ba3 ©ueß gemefen, 
$atte Stßer Seifaß. 

SBarum nur fann idf) nidfjt ©ein ffinie an meine ©ruft 
brüden, ©idfj ljören, ©eine lieben 3üge in biefem SÖtoment 
erbüden! SBie bringenb märe e£, baf$ idfj gegen ©idfj meine 
©tnpfinbungen au§fprädf)e, ©ir bie liebeüoflen SSorfteßungen 
machte, bie fein ^apierbtatt überträgt, fomie au3 einem Strom 
befter 3Keinung unb S^eilnafjme entquillt, ©u mißft mir 
nun mieber Stngft madfjen, ober beffer, ©einer unüermeiblidfjen 



282 



üermeinten jSeftimmung toiffft Su barin üon Beuern nach- 
gehen, unb abermals ©efafjren tote Stufjerorbentlid&eS auf* 
fudjen! ©üfce, liebe ©eele, gelange bodj enblich ber 23er= 
nunft ©einer gahre. Sege ben ^antafie^ Stbent^enrer, bie 
geffet beS SBirftidjen unb be§ Heeßen an! SBo^in foll ich 
ratzen, baft Su sielft? gür ben Slugenblicf ift Slmerifa ein 
SBageftücf; ftefje ab baüon. 

SDtöchte bie ^immtifd^e SBeteljeit Sir Erleuchtung über 
Seine effefttoe, nicht bie intaginaire Sage geben, tn ber Xu Sich 
befinbeft; alles bieS, roxe centnerfchtoer liegt e£ auf mir. S5c= 
nu^e bodEj bie günftigen Äonjunfturen jur Erreichung ber 
früheren Qtvtdt, benen Su, benen ich f° fc^tüere Opfer fdjon 
gebraut. 

Sie Bufunft, Seine namentlich, theurer, einziger greunb, 
erregt mir vielfache 93eforgniffe! Su ^aft Sir geinbe gemacht, 
bie nur bem fotibeften ßuftanb einer fieberen gortune toeichen, 
ober burch biefe machtlos toerben. Surdfjgängig ift man ber 
Anficht, baß bie Setoohner ber neuen SBelt feine 9?effourcen, 
loie Su fie in jeber ^infidjt braucfjft, bieten. Sodfj }u 
ettoaS anberem. 

SReine TOreife ,nach ©aftein fyattt ich fairt, noch ehe 
ich Seinen 93rtef erhielt. Sie ©aifon bort geht gan$ ju 
©übe, unb in ben nächften brei Sagen bleibt bort niemanb 
mehr. 5fcf) bin alfo ^eute abgereift, unb befinbe mich biefen 
Slbenb in SBerfen, eine Station $ttnfchen biefem SSab unb 
©aljburg ! 3ch bin atiein. Karolatf) ift nach Senebig, Slbelheib 
fömmt um einiges fpäter. Sie SBitterung ift föftlich, föftlidj. 
SftirgenbS eine SBotfe an bem ttefblaueften, rufjigften Gimmel. 
Sor mir eine SBanb jaefiger -in ben fübnften formen fyofy 
emporragenber Serge, ihr ©ürtet unb ihr 3fuf$ belaubt, bott 
ben reichften SJlatten gegiert, burch baS rafche raufdfjenbe ®e* 
baffer üieler 9llpenftröme genest, 3fm ©ipfet tueifc unb 
mattgrau fchattirt. SeitttmrtS ein'bierecfig $lä§chen einge- 
zäunt unb erhöht. (Sin h ^ ^ru^ifiy unb Ijuttbevte t>on 



283 



Keinen Xobtenmaten, balb fo, balb fo geformt, mit Denf* 
f Triften unb Sränjen, t)ertt>elft unb üertöfdjt! Die ba ruhen, 
fie fehen ber Statur unfägltrfje Schönheit nicht mehr f)ier 
in biefen 5ßarabiefen öon Sanbfdjaften — fie füllen aurfj ben 
©d^merj nicht, um ba3, tna§ fie lieben, unb ifjr einfameä 
©rab fümmert fie nicht, tuie mein Slffeinfein mich unb meine 
(Sinfamfeit, toenn Du mir fern bift, unb fern, unb eigentlich 
öerlor en. 

©ute Stacht. 8<h miß aber gar, gar nicfjt flogen, nur 
©ott fegnen, ba§ er Dich mir, unb Did) Dir erhält, Dich 
Sieber, Dir e§ fagen, unb bie Ueber^eugung Deiner ©eele 
einhauchen, bafc aßeg, tna§ Du erlebft Don mir tiefempfun* 
ben, nachgelebt ift. 

$)en 21. üDlorgenS, roätyrenb alle ©locfen läuten, unb 
eine ^ßrojeffton ben SBerg hinauf jte^t! 

3dj fa^re h^ute nach ©atjburg, too ich einige 3^t ^u 
bteiben benfe, unb toa$ ich a ^ ben Qtotd ober bie ©ffenj 
meiner 9leife 'betrachte. 

(Salzburg, ben 22. (September. 

Der Sran^, ber ben ^tefigen ^orijont begräbt, ift ba£ 
prä<htigfte üon Sergen, ttm§ bie Statur erfinnen fonnte. 3h re 
gormen, ba3 SSerf Rieben ineinanber, bie immer fteigenbe 
©röfce, bie SlbtoedjSlung öon garbe unb Sicht, ber Duft, ber 
hier üerfdfjleiert, bort meidet, ber Gimmel, ber mich burdj 
feinen Zon entjüdt — e3 ift nrirftich unbefchreibüch, deichen 
©inbrucf bteS ^ert>or6ringt. Unb hier alt ein ju fein, $kx 
bennoch ber ©orge für feinSiebfteS fich Eingeben $u müffen, 
bieg ift bie SBelt 

©ern möchte ich nur e * ne SBonne empfmben, bie, Dich, 
mein geliebter greunb, au£ ber ©efahr ju ttriffen, tuorüt Du 
fo lange gefchtoebt; ich geniejse auch biefe 9lrt SBiebergeburt, 



284 



boch £)u fel&ft bcretteft mich ja getütff ermaßen üor, mein 
armes ^crj neuer Slngft mibmen, ©eift, traurige 
StefuÜate beS $ntereffe3 unb ber Unterhaltung für 3)ich fein 
bürften. 216er eine blofc romantifche Steife — ein Stoff etwa 
ju neuen ©üdfjern, barüber üerfäumft 3)u SBefentltcheS. 

§aft 3)u, Sou, baS aßeS bebaut, geprüft mit ber $lar* 
fjeit 2)eineS SBerftanbeS, ohne Sngouentent für bieg ober jenes, 
ja|, als nur abermals ein bem 5ßbulifum gegebenes SBort 
ju töfen, baS Unbanfbarfte an fidj, benn eS ift bem nach Beuern, 
Unerwarteten !^afcf)enben fdEjon baS Sllte nicht mehr in* 
tereffant. 

Semerfe bieS Wohl, wie, bafj nirgenbs wirflidtjer S)anf 
in folgern %aU unfere Seftrebungen , unfere ferneren Opfer 
belohnt. 5)en einen 3toe<f / i& biefen ju erreichen, traute 
— jefct, ober nie, burdfjauS nie mehr. 3df) fpredfje nicht 
ju meinem 93ortf)eü, Wenn i(fj anberS einen als ben Peinigen 
fenne. D mein Sou, 3)eine Unruhe beunruhigt mich §u Sobe. 
Sege fie bennocf) ab, ober fyanblt mit 3)einen Wirf* 
lidfjen 2tbfidf)ten ein einjigmal in Ueberetnftimmun^ 
Sßaä man ernft will, wie Sßapoteon'S 9tidfjte fagte, baS er* 
reicht man. Unb giebft ®u eS auf, fo Werbe fo öott SEBeiS* 
heit, als 3)u ausgezeichnet unb ber ©ötter ©ünftling; 
unb Wer bürgt, baf$ biefe wenn auch armfeligen SBorte boch 
mein ^etligfte^ ©efühl auSfagenb , unb ben (Schmer^ öieler 
SWonate, nur üon S)ir abgewartet mürben, um mich abermals 
ber Slngft ber unberedfjneten Trennung ju übertaffen. 

D Sou, fönnte meine ©timme WirfIidEj etwas gelten, 
ber ©trom, ber immer örauft unb jerftörenb treibt, enblid), 
enbüdfj ftiße Ufer Wählen! 

Slber wer fpricht benn SBahrheit, an wem ift eS, fie ju 
fagen, Wenn nicht an mir? Unb wem ift fo, fo ergreifettb 
barum §u tf)uri, als mir ? Dem SSarnhagen trau' ich faum mehr ! 
@S gtebt SKenfdhen, bie nur eine 3eü lang greunbe finb, unb eS 
fein Wollen. ®u bift nicht mehr fttvtd für ihn, unb bajg er 



285 



\xd) getäufcfrt, ba3 xäd)t er tote Steine ©eburt an Sir. — 
SBarum f)abe idj nur immer btefcn ©ebanfen? Sodj eS fei 
it)tn, tote if)m toofle, tljeure ©eele, nimm nur afleS redjt toaf)r, 
unb gelje mit Seinem tjofjen, Haren SBerftanb felbft ju Statte! 
Sftidfjt mit bem Seidjtftnn in &aft unb (Stic, ber Sir öon je^er 
bie fdjlimmften ©treibe getieft. 

SSerjei^ mir mit ben Seiten in Seinem £erjen, bie fo 
- ljerrtid?, fo bortrefftidf) fütb. 2IudEj mit biefen liebe mid), fonft 
bin idj be3 SobeS. 

Seine treue, ettrig gärttidfje greunbin. 



45. 

$ücf(er an Sucie. 

^ßariS, ben 26. (September 1834. 

Siebfte (Sdjnude, 

SBenn id) midfj btoft amüftren moffte, bliebe idEj fjier, too 
id) fo ausgezeichnet gut überall aufgenommen bin; id) mujs 
aber nodj ettoaS feljen, e^e id) ju alt ^um Steifen toerbe, 
unb ba e£ mitStmerifa nichts mefjr ift, toenbe id) midfj nad) 
bem ©üben, nadfj bem idj eine große @ef>nfucf)t f)abe. 9Jia(fje 
mir nur ja feine ©pirenjien be3f)atb, benn e3 toürbe midfj 
tticf)t baoon abbringen (tuet! id) fein ®inb meljr bin, unb 
toeifc, toaS unb toarum id) eüoaS tf)ue), unb bodfj dfjipotiren 
unb betrüben. 

95eim Suett tjaft Su Stdj, gute Sdmude, fef)r Oer* 
nünftig unb fef)r tiebeöoK betragen, golge biefer SBeife audfj 
bei allem anberen, unb gieb öor aßem feinem Aberglauben 
SRaum, aufjer jum @{)af$. 

©ieb mir bodfj einige SetaitS oon SRuSfau, too, toie id) 
f)öre, ber ©ro^erjog oon SBeimar at§ Sabegaft getoefen fein 
foß, unb id) toeifj nid)t, loer nod). SRein ©artentoerf toirb 
je£t SSiele tjinjiefien, aber eigentlich al§ Stttra^^c; benn fie 



286 



finbcn freifidfj Don ben angezeigten SBunberbingen nidjt biet. 
Snbeffen, tuenn nur ba3 üorfjanbene r e d& t gut gehalten 
ift (toooon idj leiber bag ©egentljeil befürifjte), fo nrirb e§ 
bodE) gefaflen, fo unooßfornmen e§ ift. 

38er I)ier eine tuafyre Heine Sßaffion für mid) f)at, ift 
grau oon 2)elmar, beren $au§, roie idfj 2>ir fdfjon gefdjrieben, 
baS Sßinacle Don ©legan^ ift. hierbei bemerfe icfj, baß eS 
atterbingS f)ier SRobe ift, bie ©cfjlafftube fetjr elegant ju 
tjaben, man empfängt aber nur Vertraute barm, öffnet fie 
aber audEj bei geten. ®er ©dE)reibtifcf) ftet)t barin, unb auf 
Xifdjen allerlei Sleinigfeiten, bie eine 8trt ©rinnerungätoerttj 
Ijaben, mit gauteuitö unb chaises longues. 2)ag ber grau 
oon 2)elmar ift meergrün unb tueiß mit (£armoifinteppidj, 
ber gemöljntict)e ©alon baneben, gelb mit ©otb unb bitto 
Sarmoifinteppidf) oon bemfelben SDtufter. 2)er große ©alon 
unb ©ßjimmer rotl) unb golb, unb immer berfelbe Xtppiü). 
S)er Heine unb ber große Saflfaat, roie eine anbere große 
$tece, ©tud, ©Riegel, SDtalerei unb ©olb. Stße 3ReubIe3 in 
biefen testen brei $iöcen rotf) unb golb. $rad)t, ©in* 
fad^eit unb ©efdEjmad finb in ber %1)at überall bereinigt, 
unb taffen nidjtS ju ttmnfdfjen übrig, ©bfcnfo magnifif ift 
bie Sreppe, unb nichts Kottfidfjet mie in bem ©djinfeffdfjen 
Calais. ©in bijou oon ©arten ftößt an bie ßiwwter, ber 
fetjr gut gehalten ift. SRan fann e3 ba£ gbeal eine£ ©tabt- 
fjaufeS nennen. S)etmar fjat e3 neu gebaut, unb einige 3Sl\h 
Honen barauf bermenbet. S)ie ganj toergolbeten Kronleuchter 
im SaHfaan foften aßein 20,000 ftranfen. 

$en 28. 

n: Sftodfj immer bin idjj nidf)t beffer, unb muß meine fdfjöne 
3eit mit bem frönen SBetter fdfjmätjlicf) Verlieren! §eute 
befam idj einen fef>r l)übfcf)en Srtef bon 9iotl)er. On s'est 
empressö de me dire mort k Berlin et en Sil6sie. On le 
däsirait sans doute, et meine ici ä TAmbassade j'ai 
remarquä malgrö toutes les politesses qu'on me fait, 



287 



qu'on esttrös d6sappoint6 de Fissue de mon affaire On 
traite le pauvre colonel Kursei presque de bete et de 
lache, de s'etre laisser forcer par moi ä. signer ce qu'il 
avait auparavant refusä avec tant d'önergie. II est 
certain, que je ne Taurais pas fait ä sa place, mais 
pourquoi! Uniqueinent par vanite. Avec tout.cela je 
m'apergois bien, qu'on me regarde comme dehors 
de la Prusse, et pas du tout comme un membre 
de la famille. Si on ne me craignait pas, Panimosite 
se montrerait peut-etre tr£s k dßcouvert. Iis ont tort 
pourtant, car je serais facile k gagner, et un fois 
gagn6, plus utile que bien d'autres. Vous allez voir 
qu'un jour viendra, oü ils s'en repentiront, si Diext me 
conserve tel que je suis ä präsent. 

^cf) f)abe fcfjon fcor fünf Sagen, öon aßer SBelt 916= 
fchieb genommen, unb toarte mit Schmerlen auf hinlängliche 
Sefferung jnr Stbretfe. £)en 33ebienten üerabfdfjiebe ich, toeil 
er mir ^u treuer ift, unb auf ber Steife nidjt fonüenirt. ©3 
fehlt ihm ein ^aI6e§ gafjr ©r^iehnng in 9Jtu3fau. 2)ort 
mürbe er mir angenehm fein, benn er ^at öiele gute (Seiten, 
unb ich glaube, $)ir ttmrbe er gefallen, ©ein fehnlidjfter 
SBunfch ift, in ber gorft fünftig bei mir angeftettt ju toerben, 
unb er hat barin unb al3 Säger gute ffenntniffe. 

©3 toäre ein rechter Xroft für mich, tuenn ich n ^ üor 
meiner SIbfahrt mit ber 2>itigence einen 93rief bon ®ir er- 
halte; geflieht e3 nicht, fo muf$ ich bi§ äKarfeiße noch üier 
Sßodjen barauf toarten, unb boch h ö & e ^ um bie Brenden 
noch $u fehen, feinen Slugenblicf 3eit ju verlieren. $bieu 
meine Schnucfe, ber Gimmel 6ehüte SDidj. 

$)ein treuer Sou. 



288 



46. 

Sßüdler an Sucie. 

$ari3, ben 29. ©c^tcmber 1834. 

2lber, ©cfjnude! ©nblidfj fömmt 2)ein fo fef)ntic§ er* 
tuarteter Srief, unb fo tieb, fo treuer er mir ift, finbe idj 
bodf) barin nur jtoei Seiten greube unb fiebert SDtercuriale ! 

SBie id) gefagt, S)u bletbft |>enne, id) ©nte. 2)a3 fann 
fein ©ott mef>r änbern, unb it>ir befefjren uns beibe nidf)t, 
atfo fei gut, ©d&nüddfjen. SSergieb meiner Statur, bie ftärfer 
ift aU id), unb tag midf) fcf)ttrimmen. 

3)u tjaft ja eben erft toieber bic angenehme Seljre Don 
neuem ad oculos bemonftrirt erhalten, baf$ bie ©adfjen immer 
anberS fommen, tüte man glaubt, unb greube n>ie Summer 
fcorfjer meiftenS unnü| finb, unb gule^t of)ne ©egenftanb 
bleiben, ©töre midfj atfo nidEjt, laft midf) meiner $f)antafie 
folgen, ©ie tuirb midfj batb genug, unb fo am .fidfjerften 
ttrieber $u 2>ir freiwillig ^utüdfü^ren, toäfjrenb ber B^öttg, 
ber im klagen liegt, audf) ängftigt unb t>erfttmmt, unb tdj 
(öon aßen äKenfd^en ber, melier Ungebunbentjeit am metften 
liebt) bod) in biefer ©genfefjaft etttm3 gefront merben muß. 

©djnude, 5)u fejjeft 2)idj fo $u fagen abfidf)tlid(j in eine 
bunHe Stube, unb täfet 3)tr nun pfjantaSmagorifdEje ©eifter 
erfdjeinen, einen immer furchtbarer aU ben anberen. ©o mit 
äRuSfau, mit SSarn^agen u. f. to. 

@3 toirb aüe§ nidf)t fo fdfjtimm toerben, unb in adjt 
SDtonaten bin idEj ttrieber ba, unb fjabe neuen ©toff für Safjre 
gefammett, ber unferer (Sinfamfeit ju ©ute fommen toirb. 
2etd)tfinnig bin i(fj aber gar nid)t, fonbern toafjrftdj 
überlegt, ja oft ju Diel, unb fo ift au$ meine jefcige £anb* 
lungSlüetfe unb meine SReifeprojefte eben fo fefjr golge be3 
Sialfüte alä be3 Vergnügens unb ber Unterrid&tung, bie idj 
mir baüon üerfpred)e.' 



289 



©et atfo Vernünftig, ©dfjnucfe, unb lafj Seine Siebe für 
midEj ein fanfter 8tpf)t)t fein, ber mir tooljrtfiuenbe Süttfung 
^ufäctjett, fein ©turnt, ber mir ba£ $erj fctjmeritidEj auftoüftft. 

2>en 33rief üon mir, ben $)u üerlangft, gebe idj 2)ir 
fetbft, toenn idf) ^urüdfomme — 2)u fottft je|t foldfje Slgita- 
tion bermeiben, unb nidjt fudEjen. 

Sdfj bin leiber nodE) immer franf, bodfj geljt e3 täglich 
beffer, unb idf) benfe übermorgen abjuget)en, fetjr frot), bafc 
idf) toenigftenS jefct über Steine ©efunbfyeit beruhigt bin. 

•Jhm ©cfinude, antworte mir redEjt ^er^Iic^, redfjt liebe* 
t>olI, redfjt freubig über ba3 Vergangene, rufyig über ba3 3*= 
fünftige uub feljre, ftfjre gut. 

S)ein alter ßou. 

$fufdf)e mir nidt)t fo oiet in'3 £anbtoerf mit (Segenb* 
fcefdEjreibungen, ober idf) tuerbe eiferfüdfjtig. ©ern fyätte idf) 
fcf>on bie ©aljburger 3tiefenfette un£ umfdEjlingen gefeljen. 
Une autre fois. A propos, ^eirat^Iuftig bin idfj je|t gar 
nidEjt. 3df) glaube, idEj fctjrieb S)ir fdfjon baüon. SBir ftnb ja 
barüber einig. II faut laisser venir cela, si Dieu le veut ; 
sans le chercher. Soyons un peu optimistes. Qa fait 
taut de bien! 

2)en 30. 

•äJiein §er^, icfj t)abe bie erften ^Seiten Deines SriefeS 
nteljrmal gelefen, bie anberen aber nur einmal 2)ie erften 
tfyun mir fo too^I, unb rühren midEj audf) fefyr, aber toofyU 
t^uenb — bie anberen ängftigen midEj. ^nbeffen öerfenne idf) 
bie Siebe audf) barin ntdfjt, nur ift e3 nidfjt bie Slrt, toie fte 
mir pafct. Ueberbem bin idfj leiber immerfort franf. 

Sdfj fyabe ben ©dfjttmben üerabfcfjiebet, unb bin frof), 
bafc idf) \f)n lo§ bin; eS ging aber nicljt ofyne Dielen 9terger 
ab. @r l)atte audE) in meinen Briefen gelefen, tuorauf idt) 
tljn ertappt, unb mir eine ber Meinen fjübfdfjen Xafdfjen* 

$ üdlct, »riefrocc&fel unb lagebü^cr. VIII. 19 



290 



piftolen öerloren, bic er, um bamit ju parabiren, gelaben ju 
fidf) geftecft. 

(Sin orbcntlid^cr ©ebienter ift ein (Sdfjafc auf Seifen, 
aber fdjtoer ju ftnben. 

3$ füffe 3)id() t)on ganjem liebenbem #erjen 

®ein ßou. 



47. 

$ücfler an ßueie. 

$ari§, ben 1. DIober 1834. 

©ute, liebe ©djnucfe, 

®enfe nidjt me£)r baran, mir ben Sdjmibt ju f djiefen. 
Sdfj Jjabe jejjt einen fefjr guten unb ganj fidlem SRenfdfjen 
gefunben. ©iefen Slbenb reife id) mit ber 55iligence nadfj 
99orbeau£ ab, unb freue miclj finbifdfj auf bie ^Jtjrenäen *c. 

3d(j Jjoffe, ber jefcige ®ranf!jeit3fatt wirb mir gute @e= 
funbfjeit bringen, unb fü^Ic midfj fd)on ganj munter. 

£abe mid) fefjr lieb, unb begnüge 3)id(j je^t bamit ju 
roiffen, bafj niemanb in ber SBelt 3)id(j lieber !jat, als 
Sein ewig treuer, untoanbelbarer ßou. 



48. 

^Jücfler an ßueie. 

$ari3, ben 5. Dftober 1834. 

ßiebfte ©d)mtcfe, 

|>eute erft fomme tdfj enbliclj fort, unb nefjme nod) ein= 
mal Slbfd^ieb oon 3)ir, mein #erj. Sugleid) fcljicfe idf) $ir 
einen 93rief öon SSarn^agen, ben idj mir aufjufjeben bitte, 
unb ber 3)id) tootjl beruhigen wirb. 

Ueber^aupt fürchte nicljtS, bieg ift ba3 einjige Sölittel, 
3tufje ju Ijaben. UebleS unb ©uteS fömmt unb gefjt, faft 
immer aber auf eine ganj anbere 2lrt, als man glaubt. 



291 



3fdj toerbe 2>ir in biefer £infid(jt gar t>iel su erjagen 
^abcn, toaä meine Seljauptung befräftigt. 

UebrigenS banfe iä) ©ott, enblidf) au3 bem ttnberlidjen 
$art£, ba3 icf) big jum ©fei je|t fatt ^abe, unbbaS fo un* 
geheuer tue! ©etb einem gremben frißt, ^erau^jufommen. 

Sebe tDofjl, Scljnucfe, unb f treibe mir redjt liebeöoH 
unb toernünftig. Sortoürfe unb Sßrebigten tobten midj, 

Seinen alten Sou. 



49. 

^ücfler an Sucte. 

%oux%, ben 14. Dfto&er 1834. 
SKeine ^erjenSfdfjnucfe, 

Obgleich ich S)ir öon ben Ufern ber Soire, au3 bem 
©arten 3ranfreicf)3, au3 einem ffilima fchreibe, too bie 3Dtonat3* 
rofen ben ganzen SBinter blühen, bie &t)preffen fcortrefftich 
gebeiJjen, unb bie &atatya f ä große Säume toerben, einem 
Sanbe, too bie gremben auf ^änben getragen werben, unb 
man mit 20,000 granfö jährlich benfelben Srain beftreiten 
famt, ju bem man bei uns eben fo triele Später gebraust 
— fo möchte icf) bod) nicht ^ier leben. (£3 fehlt biefer ©e= 
genb an Srifdfje, an SSalb, an frönen Säumen, an 3tein= 
ticfjfeit unb an -Jlettigfeit. ®iefer le|te 3Ranget ift eine ber 
übelften ©eiten be£ ganzen granfreidjS. 

SBie ich gefürchtet, aU ich tnerjefin Xage be3 fdfjönften 
9Better3 in ber Stube jubringen mußte, ift e3 eingetroffen. 
3ur 3teife ^abe ich bie SRegenjeit, nnb meine Stimmung 
reffentirt fich batoon, ja, ich ertappe mich fogar feiten auf 
2tmt>anblungen öon £>eimtt>eh. S)ap ift benn ba£ 2)iltgence* 
reifen Sag unb Sftadfjt bodj ein toenig unbequem, obgleich ich 
je£t einen leiblichen franjöfifchen Liener l)dbt, t>on beffen 
©I)*tidf)feit unb Sreue ich 9 aTt ä öerfichert bin. Um aber 
mit ttmfjrer Slnnehmlidjfeit ju reifen, muß man fein ©elb 

19* 



292 



ju fparen Brausen, unb öon biefem glürflicljen 3uftanb bin 
ich leiber, tüte 3)u toeifet, fehr weit entfernt. ^nbeffen tout 
est pour le mieux, unb man fiefjt unb lernt bodj immer 
triel unb -JleueS. SBenn ich 2)ir, gute ©ehnuefe, jejjt Weniger 
baöon f treibe, fo gieb ©ebulb. 3)u wirft Seine SBriefe ge= 
brueft befommen, unb bann unabgebrochen mit befto mehr 
Sntereffe lefen. @3 ift aber bei meiner fatiguanten unb 
f Quellen Strt ju reifen fchon feine geringe Slrbeit unb faure 
oft, meine flüchtigen -Kotigen aufzeichnen. 9loch aufcerbem 
weitläufige unb ausführliche briefliche Sietationen }u geben, 
wäre faft unmöglich- Sttfo quäle mich bamit nicht, unb nimm 
mit wenigerem fürlieb. 3$ benfe bc^alb boch nicht tot* 
niger ©einer, unb bejiehe aHe£ auf 3)ict). 
®ie ®iligence ruft. Slbieu. 

SBorbeaus, ben 17. 

$ier ift ein fchöneä Sanb! 9?eidj unb frifch, unb ber 
Slnblicf biefer ©tabt ift mit Neapel unb Dublin ba3 ©djönfte, 
Wa§ ich gefehen. S)aju lebt man bortrefflich, et je m'en 
donne si bien en excellents vins, que je suis tout pr§t 
de suivre Texemple du vieux Chevalier allemand ä 
Montefiascone. 

Sludj ba3 innere ber ©tabt ift fdjön, leiber regnet e§ 
fortwäfjrenb, unb meine ^tjrenäen Werben Wohl &u SBaffer 
werben! Que c'est contrariant! 

Obgleich jwei dächte im SBagen äufammengerüttelt, 
habe ich *> en 9^^en Sag Sflerfwürbigfeiten befehen. 2lm 
meiften frappirte mich ein caveau in ber Kirche ©t. 3RichelIe3, 
wo runb umher 80 Seichname ftehen, Welche bie aufjerorbent* 
liehe Temperatur unb Srodenheit biefeä Detters ohne SSer= 
Wefung auägetrocfnet ^at. @ine bon ber $)ecfe h^ngenbe 
Sampe erleuchtet fie fparfam — e3 ift eine feltfame ®e= 
fcllfd&aft! 

3)a3 Theater ift faft fo gut aU bie ^Weiten 9?ange3 in 
SßariS, unb ba3 Seben bebeutenb Wohlfeiler. Qfdj hatte ba£ 



293 



33crgnügen, ben ©jmtniftcr 3^a mit feiner gamilie Ijier ju 
treffen, ber mit wahrer Stützung öon 2)re§ben unb ben guten 
$5eutfdjen fprad). 2)u toeifct, bag Sorbotoa jefct ein ®ommanbo 
l)at, unb idj Jjätte nid)t übel Suft, einen bout de campagne 
mit i!jm ju machen, ba idj fo nat)e bin. 

@3 ift aber mit meiner ©efunbfjeit nidjt met)r redjt 
richtig, et les 50 ans commencent k se faire sentir 
malgr6 le jeune coeur, qui ne vieillit guöres. 

©äbe nur ber Gimmel ein biSdfjen ©onne! 3$ ^be 
nur nod) 3Ronte3quieu T 3 SSiHa ju befefjen, bann eile id) naä) 
$au. SSom ©cfjloffe £einricf)g be§ Vierten t)om guge ber 
$t)renäen erfjältft S)u meinen nädtften SBrief, liebe ©dfjnucfe, 
idfj aber leiber, leiber bie Seinen erft in Sölarfeitte, Dieu 
sait, quand. 

3)id) Jjerslid) umarmotb, unb mir einige SftadfjridEjten 
öon SRuSfau auSbittenb 

S)ein treuer Sou. 



50. 

Sucie an Sßücfler. 

2Ru§fau, ben 27. Dftober 1834. 

©o glüdlidj tpar id), einjig teurer ßou, nod) jtoei 
©riefe t>on S)ir ju erhalten, bie aU -Jladfjjügler, nadjbem ftc 
mir auf bem gufce an jeben Drt metner Steife gefolgt tparen 
— enbftdfj aud) in URuSfau erfdjienen. ®ie Slufforberung 
ttneberljoft fidj barin, rut)ig — nid^t angftboH ju fein — 
3)td(j burdj ©ruft, Slngft unb äJlifjftimmung nid^t ju betrüben, 
©nblid) baS toa$ S)u au§ Neigung tljeitö tote aus über* 
badfjter Slbfidjt burd^f efcen tpillft, buret) meine 33orfteKungen, 
Btüeifel barüber nidjt ju erfdjtoeren. ©ett)i)3, idfj Witt, Wenn 
e£ gefdfjefjen, e3 fünftig anberS machen! S)enn ganj SftedEjt 
fjaft 2)u. SSerftanb, 93eurttjeilung, alles ift auf 2)einer ©eite. 
Unb Stein ©eniuS wirb 3)id(j fdfjon führen. 3ubem beeft 



294 



bodfj audj ein ©dreier, toa§ ber SWoment in Seiner ©phäre 
bereitet, vielleicht fieht'3 ^ier fdjtoer au3, bort ift e$ leicht, 
unb too!jt fühle ich meinen 93eruf, eher Sir ba3 Seben frof) 
als büfter ju machen, ©dfjon mein lefcter Srief ttmr naef) 
biefem $rinjip gefchrieben. Sodj fei billig, unb laffc auch 
mit Sir ^anbetn. @rft öerfprich mir, Sich nicht in unnötige 
gatiguen unb ©efaljren ju bringen! ©elbft bie erften finb 
nicht gut, unb bie gotbene SRäfjigfeit ift auch für förperliche 
Srafterfjattung nötf)ig, gteichtoie eine rege Sorgfalt, ba$ Sleufjere 
$u fonfertoiren. 

2Ba3 bie ®efat)r betrifft, fo prüfe rtur mit SJorfidfjt unb 
ber Ueberlegung Setner fd^arfen SSernunft. Sie jmar frönen 
aber toitben Sinber Seines SWuthtoillenS jügle. 

©rtaube mir audfj, bafc ich mich im k parte immer ein 
bigchen um Sief) gräme - bajg manche Unannehmlichfeit, 
mandEjeS Ungemach Sir jur (Seite geht! ©erabe in btefen 
Sagen brüeft mich biefe SSorftettung befonberS, bafc Sir fo 
t>tcl abgebt, unb faft f)ätte ich e3 für eine St^nbung galten 
mögen. Sludfj bebinge ich mir ba3 Stecht aus — ba§ freie 
Siecht, traurig ju fein über Seine Slbtoefen^eit. SEBie fönnte 
idj SlnberS? 3d) ärmfte ©nte. 

Unb fomit bleibe bem ©dfjufc anempfohlen, ber ^öd^ften 
allmächtigen Siebe! Seiner eigenen ©emütljSftaft — nnb 
meinem ©ebet, ba$ jeber ©ebanfe an Sich ^eijsen lonnte. 
Sich Sou, fage Sir babet, toie unenblich für Sich meine Qu* 
neigung, 3ärtlichfeit, Sauf barfeit unb innige ganj unauS* 
fprechtidfje Sßerthfchäfcung ift! 2CHe3 toitt ich aber befolgen, 
unb Seine wahrhafte SebenSphüofophie fott fünftig mein Seit* 
ftern fein! 

SDieine ©infamfeit benufce ich xt fy ™ 9tuf)e, Seine ©riefe 
unb Seine SBerfe nachjulefen. SBie üiet 2ieben3toürbige§ 
barin. (Sin rafdfj bahmroHenber ©trom, toie ich w btn &odj= 
gebirgen fie fanb. Smmer güHe unb 3teidf)thum be3 3been= 
gonget, toie bort ein Spiet ber munteren SBeHen, leichte 



295 



SBenbungen, unb burdfj ba3 reijenbe Sanb geführt, too immer 
tteueS ©dfjöne unb UeberrafdfjenbeS ficlj entfaltet! greifidfj, ber 
3ftuttjtt>iHe raufet aucf> barin. — 9lun furj, idj begreife bie 
fe^r gut, bie 3)id) föftlidfj finben, unb Me ^ifirten mögen 
fidj auf bie Sippen beiden, gür biefe töat idfj, toa$ idfj ge= 
fonnt, bod) bermodjte id(j nidEjtS — unb gar Ijerrlid) bodfj 
ift mein %f)til Smmer, mein Sou, unb in jebem 8$rief 
liegt für midj ettuaS SfattidjeS. 

©ott, ©ott erhalte 2)id) babei, unb mir baburcfy mein 
hödfjfteS @ut. 

9hm fommt aber ber 30. DI tober. (Srft l)abe idfj bie 
ganje -Jlacfjt tptrfltd^ nict)t fdEjIafen fönnen, t>or atten ©e> 
banfen fooltf traurige, bafc 5)u fo fern bift, baß e3 fo bunfel 
ift in biefem großen 3taum, ber uns trennt, baf? überhaupt 
fo manches S)un!te vorliegt, hieran fcfytoffen fid) bie 
Sßünfdje, !jeif$e SBünfd^e — bann ©rinnerungen unb redjt 
inniges ©ebet. 

S3iS an SageSanbrud^ aße ffianonen, bie tjier ejiftiren, 
ben SDtorgen Seines 2)afeinS begrüßten! SftadEjmittagS fyaht icf) 
bie §anje fafljionable ©efeflfdfjaft aufs ©dfjlofe eingelaben, 
bann famen bie ©djüjjen unb brauten Sir Sebe^oc^, h>aS 
tvix en parade, bie ©öfte unb idj, öom ©d^Iofä auf ber Serraffe 
entgegengenommen. Um fünf ging'S in'S Sweater, unb nacfj 
biefem ein großer 93aK, too in Strömen beS SKebenfafteS 
nadf) einer feierlichen Siebe unfereS ©rjbifdfjofS mit lautem 
beutfc^en ©läferflingen Seine ©efunbtjeit getrunfen toarb. 
Sie SKenfd^en haaren alle toie begeiftert, unb feiner nidf)t, 
ber beS 9. September ntdfjt badete; öiele mit 3?ü!jrung. 
Seine 8djnubty feljr toeid)! D Sou, too toarftSu? Sodfj 
auc^ 1)kx mit ©ebanfen, t>ieHeict)t mit ©eljnfudfjt. 9td^ mein, 
Sou, toenn eS Sir nur toettigftenS redjt gut ginge! Sod) bie 
8lrt, tüte Su reifeft, quält micf). £)u entbeljrft bod) too^I 
fefjr feiet — fömmft am ©nbe redfjt angegriffen toteber! 



296 



§atjn erhielt am 30. einen, ja atoei 93riefe, $eumt einen 
fefjr $ärttidjen ©rufe. %<fy erft fjeute. — Jöon mir alfo ^aft 
3)u feine 9lad(jrid(jt! Unb ©ott Weife, Wenn $>u fie erljäftft, 
fagft 2)u. SSotjüt ge^ft 2)u benn, mein liebet Seben? SBeljt 
benn bie ®rieg3facfel nidf)t auf ben Brenden? Unb Sllgier. 
— Stur fcon ben bösartigen Siebern — toon ber Spolera, 
bie in Dran Wütf)et, fyredjen bie Bettungen. 9tdf), unb Wie 
ganj etwa3 anberS ift fie bort, biefe Sranfljeit! 

©ott fei gelobt, bafe S)u bie $bee aufgabft, mit Sorboöa 
ba§ Ijäfelid)e unnötige bout de campagne ju machen — 
unb öerJ)üte, bafe fie S)ir nidfjt Wieber eingefommen fei! 3)afj 
S)ein Siener erträglich, bafür bin auä) bem Gimmel Dott 
3)anf — am legten ©nbe, wie wenig ift bodj 3teeHeg unb 
wirflidfje ©ewanbtfjeit bei ben Ijieftgen. 

Heber meinem Sopf ift e3 fo ru£)ig. ®ie lieben Xrijtte 
finb öer^aKt! 55en ßljinefen Ijabe idfj herunter genommen, 
unb wenn idj Sid^t anjünbe, beflage id) iljn unb midj, 
benn adfj Wo Wel)t ber ©igarrenbuft, ber in befferen $agen 
burdf) i!jn angefaßt, mir fo angenehm gewefen! Slrme 
©dfjnucfe. Unb baft> gelje iä) nadEj 93erlin, wo t$ mir etgent* 
tidfj ein Wenig unheimlich ift! 



51. 

Sßücfler an ßucie. 

$en 30. Dftobcr 1834 r 
©t. ©auoeur in ben ^grenäen. 

£>erjen3fchnucfe, 

3$ fdfjicfe 2>ir ju meinem ©eburtStage einen an 
3)tdj gefdfjriebenen Sagebudfjbrief Don 62 eng* 
gefdjri ebenen ©eiten f unb umarme 2>idj ba$u mit ber 
größten 3ärtfidfjfeit 

Sfdj fönnteß 3)u biefe $radf)t, biefe8 alles jum reijenbften 
unb gemütt)fichften 2BoJ)nfifc in ftdfj t>ereinigenbe Sanb fc^en. 



297 



®u Würbeft $idj ^ter mit mir am gufje ber Brenden 
etabttren. SBofjtfeilljeit, $Tnfe!jen, angenehme ©efettfdjaft, 
öortrefflidje3 Seben — alles ofjne $Tu3naI}me — Würben 
wir fjier finben, öerbunben mit einem Slima, wo ber 9lf)obo* 
benbron Wilb tuäd^ft, ber geigenbaum im greien ftefjt, unb 
nie bie |)ijje brütfenber at$ bei un3 Wirb. Unb ba$u Ijunbert 
©elegen^eiten sunt SSfafauf, um mit letzter 9Jtüt)e ein Heiner 
$arabie3 ju fdfjaffen, ba3 man überfein unb boßfommen 
erhalten fann. 3)en WunberboHften $arf Jjaft 3)u überaß, 
20 ÜReilen in ber 9lunbe, otjne baß er $idj etwas ju er* 
Ratten foftet. 2)odE) fpäter nodj metjr baüon. 

SBenn S)u meinen großen 33rief gelefen tjaft, ber gerabe 
fo, Wie er jejjt ift, aud& fpäter in meinem SBudje erfd^einen 
wirb, fo bitte id) 3)id(j ifjn SSarnfjagen (nebft bem beitiegenben 
©rieften) mitauttjeilen , bamit er ein paar Stu^üge barauS 
in ba3 Journal rütfen läßt, ba3 er protegirt. Sftimmt bie 
©taat^eitung bergteidf)en auf, fönnte tä audfj (unb Wäre mir 
bieS lieb) in ifjr $Ia| finben. 

2) a3 (Mb, welches mir bie öier Steile biefer Seife ein* 
bringen fotten, wirb fcielleicljt ^inreic^enb fein, un£ ein Sdfjloß 
in ben ^tyrenäen ju besagten. 

SBie ftet)t e3 benn mit bem SSerfauf öon 2Jhi3fau? 
3)enfft 3)u aud^ baran ? ©taube mir, fudfje 2)id(j burdf) 3lotf)er 
ober Wer e3 ift an bie Sippe'3 ju wenben, bie fo reid& finb. 

3) er Gimmel behüte 2)id). 

'Sein treuer ßou. 

52. 

Sucie an $ücfler. 

attuäfau, ben 17. 9ioüember 1834. 

3Bo Weitft S)u nur, ®u einjig, ttjeureS Seben, unb wo 
bleibt Stein mir aus $au verheißener Srief! gft e3 nidf)t, 
wenn bie armfeligen Slätter 2)id() in Weiter gerne ju fudfjen 



298 



gehen, alä feubete id) meine (Stimme aus, in bem SRaufchen 
beS (Sturmi ber fo lange SSdjre fchon um biefe SRauem 
tobt! SBie oft höben wir ba ^ufammen ber witben ängfttichen 
Jone, boch im traulichen Dbbach wot)I b erwafjr t, gelaunt. 
— Stber nun: teer fagt mir, Wer bürgt mir, baß Su e3 
bift, baß e§ Sir wotjt geht, unb wie Vermöchte ich, fo ruhig 
ju bleiben. Sraue ich aud) gleich unb gar $u gerne Seinem 
©lüde, biefetbe, bie Siebenbe, tl id^ c fönnte ich 
nimmermehr fein, befiele e£ mich im Innern nicht oft, mit 
tiefer, fdjmerjlidjer Stngft — unb ©etjnfudjt, unb Satte, unb 
©ruft wie Wenn e3 Stacht Wirb um unfere Seele. Studfj bieS 
außer allen Sufammenhang be£ Sebent fommen! 2Bie ift e§ 
bod) fo unbefjaglidj, benn wirftidfj feit 3Jtonaten fdfjon ftellt 
fidfj'3 unter uns Wie ^wei ungleich gefjenbe Ufjren. -JfichtS 
mehr, wohiu e3 eigentlich gehört — ein &f)ao$. 

Su ^aft wof)t fet)r tauge ben 9. September öergeffen. 
Sdj nic^t, unb ich 6in bott bon biefer Sorftettung, bie fettfam, 
Wie gefpenfterhaft nachrüdt. Sabei fann ich Sir nicht genug 
auSf frechen, Wie gut, Wie befriebigenb e3 ift, baß biefeS 
Suett ftattgefunben, unb auf biefe SBeife! Sitte, Welche Sir 
ergeben finb, fügten e3 lebhaft, ba atterbingS ein ©eift ber 
geinbfetigfeit unöerfennbar gegen Sich wirffam fyanbtltt. 
Soch nichts bleibt ohne SRüdroirfung, unb fo aud) Wirb 
Seine Seit fommen, ba3 weiß ich, bad empfinbe ich! 
Siefe Seit, möge fie benn Sir atte Sefriebigung geben, mein 
geliebter greunb! ©ehr fein unb wahr erfonnen fchrieb mir 
neulich Semanb: über Sich fottte ich nicht forgen, benn Wie 
für Äinber eine eigene SSorfetjung fie ju befd)ü|en wache, fo 
fd)Webe fie Wattenb unb betjütenb um Seine SBege, Sich Wie 
jene in ben großen ©efatjren ju erretten, D gebe e3 ©ott, 
baß bem fo fei! Unb wer auch gleicht bem Sinbe mehr — 
in ber fdjönften (Seite feines SBefenS, aU Su, ber ©d^nude 
ihr geliebter Sou! 



299 



©utc£, gute§ Sinb! Steint benn bie ©onne bort fo 
günftig als §icr ? £ier, Wo jWei ©retgntffe eintreten, bie Xir 
83ortt)eiIt)afte3 toerfpredjen? Slämlid) beS SJönigS befinittoe 
SBeftimmung, ba& ®ein fdjöneg SRuSfcm nidfjt metjr SJluSfau 
in ber Sßüfte feigen foIX — imb eS fünftig ber citrittfirten 
SBelt aborbabte Wirb burdfj bte Sfjauffee nadf) 93erlin unb 
©örtifc. ©nbttdfj burdf) eine faufmännifdfje SSerbinbung nm 
ben SßreiS be3 Slttaun'^ nrieber auf 5 £f)tr. ju l)eben, unb 
S)ir äugleid) einen flirten bebeutenben Slbfafc $u eröffnen. 
Setlje ift burdf) SRotljer nadfj SBertin beorbert, wotjin er 
•äRorgen get)t bieg ab^ufcljliejsen, wie wegen bem in ßntre* 
^>rife $u nefjmenbem Sau ber ©trage; audE) Sontrafte, öon 
Welmen er fid& 9?u|en bireft &ertyrid£)t. ©etjr erweitert, er* 
Ijoben ^at miä) beibe§, unb 3)u mein ßou, entnehme e3 nidfjt 
o^ne greube! 

Stuct) idfj ge^e in jwei Xagen, unb e3 wirb mir bodfj 
and) wofyf tljun, wieber aus biefer bobenlofen ©infamfeit ju 
treten, in ber idf> nicf)t redfjt meljr bie Sraft Ijabe, midf) 
aufredet ju galten, benn wörttief) bin idf> auf granciS 
rebujirt, ber nodj obenbrein redfjt fran! ift, unb ben icf) 
ju verlieren unenblidfj mid) betrüben Würbe! SRögtid) ift e3, 
baß idö in 93erlin 9lact)rid(jten bon S)ir antreffe, Wie erfreu* 
Kdfj baburet) wäre meine erfte 2tufnat)me — fäme aU 93e* 
gtüftung, aU SBeruljigung öon 2)ir etwas Siebes mir gleict) 
entgegen. 

Sluf richtig gefagt, mir graut ein wenig t>or jener $aupU 
ftabt, unb öor ©anbomir, 3ifcf)blut3race, bie iä) mir 
übrigeng vorgenommen, immer tiefer, tiefer in SBertl) ju 
Ratten, wäfjrenb idfj wirfltdf) nur mein liebes 3d(j fetbft be* 
rücffict)tigett unb betjanbeftt Werbe, ©o red&t mettjobifd^, unb 
mit einer 3?u!je, bie nichts anfechten foK! ©ott, Ijöre mid), 
beftärfe midf), unb jumal wenn „Sutti grutti III, IV, V" 
Ijeraugfommen, befunbe fidj'3, wie groß ber £err ift für bie 
©df)Wadf)en unb 93ebrängten. Sou, idfj lefe 2)id) mit Sßaffton 



300 



inbeffen wieber burdf). S)u t)aft bodf) biet Serftanb, 2>u bift 
bodE) unbefd^retbltd^ liebengwürbig. D 2ou, 3)u bift ein 
arger ©dfjatf — £) Sou, 2)u t)aft bod^ feljre lieb gehabt 
bie ärmfte Kreatur, ©eine ©dfjnubt) ! Unb bieg fei mein SßaQa* 
bium. 3)eg ^ötjeren Sebent 93atfam, wenn bieg fo uubott* 
fotntnen enbet. 

SBag 3)u nun beftimmft, eg wirb Sted^t fein, unb nur 
bag füge id(j nodj bei, baft bie, meiere 3)ir ben ©. recom* 
manbirten, ifjn fcfwn ferner anbringen werben, ©ie Ijaben 
ja ©elegenljeit , unb Wittft 3)u itjn abfdfjaffen, fo barf fidj 
niemanb Wunbern, bajs ba, Wo atteg ber ©rfparniß Wegen 
befdfjränft wirb, biefe ©rünbe audfj f)ier in Slnfc^Iag fommen! 
Sftein Sou, idfj bitte, fei nidjt auf fo biete tjunbert SKeiten 
bog begwegen auf mid), baf$ idfj bieg Kapitel aufnehme. 3n 
3Ba!jrt)eit ift eg 3)ein Sntereffe — unb nur ein ganj rela* 
tibeg, bag midfj für bie ©adfje leitet. ©läfer ift mein ®e* 
wäfjrgmann, benn mir f treibt er eg, baft ber ©raf Gebern 
— boef) bie Scnifd^ f>eiratf)et, unb bereitg fdfjon bag Imgen'fdfje 
^aug', worin id) woljne, gefauft tjat. 3lm 9. Stejember fott 
in Immburg bie |)od(jjeit fein. 

3n ber 83regfauer 3ßitung ftet)t, ©eine bieten greunbe 
in Sßarig Ratten fidfj bei Seiner 2t6reife aug biefem Drt 
fdfjwer bon S)ir getrennt, unb ®u Wärft mit ber Stbftdfjt fort, 
3)id(j nadfj Slmerifa einjufdfjiffen. Slmerüa, Stlgier, bie Sßtyre* 
nöen — eing wie bag anbere. Ueberatt fann S)ein ©lücfg- 
ftern fdfjeinen, überall ftnb ©efafjren — adE) überall [folgt 
ober bleibt bodfj meinem ©erjen ber ©ram ber Trennung! 
S)ie 2lnben!en, weldfje ®u ben Sinbern bon ©arolat^g fanbteft, 
erfreuen fie fefjr! -ftodj ift Weber Soffer nod^ ^ßiftolen ein* 
getroffen. StudE) Stein ©artenwerf nidfjt complet erfdfjienen. 
SJlan ^offt ju 9?euia^r,ßou! 3dj tjabe Ijeute ein ®obiciKe ju 
meinem Xeftamente im $ofgeridf)t niebergetegt, in welkem idj 
erftäre, bag bie meiften meiner 3Rö6eI unb ©ffeften in 33erftn 
S)ir unb nad) bem ©djloffe bieder gehören. Sitte ©in* 



301 



ridjtungen ftnb auf§ pünfttid^fte getroffen, bamit 3)u in 
nichts gefäf)rbet feift. 3)enfe Dir, fett — Seinem testen 
©rief — feine (Silbe I^eute, ben 19. 9fot)ember. Da3 brüdft. 
3Wein armer granciS ift nodf) fef)r franf! Studj bie 83abe= 
meifterin! Saft o^ne Hoffnung I^abe id£) Dir fcfyon gefagt, 
baf$ Stltenf teilt , ni<f)t SRuft erflärt, nun unb nimmer met)r 
ben berrücften £>a£tl)aufen anauf teilen. 

93erlin ift burdj be§ SaiferS Ueberrafdjung alles 
brunter unb brüber — ba£ gute SSoIf ftetjt bor ©ntjücfen 
auf ben Söffen! Unb 93reffon, SOtinifter ber äußeren 9lnge= 
gelegensten in granfretdf) ! SBetdfje Karriere. 3Betdf)e3 
chaogement de decoration feit (£f)oifeuI (feit 9lr. 1 Souboi), 
feit SRapoteon'S Diplomatie, feit bem Duc be 9ti<f)elieu, ben 
toir fafjen, feit Sßolignac! Dafletyranb ift roof)I nodj ba§ 
|)aupt biefeS ÄörperS. Slber ber Körper bod& audj eine 
fräftige ®rf Meinung, toenn Du nur bie ©elbftbeljerrfdjung 
ber taufenb Slubelgefpielen tägfidj in bem politifd^en Sornitz 
ber Se^renftrajse bebenfft, mit bem tauben ffinobelsborff, bem 
ftumpffinnigen 9R., bem freifdfjenben Su£, bem öerbriejslidfjen 
Surften felbft, unb bem ifjn abrogirenben 9?.! DrofttoS bin 
id) über 83reffon'3 Stbgang, aU ber mit mir SEoljnenbc, unb 
fonft in mancher §infidfjt! 2Sie frof) aber mag er fein! — 
Sou, mein Sou, morgen öerlaffe idf) Dein SJiuSfau. 
SBann fefje idj e§ toieber, unb mann Didf)! $tdfj, fjätte idfj nur 
flladjridfjten, fänbe idj nur fold^e in SBerlin! SDlem §erj ift 
mir bodfj fef)r ferner. aBeldE)' umt%§ Dreiben füf)re idj 
in ber SBelt! 



Deine ©. 



302 



53. 

Sucie an $ücfler. 
SDlein tfjeurer, teurer über atteS geliebter 2ou, 

Sßie fudjt Sich mein #era, wie verlangt e3 nach Sir, 
tüte beforgt madfjft Su e§. Sich, ich fomme nidfjt jur Stühe, 
unb balb möchte ich wünfehen, biefer bunfle, trübe Sebent 
juftanb wäre bef djloffen, unb ich, Wo ber unburctybrmgticfje 
Vorhang jugejogen, bie&ual ber Erbe ntdfjt mehr ^inföntmt! 
Sein 33rief öon ©t. ©auöeur nadE) Seiner SluSfludjt in bie 
Brenden ift jwar in meinen £änben, unb nach biefem bift 
Su über Seinen 3ug befriebigt, feierteft einfam, boch Reiter 
Seinen ©eburtstag — boch feitbem fyaht ich nichts 
weiter erhalten', unb ba§ liebe, Heine 93udj öon 60 ©eiten 
mir angemetbet, tpie ein 93iHet an £errn bon SSarnhagen, 
ba3 Su gleichfalls annoncirft, nichts ift ba. 3$ öngftige 
mic^, bafc biefer ©df)a§ öertoren gegangen fein fönnte, bodj 
über Wa3 ängftige ich tnid^ nicht? Unb gewiß h°f* ® u 
bieS toerthöotle $acfet forgfättig abreffirt. 

Sief;, mein Sou, unb noch eine hwaeroorfene Sbee in 
einem Seiner legten 93riefe nagt in meinem Innern. Su 
äujserteft Suft ju haben, eine Keine Kampagne in ©Tanten 
ju machen!! Saß Seine ©efunbfjeit nicht mehr gut genug 
baju fei, wanbte Sich öon jenem SBorfajje ab. 9tun benfe 
ich manchmal, unb e3 fährt mir wie ein Solchftidfj in bie 
93ruft, Su h^ft biefe fchrecflidje, nufclofe, gefahrvolle Slbficht 
Wieber aufgefaßt. — Su bift leiber gar ju leicht Don jebem 
$h<wtafiebilbe ^mgcriffert, unb Woran Sein SRuth, Seine 
Kühnheit fidj erproben fönnte, ba3 fcheint Sir immer ein 
nott)Wenbige3 ^Beginnen. D, mein ©ott, wie unnüfc, wie 
fchrecflidj Wäre biefeS SSagniß! Enfin, idE) leibe, ich forge 
Dielleicht ganj umfonft, mein Sou, aber wie ich f<hon 
taufenbmat gefagt, Wa3 foH xä) anberS thun mit Sir, ben 
ich f<> tiebe, unb ber nun einmal mit einer fo be* 
unruhigenben ©igen thümtichfeit geboren? 



303 



äflein Sou ! bag 3)u mir Wieber ben beftimmt l)errlid)ett 
33rief über Seine le^te SEBanberung zugeeignet, ift fe^r Iteöe* 
üoö, unb idfj empfinbe e3 aud> fo. S)u ^aft aber audj Wofjl 
redljt bamit, benn Ijabe id) fein eigenes SSerbienft, fo Wohnte 
baSjenige mir bei, 3)tdj fo ju inf^trircn, bafc alles, WaS 
2)u mir wibmeteft, ben angenetjmften Äarafter öon je^er 
trug! Sludfj tfjut eS mir fo wofjl, unb eS öerfe|t midj in 
Seiten, bie für mid) ^öd^ft Wertzoll Waren. Seine Siebe 
für midf) bamalS trug baS ©epräge gan j beS Sbealifcljen! 
Sie ftanb über mir tuie flarer, unbewölfter Sieker, in ben 
idfj hinauf blicfte. 

Sefct — um Wie bieleS bin idf> älter, IjoffnungSärmer, 
unb burdf^ 3)id£) felbft baljin jurütfgewiefen worben, wo 
weniger Säufdjung Ijerrfd^t. 38aS ®u mir nodfj giebft, mein 
lieber Sou, eS ftnb tjimmlifdfje ©aben, bie mein ©efüfjt nidEjt 
minber anfpredfjen unb meinen SBeg erhellen, bodfj aus bem 
Sickte ift im 33ettmf$tf ein beffen, WaS id^ nur bin — längft 
tiefe $laä)t geworben. 

■äRiffterftefje midö nidjt, fudfje audfj nidfjt etwa t)ier einen 
Vorwurf. S)er ift mir ganj fern, unb WaS idfj Ijier aus- 
fpredjen Will, t)eif$t, baf$ bie legten Saljre midfj eigentlich für 
atteS Ijerabgeftimmt haben! Sdfj 6in bemütf)iger geworben, 
unb ben SBerttj beffen, Wag bie 38ett geben fann, idf> fd^äfet' 
tf)n, aujger in attebem notf) was öon ®ir fömmt, weit ge= 
ringer. Erwartungen, Stnfprüdje, äBünfdje, bie nidfjt Sräume 
ftnb, aßeS öerfdfjwimmt in btaffer garbe ernft unb falt. 

Unb bie gute 83ianca, bie idj nod^ fo öoH ßeben unb 
©efunbljeit fal), wie Wirb eS 3)idj er f füttern, Ijaft ®u eS 
bereits gehört ober erfäljrftSu eS burdfj biefe SBorte — bafj 
fie nidfjt me^r ift — baf$ fie ben 29. -Jtoüember an Sa= 
roIatfj'S ©eburtstage öerfd^ieb, gerabe in ber jeljnten ©tunbe, 
wo er, Seine SDtutter, Elementine unb ifjre Softer f)ier bei 
mir öerfammett Waren. 



30 4 



Sauffftrdjen fcfjreibt troftloS, unb namentlich für i^re 
Stnber unb bic Softer ift e$ recht $u bebauern. Seine 
äRutter erhielt bic Sftadjricht in SßotSbam, foH %toax gefagt 
aber tiefbetrübt fein. Unb noch ein greunbdjen ift mir baljin* 
gegangen, mein granete! — 2)u fannft S)ir toot)l benfen 
tva$ e£ ift, ben treuen ®efäf)rten meiner Stritte feit fieben 
Sauren verloren %u haben. 

Siebe, Sreue — too fie attjmft, gleichviel, fie ift ba3 
§öd)fte immer. 2)er arme granete litt feljr viel, unb f)ath tobt 
fcfjon, folgte er mir noch; öffnete fdjon faft gebrochene 
Slugen, nach mir 5U fehen — bie Heine Seiche ift heute 
früh, ic h fie SKuSfau fanbte, in bem SRafen an ber 
(Stelle, mo ich ba3 ®reu^ f)iex mache, eingefenft toorben. 

^erlin! 2)u fennft ja 83erlin. 3n tfytiU anberer 3lu3* 
ftaffirung, unb ber alten immer fet>r ähnlich- Sruufen tt>ar 
bie gute ©tabt bei bem faiferlid) rujfifchen 2lufentf)att, nämlich 
ipof unb §ofgefeüfchaft. 3)abei ift, ttrie S)ir befannt, ein 
ruffifcheS SBeraufdjtfein eins ber ^eftigften. — 5)er Genfer 
nun h at a ß e entjücft, er fott ^crrlid^ , göttlich auSgefefjen 
haben, roie ein Dom §immel 5um §errfchen 2lu3erforener. 
3luch ber junge Thronfolger fehr Diel üerfpredf)enb. — 

S)iefer S3rief öon SSarnhagen toirb 3)ich burch feinen 
fchmeidjelhaften, heiteren Slnftrich mehr tüte ber meinige 
ergoßen, befter Sou. SßaS mich betrifft, fo toerbe ich öiel 
fpäter noch ®ir über ©eine Sßerfe fchreiben. Unb ich foH 
über Seine fRetfe nach Sllgier nicht flogen? 3dfj feufje 
unb quäle mich bt&fyalb gehörig ab. Snbeffen chtyotiren 
foll e3 barum meinen Sou nicht. 3>nfen mag er fid& 
nur, in ber Sefchaffenfjeit einer treuen , gan$ Eingegebenen 
Seele liegt bieg; fann e§ ja gar nicht anberS fein! SDiöge 
©ott nur ihr ©ebet anhören, unb mich bemahren — mich 
fegnen roie fie mich fegnet/mit feiger Siebe unb Su* 
neigung. 



305 



ajltttc fünftigen SRonatS benfe id) nad) SScrtin — um 
bort ben SBinter ruljig $u bleiben. Sieifen toerbe idfj oljne 
9iotlj lange nid^t meljr! Ser SRinifter SDtaafcen fott feljr franf 
fein, unb otjne Btoeifel fteljt ber üftonardfjie eine große 9tebo* 
lution bet>or, benn bie gettmltfamfte, unertoartetfte tjat fi<$ 
mit bem ®opf be£ dürften SBittgenftein jugetragen, ber $uber 
amb $omabe abgefdfjtooren unb mit einem SituSföpf Ijerum* 
$etyt. SRir finb inbeffen i)or©ram unb fernerer ©orge alle 
£aare ganj fd&neetoeifj getoorben. D 2ou, id) müßte Sir 
l>amit gefallen! 

Wofymatt fegne Stdj ©ott! Unb toeilje Sidj, 3u* 
friebenljeit ju erlangen unb 33er utjigung, mir 
baö l)öd(jfte in Seiner ©üte, in Seinem Vertrauen unb Seiner 
tiebeboflen 3uneigung. 

Sreue, arme ©dfjnurfe, 
Sreue ©d^nude big im Xbbe. 



55. 

$üdler an Sucie. 

Sarbeö, ben 10. Sejember 1834. 

Siebfte ^erjenSfdjmtcfe, 

Senfe Sir, baß idO feit fedjg Sßodjen midf) Ijter einge* 
fdfjloffen Ijabe ä la äRuSfau, um fieben U^r frül) ju SSette 
gelje, unb um ein Utyr aufftelje, unb auf biefe 2lrt aus 
ben rollen SRaterialien meiner Sagebüd^er gfiidttidj bie $tt>ei 
erften Steile meines neuen SßerfeS (nur bie Slbtljeilung toon 
l)ier bi§ SRarfeiüe fe^tt nodj) fij unb fertig gemalt fjabe. 
9Son SRarfeiße aus ttrirb'eS jum Slbfdjreiben fetyr balb feine 
@rfcf)einung in SRuSfau machen. Sdj bitte Sidf), ba Su 
bann in 33erlin bift, ©djefer'n %u aöertiren, baß icf) e£ it)tn 
^ufenben toerbe, um bie Sibfdjrift fogleid? ju beforgen. Sft 

$ üdlet, »riefwedjfel unt> lagebü^et. VIII. 20 



306 



bicfe fertig, foü er fie 5)ir aufarten, Wenn $u fie lefen 
wißft. 3$ t<*tl)e 3)ir ober nur bie an 5)td) abreffirten 
©riefe t>or ber |>anb '5U lefen, um nad^^er im 2)rucf nocf) 
etwas neues $u finben. 2)ann aber bitte idfj ®icfy, ba§ 
äRanuffript Sarnfjagen ju geben, um einige groben barauS 
jur vorläufigen SBefanntmadfjung ju Wätjten, unb auc^ feine 
SReinung über ba3 ©anje }is verneinten. Sft ba3 gefdjefjen, 
fo fjebft S)u e£ auf, ober beponirft es ,bei |>aljn bi§ auf 
weitere Drbre. S)a idf) S)ir nun ba£ ©anje fcfyicfe, Ijabe idj 
ben ©rief Von 62 (Seiten jurädbe^atten, ba id£) ju inet Seit 
Verloren tyätte, if)n abjufdjreiben, unb meine $eit ift waljrlidj 
eng, fe^r eng augemeffen. 3d) f)abe enorm gearbeitet. 

9?un ©dfjnude, nadfj alter SBeife, fünfte für fünfte. 

©efjr taufenb S)anf, ba£ S)u vernünftig bift 3rürdf)te 
nichts Von Sltgier unb ©gt#ten. 3)ort f)abe id£) nidfjt bie 
minbefte üble Sßjmmg. ©uropa ift mir Vielleicht feinblidfjer 
unb gefährlicher, aU bie tadjenben Ufer be£ 9ltf3. 5)odj 
werbe ich ©einem 33efehte folgen, unb genau auf micf) ad&t 
geben, ehe ich mid£) einfd£)tffe. Uebrigen§, gute ©chnucfe, Wir 
finb überall ein jerbrechticheS 9?ohr in be8 ©d&icffate |>anb! 
S)ie Brenden, fiehft $u, ^abe id) gtücflich überftanben, ber 
$immet wirb fdfjon Weiter Reifen. 

S)ein %i)xol mag fdfjön fein, aber fcfjon be8 SHima'S 
wegen fann e§ fidf) nityt mit ben Brenden meffen. 5)od£) 
woßen wir es uns fpäter anfehen; benn irgenbwo müffen 
wir auger 3Ru8fau noch eine |mtte ^aben, wo e3 fchön ift. 

Sitte ©dfjnucfe, bift S)u böfe, bajs ich $eine ©riefe $re* 
bigten nannte? S)eine 5ßrebigten finb mir immer von £erjen 
tieb, unb S)ein Schmölen felbft mir noch lieber aU anberer 
Siebfofen, boch ift ba§ (entere freiließ, Wenn e8 von S)ir 
fömmt, ba8 befte. äRit biefen legten ©riefen bin ich alfo 
gan^ aufrieben, unb — fottich nocf) ^in5ufe|en, innig gerührt 
von S)einer Siebe. ©in ich ba§ nidf)t immer unb ju jeber 



307 



3cit? SBie t)übfd) Befd^reibft $u Seine 2Infunft in äJhiSf an! 
■ftur immer an metandjolijd), nnb bog ftecft midfj gleidfj an. 

2Ba3 ben Weifcen ®opf betrifft, fo fonn idfj S)ir ganj 
mit berfelben ©bition anfroarten. 3d& f)obe feit 5ßari3 nidjt 
meljr gefärbt, nm einmal $u fefjen, wie e§ eigentlich ftef)t, 
unb fielje, idfj bin fdjtoljmeifc wie ein ©letfdjer! |rier madfjf§ 
nidfjtö au£, aber $u würbeft mid^ fanm miebererfennen. @f)e 
idf) nadfj SRarfeifle gefje, wo idfj meljr en yue bin, Werbe idj 
midfj aber lieber fdfjwär^en. 

S)a§ ba£ ©artenbudf) nodj immer nidfjt ju ©tanbe ift, 
ift jum SkriWeifeln. 2tudfj begreife idf) nidjt, Warum bie 
legten Steile ber „Xutti grutti" nodfj nidjt erfdjienen finb. 
C'est le dernier däbordement. 3n meinem legten SBerf 
ift wenig ©attyre. Sdj bin fef)r begierig, Wie e3 S)ir ge= 
fallen wirb, obgteidf) Sir ju genügen mir fidfjer (aufcer fyie 
nnb ba tfjeilweife) unmöglich ift. 

-SBenn SBittgenftein wirflicfj feine $errürfe trägt, fo fjalte 
idfj e§ oljne ©pafe für bebenftidj. Sie£ ift eine 9?ei)oIution, 
nnb öorbebeutungSreidfj tüte ein Äomet. 3cf) gtanbe e3 aber 
nidfjt eljer, bi§ idj e§ fefje. 

Schreibe mir bodj eine ßifte ber ©riefe, bie an midfj 
angefommen finb. 35on einem SSenarb au3 Hamburg njciß 
idj nid£)t§. 93etlje Ijat bie ganje Sifte meiner ©Bulben. 

Uebertjaupt f treibe mir Diel, eng nnb ofjne Souöert, 
nm ba£ Sßorto ju erfparen. 

SBeißt Su, wa§ meine SBünfdje für bie 8ufnnft finb? 

Sdj bin überaß fidfjer vergnügt nnb aufrieben §n leben, 
wo idj 2) idj, ein chez moi (eigene ©inridjtung, meine idf)) 
unb ein Heiner ©rnnbftüd Ijabe, um bamit Ijanbttyieren 
ju fönnen, afleS, fcerftefjt fidj, in einer frönen ©egenb. 

Sann werbe idfj rnidjj überaß ju |>aufe, unb weit glücf* 
lieljer at$ bisfjer füllen, bann audj meine SBünfclje 
gana oljne effort auf Wenig rebujiren. darüber bin id) 
jefct mit mir einig. 2Ba3 folgt baraus? 

20* 



308 



1) bog SRuSfau ein Aufenthalt ift, bcn idf) fliegen 
mufc, außer }o toeit es ba§ Sntereffe nothtoenbig 
verlangt. 

2) bafe, fo h)tc ich bon meiner Steife jurüdßomme, toir 
an bem gteife, ber mir am beften gefällt, uns an= 
fiebefn. 

Sommft $)u nicht mit, fo gel)' ich allein, unb ^ote mir 
eine 9fnbere. Süergifc in 83erlin nicht ben Verlauf tion SDhiSlau. 
9Rit ber E^auffee unb bem ©artentoerl rewffiren toir biet 
leicht boch noch- 

Unter ben Ijeute erhaltenen ©riefen ift einer ber 
©dfjtoefter Sorb 93tjron% bie mich um meine ^anbfdjrift 
Utttt Que dites vous de cela? ©dfjnucfe, toemt 2)u mich 
feljr bitteft, fottft Du fie audf) befommen. 

S)ein treuer Sou 
mit einem järtti^en Äügfetn. 



57. 

Sßürfler an Sucie. 

£arbe3, tfen 15. $ejembet 1834. 
Sieben ©dfjnücfchen, 

©oeben l)abe ich nach fech^tüöchentticher Arbeit, toätjrenb 
melcher 3^it ich nur fünfmal ausgegangen bin, unb reget 
mäftig um fieben ober acht Uhr früh $u SSette gegangen, meine 
titterarijehe Arbeit, 600 ganj enggefdfjriebene Seiten, tioHenbet. 

®eftef)e, bafc e3 Schabe ift, einen fotcljen eifernen SIeifc, 
ben toenig Seute ^aben, nicht für ben Staat $u benu&en, 
tüiett>ot)l eg für mich (menn anber£ mein Such ©uccefc fyat, 
h>ie id^ tüo^I hoffen barf) perföntidE) fo luctt beffer ift; benn 
h>a3 ift ein preujsifcher SRinifter ober ©efanbter, tüic fie jefct 
leben ? SBenn er tobt ift, ift er auch öergeffen. ©ein Stame 



309 



ift außer Greußen ober bem |>ofe, wo er accrebitirt ift, un= 
befannt. ®en meinigen fennt jefet bie gan^e Sßett, unb ify 
Um gewiß fein, baß er auch noch etwas länger, aU mein 
Seben bauert, befannt bleiben Wirb. 

3)ir ^abe idfj bieg 511 öerbanfen, gute ©chnucfe, berat 
an niemanb würbe fotche ©rief ju f ^reiben je mir eingefallen 
fein, unb folglich wäre ich nie ©chriftfteller geworben. Tout 
est donc pour le mieux jusqu'ici. 

Sftorgeu reife ich ab, unb ba i<h fytx im Sanbe ber 
Trüffeln unb hafteten bin, fo mache ich S)ir ein Sßräfent 
mit einem großen päte de foie de canards aux truffes de 
Toulouse. SSon ber leiteten finb fedE)£ Sßfunb barin, unb 
einer ber beften faiseurs Ijat fie unter meinen 2tugen ge- 
macht. Sraftire bamit 93reffon unb Steine ^Berliner greunbe. 
©djenfe fie aber nicht Weg, ba3 würbe mich Iränfen, benn 
id) ^abe felbft eine Srüffel fjineingefierft. 

9Ke fyabt ich fo getagt als geftern. ®enfe 2)ir, baß 
idf) alfo hier anfam wie ein fdjäbig unb nadjläffig angesogener, 
fd&IohWeißer, alter, frumm ge^enber SDtann, ber ben Sag im 
Sette lag, unb be3 Stacht^ fdfjrteb, unb fecf)3 äBodfjen tang faft 
nie au£ bem ©djtafrocf fam. 

9hm muß ich t>orau3fchiden, baß ba£ ^iefige ©ebirg§* 
öoH nodf) außerorbenttidfj nato unb leichtgläubig ift, unb t>on 
ber übrigen SBeft unb ihren fünften wenig weiß. 3d£) ^öttc 
mic^ & a h er Gwüfirt, ben beiben -Stäbchen, bie mich mit Dieter 
Sorgfalt bebienten, unb toon benen eine um bie anbere immer 
Wachte, bamit ich w *> er Stctd^t haben fonnte, wag ich brauste, 
(car je dinais k dix heures, fo gut finb fte) ich fyatts 
ihnen alfo erzählt, ich fei 60 3ahre aft, lönnte aber burdf) 
einen Bauber, ben ich gelernt, alle 30 Saljre um SRitternacht 
wieber um fo biet jünger werben, unb biefe ©poche würbe 
balb eintreten. * @rft ladeten fie, am @nbe aber würben fie 
bodf) fyatb (pubig, nedten mich aber beftänbig mit ber grage, 
ob ich mich nun nicht batb jung machen würbe? 



310 



SSorgeftern atfo färbte icf) mid) f orgfälttg , Verbarg midj 
öor ben SWäbd^en, unb Ijeute 50g idj midf) elegant an,, gepult 
unb gefdjniegelt, fo t)iet id£) nur fonnte, bien repos6 et 
toiit frais, unb fam in bie ®üdf)e fjerab. 9Q?an fannte mid) 
nid£)t, unb frug, Wa3 idf) wünfdE)e? ©o tüte idE) tyradj, faf)en 
fie, Wen fie öor ftdj Ratten, unb ba§ eine 2Räbd)en erfdfjracf 
fo, bafc fie ganj blaß Würbe, unb baüonftef, um fidj ju Der* 
fteden. 

9ladf)f)er aber war ein 3ubet oljne ©teilen, ©ie be- 
fugten mief), i)erfudE)ten mir ben 93acfenbart ab^uWafdEjen, unb 
ba alle3 in statu quo blieb, fähigen fie bie §änbe über 
ben ffiopf ^ufammen unb gelten mief) eine SBeite wirfiidf) 
für einen Bauberer, big ber ©of)n t>om #aufe, ber in $ari§ 
gewefen, erffärte, wie ba3 SBunber jugegangen. Slber in ber 
Xfjat, bie 9Jletamorpf)ofe war um '30 $af)re, unb wie auf 
bem Sweater. C'est ainsi, Sehnucke, qu'on a rendu ce- 
löbre le carneval ä Tarbes. 

9hm noef) etwas fefjr SßidjtigeS. ^n ©einer gamttie 
giebt e§ oft ©djtagflüffe, unb ba $u, meine bide ©djnude, 
nun fef)r d&olerifcf) bift, fo fönnte 2)id& aud) einmal fotdj ein 
3ufaK treffen. Sftun fjabe idfj öon guter Slutorität fcerfidfjem 
Ijören, bajs ein fidleres, fjalb ftympartjetifd&eS, batb mebi^inifd^ 
wirfenbe§ 9Jlittef bagegen fein foll, in feinen Saffee immer einige 
Börner ©enf mit fodfjen §u laffen, Wa3 bem ©efd&macf nid)t 
bemerflid) wirb, griebridf) ber ©rojge unb Napoleon, bie 
beibe burdj einen furaen §at£ jum ©dtfagfluft inflinirten, 
tyaben bie§ fortwäfjrenb gebraust, unb bieg finb in jeber 
|>inficf)t ein paar gute 9lu toritäten, £fjue e3 alfo audfj mir 
ju liebe. 

S)ein treuer Sou. 

3Kit ber ©efunbfjeit gefjt e3 je£t leiblich, unb bie ge= 
führte Seben^art befömmt mir gerabe am beften. Je mange 
tous les jours 6 truffes. 



311 



Sie ^oligct fyat mich hier, wie ich erfahre, t)ier SBodfjen 
lang fumillirt, wetf fie geglaubt, ich fei ber 9(666 Sa äften* 
naig. SP bog nicht jum Sobttadfjen? 



59. 

$ücfler an Sucie. 

2ttarfeiUe, ben 26. ^ejember 1834. 
9Jleine ^erjenfchnucfe, 

Jßor einer Stunbe bin idf) fytx (wo man bei himmlifchem 
SBetter in 9?anfütf)ofen fpagteren geht) munter unb tuof)I an= 
gefommen, benn bie gatiguen befommen mir je$t — %ux 
guten ©tunbe fei'g gefagt, ba bie Spolera ^ier f)errfdE)t, aber 
big je$t erft fünf big fedjg täglich fterben. werbe bafjer 
auch nicht länger bleiben a(g nötf)ig. 

3dfj fanb Seine brei ©riefe t)ier öor big jum 11. 5)ej. 
Saufenb Sauf juttörberft für Seine ©üte [unb Siebe. Su 
nimmft mich ganj, wie man mich nehmen muß, unb bieg 
macht mich fehr gtüdflich. fyahe Seine ©riefe mit ber 

größten Führung gelefen, mit einigen Sreubent^ränd^en unb 
btum mit ben aüerfd^merjlid^ften um grancig! 

@g ift tnetteicht unbegreiflich, aber wie Wollte ich bor 
Sir rnic^ verbergen. Sßährcnb ich bitftn Slugenblid nicht 
ohne Zoranen um meine arme fjrancis fdfjreiben fann, unb 
bag größte Dpfer bringen würbe, unbebenflich, um ihn in'g 
Seben aurücfyurufen, $at ein anberer Sob gar feinen @in= 
brucf auf mich gemalt, nicht einmal SSerwunberung. ©g 
War mir ganj gleichgültig. C'est un peu fort, mais c'est 
comme cela. — 28ag nun meinen grancig, ben ftotjeften unb 
liebengwürbigften ®erl, ber je e^iftirte, betrifft, fo beruhige 
Sich infoweit, erfteng, baß er ein äRenfch geworben ift, unb 
in vielleicht 25 fahren fchon eine große 3?oöe fpiett, jweiteng, 
baß ich Sir, wenn ich fclöft lebe, einen anberen öon ©ngtanb 



312 



felbft §olen toerbe, efje idj ganj jurüdfomme, unb ijt ber 
neue nidjt ganj ber alte, fo toirb er i§m bodf) äljnlidf) fein. 

3)er £ob fpuft redjt um midj, ba audf) 9leumann ge~ 
ftorben tft, bem idf) erft bor adjt Sagen bie haftete an 2)ic^ 
abreffirte! Beige j>en 33rief an Sarnfjagen, unb gieb bte 
haftete an 3lotljer mit Dielen Ijeralidfjen Shnpfetytungen. 
■Jiatürtidfj barf er ntd&t miffen, toie e3 bamit jufammenljängt. 

Ueber Styauffee unb 2tlaunabfafc freue id) midj redfjt 
feljr. 3)ie geier meines ©eburtStageS §at midfj gerührt jum 
erftenmal, unb e3 freut mief), toenn man mief) in 2Ku3f au 
Hebt. Snt ©runbe üerbiente idj e8 toofyt. 

3Ketne 3eit f oH nodfj fommen, fagft S)u; adfj, ©dfjnude, 
e£ ift ju fpät! 3m ©rabe — efjer nun nidjt meljr, aber ba 
trieüeidjt ein toenig in bem <Sinn, ttrie es Saube gefagt. 

33eiliegenbe Briefe an SButffen unb ©ansagen "bitte idf) 
ju beforgen. ©inb bie äRemoiren eines SSerftorbenen nidfjt 
eine ©attyre gegen mief)? Srfunbige 3Md&, ©djnude, idfj fjabe 
$)id& fe^r lieb. 3$ getye in brei Sagen nadf) Xoulon, unb- 
©onntag nadfj Stlgier. 35on ba ein mef)rere$, ©d&nude. 

S)ein treuefter Sou. 
«ac$f$rtft 

Sdfj fann mid& über %xanci§ gar nidjt beruhigen! 3Rit 
Vergnügen gäbe idf) einen Singer um ifjn Ijitt 3<f) Ijabe bie 
©teile tüieber gelefen, unb ganj bitterlidf) gemeint, unb feljr 
über 3)icfj, benn bie 2trt, ttrie S)u mir e£ fagft, ift eben 
burdfj ifjre ©infad&ljeit unb 9lnfprucf)3tofigfeit auf ba$ tieffte 
rüfjrenb. 2lrme ©djnude! 9?un Ijaft $u nur nod) mid). 
Sßaljrfjaftig, idO toünfdfje nur für $)icf) erhalten ju toerben, 
meinetwegen ift mir nichts me^r baran gelegen. SSenn e3 
aber be3 <3d(jidfat3 ©dfjlufc toäre, fo trage e£ eben fo fcer* 
nünftig, unb lege mief), ben £ou, auf bie anbere ©eite be£ S 
mit einem S)owelfreuj. SBir brei öerftefjen un£, unb id& 



313 



liege fo lieber tüte bei SSater unb SKutter. 3Jlein armer, 
armer grancte! Quel malheuri %ä) habe aber forttoährenb 
bie ftärffte Klptung gehabt, baß mich ettoaS 2)efaftreufe3 in 
aJlarfetttc erwarten mürbe, fie mir abgeschüttelt, unb fear 
auch tüieber Reiter ; aber manchmal fiel fie mir immer lieber 
mit ätfei auf § £erj. 

SBenn totr bodfj ein ©teinbilb üon iljm befommen fönnten. 
3ft e§ möglich, fo tag e§ auf meine Soften öon SBidjmann 
machen ober Stauch, h>enn er ttrifl. 3df) liebe gettriff ermaßen 
Sich in biefem 5E^tere, unb fo toar mir noch nie ein§ auch 
nur ber ^unbertften Ztyil fo treuer, ©inen ähnlichen toerbe 
ich S)ir fdfjon f Raffen, aber einen folgen br olligen ^errfdfjer* 
forafter, ber fömmt nicht mehr toieber! SBoran ift er benn 
geftorben? £atteft S)u ihn nicht auf ber Seife mit; fdfjreibe 
mir barüber ausführlich, unb ein SRonument muß er jeben* 
falte befommen. S)en 5ßla| §a\t 2)u gut unb rührenb ge* 
tv&fylt, ich toerbe ih n a ^er nie ohne einen ©tief) im £>erjen 
Betrauten f önnen ; mir fteht er t)öh er t™ e taufenb SDtenfchen, 
toäljrenb ber größte ZfyH biefer ächten ßumpenljunbe 
e§ nidfjt brei äJiinuten am Sage finb. — SKein armeä 
Sännet! 3)er Gimmel fegne Seine SBiebergeburt. Vielleicht 
toirb er mein S)iener unb getbgefährte in meiner neuen 
%iffenj. 

3ch bin fehr mübe, ba ich jtoei dächte in ber falten 
SMtigence jugebracht, unb h^r noch nichts gethan al§ ge* 
geffen unb 2)ir gefchrieben nebft ben beiben anberen ©riefen. 

5)ie gute S3ianca fängt mir nun auch an leib ju thun, 
befonberS, baß bie ärmfte <3eete wahrf peinlich ber Statur 
ber Äranftjeit nach, fehr h a * leiben müffen. 9lun fyaht ich 
mich auch auf bie ®otttoi$ befonnen, nämtich, baß e3 bie ift, 
in bie ich 2lugenbtirf öertiebt War. Mon Dieu, com- 
bien de morts, unb alle bodfj noch jung! 



314 



60 

$ücfter an Sucie. 

2ttarfetUe, ben 29. $e$em&er 1834. 
Siebfte Schnucfe, 
£eute 2lbenb reife ich au3 bem Kfjoteranefte fort nadj 
Soulon, Don tüo ich 3)tr, ehe ich nach bem guten Slfrifa 
fegte, noch einmal fdEjreiben tüerbe. 

3$ befinbe mich leiblich, toietoohl nicht $um Seften 
pf)t)ftfd) geftimmt. $a3 ®lima ^ier ift ttmnberfchön, aber mit 
ber Spolera ift e3 nicht fefjr genießbar. S^beffen ift bie 
(Spibemie noch immer nur fchtoadf). 

©eftern gab mir ber preufjifdje Sonfut ein fefjr eyjel- 
tenteS 5)iner, unb tjeute ^abe ich am Steft meinet 93ucf)e3 
gearbeitet, um e£ öon STouIon au3 nach §aufe fdfjicfen ju 
fönnen. 

hoffentlich befomme ich noch Sriefe öon Sir, gutes 
(Sdfjnücferle, bie meine größte Sreube finb. gürcfjte bodf) 
nicht immer Sich ju U)ieberf)oIen. S)u öergißt in biefer Sin* 
bilbung mir bie intereffanteften ©adfjen ju fagen, unb toa§ 
fdfjabet benn eine Sßieberfjotung? 

@3 ift tüte im Sommer, meine genfter toaren offen, 
unb ptö|Iich faringt ^u bem einen ein aßerüebfter 2lffe, tion 
ber 9trt ber fetigen Kocotte, fefjr elegant angezogen, herein, 
unb mauft mir eine 93riodfje beim grühftücf. Stachher toefte 
idfj if)n t)on einem genfterbrett (ich tt>of)ne im britten Stocfe) 
ttrieber herein; unb amüftrte mich eine fjalbe ©tunbe mit if)m. 

SBärenur ba3 arme gränjerle nicht geftorben, beffen 
$ob mich ttrirftidE) auf eine feltfame SSeife unb fo fel)r be- 
trübt ^at, bafc ic^ 9 ar nicht me h r e ff en * ömt ' nämlich feitbem 
gar feinen 2typetit mef)r fyabe. bin überhaupt fet)r 

mijgmuthtg unb tief geftimmt. SBietteidfjt liegt e3 m ber £uft. 
SDa^u fü^Ie ich re $t oft eine große ©ehnfudfjt Sich ju fe^en, 
meine gute Sitte, unb ttrirb t§ ju arg, fo (äffe ich ®td> nac § 
SIfrtfa fommen. 



315 



Sage ja 3tot^er redjt Diel SdfjöneS t>on mir, unb $)anf 
megen ber Sfjauffee. 93etrct6e aucf) bie 2)ampfmafcfjine im 
9llauntt)erf. 

£>aß6erger fdfjeint fe$r gute ©efdfjäfte mit meinen ©adjen 
ju machen. SSon „Sutti grutti" fd&on bie^toeite Sluflage in 
2)eutfdf)tanb unb (Snglanb, unb bie englifd&e Ueberfefcung ift 
e tenb. 

©in tyerjlidfjeä Süftfein, meine gute ©djmtcfe, unb 2lbieu. 

2)eiu Sou. 

®a id& für ba8 neue SBerf bereite für 3000 Sparer 
tüieber fertig fjabe, fo toerbe idf) noclj eine SSeile 3Ku§fau 
nidfjt aur Saft fallen. 



1888. 

1. 

Sßucfler an ben gürften Subtoig toon Karotat^. 

Muskau Castle, 12. Jan. 1833. 

My dear Nephew, 

Your note is quite capital, illustrious Sir, by all 
means go on with your translation of Lalla. — 
( I am equally delighted with your idea concerning 
the eternal Jew. If you are lucky enough to make 
his acquaintance, pray, kill the rascal at last, take all 
his money, and allow me to say: $atb Jßart, for I am 
sorrowly out of cash just at present. 

As I hear, you are dayly performing great musical 
feasts. in different companies. You ought to sing the 
Contents of this letter to some £)ofbamen. 

Tout k vous 

IL P. 



2. 

©dfjinfet an Sßücfler. 

Berlin, ben 25. Januar 1833. 

©urdjtauc^tigfter gürft, 
©näbtgfter §crr, 
Sciber fjäbe idj bis je|t öergeblid^ auf bie £erfunft 
(Surer 2)urcf)laudfjt gedarrt, um ju bitten, mir ein paar münb* 



320 



ttdje SBorte auf ba£ gnäbige, übermütige ©treiben toom 
16. Ste^ember $u erlauben, beffen Qfnljalt midfj t)öQig fcer- 
fteinert t)at, toeil id& hmfjrlidfj gar nidjjt begreifen fann, too 
bie ©rünbe liegen, eine fo gefteigerte ©üte ju erflären, aud^ 
toenn idfj mid& ber größten ©eneigtfjeit ©uer 3)urdf)laudfjt 
gegen miclj unb meine Familie gettriß ^atte. 

2Ba§ fjabe \ä) benn getfjan? frage iclj mid) immer; — 
tdfj fott nodf) ettoaä tf)un, um mein ©ettriffen ju beruhigen. 
3n biefer Seängftigung empfing iä) bor einigen Sagen ba§ 
3)ofument au$ ©logau, toetcijeS midf) fcon neuem aufregt unb 
ätuingt, ©uer Surdjlaud&t einige SBorte fd&riftlidf) $u abref* 
firen, aber tclj bleibe innerlich tüte im Anfange unbeplfltd), 
etroaS SSernünftigeS $u äugern; benn rtrie feljr id& miefy burcij 
©uer S)urd&Iaudfjt gütige ©eftnnung beglürit füf)Ie, bieg, fjoffe 
tdjj, b a r f idfj Offnen nidfjt mefjr auSbrüifen, ba ©uer 3)urc§s 
laudfjt am beften f ernten, xoaä ba3 89anb probufttoen ®unft* 
beftrebenS, toetd&eS idf) fo fjodfj in ©uer 5)urd(jtaudf)t fceref)re, 
für ©etoalt Ijat; baneben ift aber au$ nodfj fo tnel anbereä 
ntenftftficfyeS SSerbinbungSmittel, toa$ mxä) burdfj fo über* 
tpiegenbe Steigerung t)on ber einen Seite faft au3 ber |mr= 
monie ju rüden fd&eint, unb bieg eBen ift e3, worein idfj midfj 
nodf) nidfrt $u finben Weiß, ©uer 2)urd6Iaudf>t fpredjjen fid) 
in Syrern gütigen Schreiben fo entfdfjieben aus, baß idfj ntefft 
toage, gan^ bireft bagegen ju fämpfen, xä) felje alfo feinen 
redeten SluSroeg. -Stödten ©uer 3)urd()Iaudfjt bod(j bie ©nabe 
Ilaben, mir redfjt gerabeljinauä $u fagen, toq3 idfj tbun fann 
unb fotf, um einigermaßen $u toerbienen, tt>a3 ©uer 2)urdj- 
lauert mir erhriefen, unb Worin idf) $fjnen ba£ UebergehH<$t 
bodfj immer nod) getofifjren müßte, hierauf toertrauenb, er= 
ttrnrte idf) bie f)offenttidj balb erfolgenbe §erfunft, bi§ baljut 
fann iä) fcon meiner ©eftnnung immer nur hrieberljoten, ttm& 
©uer $urdfjtaud(jt löngft belannt ift. 



321 



äReine gamilte brücft @uer 3)urdE)Iaucf)t bic innigfte unb 
toaljrfte ©rgebenljeit aus, unb iä) werbe nie aufhören in 
fjöcljfter SSere^rung ju fceröarren 

@uer S)urd^tauc^t 

treuergebener -Liener 

@d&infel. 



3. 

*ßücfler an $rinj SBitljelm Don Sßreugen., 
Seidig, ben 28. Sanitär 1833. 

2)urdfjtaud(jtigfter Äömgltdfjer Sßxxrii, 
©näbigfter &err, 

Seidig, ben 28. Sanitär 1833. 

Soeben ereilt midfj fjier in Seidig bie äugletdfj angenehme 
unb betrübenbe $laä)xiä)t, ba§ @uer Äönigtid^e £of)eit äRuSfau' 
mit S^rer fjoljen ©egennmrt beefjrt, nnb idf) !jöd(jftbiefetben 
iort fcerfeljlt t)abe. 

3ür'3 erfte beforge idf) nun, bafc Sure ®önigttd)e |>o!jeit 
S^rer ganj untoürbig in SRuSfau empfangen korben fein 
tt>erben, Vorüber idfj jejjt nur ©uer $ot)ett ein unfruchtbares 
SBebauern auSbrttcfen fann, jtoeitenS gefjt e£ mir wie einer 
©djönen, bie trieler Soilettenfünfte bebarf, um mit 33ortf)eil 
ju erfdfjeinen, unb bie nun plöfctidfj in bem forglofeften 
9ieglig6e überrafcf)t wirb! SBie unfcortfjetlfiaft müffen @uer 
§of)eit bie ofjneljut noclj fo unöoQfommenen Stnlagen 3Ru3fau'3 
erf Lienen fein, bie o^nebem biefeä 3>a!jr burdf) eine beifjnet* 
lofe S)ürre gelitten tyaben, unb bie id& gljnen nun nidfjt einmal 
crflären fomtte, um buxä) bie $t)antafte, nämltdf) ba$, toaä 
noä) werben foQ, einigermaßen ju erfejjen, toaä bie SEBirflidfj* 
feit nur nodE) t)ödf)ft fparfam barbietet. 

SBie iä) t)öre, fjaben Sure ÄönigKd^e &o!jeit fetbft mein 
bemeublirteS im El)ao$ ber Delftreid^erei unb Steinigung be* 

$üdlet, »riefn><d?fel unb lagcbüd^ct. VIII. 21 



322 



<jriffene3 ©dfjlofj burdfifdfjritten, vorüber idfj feinen geringen 
©dfjrecfen befommen. Um biefe Keine Sßerfibte gut %u machen, 
fottten Sure §of)eit ttnrflidj ben grojgmütfjigen (Sntfdfjlufj 
f äffen, mit Euer #o!jeit burdfjtaudjjtigften ©emat)lin btefe§ 
©dfjlofj für eine lurje Sabefaifon ju betonen. Sa3 tuürbe 
iljm in meinen Jfugen einen uttjergängftd&en Sßertf) fcerleifjen, 
unb alle SDtängel fd&nett tjergeffen taffen. 

©rlaubcn ©ie, gnäbigfter £err, bafc ic^ fdftfiefjfid) mit 
bem tuieberljolten SluSbrudfe meine! 33ebauern3 fjöctyftbemfetbett 
nodfj meinen innigftgefüfjlten Sanf für bie S^re auSfpredje, 
bie @ie SKuSfau erjeigt unb mir pgebadfjt fjaben, inbem jdj 
bie angelegentliche 33itte Ijinjufüge, mir ba3 unfd^ä^bare gn&= 
btge SEBo^tooKen ^u erhalten, mit bem ©ie, burdftfaudfjtigter 
fem, tmdfj bisher beglücft, unb beffen fid) burdf) tiefe ©Eft> 
furdfjt unb 2tnf)ängfid(jfeit nid&t ganj uttuürbig füfjlt 

(Suer Slönigttdfjen §ofjeit 
untertf)änigfter 

§. Surft tum $ücfier*9Ku0fau. 



4. 

^ücfter an Sürft Subtuig fcon ©dfjönaidfj*©aroIatl). 

©d)loß SJluefau, ben 3. ge&ruar 1833. 
Illustre Han, 

Tu es en v6rit6 le plus genöreux des neveux! Tu 
as piti6 de ton pauvre oncle, tes entrailles se meuvent 
ä 11d6e de le faire bivouaquer in ber ®räf)enf)ütte be£ 
5>ön$ojffd&en $Iafce3. 

Sanf Sir, ©eredfjfer! %<f) toerbe in Seine Seile ein* 
gießen als junger ©tubent, unb ift tnetteidfjt einige Setner 
@etet)rfamfeit bei bem langen groft bafelbft eingefroren, fo 
tuerbe tdfj nidfjt ermangeln, fie beim Sluftljauen im Sluge für 
midf) aufzufangen. Sludfj fidlere idf) Sir bie jtuei SSoIumma 



323 , 

WlaMatvix, meldte S)u aU 9Rietf)jüt$ öertangft, Ijiemit fcter* 
Itdjft ju, unb toerbe idf) 2)i<§ mit groger SBonne ju Sßftngften 
^ter ertoarten, um fofort mit S)ir bic Steife nadf) &ottanb 
anjutreten, unb un$ bei Dttofinb jtoei Sammerfjerrnfcljttiffet 
aus forintljifdfjem @rj auSjubitten; auc^ tnetteid&t fpartanifd&e 
Suppe 6ei üjm ju foften. 

5>Hh fcon 2)anf erfüllter Dnfel 

Hermann. 



5. 

Sßücfter an ©räfin t>on ®ielmann§egge. 

1833. 

3a, td^ lenne ®id) nocl), fjolbe, liebenätoürbige, geift* 
xeid^e Sterbliche — unb fjätten SSerftorbene ein ©ettriffen, 
fo toürbe ba3 meinige ofjne $tottftt ganj ^erfnirf dfjt t>or S)ir 
erfdjeinen müffen. Slber ju feiner Seit ttrirb fid) alles au^ 
gleiten, unb ein 5ßüger toirb in 3Ründ)ett erlernen, meinen 
grteben mit S)tr ju machen, 2)u Scmgmfitfjige unb Sanfte. 

Safj aber S)eine Softer einmal ein paar Seilen an 
mid) fdfjreiben — ein SSerjlorbener ift sans cons6quence, 
unb idfj mödjjte bie Keinen Sdjjriftjüge S)einer 5ßrogenitur 
tooljl fennen lernen, forrefponbire überhaupt am liebften mit 
foldjen ^erfonen, bie idf) nie gefeljen fjabe. 

5lu$ meinem Sanbljaufe am ©t%, too e3 
feine Seit mcljr giebt. 



6. 

5ßücfter an 5)r. Nürnberger. 

9Huäfau, ben 10. ge&ruar 1833. 
(Suer §oc§tooI)Igeboren 

finb fc^r gütig, meiner fo freunbfd^aftlid^ ju gebenfen, unb 
mir ba3 neue Saljr burd) ein fterngtänjenbeS 9?euja!jr$gefd&enf 

21* 



324 



aufjubelten. SBie fc^r bin idj in allem, befonber$ bem fjerr* 
lid&en @nbe 3f)re3 StuffajjeS, mit Sljnen einfcerftanben. ®e= 
tüifj ^at uns eine fiebenbe ©ottfjett ben aljnbunggreid&en 
Sroft gettmljrenben Stnbticf be3 erhabenen ©ternljimmete 
nidjjt umfonft geftattet. 2>od) je beffer lote ttrir fjier bie 
SRenfd&enroffe erfüllen, je fräftiger unb glücffid&er »erben 
ttrir bort auftreten. Die Sefjren ©otteS unb feiner Statur 
jtnb einfadfj unb Kar. SBir fjaben nur eine gar ju alberne 
SRefigton barauS gemalt, ©ie finb mir ein befferer Sßrtefter, 
als je^ntaufenb ber fd&ttmrjen 33öcfe, bie ju meinem 2lbfd&eu 
auf allen Äanjelti fjerumtrommetn. 

Dafc e3 Seiten nid()t immer fo tt>of)I gefjt, tirie ©ie toer= 
btenen, t^ut mir fjerjfid) leib. tBefud&en ©ie mity bodf> 
nädfjften ©ommer in 9Ru3fau, unb loo^nen ©ie bei mir. 
SBir tüoHen bann ein toenig miteinanber fd^tüärmen unb föu 
fofopljtren, unb im ©dEjoofce ber Statur ba3 Seib ju ber* 
geffen fudfjen, toaS einem freifiel) manchmal ben frönen 
ßebenStranf mit gar ju bittrem SBermutf) füllt. 

SÖtit fjerjfidjfter SSerefjrung 
©uer $odfjtt)of)Igeborett 
ergebender 

$. 5ßücfler. 



7. 

Ißücfler an feine SKutter ©räfin ©lementine 
toon ©etjbetüifc. 

afluäfau, ben 10. gebruar 1£33. 

Sefte 3Ratfdf)a, 

bin brei 2BodE)en bettlägerig, unb redf)t franf am 
Äatfjaralfieber unb einer falben Sungenentjünbung ge= 
toefen, toa$ mir in Deinem fdfjönen Klima tooljl audf) ntdjt 
begegnet toäre. 



325 



©etotfj ntmmft S)u auä) Xfjeil an unfereg lieben 33en* 
jaminS ©lücf, beffen ©fjegefponS fidf) mit if)rem fcierunb* 
anjanjigften ffinbe abermals gefegneten SeibeS befinbet. 

3n SDhtSfau giebt e3 nidfjtS 9?eue3, außer, baß ber afte 
®rufdfjrt>ijj geftorben, unb bie arme alte SBoringern ba3 93ein 
gebrochen ^at. — 

3m f$rüf)ja!jr fomme tdjj alfo naä) SlHat^ um ein 3afjr 
bei ®ir jujubrmgen, gute äRatfdja, unb aus ©einen Söffen 
miäf ju nähren, ba bie meinigen balb gänjlidfj ausgefragt 
fein toerben, unbidjj felbft fo blaß unb mager ttrie meine Jinte. 
©ein fd&öneS SKäbd^en foH mir aber Suchen baefen, unb für 
jebe SRojtne gebe id(j tfjr einen Äug. D ^auline, idfj liebe 
©ic§ ! Et si vous permettez, je l'äpouserai dös le lende- 
main de mon arriv6e, et pour tout le temps de mon 
s6jour. 

Sdfj bin fjier fdfjon feit fedf)3 SKonaten ganj allein, Sucie 
in ©arolatl) unb 33erlin, unb befinbe midf) ganj k mon aise 
in biefer ©infamfeit, bie iclj baju benufct fjabe, jtoei neue 
SJüd^er ju fd&reiben, benn iä) toerbe batb dorn ©d^riftftettern 
leben müffen. @3 gefjt ju fdfjledjt, unb ©eine ©nabe er* 
fjätt rnidfj eigentlich nodfj, fonft bliebe für midO k la lettre 
nid£)t$ übrig. ©er Gimmel bergelte e$ ©ir, gute 3Katfdfja, 
unb nod^ meljr, toenn ©u enbttcl) ernftlidfj baran beuten 
mottteft, mir eine reiche grau ju üerfd^affen, car sans cela 
j'ai peur que tout sera dit bientöt. 

©ein armer ©rftgeborener. 



7. 

Saron bon Sog^t an Sßüdler. 

(Hamburg.) Mercredi. 

En fouillant panni des paperasses k Flottbeck, 
j'ai trouvö les lettres ci-jointes — elles ne sont pas du 
genre que vous d^sirez, mais elles acheveront k me 



326 



faire connaitre k l'homme, qui a fait sur moi une trop 
profonde impression pour que je ne däsirasse pas ä 
ne pas lui rester Oranger. II me pardonnera ma con- 
fiance en son indulgence, car c'est un hommage que 
je lui rend. 

Vous n'oublierez, mon Prince, que Ton vous attends 
ce soir. 

Voght. 



9. 

S3aron fcon S3ogt)t an 5ßücfler. 

(Hamburg), ben 7. 3Rärs 1833. 

3Ba3 iü) bin, Ijaben ©ie, mein Surft, mit fo triel 9la& 
fiä^t beurteilt, ba§ id) e$ toage, ettoaS toon bem, toq§ 
meinem Sebcn einigen SBertf) gegeben !jat, ba$ hmS idfj toar, 
3$nen &um Kursblättern öor^utegen. 

2)a3 erfte §eft ber ©efdfjidEjte ber Slrmenanftott , bic 
gegen baS ©nbe be3 öorigen 3a^r^unbert§ ein SRufter für 
alle übrigen getoorben, trrirb Sfjnen bereifen, tüte tue! für 
ben SBo^Iftanb unb bie ©ittigung ber unterften klaffe ge= 
fd^e^en lann. 

2Ba3 ferner in einem £t)eil meines gefdf)äftigen Sebent 
mit mir borging, fann ber bebeutenben Sßenfd^en toegen, titit 
benen e3 mic^ in SSerbinbung fe£te, einiget ^ntereffe fttr 
©ie Ijaben. 

Sie 93riefe einiger ber merftoürbigen grauen, benen 
mein gutel ©d&icffal midj genätjert f>at, t^eileic^ 3$nen, biet* 
geehrter gürft, ofjne »eitere ©ntfc^ulbigung mit. 

2Kit efjrfurdjtSboUer 5ldfjtung 
ergebenft 

tum SSog^t. 



327 



u. 

5ßücflcr an 93aron 33oght. 
bin 3h nen > befter 33aron, noch eine Slnttoort fchulbig, 
unb boller S)anfbarfeit unb SSerehrung eile ich biefe ange- 
nehme $ßfltcf)t abzutragen. 

3ch fann 3^nen faum auSbrücfen, toetcheS ungemeine 
Vergnügen mir bie Seftüre 3f)rer gütigen SDtittheilungen ber* 
fdjafft. Sie müffen rt>af)rlich feinen geringen ©inbruef auf 
biefe Samen t)on fo berfchiebenem Äarafter gemalt ^aben, 
um ihnen Sricfe jn entlocfen, bie fie jum %1)t\t beffer tüte 
ihre Schriften fennen lehren, unb bon einigen ein bofffommen 
:ptaftifchc£ 93ilb barfteffen, nach beffen Stnblicf man fie %af)xt 
lang in ihrer Intimität gefannt ju ^aben rt>äf)nt. 93efonber3 
ift bie§ mit ben Briefen ber grau bon 9?aet ber gaff, 
bie mich tief gerührt ^aben. Ohne jene appretirte gräten- 
fion auf leibenfchaftlidfjeS ©efüljl unb gtänjenben ©eift, bie 
in ihren ©Triften oft $u bemerfbar ift, jetgen fie beibe§ 
mit einer anfprudjlofen, liebeöoffen §er$en§gabe unb ©infadf^ 
t)eit, bie tua^r^aft bejaubert. $dt) bin babon boppeft er* 
griffen toorben, toetl i<h ju ber 3eü/ öte fie noch in Koppet 
lebte, in ber @cf)tr>eij reifte, unb nur au3 jugenblidfyer %U 
mibität ntdf)t toagte, ihre SBefanntfdfjaft ju fudfjen. 3$ ^tett 
mic§ für ju unbebeuteub ju einem fo großen Unternehmen, 
unb obgleich ich mich auch jefct nicht für bebeutenber halte, 
fo fühle ich fofc in meinem affe§ ©rofce anerfennenben 
£>erjen etmaS liegt, ba3 fie berftanben unb getoürbtgt höben 
ttriirbe, unb mein fdfjüchtemer @nthufia3mu£ im ©ernäfte 
btühenber £*ugenb bielleicht ©nabe bor ihren Slugen gefunben 
haben toürbe. SRich aber hätte geioijs ihr ©eift unb ihre 
(Seele trofc altem unborthetfljaften Sleu&ern leibenfchaftfidf) h^ 
gertffen. 

3Rab. 9?6camier, ihr liebliches in feiner 3trt fo boff* 
enbeteS ©egenbtfb, §abe ich 'gefannt, unb ihre ruhige, abge* 
fdjloffene 9?atur §at Weniger SSerfüfjrerifd&eS für mich. 3df) 



328 



liebe Slbgrünbe unb (äletfd&erftHfcen , bunfle SBölber unb 
fliegenbe SBolfen, ^luifd^en benen Ijie unb ba nur bie ©onne 
bo^^clt glättftenbe ©trauten berfenbet — meljr als bie frieb* 
tidje Sanbfdjjaft über bie etmg freunblidjjer Gimmel fidj tvötbt 

3Rab. 5ßard)oub nähert fid) bem SKännlidEjen, unb tfoax 
nidfjt bem fräftig Setbenfdjaftttdjen toie grau bon ©taet, 
fonbern bem raifonirenben unb reflef tirenben , toorin bie 
SBeiber feiten eyjeßiren. Sie fjaben fie fein unb treffettb mit 
Wenigen $üqzxi gefdfjitbert. 

3Rab. b'^oubetot ift eine liebttdfje Stlte , bon jenem 
©leid&mutfj, ber fidf) unb Slnberen ba3 Seben leidet unb be* 
quem madjt, ®araftere, bie jtoar feljr tiefe ©mpfinbungen 
ausließen, aber als greunbinnen einen großen, toenn gleidfj 
negativen SBerttj Ijaben. 

3Rab. @uarb is delightful. SJon Sitten am meiften 
granjöfin, mit aller Klarheit, 33eftimmt^eit, Urbanität unb 
bon sens jener vergangenen $eit, too bie ©efefffd&aft fo ju 
fagen eine Äunft geworben mar, unb eine jtoeite Statur, in 
ber man fiel) eben fo frol) belegte, aK in ber inbibibuetten. 
SBar fie alt genug, um biefe Seit gefeljen ju fjaben, ober 
fjatte fie bie Sunft bon ifjrem URanne gelernt? 

S)ie 33riefe ber ®e$eranbo jeigen in jeber SDliene ifir 
ebleä §erj, unb jene Slrt §eiterfeit, felbft im Seiben, bie nur 
ein foldfjeS giebt. 2)a3 ©übe iljrer Äorrefponbenj !jat ettoaS 
sßropfjetifd&eS. SBer mödfjte nidfjt ftmnfd&en, e$ märe toaljr, 
wenn er e§ audfj fd)toerer ^u glauben bermag. 

SBeiter bin idf) nodj nidfjt gefommen, unb toenn xä) ©te, 
liebfter 33aron, mit fo biet S)etail gelangtoeift, fo f ^reiben 
©ie e$ nur bem 33eftreben ju', 3l)nen ju bemeifen mit 
toeldfjer Slufmerffamfeit idf) $f)re ©äte ju toürbigen unb $u 
benufcen gefugt tjabe. 

Stur einen großen SRangel, ein lebhaftes SSebürfniß läßt 
biefe Seftüre midfj empftnben — e3 finb bie Slbfd^riften ^fyvtv 
eigenen ©riefe, toeldEje jene anberen fjerborriefen, bie idfj öer* 



329 



miffe. SBeftfcett ©ic btcfe nicf)t, unb ift e$ eine ju große 3fn* 
bisfretion barum $u bitten? 

■Sterfttmrbig muffen in ber 2f)at bie getüinnenben ©igen- 
fcfjaften fein, bie 3tönen bie särtlidje, feurige 3freunbfd)aft 
fo birfer eben fo auSgesetdjneten atö fcon einanber öerfc^ie^ 
benen Srauen fcerfdjafften. 9?ur bie ^Bereinigung eines 
^o^en ©eifteS mit einem toortrefflidjen liefen, burd) biet* 
fettige SSilbung gefteigert, fönnte ein foldjeS SRefuttat fjertoor* 
Bringen. SBenige fönnen geitufc auf ein langes, reidjfjaftigeS 
Seben mit foldjer SSefriebigung jurücfbliden, unb iä) fe^e eS 
als einen großen ©lücfsfatt an, ber aud) mid) mit benfelben 
in eine 93erüf)rung gebracht §at. 

Saffen ©ie midj f fließen, ibie idj begann, mit 3)anf 
unb 93eref)rung. 

$. 5ßücfter. 

«Tai encore la depuis la lettre de Mad. Jacobi 
Kloest, qui m'a paru bien interessante. Donnez-moi donc 
aussi vos pröeeptes de bonheur. H61as! je le cherche 
en vain comme tant d'autres, et c'est sans doute par 
ma faute: Un bon conseil pourrait m'6clairer, si toute 
fois vous ne reserver les lettres qu'aux jolies femmes 
seules. 

Je vondrais bien lire votre röponse & Md. Jacobi 
Kloest. Si vous Tavez conservöe, ne me le refusez pas. 



10. 

Saron öon 93ogf)t an Sßücfler. 

(Hamburg), ben 10. 9Jlärs 1833. 
3t)re lieben 3^Uen, mein bereiter Surft , t)aben mir 
eine ganj eigene greube gemalt; forgfam toerbe idj fie auf* 
Setoafjren, baS SKonument eines glücftidjen 3ufammentreffenS, 
tueldjeS, furj als eS toax, ju meinen liebften Erinnerungen 
gehören ttrirb. Saum fonnte idj eS hoffen, na^e bem 9Ro* 



330 



ment, tuo un§ bom entflogenen Seben nur getftige Erinnerung 
bleibt, fo bereichert ju derben. 

fonnte ©ie, mein Surft, et)e ich ©ie fa|. SBenig 
Stugenblicfe ^aben hingereist, mich SU überzeugen, ba& ich 
midfj in 3h nen ™fy Qtivxt ^atte — tuer fiefj nid£jt burch 
einen önftinft, ben ich ntd^t bejeichnen fann, errät!) , toirb 
fich nie berftehen — ich fühlte ba3 eble, feine @efüf)I be§ 
©rojgen unb ©uten in Sh nen / fonft, glauben ©ie e£ mir, 
hätten ©ie biefe ©riefe nicht, beren ©eift ©ie mit fo großem 
©dfjarffinn — fo treffenb bejeidfjnet fyahm. Sa, bie ©tael 
toürbe ©ie geliebt haben, unb ©ie hätten ber ©apph %töt 
mit Verehrung ertütebert. SRab. ©uarb mar bie Softer 
be3 S3uchhättb(er§ $archoub — früh an btn Umgang mit 
SSoItaire unb beffen 3citcjenoffett getoöhnt — ©uarb ba3 
Urbitb ber geiftbotten, liebenSmürbigen Urbanität, für toeldfje 
unfere Beitgenoffen ben Saft berforen fyahzn. 

§öher als alle bie lieben grauen ftanb Annette 3)e* 
jeranbo ; fie allein hmr ber bret unbergef3li<h en Sraüett 
toürbig, mit benen mein gütiges ©dfjicffal mich früh öerbanb, 
bie fünf jig Sahre meinet Sebent berfdfjönten — ihnen gehört, 
tt)a§ @ute§ in mir ift — ihr SBefen rt>ar Siebe, ihr 
Seben war Zfyat 

2Ba3 mir bie banlbare greunbfdfjaft aller SBciber er* 
ttmrb? $e feiner bie innere geiftige Drganifation, um fo 
mehr fämpfenbe Elemente — ich berfudfjte bie bestimmten 
©aiten jum reinen %on hinauf unb h e ™&ättäiehen, fie in 
Harmonie ju bringen mit bem ©runbton. ©o löfteu ftdj 
bie 3)iffonan$en — 9tuf)e unb triebe t ehrte in bie auf= 
geregten ©emüther — fie erfannten ihren ttmhren SBertI), 
unb toaS burdfj fie felbft ihr Seben toerben fönnte, 
ba$ ift bq3 ganje ©eheimnig! 

SKein lieber gürft, ich h a &e feine 2fbfdf)rift irgenb eines 
meiner freunbfdEjaftUdfjcn ©riefe; nrie würbe bie bloße 
Sbee be3 2tufbetoähren§ jebe ^erjenSergieftung erfattet 



331 



Ijaben, bie an SRetn^ett unb SBa^r^eit verlieren tt>ürbe nur 
burdj ben ©ebanfen an iljre SBtrfung. 3$ fdjreibe toie 
bcr SSoget fingt, ber in ben StotiQtn toof)nt; ba£ Sßort ba3 
au3 ber ©eele bringt, ift Sofjn, ber reidjlid) lohnet. 

•Bleute greunbe liebten in mir m<f)t. ba£ gar Sßentge, 
tva$ idj bin, aber toa3 tcfj if)nen mar. 

Les recettes de fölicitö, mon Prince, sont devenus 
des lieux communs; elles n'ont de v£rit£ et de profon- 
deur que dans ces moments, oü un sentiment presqu' 
£lectrique fait sentir leur rapport avec ce melange si 
divers, si vari£ d'£l£ments heterogenes que nous nom- 
mons caractere. Elles ont dü se livrer bieu de com- 
bats dans le vötre. Nous autres dans notre mediocrite, 
nous aimons la plaine, le murmure du buisseau, le 
reflet d'un ciel pur dans le miroir du fleuve, qui dans 
son cours paisible baigne les fleurs de la prairie. 

Saretum Iter, et fa nentei, semita vitae. 

Pour vous, mon Prince, il vou$ faut des bornes 
ä franchir, des obstacles ä vaincre; le ciel dechire par 
les Eclairs, les orages, les ouragans ont dü avoir un 
int6r6t pour vous qui aimez les hauteurs escarp6s en- 
tourös de pröcipices — il vous faut les turgida vela 
pour conduire la freie nacelle de la vie ä travers les 
ecueils et les courants. 

C'est \ä que le caractere s'eieve ä une hauteur, 
d'oü il commande les circonstances — d'oü il se trouve 
appeie aux grandes choses — mais oü l'inactivite Tuse 
ou le d6vore. Votre gouvernement me parait mal con- 
naitre ses interets en ne tirant pas parti du votre. 

S)a ©ie, mein gürft, nodj einige Sage bleiben, fo fd&icfe 
idj Sfjnen bie S3riefe, bie icf) aus granfreidj unb ber ©d&toeij 
an bie brei greunbinnen fdfjrteb, fcon benen idj oben fprad). 
Qdj lege 33onftetten'3 Briefe bei, bie einigen 33ejug barauf 
ljaben. bleiben ©ie no<f) länger, fo mürbe id) e$ toagen, 



332 



S^neit mein £agebud(> t>om 3a!jre 1794 bis 96 in ©ngtanb 
©dfjotttanb unb %xlan\> ju fdfjicfen — tnetteidfjt fönnte e§, 
be$ ÄontrafteS mit ber jefcigen Seit Wegen, ©ie intereffiren. 

3Ba^ idj S^nen gab unb anvertraute, fage S^nen meljr 
als je 33erbinblidfje3 am ©cijluffe meinet SriefeS treu 

SSog^t. 



12. 

93aron toon SSogljt an $ücfler. 

Hamburg, ben 29. 2Rärj 1833. 

Sty fjatte brei SSriefdfjen toon Sljnen, mein tuelgeefjrter 
gürft, ju beantworten, unb mürbe gljnen f^on früher ge* 
fdfjrieben fjaben,- fjätte idfj gewufct, Wofjin. !Kun erhalte idfj 
ben vierten, unb weifj, Wo meine Slntwort ©ie treffen fann. 

SBaS ©ie mir fo freunbtiety über mxä) felbft fagen, ift 
}u biet, triel ju biet — unb bodf) !jat e$ mir tt>oI)(getl)att. 
3»dfj glaube meljr an mid), feitbem idfj ©ie erfannt ju fjabett 
glauben barf. 

©te waren un$ Sitten eine glänjenbe ©rfdfjeinung; mir 
unb nodfj ©iner Waren ©ie unauSfpredfjlid) biet meljr. ©3 
Hang mir wie ein Saut einer geliebten ©pradfje, bie idfj lange 
nid^t mefjr fjörte, unb bie ©rinnerungen einer frönen #et* 
mattj in mir jurüefrief. S)er Ion, ber im Snnerften be3 
^er^enS wieberflang, verfemte midfj jauberifdfj in ben ®ret3 
ber ebeln SJerftorbenen jürücf, in bereu Warmer 33ruft einft 
jugenblidfje ®raft atteS ©dfjöne unb ©bie erfaßte, Wa3 fo 
lebenbig um uns fid) ju entwiefetn begann, ©ine DafiS in 
fybifdjer SBüfte War ber toom ©rfjabenften beraufdfjte ftvdet, 
öon bem SSonftetten fagt: „C'est Paris k Neumühlen et k 
Flottbeck' 4 , ößariS, Wie e$ bor fedfoig 3^ren War); feiner 
öon uns !jat gefdj rieben, Seber fcon unl getrau, ©ine 
3reunbfd)aft, bie fidfj ber Opfer wie eines tjofjen SoljneS er* 
freute, bie jebeS, 2111 e burdfjbringenbe eble ©efül)l junt 



333 

fcftcren 33anbe öerttmnbter Seelen madfjte, burd(j bie jebe eble 
2f)at be$ ©inen, bie %f)at Slttcr tt>arb, fügte unfere #erjen 
fo ineinanber, que nous ne pouvions, h)ie ber efjrlid&e 
SDlontaigne fagte, retrouver la sondure. ©ie Stile beeft 
ba£ füfjle SRooS! 9?ur ©iner nodfj — Sitte leben nur 
in iljm, unb idj mit ifjnen. 

3)afc er ©ie nidfjt fal), nid^t erfannte ttrie idfj, Ijat mir 
toef) getfjan — aber e3 toar nidfjt möglidfj ju machen. $u* 
rücf gebogen ift fein fdfjöneS Seben nod(j eine Steide ber eblen 
ftitten Saaten, bie nur ungefe^en fo erblüljen. 

9tie fjatte idfj einem Sebenben gefagt, tt>a$ icfy S^nen 
Ijier anbertraue, als bie £>odfjt)eräige, über alles ©eiftretdf)e, 
midfj t>or fedfjSunbjtüanjig Sauren am Ufer be3 SemanS, atte 
meine 33orurtf)eile gegen fie befiegenb, unttriberfteljlidfj an fiel) 
50g; burcij fie toarb idfj benen lieb, beren SSriefe e3 Der* 
bienten, Sfjnen greube ju madfjen. SBie hätten ©ie, mein 
ebler gürft, fidf) glücftidfj, ttrie fjätten ©ie $ljren eigenen 
fjofjen SEBert^ inniger gefüllt, tt>enn ©orinna mit über* 
irbifc^em 93Iirf Sljr inneres burdfjfdfiauenb, S^nen ba$ SBort 
SljreS $ersen3 gefagt Ijätte! 

SBie Ijätten ©ie ftdfj fjeimifdfj in bem getft* unb feelen* 
Döllen 3i*fel gefüllt, in tüeldfjem bie Äraft eteftrifdfj ruljte, 
bie öon ber irrigen aufgeregt, ttrie 93li|j auf 33ltfc fidfj ent* 
ttricfelte. Ueberfetige 3eit! Sein SBort toarb unüerftanben 
auSgefprodfjen — feitbem lebe idfj (ttrie ioenig finb ber SluS* 
ttaljmen) tüo^lmottenb fcon SBo^tmotten umgeben — aber un= 
jäljlige ©pradfjen l)abe idfj lernen müffen — lernen müffen, 
mein eigener 2)olmetfd(jer ju fein, ©ie fennen, mein der* 
e^rter gürft, unb idfj Ijörte meine ©pradfje reben. SBaS fann 
id) 3fjnen fagen, nrnS meljr loäre! — 3Rir ttriberfteljt e$, 
ein mir liebe! ©efüljl ju anafyfiren, roer mag befiniren 
ttmrum? Peut-on dissäquer le charme? 

Sljr ©djarffinn, %1)xt tiefe äRettfdjenfenntmfc, (mofjt 
g^nen, bafc fie ba3 33effere in S^nen nidfjt öerbrängt Ijat), 



334 



fjät ©ie and) §ter md)t fcerlaffen. Unfere tieben3tt>ürbige 
Srcunbitt Ijat mir Sfjren Srtef mit einer Stützung jurüd- 
gegeben, bie für beibe ettoaS fagte, tt>a3 bie Slnttafjme be3 
SriefeS nid)t fjalb auSgebrücft Ijätte — be3 93riefe3, ben tdj 
ber< 3tu^e unferer I^euren toegen iljrer fjäuStid&en unb efter* 
ftdfjen JBerfjäftniffe toegen — bergen 6ie e3 mir — ju- 
rütfgeffalten fjaben toürbe, Ijätte fie ifjn nehmen tüoHen. 

@3 ge^e 3$nen h)ot)I, mein teurer gürft! SRögc bie 
SSorfe^ung 3$nen fd&enfen, toaS man nur ungefud^t finbet: 
roa3 nur bie golge unfereä 2fjun3 ift, toenn e$ nid^t ber 
$totd beffelben mar. Saffen ©ie mid) mit ben SBorten 
tljreS ©oet^e fdftfiefcen, ber nidfjt lange t)or bem lobe in 
ein ©tammbudjj fd&rieb: 

„£af$ fahren baljm ba3 SWjuflücijttge, 
2)u fudfjft bei if>m »ergebend 3ftat!j, 
3n bem Vergangenen lebt ba§ Xüd^ttge, 
SBcrcroigt ftdj in fd>öner $f)at. 

Unb fo gewinnt ftd) ba§ Sebenbige 
Von golg auf gfolge neue ßraft, 
$enn bie ®eftnnung, bie beftänbige, 
<5ie madfjt allein ben 9ftenfd>en bauerljaft. 

,©o löft ftd> jene gro&e grage 
Um unfer jtoeiteö Vatedanb, 
$enn baö Seftänbige ber irb'fdfjen Sage 
Verbürgt un§ ewigen Veftanb." 

Unb bann nod) toaä eine unfid&tbare $anb frülj in ba3 
Snnere meines ©er^enS unberlöfd&bar eingrub: 
$etn Sßefen fei Siebe; 
$)ein Seben fei $!jat. 

t)on SSogljt 



/ 



335* 

13. 

*ßücfler an ben Sfönig griebr. Söiilhelm ben dritten. 

WltötavL, bcn 22. Stprit 1833. 

93et)or ich ©uer 50lajeftät mein atterunterthänigfteS @e* 
fuch 5 U Süjgen lege, Ijalte ich e3 für meine $ßflic6t, ©uer 
äRaj^ftät nochmals in tieffter Unterthänigfeit um SSer^ei^ung 
}U bitten, baft ich mich im nicht gematteten ©oftüme bei 
©uer 9Rajeftät gegeigt habe, üftidfjt im afttüen 2)ienft, fetten 
in Uniform, toar ich bo^er nicht genau t>on ben be^^alb' be* 
fteijenben 33orfdfjriften unterrichtet, unb erfuhr erft bei ber 
£afel burdjj ben ©rafen Sranbenburg ben Serftofj, ben ich 
mir hatte ju ©Bulben fommen -laffen. ©uer 3Rajeftät bürfen 
toerftcfjert fein, bafj ich mich nie, toeber t>or ©uer SKajeftät 
noch irgenbtoo in 3ltterf>öcfyft %§xtx Uniform lieber fo werbe 
Miefen laffen. 

Sch unterftehe mich nun, meine untertänige Sitte t>or* 
jutragen. 

toünfdfje au3 t>erfd§iebenen ©rünben, unb tljeifö in 
midfjtigen Privatangelegenheiten, eine lange SRetfe ju unter- 
nehmen, tooju ich bei ©uer 2Rajeftät um einen gtoeijä^rigen 
Urlaub einfomme. SReine Slbftcht ift, juerft ben SRorben 
unb namentlich 9tujtfanb ju bur greifen. %tt biefem lederen 
Sanbe, too ber mititairifche 9?ang allein gilt, unb faft jeber 
öornehme Sluffe, ber irgenb jum 3Rititair gehört, fd&on fcor 
bem 30ften Saljre ben ©eneratSrang erreicht ju höben pflegt, 
mürbe e3 nun öon ber größten Sßtdjtigfeit für mich fein, 
toenn Sure SRajeftät bie ©nabe haben wollten, mir benfelben 
©rab hulbreichft ju verleihen. 

Sch barf vielleicht jur Unterftü^mtg meines ©efudEjeS an- 
führen, baß Euer 9Rajeftät ben übrigen preufcifchen dürften, 
bie in SUlititairbienften geftanben, biefelbe ©fjre erliefen, baß 
in ber Strmee niemanbem baburdfj ©ihtrag geflieht, um fo 
mehr, ba idfj, meinem fünfjigften $ahre ohnebem nahe, auch 
ber Sfnciennitat nach balb einer ber älteften Dberften in ber 



336 



Strmee bin — enbfidj bajs ich bei aH ben geringen 2)ienften, 
bie id£j getetftet, fotoohl früher im gelbe als $ulejjtin ©örtifc, 
nie irgenb einen ©ehalt ober eine ©ntfdEjäbigung angenom- 
men, fonbern ftetS um ber ©h re toiHen gebient ^abe. 

Ungünftige Umftänbe haben, tote ©uer SKajeftät SKtnifter 
gut Riffen, mir ganj befonberS burch bie unglücftichften Kot 
liftonen manches Ungemach .unb t>iele feljr bebeutenbe 33er= 
tufte unter preu&ifdjer Roheit jugejogen, Euer SKajeftät ©nabe 
aber in toietem eben mir auch ganj befonbere Jpülfe ange= 
beiden taffen, toofür ich B^IebenS b nx ttefjten 3)an!barfeit 
mich verpflichtet fügten mu§. 

3)eShatb loage ich auch bieSmat befto jut)crftc^tlic^er, 
mtdj ©urer SKajeftät bütenb $u nahen, toobei fich jebodfj toon 
felbft toerftef)t, bog im galt eines Krieges niemanb fiel) glücf* 
tidjer fehlen toürbe, als i<h, ©urer aRajeftät mit @ut unb 
Stut bie £reue unb tnnigfte Unterthanentiebe nach Kräften 
ju bemeifen, mit ber ich emig in tieffter ©hrfurdfjt erfterbe, als 

©urer Königlichen SDtajeftät 

atterunterthänigfter treugehorfamfter 
£. g. t>. $ücfter * SöluSfau. 



*ßücfler an ben König griebridjj Sithetm 
ben dritten. 

Snbem ich ©urer Königlichen SDtajeftät meinen unter= 
t^ömgften S)anf für bie h<>h e ©nabe abftatte, mir ben Ka* 
rafter als ©eneralmajor beigelegt ju h&ben, füf)le ich mich 
boch aufs tieffte betrübt, bamit zugleich meinen Stbfcljieb aus 
Slllerhöchft bero S)\enften erholten ju fyaben. 

©S mad^t mich* fo glücflicf), nicht nur ©uer aRajeftät 
SSafaH unb Untertan, fonbern auch meines geliebten Königs 
S)iener $u fein, bafc ich 9etoij3, toemt ich foldfjeS 9te= 



337 



fultot im SDtinbeften ermattet Jjätte, mein untertljänigfteS 
(Stefudfj um Stoancement ganj jurücfgeljalten Jjaben mürbe. 

Steine Slbftdjt bei bemfetben mar Jjauptfädjlic^, mir auf 
meiner betoorfteljenben Steife burdfj ben überall fo Ijod^geeljrten 
®rab eines preufeifcljen ®«nerat$ ein IjöfyereS Slnfeljen ju 
aerfdfjaffen, ja, idfj fc^mctc^elte mir fogar, bafc @uer SBtajeftät 
micf) öiettetd^t in ber Sürfei ober $egtjpten mit grfegentlidfjen 
Aufträgen unb 95efe^Ien beglücfen mürben. 

Stfä ©eneral in ©uer SDtajeftät S)ienften fonnte idjj 
überall nur auf große S)iftihftion rennen, mäljrenb ein öer* 
abfd^iebeter Smmlibe teiber nur menig ^ntereffe erregt, unb 
feine lüdjtigfeit aller 9(rt in 3^^tfcl gejögen mirb. 

Ijdffte immer, bajg bie 33erfjä(tniffe burdj @uet 
2Wajeftät mädfjtige ©nabe ftc§ moljl leidet fo geftätten fönnte, 
baß idfj in biefelbe Satfjegorie mie bie dürften Sarolatlj unb 
5ßuttbu3 als in ©uer SBtdjeftät S)ienften berbleibenb , an* 
gefefjen mürbe, menn auc§ fein f^ejieHeg Sommanbo barait 
t>erbunben märe. 

3$ fann mic§ barüber gar mdfjt tröften, midfj fo öon 
(Suer SDtajeftät ganj entfernt ju feljen, unb ba ©ure SDtajeftät 
bodfj im 3aHe eines Stiegel midfj nicfyt ganj öermerfen, tyoffe 
idfj immer nod^, bafc OTerpdjjftbiefelben midfj aucfy jefct noä) 
bamit begnabigen merben in Slllerljödjft S)ero S)ienften mit 
unbeftimmtem vorläufigen Urlaub ju verbleiben, bis ©uer 
SBtajeftät gefällt, micfj mit irgenb einem Auftrag ju be* 
glücfen. 



15. 

Sßücfler an ©eneral üon Sßifcleben. 

Sagbfc^tofe, ben 16. 3uni 1833. 

S)er ©rief, ben idf) ©uer ©jjeHenj als Slntmort auf 
ipodfjbero lefcteS ©d&reiben fcor tnerjeJjn Sagen burdfj einen 
Sreunb abfenbete, ift burd) ba3 SDtifcgefd&tcf, melcfyeS mid) 

Sudler, »riefwedtfd un* lag^ü^et. VIII. 22 



338 



verfolgt, liegen geblieben, unb fpäter bei @m. ß^ellenj an= 
gelangt, als bie ÄabinetSorbre eingegangen ift, bie mich Der- 
abfdfjiebet. 

Sehr niebergefchtagen barüber habe ich ba3 in2tbfchrift 
beifotgenbe Schreiben an be3 ÄönigS SDtajeftät abgefdjicft, 
unb bitte @w. ©jjetteni auf ba3 inftänbigfte, 3^re ©üte für 
mich, bie ich mit ber tiefften 5)anf barfeit erfemte, nicht auf 
falbem SBege fteljen ju laffen, ba ein teerer £itet, wie ich 
ihn fyix ermatte, mid) in ben Slugen ber SBett mehr $urttrffefct, 
aU ergebt. 

©in ich benn wirf lieh eine fo gan$ unbrauchbare 3fta* 
rionette, bie fo früh fcfjon in ba^ gnüatibenregifter gehört? 
@3 muß Wohl fo fein, benn oft t>at eS mich fdEjon in ber 
Seele betrübt $u fet>en, baß ©w. (S^eHenj felbft nur eine 
fo geringe aReinung t>on mir ^egen, — ba ich boch fühle, 
baß niemanb einen befferen SBiffen haben tonnte, unb mir 
auch nic^t aHe§ Vermögen abgebt, mtd£) in angemeffenen SSer= 
hältniffen nüfctidf) ju mad£)en, Wo$u boch fyi unb ba fid) Woljl 
eine ©etegenheit finben mürbe, menn man e3 nur toerfuchen 
wollte. SBo man mir Vertrauen gefdjjenft, fyabe ich & nie 
getäufcht, unb mand£je3 Schwierige, mag man mir aufgetragen, 
habe ich burch Shätigfeit unb SBeljarrtichfeit jum gemünfehten 
©nbe ju bringen gemußt. 

2Rit biefem ©emußtfeüt glaube id£) immer noch Werth 
ju fein, ju etwaigem ©ebrauch aufgehoben, unb noch nicht 
in bie 9tumpelfammer geftellt ju werben. 

©enehmigen ®w. ©jjettenj ben wieberholten SluSbrucf 
meiner banfbarften Verehrung, unb würbigen Sie mich bod) 
einmal eines nicht bloß ganj offi$ietten Schreibend, benn Sie 
finb ja auch mehr al3 bloßer ©eneral ! Sie ftnb ein erhaben 
benfenber SDtamt, ber fein Seben wirffam einer 3bee ge* 
weiht, unb in biefem SReiche ftefje idf) ghnen vielleicht nicht 
fo gana fern. 

£. Würflet. 



339 



16. 

Sßütfler an SRab. be SSaubreuit 

Chateau de Muskau, 15 juillet 1833. 

Ma soeur, enchantee de vous, Madame, comme tout 
le monde, et p6n6tr6e des bontßs que vous avez pour 
eile, m'a fait espörer que vous daigneriez accepter les 
fruits qui accompagnent ce billet Si j'6tais Paris, je 
vous oflrirai la pomme, car je sais que vous la m6ritez 
— pauvre indigne que je suis, ce riest qu'avec em- 
barras que je vous prie de bien vouloir recevoir ces 
ananas comme une faible marque de mes respects 
lointains. 

Ne me grondez donc pas, Madame, si j'ai os6 pro- 
fiter de Poccasion pour vous öcrire et vous remercier 
de toutes les choses aimables que vous avez prononc6es 
en diflförentes occasions sur le compte de certain auteur 
qui est plus fier de vous plaire que de tous les suff- 
rages possibles. 

Occup6 de quelques nouvaux essais, il vous supplie 
de lui conserver k leur sujet la m6me indulgence en t 
lui accordant la permission de vous faire une des pre- 
mteres, juge de ses derniers pech6s litteraires. 

Veuillez agreez, Madame, l'assurance de ma plus 
respectueuse consid6ration. 

H. Ptickler. 



17. 

grau fcon ßonftant an bic gfürfttn Don *ßücfler. 

Paris, le 18 juillet 1833. 

J'esp6rais, ma bieu chöre Lucie, vous präsenter 
moi-m6me celui qui veut bien se charger de ma lettre ; 
mon voyage ä Berlin se trouvant encore retard^ pour 
quelque temps, Mr. Lerminier parlera pour lui-mSme et 

22* 



340 



parlera 61oquemment; tout ce que je pourrais vous de- 
mander pour lui, votre esprit comme votre coeur vous 
le diront aprös une bien courte connaissance de ce 
qü'il est ; il veut oounaitre par lui-meme cette Allemagne 
qu'il aime, qu'il admire, c'est k vous, k votre mari que 
je m'adresse pour lui en faciliter les moyens et pour 
que vous usiez de cette influence que vous savez si 
habilement exereer si des obstacles bien impr&vus saus 
doute s'616veraient contre le but de son voyage entte- 
rement Oranger k des vues politiques. Mr. Lerminier 
est professeur k Paris au collÄge de France, j'ai suivi 
assidument son cours d'histoire, et je le dis avec une 
conviction profonde, ces heures de ma vie ont 6t6 les 
seules capables de me redonner de la force contre ce 
däcouragement de la vie que je ne puis plus vaincre 
sitöt que je me sens abandonn6e k moi-m£me — j'en 
sautais de ce rooi si d6senchanj£ quand je l'^contais, 
tirant de sa vaste intelligence comme de sa mantere si 
61ev6e de präsenter Phistoire dans sa marche non inter- 
rompue de progression vers un meilleur avenir; ces 
rösultats au devant desquels Fbumanitö marcbe rapide- 
ment. Ch&re Lucie, pendant ces cours instante, ma 
douleur se calmait, je lui ai cette Obligation; je me 
disais, lui aussi, celui que j'ai tant aime, celui qui m'a 
pr6c6cte, sentait, pensait aussi, il en a la räcompense, 
son 6preuve, eile a 6tö longue et douloureuse, eile est 
terniin6e, et qu'iraporte que je souffre, moi ; je reviens 
donc avec reconnaissance k Mr. Lerminier, puisqu'il a 
su calmer les angoisses de mon coeur, et je vous le 
recommande, ch&re Lucie, ä vous, si bonne, si spiri- 
tuelle, si faite pour Tappr6cier. Sans nul doute ses 
ouvrages sont connus k Berlin, sa philosophie du droit, 
celui plus rßcent de Finfluence de la philosophie du 
dixhuitiöme stecle, ses lettres si animöes, si spirituelles, 



341 



si pleines de verve k un Berlinois. J'aurais un regret 
v6ritable que vous ne fussiez pas k Berlin quand il y 
arrivera, que vous ne le connaissiez pas. 

Parlons de vous, chöre Lucie, que faites, que de- 
venez-vous? Je voudrais tant vous trouver k Berlin, 
sinon, il n'est pas impossible que j'aille vous trouver 
k ce Muskau, dont on dit que vous avez fait un Elisö . 
je tächerai de me rappeler un temps plus heureux, 
plein d'espoir, d'avenir; tout cela n'est plus qu'un passe 
bien triste, dans lequel ce pass6 a creus6 une tombe 
oü sont mes Souvenirs, mes esp6rances, mais quelques 
moments de reste de vie peuvent encore couler douce- 
ment pr6s de vous. 

Rappelez-moi k votre mari, qu'il est difficile d'oublier 
quand je pense encore k votre s6jour ici, k ce souper 
si gai chez Robert, oü B6ranger chantait et faisait une 
impression tout oppos6e k celle qu'il voulait produire 
sur ce prince de Hohenlohe, qui me regardait en pitie, 
tomböe dans la d6mocratie meme chantante. 

Adieu, ma ch&re, ma bien aimable Lucie, aimez- 
moi toujours, je vous suis tendrement attachöe. 

Charlotte de Constant. 

La mort aussi a d6vast6 votre cercle, cette femme 
si entrainante, cette pauvre Mad. de Varnhagen, qui * 
vous aimait, que j'esp6rais revoir, eile aussi, son fröre, 
sa femme, d'eux tous il ne reste plus que des tombeaux, 
des Souvenirs et de la douleur, et voilä la vie toujours 
en face de ce phantöme qui moissonne les g6n6rations, 
et il faut aller en avant, marcher comme s'il n'6tait 
pas Ik. 

Embrassez pour moi Adelaide, Helmine, donnez- 
moi des nouvelles d'elles deux. Vous souvenez vous 
de cette journ6e pass6e chez votre p6re, et comme il 
6tait aimable et jeune de coeur encore? 



342 



18. 

*ßücfler an ©tägemann. 

Sagbljauä, ben 20. 3uli 1833. 
Serefjrtefter £err ©eljeimer ©taatäratl), 

3cfj füffc galten mit ttmljrer finbtid^er SScre^rung unb 
Sln^ängltd&fctt bic §änbe, unb fd^icfe S^cn ein paar redjt 
große StnanaS jur ©rimterung 1 an SDhtgfan, bcffcn äßoor 
fici) fefjr nacf) Sfjnen fe^nt. 

2)er freunbltdfje ©ruß burcf) £errn Dberamtmann Ulbert 
§at midfj um fo met>r erfreut , ba ©ie mir ba§ te^temal als 
ic§. ©ie faJ), nid)t redfjt gnäbig toaren , ma3 midfj feljr be* 
trübte, aber idfj fütjte e3 gar toofjt, tüte oft idfj 3$nen mit 
meinem ewigen Sammer läftig werben muß. Snbeß meine 
©cljulb ift eS ntcfjt, icf) toäre gern luftig, wenn midO 3^re 
preufcifdfjen 33eljörben nidfjt langfam ju Sobe marterten. 

©Ott unb ©ie Reifen mir manchmal, unb bafür bin idj 
üon £erjen banfbar. 

©galten ©te mir 3t>re ©eloogen^eit, unb fronen ©te 
fidfj felbft; barüber hätten 3t>re magren greunbe Sfjnen 
geredete SSorttmrfe ju machen, ju biefen mid£) toon meiner 
Seite, Ijeißt ba3, jäf)Ien ju bürfen, mirb aber immer mein 
©totj fein. 

2ßit ben treueften ©efinnungen 
Euer $o<f)tt>ot)Igeboren 

banfbar ergebener 

$. $ücfler. 



343 



19. 

Sßütfler an ben ©rafen toon Sftoftifc. 

Sagbfd&lofc, ben 25. Suli 1833. 
$£>euerfter ©eneral unb ©önner, 

©ie öaben mir bijrcf) bic gürftin *ßücf(er fagcn laffen, 
idj fotte ßanbratf} toerben. SBo benfen @ie t>in ! SBiffen ©ie 
nid)t, bajs iclj ber untaugtid&fte SDtenftf) in ben ganjen ^rcuffifd^cn 
Staaten bin, tdf) tauge nicfjt einmal jum SDlinifter, toeber 
bo^eltem no$ einfachen, gefdEjroeige benn ju einem ßanbratf)- 
©inen fo mistigen Soften tt)ürbe mir Ibie ^rcugtfd^e 9te- 
gierung nie anvertrauen. Otogen ©ie nur ben dürften 
SBittgenftein. SBa§ für mid& pafjt finb Xitel, aber fein 
Slmt, benn mo fottte ber SSerftanb baju f)erfommen, ©Ott 
müßte mir i^n benn mit bem Stmte toerleiljen. Sieht, idf) 
fenne meine Unfäf>igfeit, unb bleibe gern im 3)unfeln. 

2lber mistig ift bie ©adtje bodfj für un3, bfenn too ein 
tüdfjtiger ßanbratf aus ber ©tänbe SKitte t>erfommen foH, ift 
(unter uns gefagt) fdfjtoer abjufeljen. 

Sdfj ^öbe mir bie greiljeit genommen , mit «Sagen bie 
ßüfjnfjeit gehabt, unferer weifen Regierung einen Ijödfjft gaffen* 
ben Sftann (nadfj meiner geringen ©infidfjt) fcorjufdfjfagen, ber 
aber freiließ fein ©tanb ift — inbeffen fefct man fid) ja oft 
über biefen $unft toeg. @3 ift ber Ijiefige ®rei3fommiffariu3 
£fjmafcfjfa, ber affeS erf orber tid^e Beug ju einem fotdfjen 
Soften t)at. 

SBoHen ©ie öftren ©inftufc für baffelbe Snbtoibuum bei 
ber SRegterung anmenben, fo mürbe e3 tnelleicfjt meljr fruchten. 
Saffen ©ie micij 3^re SKeinung beSljalb miffen, aber bie 
©adfje ja ganj unter uns bleiben, um uns bie ßanbftänbe nidfjt 
öuffäffig ju machen. 

ßeben ©ie motyt, mein gelbljerr, unb bleiben ©ie toofyU 
geneigt 3^rem alten SBerefjrer 

$. ^ücfler. 



344 



20. 

dürftet an ®enerat ©rolmann. 

©<$tofc SRuäfau, bcn 25. guti t833. 
guer ©sjeßenj 

Bitte id) mir ju üerjeifeen, wenn icf) fo fpät erft meine Sßfltdjt 
erfülle, $otifjbenenfelben geljorf amft ' an jujeigen , toaä ©ie 
frciltd^ fdjjon miffen, baf$ beg Äönigg SDlajeftät genrijt $aben, 
mi# attergnäbigft in ben 3nbalibenftanb ju toerfefcen. 

©eine aRqeftöt ljaben jugleid^ bie t>oJje ©nobe geljabt/ 
mir ben (Seneratgtitel ju erteilen, ben idjj, big einmat mieber 
Srieg ttnrb, fargfam anheben werbe. 

©enetjmigen ipoc^biefelben bie ©erfid^erung meiner treuften 
unb größten ©ereljrung 

3. »im $ücfIer*aKu3!an. 



21. 

$ücfler an ben ©efretair £al)n. 

(Sagb^auS.) 

SBarum in Seufetg SRamen !ömmt Weber ber ©ote mit 
ben 3*itungen unb ©riefen, nodfj fdfjtcft bie Snfpeftorin 
©rob 2C. 

SSJoHen Sie mid) tyier augljungern, ober ift ein ©rbbeben 
in 5Dlug!au gewefen? 

SBaljrltcfj, man foffte glauben, id) fei bort ber Sefcte unb 
nidjt ber ©rfte. 

3$ werbe ©ie mit ber Snfpeftorin, Sungfrau Sodfj, 
auf ben ©oben einfperren, unb ntdf)t eljer Wieber Ijerauglaffett, 
bi§ 3$re |>enne ein @i gelegt t)at. 

©Jörnen ©ie ftd& äffe jufammen, unb fc^tefett ©ie mir 
augenblidftidj ©rob unb ©riefe. |>. g, Sß. 

3<$ fjatte bie Wid^t, Ijeute Slbenb naefj ffltugfau ju 
!ommen, !ann aber nichts cntfdtjeiben, big idfj nidfjt ber Sürftiu 
©rief ermatten, ben ©ie Ijaben. 



345 



22. 

@raf t>oti Sßoftifc an Rödler. 

»erlin, ben 13. 3Uiguft 1833. 

»erefjrtefter Sürft, 

3$r fo freunbfd&aftlidfjeS Schreiben Ijabe idf) richtig er* 
polten, fann mic!) aber mit ben barin ausgekrochenen Sin* 
ftdjten nidfjt einöerftanben erf löten. — Sie fönnen alte 3, 
maS ©ie ernftlidfj motten, unb mürben bttyalb ein üorjüg* 
lieber Sanbratlj fein, tuet! Sie gemifj eben fo tote idf), bie 
Ueberjeugung fjaben, bajs baS 3Bot)I beS ÄreifeS nnr burdfj 
eine jmecfmäfcige nnb toerftänbige SJermaltung gegrünbet unb 
erhalten merben fann. SKein SSotum haben ©ie alfo unbe* 
bingt, unb biefe 2lnftd£jt merbe idfj fomoljl gegen ben dürften 
SBtttgenftein, als gegen ben ©rafen Sottum auSfpred§en. 

2BaS bie burdfj unfere ©egenb anjulegenbe Äunftftrajse 
anbetrifft, fo fd&eint mir bie Ausführung biefeö SßrojeftS nod) 
feljr in meitem gelbe. — S)er ©taat mitt ©etb fparen, $at 
an mehreren Orten bereite angefangen, ©tragen ju öoßenben, 
mitt fich bafjer Vorläufig auf feine neuen einlaffen; baS 
fic^erfte utfb befte SRittel, bamit feinen %m& ju erretten, 
fd&ejnt mir in biefem Slugenblicf, baljin ju mirfen, bafj 
amifchen SDluSfau unb 3tietfc^en eine gute ®reisftraf$e an* 
gelegt merbe, bann ift bie föommunifation öon SDtuSfau bis 
©örlifc auf einem guten SSege geftd&ert unb eS Rubelt ftdf> 
nur noch etmaS für bie ©trage t>on Cottbus nad& 3Ku3fau 
ju tf)un, melcfjeS bei bem guten SBitten ber bortigen Sanb* 
rät^e, unb bem Sntereffe, meines bie ©tabt SfottbuS babet 
nehmen loirb, gemifj nicht fdfjmierig fein bürfte. — $em 
ipau^tbebürfnijs toäre bann abgeholfen; — überlegen ©ie 
biefe meine Anficht, unb falls ©ie bamit einöerftanben finb, 
fo motten mir öerfud&en, bie Regierung öon Siegnifc ba^in 
$u vermögen, für biefen $me<f eine Unterftüfcung ju be* 
mittigen. 



346 



©erlitt ift jefct fef>r leer, unb toirb e3 bis jur Sftücffeljr 
be3 SWnigS audj bleiben; — vorläufig ift btefelbe auf ben 
25. b. feftgefefet. 

9lun lebe« Sie tootrf, mein befter gürft, uwb überjeugen 
ftd) Don ber 9Iufridjttgfeit ber freunbfc^aftKc^en ®eftmtung, 
toomit \ä) ftetS bin 

treuergebener 



23. 

©räfin t>on ®ielmantt§egge=@cfjöttberg an $ü<f ler. 

2>re§ben, ben 22. Sluguft 1833. 

2)em 9leidje ber SSerftorbenen fo naf>e, übergebe tdj biefe 
Seiten bem Iflafytn be£ Sharon — er toolle fte bem bie ©efilbc 
be3 Sebent unb SobeS gleichzeitig SKufternben jufütjren — bann 
fomnten fie an ben Ort if>rer 93efttmmung. — ©djerj bei 
©eite, idj reife in ben erften Sagen be3 Dftober über 
Sauden naefy Sübbenau, bleibe in Sübbenau unb fpäter in 
SSerlin einige 3*it — fe^r leib toäre e3 meiner Softer unb 
mir nrieber nad? Saiern ju gelten, otjne ©ie gefeljen $u 
tjaben — nur beftimmen ©ie, roo unb tt)ie unb toann bieg 
gefdfjeljen fönne, roenn ©ie anberS unferem Sßunfd&e beitreten, 
©rlauben ©ie utt3 einen Sag in 3Ru3fan, fo neunte idj biefen 
SBeg öon Sauden aus nad) Sübbenau. — ©ntfdjeiben ©ie, 
aber ni#t au3 $öflid^!eit — fonbern aus greunbfe^aft. 

©räfin ®ielmann3egge*©d)önberg. 



347 



24. 

©djtnfel an $ücfter. 

SBerlin, ben 30. Sluguft 1833. 

Sure 2)urd§Iaucht 

^aben- mir burch gljrett 33rief twm 19. 9Iuguft eine große 
greube bereitet, nnb ich eile, bem Sßunfche @urer 3)urdjlaudjt 
gemäß, einige fünfte barauS Ijierburdj gleich ju beant- 
worten. 

3Ba3 ben Sluffafc ber grau öon Slmim betrifft, bem 
Sure 5)urdjlaudjt eine Stelle in 3h rem ©artenwerfe gönnen 
wollen, fo ift ber Sluffafc fo fcfjön nnb intereffemt, baß ich 
mich nur baburch gefchmeichelt füllen fann, befonberä ba 
©ure Surchlaudfjt bie Einleitung baju an ber regten ©teile 
mit Syrern einzigen Salente fo geftalten werben, baß biefer 
ganje $affu3 im SBerfe ganj ungezwungen herbeigeführt, 
eben baburch mehr Wirfen wirb, at§ wenn bie Slbfichtficftfeit 
hervorleuchtete. 

SBieWohl ich bie großen ©dfjwäd&en meines SBerfS nur 
ju gut fühle, unb einige @cfjauer höben Würbe, Wenn ernft* 
lieh t>om ©intreten in bie SBtrflichfeit bie SRebe fäme, fo 
fühle idfj toon ber anberen ©eite, baß e3 mit ber Wahren ©r= 
hebung *> er Äunft wirflidEj in jeber Sejiehung bei un§ je$t 
recht betrübt auSfieht, unb fyaltt meine 9Irbeit nicht für um* 
fonft gemacht. Wenn fte auch mir bie ©elegenljeit gegeben 
hat, ein fdfjöneS unb fräfttgeS SBort an rechter ©teile er* 
jeugt ju %<&üx. 

§errn ©türmer'3 Arbeiten $cfot ich na $ meiner fRüdf* 
fehr gefehen, unb barüber eine außerorbentliche greube ge= 
habt. SBenn bie SluSführung ben Driginaljeichnuttgen nur 
einigermaßen gleichfommt, fo wirb ba3 SBerf bie englifchen 
an SBahrhett unb ®araftertftif ber 3)arfteHung bei weitem 
übertreffen, ®anj fcorjügtich fdfjön h ö * $ err ©türmer bie 
Saumformen unb fernen treu unb beftimmt aufjufaffen ge* 
wüßt, unb babei ber ganjen S)arfteHung bie Seidjtigfeit ge* 



348 



laffen, bie für ben ©teinbrucf bei einem fo retdf) aufgeftat* 
teten SBerfe in jeber ©ejieljung toünfd&enftoertlj ift 2)aj3 
@uer 3)urct)Iaudjt i!)m auf biefe 3«i^nungen 100 %1jtx. ju* 
legen, ift billig, unb bie Slrbeit bleibt immer nur feljr mäfcig 
bejaht. ©f mirb babei immer nodfj unerläßlich, ba§ Gerrit 
©türmer'f ©mtoirfung bei ber Sluffüljrung ber Sittyograpljie 
unb bem Äoloriren ber Slbbrücfe gegen ein angemeffenef £o= 
norar feftgefjatten werbe. S)ie SKrbeit ift weit über meine 
Erwartung gut aufgefallen, unb xä) fann @uer 2)urd&taudfjt 
nur ju unferem gunbe biefef Äünftterf ©tüdf wünf d&en, benn 
id& wüßte feinen anberen, ber mit ber wahren Siebe §um 
©egenftanbe, tpic er, biefe Sirbett ljätte aufführen fönnen. 
9tun möchte xä) aber audjj, bafc bie 2tuffüf)rung ber SBelt 
ebenfo tooffenbet Vorgelegt werben fönnte, unb bitte @ure 
3)urdf>taud&t, biefen für SDluffau mistigen ©egenftanb mög* 
fid&ft forgftc^ befjanbetn ju laffen, unb einige Opfer babei 
ntdfjt anjufe^en, benn fie fommen immer bem fdjönen SRuffau 
wieber ju ©ute, beffen Wadjfenber Stuf mir überall bie größte 
3reube gemalt Ijat. 

2Ba£ bie (Stjauffee nad^ ®örli| betrifft, fo bin icf) über* 
jeugt, bafc baf $rojeft, neben SUtuffau toorbeijugeljen, md&t 
auf bem SRinifterio fommt; ic§ Weifj trielmeljr ganj beftimmt, 
bafc bie Verfügung auf bem SDtintfterto an bie Regierung 
Don fjranffurt baljüt getautet Ijat: bie ßfjauffee über Wuätau 
ju legen, wenn nid^t befonbere ipinberniffe bagegen fpredjjen. 
3)ie ©adfj&erftänbtgen ber granffurter Regierung, weldfje ben 
$lan aufarbeiten follen, müffeu, wie id& öermuttye, nur im 
Äoftenpunfte bebeutenbe S)ifferenaen gefunben Ijaben, wenn 
je|t ein anberer $tan jur Sluffü|rung fommen foH. 3n 
biefem galle fragt ef fi<$, ob ©uer 5>urc!)laucfyt ni<$t nod& 
SBege jur SJermittetung fänben, unb ©rteidjterungfarten für 
bie Sage über SRuf fau erforfdfjten. 3$ fe|e nid^t eitv weld&e 
anbere &inberoiffe au&er bem Äoftenjmnfte bei biefer ©trage 
gefunben Werben Knuten; bie Hoffnung ift alfo nodfj nic§t 



349 



auf jugeben, unb mein -fc^nli^fter SBunfdj nmre es, toenn auf 
triefe SBeife bie ©djöntjetten SJhtSfau'S allgemeiner genießbar 
mflrben, unb ba£ fdjöne SBirfen Gruer S)urdtfaudjt eine vettere 
Solge erlangte 

£err SHreftor 2en6e unb $ucx ©effo Ijaben bann bei 
bem ßrottprinjen, ben idj gleid) nad) meiner Sftücffefyr in 
©anäfouci auf jtoei Sage befudjen mußte, mit größtem ©n* 
ttyuftaSmuS öon SDtuSfau teferirt, unb man ift über bie 
SBei^eit in ber Sertnaftung biefer frönen in allen Steilen 
aoKfommen unterhaltenen äfolage unb bie mäßigen barauf 
öertoenbeten SDtittel ganj .erftaunt. S3ei meiner ^eilna^me 
an SRüSfau fönnen Euer 3)ur<$laudjt moljl benfen, ttrie ttwljl 
mir biefe Sleußerungen (§r. föönigL |>of)eit traten. 

3Keine Stau ift burdj einen SBrtef ber ftrau gürftin 
außer orbentfidj beglüdft toorben, nur alte legen ün$ ffiner 
2>urd>land)t unb grau gürftin ju Süßen* 

3Rit größter ©ddjadjtung unb öottfommenfter ffirgeben* 
§eit toerljarre 

®aer $>urtf}Iau<$t 

ge^orfamfter S)iener 

©dfjinfel. 



26. 

^Sücfter an ©räfin t>on Sielmannäegge. 

SJiuäfau, ben 16. ©eptem&er 1833. 

SSon einer Keinen SReife jurücf feljrenb , ermatte idfj erft 
jefct Sljren ttebenStoürbigen greube fcerljeißenben SJrief toon 
©reiben, liebe, tljeure ffioufine. 

Sft eS 3$nen nic^t möglidj, \tatt im Dftober, in ber 
legten SBodje be3 September tfierljer flu fommen? 3)enn nur 
fo lange ift m>4 einiger ©rfjmud ber fjiefigen Slntagen bor* 
Ijanben, bie fpäter, befonberS in biefem frühen £erbft, alle 
i^re menigen 3teije fcerKeren. 



350 

Sludj muft id) gleictj Slnfang Oftober notljtoenbig in 
bringenben ©efdjäften nad) Serlin, toeSfjalb ©ie midfj Ijter nur 
toie im Sibouaf finben, alfo mit einer fef)r länblid&en 93e* 
toirtfjung fürlieb nehmen müffen. 

2Bie freue id) midj nad) fo langen $afjren ©ie toieber 
ju feljen! Saffen ©ie mief) \a gleich beftimmt Hüffen, toeld&en 
Sag ©ie fommen, bamtt id) ©ie nidfjt öerfefyfe; Sie toerben 
freiließ einen alten $f)tfifter finben, too ©ie einen jungen 
Sporen öerfieften, inbeffen feine SSeränbcrung in feinen ®e= 
finnungen für bie geiftreidje, ftetS für ü)n freunbtid&e ©ou* 
fine toafjrnefjmen. 

kommen ©ie ja balb, toemt e3 3^nen [irgenb mögtfdfj, 
unb ba3 Dpfer nidfjt ju groft für ben unbebeutenben $toti 
ift, natürftdfj für ©ie, meine id), benn für midfj fann nicf)t3 
bebeutenber, intereffanter fein, als ©ie, bie mief) immer fo 
gut öerftanb, toieber jufeljen , unb Ijier toieber ju fe^en, too 
id) iam bodfj auf eigener ©dEjityfung Ijunbertfadfj ange^ 
tourjelt bin. 

gfjre fdfjöne Sodfjter fei in unferem greunbfdfjaftSbunbe 
bie ©ritte. 

Slbieu unb au revoir, bieSmal eine getoidfjtige Grafel 

$. $fidfa. 



26. 

©räfin fcon Äiel mannSegge an *ßü<fler. 

Bresben, am 23. (September 1833. 

25a ©ie midf), bie Unöeränberftdfje, fennen, fo eradfjtett 
©ie, befter Koufin, toie forglidfj 3^re mir fo eben jugefom* 
menen Beilen, unb toie emfig ba$u, auf meine Steif e^läne 
eingetoirft fjaben. äReine ftdfj auf gljre 33efanntfdfjaft fjödfjlidfj 
freuenbe Softer unb idfj toerben eljer als eS bie Slbftdfjt toar, 
öon ©reiben abreifen, um k point nomm6 im lieben äRu§= 



351 



fau ju erfcheinen. Uiämtich ©onnabenb, ben 28. ©ej>* 
tember, früh jmifchen 10 unb 11 Uhr bei 3^rcm ©rfoachen 
werben jWei ©eftalten üor 3^nen ftehen — eine l)übfd£)e, 
unb eine alte — ©ie wiffen eS alfo, Wer eS ift; nur tfjmt 
©ie ja nicht, als wenn,@ie mich nicht erfennten — car ä 
tout age, on n'est pas plaisant — 3für'S innere beS 
®emütheS ftehe ich, bafj ©ie'S nid^t frembartig dfjoquiren wirb, 

3ft bie Sürftin in SDluSf au, fo bitte ich ©ie, atteS fo 
borjubereiten tüte Unbefannte, bie ftdj ihr mit Ergebenheit 
unb Siebe nahen, wünfdfjen bürfen. 

©o bleiben wir bei 3h ncn bis am 30. wenn'S 3^nen 
recht ift, an Welchem Sage 8 Uhr ich abermals in Sauden 
eintreffen mufj. — 2)a ich nicht wieber nach DreSben fomme, 
fonbern bie Steife nach Sübbenau fortfefce, fo bitte ich um 
©ntfdfjulbigung, Wenn idE) meinen £>unb unb $a{>agai SKuSfau 
betreten laffe — fie werben fich gejiemenb unfidfjtbar ber* 
galten — 3$re SSafatten aber unb ftaatlid&en Sürger Werben 
glauben, eine wanbernbe ©dfjaufpielertruppe erfüllte fich 
Sonntag ben 29. auf bie Slufmerffamfeit, Stnfyruch ju madEjen, 
falls fie rnid^ fahren feljen. 

$n fieben Sagen alfo, befter Koufin, ftetjt 3h rc M* e 
greunbin (©ine über mir jebodfj) unb $$vt ältefte ganj 
gemifj, bor -fönm. 

21. ©. SietmannSegge* ©djjönberg. 



27. 

^üefter an SouiS 3Rarfo ^ücfler. 

9Ru3fau, ben 11. Stejember 1833. 

3h r fefcter ©rief, mein lieber SouiS, gefaßt mir bon 
allen bisherigen am beften, ja er ^at mich wahrhaft gerührt. 
3>ch h a6c ©ie mit 2lbficht burch etwas fcharfe Sauge an* 
gegriffen, um ju fehen, Wethes SKetatt mir aus ber $robe 



352 



entgegentreten mürbe, unb ich fage mit SSetgnügen, baß es 
beffer mar, aU ich ermattete. 

3cfj merbe batb nach Bresben fommen, unb bort , motten 
mir petfönlidje Sefanntfdfjaft machen. 

$)aß ©ie S^ren 5lbfchieb geforbert, mar ein unüber* 
legter Schritt, ben ich fet)r bebaure, benn mit meiner SSer= 
wenbung ptte ftdj bie @adfje bietteicht anbetS für Sie ge* 
ftaftet. Snbeffen gefd£)et)ene Singe fmb nicht ju änbern. 
Vielleicht finbe ic§ noch (Gelegenheit, 3^en nüfcfich ju fein, 
unb e£ thut mir leib, baß meine eigene Sage, bie nidfjtS me= 
niger aU glän^enb in peluniairer #inftcht ift, fomie bie un* 
jä^ligen Stnforberungen, bie an mich tmn fo Dielen ©eiteit, 
unb t>on Seutett, bie alte Slnforüdje barauf fyabtn, gemalt 
merben — mir e3 fefjr fdfjmer machen merben, ©ie mit bem 
ju unterftüfcen, mag S^nen leidjt am nöttjigften tljun mö$te, 
bem leibigen ©elb. 

©^reiben ©ie mir für'S @rfte, ma£ ©ie gelernt haben, 
unb toefdjer $tt bort Soften ©ie mot)l auch auger bem 2Ät* 
litair ficfj üorftefyen ju fennen auftauen, j. 95. auch ob ©ie in 
Sprachen etmaS geleiftet u. f. m. 

gaffen ©ie im Uebrigen Vertrauen ^u mir. tft 
immer ein großer SSereinigungSpunft, baß mir einen Sater 
gehabt haben, unb menn fidfj auch natürlich unfer SSerhättniß 
himmelmeit .berfdjieben in ber 2Mt ^at geftalten müffen , f o 
bin ich boch gemiß Seiner öon 2)enen, bie ©ie megen 3^rer 
fogenannten illegitimen ©eburt um ein Sota geringer fchäfcen. 
Slber meine Sichtung unb greunbfdfjaft mürben ©ie, mie ich 
» S^nen fdfjon gefagt, auch menn ©ie mein gan^ rechtmäßiger 
©ruber mären, bodfj immer erft felbft fidfj ermerben müffen. 
©ie ^aben ftdfj in meinen 9Tugen jefct beiben näher gefteßt, 
unb empfangen ©ie ba^er jefct menigftenS bie S3erfidjerung 
meinet aufrichtig guten SBiflenS für ©ie. Slbieu für je§t. 
©riefe bon 3h nen werben mir immer angenehm fein, unb 
©ie brauchen fidfj barin nicht ju geniren, mir aüt %1)tt Um* 



353 



ftänbc unb nodfj fo geringfügige ©efd(jäfte, too ©ie meinen 
SRaif) ttriinfdfjen, betaittirt mitjnt^eilen. 3e aufrichtiger ©ie 
mir vertrauen, je fiefcer toirb es mir fein. Dafjin gehört 
and) %1)xt ©efunbfjeit, too icf) 3$nen, nadjj bem, toaS idfj öon * 
3$rer alten ©rofjmutter gehört, bringenb ratlje, einen ge* 
fdfjficf ten Slr^t $u befragen, um fidfj nid^t burdfj SBernacfc 
läffigung unb üuacffalbereten ein lebenslanges Uebel suju* 
jief)en. 

■JlodjmalS toünfd&e idfj 3$nen too^I ju leben, unb nodjj 
eins. SEBoKen ©ie auf meine Soften fjierfjer fommen, unb 
ein paar Sage bei mir auf bem ©djloffe ^bringen, fo toerben 
©ie mir Vergnügen machen. ©S muß aber balb fein, ba idfj 
nidfjt metyr lange Ijier bin. ©rlauben eS gljre ©efdjäfte, fo 
fommen ©ie gleich 3$ toerbe eine ©tube für ©ie parat 
galten taffen. 

$. ^ücfler. 

Saffen ©ie fidfj ja üon Seinem Styrer DreSbner greunbe 
ober ©efdEjäftSleute influiren, irgenb einen binbenben ©nt* 
fdfjütfe für 3f)re 3ufunft 31t faffen, bis ©ie mit mir gefangen 
Ijaben. 



28. 

^ütfler an ©firmer. 

3Jlu§fau, bcu 25. £)e&ember 1833. 

©oeben fiitbc idfj im ,#eft beS ©artentoerfeS, baS für 
Safe! XII, baS Statt, nmS idfj Sfjnen fo eben gefdfjicft, unb 
loo fidfj baS SüII^orn fo übel ausnimmt, SoIgenbeS: 

„äRan nrirb bort and) $toei Süften bor einer Slumen* 
„prairie bemerfen. @S finb bie stoeier ^auen, iueWje mir 
„üor alten benen, bie id& auf meiner SebenSreife angetroffen, 
„bie Iie6Iidfjften fdfjeinen." 

Sudler, »99nefwe$fel unt> lagebü^et. VIII. 23 



354 



$)ie3 madjt nun bie Umfcfjmelaung tiefet SttatteS nodj 
nötiger, unb idfj bitte ©ie, tfjeuerfter ©dfjirmer, inftänbigft, 
e£ barnadE) nadfj Seiteben um^ufc^mel^en, unb bie ^toet SBüften 
• auf $oftamenten anzubringen, ftatt be§ garftigen güttl)om§. 
Db ©ie e§ fo treffen, toie e§ jefct in ber SBirflidfjfeit 
ift, barauf fötnmt gar nichts an, toenn e3 nur gut ausfielt, 
unb ungefähr gleidfj ift, toaS nidfjt festen fann. 

Seben ©ie toofjt, unb^ empfangen ©ie mit ben $$xen 
meine beften ©lüdmünfdfje jum neuen Saljr. 
@uer SBoljlgeboren 

fefyr ergebener 

£. pdler. 



29. 

9tegierung£ratl) ©röbell an Sßüdler. 

Dgrofe, ben 25. Sejember 1833. 

|>ier, mein befter Sürft, überfdjide idf) ;gfjnen bie ber* 
fprodfjene Slrbeit. 9Röge fie bem ©prücfjtoorte entfpredjen : 
roaS lange toäljrt, toirb gut! 9Röge fie meinem Sßerfe bie 
Krone auffegen! 3ßenigften§ glaube idfj, bafc fie logifdfj ftreng 
unb beutlidfj fei, unb idj Ijabe bereite barauf Eingearbeitet, 
baft, toenn £err tum ©dfjudmann e§ fidfj lieber leidet machen 
foffte, bie ©ad)e abermals burdj ba§ 3ufti§minifterium geljen 
fann. ©lüd aber muft ber 9ftenfd(j fjaben, toenn itjm irgenb 
ettuaS gelingen fotf. 2)aS größte SSerbienft oljne ©lüd gefyt 
unter, obgleidf) e§ ba§ t>orau§ Ijat, ba§ e3 felbft ba§ ©Kid 
jumeilen feftfiält. 

9lun nicljt nur $u biefer ©adfje, fonbern überhaupt Diel 
©lüd jum bleuen unb im Sßeuen Saljre! 9Sor allen fingen 
©efunbfjeit unb Bufriebenljeit, bie beiben ©runbpfeiler be§ 
irbifdfjen ©KüdS! $5ie erftere fdf)enfe 3t)nen bie 93orfeljung, 
bie anbere toirb ber $I)itofopIj bom Sagbfcfjloffe fidfy felbft 
5U berfdfjaffen toiffen, inbem er immer metyr bie ©üter fennen 



355 



lernt, bie er in fidfj trägt, unb inbem er fie fennt, empfinbet, 
toie geringfügig alles Stnbere bagegen ift. 

©ie toiffen, bafj mir Slriftipp ungleich mehr gilt, als 
S)iogeneS, unb bafj ich toeber ben bunten Steigen, noch bie 
faftige SlnanaS, nodj ben Slang berfchmähe, ber mir ju Xtyit 
geworben ift. Darum aber ift e§ bodfj toatyr unb Mar, baft 
aller ©enufj bon 9lufcen ^lunber ift, gegen ben inneren 
©enuß, ben toir fo fc^r in unferer eigenen ©emalt fydbtn, 
bajg eben f)ierin bie toahre ©leid&heit ber SDlenfdjcn befteht, 
bie äußerlich nicht beftefjen fann. äKitten inne jttrifchen 
beiben fteljt ber ©enufc ber -JRittljeilung be3 ©efü^Ie^ 
unb ber geiftreidfjen Unterhaltung, liefen ©enufj toiö 
ich bei 3^nen, wenn ich Sie in SRuSfau am 4. Januar 
treffe, fudfjen, inbem ich mir mein Slbenbbrob bei S^nen 
auSbitte. 

3^re ©ratulatton fommt noch ju jeitig. Uioch bin ich 
SiegierungSratf), inbem baS fett ben 1. huj. bem ®önig bor* 
liegenbe patent noch nicht aus bem ®abmtt jurücf ift. 9Röge 
er e3 beistehen ober nicht, e3 gilt mir gleich biet. 3)enn 
nicht nur, bafc ich bie öffentliche Slnerfennung im lefcteren 
gälte bodj immer, btetfeidfjt retd&licher, toeg %abt, bleibe ich 
itf jebem gälte ©räbett. 1 9H3 foldfjer hoffe ich auch 3h nen 
am meiften ju gelten, unb bin unb bleibe in biefer SReinung 

(Suer Durchlaucht 

<3h r 9 a nj ergebender greunb 
©räbett. 



23* 



356 



1. 

Sßüdler an #errn ©efar SDtoreau, 
Dtreftor bcr Sociötö de Statistique universelle. 

Chateau Muskau, le 1 janvier 1834. 

«Paccepte avec infiniment de plaisir Fhonneur que 
me fait la soctete fran§aise de Statistique universelle en 
m'admettant au nombre de ses membres honoraires. 
Veuillez, Monsieur, lui en t&noigner toute ma recon- 
naissance. Quoique je merite bien peu les compliments 
flatteurs que vous avez la bonte de m'adresser dans 
votre lettre, je n'en suis pas moins admirateur zel6 de 
tout ce que la nation fran^aise en g6n6ral, et la soctete 
de statistique universelle en particulier dans sa sphere 
d'activite contribuent journellement ä l'avancement des 
sciences et ä räpandre les lumiöres dans toutes ]ßs 
classes. C'est dans votre belle France oü la r6g6n6- 
ration du monde a commencäe, et si les peuples de 
l'Europe ne feront un jour qu'une seule et meme fa- 
mille, c'est k la France principalement que nous le 
devons. 

P6n6tr6 de cette v6rit6, personne ne peut mieux 
que moi, je le repäte, appräcier tout le prix de la 
permission que la sociätä de statistique veut bien me 
donner, d'associer mon nom a des travaux aussi bien- 
faisants. 

«Tai chargö mon banquier de mettre ä votre dia- 
Position la cotisation fixäe par les Statuts de la soctetg. 



357 



Agrtez, Monsieur, l'assurance de la considöration 
la plus distinguöe avec laquelle j'ai Phonneur d'Stre 
Monsieur 

Votre trös-humble et trös-ob&ssant 

serviteur 
H. Prince de Pückler-Muskau. 



31. 

Sßüdler an ©räöell. 

äRuäfau, bcn 11. Sanuar 1834. 
SSerefirtefter #err Dbertribunak3tatf), 

SJtodfjmate jur neuen SBürbe ©ttief miinfdfjenb, 'muß td) 
bod) fagen, baß, als ©ie un3 in 9Ru£fau bte beftnitiöe @r* 
nennung anfünbigten, midj eigentlich ein faft fchmerälidfjeS 
©efü^I babet überrafdfjte. $atb mar e3 egoiftifdE), fyatb ©ie 
aüein betreffend benn badjte id£) mir: mir verlieren baburdj 
bodj mef)r ober weniger einen tätigen nnb ffülfreicfjen Sreunb, 
unb er fetbft, menn er nidjt au$ bem jefcigen ©tanbpunft eine 
bloße 3)urdjgang3ftation mad)t, fiefjt bort im ©runbe feine 
toeitftrebenbe Äraft nur ^u einförmigem Xagemerf parafifirt. 
Slbieu auc^ ber Slrtifel ju „Sutti grutti" unb alle fcfjrift* 
ftetterifc^e Freiheit. 

©o $at atte£ S)ing feine jmei unb mehrere Seiten. Sin 
gräulein Sßauline §abt iä), unferer SSerabrebung gemäß, ein 
tmmoriftifdfjeS ©^reiben in Segleitung meinet SßortraitS ge= 
f d^teft, unb mit ben SB orten geenbigt: befommen mir einen 
^frojefc, fo ift e3 tröftlidfj, baß unfer greunb ©retoeö nun* 
niedriger Dbertribunalratf) jebeufatte in lefcter 3nftanj barüber 
oburteln mirb. 

2lfä id) ben SSrief fd^rieb, fam gerabe SBoigt ju mir, unb 
erinnerte mid) an etmaS, maS mir gan^ entfallen mar, nämlidf) 
baß er e3 mar, ber, mie fcon ben ruffifdEjen ^fcrbeti be$ SSaron 



358 



Söwenftein fpredjenb, bic 3free gab, tyinjufcfjicfett, unb bei 2lb= 
fenbung bcr Slmbaffabe gegenwärtig toax. @3 ift bei attebem ein 
©erebe, Was mir empfinblidfj ift, unb fäme e3, wie Semanb 
mir gefagt, Don bem gräulein (£. felbft t)er, fo Würbe idfj 
fie {ebenfalls öffentlich t>or bie ©djranfen jiefien, benn fo 
ruljig idfj aud^ geworben bin, fo ift bodj nidjt gut, meine 
©itelfeit ju fefjr ju »erleben, benn auf biefem $unft öerfte^ 
idfj am Wenigften ©pajg, unb bie gröbfte ©dfjmäljung ober 
SSerläumbung würbe midfj weniger reijen, al£ ein foldfjeS ®e= 
rüdfjt mit irgenb einiger 3ßal)rfdf)einfidjfeit im Sßublifo alfo 
verbreitet ^u finben. 

@ben lefe idfj in ber ©taat^eitung , baft ©ie audfj @e= 
Reimer Suftijratf) geworben finb. Sßeldfjen Sitel führen 
@ie nun, ober fjat e£ fidfj geänbert, unb finb Sic fdfjon beim 
•äftinifterium? 2)a£ Wäre mir t>iel lieber für ©ie, geben Sie 
un£ alfo barüber einige 2tu3funft, unb rennen ©ie ftetö auf 
unfere regfte SfjeiKnafime an altem, Wa§ ©ie betrifft. 

Euer ^od^wo^Igeboren 

aufrid&tigft ergebener 



3. 

9totljer an $ü<fler. 

SBerün, ben 11. Sanuar 1834. 

@uer $5urdfjlaudfjt 

Ijaben midf) burdf) gljre gütigen Seiten Dom 29. t>. 9ft. aufcer* 
orbentficlj beglücft, Weil idfj Wirfli<$ Kummer bei ben erfdfjrecf* 
liefen ©türmen um ©ie gehabt tyabe, inbem mir auf anberen 
SBegen befannt geworben war, |baf$ ©ie fortwäfjrenb im 
Sagbfdfjloffe refibirt tjaben. Sieb ju f>ören ift mir, baft ber 
©dfjaben am #oIje ttiä)t fo bebeutenb ift, als bie öffentlichen 
Slätter angegeben ^aben. Db ftd& barauf eine Sitte um 



359 



Unterftitfcung wirb grünben taffen, bezweifle ich jwar noch, 
inbeffen benu^t fann biefcr SSorfaH in jebem 3faß bei fich 
barbietenben Gelegenheit bodfj werben, wo^u bie 3ufunft auc jj 
wohl 93erantaffung ge6en bürfte. 

2luf 3h r ©artender! warte ich mit großem Verlangen, 
ba biefe3 getotfe einem großen Sebürfniffe in Steutfdfjtanb zc. 
abhelfen wirb, ©o fe^r ich mich auch auf „Sutti grutti" 
freue, weil bie Rapiere meines gütigen SSerftorbeneu immer 
fe^r lehrreich unb pifant finb , fo barf ich meine Steuerung 
bodfj nicht jurüd^atten, baß ich gewünfdfjt hätte, fotdfje Wären 
erft nach jwei fahren erfdfjienen, wo fcfjon fo SRancheS ge* 
orbnet fein würbe; inbeffen ich fenne meinen ©önner gan$ 
genau — feine Seforgniffe für feine ganj alten ftrennbc 
finb fo groß, baß fotdfje üor ihrer Slbreife in jene SBett 
auch noch einen ©enuß h a & en foHen. 

3dfj bitte ©ie um nid(jt§ weiter, at$ ben Äönig unb ba3 
ganje königliche £au£ in biefert papieren nicht ju be* 
rühren, unb im Uebrigen bafür ju forgen, baß Zsfyntn nicht 
$rojeffe öon einzelnen Snbitribuen an ben $>at§ geworfen 
werben fönnen — biefe heilte ich foitflich Weit unangenehmer 
als ein 2)ueH. Sie fyabtn ©räöeH in ber 9lälje, unb ich 
wünfcfjte wof)I, baß e§ 3h nen gefallen mödfjte, biefen über 
biejenigen ©teilen ju SRathe ju jiehen, bie wohl einer 
jurie ähnlich fein fönnten. SDtöchten ©ie mir bodfj einmal 
folgen! Seforgt fcheint man übrigen^ §in un *> lieber fdfjon 
ju fein, bog ber SSerftorbene Dielet wieber ausptaubern unb 
an'§ Sage^licht förbern Wirb. 3h rer SKeinung, baß bie h^ s 
figen großen Seute nicht fo Hein fein werben, bergteidfjen 
Scheie auf ernfttjafte ©efdjäfte rücfwirfen ju taffen, fann 
ich nicht btitxtttn, inbeffen, ba @ie boch gewiß nur SBahr* 
heiten Sage förbern, unb aSerfcfjrobenheiten lächerlich 
madfjen werben, fo Werben fich auch noch SDtenfchenfinber finben, 
bie, wenn ©ie gar ju fdjjroff angegriffen werben foHten, ein 
SBort ju ihrer SSertheibigung fpredfjen fönneiu Db gerabe 



360 



3f)*e 3ugenb, unb ba£ ©prüdjtoort : Sugenb fjat nid^t Jugenb, 
tote ©ie meinen, als 33ertljeibigung§grunb gelten toirb, mödjjte 
id) bodj bejtoeifeln. 3n einer großen ©efettfdjaft fagte Ic^t* 
fjin ein äKamt: idfj fenne jloei Seute, bie in ben neuen 
©riefen beS SSerftorbenen nicfyt gan$ fdfjledfjt toegfommen 
merben. 3^nen biefe beiben ju nennen, loage tdfj nicf)t, toeil 
Sie fonft felbigen, um biefen $ropf>eten pm Sügner ju 
machen, fdfjnett noefj ettoaS anhängen fönnten. 

Sür Suer 3)urd(jlaudf)t gütige SBünfdfje neuen 
4 3o^r fage id& meinen geljorfamften $anf, unb bitte äfjnlidjje 

unb jloar red^t ^er^fid^e Steuerungen für Sfjr SBofyC öon 
mir gnäbigft entgegen ju nehmen. 

S)er grau Sürftin 2)urdjlaud(jt bitte idjj meine SSer= 
eljrung ju t>erftdf)ern, unb Stjnen empfehle idfj midj, in ber 
Hoffnung, ©ie bor %foxtt Stbreife nodfj einmal ju. fefjen unb 
ju fpred^en, angelegentlidfjft unb gefjorfamft 

9totl)er. 



4. 

$ücfler an ©raf oon öottum. 

3Jlu3fau, ben 23. Sanuar 1834. 
S^euerfter greunb unb ©önner, 

©ie fdfjreiben mir biplomatifdfj — barauf berftelje icfj 
nur ungefdjjidt $u antworten. 

5)ie intyaltfdfjtoeren SBorte be§ Vorgenannten meinen 
#aupte§ fjaben midfj tief erf füttert! 

©ott! toetd(je$ unberfjoffte ©tüd, Venn midj niemanb 
in 33eriin meljr fefjen toottte! — SBie fjerrlicl) ftimmt ba3 
überein mit meinen eigenen 93orfä$en, midfj niemanbem bort 
ju jeigen. SBie beruljigenb für midf), bort fünftig nur auf 
Sagor unb ba£ Äöntgftäbter Sweater befd&ränft ju fein, alles, 
monadfj xä) feit Sauren feufje, Venn id§ burdfj meinen Un* 
ftern jba^in* üerf d&Iagen toerbe, too ftatt „bem bunHen 



361 



Saub" nur SBefen, Wo ftatt „ber ©olborange" nur taube 
•Küffe ju finben finb. 

SRein ftebfter Sottum, mein $ubfifum ift gr öfter, unb 
Verlöre ich auch ba3, e§ würbe mich wenig füntmern. SOBer 
mich aber nicht fehen Witt, wirb mich jöietteic^t bcfto mehr 
hören müffen, unb an bieten langen D^ren ju biefem @nt= 
jwecf wirb fobalb fein äKangel in unferem guten ^ßattxtanbt 
eintreten. 

UebrigenS giebt bie mir mitgeteilte Sleufterung ©e* 4 * 
legenljeit, $u einem vortrefflichen ©paft, über ben ©ie gewift 
felbft, wenn auch nicht offijiett, lachen Werben müffen. 

SBerben ©ie mir aber nicht untreu, benn ba$ Würbe 
rnid^ wahrhaft fchmerjen. Sie finb einer bon ben Wenigen 
äRenfdjen, bie mir burchauS gefällig, unb ich ^ a & e m ^ 
unb nirgenbS anberS aU in biefem ©imte über ©ie geäuftert. 
3ch berbiene alfo, baft ©ie e3 auch ehrlich unb gut mit mir 
meinen, felbft wenn äße ^offchranjen ben 33annftraht über 
mich ausbluten. 3$ rt)erbe ©ie nie mit fcenen berwedjfeln, 
obgleich ©ie bie Mnfte SBeltfugheit auch e ^ n to e ™9 S u §oc^ 
ftetten. @3 giebt aber eine höhere, tonn wir finb für mehr 
aU für biefeS, wir finb für ein ewigem öeben beftimmt. 
9lur wer babon feft überzeugt ift, geht auch f)itx burch bitf 
unb bünn am fefteften unb ficherften. 3n Sh nen K e 9* ^ 
©djöneS, tief ©emütf)Kche3, wag aber jum Sheil fchlummert, 
jum Ztyil abftchttich bon Shnen unterbrücft Wirb — an mir 
fönnten ©ie es auSlaffen, ohne SRüdftcht, wie ohne falfche ©cham. 

2Ba3 fagen ©ie ju biefer ©piftet be3 ©infteblerS ? galten 
©ie mich für toll, ober für gut, ober für SeibeS? 

Du sublime au ridicule il ö'y a qu'un pas. 

Adieu. 

Pcfter. 



362 

5. 

$ücfler an ©tägemann. 

2ftuSfau, bcn 25. Sanuar 1834. ' 
|>od(jt>eref)rter $err unb greunb, 

SSon meinem guten -Jiadfjbar Uljben erfahre idfj foeben, 
bafc ©tt>. £od&tooljtgeboren fürjlidfj ityren fiebjigften ©eburtätag 
gefeiert Ijaben, unb babei Reiter, toofy unb guter 5)inge 
getoefen finb, tuaS midfj innig gefreut fyat. ©ie fönnen benfen, 
% baß ttrir gleich au3 einem äKutterfägdfjen nad&trägliclj auf 
3$re ©efunbfjeit getrunfen fjaben, unb bamit ©ie genau ur* 
feilen fönnen, ob toir aud§ ein toürbigeS ©etoäd^ö baju ge* 
tüäfjft, »müffen ©ie mir erlauben, eine ©elegentyeit nadfj 
SSerlin ju benujjen, um S^nen einen ffiorb beffelben alten 
©taatSfanaler-StjampagnerS überfenben ju bürfen. 

Sinn nodfj eine Sitte. SBenn Sfljnen ein gemiffeS Süd?* 
lein „£utti grutti" betitelt, ju ©efidjt fommen foflte, unb 
man midj für ben SSerfaffer beffelben ausgeben foüte, fo 
glauben ©ie e3 nidfjt. 3)a6 Sie e3 lefen Serben, beforge 
idfj ^toar nidfjt, abe;r Sie fönnten bodj barin blättern, unb fo 
öiel idfj baöon fenne, bin idj leiber überzeugt, baß ©ie eg 
balb at§ unterbautes ©etüäfdfj abfertigen Serben. S)a bcr 
Slutor aber eigentlich eine gute, toenngleidf) nur ruhige $aut 
ift, fo taffen ©ie ©nabe fcor Sledfjt ergeben. 

9lun neunte i<$ Ijeratidjen Slbfdjieb, empfehle mid(j 3$rer 
ferneren freunblid&en ©etoogentjeit, toünfd^e Sljnen au§ ganzer 
©eele atfeS möglicfje ©Klef unb ©egen, unb bleibe fern nrie 
naf) (benn in bierjefjn Sagen toanbere idfj als früljefter bie3= 
jähriger Sugbogel über äße Serge) etoiglidfj 
£odfjtoof>Igeboren 

banfbarft ergebener 

£. $üdKer. 

P. S. S)arf id) bitten, mid) %f)ttx Familie unb meinem 
Sreunbe görfter ebenfalls gütigft empfehlen ju fooHen. 



363 



6. 

sßüdler an Sftother. 

3Jluäfau, bcn 26. 3anuar 1834. 

©uer ^od^h)o^gc6orcn 

gütiges Schreiben h a * mich fetjr erfreut, unb 3hr ljumo= 
riftifdfjer ©dfjerj mich lachen gemacht, ©ie nehmen aber ben* 
noch bip äiemfich unfdfjulbigen unb jebenfatte fefjr unbebeu* 
tenben „Sutti" ju ernfttjaft. SltteS SSerf angliche, ©rnftere unb 
atterbingS h* e unb ba ein toenig ©infchlagenbe ift für bie jtoei 
legten Sfjetfe referbirt, fo ttrie auch manches bon ^erjen 
fontmenbe 2ob. 

2) ie3mal trifft Serlin fefjr toenig, unb nadj 3Kög= 
lid^feit preifenb, namentlich bie ^Srinjlid^fctten. ©räbett h<*be 
id) baS 9ftanuffript fdfjon mitgeteilt, unb er fjat nicht eben 
gemeint, baft e3 ^ro^effe herbeiführen fönnte, aber freilich, 
©räbett ift felbft in biefen ©tücfen nicht bie fidfjerfte Sluto* 
rität. S)a er jtoar jefct, ttrie er un§ anzeigt, Dbertribunal^ 
fftath geworben ift, muß er auch gefcfjmeibiger toerben. 

mufc gleichfalls mein ©dfjicffat ruhig erwarten, 
benn änbern fann ich nun nichts mehr. Sonnte ich & noch, 
fo thäte mein burdfj ©ie gefd)ärfteS ©ctoiffen tooljl noch ein 
UebrigeS. 

SBer fagt aber überhaupt, baft ich ber 2lutor biefeS 
Suchet bin? $5aS müfete mir bod) Vorläufig 6ettriefen tt>erben, 
ehe bie ^ro^effe anfingen, benn bajs bie „SreSlauer" nicht 
grofje Suft ju einem folchen in fich berfpüren merben, fann 
ich faum in Slbrebe ftetten. 

©ott gebe nur, baf$ ber 2tutor feinen ^ro^efs bor bem 
?ßublifum gettrinnt, baS h e i|& man ihn nicht langtoeilig 
finbe. 

3) aS Uebrige trägt fich noch! ©tttmS Unwahres $at er 
mit SBiffen unb SBitten gettrifc nicht vorgebracht, aber be* 
ftritten toirb bennodE) bietet roerben. 



364 



SDtit einem SBort, ttmS bieSmal erfd^eint, ift foum ber 
Siebe totxfy, blofceS Sßlänfetfeuer, ober bie fetteren SBatterieen 
finb auch angefahren, unb toarten auf ben künftigen SRoment, 
um in SSBirffamfeit $u treten; bamit aber toerbe ich mi<$ 
getutjs nicht übereilen. 

UebrigenS bringen bie Seute forttoäfirenb fo öiel ®e* 
f deichten über mich aus, bafj ich mchtS beffere£ tfjun fann, 
als meine Stacheln auch auStoärtS $u fehren. * 

gdfj bin überhaupt weit mehr ein Stn^änger be3 ©onfuciuä 
dl$ (Sfjrifti, ba3 Reifet, id) öergelte eben fo feft ©uteS mit 
©utem, toie S3öfc^ mit Söfem, unb of)ne biefeS Sßrinjip 
fömmt man auch in ber SEBelt nicht fort. 3Ran fann oft 
lange toeber ba§ eine noch ba3 anbere vergelten, aber fömmt 
bie ©elegenheit, barf man fie nicht öerfäumen. Sie guten 
alten] Seutfdjen haben ja auch biefe SBaljrljeit fd&on toeit 
poetifdfjer ausgebrochen burch : SBurft toiber SBurft. 

2Bie leib thut'eS mir armen Xeufel jum Seifpiel, bafc 
ich 3h re ®üte, Sh rc uneigennü|ige nnb noble Sreunbfdfjaft 
mit nichts vergelten fann, aU mit tyxtfxfytx SSerehrung 
unb ®anf! 

©ie finb aber ein groger 9Kann im Sanbe, unb tfoax 
burch eigenes, ^o^eS SSerbienft, ber fchönfte Site! toahrlid)! 
ich [nur, unb jwar nicht burch eigenes SJerbienft, fonbem 
nur burch eigenes Unglüd , ein armer #unb Don ®utSbeft|er, 
toaS in Greußen balb mit $aria gleidjjbebeutenb fein tohrb. 
UnfereinS fann atfo nur SEBohlthaten annehmen, aber feine 
erjeigen. 

2Benn ich übrigens erbittert märe, fo ift baS toahrtich fein 
SBunber. SRiemanb ift fo fehlest behanbelt Horben, als ich- 
ftachbem man mir für über 200,000 %f>ahx an SBertt), 
Stechte unb Privilegien genommen, hat man mich bafür mit 
40,000 XfyaUx entfehäbigt, unb ftatt ber (Ehrenrechte 5 toar 
ben ftürftentitet gegeben, fo mie ber SJanjler tobt toar, mir 
aber auch babon mieber bie offizielle Surd&laudjjt abgejtoadt. 



365 



Stenn Ijat man mich, ohne im ©ertngften 9tücf ficht auf 
meine früheren SSer^ättniffe nehmen tooHen, noch auf bie 
©röfce meinet ©runbbeftjjeg, mir nicht nur bie SSirilftimme 
öorenthaften, fonbern mich ben fdjleftfdjen ©tanbe^herren, bie 
e8 erft hö$ft untooHfornmen burdj griebridj ben ©ro&en ge* 
luorben finb, nad&bem bie Herren Don 2Ru3fau e§ fdfjon feit 
Sa^r^unberten in toeit größerer SluSbehnung toaren, offijieU 
nadfjgefteßt. S)aju nun bie ungeheuren SSeriufte, tocld^c bie 
preufctfdfjen ©cfefee unb Slbgaben für mich herbeigeführt 
haben, bie unaufhörlichen Sßlacfereien ber 93ef)örben! — 3<h 
müßte Wahrhaftig ©dfjlamm in ben Slbern höben, toenn mich 
aHe3 bieg nicht rührte, ober ein geborener ©Haue an ber 
ffiette fein. 

Unb welche ©unft habe ich t°oht cr ^ a ^ cn ? ® a 6 man m ™ 
nur ate ©chttriegerfohn be£ @taat3fanater3 bie britte Silaffe 
be3 jtoeiten DrbenS im Staat verliehen f)at, ift mehr eine 
Sränfung afe eine aiuSjeidfjnung in meinen 2lugen, unb baß 
man mich Dom rufftfdfjen Dberften, ber ich war, jum preujsifdfjen 
gemalt §at, unb nadfjbem ich beinahe ber ältefte Dberft in 
ber Slrmee toar, unb mich toerfdjiebentlich mit bem Sanb- 
ttJeJjrbienft plagen gemußt, mir ben Slbfd&teb mit bem @e* 
nerafä * Äarafter gegeben — baS fann nur eine Safaien* 
ober £>offd£)ranäenfeeIe für eine ©unft anfehen. 

9Bk anberS ift man mit ben anberen anerfannten Seuten 
am8ih e ^ SBeftph^Ien, ben ©totbergen u. f. to. umgegangen. 

3dfj bin freilich nur ein h ö( $ft unbebeutenbeS SBefen, 
ba8 fidj jebe Ungeredfjtigfeit ber 3urücffe|ung gefallen taffen 
mufc, aber man fann bodfj manchmal nicht toiffen, toie fidj 
bie S)inge fo brehen, baß auch ber Surücfgefefcefte nicht mehr 
gang unbebeutenb erfdjeint, unb niemanb fann e3 überbiefc 
bem SBurme toerbenfen, bafc er fich frümmt, Wenn er getreten 
wirb. 

Serjeihen Sie, öereJjrtefter greunb, bie lange ©jpef* 
toration, bie ©alle läuft einem manchmal über, toenn man 



366 



fotrirf öerforen unb fo roenig gewonnen t)at atg idj, mctfjrenb 
idfj mir bodf) bemüht bin, burdfj mein 9Birfen in 9Rugfau §u 
ben nü|lidjen Staatsbürgern gehören, bie ef>er Auf* 
munterung alg Unterbrütfung öerbient Ratten. 

Saufte man mir bodfj bag ©ouöernement SDtugfau ab! 
Sann mären mir ung gegenfeitig log, unb gern mottte idf) 
ben niebrigften Sßrete mad(jen. 3$ toürbe eg als bag Ijödfjfte 
©lücf anfeljen, mag mir nur miberfaJjren fönnte, unb idj fel)e 
nidfjt ein, mag ber Staat babei verlieren fönnte. 

9Böre eg ©uer £odjmoIjtgeboren möglidfj, einmal baju 
mitjumirfen, fo mürbe idj 3l)r breifadfj geboppetter ©d£)ulbner 
jeitfebeng fein. 

SJtit banfbarfter S3eref>rung 
©uer £odjmof)fgeboren 

$. $ücfler. 



7. 

Sßücfter an ©räöcll. 

9ftu3fau, ben 28. Sauuar 1834. 
SßereJjrtefter greunb unb ©önner, 

3för foeben erhaltener SSrief f)at mid£) überrafd&t unb 
öerbroffen. 333ie erbärmlidf) unb bumm geljt man mit Sutten 
•um! ^nbeffen finbe idf) g(eidj ^Jjren übrigen greunben, ba§ 
©ie fel)r|red(jt getf)an Jjaben, eine fotdfje Aufteilung, bie S^rer 
ganj unmürbig ift, fogfeicfj äurüdfjumeifen. Sie Jjaften ®ampfc 
für bie Urfad(je, idfj jmeifte |baran, benn mar er auef) nic^t 
$u marm für Sie, unb fürchtete ©ie etmag, fo mar er ^tten 
bodfj uid^t entgegen, ©tauben ©ie, bie Urfadje liegt etmag 
fjöfjer, unb man täufdjte Sie nur mit freunblidfjen SBorten. 
^cfj fenne meine Seute bort gar ju gut. 

©g &erftet)t fid), baft id£) in ber bemühten ©adje aHeg 
tf)un merbe, mag td£} üermag, unb fann audf) gar nidfjt an 
einem ermünfdjten Auggang jmeifeln. Uebrigeng ereigneten ftdj 



367 



audj toeit toid£)tigere 3)inge al$ baS tft, idfj glaube, ttrir beibe 
formen uns beiberfeitS aufeinanber öerlaffen. greunbfdfjaft 
unb S^rgefü^I ttmrben uns bei jeber ernften Angelegenheit 
(benn fonft fönnen mir immer biöergiren) tnnerlidfj baju auf* 
f orbern, unb unfer beiberfeittge§ tooljfoerftanbeneä gntereffe 
mödfjte e3 audfj fein im SBeftlidjen. 

2Ba§ meine „Suttt" unb 9tott)er'3 Stngft anbetrifft, fo 
übetfaffe idf) bie§ fe^r geruhig bem ©dfjicffal. Suerft müßte 
man mir ja bie Stutorfdjaft betoeifen, benfe idj, unb tote tuet 
SluSftüdjte bleiben nadfatx nodfj. UebrigenS fann bodfj toeiter 
nidjtS tt)te geftungSarreft barauS entfielen, ber midfj redfjt 
feljr amüftren toürbe. 

Sm ©runbe feljlt bieg nodfj in meinem SebenSlauf, unb 
brauten fie miclj erft ernftlidfj auf bie Soweit, fo fönnte 
meine geber unter günftigen Umftänben ttrirffidj nodj redfjt 
bebeutenb toerben, fo toenig fie e£ jefct audfj ift. Unb jute&t 
toaS ift atteS im Seben! 3n 30 Sauren ift aHe§ eins, unb 
im ®runbe ift e8 ebenfo unvernünftig, ettoag ju fürd£)ten ttrie 
ju hoffen, toaS nidjt bem inneren entfyridfjt. 

©türm unb SBaffer bebrängen un§ fytx forttoäf>renb 
gar fel)r, unb mein ©artenbudf) fynbtxt nodfj immer meine 
Slbreife. 

A propos, tooflen ©ie mir jum britten %l)til ber „£uttt 
grutti" einen Slrtifet liefern? £>aHberger foß if>n fdfjon gut 
Ijonoriren. 

9Begen K. bereifte idfj, baß eS f>ier ettoaS toerben 
fann. $d£) h a ^ e ©clb baju, unb bei ganj befonberen 
gäßen rechne idf) auf Sie. 

SDlidfj ben 3f)rigen beftenS empfeJjlenb mit 3freunbfd(jaft 
unb &odjadf)tung 

Euer 9Bot)Igeboren 

ergebender 



368 



2)ie gürftin empfiehlt fidf) glefdftfattö beftenS, unb Ijat, 
fo ttrie td&, fclbft an Stlbredfjt'g getrieben. 3)a3 Äonjc^t 
be£ ©riefet an ben ®önig folgt anbei jurütf. 



8. 

*ßücfler an ben dürften öon SBittgenftein. 

3)er anonyme SSerfaffer empfiehlt fidf) Sit). 2)urdfjfaudf)t. 
©eiftreife Seute öerfteljen ©d&erj. ©ie werben ba^er ben 
meinigen ntdfjt übet beuten, unb afä Staatsmann fclbft im 
@an$en bie 2enbenj be3 öorfiegenben S3ud(j3 nidfjt mißbilligen 
fönnen. 

(£tt>. 2)urdjtaudfjt 

gef>orfamfter 

SSerftorbener. 



9. 

Sßücfler an ^rinj Äarl öon Greußen. 

©djlojj SKuSfau, ben 30. Januar 1834. 
2)urdjtaudfjtigfter ftömgKd&er $rin$, 

Sm 33egriff, eine längere Steife anzutreten, Ijafte idf) e$ 
für meine ©djulbigfeit, Sure ÄönigKdfje &oljeit untertf)änigft 
ju benachrichtigen, baß mich unborhergefehene 3ögerungen 
tetber öerhütbern, §öchftbenenfetben ba§ ©artentoerf, beffen 
S)ebifation ©ie ^ulbreid^ft anjunehmen geruhten, ttrie ich 
ttmnfchte, felbft überreifen ju fönnen. @& ttrirb nun, fobalb 
e3 erfdfjeint, ©uer Roheit burdfj meinen ^Bevollmächtigten 
unterthänigft ju Süßen gelegt toerben, unb bitte ich e3, mit 
berfelben Sftachfidfjt unb SBo^tooHen aufzunehmen, bie Sie, 
gnäbigfter £err, bem SSerfaffer bisher ju ff enfen immer bie 
t}ot)e ©nabe Ratten. 

S)arf icf> mich unterfteljen, jum ©dfj fuß noch eine unter* 
tfjänige Sitte ju nmgen ? ©ie befteJjt barin, ba£ in Slbff rift 



369 



betliegenbe Schreiben an ©eine Äöniglidfje £oljeit ben 5ßrinjen 
SBifljdm tefen, unb ba$ Original felbft gnäbigft überfenben, 
unb mit öftrer freuntttdfjen gürtyradfje unterftüjjen }u tootfen. 

(Sure ffiöniglidje £oI)eit »erben baburdfj immer nfeljr 
öerpflidjten, ben mit ©Ijrfurdfjt unb Hntyänglidfjfett treuer* 
gebenften unb unterttjänigften Liener 
@uer §oljeit 

£. ^ätfter. 



10. 

griebridf) görfter an 5ßücfler. 

33erttn, ben 14. gebruar 31834. 

SBie e8 fd&eint, gnäbigfter |>err unb gfirft, Ratten toir 
un3 in S3erlin bergeblidf) mit ber Hoffnung gefdjmetdjett, ©ie 
nodf) einmal bor S^rer 8?eife Ijier ju fefjen, unb 3^nen ein 
tyerjlidjeS Sebetooljl für bie lange gafjrt jurufen ju fönnen! 
©o null idf) e3 menigftenS nidfjt unterlaffen, Sutten fdfjriftlidfj 
3arett)eH! ju fagen unb Sutern STnbenfen midf) empfehlen. 
Sftun, ba e$ t>iettetd£)t für längere 3eit mir nidfjft vergönnt 
fein toirb, midj mit 3$nen ju unterhalten, füljte idj bie ©nt= 
beljrung ba$)rft, unb freue midj um fo meljr auf bie längft 
erwarteten golbenen grüßte. 3)ie ©rtoartungen finb feljr 
gekannt, unb nadfj altem, tt>a$ idfj bereite im Vertrauen ba* 
öon gehört, finb einige Ijarte SRüffe unter bie r Zuttt 3*utti" 
gefommen, tporan fidj einer unb ber anbere bie 3^ne aus* 
beigen tpirb. ®er 3$nen tooljlbefannte ®ranjler (Äonbitor) 
unter ben ßinben hatte nodfj in feinem ÜBinter fo biete 83e* 
fteHungen auf fein beliebtet „Sutti grutti", in toetdfjem fidf> 
neben ben fügen grüßten ^ier unb ba noch eine fd&arfe ©i3* 
fante finbet. 2)och, ich ttritt mir ntdfjt fdjon im borauS ben 
SDlunb an biefem ©i3 öerbrennen. 

Würflet, IBriefwedjfet unl> lagebüd)«. Vffl. 24 



370 



©inen redEjt entyfinblidjen SSerfuft l)at bie Untoerfität 
burdfj ben Xob SdE)Ieiermad£)er'g erlitten. 2>ergleidfjen 
SDlönner finb um fo unerfefclidEjer, ate # if)r SSirfen rein in* 
biöibuell unb an if)re 5ßei4öntidf)feit gefnityft ift. 

Sdfjleiermadjer ^at toeber eine @d&ule begrünbet, nod) 
lägt er ©dfjüter gurüd; audf) feine ©Triften finb nidjt fo 
bebeutenb, um if>n fefljft, ben Siebner, ben 2ef>rer, ben 
9taifonneur gu erfefcen. 2Rit #egel mar eS ein ganj anbere£ 
SBerJjältnijg ; er lebt in feinen SBerfen fort, unb feine 2ef>re 
ftefjt toie ein lebcitbigeft , gefunber Saum, ber jäfjrfidf) neue 
9tinge anfefct. 

£)en ganjen Sommer ttmr idfj in SöJjmen, unb Jjabe 
auf 3 neue für SBattenftein'S ©efcljidjte gefammelt, fo baß 
(Sie, im galt ^Ijnen bie fürjtidf) erfd£)ienene 93tograp^te be3 
3rieblänber§ ju ©eftdfjt fommen follte, mir ba§ Beugnifc 
geben toerben, baft idf) ben SBiener 5ßerrü<fen ben Staub- 
tüdjtig au^geffopft t)abe. 

©egentoärtig bin id£) mit einer 93iogra})f)ie griebridfj 
3ßinjelm3 be3 ©rften t>on $reuf$en befdjäftigt. 3Kan mufj bem 
gegenwärtigen ®efd(jledf)te, ft>efd£)eg un£ fo gern lieber ju ber 
alten guten 3 ett surüdffüfjren möchte, jutoeilen ein S5itb 
jener $eit öorfüJjren, bamit it)nen bie Suft vergebt, unb fie 
an ba£ SBtücljer'fdfje 93ortoärt§! glauben lernen. 

2Bof)I 3^nen, baf$ Sie nidfjt nötfjig fjaben, fiel) mit 
foldEjer SDliföre ju befaffen, fonbern ben ©öttern @rie<Jjen= 
Ianb§ entgegengehen, unb in ben ©arten ber ^eSperiben eine 
Stoeite Auflage ber „%uüi grutti" beforgen fönnen. ©Iü<f= 
lid£)e ga^rt unb glüdflid^e §eimfeJjr toünfd^enb 
3$* fe^r ergebener 

3. görfter. 



371 



Ii. 

5ßücfler an ®raf t»on $ücfler in ^Breslau. 

Windau, ben 12. gebruar 1834. 

Snbem idfj Sutten, öereljrtefter Setter, bie beifolgenben fef)r 
tntereffanten Stötten in bem ©etoanbe einer ^ßrebtgt §urü(ffenbe, 
unb meinen beften Danf bafür fage, frage id£) geJjorfamft an, ob 
Sie mir toot)I bie eigen^änbig gefdfjriebenen 9?ad(jridfjten be£ 
Sans IL anvertrauen motten? SBte bebaure id£) bie *ßlün= 
berung in Sötoen! unb tüte et)re idj ben 9Dtamt, ber ftcf> 
feiner SDteimmg opferte, tt>a§ f>eut ju Xage fein SKenfdft 
mef>r toitt. 3Kan glaubt ftdfj flüger unb freier, toeil man 
beffer ju intriguiren öerfteJjt. 3Kan ift aber nur fdfjtoadf) 
unb erbärmlidfj, unb beSJjalb audj eigentlidf) bümmer. ©e= 
rabe3 SBort unb gerabe SJjat, offenes ©eftdE)t unb offene 
Sßa^r^eit fottte immer ber SEBaftffprud) ber 5ßüdtter fein. S)er 
meinige ift eS, unb bie pfiffigen, fjinterfiftigen Dudmöufer 
tüaren mir öon jeljer Don allen SBefen bie unau3ftef)Iicf)ften. 
©ettrijs feilen ©ie barin meine ©efinnungen, lieber Setter. 

©ödjft merf toürbig ift eS of)ne B^etf ei, bafj ber Sefifcer 
t>on ©df)eblau fo lange bei ber gamifie geblieben ift, unb 
ba3 ®ut in brei $al)rf)unberten nur fed£)3 Sefifcer gefjabt 
f>at. ©et)r reid? muffen bie erften getoefen, unb bie Sefta* 
mente in 93e^ug auf ben, ber bie ®üter erbte, fet)r Vernünftig 
abgefaßt fein, um ein foldjeS Sftefultat möglidb ju mad£)en. 
@3 ioäre toofjl ber SKüJje toertf), bafc ©ie, §err Setter, nun 
(ba bie Sortfefcung beffelben SßunberS in ber Bufunft faum 
erwartet toerben barf) ein SKajorat aus ©dfjebfau matten, 
tote icf) e§ mit -äftuSfau vorhabe. 

- ©ie ftnb aber fo tuet flüger als icf), baf$ 3t)nen mein 
StatJj, gamilienöerfjältniffe betreffend too^I ebenfo unnüfe er« 
f djeinen mirb, als ©ie meine bisherigen Sleufjerungen biefer 
2lrt unbeantwortet gelaffen ^aben. S)od&, toenn idfj auä) feine 
Qbeen -mit S^en auSjutaufdf)en ©etegenfjeit f>abe, fo 

24* 



372 

ift in meiner SBefdjränftljeit eine einfeitige Steuerung ber* 
fetten bo$ tDQfjl aud^ &)Ufvt\, §offe idj. 

Wtiü) geljorfamft empfefytenb, Ijabe td) bie Gfyxt, midfj 
untergebnen aU 

@uer £odf)geboren 

ganj ergebender Setter unb S)iener 
£. SßücRer. 



12. 

©tägemann an $ücfler. 

33ertin, ben 15. gebruar 1834. 

. ©tt>. 2)urdMaud(jt 

empfangen junädfjft meinen toerbinblidjften 3)cmf für 3$*e 
t^ätige Sfjetfnaljme an meinem ©eburtStage, ber jur 2tn= 
naljme öon (äfiicftoünfdEjen nidfjt meljr geeignet ift. 2)a8 2lfter 
ift eine feljr befdjtt>erfidf)e 3ugabe jum ßeben. 

^Betrübt aber Ijat es mtdj, ju l)ören, bafe 2)ur<ij= 
laudfjt ernftfidj bamit befdfjäftigt finb, eine toeite Steife $u 
einem fremben Gimmel ju toeranftalten, gtoar $u einer mit* 
beren ©onne, aber nid^t ju einer glüdlirfjeren Statur, bie fidfj 
im Umgange mit ®anj* unb £attbarbaren , Stadfjfommeit 
roeber ber StSpafien, nodfj ber Benobien, fdjtoerfidfj ftnben 
lägt. @I)er ttriirbe id£> bie freunbfidjen 8ut*fd(ju Snfulaner 
einem Ijarmfofen 93efud(jfrem})fef}Ien, feit bie frommen 2letI)iopen 
mit bem alten ßronton auSgeftorben finb. 

Ueberatt inbefc werben meine treueften unb ^eräftdjften 
9Bünf$e @tp. 3)urd(jIaudE)t auf öftrer Steife begleiten. 

Sn ber Hoffnung, ©ie mit Weiterem ©emütlje balb £er= 
fönKdj im SSaterianbe toieber begrüben ju fönnen, nidfjt bloß 
in ben Erinnerungen eines Slbgef djjtebenen , fage idfj @ft>. 
2)urdjlaudf)t ein Jjerjlid&ea Sebetüofyf, unb empfehle midf}, in 



373 



toie tpeiter gerne be§ 3taume§ e$ fein möge, Syrern tooljk 
tooßenben 2lnbenten nnter eljrerbietigfter SSerfi^erung ber 
aften treuen 2lnI)ängUdf)feit »usque ad vitae halituni 

©tagemann. 



12. 

Stlejanber fcon SBuIffen an Sßücfter. 

Söerün, ben 25. gebruar 1834, 
3Rein bereiter greunb, 

Stire freunblid^en 3eton faben midfj t)ödfjlid& erfreut, 
unb eine nie f dfjlummernbe , fonbern ftetS anflingenbe ©aite 
bei mir berüfjrt, nämtidfj bie einer lebhaften ©rinnerung an 
unfere fdfjöne 3leife, unb einer t>on borttyer batirenben treuen 
Zuneigung, ©eJjr bereit bin idfj, Sljnen über SJjr SBerf bie 
SBatjrljeit ju fagen, trojj ber üblen -Jtadfjrebe, ber ba£ 9Bat>r= 
tyettfagen nad& bem beutfdfjen ©^radfjgebraudfje unterworfen ift. 
SBenn ttrir ba$ erfeljnte Corpus delicti nur erft unferem 
fritifd&en Stuge öorüberfüfjren , unferem anatomifdjen 3Reffer 
unterwerfen fönnten! Slfletn, audf) 3§r 33udf$änb(er fd&eint 
. bie 9lbftdE)t ju fjaben, unferen Stypetit burdfj junger ju reiben ; 
ber ift aber in ber £l)at nidfjt nöttyig, benn fo triel fann idfj 
3$nen fagen, bafj Don bem Sage, roo man bie ©eburt unb 
ben Saufnamen 3$re;r Sßrobufte erfuhr, alte geiftig 9tu8* 
gejeidfjneteren unb nuffenfefyaftlidj ©ebilbeteren audj mit Un* 
gebulb feiner Sefanntfdfjaft entgegen fa^en! Site baljer in 
ber „ 2Ibenb*3RaMatur " fidj nur eine ©}mr entbecfen liefe, 
§atte ber gürft SBittgenftein fidj fogteicfc ba§ Statt öerfdfjaffc 
fommentirte ben $nl)alt, unb ermähnte beffen beim Sönige auf 
eine Strt, toeld^e tfjn at§ Sfyxm greunb beaeid^net. lieber* 
f)<xvipt, toaä ©ie audfj immer für ehte öerbiente ©eifjel über 
83erlin fcljtoingen mögen, fo tft bodf) je|t qualitativ 
sßublifum fo grofe, bafe idfj gfjnen fdjtperlidj öon öietem 
Xabel ju berieten Ijaben werbe, grau t»on ©otfc freiließ foß 



374 



©ie weniger dfjriftlidj bezaubert, unb bei einer ©etegenljett 
einmal über'S anbere ausgerufen Ijaben : „baS fei feine Sunft, 
Slrtbere burdj ben 3)rncf ju blamiren ; man braudfje ba§u nur 
bö£ ju feirt!" 5)a idj nun entf Rieben glaube, bafc Sie auf 
ftdfj fefbft nidjt böfe finb, fo erlauben Sie mir tooJjl Sie audj 
ntdjt für bös ju Ratten. SWetn ^?rin§ ift untoeränbert Sonett 
feJjr freunbfcfjaftlidfj jugetljan, unb freut fid& mit ettoaS Un= 
gebulb auf bie ©rf Meinung 3t)r er „Sutti grutti" unb 3$reS 
5ßarf=2ßerfS. ©r §at öftren Srief erhalten, unb fagte mir, 
bajg er 3$nen ungefäumt antworten merbe; bodf) fönnte 
btefer Sorfafc leidet einigen, roenn au<$ nid)t mistigen, bodj 
nichtigen 2lbfjaltungen begegnen; benn man toerfpeift Jjier baS 
Vergnügen mit einer ©ourmanbife, als toenn es nidf)t ein 
©etüür^, fonbern £auSmannSfoft märe. 

. 2Bir Jjaben in 24 ©tunben, inftufbe eines däjeuner 
dansant, brei Sötte gehabt! 9lfS ©pifobe mürbe auf einem 
Salle in 9Konbijou bie ©räfin SReöentfoto, bie tro| ifjrer ®or= 
^utenj unb iljrer 40 %af)xt fidfy bis §ur SBeSpentattle diu 
fd£)nürt, unb tro£ eines ftarfen 2typetitS möglidjft tuet tan^t, 
tt>ät)renb beS ©ouperS burdf) alle 3nftan§en feefranfj 

(5dE)Ieiermadf)er ift geftorben; 30,000 SKenfd^en folgten 
feinem ©arge, toorunter metteid&t 300 ©uttjufiaften , toor* 
unter t>ietteidf)t 30 bie ifjn öerftanben Worunter trietteidfjt 3, 
bie if)ti geliebt fjaben mögen. — SRotf)er ift in ber Sefferung, 
ßottum fott ju feinem Jubiläum (9. 9Ipril 1834) jum 
dürften creirt toerben. 

©djfiefjfidf) fage tdfj S^nen, ttmS iü) gleidfj [anfangs ge- 
füllt, meinen beften S)anf für bie mir gütig beftimmten 
©jempfare $t)rer SBerfe. SDtödfjten ©ie alte 3f)re frönen 
$Iäne ber SSottenbung entgegenfüJjren fönnen! 93 on fern l)er 
bilbe id£) mir aufteilen ein, 3tyr -BtuSfau ju fe^en, fo tote 
3^r geiftigeS 2luge t»or bem Seginn S^rer ©d&öpfung e3 
mit gefd£)Ioffener ^ßupttte überbfidte. 9Iber ttrie beloljnenb 
mufc aHein' ber ©ebanfe für ©ie fein: einem Sölfdfjen 3)ürf= 



375 



tiger auSfömmltdjeS 93rob ju reidjen, unb fie babet, ftatt im 
©d&iuetße iljreg SlngefidfjteS, mit attmäfilidj entfdduppten Singen 
in einem Sßarabiefe fpajieren gef>en ju laffen. 

Seben ©ie iuof}l, mein t>ere!jrtefter greunb; erhalten 
©ie mir gfjre mid; fjod&erfreuenben ©eftnnungen, unb jtoeifeln 
©ie nie an meiner treuen Ergebenheit für ©ie. 

SBulffen. 



14. 

?ß ü cf I er an 3totf>er. 

2ftu3fau, öen 5. Wl'dti 1834. 
$od(jt>erel)rtefter £err $ßräftbent, 

89lit ber größten SBeruJjigung unb Sreube öernefjme idfj, 
baß ©ie, mein gütiger greunb, nun ©ottlob toenigftenS außer 
aller ©efaljr finb. Sie toeitere S3efferung toirb nun fdfjon 
folgen. Sftitr nehmen ©ie fid) ja redfjt in SCd^t. 3ur 2luer== 
t)aJjnbalj Ijoffe idj, ttrirb atteS ttrieber beim Sitten fein. 

Sie „£utti grutti" werben ©ie burdj bie gürftin er* 
galten t)aben, unb e§ gettmJjrt mir einen redjten ©enuß, 
toenn idfj glauben barf, baß ttmfjrenb 3!jrer 9tefonöafe§jen^ 
too eine folcfje leidfjte Seftüre angemeffen ift, fie manchmal 
baju beitragen bürfte, ©ie ein tt>enig ju erweitern. 

3m britten SJjeile, ben idj eben ganj beenbigt, unb ber 
ganj $al)mer SWatur fein ttrirb, Jjabe icf) midj unterftanben, 
audfj SJjrer ju gebenfen, unb idf) Jjoffe auf eine 9lrt, bie ©ie 
nidjjt unpaffenb finben tüerben. Der trierte Sfjeil ttrirb ba* 
gegen ttrieber ettoaä fauer fein. 

SJtan fagt, ba£ 93udE) tt>erbe bei un§ Verboten Serben. 
Sei) fann e£ nodfj nidfjt glauben, ba idfj e£ für unflug Ijalte, 
fann mir unb meinem Verleger aber nur baju gratuüren, tt>enn 
e£ gefdfjiet)t. SBie fefjr muß id§ mid£) gefdfjmeidfjelt füllen, mit 
griebridj be§ ©roßen Vertrauten ©riefen jin eine klaffe ge* 
gefteUt ju toerben. 



376 



SRit allen beften unb ihnigftcn SBünfdjen für SßofyC 
empfefjte id& mid) atö 

Euer SBoljtgeboren 

aufrid&tigft ergebener fjreunb unb 2)iener 

P. S. ®a§ beiliegenbe ^atfet an 3R. Stuftin batf idfj 
toofjt bitten, auf ^xtn S3efeI)I fo abfenben ju laffen, Dafr 
e3 auf meine Soften gratis an bie Slbreffe gelangt. 



15. 

Seopolb ©djefer an Sßücfter. 

üfluäfau, ben 5. Sftärj 1834. 

©w. ®urcf)taud&t 

Ijätte tdf) wegen be3 SnterbiftS eine ©ratulatton ju rnad&en, 
wenn bie verbotenen grüßte erft nötljig Ratten, Stypetit 
mad^en! S)a aber © o tt jutn £ro$ @t>a fogar bie grudjt 
gegeffen, tote tuet weniger wirb man einem Srofce gum Srofc 
nid^t bie „Sutti" bis auf ben testen SBudjftaben lefen. 38a8 
^al Iberger nodE) bei einem, öon fefbft fd&on fidj btetribut* 
renben SBerfe mögtidf) blieb Profit gu matten, ben madfjt 
er nun erft redfjt burdj baS SSerbot! ®enn e§ giebt triebt 
Sßacf*, *ßoft= unb 2efef}üter f o Diel als nötf)ig Wären , ein 
S3ud^ ju verbieten, Wa£ eigentHdE) fo ^tcjse. 2)a§ SSerbot 
ift alfo eigentlich ein SeSatoouement (SineS ober SDteljrerer in 
83erlin, Wetd£)e bie gunftion Ijaben, auf Südjer ju ftofcen, 
ober iljr &orn trielmeJjr feft im 93ud(je! 9Ber fennt tnet(eid£)t 
nur bie Seile, bie fte öerbrie&t. 

SSom etngerücften Strtifel follen 3)urdjlaud)t balbigft 
3ufidjerung erhalten. SSom SR ein Würbe idj aöertirt 
worben fein. 



377 



8?ottecFS faft öor bcr föongeption verbotene 3Bettgefdji<$te 
ejiftirt gu Saufenben öon (Exemplaren in ben preußifd&en 
Staaten, muß alfo fo oft ö erlauft Worben fein. 

3um ©lücf ift man im $reußtfdjen nodj nidjt fo n>ett 
wie in Defterreid), Wo ein Verbotenes 93udj gar nidjt regen* 
ftrt, ja fclbft nid)t angegeigt derben barf. £ter ift alfo 
audj lieber großer Spielraum, ben td) beftenS gu bennfcen 
toerfpredje. 

Untertfjänigft 

S. ©d&efer. 



16. 

&ouWalb an Sßütfler. 

»erlin, am 7. 2Mrj 1834. 

SRein gttrjt, 

äßäf>renb idj f)ier auf bem Sßrobingial-Sanbtage fowoljl 
Sßropofttionen als Petitionen an mir vorüber geljen fefje, 
unb toie ein 9Banberer am Ufer eines gluffeS ftefje, auf 
welchem bie SBoote unb Sftadjen balb Strom abwärts, balb 
©trom aufwärts fteuern unb fid) freugen, 4 laffen ©te, mein 
gürft, audj ein reidjeS Statt f>inabfd)Wimmen, WetdjeS, of>ne 
eines ©teuermanneS gu bebürfen, rufjig ber ©trömung beS 
SluffeS folgt, alle Ufer fleißig berührt, of>ne an einer 
Krümmung feft gu anfern, unb fo enblidj bem SSaterDcean 
entgegengietjt, unb allen feinen balb grünlid)en, balb fdjäu* 
menben, balb öom SDtorgen- ober Slbenbljimmel geröteten 
SBogen ©rüße öon ber reiben Duelle bringt, öon ber eS 
fömmt. — 

3)aß tä) „Sutti grutti" meine, werben ©ie nidjt 
begweifeln, baß ber Dcean baS SBolf, unb feine obengenannten 
SBogen bie 3Renfdjen mit ifjren gum Sfjeit wie SDtorgenrotlj 
blüljenben, gum Sfje'il grüngrau fdjiHewben ©efidjtern unb 
oft fogar fdjäumenben Sippen fein f ollen, benen @ie Sfjr 



378 



Such gegeben, brauche ich nicht ju erflären, aHein baS möchte 
ich 3^nen fagen, baß ich auch eine jener SBogen bin, unb 
jwar eine bereite Dom StbenbrotJj gefärbte, bie ruhiger öom 
SBiubhaudEje fidE) treiben lögt, unb aufrieben tft, wenn fte 
ftatt be§ Silben ber ©onne nur noch ba3 93ttb be3 Stacht* 
himmele fpiegeftt fann. — Sch habe 3h* Sud(j ^ier anlont* 
men fehen, ich war in bem Slugenbticf bei grau Don Slrntnt 
(Settina), aU fie e3 tum %f)ntn erhielt, ich fonnte nur einige 
Slicfe . in bie noch unaufgefdEjnittenen Stätter Werfen , unb 
habe nun feitbem auch überall mit fcerfchieben mobutirten 
Stimmen ausrufen f>ören: 

„$)a3 neuefte Such öom dürften $ü<fter ift nun 
erfdfjienen!" 

Settina hatte eine große finblid£)e Sreube über 3h* ®t* 
fd£)enf, fie bebarf einer gfreube jefct mef>r toie jemals, nadj* 
bem fte in furjer Seit brei SBefen Verloren f)at, an benen 
fie begeiftert t)ing, ihren ©atten, ©oetlje unb ©dEjleiermadher ; 
aHein, Wenn man einem folgen armen, nodj Weinenben Stnbe 
auch reifere ©efdfje'nfe auf feinen SBethnachtStifch legt, fo 
Wirb ber freunblidje ©eber einem anberen atten Sinbe gewiß 
auch ben Sßunfdj üerjei^en, nicht ganj üergeffen ju Werben- 
— Unb mit biefem SBunfdje ftehe ich jefet öor 3^nen, unb 
bitte Sie treuherzig, auch mir 3h r Such ju geben, Wa3 mix 
ein feljr WertfjeS ©efdfjenf fein fott. $ch tyabe eigentlich ein 
atteS Anrecht auf ©ie, unb gewiß eine richtigere Sßemung 
t>on %§ntn unb einen befferen ©lauben an ©ie, als öiele 
Rubere, bie %$nin näher ju fte^en glauben. — 

SBenn ©ie meine Sitte gewähren Wollen, fo fenben ©ie 
mir baS Sud? nach ßübben, wo eS mid£) empfangen Würbe; 
im @egentf)eil fei 3h nen biefer Srief WenigftenS nodj Beuge, 
baß ich m ü Snnigfeit %$ntn nadfjbticfe, Wenn ©ie fidj auch 
nicht nadf) mir umfehen. 

•äJlit ber aufrichtigften Verehrung 

$ouWalb. 



379 



17. 

dürftet an feine ÜHutter ©räfin Elementine 
öon ©etybetoife. 

3Hu8fau, ben 8. 3Äärs 1834. 

©ute, liebe äKatfdfja, 

* Seine Duartate finb enblidf) an £aufffird(jen gejault, 
unb glaube mir nur, baß nur ßöd^fte ©bbe in unferen %u 
nan^en «Sdfjutb an ber SSer^ögerung toar, bie midfj gettriß n>cit 
metyr immer fd^mer^t unb ängftigt ate 2)idj. 

Seiber bringt midfj bie unglüdfelige Sranf^eit be3 $räfi* 
benten SRotf)er, unb bie unerträglidje SSer^ögerung be3 ©arten- 
toerfS, toafjrfdEjeinlidj aud£) um ba$ ©lücf, auf ba§ tdfj mief) bodj 
ttrie ein Sinb gefreut, S)id^ nodf) in 2ltte£ anautreffen, toenn 
S)u ntdfjt big jutn 3uni bort öertoeilft. Sßie lange ift e§ 
fdjon, 3)u lieber ©ott! baß idf) in nidf)t3 meJjr meinem 
Vergnügen, fonbern nur ber ferneren Sßotljtoenbigfeit 
leben muß! 

5)ie einzige ©rljolung getüä^rt mir je£t noefj bie SfyxtfU 
ftetterei, ba idj audfj au§ SRanget an ©elb, bie Einlagen faft 
ganj t)abe einftellen laffen müffen. 

3n ber ${)antafiett)eft ber ©eftalten, bie idj fefbft fd^affe, 
befinbe idfj midf) am toottfften. 

5)u errafft Jjierbei mein lefeteö SBerf, beffen erfte 9lu3= 
gäbe fd£)on beim ©rfdfjeinen öergriffen ift, unb ba3, tüte man 
fagt, in $reiȧen Verboten toorben ift. 

©3 enthält lötet Satire, $u *> er nur ^ e ^ n Reußen 
3ßof>nenben ben öoHftänbigen ©d£)lüffel Jjaben. ©o ift jum 
Seifpief ber Kammerjäger ©d£)ulbmann eine SurleSfe, bie 
bem SRinifter Sdjucfmann gilt. 5)ie angegriffene Regierung 
ift bie un8 fo feJjr infommobirenbe Siegnijjer. 

®ie %lud)t in'3 ©ebirge f Gilbert ©d£)Iefien. Sßrettau 
ift 83re3lau, unb bie Seprbe, bie icf) bort tädfjerlidf) mad£)e, 
bie ©eneraftanbfdjaft^ireftion, über bie id) mid& fo fef>r 



380 



ju beffagen habe, unb ihren fd^afföpftgcn K^cf, ben ©rafcn 
Styljro — bcr ate alter ©dfjtenbrian barin ftgurirt. 

3df) Wünfdfje, bafj e3 Sich amüftren möge, unb Wenn 
3>u noch mehr ©rftärungen toerlangji, werbe ich fic 5)ir mit 
greuben jufenben. 

©treibe mir nur, wie lange 3)u befmitiö noch in SlHcy 
öerweitft, obgleich ich fürchte, bafj 3)u bieSmal mich faum 
erwarten fönnen wirft, benn ich bin toie mit Seiten an bieS 
SReft hier angefchtoffen.. 

Sucie legt ftch $>ir ju Süfcen, unb Stein alter #er* 
mann baneben, 3)ir bemütljig unb järtlich bie |>änbe unb 
güfee füffenb. 

P. S. Sage aber, wenigftenS in 2)eutfchlanb, niemanb 
offtjiett, baf$ ich ber SSerfaffer ber „Sutti grutti" fei, ba vfy 
bie3 nie angebe. 



18. 

®oftor Stümberger an Sßücfter. 

Sanbä&erg an ber Söarte, 
ben 8. HMrj 1834. 

3)ur^raud^tigfter gürft, 
©näbigfter £err, 

Wüfete nicht, Wa£ mich angenehmer ^ätte über* 
rafdfjen fönnen, afe bie erfrifdfjenben grüchte, mit weld&en 
mit^ @w. 2)urdfjtaud(jt befdfjenft haben, ©ie würben mir 
geftern an einem trüben 3Rär ^morgen in mein ffiranfenjimmer 
gebrad&t, au§ welchem ich ungewiffe 93ItcJc über ba3 ßeben 
hinweg in beS Sebent matterhellten ftittett ^intergrunb warf. 
3ch ^abe in ein paar ©olborangen gebiffen, ben ©aft ber 
einen $u pifant für mich gefunben, mich an ber anberen 
(I. 130) aber fehr gelabt, ©o Werbe ich mir'3 nun femer 
einteilen, alle Sage KtwaS genießen, unb ©w. ®urchtaud()t, 



381 



nad) meiner baburdfj begünftigten SBieberljerftettung, trietteidfjt 
fogar öffentlich, fagen fönnen, fcotr toeldfjem innigen, auf* 
richtigen nnb ^erjli^en Stonfe i<# für 3$r tyuIbuofleS Sin* 
benfen burdjbrungen bin. 

®oftor Stüraberger. 

3$ barf nm ©rlaubniß bitten, 3$rer toereljrten grau 
©entapn meine große ©Ijrfurdfjt $u bejeigen. 



19. 

Stlejanber t>on SEButffen an $ücfler. 

Berlin, ben 8. 3Mrj 1834. 

Saum ftnb 31)re „Jutti" in meinen £>änben unb in betr 
$änben aller SBelt, bie unenbtidfj gefpannt ber Slnfunft ber* 
felben entgegenfaty, unb fd(jon fdfjreibe idfj Stjnen meinen erften 
SBeridfjt, aber ba idf) nod) ntdjt tuet ©pc^tctteö über ben Sin* 
brud ju fagen toeiß, lebigfidf) in Sejug auf bie 3)ebifation 
an ben dürften SBittgenftein* (£r $at fte übel aufgenommen, 
füt)It fidfj burdEj ben 3n^att beriefet, unb $at gegen mehrere 
Sßerfonen ftdEj in biefem ©inne geäußert. 3?ofti| fagte mir: 
bie Sebüation fei fo abgefaßt, baß ber Sürft tooljl Urfadfje 
baju Ijabe, namentlich bie ©teile, too ©ie fagten: „baß Sie 
itym ja gar feine 2)anf barfeit fdfjulbig feien!" eben toeil ber 
3ürft früher 3^nen einmal in ©ttoaS entgegen getoefen fei. 
•Jiadfjbem id(j bie infriminirte ©teile nod(j einmal gelefen, 
fagte id£> ju SWoftife: baß idfj toeber bei bem erften unbe* 
f angenen ®urdfjtef en nodf) jefet irgenb etttmS barin gefunben, 
unb toenn fie and) ttnrfttdfj eine Slnfpielung enthielte, fo 
müffe — im 3ufammen$ange gelefen — 3eber toenigftenS 
5ugteidfj ba£ gutmüt^igfte SSergeffen irgenb einer SRancüne 
barin erfennen, unb idf) fei feft überzeugt, baß, toa$ ©ie ge* 
fagt, tout de bon $u öerfte^en fei; unb audfj nid&t baS 3Rin= 
befte barin erfdjetne mir öerlefeenb, gefdjtoeige benn als ehte 



332 



prämebitirte Äränfung. Stoftifc festen fidj $u beruhigen. 
Später ließen fiefi nodj einige ©dfjo'S üernefjmen, bie ben 
empfangenen £on an bie große ©locfe fdjtugen, junt Itjeit 
ofjne bie Sacfje felbft gelefen ju Ijaben, ober bie fte fcfjon mit 
üorgefafcter SKeinung gelefen Ratten. 

3u Dbigem fann idj je$t noefj SolgenbeS fjin$ufügen: 
einige Stimmen tabeln ntc^t oljne frömmelnben Seigefdfjmacf 
ben 2luffafc über £errnfjut unb bie (Srtoäljmmg be3 Sßigaulb* 
Sebrunfdfjen ©algenS, mit einem Sluffjeben, als toerbe bic 
SReligion baburdfj get)öljnt. Siele 2(nbere, unter benen meine 
SBenigfeit, lieben Sie bagegen am meiften in Sfjrer Sieligion. 
SRtdj ljat 3$r ^errnf^uffcljeg erfte3 ©artenbeet ber Sinbljeit 
tt>af)rt)aft gerührt. So toar eütft ein fcfjöneS 5ßalmen= 
©jemptar be§ t)ieftgen botanifdfjen ©artend bie erfte Seran* 
laffung t>on SHefanber |mmboIbt'3 berühmten Steifen unb 
gorfdfjungen. — ©leiefj am erften läge ljatte man gejagt: 
bie „£utti grutti" feien verboten, unb ba3 mit fRed^t ! „|>aben 
Sie fte gelefen?" fragte idj; „nodj nic^t!" War bie Slnttoort 
9tun, „bie fd(jledf)tften „Srutti" finb e3 ntdfjt, an benen gern 
bie SBeSpen nagen." 

•Stein $rinj fragte fogleidf) ben Sönig, ob an bem Ser= 
böte ettoaS fei? „@ott betoaljre!" ertoieberte ber König, „id) 
, f)abe fte Ijolen laffen, unb tefe barin." SRein Sßrinj t>at erft 
barin geblättert, aber für jeben $oll %f)xex Siebe 'joßt er 
3$nen gettnfj ein&t Stoß feiner ®anfbarfeit. 

3n einer geftrigen ©efellfdfjaft tjiefc e3 enblidf) fdfjon: 
„£aben Sie bie „Xuttt gruttt" gelefen? fte foHen ja über= 
au3 intereffant fein!" Sie fefjen: e§ Wirb ßicfjt. gür tjeute 
©ott befohlen, mein bereiter greunb! 

treuergebenfter 

51. t). SBuIffen. 
P. S. Sorgeftern, am Sage ber Slnfunft 3t)rer be* 
lebten Silber, gab es lebenbe Silber beim Kronprinzen. 



383 



Üeute, bie $f)nen toortoarfen, §utt>eilen ju biet ju enthüllen, 
f dEjielten bort ganj tüftern nadj ben fiebert SDläbcfyen (nidfjt in 
fonbern faft oljne Uniform) am SBrunnen, bargef teilt bur^ 
fiebert 3$rer tooJjlerjogenen, aber unangejogenen, aber befto 
an^ieljenberen £>ofbamen, bie ber bermalen mit jtoei 93oulin3 
begabte ^ßrinj: ©. <Solm3 nnb ©antjmeb SBonin Ijinter bem 
33runnen belaufeten. 

S)ie ©d^ilberung Sfyrer Suftfat)rt ift rei^enb. 

SB. 



19. 

Sßüdler an Saron öon 33ogf)t. 

@cf)Ioj$ 3flu3fau, ben 8. 3Jlärj 1834. 

2)er unbefannte SSerfaffer be§ beiliegenben 33ud6e3 tyat 
mir aufgetragen, $f)nen, mein I)odfjberef)rter greunb unb 
©önner, baffelbe aU ein Seiten feiner größten 9lnf)ängtidj* 
feit unb Ergebenheit §u überfenben. 

©eftatten Euer £od(jtt>ofy[geboren mir bei biefer ®ete* 
genfjeit audj midfj ttrieber in 3t)r freunbtidfje^ ®ebädfjtnif$ §u= 
rüdrufen, unb 3$nen §ugteidfj einen SBunfd) vortragen $u 
bürfen, beffen ©ettfamfeit idf) ju entfdfjulbigen, unb iljm nur 
ba3 SDtotto f)ödfjfter 3Seret)rung für 3>I)re $erf on, unb I)öd)fteg 
3rttereffe3 an 36rem reiben Seben unb geiftigen SBirfen 
unterzulegen bitte. 

^dfj fdfjlage Sfynen nämlicf) bor, midfj in St)* Seftament 
einaufdfjliefcen, unb im gaH idfj ©ie überleben fotlte, mir 
S^re trielfadfjen merftoürbigen SrinnerungSbüdBer, fotoeit ©ie 
e3 für gut finben, §u toermadEjen, bamit idfj barau3 ein SBerf 
ju Syrern (Sebädjtmjs formiren fann, ba$, tt)ie idfj $offe, 
Syrern übrigen 9tufjm feinen Eintrag tfjun toürbe, unb toe= 
nigftenS in feine ergebeneren §änbe fallen fönnte. S)er @r* 
trag beffetben luürbe am beften §u einem Don Sljnen im 
üorau£ befttmmten looljltljätigen Stuti* ju fcertoenben fein, 



384 



unb mir bliebe ber Stuljm unb bie (Sljre, midj Sfjrem Stamen 
anfdjjliejsenb, bamit audfj $ur Stadfjmelt überjugeljen. 

Ueberlegen ©ie fid) bie ©adfje, unb berjett)en @te mir 
jebenfatt^ bie S)reiftigfeit be$ 2lntrag3, um ber guten äßei* 
nung unb reblidjjen ©efinnung ttritten, bie iljn berantaftt 

©<f>lief$lid(j noef) einige SBorte über ba3 beifolgenbe Sudf). 

@3 enthält gröfetentfjeilS Sofa! * ©attjre ju ber freitufj 
nur bie in Greußen ßebenben ben öoüftänbtgen ©dfjtüffel 
Ijaben, inbeffen if t bodf) öietteicfjt audf) äRandjeS barin, toa$ 
allgemeiner anjufpredfjen fatjig ift, unb ertoedt e§ nur manchmal 
bem tiebenSttmrbigen SKeftor unferer Sitteratur ein beifälliges 
Säbeln in einer gefdjäftstofen ©tunbe, fo toirb ftd) ber 33er~ 
faffer fdjon überretefj belohnt finben. 

3m britten ober öierten Steile nimmt tnetteidfjt eine 
Erinnerung an Hamburg $lafc> too ©uer £odfjteotjlgeboren 
fid^ nrieber begegnen toerben im Spiegel einer äljntidfjen 
§od^{d^ä|ung aU bie ift mit ber audjj idj 3«tleben§ bin 
®uer $odjtt>of}lgeboren 

banfbar ergebener 

$. Sßücfter. 



20. 

©räfin Natalie ÄielmannSegge an Sßüdler. 

Bresben, ben 11. SRärj 1834. 

©efjeimmjfroll — - für midj toenigftenS — in Syrern 
jefcigen SBirfen, lieber SJerftorbener äRuSfauer 2Boljftf)äter, 
finb ©ie mir toieber in ben „2utti grutti" bemtodf) tebenbtg 
erfdfjienen. — 2ttfo bie geber jur #anb, unb jum 3Serfucf>e, 
ob ©ie jtdfj erinnern freiroittig jugeftdjert ju Ijaben, öon 
3^it ju 3^it 9iadf)ridjt ju geben, £ie unb ba Ijabe idf> gc* 
fragt — bin aber auf niemanb getroffen, ber mit 3^cir 
näl)er befannt ift. 



385 



®ie „Sutti grutti" gewähren ^erfonen meiner 
2)enfung3art unenblid&e 33efriebigung — enblid) ift alfo bodfj 
tüieber ein Sud) erfd)ienen, toetd^eö mißlich unb gern lieber* 
^olt beliebig! Serben fann. ®ie 3nbiöibualität be3 85er* 
fafferS oertoebt ftdj mit ben ttricfjtigften ©egenftänben , benen 
id& öon $erjen ba3 ©lüd toünftfje, im ©eifte jenes SOteinenS 
unb Urtfjeite gehanbtjabt ju toerben. ©leichgültig unb furj* 
meilig ttrirb biefeS Such niemanb fein; fonft aber aHeS 
— unb fe^r erfreulich ift, bajs bie gorm auf gortfe^ung 
hoffen läfct. 

2Bo ftnb Sie? SBie geht e§ S^nen? — ©inb ©tanb* 
v bilb unb ©eeabler placirt? — - £aben bie ^iftolen S)ienft ge~ 
tljan? — 2113 idj Sie unb 3Ru§fau bertiefc, blieb id) big 
SRitte Sanuar fet)r vergnügt unb über aHeS aufrieben in 
üueffenbab. SJon bort machte idj einen 2lu3flug toon trierje^n 
Sagen nach ©anbomir; einiger Sßerfonen nritlen gefchah bieg, 
unb ich ^atte alle Urfadfje auch ba mich 5 U erfreuen, fanb 
toiel 9teue3 in Sunft unb SBiff enf dfjaft ; übrigens aber ift 
©anbomir boch ein nmnberlidfjer Drt! SSie gefdjraubt, trie 
eiferfüdfjtig ängftlich bie ©alonhelben unb =©ra§ien! SBie 
mtjftifdf) frömmelnb! — ®iefer Drt fagt mir nun einmal 
nicht ju. 

©eit bem 16. Sanuar bin ich in 5)re£ben, unb bleibe 
toenigftenS auch bieS ganje Saljr hier; burch ben Dom König 
öon S3aiern getoünfdfjten SSertauf ber ^öringer ©eridfjtSbar* 
feit, 33orre<$te unb ftänbigen Kenten an ben Staat ift ba§ 
aSerhältnig eingetreten, bafc ich bie Siufttfalien parjetltre, 
einmal, toeil ich babei getoinne, bann, toeil ich nicht atö 
SSäuerin neben Säuern lohnen !ann unb toiH; ferner, toeil 
bei ben je|igen ©etraibepreifen man fogar ju brei ^rojent 
bie Kapitalien anberS placirt, fidj beffer fteht, enblidf), weil, 
tt)enn ber ©ebanfe aufhörte, ben -Steinigen ein toottfommeneS 
©an^eS ju h^terlaffen, nur jener eintreten fonnte, bei 
meinem Seben alles fo $u rieten, bafc ein jebeS meiner 

Rödler, »tiefroedtfel unb laflefmcfcer. VIII. 25 



386 



ffinber fein %f)til nach meinem £obe tjorftnbet, ttrie e§ iljm 
angenehm ober nüfctich — 3Rit meinem Sohn Hermann be= 
ratlje ich alle meine (Sefcfjäfte. $)er |>of fie^t mich gern 
hier, unb madfjt mir ben 2tufenthalt burch grofce ®üte an- 
genehm. UebrigenS lebe ich f)kx, ttrie ich meift immer tfjue, 
fo fern al$ e$ nur bie ©dfjtdlicfjfeit erlaubt, t)on JfrähttnnfcIS 
2^ee'3=, ®affee'3* unb SSifitencommerce. Sßären Sie ftetS in 
SDluSfau, ich faufte mir eins 3^rer 93abef)äufer, unb bann 
rebigirten ttrir bie bettwfjten SRanuffripte. Slber Sie , finb 
in Slfrifa unb überall anber£. (Srnftlich aber bitte ich ©ie 
(ohne abergtäubifch ju fein), Ijüten Sie ftd) toor bem Sßaffer 
in Äonftantinopel. — 

Steine Softer empfiehlt fidfj $$ntn freunbfehaftlich. $>er 
Steufounbtänber ift tooht. 

Sn treuer (Ergebenheit 

bie 3^rige 
Stelmann3egge~@chönburg. 



21.. 

sßücfter an £)outoalb. 

2Ru§fau, ben 12. SRärj 1834. 

SBie angenehm überrafdjte mich 3h* freunblicber Srief ! 

$ätte ich t>orau3fe£en bürfen, bajs fo leiste Soft ttrie 
meinet guten greunbeS „ Xutti grutti " S^nen munben 
!önnte, gettnjg ^ätte ich nicht erft bie ehrenvolle 9tuff orberung 
abgekartet, um S^nen öor allen bte§ hors d'oeuvre öorju^ 
fe|en. 3Rit befto größerer greube gefchietjt e£ je|t, aber 
nun aud^ mit ber feljr §ubringtid6en Sebingung, e§ in einem 
fpäteren SBriefe an mich mit toenig SBorten ^xtx ®ritif ju 
unterwerfen. Sludf) ich bin ttnrfltch auf jenem 3Reere be3 
Sebent umhergefchifft, audf) mir naht bie 2lbenbrött)e, unb 
faft öon ber erften Abfahrt an fah ich ben SDteifter toor mir 
im SonnengIan§ in feinem frönen 3)icf)terf<ijiffe fegein, bem 



387 



idj öon toeitem unb befdfjeiben in bcr Keinen Sarfe folge. 
Seber S3Iicf aber, ben ber (Sänger auf midj prüdtoirft, ttrirb 
ermunternb meine Gräfte f tagten # unb greube in meinen 
Jperjen ent^ünben. 

SBann mirb man (Sie einmal in 9Ru§fau feljen? 3n 
meinem *ßarf ift große Xrauer, benn Sfjre 93udf)e ift ge* 
ftorben. $efto fiterer unb länger grüne S^r eigener Sebent* 
bäum, unb beglücfe uns mit feinen grüßten. 

§. «ßürflcr. 



22. 

griebrid) görfter an Sßüdler. 

SBerlin, ben 12. 2Jlär& 1834. 
5)urd)Iaudj)tigfter gürft, 
©näbigfter gürft unb §err, 

D f önnten ©ie bod) nur fef)en , mit toeldfjem Slppetit 
mir in biefe „£utti grutti" $ineinbeif$en ! unb fetbft auf bie 
©efaf>r, baft e3 eine Heine Snbigeftion geben foüte, mir 
grüljftüden, mir Sßittagen, mir Slbenbmafjlen unb -Jladjteffen 
„Xutti grutti". S)a giebt e3 aber nur täpptfd^e ©efetten, 
bie beißen fogleidt) in bie grüne (Sdjale ber 3ueignung unb 
finben f elbige fo bitter, bafj iljnen gar nidjt nacfy bem füfcen 
Seme verlangt, Rubere tappen gleid) mitten hinein, unb t>er= 
brennen fid) an ben Reißen ®aftanien bie ginger, unb nodfj 
Slnbere gefjen fcfjlau um ben Reißen 93rei Ijerum, unb btafen 
mit überbomefjmen ober gelehrten, in jebem gaHe aber aufge* 
blafenen 93aden jur 2lbfüt)Iung hinein unb brüber I)in, unb 
, benfen, bieg reidfje Ijin, um brüber abjufpredjen. 9lber ba$ 
' Stfafdjen fann bodfj feiner laffen, felbft eine grau Sifdjöfin 
geftanb mir, baß iljr 3Rann in ber fonntägigen 3«ih*uung 
bem Lüfter ftatt be3 ®efangbud(je3 ober ber 9lgenba „2utti 

25* 



388 



grutti", bic fidfj unter bie 93tM öerfrodjen, mitgege&en Ijabe. 
Stber loSgejogen tüirb tüchtig barauf, ^uma! in ben Greifen, 
tooljin mein ®et)ör nid^t reidfjt, obfcfyon idfj üerfic^ert bin, 
bafc bort einer e8 beni anberen gönnt toenn i$ro ein ©dfjnift)df)en 
gef cfjtagen tüirb. 9lm toenigften aber hergeben e£ ^Ijnen bie 
grommen, ba§ audfj einiget Dbft toon bent Saume ber @r= 
fenntnife fi<$ unter „Sutti grutti" befinbet, unb bodj fottten 
fie fidfj bei 3f)nen bebanfen, bafc ©ie betn §errnljutifd(jen 
§odfjäeit3ltebe ein gried(jifd(je3 Feigenblatt borgeljängt f)aben. 
Sft ba$ nicf)t ein SOtantel ber dfjriftlidjen Siebe? Stber fo 
finb biefe frommen, nidfjt nur bie 3MdE)ter, audj bie <ßf)iIo* 
foppen fyaben itjre Stfotfj mit iljnen, unb bodfj glauben tüir fo 
gut toie biefeS SSolf, bafc ber Zeitige ©eift eine £aube ift, 
aber (eine gebratene, bie uns im ©dfjlafe in'3 äRaul fliegt, 
fonbern eine im reinen 2letf)er fidfj babenbe, bem Ijeöen 
Gimmel entgegenfltegenbe, ber unfere befdfjtoingte Seele folgt. 
— (£§ ift entfefctidfj, tüenn man bebenft, auf toetdfjen pfeifen* 
ftielen bie S^orfjeit ber äßenfdfjen rufjt; o, idfj fönnte mit 
einem 9lafenfip3 biefe ganje £errlidf)feit über ben Raufen 
toerfen, id(j fönnte ben Sempel biefer Sßtjilifter aertrümmern, 
ofyne ein ©imfon ju fein; ba£ tüirb mir immer am meiften 
Kar unb begreiflidfj, wenn idfj meine ©ebanfen an (Sie ju 
rieten Ijabe. 

Unferem greunb ©tägemann fjabe id(j Sfjre ©rüfce treu* 
lidfjft beftettt, er möchte gern auf ben ©utfdfju* Unfein mit 
tutfd&en, ber ©eift ift tüittig, aber — . Sri. Stärdfjen Ijabe 
\<b niä)t toerfeljlt, ©gmont %u güfcen ^u legen, unb fie ber* 
fieberte fogleidj feljr lebhaft, „ba foütc e£ ber Sürft nidjt 
lange aushalten!" ©ie ^aben anbertoeitig gehört, bafc ein 
©raf ©t. SDtarfan, farbinifd^er ©efanbtfdfjaftSfecretair, fidj 
fet)r ernftlidfj um fölara beworben unb bereite ba§ Igatoort 
erhalten tjat. @r Ijatte, tote man berfidfjert, fdfjon längft 
ein 2luge auf ®tara geworfen. S)a ber junge SWann (40 — 
45 3a£)re) feljr gutmütig, liebenStüürbig , reidf), öorne^m 



389 



u. f. to. ift, famt man ffilara au§ boßem §erjen unb audfj 
ber SDtutter, bie barüber fetjr gtücRid) ift, gratutiren. 

gür bie gütige Erinnerung an ben Äurfürften unb 
feine ©anger f)abe idj midf) fd£)önften3 ju bebanfen. 3ßo£)in 
bie ©ötter (Sie führen mögen, meine 6eften SBünfdfje finb 
mit 3^nen. 

®tü. 3)urcfjlaudfjt 

fc^r ergebener 

g. g. 



23. 

Rödler an Sernljarii SBeiß. 

3Jlu§fau, ben 12. 2»ärj 1834. 

ßieber SBeiß, 

®el)en ©ie gleich mit beut erften £f)eil ber „Sutti 
grutti" ju. grau t>on Slntim, geborene ^Brentano, toofür 
©ie toon if)r ben jtoeiten befommen toerben; fie toofjnt 
ni<f)t roeit toon ben freunbtidfjen Säbern. 3$ f)abe fie 
atjcrttrt. 

Siefe 33ertt>edfjfetung !ann Sljnen feljr tjort^ctl^aft Serben, 
toenn ©te grau öon Slrnim für ftd) ju intereffiren öerfte^en. 
SKelben ©ie fidfj nur aU Don mir gefdjicft, um ein 33udj 
auSjutaufd&en. 

Schreiben ©ie mir balb, toa$ man über ba3 93udf) in 
Serlin urteilt, of)ne alle Umftänbe. 



390 



24. 

©raf Srcffon an Sßücfter. 

Berlin, le 13 mars 1834. 

Cher Prince, 

Jusqu' k ces derniers jours j'avais compt6 sur le 
bonheur de vous revoir avant le grand p616rinage que 
vous möditez. La Princesse m'a appris hier que je de- 
vais renoncer ä cet espoir. Je ne veux pas du moins 
que vous vous mettiez en route sans empörter Fex- 
pression de tous mes voeux. Votre force repondra 4 
votre courage, et l'Europe vous sera redevable de 
notions plus vraies et plus 61ev6es sur Forient que 
Celles qu'elle possäde. A une 6poque, oü de si grands 
6v6nements se pröparent aux lieu que vous allez 
parcourir, c'est un bienfait pour eile que- votre noble 
entreprise. 

Si vous däsirez quelques lettres pour nos ambas- 
sadeurs et nos consuls, et si ce n'est pas de ma part 
trop de prösomption de vous offrir mon humble recom- 
mandation, veuillez m'indiquer votre itinßraire, et je 
vous en adresserai pour tous ceux de nos agents que 
je jugerai pouvoir vous etre utiles ou agr6ables. 

Vous ne savez pas combien je suis redevable k 
Fauteur des Lettres d'un dßfunt et des Tutti 
Frutti. Le dösir et le charme de le lire m'a d6cid6 
k studier särieusement Fallemand, et j'ai röussi ä saisir, 
sinon encore les beautes de son style du moins le sens 
de ses ouvrages. Je n'ose rien dire d'une note oü je 
p.urrais me reconnattre si sa bienveillance ne m'avait 
rendu mßconnaissable. Cette approbation de si haut 
lieu m'a profond^ment touch6, et consolö des pr6ven- 
tions et de la sottise des gens qui ne jugent qu'avec 
passion. 



391 



Adieu, eher Prince. Soyez heureux. Tournez-nous 
sain et sauf, conservez-moi votre int6r6t et vos bontee, 
et agröez Fhommage de tous mes sentiments les plus 
d6vou6s et les plus distingußs. 

Bresson. 



25. 

Slte^anber fcon SButffen an Sßüdter. 

SBerlin, ben 15. 3ttärä-;l834. 

$)er gürft SBittgenftein ift immer nodj bttterböfe über 
$l)re 3ueignung unb §at geäußert: „Sic feien il)m*bemtodj 
SDanf fd^utbtg, nämtid) bafür: bajg er bie öon gfjnen be= 
fi|enben 33riefe nid()t bruefen laffe!" fttmmen irt fo fern 
SJland^e bei, bafc fie bie Slbfaffung ber ®ebifation unb bte 
fingirte Unterfdjrifi tabetn. SSon Sollen ift r 3, too benn 
audf) mancher anbere Säbel ausgebt, nrie §. 93. ber über bie 
(SrttJäfjnung ber gamilie SDtalefe, obfdfjon bie 2lrie aus ber 
®ajja labra nidjtS cmbereS ift al§ ber Staar in ber dotiere 
be§ Ijiefigen Rotels SRalefe, Don bem ber Sronprin^ be= 
Rauptet, baß er beim ©intreten ber testen großen ©efefffdjaft 
beuttid): „Ueb ? immer Xreu nnb SRcbltd^fett !" gepfiffen ^abe. 
Serner t)erglet<f)en Solche §f)re „£utti grutti" mit ben 
©riefen be3 SSerftorbenen ^um Stadfjtfjeite ber erfteren, unb 
nennen ben 93rief au§ SJerfin eine ©d)meidf)etei gegen bie 
Jßrin^en, toäfjrenb Sljnen jeber roo^Ibenfenbe Unbefangene 
S)anf toeifc, bafc ©ie bie ftetS unbeantwortet bleibenben @r* 
bidfjtungen unb SlnHagen gegen ben Sronprinjen burd) f dfjlidfjte 
SBafjrfjeit toiberlegt unb biefe ®eljrfeite bem £)rud übergeben 
fjaben, -too^u, tt>ie e3 fdfjeint, ju toenig SDtutl) ober $u tnel 
Suboten-j ober ^ßarteienrücffid^t unter ben ©d&riftfteHem 
Iierrfdfjt. Snbtid) tabetn ©oldfje Sfjren „ 9?aturfuttu3," toie 
fie $$xe SKnfidjten über Religion nennen. ®em Sauber 
Sfjrer geber, fottrie bem ©eift 3förer ^robuftionen läßt übrigens 



392 



geinb tote greunb ©eredfjtigfeit wiberfatyren, unter ben 
Sreunbtnnen aber niemanb mehr als bie Sßrinjefj SBifljettn, 
bie 3^r 53ud^ einmal über'S anbere „rei^enb", „meifterhaft", 
„unübertrefflich" nennt. 3$ tjätte gern eine 9teu)serung ober 
ein Urtfjeil beS $önig£ erfahren, aber bie „Sutti" Werben 
noch toorgetefen, unb mit UnterbredEjung unb Ueberfjityfung 
mancher Slbenbe. 

9Son mir als Suobej • ®ut3beft|er nehmen ©ie gütigft 
meinen Wahren $)anf, baf? Sie ben SBehörben fo treffenbe 
unb grunbwahre SBa^r^ettcn burdf) S^ren mürrifdjen greunb 
^aben fagen taffen, fo wie für baS aus bem ganzen Suche 
gefdfjöpfte Vergnügen. £)ie Sefchreibung ber Särenjagb, 
ber 2uftfat)rt ic. zc. finb äReifterftücfe. 

Sodfj ba ich nicht atS ©dfjoojshuub am geuer ftehen, 
fonbern lieber tn'S SodE) will, fo höre ich auf, 3h nen fetbft 
noch gerechtet Sob ju fpenben, unb empfehle mich *> er 3tort= 
bauer Sh r ^ freunblichen SBohtwottenS ! 

21. ö. SButffen. 



26. 

$ücfler an gürft Heinrich toon Earolatf). 

3Ru3fau, ben 16. Sföärj 1834. 

Siebfter ©arolath, 

2)u wirft boch nicht irgenb ben leifeften STnttang beffen, 
was ich im ©dfjerj an Sich gegen bie 33re3lauer gef djrieben, 
anberS toerfteljen unb beziehen wollen, als ich eS gemeint? 

Sein Srief fteht faft Wie .ein Wenig fpi|tg aus, aber 2>u 
Weift Wofjl> baß, Wenn ich a ^ch afS $ampfhahn gegen mannen 
Slnberen auftrete, ich gegen Sich unb alles was Sir ange* 
hört ftetS ein gutmütiges Samm bin. 

Sie Sluerhähne erwarten Sich fefjnlichft, fte gehören 
Sir. Sod) bitte ich um N Icijä feine ©ier mehr Jüchen, 



393 



beim e3 tjitft Sir bocf) ntdfjtS, unb e£ fönnte am ©nbe ba= 
mit gefjen tute mit bem gotbenen @i ber £enne, unb ber 
©paß t)ier aufhören, ot)ne bodfj in Sarotatfj anzufangen. 

SSie ift man in ©arotat^Eaftte mit „Sutti grutti" 
jufrieben? 3$ ^otte Slbetljeib ein @£emptar biefer ©djnifcet 
nadfj ©erlitt gefdfjidt, Ijabe aber nidfjt erfahren, ob fie e3 
erhalten. Sßittgenftem foH innig t>on ber neu erwarteten 
®ebtfation gerührt Horben fein. 

3df) tüeig übrigens, baß fetbft S. e3 tieft, ^rinj 
Sari t)at mir freunbtidfjeS barüber fagen taffen, and) einige 
Slnbere, bie (Sefniffenen werben aber ein tjöffifd&eS £attoI} 
ergeben. 

3)er ©onntag^gaft §at tftif förmlich in ben Samt ge= 
tf)an, unb mir benfelben mit- einem großen Sird&enfieget, too 
ber ©Ijrift auf 9iofen gefjt, aU ben ®orn babon §ugefd^icft. 

SBerrattje übrigen^ meine STnon^mität nid^t. 3ßa3 madfjt 
benn 2oui§ in (£otend£)en ? Sdfj i^m einen fet)r frönen 
93rief fcor jtoei SDtonaten gefdfjrieben, toofcon id£) bie Sopie 
beilege, aber feine 2lnttoort ermatten. Saufenb ©d(jöne3 an 
bie ©nget ober tnetmeljr Slmoretten unb if)re SDtutter. 

3)ein bemüt^ig ergebener 

§. Sßfldter. 



27. 

$rinj Sari öon Greußen an Sßücfter. 

SBerlht, ben 16. Mrj 1834. 

Sßodfj immer bin idfj Sfjnen, mein lieber Surft, eine 
Slntmort auf 3f)r ©dfjreiben fd)utbig, in bem ©ie mir 3$r 
ßeibtoefen auSbrüden, mir nidfjt fetbft ba£ große ©artentoerf 
überreifen ju fönnen; xä) erttmrte e£ mit großer Ungebutb, 
unb fann nidEjt täugnen, baß idf) e3 gern mit bem 2lutor 
burfbtättert tjätte. 



394 



3f)r Schreiben an meinen ©ruber ift fogleidfj beforgt 
morben. 

§eute empfing tdj, mit einigen Sßrejiofen audfj ein 
$äcfdf)en unter 3f)rer Stbreffe aus Äonftantinopel, unb fäume 
nidfjt, e§ %fyntxt untoeraügtidfj jufommen ju iaffen. 

ÜJlein lieber gürft, freunblidfj ber Sfyrige 

®arl, $rin§ t>on ^reufeen. 

P. S. 3^re „Sutti grutti" machen t)ier gurore; Sie 
tyaben mid() burtf) 3^r Sob f$amrötf)li<f} gemalt, unb idj 
mujg um fo größeren Sßertfj auf baffelbe legen, ba Sie mit 
if)m fonft fefjr t)au£f)älterifd) umgegangen ftnb. 

St. 



28. 

Sßücfler an ©räfin toon ®tetmann3egge. 

2Ru§fau, ben 16. 3Jlärs 1834. 

Seljr erfreut t)at miefj $$xt fteunblidje Erinnerung öon 
£)re§ben, liebe (£oufine, unb eben fo fe^r, bajs Sie je£t bort 
finb, benn ba£ fcerfdfjafft mir ba§ Vergnügen, Sie in adfjt bi£ 
t>ier§et)n Sagen nodfj einmal ju fefyen. 

S)ie Verausgabe meinet ©artemoerf§ fjat mid) big jefct 
f)ier aurüd gehalten , unb xä) Ijabe bie SDtuße benu^t, um bie 
beiben legten Steile ber „£utti grutti" ^u fdfjreiben, bie nun 
©ottlob beenbigt finb. 

$ätteadj gemußt, fco Sie ^u finben, mürbe mein 2)anf 
für bie Statue unb 2lbler bereite fcor längerer $tit bei 
Sljnen eingetroffen fein. Sie Statue ift nodj nidjt auäge* 
patft, meil fie je|t nod^ nid^t aufgeftettt toerben fann, ber 
Slbler aber prangt fd&on (ängft über Jupiter -ftapoleon. 

®ie Ijolben Sßiftöldfjen fotten nun erft in Sleg^ten unb 
Slfien tfjre Sdjutbigfeit tljun. #ier ruljen fie ftdj bisher 
aus, ber liebenStoürbigen ©eberin fenbe icf) ben J)erjltd)ften 
S)anf. 



395 



Ueber 33erttn finb mir ganj einer SKeinung. So balb 
man e3 im Se^ug auf bie ©efettfdfjaft betrachtet, ift e§ ein 
unerquicffi<f}e£ 9teft. 

geh fott nicht abergläubijcf) fein? 5)a3 bin ich burch unb 
burch, aber nur fo lange, als e3 nicht mit meinen Steigungen 
ober whyms in ®oftfion -tritt. Sann fejje ich mich baräber 
toeg, unb übrigen^: ob man im SBaffer ober auf ber @rbe, 
im Orient ober hier ber #Jatur ben unüertoeigerlichen 3oU 
besagt, qu'importe? 

3n fünfjig fahren ift boch atte3 eins! — 2)a3 ift mein 
2Bat)ttyrudE). 2lbieu, et mille tendres respects. 

$. ^ücfter. 

29. 

©raf griebridfj Sßücfter an Sßücfler. 

^otöbam, ben 17. m&vi 1834. 
©eehrtefter ©dfjtoager, 

SSorerft empfange unferen aufrichtigen S)anf für bie 
überfanbten Südfjer, toetche un3 einige angenehme Slbenbe 
üerfcijafft, grüßte, bie für mannen einen ettoaS bitteren -Wach* 
gefchmacf gehabt fyahtn mögen. 

Seinen 33efel)I, über ba3 allgemeine Urzeit, fonnte ich 
nicht gleich erfüllen, toeil ich boc§ ein bi£(J)en horchen wollte. 
— Sie Söteinungen finb fehr getheilt; Siele äußern fidE) 
enthüfiaftifch, Slnbere meinen, bieS SBerf toäre bem 33erftor= 
benen nicht an bie Seite ju fe|en. 9lt(gemein belobt man 
aber bie 33efd£)reibung ber ©ebirgSgegenben. 

Siele höben fich mehrere2lbhe<J)elungen erwartet, ©inige 
^aben öon bem ©ebotenen fchon genug , aU ba finb Saron 
'SRieberthal unb ©eneral*Sanbfchaft^$ireftor ©raf Sijhnt, 
ber gerabe fonberbarerloeife in 33erltn antoefenb ift. SBitt- 
genftein fj<*t nur bie Zueignung getefen, unb für ihn nichts 
©uteS ertoartenb, toie er fagt, ba§ Such toeggelegt. SBenn 



396 



td) rndjt irre, fo fittb bie allgemeinen -äKetnungen über bett 
Sronprtjtjen ni<f}t günftig aufgenommen toorben. Slufridfjtig 
referire iä) $)ir, toaS idf) belaufet, tüte 3)u getoottt — Sein 
fettes Urteil roirb am beften ba§ Saffdfie unb Unbillige t)om 
SBaljrett unterfdjeiben totffen. 

3Ridj §at bie§ SEßerf fdfjon um beritten unenblid) an* 
getyrpdOen, tocil eS midfj in lauter befannte, beliebte Derter 
unb ©egenben jurfidfoerfefct, nadfj SIRuSfau, |jermann§ruij unb 
ba§ fd^Ieftfd^e ©ebirge, audj f)at meine SBo^nung ein neues 
Seben gewonnen, inbem ftet£ mehrere SSebienten auf einen 
ober ben anberen £t>eil fcertangenb Marren. 

•äKorgen fommen fämmtfidfje £>errfdfjaften tjie^er, bann 
trennen firf) bie 3RedEtenburgifc^en* 2)effautfdf}en unb -Jiieber* 
tänbifdfjen. ©3 haben fiel) bie. prinjlic^en ®inber mitgerechnet, 
üierunb^manjig $ßrinjefftnnen fytx bereinigt befunben. 

Su lange bleibft S)u bodfj nicht abroefenb? 3)enn menn 
SouiS je|t nach Sßrima fömmt, fo fömmt in jtoei Sauren 
ba3 ©tubiren baran, unb öor^er müffen hrir boef) einen feften 
SlnfteKung^^tan feftfefcen. Sine flüchtige Slnttoort toürbe mich 
fehr freuen unb beruhigen. 
®ein 

greunb unb ©dfjhmger 

Sßfidler. 



30. 

Sßücfler an Sßräfibent öon SRother. 

3Hu$fau, ben 19. Wart 1834. 
Serefjrtefter §err Sßräfibent, 

9Kit toahrer Führung unb greube habe ich Sh re ©cfjrift* 
5üge toieber fo fräftig toie immer gefehen, unb bebaure nur, 
baß Sie fidfj noch §ur 2tuer^a^nbatj nicht ftarf genug 
glauben.- 3)od£) ttnrb big ba^in öieffei(J)t nodfj finben. 
^ebenfalls ^offe ich, baß 8h* £err ©ohn bie Heine ffiam* 




397 



pagne mitmachen ttrirb, unb ich erfuche Güuer $ochtöot)Igeboren 
ihm bttyalb meine Sitte vortragen §u tootten. 

^öffentlich ^aben @uer £ochtt>ohtgeboren „Suttt gruttt" 
öiel ja^mer gefunben, als Sie befürchteten. 3$ ^abe mit 
gleiß bieSmal meine greunbe gar nicht berührt, um e3 mit 
ben Ie|en Steilen befto erfolgreicher §u tt>un. 

93on ^ßrinj ®arl erhielt ich e M f c *) r freunblicheS Schreiben 
über ba3 Such, auch fein Sruber unb bie $ßrin§efftnnen finb 
jufrieben. 

SSom Sönig unb Sronptinjen f)abt ich noch feine 
Steuerungen erfahren, üieffei<f)t theiten ®ie, toerthefter greunb, 
mir hierüber ettoa§ mit. 

^umbolbt unb ©tägemann fyabm fich auch öortheilhaft 
geäußert, unb ba3 Sßubtifum en gros fcheint Sntereffe an 
bem Suche ju nehmen. S)ie ©efniffenen f freien freilich, 
unb ber toeiße ®opf ift fehr ungehalten über bie $ebifation. 

Stilen fann man'3 galtet niebt recht machen! 

3Rit unmanbelbarer banfbarer Stnhänglichfeit unb SSer- 
eljrung 

. @uer ^ochtoohtgeboren 
ergebener 

$. $ücfIers9Ru$fau. 



31. 

sßürfler an Sltejanber t)on SBulffen. 

3flu3fau, ben 19. aWörj 1834. 
©eneröf efter 93eridE)terftatter, 

SDtan fann nicht freunblicher fein, mein alter greunb 
unb SReifegefährte! Smpfangen @ie meinen h^Kchften $anf 
bafür — aber ich fenne Sie ja öon StlterS h cr / ©fe töffert 
feinen im @ttd), ber fich auf Sie öertäßt. 

SSerfd^toeigen Sie mir übrigeng ja nichts Unangenehmes. 
3rür mich ift e§ nicht fo. 



398 



Ueber ben ffügften äRann im Sanbe rounbere iü) micf>, 
baß er bieSmal fo 'albern ift. 8r f)at nic^t ein SBort öon 
mir, toag mict) fompromittiren fönnte; toenn id& ba3 bt3t)er 
gan$ ref^eftirte breifadfje SSorlegefdEifog, ba§ idfj öor meine 
©taatSfan^terepodje gegangen, obnebme, fo ift e3 bie Srage, 
wer üon ba8 SReifte ju beforgen l)at. 

$>ie ©üte be§ 5ßrin^en nnb ber Sßrinjeffinnen mad)t 
midj fc^r glüdtticf), benn i<fy liebe unb öere^re fie feljr. S)a§ 
midj i^re t)ot>e Stellung babei nid£)t influirt, fieljt man tootyl 
fattfam in anberer §inftcfjt. 

9lod^ eine Sitte. 

3dfj bin je|t, ba bie testen 93änbe ber „Sutti grutti" 
fertig finb, mit einem anberen Reinen SBerftein befdljäftigt, 
ba§ nnr alten Erinnerungen gemeint ift, folglich gan§ o^ne 
heutige Satire ablaufen wirb. 

3n biefem nimmt unfere SReife auä) eine Stelle ein. S)a 
idfj aber meift au§ Erinnerung, unb oljne Sagebüc^er (üon 
benen idj nur Wenig bebeutenbe 33rud)ftüdfe öorfinbe) fdfjreiben 
muß, fo bitte iä) Sie, mir unfer Itinäaire anzugeben, toenn 
Sie e§ noclj ttriffen. SRur bie Drte, unb tnetteidjt mit einem 
Sßinf auf irgenb etroaS 2Rarfante§ in ber @efd;id(jte unferer 
Steife. 

3d£) Ijoffe, Sie derben mir bann fein S)ementi geben, 
hne ber alberne Suftprofeffor SReicijarb in ber „9lbenbjeitung", 
ben \<fy im britten S^eit ber „Sutti grutti" fo bebienen 
toerbe, baf$ er 3eittel6en3 baöon genug ^aben foff. 

£ören Sie ettoaS t)on SRejenfionen meinet 93udje3 in 
Sageblättern, fo toerbe id£) für gütige Sinnige feljr banfbar 
fein. 3cfj bin übrigen^ fef)* befdfjämt über meine 3wbring= 
ticfyfeit, unb bie triele 3Rü^e, bie idfj Sljnen jumut^e, aber 
fe^r freue idj micfy, baß burdj biefen Umftanb unfere Sorre* 
tyonbenj lieber in ©ang gefommen ift. 

9Ridf) f)er§lidf) unb banfbar empfefjlenb 

£. $ßücfter*9Ru3fau. 



399 



32. 

$t)eobor 3Runbt an Sßücfter. 

Berlin, ben 21. Sflärj 1834. 
Surdjtaudjtigfter gürft, 

Sie n&türtidje greifet, bie in litterarifcher 2Irt unb 
Sunft liegt, flögt audf) mir ben SJhttlj ein, ®urdfKau<f}t 
anjureben, unb eine 3^nen tängft gehribmete SSere^rung aus- 
fpredfjenb, biefe ©etegen^eit $ur SSorbringung eine§ in ber 
£fjat etgennüfctgen 3ßunfd(je3 ju bemtfcen. 3<h barf aber 
tueKeidfjt am meiften auf 6ft>. 2)urcfjlaud)t gütiges SSer^ei^en 
rennen, toenn idfj mich barauf begieße, bafc £err ©e^eimer 
Segation3=9iath SSarn^agen üon @nfe bie ©etoogenheit ge= 
habt fjat, mich jum Vertrauen auf #odj 3h r e Slachftcht §u 
ermuntern. 

3dj bin nämlich gefonnen, §u ben trieten beutfdfjen 3our= 
nalen noch ein neue3 unter meiner SRebaftion ^injufommen 
ju laffen, ba3 unter bem Xitel: „^erfpefttoen für Sitteratur 
unb Bett" (im ^Berlage öon ^ermann 9?ei<henbach in Seidig, 
einem jungen unterne^rttenben unb mit ben nötigen -äRittetn 
öerfehenen 93u^änbler) in monatlichen heften öom 
1. guli biefeS 3a^re§ erfcheinen fott. 2)ie§ Unternehmen ift 
auf bie $8orau3fe|ung gebaut, baß in ier beutfdfjen Sitteratur 
noc^ ^ßertyefttoen öor^anben, unb bebarf be^ljatb, um biefe 
'3Sorau^fe|ung gtänjenb §u rechtfertigen, öor aKem fotdfjer 
33efchü£er, ©önner unb %i}tHnef)mtx, tote ich ft e m ™ an 
5>ur<hlaucht hiermit e^rerBtetigft erbeten, haben möchte. 

2)a£ Journal , ba3 fid) 2Iuffä|en jeber 9trt unb gorm, 
mit 9lu§naf)me öon SRoöeffen unb ©ebicljten, öffnet, ift burdE) 
fein @rfd£)emen in 9Jionat3f|eften toenigften§ in ben ©tanb 
gefegt, un^erftücfefte äftittheifungen geben ju fönnen, unb 
roagt e8 bafier auch in Betracht ber 33equemfi(h!eit biefer 
gorm, fidf) @tü. ©urchlaudfjt anjubieten, toenn e§ £>odf)bem* 
fetben gefallen tuottte, öon bem 9Jeichthum 3h rer ®eifte§= 



400 



erjeugniffe einige abfaöenbe Srruchtfömer auf feinen ^Blättern 
nieberjutegen, ober Von größeren SBerfen, bie S^rer Ijoljen 
SRufe vorliegen, Vorläufige SRittheitungen, benen ber fdjnettfte 
Slbbrucf $u Xfjeit toerben toürbe, barin ^oc^geneigteft ju 
fpenben. SBie glüeflith ttmrbe ich mich fchäjjen, toenn (£to. 
£urcf)Iaudjt meine gefjorfamfte Sitte fo begürtftigenb auf* 
nehmen, bafc ich bereite ba£ erfte $eft biefef 3^itfc^rift mit 
einem Settrag üon $och 3h rer £anb fchmürfen, unb fo mit 
ber fdjönften ©orbebeutung mein Unternehmen in'3 ^ßubtifum 
führen bürfte! 

Schließlich bitte td) (Sit), ©urchlaucfjt, ben SluSbrud ber 
tiefften unb beüoteften Verehrung ju genehmigen, mit ber ich 
bie 6f)re f) a & c m täJ h n nennen 
®urchlauchtigfter gürft, 

3$i*n ö^nj gehorfamen S)iener 
S)r. Zfyobox SRunbt, 
33erlin, 3leue ©chönhauferftrafte 9tr. 11. 



33. 

5ßücfler an gürftin Slbelheib üon Karotath- 

SKuSfau, ben 23. 3Rärs 1834. 

Siebfte, fcfjöne unb liebenStoürbige 2lbetheibe, 
Sei nicht böfe auf mich 2lrmen, Wenn ich nicht mit noch 
fchtöererem ^erjen, al§ ich f$ on ohnebieg 1)äbt f auf fftetfen 
gehen fott. 

3)afc id) nicht felbft gefommen, baburdj h at niemanb als 
ich felbft Verloren, unb ba3 betoeift 2)ir, bafc e3 nicht, bei 
meinem unzähligen ©efcf)äften f)kx, ausführbar fear. 2)af$ 
ich ®t* aber bie ©chnudte fo lange, toenn auch nicht bireft, 
boch inbireft burch mein langes hierbleiben entzogen, be3~ 
halb bitte ich fef)r um Serjeihung, unb um fo mehr, ba fie 
fief) fo fehr nach S)ir fehnte, bafc fie täglich beinah fchmerslidh 



401 



ermähnte, tüte fie fidfj feilen möchte jtüifc^cit t>ier uttb ©a* 
rotatt), ja oft hmrbe bei biefem %f)tma ein Xfytäntytn 
getoeint. 

Sie arme ©d^nurfe ift überhaupt jejjt fc^r reijbar, unb 
manchmal recfjt tjinfätttfl, fo baß e£ bei meiner Entfernung 
bie größte ©eru^igung für mic| ift, fie in ben §änben finb* 
lieber Siebe jurüeftaffen ju fömten, toetd&e ber &efte SMfam 
für jeben §erjen§fummer finb, unb jebe ttmnbe ©teile gart 
einf äffen, ja, felbft @cfjh)äd£)en an meiner geliebten ÜDtutter 
mit ©anftmutt) fo in £eiterfeit um§uttmnbeln toiffen.. 9tie= 
manb ift ju fold^er ©eifteSpflege gefdf)idfter afä Su mit 
Seinem liebenben £>er$en unb Seinem tjo^en fo auSgebitbeten 
SSerftanbe. 

3d(j neunte feinen 9lbf<f}ieb, unb fage bloß: 2luf fröt)* 
tid&eS SEBieberfef)en in ©aftein! 

Sem guten ©djnuder füffe idfj bie $anb, meil id) mir 
immer einbilbe, er fei be£ Königs jtoeite Hälfte , unb Sir 
felbft, S3enu§ üon ©arolatf), bie rofigen gingerftrifcen. 

Sen Sfinbern, bie jefc;, mie ich pre, fcfyon ju großen 
öomehmen ?ßrtngeffinnen t)erangetoa<f}fen finb, madfje i<f) gan$ 
btöbe einen toeit hinten auSfchlagenben Srafcfuß. 

93aron äRoucfje boubirt mir tooljl, toeil er mir feine 
Delation beS Weltberühmten ©arolather 8tennen§ gefchitft t>at? 
3$ h°ff c auf biefeS noch nachträglich, unb empfehle midf) 
bemfelben einfttoeilen #u fernerer ©üte unb SE&ohtooÖen. 

9lod) fyaht ich meinen fefjr lebhaft gefügten Sani toegen 
©einer aKerliebften 3fbee jur ^Beantwortung eine§ SlrtifeB 
in ber Jpamburger 3eitung ju fagen. 3ch 5 atte * n Wcfcm 
(Sinne (roie Su e§ angegeben) eine feljr beißenbe 2lnttt>ort 
nach Hamburg gefcf)icft. 9Ran nahm fie aber nicht auf. 
Saß mich bodh ttriffen', ob feitbem lieber ettoaS ber 9lrt in 
ber Hamburger Seitung gegen ben unfd^ulbigen SSerftor6enen 
lamirt toorben ift, benn ich ^abe fett Sötonaten nichts mehr 
getefen ! 

*Pücf ter , tBriefwecbfel unb lagefeüdj«. VIII. 26 



402 



S)er Gimmel behüte Sidj, S)u ©lürfltd^e! 2ltte§ tüte e3 
ift, benn $> u bift SortunaS Siebting, bie Ijier toenigftenS bie 
33inbe abgenommen §at. A propos, üergift midj nidjt mit 
einem guten SEßort bei ber Königin Don ©nglanb, unb toenn 
S)u Iatt)oIifcfj h)irft, fo nimm mid). mit. 3$ toünfdfje fe^r 
ein ^faff (2)ompfaff mcfjt) ju roerben. 

(Sinftmeilen S)ein trener ©impel unb ©ftaüe nebft 
©tieföater. 

£. Sßücfler. 



34. 

Sßüdffer an ©raf üon Sreffon. 

Muskau, le 24 mars 1834. 

Mon eher Ministre, 

Vous m'avez devaneß de la mantere la plus aimable 
en m'offrant le premier ce que j'allais solliciter de 
votre complaisance. 

Certainement que je mets le plus grand prix aux 
recommandations dont vous voulez bien söconder mon 
projet de voyage, mais n'ayant rien fix6 de positif en- 
core par rapport k la route que je suiyrai, je vous de- 
mande la permission de vous adresser encore une 
lettre de Munic k ce sujet, oü je compte prßalablement 
faire un sßjour de quelques semaines. 

Je suis on ne peut plus flattö et touch6 de ce que • 
vous me dites de gracieux sur mes faibles produetions 
littöraires. Ce n'est pas pour me lire qu'il vaudrait la 
peine d'apprendre notre langue, mais un cosmopolite 
comme vous, mon eher Ministre, un homme qui voit en 
grand, ne regrettera jamais, je crois, une 6tude, qui le 
mettra en 6tat de connaltre notre litterature et par Ik 
notre caractere national k fond. Ce n'est que de cette 
mantere qu'on peut parvenir k se former une id6e juste 



403 



des Allemands. Iis sont dans le commerce de la vie 
ordinaire trops lourds, trop gauches et en g6n6ral trop 
peu communicatifs pour donner d'eux'et de leurs qua- 
litös la juste mesure. 

Vous 6tes encore bien g6n6reux d'avoir pris en si 
boüne part ce que j'ai hazardö de glisser sur votre 
compte dans mes „Tutti Frutti". C'est au moins bien 
l'expression sinc&re de mes sentiments pour vous. On 
a publik cette lettre sur Berlin en frangais dans un 
journal de Mad. Gay, mais la traductioi^ en altere le 
sens ä plusieurs endroits d'une maniöre vraiment atroce 
et.parfaitement ridicule. 

D'ailleurs je crains bien que l'original ne fera pas 
plus de fortune ä Berlin. On n'entend gu6res la plai- 
santerie in those quarters — mais le suffrage de quel- 
ques amis, dont vous voulez bien äugmenter le nombre, 
m'en dßdommage au delä de ce que je puis pr&endre. 
Conservez-moi, mon eher Ministre, ces bonnes disposi- 
tions k mon 6gard, et comptez toujours sur ma recon- 
naissance et mon parfait dövouement. 

H. Plickler. 



35. 

»ernljarb 333 e t § an *ßü<fter. 

33erUn, ben 25. Sflärj 1834. 

2)urtf)taudjtigfter gürft, 

©näbiqfter gürft unb ebetfter ©önner, 

SBenn idf) bis je£t ber ^ßflidjt ber 2)anf barfeit, toetd^e 
td) $f)nen, grofcmütfjigfter ©önner unb ebelfter Snrft, für bic 
Ueberfenbung be£ jtoeiten £f)etle§ öon „Xutti Srutti" fdjulbe, 
nidfjt nad£)gefommen bin, fo feien Sie öerftdjert, bafc e3 feinet 
toegS a.u§ SRad^Iäffigfeit öon meiner Seite, fonbern burdj 
ein 3ieber, tuetdjeS mitfy mehrere Sage abgeftumpft §at, ge* 

26* 



404 



fdjetien mußte. UeberbieS aber tooffte idf), mein fyod^uöerefyrenber 
©önner, etft ettoag 5ftäf)ere3 über ba3 erfahren, toaS bie mittlere 
klaffe, ba3 Reifet bie gebilbeten 93ürger, borüber urteilt, unb 
töobon idf) @tt). §oc§fürftIic§en 3)ur<fjlaucf)t je£t Sendet er= 
ftatten ttriK. 3m Sittgemeinen mad&t ba£ SBerf öiet 2luf* 
feljen, unb jeber gebildete SKettfdj, ber mit bfcm 3eitgetft unb 
ber Sitteratur fortf errettet, lieft mit Vergnügen 0)t 33udE), 
unb freut ftdfj, ®te nidfjt bloß ate ben genialen unb ge= 
»anbten SünjHer im 2fad^e ber 83efd(jreibung fd&öner Gk* 
genben, ©itten unb ©ebräudfje frember Sänber unb SSölfer, 
fonbern audfj aU ben Ijumoriftifdjen, rmfcigen unb angenehmen 
©dfjriftftetter im %a<fyt ber @rjäf)Iung fennen ju lernen. 
S)afc bie Urt^etfe ber berfdfjiebenen S^ibtbuen, welche ba§ 
93ud^ gelefen fjaben, getfjeiß finb, fo bafc ©ie ©inige jum 
englifdfjen Sorb 33t)ron, Slnbere jum frangöfifd^cn Softaire, 
nodfj 9tnbere enblidj jum beutfdfjen £>eine (tooljin übrigens 
bie SKe^räa^I fidfj neigt) ernennen, ift fem SBuftber, ba baS 
SBerf vorläufig erft öon ben SDteiften goutirt, bei niemanb 
aber in succum et sanguinem öertirt ift. ?lnbererfeit§ liegt 
e3 audfj barin, ba§ SStefe fidfj baburdfj fetjr getrQffen füllen, 
unb fie fudfjen batier ben SBert^ beS SBerfeS ju berringern, 
■Blande bagegen finb nodfj ju toenig mit. ben Sßerfonen be= 
fannt, bie Sinnen jur 8iclf(§eibe 3f)re£ geiftreidfjen 3Bi£e3 
gebient fyiben, unb bafjer ttriffen fie fo manches nidtjt $u 
beuten. 2ltte jebodfj fonbeniren hierin, baft es unöerfennBar 
baS Sßrobuft eines genialen ©eifteS ift, meKdjer unferer Sit* 
teratur @^re madfjt, unb fetbft ber beteibigtfte Xljeit gefteljt, 
baft ber geiftreidfje SSerfaffer barin ben Sorjug üor £eine 
fjat, ba£ er fetbft bie ^eftigften Angriffe, auf eine fdfjöne unb 
angenehme SBeife, oljne ben tiefen unb frönfenben ©pott 
k la §eine, ju e^oniren tterfteljt. S)urd^Iaud^t Ijaben baljtr 
gar feinen ©runb unjnfrieben mit ber jefcigen Slrbeit ju 
fein, ba es Sljren in ber ©efdfjidfjte ber beutfdfjen Sitteratur 
als ftaffifdfjer ©dfjriftftetter begrünbeten 9htf nodfj eljer tfer- 



405 



größert afö fdfjmälert. ©etbft ber 9?ebafteur ber „ Staate 
jeitung" unb be£ „Süiagajin für auSlänbifdje Sitteratur", ben 
idfj ^erfönlid^ unb näf)er fenne, unb mit bem idf) über S^re 
2leußerung über bie „©taatäjeitung" gebrochen ^abe, gefteljt, 
baß 3h r Urteil über biefelbe tna^r unb fräftig ift; nur 
muß er fe^r bebauern, baß Sie ihm baburch ben SBeg ab* 
gefchrtitten fyahm, $h r SSkttf in feinem 33Iatte ju rejenfiren. 
^Benannter 9lebafteur ift ein fefyr geiftreicher SDtann, unb fann 
er, tüie ich toeiß, bie „©taatSjeitung" nicht k son gr6 rebi* 
giren, vorüber ©ie fidE) getoiß nicht ttmnbern, ba Sie $h* \ 
SBerf au§ gegriffen ©rünben nicht in 93erlin, fonbern in 
Stuttgart üerlegen mußten. 3)aß ber gürft öon SSittgenftein 
aus gurcht öor einer neuen 2)ebifation, gern $h rc greunb* 
fdjaft fudfjen toirb, er leibet leinen 3^eifel, ba er mit ber 
gegenwärtigen ^ebifation fidjj begnügt, inbem ©ie ihn ber 
ÜDtit* unb Watytötlt üerehrigt fjaben. 

grau öon 9lrnim ^abe idfj ben erften Xfyit öon „£utti 
grutti" jugeftefft, unb öon ihr ben feiten bafür in 
©rnpfang genommen gür 3h re gnäbige ©mpfehtung, bie 
©ie mir burcf) 3h* Schreiben an fie 51t geben bie ©üte 
Ratten, ftatte id& g^tien, ebetfter gürft unb ^od^juöere^renber 
©önner, meinen untertljänigften 35anf ab. Seiber bebaure 
\äf%, baß mir biefe 93efanntfd^aft burdfjau3 feine grüßte 
tragen ttrirb. ©ie fcfjeint nämlich fidfj innerlich gefränft }u 
füllen, baß ©ie fie eine leichtfertige grau nennen, jumal 
ba fie, ttrie fie fidj geäußert t>at, baburch bei ihrer gamitie 
in Sötißfrebit geraden ift. 9licht minber unangenehm ift e§ 
ifyc, baß ©ie e§ öffentlid^ befennen, baß fie 3$uen ©teffenS 
Sleußerung mitgeteilt ^at , tooburch fie fidj) ma^rf peinlich 
Steffen^ Derfetnbet ^at. grau öon 2lrnim ift aKerbing^ ju 
flug, beutlic^ ihre SRißbittigung barüber ju jeigen, aöein bie 
2teußerungen über ba3 SBerf unb bie £auptmomeute, bie fie 
ermähnte, um baburch ben SBerih be3 93udfje§ ju fdjmälern, 
fcerratljen ihre gefränfte Sitetfeit. Sluf ©runb beffen, ate 



406 



and) über ben $i3put, ben tdj mit if)r ^atte über bcn SBertt) 
ber SKebiain, toobei fie bie Homöopathen für ©ötter, bie 
2lKopatt)en aber, ofjne 2lu3naljme, für SKörber erffärte, tua3 
burd&auS gegen meine Uebergeugung ift, unb toa§ iclj if)r 
auf rationellem SBege miberlegt Ijabe, §at fie midj jur SBieber^ 
Rötung meinet 33efudje3 nictjt aufgeforbert, unb idfj fyabe bat>er 
leine 2lu3ficf)t, baß meine SScr^ältntffe nur im entfernteren 
bur<f} fie gebeffert toerben fönnen. 

3^nen abermals meinen untertfjämgften S)anf für %f)v 
gnäbigfte£ SßofytooHen für midj abftattenb, fjabe icf) bie ©f)re 
ju fein mit ber größten |>odfjadf)tung unb ß^rfurdjt @tu. 
tyodfjfürftlidfjen $)urc§taud}t unb ebetften (Sönnern ., 
ganj untert^änigften 3)iener 

Sern^arb SBeiß, 
Sanbibat ber SRebi^in unb. Chirurgie. 



36. 

$elmine öon 33lüdfjer an Sßücfter. 

milit^, ben 25. aRärj 1834. 
Sfjeurer SBerftorbener, 

bodfj in meiner ©rinnerung freunbfid&ft gortlebenber , 2)u 
fjaft mir eine fe^r angenehme Ueberrafdjung getüä^rt mit ber 
Snfenbung Seinem jüngft erf d^ienenen , fjödfjft intereffanten 
SSerfeS, toetdfjeS idfj fogleidf) mit bem größten SSergnügen Ia£, 
unb toofür idE) 2>ir fjiermit meinen ganj öerbinbtidfjften Sani 
au^fpredfje. S)enn e3 freut midf) unenbtid), bie3 93udfj fcom 
liebenStoürbigen SSerfaffer felbft ermatten ju t)aben, too idj 
2)icfj mir, lieber Hermann, bei jeber 3^ite öergegentoärtigen 
fonnte; benn idf) glaubte ttrirftidfj, Stfdfj fpredfjen ju f>ören, 
fo natürlich unb ungezwungen — fcf)ön, ganj fo tuie £>u 
bie Sonöerfation ju machen pftegft, finbe id£) e£ gefdfjrieben. 

63 traf fiel) redf)t tounberbar, baß idE) ba3 83ucfy öorfanb, 
al$ ity eben t)on einem 9Rorgenbefu<f) öon ber feljr geift* 



407 



retten grau, einer 5ßrofefforin Sötoe, einer intimen greunbin 
ber öerftorbenen SSarn^agen öon ßnfe, jurüdKeljrte, bie midj 
inftänbigft gebeten 1)attt, mir bod) ja gleich „Sutti grutti" 
ju t)erfd£)reiben, ba tfyr eine greunbin aus Stuttgart, bie 
bieg pdjft intereffante 93udfj fdfjon gelefett, i^r eS feljr ange* 
^riefen unb i^r empfohlen Ijätte. 

©obatb idfj eS nun fetbft erft gelefett ^atte, fiefc idfj eS 
■Stabame Söioe ^ufommen, bie Sir fagett lägt, bajs Sie eben- 
falls gan$ etttjücft baöon ift. 

Unb nun jirfutirt eS bereits bei allen gefreuten öeuten 
in SWititfcJ), bie eS fämmttidf) mit großem gntereffe tefen. 

SBittft Su Seine ©nabe nun nodjj me^r auSbe^nen, fo 
fdjicfe mir bodf) audf) ttädf)ftettS bie 33riefe eines Serftorbenen, 
meiere 9Rama meinem ÜDtann, ttrie er behauptet, fdf)on längft 
üerfprodjen hat. 

9?un fage idfj Sir, mein lieber ^odfjfetiger, ein tyxfr 
lidfjeS Sebemo^I, unb ttninfdfje nur, baß Su in Seinem ©fc 
fium uns nicht gan^ fcergigt, ba Su ^ier in unfern £erjen 
unfterbfidf) bift. Seine treue aufrichtige 
greunbin unb Sietteritt 

|>elmine Don Stüter. 

P. S. 9Ramt unb Sfittb empfehlen fidfj $u ©naben. 



37. 

©räöelt an $ücfter. 

'Dgrofe, ben 26. 3Rärs 1834. 

SRtd^t eher, mein öerehrter gürft, als bis ich üon aHe 
ben grüßten genoffen, toomit @ie mich befdfjenft ^aben, mottte 
ich Seinen meinen Sauf bafür fagett*, toeil biefer nicht bloS 
bem ©efdfjenfe, fonbern auch bem ©enuffe gelten foHte, ben 
ich ertoarten fonnte unb gefunben f)abe. @S geht ganj 
natürlich h*, baß ein toaljreS Stetten um biefe Seftüre ftatt 



408 



ftnben mirb. 3)emt niemanb wirb fie au£ bcr $anb legen, 
ohne fidj melfach baran ergäbt, ober auch ein menig geärgert 
ju haben, ©in Retner ©cfjmerj aber mirft bekanntlich mie 
ein ffijjet. $aher mürbe ich am paffenbften ben Tanten: 
©ingemachte ober franjöfifdje ffrüd&te, gefunben ^aben, menn 
man bei ber teueren Benennung ^ättc ein NB. ^injufügen 
lönnen, bafc ba3 33eimort mir bie 93e^anblung be£ berühmten 
SodjeS, nicht bie grüßte fetbft unb beren Urfprung bejeichne- 
35enn ba§ motten tüir Seutfche boch nicht gulaffen, baß ein 
fo ganj beutfdfjeS Stationatmerf unferer Sitteratur entjogen 
toerbe. ®arin §at SSarnhagen fehr recht, bafj biefelbe burch 
@ie ein gang neues (Senre ber Schreibart erhalten fyat SBie 
3utiu3 Eäfar unter ben SRömern in 9lnfet>ung feinet ©ttyfe 
gan$ einzig ift, unb man barin fogleich ben 3Rann aus bem 
höchften ©taatSleben erfennt, fo müßte ich im 3>eutf<$en S^nen 
ntemanben $u öergteichen, menn ich ba£ SBenige aufnehme, 
ma3 mir öom Surften be Signe beutfeh ^aben. SRecht fefyt 
oft ift mir eingefallen 1 , mie unpraftifabel e3 gemefen märe, 
etmaS öon meiner geber p untermifdjen, ba auf ben erften 
©tief bie 33erfdf)iebettfjeit ber gebern bemerft morben fein 
mürbe. 63 ift ganj unmöglich, baß ber SEßettmann unb ber 
©elc^rtc einen 2tnftridfj annehmen, ba ber ©*unb, auf meinem 
er ^aften fott, 31t toerfdfjiebenartig ift, fo baft er bod£) immer 
# burchfdjeint, gumeilen fogar ben Stnftrich abftöfct. S)em SBeIt= 
mann fott atteS, ma3 er tf)ut unb treibt, ju feinen $totdtn 
bienen; e3 ift nicht bie ©adf)e 'felbft, bie ihn befcljäftigt, fon» 
bem feine Sefdfjäftigung mit ihr jum 9?u|en ober SBergnügen, 
ma3 i^n intereffirt. ©benbarum bleibt er bei feiner fo 
lange, baft fie ihn ober feine Umgebung ermübet, gef>t 
auch nid^t öcfw barauf ein, als ohne SInftrengung eben 
gefdjehen fann, fonbern ergreift auf ber Stelle etma3 
SlnbereS, ba£ ihm eine neue Sefd^äftigung gemährt. 2)at)er^ 
biefe Setchtigfeit be3 UebergangeS t)on ben t)erfchieben= 
artigften ®ad(jen, biefer SKeichthum unb Umfang be§ 



409 



SBiffenS, biefeS fdfjneKe 2fuff äffen beg Sntereffanten an ben 
Sachen, unb biefe§ fdfjarfe 3)urdfjbringen berfelben bis §u 
einer gegriffen Siefe, biefe ©ettmnbtjett int 9lu§brude b^r auf* 
gefaxten Semerfungen, biefe 93erüdfidfjtigung ber ju beobad&s 
tenben SSer^ältniffe unb biefe Sftüdficfytsrofigfeit gegen ba§ 
Uebrige, toeld&e eine grofce greifet ber ©emegung geftattet, 
mit einem SBorte biefe äRannigfaltigfeit unb Seidfjtigfeit in 
gorm unb SRaterte. Umgefefjrt bringt ber Seruf be§ @e* 
teerten e£ mit fidfj, bie ©egenftänbe ju burdjbringen, mit 
benen er fidj befaßt. 9lur bie Sadje befdjäftigt ifyt, gleich* 
triel ob, toem unb mann fein gunb frommt. ßr fann 
nidfjt abtaffen, big er auf ben ©runb gefommen ift, unb 
fürchtet bie Säufdfjung. 9ftit Unermüblidfjfeit, ©ifer unb 
$tef)arrlidf)feit Derfotgt er feine Stufgabe, unb toeift jebe 
Störung ober 9lbtt)eid£)ung öon ber §anb. ÜDtögen auä) feine 
3nt>örer gähnen, loenn er nur feinen Setben abtrudeln fann. 
3e met)r er in bie £iefe einbringt, befto Weniger öermag er 
fidfj ausbreiten. Sein 9Jeicfjtf)um fann groß fein, aber nid)t 
ausgebreitet. ©rünbtid^feit unb Sditoerfättigfeit ift fern 
(Srunbjug. 

2Röge nun immerhin ein ©efetjrter burdf) Umgang, 93eruf 
ober eigenen ©eiftegfdjttmng fid& unter bie Seute öon SBelt 
ftetten, möge ber SBettmann burd) ©efdfjmad, ©eifteSfraft 
ober Umftänbe an auSfjaltenbere Sirbett fidfj gewönnen, beibe 
• toerben baburd) gewinnen; aber baf$ fie jemals auf einer 
Sifte jufammenfämen, baju ift bie Entfernung §u grofj. 

©erabe barin liegt es, bafj fonft gute grüdfjte beiber 
aöemal bem SInberen am beften fd&meden. 60 §aben Sie 
midfj in ber £f)at ergö^t. 9ftef)r nodj Ijat mir ber erfte als 
ber stoeite 93anb gefallen. 5Wur eins Ijat mir mißfallen, bie 
®ebifation an SB. S)a3 toar SRutfjttriHe. Unb Uebermutf) 
t^ut feiten gut- Sie feigen, tdfj fpredfje midfj aufrichtig aus, 
nrie %ftx magrer greunb 

©räbeß. 



410 



2lm feiten Seiertage gelje idj auf tnerjetin Sage naä) 
SBerlin. £aben ©ie bie @üte, bieg 93etfjc $u fagen. 



38. 

SBaron bon Sogfjt an Sßücfler. 

§am6urg, bcn 26. 3Kärs 1834. 

Stuf bic erfreuftdfjfte ©eife f>at, erlaubter Surft, miä) 
Sfjr freunbficfjeä Slnbenfen überrafcfjt — nein, ntd^t über* 
rafdfjt, aber innigft erfreut. 3dj füllte e3, ©ie fönnten, 
liebenämürbiger Surft, ben SRann nicfjt ganj fcergeffen fjaben, 
auf ben ©ie einen fo f Quellen, fo tiefen Sinbrucf gemalt 
Ratten. 

SSon feinen ®inberjafjren an £)atte ein regeS ©efü^I für 
atte^ @Me unb Schöne itjn tüie ein lidfjter gaben burdfj bie 
Srrfate eines reiben, bunten, nidfjt gefatjrlofen Sebent glücflicij 
geleitet. SSon feinem jmanjtgften 3a^re an fjatte fein gütiges 
©dfjicffal ifjn mit ben erften unb beften SDlenfdjen au§ brei 
aufeinanber folgenben ©enerationen in mehreren Säubern ber 
©rbe, in brei langen ^erioben, in fetjr nafje SSerbinbung ge= 
bracht, ©ie Ratten bem Süngfinge 9ladjfidfjt, bem SRanne 
Buneigung, bem ©reife jutrauungSfcoHe Siebe gemährt. 

9Son biefem 9leidf)tf)ume umgeben, mitten in biefem, ber 
Srinnerung teuren, bem ^er^en ^eiligen $ixM, ber midjj 
geteert tjatte, ben ganzen SBertf) unfereS ©efdfjtedfjtS ju fennen, 
im Seben ben tjödfjften Smerf be§ Sebent $u finben, ftanb 
idfj, als idf) Sie, teurer Surft, erblidfte. ©ie roaren mir 
eine @rf djeinung au§ ber entfernten, erf ernten ^eimalfj; idj 
fd^Iofe mid^ an ©ie, ofjne ©ie ju| fennen; idf) nannte ©ie 
mit tarnen, ben bie SBeft nidfjt fennt unb nidf)t tjerfte^t. 

©o, mein teurer Sürft, gehören ©ie mir in biefen 
fjeiligen ßirfel, unb oft freue idfj midf) be§ ©ebanfenS, tt>a3 
©ie biefen @blen gemefen lüären, mären ©ie i^nen ttrie mir 
offenbart toorben. 



411 



So ftefien Sie mitten in meinen üebften Erinnerungen, 
machen einen Xfjeil be3 ©lücfe^ au§, moran idfj madfienb unb 
träumenb jebre. 

$d(j fjatte 3^re „Xutti grutti" fcfjon mie ein maljrer 
©djmecfer genoffen, |at§ \6) 3f)r gütige^ ©efdEjenf erhielt. 
SdE)ön, baß Sie nodf) neue grüßte für un§ gefammelt tjaben; 
(äffen Sie un§ nidjjt ju lange barauf marten — mie leidet 
muß 3$nen bit 9tu§mafjl aus bem SRand^ertei derben, mag 
in Syrern Portefeuille verborgen liegt! 

3Ba§ e£, mie e3 audE) fei, e§ trögt ©eifteS 
Stempel. Sdjerj im ©ruft; unb oft meljr Ironie, alä bie 
Sßerfifflirten barin afjnen; im Sd^erj tieferer ©ruft, als bie 
9ftet)rf)eit 3^rer Sefer barin ju finben üerfteljt — aber fie 
nehmen bie 3ftud(jt, unb genießen fie gern, meil fie itjnen 
fdfimecft. SBofjI befomme ifjnen bie SKa^Ijeit. 

9tber, guter, lieber Surft, Sie tjaben midfj nidfjt bloß 
erfreut unb reidfyfidj befdfjenft, Sie fjaben mir einen gar 
tieben^mürbigen SSorfdjlag gemalt, ber miclj ftofy macfjen 
mürbe, menn idf) mit bem Stolpe irgenb etma§ anzufangen 
müßte. Laudan a laudato Ijat aHerbingS fein Erfreuliche^ 
unb Sie werben teidjt an bie Stelle meiner Erinnerung^* 
büdfjer etmaS fe|en, ba3 biet beffer märe, aU idf) mar. E§ 
märe ba§ SBerf be§ ®ünftler£, ba§ bie 9ladjmelt eljren 
mürbe — mie fo mancher fjoHänbifdE)er Spießbürger burdj 
StubenS unb Dan $tyf auf bie Jiatfjmelt fam, bie fogar ba= 
burdfj ben obffuren Jlamen erfuhr. 

S)at ginge mol, aberft bat geit nig, antwortete 
mir ein benachbarter 93auer, menn icfj ifjm meine, agro* 
nomifcf)en SSünfd^e tmrlegte. — Seijen Sie, lieber gürft, 
idf) bin nicf)t3 in ber SBett. 3Ba3 idf) mar, marb mir fefjr 
öiel, benn e§ lag in ber Siebe berer, bie idj eljrte. 2)a§ 
überfefct ficfj in SBorten nidjjt. 

2>ie materiellen 5)ofumente f)abe idf) immer at§ ein 
£eiligil)um angefeljen, meil e£ ba§ innere meiner greunbe 



412 



unb mich mit ihnen, ben Ungetoeitjten, offen Einlegen toürbe, 
proeul heu! procul esto profani! 

Stoft ich ©ie in bie SBortjaHe be§ 2lllerheifigften, ba3 ich 
fenne, führte, §tc§ ©ie jum Sßriefter meinen. 

3Ba£ fonft üon mir ba ift, ljabe ich fd(jon in meinem 
leftamente ber prüfenben 2lu3toahl ber greunbe übertragen, 
bie meine gamilien*, meine bürgerlichen SBerfjältniffe gan$ 
fennen, unb meiner morafifdjen SScr^ältniffe alte Vertraute 
finb. 9lur fie fönnen beurteilen, toaä für bie ßeute brausen 
gehört; fie haben meinen Auftrag angenommen, unb auefj 
biefer SBunb ift ^eittg. 

Sie toiffen nun, toielgeehrter gürft, toa§ ©ie mir ge* 
toorben finb, unb toürben e$ mir fidEjerlidfj nicht öerjei^en, 
toenn ich Ijier ^ergebrad^te SluSbrücfe benufcen toollte, bie 
nur ba§ ©elüö^nltd^c bezeichnen. 

SSerjeihen ©ie bie frembe @djrift bem ©reife, beffen 
Slugenfchtoadje ihm ba§ Schreiben befchtoerlich unb feine 
$>anbfd£)rift fo unleferlich macht, bajs er fich an. ba§ ©iftiren 
hat getoöhnen müffen. 

t)on Sßoght. 



34. 

Sßücfler an S^eobor SJiunbt. 

SKuäfau, ben 27. 3Jlärj 1834. 
©eefjrtefter #err 2)oftor, 

®uer SBohtgeboren freunblidjeS unb gefällige^ Schreiben 
^abe ich mit aufrichtigem 5)anf für bie gütige, ju fchmeichel* 
hafte ÜReinung gelefen, bie ©ie barin über mich aufrechen. 

35er Sitef %1)xz8 3ournaI§ ift üortrefflidh getoähft, unb 
mit Vergnügen toiH ich -mit baran arbeiten hdfen, toenn tote 
bie Ouäfer fagen, ber ©eift mir ettt>a§ (Süchtiges) eingiebt. 

SDleitt fehr geringes latent belegt fid) leiber auch nur 
in einem fehr engen Greife, unb ^tatt einer Sßerfoefttoe nadh 



413 



toormärtS toüfjte ich Seiten in biefem Slugenbficf faum ettoaS 
anberä aU eine nach rücfmärtS anzubieten, ©agen ©ie mir 
offen, ob eine fotd^c Srinnerung aus alten Sfteifejournalen 
S^nen brauchbar erfdheint, too nicht, fo mitt ich mich be= 
mühen, mir, mo nicht ettoa§ 33effere3, boch toenigffceuS etttmS 
^affenbereS auSjubenfen. 

S)a iperr Don 83amfjagen e£ ift, ber ©ie mit mir be* 
fannt macht, fo fömten ©ie lüenigftenS auf meine gfcößte 33e* 
reitttriHigfeit rechnen, S^re SBünfche ju erfüllen, niemanb fennt 
aber auch beffer meine ©cfjtoädfje als 3h* unb mein gütiger 
tttterarifcher Sßroteftor. 

SBietteidjt bin idfj im ©tanbe, 3h ncn fpäter aus ber 
grembe ©enügenbereS mitzuteilen; einfttoetlen fühle ich mich 
für gefrifjenfteä Zutrauen berbunben, unb habe mit aufrichtiger 
£>ochacfjtung bie Sljre ju fein 

(Suer 2Bot)lgeboren 

ganj ergebener 

£. Sßücfler. 



35. 

^ücfler an Stlejanber bon SBuIffen. 

3ttu3fau, ben 27. 3Rärj 1834. 

Sßie fönnen ©ie glauben, befter SBuIffen, bafc ich über 
©ie lachen fönnte! 3^re SSorauSfefcung ttmr gar rtxtyt un* 
richtig. höbe nie ben dürften SBittgenftein betreffenb 

ettoaS anbere§ beabftcf)tigt, aU ihn ein tt)enig ju netfen, unb 
Iaffe übrigens bem mannigfachen ©uten, toaS er fjat, gern 
©ered&tigfeit toiberfahren. 9BiH er e§ tnbejg übet nehmen, 
mir auch recht. 

3)a3 Urtivit ^xtx S)ame (grau Don Duaft?) %at einen 
fonberbaren ©ffeft auf mich gemacht. @§ §at midfj tief ge= 
rührt. Oettrijs ift e3 eine fdfjöne ©erfe unb ein fdfjttrfer 



414 



©eift, bcr biefeS UrtljetI fällte, bennodj fann id) mit gutem 
©emiffen fagen, bafc fic mir Unred&t ttjut. 

Unbegreiflich ift eS, tüte fic mid) über EtjriftuS fo falfdj 
öerfteljt! SDiünblidE) mürben nur uns balb üerftänbigen. 
@ben fo menig gegrünbet ift ber Sormurf, gegen ®önig unb 
Saterlanb gefdfjrieben tjaben. ©egen ben S?önig nun 
fcljon gar nidjt, unb baS SSatertanb! nidfyt gegen, fonbern 
für bieS tjabe ici) gefd£)rieben. $er EfjtrurguS ift fein geinb 
beS Äranfen, menn er audE) empfinbfidfj an iljm fjerrnn* 
fdfjneibet; ift er ein Pfufd&er, tant pis. $)aS fann man iljm 
Dormerfen, aber nicfjt bie bloße 9lbficf)t, tt>etj ju tljun. 

mitt hmnfcljen, bajs, menn eS einmal jum klappen 
tarnt, aöe SBoltfrebner fo Diel Xreue unb Patriotismus für 
Sönig unb Saterlanb geigen mögen, als idfj mir bemufjt bin 
5U füllen — ber iclj übrigens gar fein preuöifcfjeS ®inb 
bin, unb baburdfj, bafc idfj ein Preuf$e marb, bie Hälfte meines 
Vermögens Derloren I)abe, unb Don 3)emütf)igungen unb 
Kflifanen ernährt morben bin. StmaS SBitterfeit märe unter 
folgen Umftänben ju Derlen, unb mer toeiß, luenn Sfjre 
greunbin Unterttjanin beS Königs Don ©ad£)fen geworben 
märe, ob if)r Patriotismus nodj fo gut tüte ber meine märe. 
UebrigenS fagen @te ^rer greunbin, baS Weine 93ud^, too 
mir beibe ^ufammen erfcfjeinen merben, foHe nur fo Diel 
atS immer möglich bie beiben Stimmen ertönen laffen, meldte 
biefe, midj feljr ergreifenbe grau am beften leiben mag. 
tjabe nichts Don bem tjödfjften Sob erfahren (ba§ eS ©dfjabe 
um midfj fei zc.) Don toem fömmt eS? S)er eS gefagt, f)at 
übrigens mirflidfj red^t. 3$ fü^Ie eS, bog eine geeignete 
Ifjätigfeit mir gut toäre, unb idf) meijs, baß niemanb mit 
foldfjer Aufopferung benen bienen fann, bie itjm ber* 
trauen; meine latente überfdjä|e idj bodfj feineSmegS. 

Heber mein SBudEj fotten Sie mir nun n^dfjt meljr fd(jret= 
ben, als menn Sie eS erfahren fönnen, unb $mar anbeutfidj, 
ob*unb mie fidfj ber ®önig unb ber Sronprtn$ barüber ge* 



415 



äußert, gferner, ob e§ getoiffe einzelne Stetten giebt, über 
bie man befonberä unjnfrteben ift, id& tv'iü fie bann too 
immer tfjunfidj, in ber ^tüeiteit 9tu3gabe ausmerzen. 

3m Sßublium f)abe idj meinen SPro^eß gewonnen, unb 
je mefyr geinbe unb greunbe ein SBudj tjat, je beffer — nidfjt 
ba§ ©djjmiüjen, nur ba£ ©dfjmeigen ift töbtliclj. 2)od(j genug, 
Styre 93riefe finb mir ein magrer ©enuß, unb icf) laffe ©ie 
fo leidet nidfjt ttrieber Io§. SBarum fiegeln ©ie immer jtoei* 
mal? ©egen ba3 Stuf machen Ijilft e3 nicfjtä, unb reijt nur 
baju. 

Styr JjerjIidE) ergebener 

$. $ücfler. 



36. 

Sßücfler an 33emljarb SBeiß. 

ailuöfau, ben 29. äRärj 1834. 

ßieber Söeiß, 

SBenn ©ie ben SRebafteur ber „©taat^eitung" felbft 
fennen, ober einer feinet greunbe, fo fagen ©ie iljm, baß idj 
fe^r tootjl ifjn toon feiner Beitung $u unterfdjeiben roeiß, unb 
mein ©dfjer^ aud£) nur ber teueren gilt. 

UebrigenS ift ba3 Statt über auSlänbtfdfje Sitteratur 
toirflidfj eine $öd(jft intereffante unb geiftreidj au§gemäf)Ite 
Seftüre. 

@3 tljut mir leib, baß e3 mit ber Strnim nicfjtS ift. 
©ie Ratten aber politifdfjer fein, unb gleicfj jur Homöopathie 
umfatteht fotten. SRit ben SBöIfen muß man Reuten, too bie 
■äßoralität nidf)t barunter leibet, fonft getjt e§ einmal nicfjt in 
ber SBeft üornmrtä. 

Stbteu. 

£>. $ücf(er. 



416 



37. 

dürftet an ©rätoelt 

aJiusfau, bcn 30. 9Kärj 1834. 

SBenn e$ mir möglich ttmre, ju glauben, toaS ©ie mir 
©dmteicfjefljafteS fagen, fo mürbe e$ midj au3 Syrern SWunbe 
Diel 5U eitel madjen. 

dagegen begreife idfj ^fjren Xabel ber 2)ebifation audj 
nidfjt, ber burd&auS nidfjt ü&el, fonbern nur aU eine Heine, 
toie micf) bünft, fc^r unfdf)u(bige 9lecferei fon^ipirt ttmrbe, 
unb im Sobe toirffidfj $um %f)t\l meine aufridjtige SReinung 
auSfpridfjt. 

S)er gürft t)at stoar felbft affeftirt, feljr bö$ barüber 
ju fein, ttmS fid£) aucfj fd£)on lieber gegeben tjat, unb idf) 
glaube nicfyt, bafc man itjm feljr baburd^ bie Sur gemalt 
tyaben toirb, in fein #orn ^u blafen. 

®ie Sßrinjen fjaben mein S3ud^ gut aufgenommen, unb 
?ßring ®arl mir einen äugerft freunblidfjen SSrief barüber ge* 
fdjrieben. Seim Äönig toirb e3 2lbenb3 toorgelefen. Slnbere 
finb entgegen, unb namentlidfj bie £>ofgefeöfdfjaft 2lnta£*>* 
niften beffetben. SKir ift ba3 atteS ein blojgeä ©dfjauftnet, 
benn td) ljabe mit ben Slnfprüdjen an ba£ Seben fa äiemlidj 
abgebrochen. 

Segünftigungen ertoarte idfj nidjt unb gegen 2lnfeinbung 
tt>erbe idf) midj wie ein toller §unb Wehren. 

3$nen aber, ber nodfj toiel erlangen unb ©rofteg leiften 
fann, toünfche ic§ Don ^er^en in Söerftn befte Verrichtung, 
unb bleibe 3eitfeben3 

®uer #odfjmofjIgeboren 

aufrichtig ergebener 

$. «ßücfter. 



417 



38. 

Sllcyattbcr öon SBuIffen an Sßücfler. 

SBerltn, ben 4. Slpril 1834. 

©ie befifcen t»tcl meljr £erjen3güte aU idfj, foeil ©ie 
biet meljr SSerftanb mie id) Ijaben; idj Ijabe midfj über ba3 
Urteil metner EoufineSuife Don $tn$t geärgert, ©ie ljaben 
e§ in einer rüljrenben SBetfe aufgenommen. 9tadj meinem 
Urtfjeile fyat fie 3$nen über Religion Unredfjt getljan, unb 
roaS bie ©teile über Sfönig unb SSatertanb betrifft, fo ijabe 
idj ifjr barüber gleidj ben ®opf gemafcfjen, fie f)at fie tro| 
ifjrem SSerftanbe nidjt toerftanben. ©3 mürbe oft ferner fein, 
ben Patriotismus, ber toon ben 93ef)örben mie t>orfe|Iidf) er* 
töbtet toirb, ju betoaljren, foenn er nidjt aus einer reineren 
Quelle flöge. 2)iefe 93ef)örbenmänner finb ganj abnorme 
9Renfd)en, Sertö, mie ^eralbifd^c Sfjiere. SRan §at mofyt 
ba3 Sledfjt, über ba3 empört $u fein, toaä ein ganjeS Seben 
über ©inen raffinirt plagt. — 

©ie Ijaben Siecht, Sljr 93udfj f>at ben Sßroaefj gewonnen, 
unb bie Elften fönnen barüber gefdfjloffen merben. 2tudfj 
follen ©ie ljeute baS Ie|te 3?Öort barüber Ijören. SBoljl 
merben einzelne Stetten barüber getabeft, aber tljeite mit 
unerljebficijen ©rünben, tljeite Don unerljeblidfjen äRenfdtjen. 
$>em „berühmten SanbSmamt" tljut, Mo3 au§ Siebe für ©ie, 
br ©teile ü6er ba§ atte £>au$ SDlalefe toelj. $)er Äönig 
fott bie ©teile über Drben gerügt Ijaben, unb jtoar fetyr 
ftreng, mie ber SSorlcfer behauptet; biefer fann aber audfj 
ben ©inn falfdfj fcerftanben fjaben, menigftenS ift'3 ber nämlidje, 
ber, ate untängft ber Sönig ifjn fragte, in meldfjer ©podje 
eigentlitf) #amlet fpiele? ermiberte: „big 8 / 4 9 Uljr!" morauf 
ber ®önig bemerfte: „2tdj, baS meine idj ja nidjt!" 93ettt), 
bie ben SSogel abfliegen mollte, meinte berbeffernb: „Qfdj 
glaube Stnno 15.000!" „„914 ba§ fommt ja erft no<$!"" 
fagte ber ®önig. SOtan fann fe^en, mie jutoeilen 3Ronardjen 

$ücflet, ©tiefaedjfel unD Xagcbüdja. VIII. 27 



418 



beraten finb, unb bodfj finb fold^e ttmfjrlidj bie fdfjümm* 
ften nic^t. 

$)ie SBcfd^rcibnng gljrer. Suftfaljrt unb SReife in'3 ®e= 
birge f)at bcr ®önig bcfonberS fdfjön gefunben, unb bie§ 
toäfjrenb beut Sefcn njicberfjolentltc^ geäußert. Ueber bie 
2lblöfimg$t>erljäftniffe Ijat er gegen ben Säbel be3 S3organg§ 
S^re Säuberung für nid£)t unrichtig erflärt, einmal mit ben 
ipinjufügungen : „toenn Sie Stecht Ratten, fo fei bagegen 
freiließ Sf)r #err ©djttueger&ater ber ©dfjöpfer biefer (Sin* 
rid&tung getoefen." 3Kan erjagt, baß, aU xfym ba3 be= 
treffenbe ©efe| jur SßoUjie^ung vorgelegt morben, er bog 
erftemal gefagt Ijaben foH: „$5ie 9tittergut§befi|er müßten 
Sporen fein, wenn fie fidfj ba§ gefallen liegen!' 1 

S)er Äronprinj ljat fidfj über 3^r 93ucfj nodj nidfjt au3* 
getaffen; bie ^ßrinjeg SSil^elm aber unter begeiftertem Sobe 
jene gfjnen Berichtete @y Kamation auSgeftojsen, unb idj fage : 
nxfy fcfjabe um ©ie, aber fdjabe um bie Soften, bie ©ie 
befleiben fönnten unb nidf)t bef leiben. 2Ba3 Sie für ben 
©roßeä leiften Würben, ber ^tjnen vertraut, baöon fann 
niemanb lebhafter burdfjbrungen fein atö idf), unb jtoar t>or~ 
jug^toeife aU ©eneral! unb babei fönnten ©ie miefj jur 
Seite fjaben: ba§ Hingt unftreitig feljr täcijerlid}, unb enthält 
bodj üielleidfjt ettuag 3Bat)re3, ober ljat tüenigftenS ettt>a§ 
SBatjreS entsaften. 

, 3d£) eile jum ©djluffe, iubem id(j bie Sortbauer %$vt$ 
miefj begfttefenben freunbfcfjaftticfien SBoIjltooHenä reffamire, 
unb bin unb bleibe Ijier tt)ie überall 3$nen treu unb innig 
ergeben. 

SBulffen. 



419 



39. 

Sßücfler an Sßräfibent bon 9tot^cr. 

3Jht§fau, ben 4. 2lprtt 1834. 
SSereljrtefter £err $räfibent, 

3dj bin fc^r unruhig barüber, feine 9tad)ricfjt toon 3^nen 
ju erhalten. ©ie haben bodf) feinen StücffaH S^rer Sranf* 
heit bekommen? — 2)a§ toäre ba£ ©chlimmfte. Ober ift 
3$nen ettoa£ an „Sutti grutti" nicht recht, unb finb «Sie 
ungehalten auf mich? 2)ann bitte i<$ nur, mich fchnett aus- 
§ufdjmälen, bamit nrir'3 beibe toom §erjen ^aben. 

3n ad&t Sagen fangen bie Sluerfjä^ne ju ballen an, 
wenn milbeS SSetter eintritt, dürfen ttrir un§ noch mit ber 
Hoffnung fchmeichefa, ©ie felbft ober 3^ren £errn ©ohn bei 
un3 ju feljen? 

Sötern unglücflidjeS ©artentoerf ift immer noch nicht gan$ 
fo toeit, ba§ ich abreifen fann. $)och ift biefer äRoment ber 
tängfte Sermtn. " 

SBemt bei $$xtn je£t fo angehäuften ©efcfjäften ba$ 
Schreiben ©ie felbft infommobirt, fo bitte ich nur igemanb 
aufzutragen, midE) ttriffen ju (äffen, hrie e§ mit S^rer ©e= 
funbljeit gefjt, unb ob Sie mir Ijolb unb gemärtig finb; 
enblidj, ob 3h* |>err ©of)n un§ mit feiner ©egenroart beim 
9luerhafjnbalj erfreuen tüiH? Sarolatf) unb mein S3ruber 
J&fybttvty treffen ben 14. 9lpril fytx ein, auch ©raf ®p3poth; 
fonft niemanb. 

%<f) empfehle rnid^ 3h rer ®ü* c unb greunbfcfjaft, unfc 
bleibe mit f)öd£)fter 33eref)rung 

Suer £ochtt)ohIgeboren 

banfbar ergebener 

$. pcfler. 



27 



420 



40. 

5ßücfler an §erm öon Unrul). 

SRuöfau, ben 4. Eprtl 1834. 

£odjgeeijrtefter £>err 3ufti^9latfj, 
* SBeifpiefloS unglüdftidfj ift e£ mir bieSmal mit (Suer 
£odfjh)of)Igeboren gegangen. 3n großer ©ile nnr fo furj als 
möglidfj meine Sntfdjulbigungen. 

2)er ©runb, baß idj einem gettriffen 33udje einen Sauf- 
fettet nadtfdjicfte, toar ber Umftanb, baß ber S)iener, ben id£) 
mit bem Eoutoertiren beauftragt fyttte, ben Xag barauf ab* 
ging, unb idfj nun beforgte, er Ijabe eine ®onfufion gemalt, 
toie e3 leiber fici) fdfjon mit einem anberen äfjntidjen ?ßadete 
enthüllt Ifatte. £infidfjtlidfj be£ SJerfufteS ^xtx Sante tjaben 
©ie ganj richtig erraten, baß idj mir nidfjt träumen ließ, 
toeldjen großen unb fd^toeren SSeriuft ©ie Ijier erlitten. 
Stemmen ©ie mein ljeralidEtfteS 93eileib freunbftd) auf, benn 
SSertoanbtfdfjaften finb toenig, Siebe ift alles! 

$)aß idj, obgleidfj ganfl unfdfjulbig unb unbetoußt, auf 
ba3 2tnbenfen 3$re3 beworbenen £>errn ©dfjtoiegerbaterS 
ein falfdfjeS Sidfjt getoorfen, madje idE) mir $um tjerbften SSor- 
tourf. Sdfj fjoffe, ©ie toerben mir erlauben im britten %f)til 
bieS nebft einem Sfjeil S^rcö ©riefet als möglidjfte SBieber* 
gutmadfjung abbruden taffen ju bürfen. 

Cerjeüjen ©ie unb 3$re grau ©emaljlin mir, mag idfj 
ofjne üble 2tbfidfjt berfefjen, benn niemanb fann folcfje SUtänner, 
toie ©ie mir ben ©d&toarätoalbauer fdjilbern, ljöljer eljren 
unb lieben als idjj, beffen ©atyre ttuffentlidfj nur auf fdjledjte 
unb einffußreid&e ^ummföpfe fallen foff, aber ba audj oljne 
©dfjonung. 

©eneljmigen ©ie jum ©djtfuffe bie Itrieberljolte SSer= 
fidfjerung meiner aufridjtigften #od&ad)tuttg unb STntjänglidf^ 
feit, mit ber idj ftetS fein toerbe 
©uer #od£)tt)of)Igeboren 

ganj ergebender Sßüdter. 



421 



41. 

Sljeobor äRunbt an ^ücfler. 

«Berlin, ben 5. Slpril 1834. 
2)urdjlaud)tigfter gürft, 

®uer 2)urdftfaucht bereite Bufd&rift, bie idf) fo glücfttd) 
mar, bur<h ben £errn ©etjeimen Segation£rath üon Sßarn* 
{jagen $u erhalten, gemährt mir bic freubige unb ^öd^ft er- 
münfdfjte 2lu3ftcfjt, ba§ Unternehmen be§ neuen Sonrnafö 
unter $oü) ^xm ^etlbebeutenben 2luftri$ien beginnen ju 
bürfen, inbem e$ mich sugleich fo fütjn macht, @m. Durch* 
taucht fdfjon mieber öon bem, toaä bie§ noch ungeborene Sinb 
"ber 3eit angeht, ju unterhatten. 3hm $ i e fe* toenigftenS 
bie ?ßerfpefttoe gemorben, bajs e£ leben mirb, ba e£ an bem 
ho^en SSerfaffer ber 33riefe eines SSerftorbenen, menn ich We* 
fagen barf, einen ©djufc feinet jungen DafeinS gefunben. 

2Rit banfbarer Stnerfennung \cAt ich in §odf) Sh ren 
Seiten, mit benen ich beehrt morben, bie gütige Sicherung 
gelefen, bafc mich ©m. Durchlaucht fd£)on balb, öießeidfjt für 
ba§ erfte ^>eft ber Beitfcljrift, ba§ idf) am 1. S^ni b. % atö 
Probeheft erf feinen laffen muf$, mit einer Erinnerung au$ 
einer öfteren Steife ju befcfjenfen gebächten. 3>ch freue mich 
mahrhaft barauf, unb mage h^t ganj getjorfamft barum gu 
bitten, baß ©m. 3)urcf)(aucht, biefer freunblichen 33erheif$ung 
gemäfj, geruhen motten, burdfj Ueberfenbung jenes 33eitrag§ 
ba£ erfte #eft meinet Journals ju bereitem. SReifeffi^en 
fcheinen mir gerabe immer eine befonberS mittfommene ©abe, 
ba fie, möhrenb manche anbere formen ber fitterarifdfjen £)ar* 
ftettung gegenmärtig abgemattet unb erfdfjöpft fütb, jebeSmal 
ben Sortheif ber unmittetbarften SebenSfrifdje für fich §äbm, 
unb oft eine neue 2trt ber Beleuchtung ber ©egenmart ge* 
mähren fönnen; unb erlauben mir @m. Durchlaucht au§ju= 
\pxtä)tn, baß gerabe Sterin at(e§, ma£ au§ #och 3h rer Seber 
gegangen, für mich mie für ba3 gefammte *ßubüfum biefen 



422 



sigentfjümlidj neuen SRetj Behauptet, ber fcmm früher in einer 
ähnlichen 2lrt auf bem gelbe ber Sitteratur geübt toorben. 

•SRit bemfelben ehrerbietigen 2)anf erfenne ich and) @to. 
2)urchlaucf)t gezogene 3ufage, mid) aud) fünftig^in mit gü= 
tigen SRittheilungen au§ ber grembe, ber grud)t einer neuen 
tnefoertyrecfjenben Steife, ^od^geneigteft beehren ju Sollen, 
unb bitte fdjliefclich bie tieffte unb beöotefte SSere^rung $u 
genehmigen, mit ber ich ©hte fyabt, mich ju nennen 

@to. Durchlaucht 

ganj gehorfamer Liener 

$r. Sheobor 3Runbt. 

42. 

<$raf griebrid) bon $ücfler an $ücfler. 

^otSbam, ben 9. Styrtt 1834. 
SSerehrtefter ©djtoager, 

Steine freunbtichen mohtoottenben StiUn erhalte ich fo 
eben, unb beanttoorte fie ©einem SBunfcfje gemäß fogleich, ob* 
gleich id) glaube, baß e£ fold^e ©ile nicht §at, unb 2)u ben 
3Kai abwarten toirft, um ben ©inbruef be3 grünenben unb 
blühenben 9Jlu3fau§ mit hintoegäuneljmen. SSorerft banfe xd) 
2)ir tyx$i§ für Steinen ©lücfttmnfch, beffen befter Xtjctl^abcr 
tpohl unerfüllt Weiben bürfte, toeil ich überhaupt fein ©tücf 
habe, unb ein ©olbat, bem biefeä nicht lächelt, tote griebrid) 
ber (Srofce fehr richtig fagt, toeggejagt toerben muf$. 5)amit 
biefeä nun nidjt noch geflieht, toirb e3 toohl ba§ 93efte fein, 
ba£ prevenire $u fpieten. lieber „Xutti grutti" hört man 
bie öerfchtebenften toiberfpredjenbften 3Reinungen, {ebenfalls 
ein $t\d)tn SBertheS unb gntereffeS, toeldjeS biefeS SBerf 
erjeugt. SSiele finb enthufia^mirt , unter anberen ©chinfel, 
unb meinen, toie Derbienftlidj e£ fei, toenn ein SJlann nrie 
S)u, in fo unabhängiger Stellung, auf öffentlichem Sßege 



423 



biefe 33auern= imb ^ufti^aScr^ärtniff e aufbecfe, bie auf feinem 
anbeten SBege an bie große ©locfe %u bringen finb. 

SBeamte äußern, S)u gerabe hätteft gar feine Urf ache, 
Sich 5U befdjtoeren, inbemSu, mag f einenf 9tnberen gemährt 
toorben, entfehäbigt Horben tüäreft. 3cfj fpredje öon Urteilen, 
bie mir inbireft pgefommen finb, unb bie baljer nicht toer* 
tljeibigt merben fönnen, tt>eld^c§ ich jfoar nicht unterlaffe, ob= 
gleich ich fühle, baß mir in biefen fingen bie nötfjigen @e* 
fchaftg* unb ©efefeeS^enntniffe fehlen. Sie anberen $rinjen 
unb $rin$effinnen fotten mit ihrem Urttjeile fehr pfrieben 
fein, befonberg 5ßrin^ Sari, ben Su tootjl $u günftig be* 
urteilt — benn bie Unfdjulb ift too^t Don ihm nod) nicht 
fc^r bertfjeibigt Horben, unb bieß mar ja eine ritterliche 
£auptyflicht. 

SBittgenftein meinte unter anberen, fcfjon im SSerftorbenen 
hätteft Su ihn mit ber ©otfc jufammengemengt alg gürft 
SBeife, jebodj märe bieg boch üerbeeft gemefen, unb Su hätteft 
bie^ mieber gut ju machen fucfjen, um fo meniger ^abe er 
einen erneuten offenen Angriff ertoartet, benn biefe SSorrebe 
fei einer, unb bag bar in enthaltene 2ob mache biefe Stbficfjt 
erft red^t auffattenb. Sag fäme aber bat)er, meil er manche 
|>anblung nicht gebilligt, unb meil er immer %1)tH genommen, 
auch fön £ e *)* gehabt. %n „Sutti grutti" berief}! man 
noch eine ©teile auf ihn, too bon einem gepuberten £aupt 
unb bem SKinifter bie Siebe ift — i<f) fann jebodj jefet nicht 
nachfehtagen, mie ich tüoljl münfcfjte, ba Seine „grutti" noch 
immer herumfchtoärmen. ©ntfchulbigen, meldheg idh nach beften 
Gräften gethan, mar recht ferner, unb mag audh tooljl nicht 
gelungen fein, benn idh * am nur ^ e Änftd^t beg gürften in 
biefem fünfte feilen. $ch befinne mich nicht, ob idh 
mie mir ebenfaUg SSittgenftein erzählt, berichtet, baß Sein 
SSenecfe untröftlich ift. 

Ser 3Rarfcf)alI ©raf SSittgenftein ift abgereift mit Dafen 
befchenft, unb Drben für feine Söhne auggeftattet. 



424 



yiad) Petersburg eingelaben, toerben ber Kronprinz unb 
bie ffronprinjeffin im Sunt baljin reifen, unb bei ber 9tetoue 
in Königsberg mit bem König lieber jufammentreffen. 

Sottum, glatibt man, toirb ©taatsfan^er toerben. Sät 
bie -Jlad&ridjten toon SouiS banfe id& fe^r. 

9?un nodj eine Sitte, un£ bodE) ettoaS toon Steinen 
SReifepIänen mtffen taff en , ober reifeft $)u otyne *ßlan 
— bann toäreft 2)u bo^pett beneiben. S)ie Snglänber 
nennen jefct eine Steife naefj ber Xürfet, ©riedjenlanb unb 
(Sgt^ten: la petite journöe. SJlun, bafc S)u biefe glüdKtdj 
beenbeft, unb nidfjt gan$ toergifct ber ljier ßurücfMeibenben, 
bittet 

3)ein ^reunb unb SSetter 

pcfler. 

2)a, toie ba§ alte ©prüdfjtoort fagt, alle guten 3)inge 
brei finb, fo fage idfj S)tr hiermit jum brittenmal ein 
fjerjIidfjeS Sebetooljl — lieber aber nod) toitt icf) bei ©einer 
Slüdfefir 2)idj breimal SBiHfommen feigen! 

2)ie angelegentlichen ©mpfefilungen an Sucie — idjj 
§a&e feljr bebauert, t)on üjrem verlängerten Slufent^alt in 
93erlin ju fpäte Kunbe erhalten ju §aben, benn fonft ljätte 
idfj fie getoijs befugt. 

©eine treue ©d^n>efter 

9lgne£ $ücfler.. 

•Steinen tjerjlid&en ®anf für „Sutti grutti" mufc idfj 
®ir aud£) nodf) fagen — fie tjaben mir manche frolje genug* 
reiche ©tunbe fcerfdjjafft, unb mit greuben §abe idj ftetS in 
ba§ Sob berfetben mit eingeftimmt! — 



425 



43. 

Dberft öon ®urffel an $ücfler. 

Sonn, ben 10. 2Iprü 1834. 
©urdEjlaucfjtigfter gürft, 

©uer 2)urdfjlaudfjt nennt bie allgemeine (Stimme als 93er* 
f äff er be£ eben unter bem Xitel „Xutti grutti" IjerauSge* 
fommenen SudEjeS. 

3)a feör ttridfjtige ©rünbe für midfj befteljeri, ben Stamen 
be£ £errn SSerfaffer^ getoif} f ernten, fo erlaube iclj mir, 
bei §ödfjftbenenfelben ergebenft anzufragen, ob ba$ ©erüdfjt 
bie SBa^r^eit erraten Ijat, unb ob ©uer 2)urd(jlaud(jt SSer= 
f äff er be3 genannten 33udje£ finb? 

Snbem idEj @uer £)urdEtfaud(jt redfjt bringenb um eine 
balbige genügenbe 2tnttoort erfuc^e, öerbinbe idfj bamit bie 
ffierfi(§erung ber auägezeidEjnetften £ocfjad)tung, mit ber idj 
bie @fjre fjabe ju »erharren 

©uer 2)urd(jtaudE)t 

gan^ ergebenfter S)iener 

Surffei, 

Dberft unb ffiommanbeur be3 
7. Ulanen=3?egiment3. 



44. 

sßräfibent öon ätotfjer an $ücfler. 

Berlin, ben 12. 2tprü 1834. 

©uer 3)urdfjtaud(jt 

lefcteS gütiges (Schreiben fcom 4. b. SOI. Ijabe idEj ebenfalls fo 
ttrie bie früheren ju erhalten baä Vergnügen gehabt, unb 
bitte Ijöflid)ft um ©ntfdjjutbigmtg, bafc idfj mit meinen 9tnt* 
Worten in SRücfftanb geraden bin. Sein Stücffall in meiner 
Sranffjeit ift Urfadje, auä) bin idfj über „Sutti grutti" nidfjt 



426 



ungehalten, obgleich ich @ie roegen einzelner ©egenftänbe bodj 
tüchtig auSfchelten möchte. Seiber ift aber hierin nichts mehr 
$u änbern, unb ich muß mich mit Sfjren eigenen ©ntfdf)uk 
bigung^morten „Sugenb !)at nicht Xugenb" tröften. 

Sonnte benn bie 3ueigmmg nidf)t unterbleiben ? 3dj fann 
S^nen bie Sleußerung nicht jurücf^alten, baß idf) gerabe biefen 
Schritt feljr mißbillige. 

Euer 2)urdfjtaucljt fo fe^r gütige unb freunbliche ©in* 
tabung für mich unb meinen Sohn $um 9luerhahnbat$ fann 
ich ju meinem größten Stebauern nicht gotge leiften. S)a§ 
SBetter ift ju fchtedjt, unb meine Sferjte verlangen, baß idj 
eine Heine SReife mache, ohne mich einer ©rföltung au3ju= 
fefcen. 3$ fott mich Dom 2trbeit£tifdfje entfernen, unb meine 
Steröen in ber Suft ftärfen. Qdj »erbe baf)er üier^e^n Xage 
nach ©achfen, SSeimar k. ohne aße ©efdfjäfte reifen, unb bahin 
fott mi<h meine gamitie — auch mein Sohn mit feiner 
grau — begleiten, um beim -JlicfjtStfjun einige Unterhaltung 
ju fyabtn. 2)aß ich jur Seit be3 Söa^eS mit meinen @e= 
banfen immer bei 3hnen unb 3h ren öon wir hodfjfcerehrten 
^agbgäften fein toerbe, fönnen @ie fidfj woty fcorftetten. 

©raf Stoftifc läßt fidEj bei 3h ne K burdj mich ajtfagett; 
er Witt nach JRinbfd^en unb gebenft am 17. b. ÜDt. burefj 
SRu^fau ju fommen, fich Shnen üorjufteßen unb einen 
Sluer^ahn ju fließen. 

3)er grau gürftin Stordfjlaucht bitte ich mich ju ©naben 
ju empfehlen. 3h nen a & cr / me * n hochverehrter gürft, empfehle 
ich Sefferung, befonber£, toenn Sie bie geber in bie £anb 
nehmen, um „Xutti grutti" ober ettoaS ä^nlid^e^ ju fdjret* 
ben. UebrigenS toerharre ich mit wahrer Verehrung unb 
empfehle mich angelegentlichft unb gehorfamft 

3tother. 



427 



45. 

$ücfler an bcn Dberft turffei Sonn. 

3Ru§fau, ben 17. 2tyrU 1834. 
ipochtoohtgeborner £err Dbcrft, 

©uer £>ochtoohtgeboren geehrtes ©djreiben Dom 10. 2fyrtf 
habe ich erhalten', im Segriff, eine Steife nach ©riecfjentanb 
anzutreten, unb eile 3h nen auf bie an tnid) gerichtete gtage 
ZU erttriebern, baß biefelbe tooht nur auf einem Sorthum be* 
ruhen fann, ba mein SJiame nicht auf bem Sitelbtatt beS 
öon 3h«en angeführten 33uchS ftefjt, unb berfetbe bafjer nicht 
mehr toon mir als üon jebem Slnberen h^urühren fupponirt 
»erben fann. 

SSie man glaubt, f ollen mehrere 33er f äff er bar an ge* 
arbeitet h<*ben, ttrie auch an ben früher erfdjienenen Briefen 
eine§ SSerftorbenen. ^ebenfalls ttrirb ©uer ipochmoljlgeboren 
nur ber SSerleger beffelben genügenbe SluSfunft barüber geben 
fönnen, öon mem eS gef trieben ift. 

(genehmigen Sie, §err Dberft, bei biefer ©elegenhett bie 
SSerftcherung metner ausgezeichneten Hochachtung, mit ber ich 
bie @h*e h a & e m ^ 5 U unterzeichnen als 

G£uer £ochtt)ohfgeboren 

ganz etgebenfter Liener 

^ermann, gürft toon $ücfter=9RuSfau. 



46. 

*ßücfler an iperrn üon SSaerft, 9tebafteur 
ber „SreStauer Seitung". v 

©djlofc 3Ruöfctu, ben 24. 2lpril 1834. 

Euer ^ochtoohlgeboren 

haben in 9lr. 91 ber „ SreSlauer ßeitung * eine SJiotiz auf* 
genommen, morin ich als Stutor beS SBerfeS „Xuttt grutti" 



428 



genannt bin, unb sugleidj eine äRittheilung über beffeit 3n* 
halt üerfprochen. 

©o fe^r fid^ auch ber 2lutor biefeS SucheS gefdEjmeichett 
füllen wirb, eine ^Beleuchtung feiner Schrift in einem fo ge* 
arteten Statte ju finben, als bie fcon @uer ^odjwoht*- 
geboren rebigirte S^itung ift, fo rnufc id(j bodfj ergebenft 
bitten, meinen Stauten ex nexu ju laffen, ba ich mich nod) 
nirgenbS für ben Serfaffer jenes SßerfeS ausgegeben ^abe, 
unb überbieS bie 5ßrtoatmeinung ^ege, bafc eS öon mehr afe 
einer $erfon gefdfjrieben würbe, unb baljer inetteidfjt mehr 
SSäter $at, atiMS Sefer toerbient. 

3d(j fdfjftefce mit ber Sitte, biefeS (Schreiben in Syrern 
Statte gefättigft aufnehmen ju Wollen, unb augteich bie SSer- 
fidfjerung auSgejeidfjneter Hochachtung ju genehmigen, mit ber 
dfj bie ©hre habe ju fein 

@uer |>ochwohtgeboren 

ganj ergebender 3)tener 

gürft toon $ücfler*äRugfau. 



47. 

©räbell an 5ßücfler. 

Dgrofe, ben 6. 3Rat 1834. 

gür ben neuen SeweiS 3^rer Stjeitnaljme unb ShreS 
SRechtSfinneS banfe ich Shnen ^erjtid^, mein bereiter gürft, 
obgleich ich fe^r Reifte, bafc 3h r SerfudEj irgenb einen @r* 
folg haben Wirb. @t... f)at offenbar in ber Sache nichts 
tljun »ollen, unb jefct fann er nicht einmal mehr etwas thun. 
Saffen Wir bie @adje gehen! S)ie Sorfeljung Weyarn befielt, 
tooju alles gut ift. £anbeft ber 3Renfch nur fo, bafe er ftch 
t)or ihr nicht ju Verbergen brauet, fo tljut er gewifc am 
beften, wenn er ftch *h r bie Strme wirft. <5o h&b' ich 



429 



immer gehalten. Dljne trgenb eine 3Kenfdjenfurdjt f)ab' id) getljan, 
toaä id) für red^t erfannt tyabe; um bie Solgen fyaV id) mid) 
feiten fcorljer befümmert, e£ fei benn, wa§ auf ber SBett unb 
unter ben 9Jlenfdfjen nidjt fetten ber gatt ift, bafc politifdie 
SRüdfidjten felbft mit in bem Steife ber ju beobadjtenben . 
Sßftidfjten eingefd&Ioffen Waren. Sin idj bamit gleidfj nidEjt 
SDltttifter geworben, fo bodfj ein 9Jlann, ben Sie unb mancher 
anbere hadere SRann unb manche Srau lieb gewonnen Ijaben, 
unb ber immer fatt ju effen gefjabt fjat. <5o Ijab' idj meinen 
©leidEjmutf) unb fröfjlidjjen @inn behauptet, ben idj waljr* 
fd&eintidfj Ijätte an ben Stagel fangen müffen, wenn xd) mid) 
in ba$ ©etriebe be$ fjöfjeren <Staat3bienfte3 Ijätte einreiben 
laffen. ©in$ ift beffer als ba3 anbere. 3ßa§ ift au3 
©t — ©elbftftättbigfeit geworben? SBenn ein fold^er ®opf 
fidfj wie eine SBinbmüftfe nad) 'bem SBinbe breljen muß, um 
fein Sageroerf ju vollbringen, wie foßte ein minber begabter 
©eift feiner eigenen Ueberjeugung ju folgen vermögen? ©in 
alter ©dfjutfreunb, üon bem idfj feit neunjeljn Sauren nic^t^ 
gehört tyabe, f cfjreibt mir jefct: xd) vernehme, baß $)u in 
einem falben Safjrtjunbert nodEj nidjt Weife genug geworben 
bift, um ben £of unb beffen Stälje ju öermeiben. 3>er 9Jlann 
Ijat in 33e$ug auf mid) mir Unredjt getrau; aber in ber 
©adje fjat er 9?edjt. UebrigenS f)ab' idj Von Serlin nodEj 
feinen Sefdfjeib erhalten, muß alfo nodfj etft abwarten, wie 
bie bortige Sßotitif ben Snoten ju löfen ober $u ^erfjauen 
angemeffen erachtet Ijaben wirb. 

3f)r SBein tjat mir fcortrefftidfj gefdfjmedt, fowof)! feiner 
©üte Wegen, aU audfj Wegen ber jebeSmaligen ©rinnerung 
an ben ©eber. -Jlodfj beffer aber fd^medt er mir in Sljrer 
OefettfdEjaft, unb xd) Ijoffe, nodEj fo oft nadj SRuSfau ju 
fomtgen, um 3^nen bort ben Setter ausleeren ju Reifert 

Stnbei überfd)ide id) Sfjnen ein bei mir eingegangenes 
©dfjreiben, ba3 8ie betrifft. %d) erbitte mir baffelbe jurüd, 
unb jugleidfj Sftre SKeinung barüber. 



430 



©mpfeljlen ©ie midj bcr grau gürftin! Steifen ©ie 
mit bem Sinne für ©otte£ fdjöne Statur, unb laffen ©ie bie 
ungefd&wänaten 93iber, bie man SRenfdjen nennt, barin it)r 
mutwilligem SEBefen treiben. Sie tjeben fie boclj ntdjt aus 
ifjren Singein. ©tetS 

©uer 2)urd)lautf)t 

treu ergebener 
©räüett. 



48. 

$ü<fler an ©tägemann. 
3Jlein üeretirtefter §err ©et) ©taat^3?atlj, 

Euer £ocf)tt>of)Igeboren fjaben mir nodj auf bie SReife 
ein paar SabinetSfd&reiben mitgegeben, bie icf) mir fretlid^ 
anberä erwartete. 

Snbeffen meinen Sreunben banfe i$, Wie bem Heben 
Herrgott, immer gleichermaßen für @ute3 unb 33öfe3 — alfo 
möge ba3 teuere §u meiner Sefferung bienen, unb e3 3$nen, 
mein Derefjrtefter £err, gefallen, nadj bem ^tafcregen audSj 
Wieber bie ©onne fdjeinen ju laffen. @o Diel für midj, aber 
fefjr Welj tfjut mir bie ©ntfd^eibung über ©rctoett, ber ge* 
toiff ermaßen meinetwegen leiben fott. 2)enn, wenn idfj ifjm 
audfj ben 2lu3brucf, ber geftraft Wirb, nidjt biftirt Ijabe, fo 
mürbe er iljm bocf) nur toon einer freunbfdfjaftfid&en 3nbtg= 
nation über bie mir Wiberfaljrene Se^anbtung eingegeben, 
unb ift geredet unb Wafjr. Sag aber eine gerechte unb 
Waljre Steuerung auf bie geftung füfjrt — ift ju be= 
bauern. 

SdE) ginge biet lieber felbft auf bie Seftung (Wo idEj ba3 
üergeffene Sateinifd) Wieber öornefjmen unb ©riedjifdfj fcaju 
lernen würbe) als ©räüeö biefeä ©d&icffat erleiben ^u feljen, 
Wa§ für ifjn fetjr tyart ift. 



I 



431 

könnten Sie mir nodfj ein SRittcI angeben, um e3 ab= 
äutoenben, fo ttmrben ©je mir bcn größten 2)ienft ertoeifen. 

3Jlan fagt, ©ie toären ungehalten auf btn SSerfaffcr ber 
„Sutti grutti". 9hm ben gebe idj S^nen um fo lieber 
*(5rei3, ba e§, mie bie gran^ofen fagen, un gaillard ift, ber 
ficJ), tote mir fd&eint, fetner £aut ju Wehren nidfjt bange ift, 
unb — bie $anb auf's ©erj! toenn bie armen ©dfjafe nidfjt 
nur gefroren, fonbem au$ gefdfjunben derben, fo fottte iljnen 
bodfj ein fleiner ©dfjmerjenSfdOrei nidEjt fo feljr jur ©ünbe 
gerechnet werben. 

3Ba3 nun midj felbft betrifft, fo bleibe icf) immer mit 
banfbarer SSereljrung, ©ebutb unb ©eljorfam 
©uer $odEjtt>ot)tgeboren 
ergebender 

Sßüdtter. 



49. 

©tägemann an $ü<JIer. 

SBerlm, ben 10. 3Rai 1834. 

©uer 2)urdfjlaud&t 
lanbfcfyaftfidfje Angelegenheit ift atterbingS burdfj meine geber 
gegangen; aber in biefer ©adje mar eine 3?emebur, nach @to. 
2)urdfjtaudEjt 2Bünfdf)en, auger allen ©rängen, unb idfj bin 
überzeugt, baß ©ie felbft bie Unmöglichfeit erf ernten, ba§ 
ffiabinet be3 fönigS §u- einer ^tiftanj für bie lanbttrirthfehaft* 
liehen Sayen $u machen. 

S)ie jtoeite Don ©m. Surchlaudfjt berührte Angelegenheit 
mar mir, aU ich 3h* ©^reiben erhielt, fremb unb aller* 
btngS überrafd)enb. @rft heute ^abe ich ben Auffd&lufj bar* 
über erhalten; auch bem |>errn fcon Sottum ift fie fremb 
geblieben. 

3<h nehme ben größten Anteil baran, meifj aber jefct 
ein Heilmittel nicht an^umenben, unb fann nur aufrichtig be* 



432 



bauern, baft unfcr greunb ©rctoett bcn $efu3 ©iradj nidfjt 
gelefett -f)at: „£), bafc idfj Knute ein ©dfjlofc an meinen 3Runb 
legen u. f. to." 216er lüte audfj 3. ©iracf) fagt: „2Ber ftd) 
getoötjnt §u fd(jmäf)ett, ber beffert fidfj feilt Sebtage nidfjt." 

2)a3 33ud(j „Sutti S^uttt" Ijabe idEj nodfj nidfjt gelefett, 
fantt alfo meber ©uteS uodfj SBöfeS batunt ,gefagt Ijabeit; e§ 
Ijat üietteidfjt im „Hamburger Sforrefpottbettteit * geftattbett, 
ber bort Serlitt meljr toeiß, aU mir felbft. SJiur Ijabe tdfj 
bie S)ebifatioti üorlefett fjören, toobei id&. freiließ jtoeifetyaft 
ttrnr utib nodfj bitt, fte ernft* ober fd&erjfjaft ju nehmen 
fei. Sftodj f)abe idfj gehört, baß bie ©eneral^ommiffton tti 
©olbiit eitriges toerabfdEjeuuttgSttriirbig fittbe, uub auf @. 
fliege. $dfj toünfdjte, baß $err Don ©r. je eljer je lieber 
auf einen falben Sag felbft ttadfj Serlin fäme. 

Unter Ijerjticfifter 83erfid(jernttg ber treueften SSere^rung 

©uer 3)urdEjIaudjjt 

gattä getjorfamfter S)iener 
©tagematttt. 



50. 

5ßü<Jler an * 

Carlsbad, le 8 juin 1834. 

Madame la Comtesse, • 

On ne fait pas impun6ment connaissance avec une 
famille aussi aimable que la votre, Madame - je veux 
dire qu'involontairement on sent un regret bien profond 
quand on est oblig6 de la quitter. «Pen 6tais si p6- 
nöträ hier soir que j'ai meme oublte de vous demander 
la permission to shake hands with you all k Panglaise, 
et que dans ma distraction j'ötais en sortant tout pret 
k me faire mettre par Lord Shrewsbury le manteau 



433 



de la Comtesse Ingenheim sur les Gpaules. J'avoue 
que ce demier trait m'a fait rire tont haut de moi- 
m&ne, quoique inWrieurement je n'6tais gußres disposä 
k la plaisatiterie. 

Ayant remarqu6 en revenantt chez moi que vos 
jeuncs dames n'ont lu les „Tutti Frutti" qu'ä, moitte, je 
sollicite la permission de vous offrir en 6change de la 
poösie de Lady 6. ma simple prose. En y jetant 
quelque fois un regard, vous m'oublierez un peu 
plus tard. 

J'esp^re, Madame, que vous excusere^ cette lettre, 
qui ne trouve sa source que dans le haut int6r6t et le 
profond respect que vous et les vötres doivent inspirer 
k tous ceux qui savent comme moi apprecier la rare 
alliance de la plus aimable bonte avec tous les avan- 
tages du rang et de Tesprit. 

Veuillez, Madame, etre encore FinterprSte de ces 
sentiments auprös de Mesdesmoisselles vos filles et de 
Lady Talbot (qui m'aurafi gätö , si je Tavais vu plus 
long temps) et de Mylord Shrewsbury, que je prie de 
ne pas me croire fou par rapport k Thistoire du man- 
teau d'hier. 

Le Prince de Pückler-Muskau. 



51. 

5ßüdtter an ©raf ©buarb ömt $ücf!er. 

granffurt, ben 14. 3uli 1834. 
SiebenSmürbiger unb teurer 93etter, 

3)iefen SRttterbiettft toergeffe idj S)ir nidjt — bodj benfe, 
ba& idf) erft fjeute am 14. 3nK, unb tute burdj ein IjalbeS 
SBunber, im glugc ber Steife ben ©rief, aber bie $iftolen 
leiber noefj nidjt erhielt. 

$ ü d l e r , »ritfrotdjffl unb XagfBü^er. VIII. 28 



434 



Der erfte toax atterliebft unb Sßüdfterifdh (car gräce 
a Dieu il y a beaueoup de race dans notre familie)} 
bie jtoeiten feljr ttntßommen. Dbgleidj Du metner nur 
fpotteft, toerbe ich bodj mein äRöglichfteS tljun, Deinen ebten 
SBaffen ein gute£ Stenomme ju geben. Dieu aidant von» 
en entendrez des nouvelles, toenn ich ihrer uur §abf)af 
»erbe. 

Sn Samberg Ijabe ich unferen Sarrnbadfjer Setter ge= 
troffen, ber mich gleichfalls endfjantirt h<*t; ein angenehmer 
SDtann, 4er ttiel erfahren. Daft er im Dienfte SRapofeonS 
unb bei feiner $erfon big ju feiner 2lbbanfung toerljarrtc, 
ift iljm feljr öerbacljt Horben, ich aber rechne e$ iljm jur 
hädfjften ©hre an, toährenb ich bie fädfjfifcfjen Ueberiäufer bei 
Seipjig inSgefammt grünblidfj tteracfjte. 

Deiner Stau ©emaljlin, ber fdjön gettmdfjfenen 3uno r 
füffe % idfj banfbar bie ipembe. ©ie §at einen fo angenehmen 
©inbruef bei mir jurücfgelaffen, baft ich ™ r fdfjtneichle, audj 
bei ihr im freunblidEjen Slnbenfen geblieben ju fein. 

SBenn ich noch ijmatfy, toünfdfjte ich wir ein fo gutes 
2oo£ ju jiehen ate Du, ttorljer muft ich ^ber auch ein toenig 
üon ber SBett feljen. 

Du tuirft in ber „Sittgemeinen" gelefen haben, ba§ ich 
nadfj Stmerifa gehe, öon ba nach Teneriffa, äJlabeira, *ßor* 
•tugal, Spanien, $ari§, URuSfau unb XfyomaStoatb'au. 

Stach furjer Siuhe auf ber Donau nach ffionftantinopel, 
©riedjenfanb, Steg^ten, Stfgier, unb jurücf über SKarfeille, 
bie ©chtoeij, Dijrol, ©aljburg, äRündfjen. 

Dann §etratl)e ich, totö wir öor ben (Schnabel fömmt, 
unb fefce mich befinitt) in 3Ru3fau jur 3tulje, ober, fann ich 
ba3 9teft üerfaufen, mo anberS. — 

Sebe moht unb t>ergnügt. 

Dein herjfich ergebener unb höchft banfbarer 
Setter unb greunb 
$. pcMer. 



435 



52. 

Iljeobor üon Sobbe an $ücfler. 

$atte, ben 5. 2Iuguft 1834. 
2)nrdjlaudjtigfter gürft, 

S)er SBunfdEj, große SDlänner fenncn $n lernen, ift na* 
türlidj unb öerjeiljtidEj. <3o tief biefcö Segeljren audj in 
meiner ©eele lebt, fo ergreift midj bodj alle Seit eine 2lrt 
Verecundia, toenn idj einen folgen Stritt tljue, bie midj 
attjufeljr bie eigne $leinf)eit füllen lägt. 

Snbem idj bie Seilage, meine erfte fc^rtftftetterifclje Sir* 
beit, anlege, »erben @uer 3)urdfjtaud)t hiermit nntertljänigft 
gebeten, mir Ijeute ober morgen ttor meiner Slbreife Don 5ßari£ 
eine Stubienj gnäbigft jn bewilligen, ben Ueberbringer biefeS 
aber bie ©tunbe be£ ©mpfangS gnäbigft hrifferi jn laffen. 

Untertljäntgft 

Sljeobor üon $obbe, 
©ro&fjerjoglidj Dlbenburgifc$er 
SanbeägeridjtSaff eff or. 
Hötel d'Angleterre Rue du Mail. 



53. 

^üefter an S)elmar, 

Verviers, le 9 septembre 1834. 

Je suis fäch6, mon eher Chevalier, d'6tre oblig6 
de vous mander que j'ai 6t6 — - tu6 b6tement pour 
m'avoir laiss6 surprendre par une distraction! Voulant 
partir jeudi ä Fentrö de la nuit , j'ai tard6 with my 
late dinner, et au moment du döpart j'entendis sonner 
minuit lugubrement. Dös ce malheureux instant il 
6tait donc vendredil vendredi jour noir et fatal, dont 
j'ai moi-m6me contribu6 k dövoiler la malice. Aussi 
toflt le voyage s'en est ressenti, et la fin en a port6 la 

28 # 



436 



peine — capitale. C'en est fait de l'assemblage d'a- 
tomes qui portait jadis le nom du Prince de Pttckler- 
Muskau, et me voilä d&jä dans le ventre d'une nouvelle 
m£re. Quant, dans 18 ans peut-etre, vous voyez un jenne 
homme, charmant, esptegle et tant soit peu mauvais 
sujet — un pressentiment secret vous dira: Voilä une 
personne, dont j'ai une id6e confuse comme si je Pa- 
vais d6jä connu un jour. Souvenez-vous alors de cette 
lettre — ce sera moi, ci-devant jeune homme, qui a 
quitte la vie justement ä temps pour escamoter les 
jours, dont le psalmiste dit: 

Iis ne me plaisent pas. 

Adieu. 

Le D6funt. 
Serrez la main pour moi ä Lady Delmar. 



54. 

Sßüdler an ©aUberger. 

SBetoierS, bcn 9. (September 1834. 
Sieber ipaüberger, 

@3 ift bieS letber ber lejjte S3rief, bcn ©ie Don mir 
erhalten. SWan fjat bcn SSerftorbenen beim SEBorte genommen. 
— ©orgen ©ie gut für mein 83ud(j, unb unterbrüden ©ie 
nun nidjtS in ber SBorrebe, ausgenommen bie 9lad)fdjrift, 
mie idj fdjon früher toünfdjte, unb fügen ©ie als legten 
©djerj, bie beifiegenbe Ijinju am ©nbe be3 99udjS. Die 
Sugenberinnerungen fdjenfe idj Sfjnen al3 Sfabenfen, 
unb toünfcfje, bafc meine (Erinnerung 3^nen angenehm bleiben 
möge. 

$. SßücHer. 



437 



»Herleite 9tad)fdjrift. 
Ijoffte S)ir, geliebte^ $ubtifum, nodj t>tcle redjt in* 
tereffante Scripte au§ Stmerifa ju überfenben, ba§ ©djicffal 
tyat e3 aber anbete befdjloffen. 

%<fy muß leiber Ijter fdjon mit geflügelten SBorten üon 
3)ir ben fürjeften Slbfdjteb nehmen, ba, ftatt ber fogenannten 
neuen SBelt in bie idj überfdjiffen wollte, mir jefct eine ganj 
unbefannte beöorfteljt, twn beren SanbungSplafce nodj niemanb 
®unbe gab. 

SiefleidEjt löfen fidj bort einige ber 3tätf)fet bte ttrir ju- 
»eilen mit einanber befpradjen .... 3)odj »erbe i dj 2)idj 
barüber Weber mefjr belehren nodj Verwirren fönnen, benn 
— lange elje S)u biefeS lefen wirft, Ijabe idj bereits in jebem 
©inne be3 SBorteä bie SDlaSfe mit ber SBaljrfjeit üertaufdjt, 
unb bin enbfidj wirflidj unb gewift 

Dein SSerftorbener. 



55. . 

$ücfler an ®raf Sreffon. 

Paris, le 15 septembre 1834. 
Mon ch'er Ministre, 

Des affaires indispensables tn'ayant retenu plus 
long-temps que je ne m'y attendait sur le continent, et 
forc6 d'abandonner mon projet d'un yoyage en Am6riqne, 
j'ai repris celui de visiter TOrient. Je m'empresse donc 
de me prövaloir de Toffre obligeant qne vous aviez la 
bontö de me faire avant mon d6part, en rous priant 
aujourd'hui de vouloir bien m'envoyer ä Paris sons 
Fadresse de Mr. de Eothschild quelques lettres de re- 
commandation pour Alger, Egypte et le Levant. 



438 



Toutefois je vous prie de n'en rien dire k la« 
Princesse Pückler, qui s'inqutete, je ne sais pourquoi, 
de ce voyage, et s'affligerait peut-3tre d'apprendre ma 
r6solution. Quand eile le saura par une lettre datee 
du Caire, eile s'en consolera plus ais6ment. 

Si vous avez, mon eher protecteur, des ordres k 
me donner pour ces pays, comptez que je les rem- 
plirais röligieusement, me flattant en tout cas de l'es- 
poir que vou3 me conserverez durant mon absence 
une petite place, bien pröcieuse pour moi, dans votre 
Souvenir. 

Je suis bien content de mon sdjour k Paris, quoi- 
que la saison n'&ait pas favorable. On m'y a presque 
gät6, et je n'oublierais jamais les gracieuses bontös, 
dont le Roi m'a vraiment combl6s, ainsi que toute la 
famille royale. M'ayant honor6 de plusieurs longs 
entretiens, il m'a aussi parte de vous, et vous pouvez 
vous imaginer avec quel z£le j'ai saisi Toccasion pour 
dire k Sa Majestö combien son Ministre 6tait aim6 et 
respecte k Berlin. J'emporte de Paris une bien autre 
id6e de T6tat des choses et des personnes que je ne 
m'en 6tais form6 auparavant, et ma faible voix ne se 
refusera pas le plaisir de le dire. Peut-Stre un jour 
arrivera, oü eile aura plus de poids dans ma patrie 
qu'aprösent. 

Je finis en vous rappelant, mon eher Ministre, 
une conversation que nous eumes un jour sur la croix 
d'officier de la 16gion d'honneur. Si cette distinetion 
se pouvait obtenir pour un certain individu, rien cer- 
tainement lui serait plus flatteur et d'autant plus 
agr6able qu'elle le mettrait k m&ne de quitter tacite- 
ment une däcoration qui n'est plus de saison nulle 
part. Je crois au reste que le terrain est actuellement 
assez bien pr6par6 pour cette demande, qui en tout 



439 



€as restera entre nous, car je vous parle en ami et ä 
«oeur ouvert, comme k quelqu'un qui connait toute ma 
fa§on de penser. 

Votre bien dävoue 

H. Pückler-Muskau. 



56. 

Dberft Karon an 5ßücfter. 

Courbevoie, le 17 septembre 1834. 
Mon eher Prince, 

Je me rends k l'ambassade voir Mr. le Major Cler, 
ou Mr. de Brassier. Je reviendrai k 2 heures pour 
vous dire ce qui se sera pass6 dans notre entrevue. 

Je prösume que le Colonel Kurse! a d6jk 6mt 
dans le sens de promesse, car voici une lettre du Major 
Hoflfmann en röponse k celle que je lui ai adress6e 
de Ltege. 

Vous verrez par les lignes inserröes dans la feuille 
ci-jointe de Galignani's Messenger que le docteur La- 
vacherie a us6 du droit que nous lui avons laiss6 de 
publier doucement la rencontre k la fronttere beige et 
prussienne. 

Jl y a deux petites niaiseries dans cette relation 
(c'est ce qui regarde Tessai des pistolets); mais tout 
le reste de la colonne est bien expos6, Vous jugerez. 

A revoir; k 2 heures. Je vous laisse d'avance ces 
papiers pour vous distraire. 

Votre d6vou6e 

Colonel Chevalier Caron. 



440 



57. 

Dberbireftor 93ttlje an $ü<flcr. 

SRuäfau, bcn 18. September 1834. 

- $ur<3jlaud)tigfter, 

©näbigfter gürft unb $err, 

#eute mufj idj, jebod) nur mit wenig SBorten, meine 
unb @urer 3)urcfjtqudf)t Sereljrer innige Staube über ^>öc^ft 
$)ero toeretjrteä, fo fetjntid) erwartetet ©^reiben t>om 9. b. 30t. 
anzeigen, ba3 geftern frütj fytt einging, unb beffen erfreu* 
tiefer Snljalt fidfj wie ein ßauffeuer in wenig SRinuten 
über ganj SRuSfau verbreitete, unb auf aßen ©efid&tern, 
benen man begegnete, lieber ben fo lange öermtfjten Srofj* 
finn toerfünbigte, ber bei 9Ret)reren jur au£getafjenften greube 
warb. S)em Gimmel fei 5)anf, bajj biefe SDtarter, unb glüdE* 
ttd^er, atö man e3 nur atjnen fonnte, vorüber ift, unb fidj 
fo ba$ alte ©}>rücf)Wort wieber einmal, unb fo erfreulich be* 
meieren ju woöen fdjeint. SSon allen ©eiten, unb f$on 
lange öor bem f)ier befannten Sage, an bem ba3 2)uett ftatt* 
finben follte, gingen ©erücf)te ^ier ijerum, bafj ®uer 2)urd)* 
lauert in biefem 2)uet( erf cfjoffen wären, wag Einige in ber 
„Hamburger #eitung" gelefen (jaben, Stnbere aus antuen* 
^ tifcfjen Duetfen wiffen wollten, unb woburdf) £err öon 2)ra* 
bijiu^ fidj fogar Veranlagt fanb, beStjalb offiziell an mid) ju 
fcfyreiben. 3Benngteid& idfj nun jenen ©erü<3jten unb 2ln* 
fragen, unb, wie e£ mir wenigftenS öorfam, mit ©rünben 
wiberfpraef) , fo Ijat man mir e$ bo# flft gewifj angefef)en, 
baf$ icf) felbft midfj nur ju überreben fudfjte; Wa3 afferbingS 
auch tidfjtig War, unb Wef$f)alb idj audf) jeber grage bar* 
über möglicfjft au^uweid&en fu$te. SRun aber ^abc idfj 
in bie Sßofaune geftojjen, unb na<3j allen £>immetegegenben 
bie frot)e 9ta<3jri$t verbreitet, Woju mir eine ©inlabung be§ 
83efi|er$ öon S)oebern $ur geitr feiner golbenen ^oc^jett, 
bie idfj f<3jon ausgeflogen §attc, geftern audfj gute ©etegen* 



441 



heit gab, ba ich bort eine ©efeöfdjaft öon gegen 100 5J5et> 
fönen aus ber ganjen Umgegenb toerfammett fanb. Sludfj Ijier 
erregte biefe -Wachrief) t größtenteils große Steube, unb äußer* 
ten auch ©inige, baß ©uer 2)urchtaucf)t boef) ein enormes 
©Kirf Ratten! fo mar mir bieS, unb tote e3 vielleicht gemeint 
mar, aiemtich gleichgültig, ba biefe Slffaire ©öchft Shren 
©egnern auch tpieber etmaS mehr SRefpeft einflößen mirb, 
mag berfetbc nun auf ben ©tauben an ©lücf, ober an ®e= 
fchidftidEtfeit unb geregte ©ad&e begrünbet fein. — 

Sluch ©uer Surdjlaucht grau 3ßutter, bie otjne 3^«fel 
auc^ ©orge für £öchft ©ie bis je|t in SSuhrau feft= 
gehalten, habe idf) gleich Nachricht gegeben, bie mir ihre große 
greube auch fdjon burdf) ben eben jurücfgefetjrten SSoten an* 
G^äctgt, unb fich nun jur SEBeiterreife entfdjfoffen hat. 

S)ie Sitte mehrerer ^Beamten, ihre in ber Slnlage aus* 
gebrochene grenbe über ben glüdftichen SluSgang be3 2)uett§ 
hier beijufügen, habe ich wfy ablehnen mögen, unb aus 
biefem ©runbe ,au<3j fchon fetbft bie§ Keine Format gemätjft. 
2lucf) geht fo eben bie Slntmort öon Uliben aus Griebel auf 
meine abfidjtliche Benachrichtigung ein, ber mich ftfj* bittet, 
audh feine unauSfprechliche greube ©uer 2)ur<$laudfjt gu 
metben. SRetjrere ber oben gebachten ©erüd^te hatten aber 
ihren Urftrung au$ Griebel! ©benfo habe ich $errn öon $)ra* 
bijiuS ju feiner Beruhigung -Jtachricht gegeben, ©uer ®urch* 
taucht aber ben Regreß an biejenigen $ßerfonen tjorbetjaften, 
burdf) beren authentifdfje SRachrichten fo große SSeftürjung unb 
öieffeidht auch 9iacbthetf h^r entftanben ift. — 

S5on ©efd^öftSfadhen fann ich f) eu * e unmöglich etmaS 
fchreiben, fonbern behalte mir bie§ t)or; nur fo biet mitl i<3j 
melben, baß #err Slother mir megen .ber ©hauffee färetbt, 
baß fte matjrfcheinlich über SRuSfau gebaut merben mirb. 

S)er ©roßherjog öon SBeimar hat einen Stbftcc^er t>on 
SreSben hieher gemalt, unb fich ben $arl befehen. ©r hat 
fich fehr befriebigenb über bie Slntagen geäußert, unb be* 



442 



fonberS (jat ifjn bie 5ßarK)ie be£ 33abe3 fe^r angefprodfjen. 
3)er fcfjtedfjte 2Beg bon 33au|en unb bie große f>i|e Ratten 
itjn fe^r fatiguirt, unb (jat er fid) aud& nur einen falben Sog 
(jier öertoeilt. 9luc§ ber ruffifcfje gürft Sieöen, ©ruber be3 
©efanbten, toax §ier, öon bem fid& aber ntd^ts fagen lägt. 

SRit ber Hoffnung, ©uer 2)urcf)Iaudjt balb ttrieber (jier 
ju feljen, öerbinbe idf) bie 83itte um ©rljaltung |>ödj)ftbero 
gnäbigen SBoljItt>ot(en8. 9Kit innigfter 33eref)rung 
Euer 2)urdfjlaucf)t 

untertl)änigfter Diener 
33et£)e. 



58. 

greubenabreffe an 5ßücfler. 

2Ku3fau, ben 19. (September 1834. 

2)urd&(au$tigfter gürft, 
©näbigfter Surft unb §err, 

SBenn ©tt>. 2)urdfjtaucf)t, toie toir ju f)offen toagen, fcon ber 
treuen Slntjängtidjfeit unb @rgebent)eit ber efjrerbietigft Untere 
jeidfjneten überzeugt finb, fo merben |>o$biefeIben Ieicf)t er* 
meffen, in meldte peinltdfje Spannung unb Seforgniß un£ bie 
fcon allen ©eiten juftrömenben ©erüd^te über ben unglttdflicfjen 
2ht3gang Qljrer geljbe öerfefcen mußten, ©etröfteten toir 
un§ aud&, baß bie aötoeife SSorfe^ung Sljr uns aöen fo 
tf)eure3 Seben nicf)t in bie $anb eines fdfjmäljfücfytigen geinbe3 
geben toerbe, fo fc^tug bod§ bie Sßelterfaljrung: baß bie Pfeile 
be3 UngtüdfS oft auf ben SEBürbigften erjielen — unfere 
berfidjt lieber nieber, unb mir fdfjfoanften jttrifdfjen 2tngft 
unb Hoffnung öon ©tunbe $u ©tunbe. 2)a — mit einem 
©dfjlage — öernicf)tete ®tt>. 2)urd(j(au#t ©igene gnäbige 9Rit* 
ttjeitung ba3 ganje ©ebäube ber gurcfjt unb £üge, unb er* 
füCfte aöer #erjen mit bem freubigften ©ntjüdfen. ©inb 



443 



mir auch auger ©tanbe, unfere ©efühle Hat in SBorten au§* 
aufbrechen, fo lägt uns bie SSegeifterung ber greube bodf) 
nicht gänjlich fdjmeigen, unb mir fyoffen, ©uer SDurdfjlaucht 
merben in biefem fchmadfjen SluSbrud bic 3#tte tnntgftcr 
S^icilna^me, bic Biegung treufter |)crjen nicht üerfennen. 

Segne bic ©unft be$ ©efchidtö mie bie vergangenen fo 
auch %ftxt fünftigen Sage, f djirnte unb erhalte 3h* tf)eure3 
Seben, unb führe @ie balb in ben ÄreiS berer jurücf, beren 
höchfter ©tolj unb fd£)önfte$ @ut e3 ift, fich nennen ju bürfen 
@m. 2)urdjlaud(jt 

treue Liener. 

(folgen bic Unterfchriften.) 



59. 

$räfibent Von 3?ot^er an Sßürfler. 

Slogan, ben 19. ©eptember 1834. 

SRein fyofytitttfyxttt Sürft, 

Scf) ^abe @uer Surdtjtaucht an mich gerichtete ©riefe 
öom 28. 3uti, 20. 2Iuguft, 2. unb 3. September nicht be* 
antworten motten, meil ich in Summer unb Ungemif$t)eit über 
ben 9tu3gang $f)rer Angelegenheit fchmebte. ©eftero erhielt 
ic^ enblicf) $$xtn fieben Srief öom 10. b. SR. aus Süttidj, 
melier mir bie glüdfliche S3eenbigung berfelben anzeigte; ©ie 
fönnen toerfietjert fein, >baf$ ich unb bie SReinigen ben größten 
Slntheil an biefer (Sache genommen haben, unb bog mir un§ 
herjlich freuen, bag ghnen ba3 Seben erhalten morben ift. 
S)er Inhalt %1)Tt$ Briefes vom 2. b. SR., in meinem ©ie 
mir, menn ba£ ©cf)i<ffal über Sie anberS öerfügt hätte, bie 
gürftin unb beren Angelegenheiten empfehlen, h a * mich fehr 
ergriffen. Ohne meitere SBorte ju öerfieren, unb ohne bie 
SRottoe ju berühren, melche meinen £anblungen für Sie unb 
für bie Sürftin bie Sichtung geben, fönnen Sie in atten 83er= 



444 



tjättniffen meines trieffeidfjt nicfjt meljr langen Sebent, auf 
bie Stynen gemibmete unfoanbetbare Sreunbjdfjaft rennen. 
3>fjre Diepgen Angelegenheiten merbe idf) als bie HReinigen in 
beftänbiger gürforge begatten. 

3n einer Sßad&t — id) meifj nidjt met)r in wdd)er, öiel* 
leidet öor ober nad) bem $)uetUXage — träumte mir, ba§ 
icf) ©ie fallen fat), unb baß ©ie fidj bie SBunbe mit ber 
redeten #anb jubelten. 3HS idj meiner ©efellfdjaft am 
STCorgen beim 3* üfrftücf ben Sraum erjagte, erttrieberten alle 
mit einer Stimme: baß ift ein Seiten, bafe er am Sebcn 
geblieben ift. gn ©Rieften unb in ©erlin — too idf) für jlid) 
auf tinige Sage getoefen bin — ttmrben ©ie fdjon öor brei 
SBodjen unb jefct mieberfjolt als tobtgefdjoffen angegeben; in- 
beffen barüber fonnte id) immer beruhigt fein, toeil id) nadj 
Sfjren ©riefen ju berechnen im ©tanbe mar, baß baS S)uetl 
erft in ben Sagen Dom 8. ab ftattgeljabt Ijaben fonnte, unb 
toetf idS) getoig barauf regnete, baß ©ie audj im fdfjlimmften 
Satt mir mürben tjaben SJiad&ridjt geben laffen. 

Sn Syrern legten lieben ©riefe f ^rieben ©ie mir: 
bog ©ie 3$r Seben — in ber ©ie befallenen mifc 
mutagen ©timmnng — aufjerorbenttidj niebrig an* 
fdjtagen, unb eS gegen geringen ©orttjeil jebet S^it 
einfe|en möchten. 
Semer fagen ©ie: 

SBie gefjt eS mit $ljrer ©efunb^eit? auf bie idf) fo 
t>tel SBertty fe|e, als auf bie meinige. 
$>a nun befanntfidfj baS Seben unb bie ©efunb^eit fetjr 
jufammen^ängenbe ©egenftänbe finb, fo bitte idj bodj fünftig 
meine ©efunbljeit — um mit 3?otljfdfjtfb ju fpredfjen — 
immer einige %ojent fyötier ju ftetten, als bie 3^rtge. 

S)em fei inbefj toie itjm tooüe, fo battfe idj %ftntn bod) 
recfjt ^erjKd^ für bie gettriß gutgemeinten SBünfdfje. ÄartSbab 
ift mir gut betommen, inbeffen tjabe idO bodfj auf meiner 
testen 9?eife Ijteljer mieber einen redfjt argen Sljtfatt gehabt, 



445 



ber aber burdj ein in einem 3Birtf)$I)aufe genommene^ ^ei§eö 
33ab, iiemlid^ — bis auf eine iurüdfgebliebene Stbfpannung — 
gehoben ju fein fcfjeint. 

SSon meinem legten Schreiben an SSettje in ber Sin- 
lei§e=2lngelegenljeit, auf meldte ©ie, unbefannt mit folgen 
©efdfjäften, einen ju großen SBertf) legen, tljeite id) S^nen 
Sibfdfjrift mit, unb behalte mir ba3 SBeitere nodfj bor, um 
S^nen bie Ueberjeugung ju trcrf Raffen, bafj ©ie nur 9tad^ 
tfjeil, aber niemals SSortljeit babei. erlangen fönnen. ©tauben 
Sie mir nur, bajs idfj e3 getoijj nidfjt öon ber #anb toeifen 
toürbe, menn idf) nur entfernt einen reellen SRufcen für Sie 
babei errieten fönnte. 

SSon bem 2lufent(jatt ber gürftin ift mir nichts brfannt; 
üiefleid&t feilen ©ie mir ettoaS bation mit — biefe öerefjrte 
Same toirb triel Slngft über ba8 nun beenbigte ©reignifj au£* 
geftanben fjabeu. 

9tun münfd^e iä) nidfjtö meiter, als bag biefer ©rief 
nodfj in ?ßari3 in Sljre §cmbe fommen möge, tooran idfj aber 
jtoeifte, meil ©ie mir fd&reiben, bag ©ie ftdfj fcfion am 
24. b. ÜDt. ein juf Riffen gebenfen. 3cf) merbe alle SOtafc 
regeln ergreifen, um folgen fo fdjnell als möglich nadfj $ari3 
ju beförbern. 

2>er §immel möge 3$ren SRißmut^ recfjt balb gänstief) 
Reitern, unb S^nen üorigenS bie befte ©efunbtjeit jum fjödfjften 
®urfe fd&enfen. 

SKit ber aufrid&tigften greunbfd&aft unb ©i^jeben^eit für 
©ie empfehle idjj midfj angelegenttid&ft ugb geljorfamft 

SKotfjer. 

N. S. 2lu3 bem (£t)auffeebau über SJluSfau bürfte nun 
bodjj tüo^l ettoaS toerben. 

Sdfj lefe nunmehr im SBagen „2utti grutti" mit 93c= 
badjt, ba id^ bie 33üc^er in meiner Äranffjeit in ^Berlin nur 
burcfjblättert t)abe. 3Bo bleiben benn aber ber britte unb 
bierte S5anb? 



446 



61. 

gürfttn 2lbelf>eib t>on Sarolatt) an *ßüdfler. 

SBilbbab Gtaftein. bcn 19. «September 1834. 
Sieber ^ücfter, 

©nbfidf) finb unfere §er$en t>on bcr fdfjretftidfjften 9lngft, 
bie toir fo lange, fo etoig lange um 3)idj auSgeftanben 
Ijaben, befreit, unb bagegen erfüllt mit ben innigften 3)anf* 
gefügten gegen ben ©ott ber ©ütc unb Siebe, ber Dein un§ 
fo tljeureS 2)afein unb mit bemfelben baSjenige meiner ge* 
liebten 2Rutter, ba3 fo unjertrennlid^ bamit toertoebt ift, er* 
galten f)at! 2Ba3 biefe ärmfte, t^eure ©eete um 3)id(j gelitten 
Ijat, mußte idfj nur ju toofjl, bie id§ ben ganjen Umfang 
iljrer Siebe für $)icf) fenne. — 2)ocf) erft in bem Slugenbttcf 
ber freubigften SCßonne über Steine ©rfjaltung macfjte fic bem 
gepreßten $erjen in einem ©trome bon Steubentljränen 

Suft. Denn fo groß toar ifjre öon lag ju lag 

ftdf) fteigernbe 2lngft um Did), baß fie faum felbft mit mir 
über biefe alle üjre ©eelenfräfte in Slnfprudfj neljmenbe ©orge 
fpradf) — bie icf) unb bie SReinigen mit einer Irene feilten, 
bie gewiß itjr unb Dir gleichmäßig galt, unb über bie idj 
feine SBorte madfje, afö nur bie Sufage Dir gebe, baß nädfjft 
ber guten, lieben 3Rama ntemanb — je n'excepte per- 
sonne! fo biet um Didf) gelitten !)at, als idf), unb niemanb 
freunbfdjaftlicfieren Stnt^ctl .nabm, aU mein guter ffltann. — 
Sange, ttrie lange fjaben ttrir biefe große Slngft gehabt, unb 
— ttrie ba$ immer in ber SEBelt fo get)t, l)at e3 nidjt an 
falfd&en unb fd(jredKid&en ©erü<3jten gefegt, bie uns ba3 am 
meiften ©efürdfjtete mit ben erfdfjrecfenbften Details als un= 
umftößlidfje ©elüißf)eit toerfidfjerten — Ijättefi Du, lieber 
Sßücfier, in folgen Momenten tote in einem 3<mberfpieget 
un§ erbtitfen fönnen, Du mürbeft, tooran Du auef) ^dffentlid) 
oljne bieS nie Steife! h e öf^ erfennen Ijaben fönnen, tt>eldf)e 
toafjren Sreunbe Du an uns Ijaft, ttrie lieb ttrir Dicf) fjaben. — 



447 



SJlctnc ®inber maren außer fiefj, unb menn fefjon ieij mußte, 
baß fie Sir f)er$tief) gut maren, ba Su immer fo freunbtidj 
gegen fie bift, fo glaubte ief) felbft niefjt, baß e§ in üjren 
Meinen #erjen mit fotcfjer ®raft ftcf) eingeprägt fjat! — ©ott 
fei benn öon ©runb ber ©eele Sauf bargebracfjt, baß er 
Sein ßeben erhielt, baß er Seine $anb, unb ma3 taufenbmal 
meljr ift, unb feine ©nabe fo tt)ie recfjtfcfjaffener 9Jlenfdfjen 
SeifaH Sir erroerben mirb, Seinen ©inn fo gut teufte, baß 
Su einen ©reis unb gamilienöater nicfjt töbtlicf) öermunben 
mollteft, unb bie ganje ©acfje fo ef)rent>oü unb glücflicf) 
ablief, mie mir e3 nur immer münfcfjen tonnten! — 

Sieber Sßüdtter, erfenne audj Su "bie fcfjüfcenbe 9Rad£)t 
be$ Slffgütigen, ber Sief) fo fidfjtbar erhielt, erfenne aber 
aucfj, icf) bitte Sidjj mit größter Snnigfeit, bie 5J5flidjt, bie 
^eilige $flicf)t, nicfjt neue ©efafjren abftdjtlidfj aufjufucfjen. 
Su bift e£ ber erljattenben 9Racf)t fdjutbig, aber am meiften 
Seinen Sief) fo über jeben 9lu3bru<f liebenben tfjeuerften 
greunben auf Srben, meiner teuren, geliebten äRutter, bereu 
Safetn ja fo eng mit bem Seinigen üerbunben ift, unb nitfjt 
b(o$ mit Seinem Seben, aber auefj mit Seinem 2Bot)tergef)en, 
baß e3 unbebingt nidjt allein ba3 irrige, ma3 un£ fo treuer 
ift, bebrof)t, menn Sir etmaS juftößt, aber audj bie ftete 
Sorge um Sief) fie moralifcf) töbtet. — D Ijöre bodfj auf 
bie Stimme magrer greunbfcfjaft, fud&e nicfjt in fo meiter 
gerne mutijmitlig ©efafjren auf. 3?ei$ ber Steufjeit, 9fru(jm 
unb @fjre finb jmar momentan befriebigenbe ©mpfinbungen, 
aber ba3 Semußtfein, baSjenige $ers, ma§ un$ am treueften 
tjienieben ergeben ift, um biefen $rei8 ju quälen, müßte Siefj 
boefj ftören, unb auefj in ©uropa fannft Su noefj ofjne bie 
SBeimifdfjung biefeä ftörenben ©efütjtö bie Slnberen nur um 
fo frofjer genießen. 

La preuve est que depuis la cdßv de France 
jusque dans les salons des partis les plus contraires 
Firne k Tautre le c616bre d6funt qui Dien merci se 



448 



porte k merveille est justement apröcte' «Tai vu beau- 
coup d'Autrichiens, Hongrais, Bavarais ici, qui vous 
admirent infiniment, et vous savez bien que je ne flatte 
pas si je dis que c'est le cas partout ailleurs — mais 
enfin songez a mänager cet aimable Lou et avec lui 
votrc bonne et tendre maman, qui a taut souffert, quelle 
ne peut presque pas se remettre, malgre la joye inr 
exprimable que votre lettre nous cause, ah! quelle puisse 
au moins vous voir eneore avant que vous r6alisez vos 
plans lointaius, qui, je Fespöre, serout retardäes par la 
saison avancäe — et moi aussi je d^sirerai de tont mon 
coeur vous embrasser et vous dire combien je suis 
heureuse de vous savoir sain et sauf! Ah ! quel anxtetö 
n'avous nous pas ressenties ! — Mon mari, qui est parti 
hier pour Venise, m'a bien prouve ce que je savais d&jüt, 
combien il est votre plus veritable ami. — Mouche 
n'est point ici; il est lui qui avec le coeur navrß nous 
a mand6 l'une de ses terrible nouvelles sur votre compte 
qu'on 6tait plut k röpandre; il vous est et sera toujburs 
bien affid6! — Gardez -nous, mon eher Pückler, votre 
amitte que Dieu vous b6nisse! et prouvez moi votre 
anritte en vous menageant; meß enfans vous embrassent 
de tout leurs coeurs ; j'ose dire quelle sont charmantes 
dans leurs joye de vous savoir sauv6 comme elles 
Fßtaient dans leurs douleurs lors quelles vous croyaient 
en dangä — aimez-les toujours. Lucie e616bra hier son 
12ieme jour de naissance; que Dieu me les conserve! 
Je reste pour la vie, mon eher ami, Votre plus sinc^re 
amie 

Adelaide Princesse Carolath n6e Pappenheim. 



449 



' 60. 

Dfcerft Saron an Sßüdler. 

Courbevoie, 21 septembre 1834. 

Mon Prince. Je suis plus pein6 que surpris de 
ce que vous me dites k F6gard du Colonel K. S'il est 
vrai qu'il s'es contente a bon march6 sur leterrain 
de l'explication, on ne peut pas dire qu'il n'ait fait preuve 
de bravoure. Je le plains beaucoup de s'6tre laiss6 
engager trop avant dans cette grave et inutile querelle. 

Mais ne voyez-vous pas clair6ment maintenant dans 
les dßbats des diplomates qu'il y a r6el6ment au 
fond une animositö de cour, et des passions de cour- 
tisans? Les personnages 616ves que vous avez stig- 
matis&s dans vos ecrits se soulävent: Mr. de Werther 
est leur avocat. II l'6tait en secret depuis le commen- 
cement. On a pr6par6 contre vous une petite trag6die 
et comme le d6noument n'a pas rßpondu a Pattente; 
des personnages de Berlin, on va sacrifier Col. K. qui 
est pourtant un brave et loyal officier. Mr. de Werther 
n'ayant plus besoin de vos confidences k Mr. de Cler, 
lui d6fend de se meler de cette affaire, et Mr. de Cler 
qui a r6dig6 avec vouz les lettres de rövocation, qui 
a apporte, on doit le croire, an esprit de- conciliation 
en tout trouve aujourd'hui que le Col. K. a eu tort, 
meme aprös un coup de pistolet et une blessure, de 
consentir k signer ces rßvocations r6dig6es chez lui. 
II pense qu'il valait mieux se faire ha eher en 
piäcesü! 

Quelle cons6quence doit on tirer de ces raisonne- 
ments? Le pauvre Col. 6tait Tinstrument d'une haine 
profonde, que de hauts et puissants personnages ont 
ressenti contre vous en lisant vos ouvrages critiques. 
Voilä le secret et la triste v6rit6. 

$ü<fler, «riefaedtfcl unb logebü^et. Vm. 2$ 



450 



Je communiquerai votre lettre au 66u6ral Excel- 
mans et m'en tieudrai lä comme vous le ctösirez. 

Nous allons voir comn,ent l'orage que Ton veut 
former, se prösentera ou se dissip6ra. 

Adieu, mon Prince. Ma famille part demain pour 
TAngleterre, mais je resterai k Paris. Je ne suis pas 
pr6par6 k ce nouveau yoyage. Vous pourrez continuer 
k m'6crire ici, si vous d6sirez quelque chose de moi. 

Votre tr6s dövouG 
Le Col. Ch. Caron. 



61. 

^üdter an bic gürftin Slb et^etb t>on ©arolatf). 

sparte, ben 29. ©eptcmber 1834. 

©üße Slbet^eib, Sein fjerjlidjer, lieber 93rtef fdfjmeidjelt 
uttb erfreut ben immer ju Seinen fdjönen Säßen liegenben 
aften ©tief (balb f)ätte id) ©tiefei gef daneben) gor feljr! 
Unb bie guten, lieben ©ngelc^en Ijaben audj meiner fo liebe* 
boö gebaut! 9lun, bog muß ©lücf bringen, unb ber £>immel 
fegne fcor allen bie Keinen, lieben Schönen felbft, mit jeber 
©adfje bie angetjenbe dornen erfreuen fonn, al§ ba finb bie 
^übfd^eften Xoitetten ber ©rbe, aflertiebfte (Seemänner, bie 
Ijerrlid&ften ©quipogen, ba3 befte ,&au3, bie brittanteften Sälle 
unb am Anfang nrie om @nbe: 

@in jufriebeneS §er^. 

©oge ifjnen bieS mit meinen aärtlidjften Hüffen auf 
£anb unb ©tim; taufenb 3)anf S)ir audfj, gute Slbelljeib, 
baß 5)u bie arme ©djnude, bie mir biet ©orge (unb eigent= 
lidj bie ffiinjige) in biefer Seit gemadjt, fo jort unb liebenb 
barüber l)intt>eg ju tragen gefugt. ©3 toax eine große S3e- 
ruf)igung t>on §aufe au$ für miclj, fie in biefer Srife nidfjt 
allein, unb in ber #anb berer ju toiffen, bie Statur unb Siebe 
gteidfj ftarf an fie fetten. 



451 



2)aj3 ntcm mich fo freigebig im SBafertanbe umgebracht 
berttmnbert mich nid&t. @ar SStele mögen e3 getoünfcht 
^aben, unb mancher grömmler tt)irb tion meinem Seben bie 
®hre nicht bem lieben ©ott, fonbern bem Xeufet geben, ber 
mir biegmal noch für ba£ ©efdfjenf meiner armen ©eele burdf) 5 
geholfen.. 

SEBir fefcen $u triel SBertt) auf biefe Spanne Seben, unb 
geben bem Sobe eine faft lächerliche SBichtigfeit — bem Xobe, 
ber uns jeben Slugenbtid brofjt! unb rooju mir nicht ffirieg, 
3)ueHe, Sfteifegefahren ju erwarten brauchen, unb baher auch 
nicht ju beforgen. 

S)ie ©<hnu<fe ^at ®ich angefterft, tiebenSroürbige #atbe, 
unb nach einer fet)r großen ^rebigt t>on ihr beglüdft S)u 
mich noch mit einer Keinen berfelben 2lrt als Seffert. 

SRein Seben fann ich freilich nicht verbürgen, aber, baß 
ich &r wenn meine SBeftimmung erreicht ift, eben fo ftdfjer 
in 9Jlu3fau enben toerbe, at3 in 2ltgier ober Äonftantinopel, 
beffen bin ich ganj gettnjs. 

2llfo fcormärtö, fo rufl unabtäffig ba3 Seben tote ber 
Sob. 5)ie Surfen finb fceit beffere $ßhüofo:phen als mir, 
bie auf all bergleichen nur antworten : ©ott ift grofj! 3)arin 
liegt aöe§, unb ba biefer große ©ott überall mit uns ift, fo 
beruhige bie gute @<hnu<f e über ba$ 8ßo ? ich merbe e3 über 
ba§ SEBie. S)enn ich toerbe fie überall gleich h a & en / unS) 
ba3 ift bie $aupt\ad)t. 

Sin ©arolath öiel ^crjtic^c unb gleich banfbare ©rüge. 
SDtouche triel ©<höne3, unb er fotl nicht fo fcfjnell an mir 
unb meinem guten ©lüdf berjroeifeln. äReine 9?oHe ift mel* 
leidet noch nicht auä, unb barum läfct mich bet liebe ©ott 
noch leben, geh nehme aber auch mit bem lobe fürlieb, 
menn e3 fein foö. 

®ein alter beöoüirter greunb 

$. *ßücfler. 



29* 



452 



62. 

^ütflcr an ©ufttne. 

Je ne saurais quitter Paris, mon eher Marquis, 
sans vous remercier de la charmante journ6e que vous 
m'avez fait passer k Enghien, et surtout du plaisir que 
je vous dois d'avoir pu. faire un peu plus amplement 
eonnaissance avec un homme aussi distingu6 et aussi 
aimable que vous. 

„L/auteur doit valoir mieux que son livre", aviez 
vous dit, et j'avoue que Pengagemeut me parut presque 
t6m6raire dans votre bouche. Cependant vous m'avez 
facilement cohvaineu que ce n'6tait que le sentiment de 
vos propres forces qui vous l'inspirait. Malgrö cela 
c'est un succös que peu d auteurs partageront ayec vous- 
11 faut pour cela non seulement 6tre fort riche en esprit, 
il faut encore avoir continuellement toute cette grande 
fortune ä sa disposition, et combien de gens n'y a-t-il 
pas, qui ont au contraire la meilleure partie de leur 
bien soigneusement enferm£e sous clef, ne pouvant 
ordinairement trouver cette clef, quand il serait le plus 
urgent de s'en servir! 

Je parle par exp6rience, hölas! et si je vous Tai 
trop prouv6 peut-etre, je vous prie au moins de croire 
que je n'en ai pas moins joui de tout ce qui s'est dit 
de spirituel et quelquefois de profond dans votre salon, 
qui repräsente encore ce beau temps de la France oü , 
la causerie vive et enjouäe, l'abandon, la gräce et la 
politesse la plus exquise faisaient de la soctetä de 
Paris les öiod&es et les d&ices de l'Europe, que Dieu 
avait consent dans ces beaux restes avec toutes les 
qualitös plus graves que votre nation se dispose d'a- 
qu6rir. — Qu'il y ait toujours au sein de cette grande 
nation des philosophes aussi aimables que bons, et que 
tous les ßtrangers insignifiants aussi qui visitent Paris, 



453 



en soyent toujoiirs si bien accueillis commte moi! 
Voilä les voeux qae je forme en vous disant adieu. 
Permettez que jy joigne l'assurance de mon plus par- 
fait devouement. 

H*. Pückler-Muskau. 



63. 

3Karqut3 91. bc Sufttne an Sßücfler. 

(1834). 

Vos flatteries, mon eher Prince, sont de vraies 
s6ductions; car lors m&ne que ma modestie aura repris 
le dessus, il me restera le vif dßsir de revoir une per- 
sonne, qui a pu penser de jnoi, ne fut-ce qu'un jour, 
tout ce que vous voulez bien me dire. Moi, je trouve 
que^ce n'est plus chez nous, et que c'est chez vous 
qu'il faut aller chercher ces modales de bon gout et de 
politesse qu'on trouvait jadis k Paris. Plus de soci6tö 
oü il n'y a plus de bienveillance! Votre soctete m'a 
confirmö dans mon opinion antipatriotique; mais eile a 
6t6 si courte, que je serais presque tentö de vous la 
reprocher; vous n'avez qu'un moyen d'6chapper ä mes 
plaintes et votre aimable lettre me fait esp6rer que la 
täche ne sera pas trop pönible. 

Je me häte de vous remercier dans Tidöe que ma 
r6ponse vous portera bonheur: Vous nous avez prouvö 
que les M ort s pouvaient ßcrire, et se porter tr&s-bien; 
mais on n'äcrit point aux morts; j'espäre donc que ce 
tömoignage de ma reconnaissance vous trouvera d61ivr6 
de l'ennuyeuse affaire qui vous a fait partir si vite. 
Reconnaissance n'est pas un mot satisfaisant; si j'osais, 
j'exprimerais mieux mon sentiment, tout nouveau qu'il 
puise vous parattre. En attendant que j'aye le courage 
d'articuler la parole qui me suffirait, permettez- moi de 



454 



vouß r6p6ter que je suis fier pour moi et pour mon 
pays, de tout ce que nous dit un observateur aussi fin, 
aussi profond que vous Tete»! II me semble qu'il n'y 
a de soctetö douce qu'avec les esprits qui nous jugent 
comme nous sommes. ' Mais oü sont-ils? Quand k moi, 
si vous ne voulez pas absolument m'en apporter un des 
plus distingu&s, que j'aye rencontrös, je vous demande 
la permission de l'aller cherch^r chez vous, ou m&ne 
en Amörique, si vous y prolongez votre sßjour! Mais 
alors vous ferez le revers du portrait d'aujourd'hui ; 
sans cela je n'oserai vous revoir avec s6curit6 ! — 

Vous pensez bien que j'ai 6t6 me vanter de votre 
lettre k Madame Gay, k qui je redevais la meilleure 
part de vos 61oges: au lieu de rabattre mon orgueil, 
eile m'a dit que nous avions assez de rapport ensemble 
pour nous etre entendu tout de suite. Je me suis sauvö 
de chez eile, en la priant de vous avertir qu'un beau 
jour je ferais encadrer votre lettre pour la suspendre 
dans le salon de St-Gratien. 

Recevez, je vous prie, Fexpression bien-sinc6re des 
sentiments que vous etes sans doute plus accontum6 ä 
inspirer que moi k öprouver. A. de Custine. 



64. 

Sßücfler an ©raf 83reffon. 

Tarbes, le 10. decembre 1834. 

Mon eher, trös-cher, et tr6s-honor6 Ministre, 
Avouez que vos revirements ministöriels en France 
sont une dröle de chose! Cependant je suis bien aise 
que vous n'ayez pas aeeeptö, votre temps n'est 
pas encore venu. Mais je ne saurais vous dire, mon 
excellent ami — si j'ose me permettre cette expression 
peut-6tre trop familiäre — avec quel satisfaction j'ai lu 



455 



la lettre que vous avez fait insörer dans les journaux. 
Le calme, la nublesse, )a force entrainante de votre 
style m'ont enchante. II n y y a que peu de mots, k la 
v6rite, mais: ex ungue leonem. Croyez-en mon pres- 
sentiment. Vous serez un jour avec 6clat k la tete du 
gouvernement de votre pays, oü vous ferez de grandes 
choses. C'est moi qui vous le dit, et il y a long-temps 
que je le sais. 

J'ai regu votre aimable lettre avec Fincluse et vous 
prie d'en recevoir, cherissime Excellence, mes plus 
sincäres remerciments. Quand ä vos dömarches, si 
aimables pour moi, aupres de Mr. de Rigny, je vous 
donne ma parole d'honneur que je mets plus de poids 
k savoir que vous les ayez faites qu'iSt leur r6ussite. 

Cette derniöre me parait d'ailleurs fort incertaine 
par ce canal. Je ne connais presque pas Mr. de Rigny. 
Ensuite il semble qu il est tr6s-H6 avec notre Ministie 
k Paris, et vous savez bien que je ne suis rien moins 
que proph&e dans mon pays. Je vous assure que je 
n'en suis pas moins bon et zel6 patriote, mais je ne 
crois pas que nous soyons dans la bonne voie, et je 
g6mis quand je pense que nous pourrions etre si grands, 
et que nous sommes si petit! 

Tout est propice k la Prusse, mais eile ne sait 
prendre un parti hardi et comforme k T6poque. 

Je partage bien le d6sir que vous me t&noignez 
d'une mani&re si aimable, de me retrouver encore k 
votre table hospitaltere, Pariser Platz No. 5. Soyez 
persuade aussi que cette maison renferme ä-peu-prös 
tout ce que je regrette k Berlin, et si jamais j'y retourne 
et vous y retrouve, ce sera bien la seule aussi que je 
fröquenterais, car la cour et la ville ne me tentent plus. 

Mais pour en revenir k Mr. de Rigny, je voulais 
dire que s'il communique un mot de votre mission ä 



456 



Mr. de Werther, je suis sür que Paffaire va 6chouir 
tout de suite. Si cela ne peut venir immediatement du 
Roi, il n'y a guäres d'espoir de räussite. 

Je me suis enferm6 six semaines k Tarbes pour 
finir deux volumes d'un ouvrage nouveau, dans lequel 
j'ai trouvö mainte occasion, k donner un peu l'essor k 
ma profonde vänöration k votre Roi et k ma recounais- 
sance des bont6s, dont il m'a honorö. C'est une faible 
voix, mais eile aura au moins le m6rite de la b6n6dic- 
tion du Pape : si eile ne fait pas bien, eile ne fera pas 
du mal non plus. Le papier me manque. Mille re- 
spects et ainittes. H. Pttckler. 

II m'est arriv6 une avanture assez singulare. Je 
viens d'apprendre que la police ma surveiltee pendaut . 
tout mon s&jour k Tarbe^, me prenant pour TAbb6 
Lamennais ! Dieu sait pourtant combien peu je lui res- 
semble. Cette avanture m'a beaucoup amus6. 



65. 

Sßücfler an bic ©djtoefter t>on Sorb Stjron. 
Tarbes aux pieds du Pyre'nees, le 10 decembre 1834. 

Le Prince de PUckler- Muskau est bien flatte et 
meme touchö de la demande que lui fait la soeur de 
Lord Byron! 

Lord Byron, que le Prince aime avec tant de 
passion qu'il ne voudrait pas qn'on öte de son Souvenir 
une seule de ses qualites, ni un seul de ses döfauts. 

Tel qu'il est, il est Phomme du Steele, honneur 
qu'il ne partage qu'avec Napoleon et Goethe. Ses 
dätracteurs ne sont que des chiens qui aboient k la 
lune, mais la eräature qui de la part de ses amis 
m6rite le plus de möpris et de haine .... h61at , ^i ne 
la devinerait pas! 



es ami! 



\